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GerechtsprechenEinsichten über die Heilige Schrift, Band 1
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In den Christlichen Griechischen Schriften, wo die umfassendste Erklärung dieses Themas zu finden ist, haben die entsprechenden Wörter (dikaióō [Verb], dikáiōma und dikáiōsis [Substantive]) im Wesentlichen den Sinn von „einen Freispruch erlangen“, „als gerecht hinstellen, behandeln oder erkennen“ (vergleiche W. Bauer, Griechisch-deutsches Wörterbuch zu den Schriften des Neuen Testaments und der frühchristlichen Literatur, 6. Auflage, Berlin 1988, Sp. 397; H. Menge, Langenscheidts Großwörterbuch Griechisch-Deutsch, 1973, S. 183; F. Passow, Handwörterbuch der griechischen Sprache, Nachdruck: Darmstadt 1983, Bd. I/1, S. 688).
So spricht der Apostel Paulus davon, dass sich Gott in seinen Worten ‘als gerecht erweist’ (eine Form von dikaióō) und einen Rechtssieg gewinnt, wenn er von Verleumdern gerichtet wird (Rö 3:4). Jesus sagte, dass sich ‘die Weisheit durch ihre Werke als gerecht erweist’ und dass die Menschen, wenn sie am Gerichtstag Rechenschaft geben werden, durch ihre Worte „gerechtgesprochen“ (eine Form von dikaióō) oder verurteilt werden (Mat 11:19; 12:36, 37). Der demütige Steuereinnehmer, der voller Reue im Tempel betete, sei, wie Jesus sagte, ‘als gerechter erwiesen in sein Haus hinabgegangen’ als der gleichzeitig mit ihm betende prahlerische Pharisäer (Luk 18:9-14; 16:15). Der Apostel Paulus sagt, jemand, der stirbt, sei „von seiner Sünde freigesprochen [eine Form von dikaióō]“, da er mit dem Tod gebüßt habe (Rö 6:7, 23).
Außerdem werden die griechischen Wörter jedoch noch in einem besonderen Sinn gebraucht, nämlich um einen Akt Gottes zu bezeichnen, durch den jemand für schuldlos erklärt wird (Apg 13:38, 39; Rö 8:33), und auch den Akt Gottes, jemand in der Lauterkeit für vollkommen zu erklären und des Rechts auf Leben für würdig zu beurteilen, wie noch gezeigt wird.
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GerechtsprechenEinsichten über die Heilige Schrift, Band 1
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Die Bedeutung dieses Ausdrucks wird klar, wenn man den Sinn des hier gebrauchten griechischen Wortes logízomai, „rechnen“, „anrechnen“, berücksichtigt.
Inwiefern Gerechtigkeit „angerechnet“ wird. Das griechische Verb logízomai wurde normalerweise für numerisches Rechnen, Kalkulieren oder Berechnen gebraucht, zum Beispiel bei der Kontenführung, und zwar sowohl für einen Eintrag auf der Habenseite als auch für einen auf der Sollseite. In der Bibel wird es in der Bedeutung von „rechnen“, „zugutehalten“, „anrechnen“ oder „in Betracht ziehen“ gebraucht. In 1. Korinther 13:5 heißt es zum Beispiel von der Liebe, dass sie ‘das Böse nicht anrechnet [eine Form von logízomai]’ (vgl. 2Ti 4:16); und der Psalmist David wird mit den Worten zitiert: „Glücklich ist der Mann, dessen Sünde Jehova keinesfalls anrechnet“ (Rö 4:8). Paulus zeigte denen, die die Dinge gemäß ihrem äußerlichen Wert ansahen, die Notwendigkeit, Angelegenheiten richtig abzuwägen, sozusagen beide Seiten der Medaille zu betrachten (2Ko 10:2, 7, 10-12). Gleichzeitig war Paulus darauf bedacht, dass ihm „niemand mehr zugutehalte [eine Form von logízomai]“, als es seinem Dienst entsprach (2Ko 12:6, 7).
Das Wort logízomai kann auch „achten“, „einschätzen“, „anrechnen“, „rechnen“ oder „dafürhalten“ (in Verbindung mit einer Gruppe, Klasse oder Kategorie) bedeuten (1Ko 4:1). Jesus sagte zum Beispiel, er werde „unter die Gesetzlosen gerechnet [eine Form von logízomai]“, d. h. wie sie erachtet oder als einer von ihnen angesehen (Luk 22:37). Der Apostel Paulus sagt in seinem Brief an die Römer, einem Unbeschnittenen, der das Gesetz halte, werde „seine Unbeschnittenheit ... als Beschneidung angerechnet“, d. h. so bewertet, geachtet oder angesehen, als sei sie Beschneidung (Rö 2:26). In ähnlichem Sinn werden Christen aufgefordert, ‘sich hinsichtlich der Sünde als tot zu rechnen, doch hinsichtlich Gottes als lebend durch Christus Jesus’ (Rö 6:11). Und obwohl gesalbte Christen, die aus den Nichtjuden stammen, keine fleischlichen Nachkommen Abrahams sind, werden sie doch „als der Same gerechnet“, d. h. als der Same Abrahams (Rö 9:8).
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