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  • Gute Eigenschaften für das Jüngermachen
    Der Wachtturm 2007 | 15. November
    • Gute Eigenschaften für das Jüngermachen

      „Geht . . . hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen“ (MATTHÄUS 28:19).

      1. Welche Fähigkeiten und welche Einstellung benötigten einige Diener Gottes in alter Zeit?

      DIENER Jehovas brauchen mitunter zusätzliche Fähigkeiten und eine bestimmte Einstellung, damit sie seinen Willen tun können. Ein Beispiel dafür waren Abraham und Sara. Sie verließen auf Gottes Geheiß das wohlhabende Ur und benötigten für das Nomadenleben spezielle Eigenschaften und Fähigkeiten (Hebräer 11:8, 9, 15). Josua musste mutig sein, auf Jehova vertrauen und seine Gesetze kennen, damit er die Israeliten in das Land der Verheißung führen konnte (Josua 1:7-9). Bezalel und Oholiab mussten trotz ihrer Talente mithilfe des Geistes Gottes noch hinzulernen, als sie an der Stiftshütte mitbauen und die verschiedenen Arbeiten beaufsichtigen sollten (2. Mose 31:1-11).

      2. Mit welchen Fragen über das Jüngermachen werden wir uns beschäftigen?

      2 Jahrhunderte später gab Jesus Christus seinen Nachfolgern den Auftrag: „Geht . . . hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, . . . lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe“ (Matthäus 28:19, 20). Niemals zuvor hatte jemand eine so ehrenvolle Aufgabe erhalten. Welche Eigenschaften sind für das Jüngermachen nötig? Wie können wir sie ausprägen?

      Tiefe Liebe zu Gott

      3. Welche Gelegenheit bietet uns das Jüngermachen?

      3 Menschen anzusprechen, um sie zu bewegen, den wahren Gott anzubeten, erfordert tiefe Liebe zu Jehova. Die Israeliten konnten ihre Liebe dadurch beweisen, dass sie Jehovas Gebote hielten, ihm annehmbare Opfer darbrachten und ihn durch Gesang priesen (5. Mose 10:12, 13; 30:19, 20; Psalm 21:13; 96:1, 2; 138:5). Wir beachten gleichfalls die Gesetze Gottes, aber unsere Liebe zu ihm äußert sich auch dadurch, dass wir uns am Jüngermachen beteiligen und mit anderen über Jehova und seine Vorsätze reden. Wir sollten überzeugt klingen und unsere Wortwahl sollte deutlich machen, wie wir persönlich über die von Gott erhaltene Hoffnung denken (1. Thessalonicher 1:5; 1. Petrus 3:15).

      4. Warum unterwies Jesus andere gern über Jehova?

      4 Aus tiefer Liebe zu Jehova sprach Jesus sehr gern über Gottes Vorsätze, das Königreich und die wahre Anbetung (Lukas 8:1; Johannes 4:23, 24, 31). Er sagte sogar: „Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende“ (Johannes 4:34). Auf ihn trafen folgende Worte des Psalmisten zu: „Deinen Willen zu tun, o mein Gott, ist meine Lust gewesen, und dein Gesetz ist in meinem Innern. Ich habe die gute Botschaft der Gerechtigkeit in der großen Versammlung kundgetan. Siehe! Meine Lippen halte ich nicht zurück. O Jehova, du selbst weißt dies wohl“ (Psalm 40:8, 9; Hebräer 10:7-10).

      5, 6. Was brauchen wir beim Jüngermachen vor allem?

      5 Aus Liebe zu Gott reden Neue, die gerade die biblische Wahrheit kennengelernt haben, manchmal so überzeugt von Jehova und vom Königreich, dass sie dadurch andere anregen, sich ebenfalls mit der Bibel zu befassen (Johannes 1:41). Liebe zu Gott ist tatsächlich die wichtigste Triebkraft für unsere Beteiligung am Jüngermachen. Erhalten wir diese Liebe deshalb lebendig, indem wir regelmäßig in Gottes Wort lesen und darüber nachsinnen (1. Timotheus 4:6, 15; Offenbarung 2:4).

      6 Die Liebe zu Jehova trug zweifellos dazu bei, dass Jesus Christus ein eifriger Lehrer war. Aber sie war nicht allein ausschlaggebend für seinen Erfolg als Königreichsverkündiger. Welcher Wesenszug half ihm noch, Jünger zu machen?

      Liebevolles Interesse an anderen

      7, 8. Wie betrachtete Jesus andere?

      7 Jesus war sehr an Menschen interessiert und um sie besorgt. Bereits in seinem vormenschlichen Dasein lag ihm als Gottes „Werkmeister“ alles, was mit den Menschen zu tun hatte, am Herzen (Sprüche 8:30, 31). Auf der Erde zeigte Jesus Mitgefühl mit anderen und erquickte alle, die zu ihm kamen (Matthäus 11:28-30). Jesus spiegelte die Liebe und das Mitgefühl Jehovas wider; dadurch fühlten sich andere zur Anbetung des allein wahren Gottes hingezogen. Menschen aller Art hörten Jesus zu, weil er an ihnen und ihren persönlichen Verhältnissen liebevoll interessiert war (Lukas 7:36-50; 18:15-17; 19:1-10).

