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  • Der Kampf gegen einen erbarmungslosen Feind
    Erwachet! 1987 | 22. Oktober
    • „Eine Plage in meinem Gehirn“

      Jeder erleidet dann und wann einen schmerzlichen Verlust und erlebt Enttäuschungen. Dann traurig zu sein ist an sich normal. Man igelt sich ein, versorgt seine Wunden und findet sich nach und nach mit der veränderten Lage ab. Man tröstet sich damit, daß morgen vielleicht schon alles anders aussehen wird, und hat bald wieder Freude am Leben. Bei schweren Depressionen ist das aber ganz anders.

      „Schon acht Monate lang hatte ich keinen Einkaufsbummel mehr gemacht, nichts konnte mich aufmuntern“, erzählte Elisabeth. Carol, der es ebenso erging, erklärte: „Es war wie eine Plage in meinem Gehirn, als ob eine schwarze Wolke über mir hinge. Die schrecklichen Gefühle wären auch nicht gewichen, wenn mir jemand eine Million Dollar geschenkt hätte.“ Ein Mann beschrieb es so, als habe man eine rauchgeschwärzte Brille auf — alles wirke eintönig. Obendrein habe die Brille Vergrößerungsgläser, so daß jedes Problem überwältigend erscheine.

      Depressionen äußern sich durch eine breite Gefühlsskala: von Traurigkeit über Hoffnungslosigkeit bis hin zu Selbstmordgedanken. (Siehe Kasten auf Seite 4.) Anzahl, Intensität und Dauer der Symptome bestimmen zusammengenommen, ob die Niedergeschlagenheit in eine schwere Depression umgeschlagen ist.

      Nicht immer leicht zu erkennen

      Depressionen sind nicht immer leicht zu erkennen, zumal der Betreffende auch über körperliche Störungen klagen kann. „Es stach in den Beinen, und manchmal tat es mir überall weh. Ich suchte einen Arzt nach dem anderen auf“, berichtete Elisabeth. „Ich war mir sicher, daß ein körperliches Leiden übersehen worden war und ich schließlich daran sterben würde.“ Wie Elisabeth klagen ungefähr 50 Prozent aller depressiv Kranken beim Arzt über körperliche statt über Gemütsbeschwerden.

      „Gewöhnlich klagen sie über Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, Verstopfung oder chronische Müdigkeit“, schreibt Dr. Samuel Guze, Leiter der psychiatrischen Abteilung der Washingtoner Universität in St. Louis, „verschweigen aber, daß sie traurig, hoffnungslos und mutlos gestimmt sind. ... Manche depressiv Kranken scheinen sich ihrer Depression gar nicht bewußt zu sein.“ Chronische Schmerzzustände, Gewichtsabnahme oder -zunahme und ein vermindertes sexuelles Verlangen gehören ebenfalls zum klassischen Krankheitsbild.

      Dr. E. B. L. Ovuga, der am Krankenhaus in Umzimkulu (Transkei, Südafrika) tätig ist, berichtet, daß sich depressive Afrikaner selten über Schuldgefühle oder Gefühle der Wertlosigkeit beschweren. Sie klagen dagegen darüber, daß sie überaktiv sind, sich zurückziehen und Schmerzen haben. Aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 1983 geht hervor, daß depressiv Kranke, die man in der Schweiz, im Iran, in Kanada und in Japan untersucht hat, überwiegend dieselben Grundsymptome wie Freudlosigkeit, Beklemmung, Lustlosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle aufweisen.

      Manche versuchen ihre Niedergeschlagenheit unter anderem durch den Mißbrauch von Alkohol und Drogen sowie durch wahllosen Geschlechtsverkehr zu bewältigen. Ja, „auch beim Lachen kann das Herz Schmerz empfinden“ (Sprüche 14:13). Das trifft vor allem auf Jugendliche zu. „Erwachsenen sieht man es ohne weiteres an, wenn sie entmutigt sind, aber wenn ein depressives Kind zu einem ins Behandlungszimmer kommt, merkt man davon keine Spur“, erklärte Dr. Donald McKnew vom Nationalen Institut für Mentalhygiene (NIMH) gegenüber Erwachet! „Deshalb ist die Depression im Kindesalter so lange unerkannt geblieben. Sobald man jedoch mit den Kindern darüber spricht, schütten sie sozusagen ihre Depression vor einem aus.“

  • Der Kampf gegen einen erbarmungslosen Feind
    Erwachet! 1987 | 22. Oktober
    • [Übersicht auf Seite 4]

      Die Gefühlsskala der Depression

      Gewöhnliche Mißstimmung Schwere Depression

      Stimmung

      Traurigkeit, normaler Kummer Erdrückende Hoffnungslosigkeit

      Selbstmitleid, Mutlosigkeit Wertlosigkeitsgefühl

      Selbstvorwürfe und Schuldgefühle Zerstörerische Schuldgefühle

      und Selbstvorwürfe

      Begrenzt genußfähig Nicht mehr genußfähig,

      gleichgültig

      Gedankenwelt

      Gewissensbisse und Bedauern Selbstmordgedanken

      Konzentrationsstörungen

      Dauer

      Kurze Dauer (wenige Tage) Längere Dauer (zwei Wochen

      oder länger)

      Körperliche Symptome

      Körperfunktionen normal Anhaltende Müdigkeit;

      unerklärliche Schmerzen

      Geringe körperliche Beschwerden Veränderung der Eß- und

      (vorübergehend) Schlafgewohnheiten

      Unfähig, still zu sitzen; Hin-

      und Herlaufen; Händeringen

      Sprache oder Körperbewegungen

      verlangsamt

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