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Gemüter in AufruhrErwachet! 2004 | 8. Januar
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Gemüter in Aufruhr
SEIT ihrem 14. Lebensjahr hatte Nicole schon des Öfteren Stimmungstiefs gehabt. Im Alter von 16 Jahren kam dann aber etwas Neues hinzu — Nicole verfiel in eine ungewöhnliche Euphorie und glaubte Bäume ausreißen zu können. Die Gedanken schwirrten ihr nur so durch den Kopf, sie sprach bruchstückhaft, litt unter Schlaflosigkeit und bezichtigte ihre Freunde ohne Grund, sie würden sie ausnutzen. Als Nächstes behauptete Nicole, sie könne beliebig die Farbe von Gegenständen verändern. Nicoles Mutter sah, dass es jetzt ohne ärztliche Hilfe nicht mehr ging, und brachte ihre Tochter ins Krankenhaus. Die Ärzte machten sich ein genaues Bild von Nicoles Stimmungswechseln und stellten schließlich ihre Diagnose. Nicole litt an einer bipolaren Störung.a
Wie Nicole leiden weltweit Millionen Menschen an einer Gemütskrankheit — sei es eine bipolare Störung oder irgendeine Form der Depression. Solche Leiden können furchtbare Auswirkungen haben. „Mein Leben war viele Jahre lang eine Qual“, sagt Steven. „Ich machte fürchterliche Tiefs durch und dann euphorische Hochs. Obwohl Medikamente und Therapien halfen, war es dennoch ein Kampf.“
Wodurch werden eigentlich Gemütskrankheiten verursacht? Wie fühlt sich ein Mensch, der an einer Depression oder an einer bipolaren Störung leidet? Wie können Betroffene — und diejenigen, die sich um sie kümmern — die nötige Hilfe erhalten?
[Fußnote]
a Diese affektive Störung wird auch als manisch-depressive Erkrankung oder manisch-depressive Psychose bezeichnet. Es gilt zu beachten, dass einige der angeführten Symptome auf Schizophrenie sowie auf Drogenmissbrauch hindeuten können oder möglicherweise sogar beim normalen Anpassungsprozess Heranwachsender auftreten. Eine Diagnose sollte nicht ohne eingehende fachärztliche Untersuchung gestellt werden.
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Leben mit einer GemütskrankheitErwachet! 2004 | 8. Januar
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In den vergangenen Jahren hat die Öffentlichkeit auch von bipolaren Störungen verstärkt Notiz genommen. Bipolare Störungen drücken sich unter anderem in starken Stimmungsschwankungen aus, die von Depression bis Manie (Hochstimmung) reichen. In einem neueren Buch der American Medical Association ist zu lesen: „Während der depressiven Phase können Betroffene von Selbstmordgedanken geplagt werden. In der manischen Phase der Krankheit können sie ihr klares Urteilsvermögen verlieren und sind womöglich nicht mehr in der Lage, die negativen Folgen ihrer Handlungen zu erfassen.“
In den Vereinigten Staaten leiden schätzungsweise 2 Prozent der Bevölkerung an bipolaren Störungen, was bedeutet, dass es allein in diesem Land Millionen Betroffene gibt. Doch nackte Zahlen können unmöglich beschreiben, wie qualvoll es ist, mit einer Gemütskrankheit zu leben.
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