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  • Leben mit einer Gemütskrankheit
    Erwachet! 2004 | 8. Januar
    • Bipolare Störung — beständiger Wandel

      Eine Depression ist eine echte Herausforderung. Erscheint in der Gleichung dann aber auch noch die Manie, dann ist das Ergebnis ein Leiden, das man als bipolare Störung bezeichnet.c „Das einzig Beständige an der bipolaren Störung ist der Wandel“, resümiert Lucia, eine Betroffene. Wie im Harvard Mental Health Letter ausgeführt wird, können bipolar depressive Menschen „unerträglich aufdringlich und beherrschend sein und dann kann ihre unbesonnene, rastlose Euphorie plötzlich in Wut und Gereiztheit umschlagen“.

      Lenore schildert die Hochstimmung während der manischen Phase so: „Ich sprühte regelrecht über vor Energie“, sagt sie. „Viele nannten mich eine Superfrau. Manche meinten: ‚Wenn ich nur etwas mehr wie du wäre.‘ Oft kam es mir vor, als hätte ich Bärenkräfte und könnte alles erreichen. Ich trieb wie wild Sport. Nachts schlief ich nur sehr wenig — zwei bis drei Stunden. Trotzdem wachte ich morgens genauso energiegeladen auf.“

      Mit der Zeit zog jedoch eine dunkle Wolke über Lenore auf. Sie erzählt: „Auf dem Höhepunkt meiner Euphorie spürte ich irgendwo tief drinnen etwas rumoren, es war wie ein laufender Motor, den ich nicht abstellen konnte. Meine blendende Stimmung schlug blitzartig um, ich wurde aggressiv und destruktiv. Ohne ersichtlichen Grund fiel ich verbal über irgendjemand aus der Familie her. Ich war wütend, benahm mich scheußlich und hatte mich überhaupt nicht mehr unter Kontrolle. Nach solchen fürchterlichen Szenen verließen mich gewöhnlich mit einem Mal die Kräfte, ich brach in Tränen aus und war völlig am Boden. Ich fühlte mich schlecht und wertlos. Dann wiederum konnte ich erstaunlich heiter sein wie zuvor, so als wäre nichts geschehen.“

      Das unbeständige Verhalten, das durch eine bipolare Störung hervorgerufen wird, kann bei Familienangehörigen ziemliche Verwirrung stiften. Mary, deren Ehemann an dieser Krankheit leidet, berichtet: „Es ist manchmal verwirrend, wenn mein Mann erst zufrieden und gesprächig ist und dann mit einem Mal niedergeschlagen und in sich gekehrt. Es ist für uns ein echter Kampf, zu akzeptieren, dass er das kaum beeinflussen kann.“

      Paradoxerweise ist eine bipolare Störung für den Betroffenen selbst oft mindestens ebenso belastend wie für sein Umfeld. „Ich beneide Menschen, die ein ausgeglichenes und stabiles Leben führen“, sagt Gloria, eine Betroffene. „Stabilität ist ein Ort, an den bipolar Erkrankte nur zu Besuch kommen. Keiner von uns lebt dort auf Dauer.“

      Welche Ursachen haben bipolare Erkrankungen? Auch bei ihnen spielen Erbfaktoren eine Rolle, und zwar noch stärker als bei der bloßen Depression. In einer Veröffentlichung der American Medical Association ist zu lesen: „Wissenschaftlichen Studien zufolge liegt bei engen Familienangehörigen — Eltern, Geschwistern und Kindern — von Menschen mit einer bipolaren Depression die Wahrscheinlichkeit, selbst daran zu erkranken, 8 bis 18 Mal höher als bei den nahen Verwandten Gesunder. Hat jemand einen engen Angehörigen, der an einer bipolaren Depression leidet, kann ihn das außerdem für schwere Depressionen anfälliger machen.“

      Im Unterschied zu Depressionen scheinen bipolare Störungen bei Männern und Frauen gleich häufig aufzutreten. Die Krankheit beginnt zumeist im jungen Erwachsenenalter, wurde jedoch auch schon bei Teenagern, ja selbst bei Kindern diagnostiziert. Gleichwohl kann es sogar für einen Facharzt sehr schwierig sein, die Symptome zu analysieren und die richtige Diagnose zu stellen. „Die bipolare Erkrankung ist das Chamäleon unter den psychiatrischen Störungen, denn ihre Symptomatik wechselt von Patient zu Patient und bei demselben Patienten von einer Krankheitsphase zur nächsten“, schreibt Dr. Francis Mark Mondimore von der Johns Hopkins University School of Medicine. „Sie ist ein Phantom, das sein Opfer im schwarzen Mantel der Melancholie beschleichen und dann für viele Jahre verschwinden kann, nur um irgendwann später im prächtigen, aber feurigen Gewand der Manie wieder aufzutauchen.“

  • Leben mit einer Gemütskrankheit
    Erwachet! 2004 | 8. Januar
    • c Wie Ärzte berichten, halten diese beiden Stimmungslagen jeweils oft monatelang an. Bei manchen Patienten kommt es dagegen zum „rapid cycling“, das heißt, ihr Zustand wechselt mehrmals im Jahr zwischen Depression und Manie. In seltenen Fällen vollzieht sich der Wechsel von einem Extrem ins andere innerhalb von 24 Stunden.

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