      8 Als Jesus einmal von einem Mann gefragt wurde, was er tun solle, um ewiges Leben zu erben, sah Jesus ihn an und „empfand Liebe zu ihm“ (Markus 10:17-21). Über Personen aus Bethanien, die Jesus unterwiesen hatte, heißt es: „Jesus . . . liebte Martha und ihre Schwester und Lazarus“ (Johannes 11:1, 5). Jesus lag so viel an den Menschen, dass er sogar auf die nötige Ruhe verzichtete, um sie zu lehren (Markus 6:30-34). Wie kein anderer war er liebevoll an Menschen interessiert, weshalb sich auch viele zur wahren Anbetung hingezogen fühlten.

      9. Welche Einstellung bewies Paulus beim Jüngermachen?

      9 Der Apostel Paulus war ebenfalls sehr an denjenigen interessiert, denen er predigte. An Christen, die in Thessalonich gläubig geworden waren, schrieb er: „Da wir . . . eine innige Zuneigung zu euch haben, hat es uns wohlgefallen, euch nicht nur an der guten Botschaft Gottes teilhaben zu lassen, sondern auch an unseren eigenen Seelen, weil ihr uns lieb geworden wart.“ Die liebevollen Bemühungen des Paulus hatten dazu geführt, dass sich einige in Thessalonich von ihren Götzen abwandten, ‘um wie Sklaven dem lebendigen Gott zu dienen’ (1. Thessalonicher 1:9; 2:8). Wenn wir wie Jesus und Paulus echtes Interesse an anderen haben, können auch wir die Freude erleben, dass Menschen, „die zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind, von der guten Botschaft tief berührt werden (Apostelgeschichte 13:48).

      Ein aufopferungsvoller Geist

      10, 11. Warum setzt das Jüngermachen einen aufopferungsvollen Geist voraus?

      10 Wer mit Erfolg Jünger machen möchte, braucht einen aufopferungsvollen Geist. Er sieht es ganz bestimmt nicht als erstrebenswert an, reich zu werden. Jesus sagte zu seinen Jüngern: „Wie schwierig wird es für die sein, die Geld haben, in das Königreich Gottes einzugehen!“ Die Jünger wunderten sich über diese Worte, aber Jesus fügte hinzu: „Kinder, wie schwierig ist es, in das Königreich Gottes einzugehen! Es ist leichter für ein Kamel, durch ein Nadelöhr hindurchzugehen, als für einen Reichen, in das Königreich Gottes einzugehen“ (Markus 10:23-25). Jesus empfahl seinen Nachfolgern ein einfaches Leben, weil sie sich auf das Jüngermachen konzentrieren sollten (Matthäus 6:22-24, 33). Wieso ist ein aufopferungsvoller Geist eine Hilfe beim Jüngermachen?

      11 Alles zu lehren, was Jesus gebot, kostet viel Mühe. Normalerweise möchte zum Beispiel jemand, der mit einem Interessierten die Bibel studiert, das Studium jede Woche durchführen. Um mehr Möglichkeiten zu haben, nach aufrichtigen Personen zu suchen, haben manche Königreichsverkündiger ihre Arbeitszeit reduziert. Tausende haben eine Fremdsprache gelernt, um in ihrer Gegend bestimmte Volksgruppen zu erreichen. Einige sind in eine andere Gegend oder in ein anderes Land gezogen, um sich vermehrt an der Ernte zu beteiligen (Matthäus 9:37, 38). All das erfordert einen aufopferungsvollen Geist. Wer Jünger machen möchte, braucht aber noch mehr.

      Geduldig sein, ohne Zeit zu verschwenden

      12, 13. Warum ist Geduld beim Jüngermachen so wichtig?

      12 Geduld hilft ebenfalls beim Jüngermachen. Die christliche Botschaft fordert zwar ein unverzügliches Handeln, doch für das Jüngermachen ist oft viel Zeit und Geduld erforderlich (1. Korinther 7:29). Jesus zum Beispiel war mit seinem Halbbruder Jakobus nicht ungeduldig. Jakobus wusste zwar von Jesu Predigttätigkeit, irgendetwas hielt ihn aber eine Zeit lang davon ab, ein Jünger Jesu zu werden (Johannes 7:5). Letzteres geschah dann offenbar in der kurzen Zeit zwischen dem Tod Christi und Pfingsten 33 u. Z., denn gemäß der Bibel kam Jakobus mit seiner Mutter, seinen Brüdern und den Aposteln zum Gebet zusammen (Apostelgeschichte 1:13, 14). Er machte gute Fortschritte und trug später in der Christenversammlung große Verantwortung (Apostelgeschichte 15:13; 1. Korinther 15:7).

      13 Wie Landwirte säen Christen etwas, was oft erst mit der Zeit wächst: ein Verständnis des Wortes Gottes, Liebe zu Jehova und eine christliche Gesinnung. Sie brauchen Geduld. Jakobus schrieb: „Übt . . . Geduld, Brüder, bis zur Gegenwart des Herrn. Seht! Der Landwirt wartet die köstliche Frucht der Erde ab und übt Geduld ihretwegen, bis er den Frühregen und den Spätregen erhält. Übt auch ihr Geduld; befestigt euer Herz, denn die Gegenwart des Herrn hat sich genaht“ (Jakobus 5:7, 8). Jakobus forderte Glaubensbrüder auf, ‘bis zur Gegenwart des Herrn Geduld zu üben’. Jesus erklärte seinen Jüngern, wenn sie etwas nicht verstanden, geduldig den Sachverhalt oder veranschaulichte ihn (Matthäus 13:10-23; Lukas 19:11; 21:7; Apostelgeschichte 1:6-8). Heute, wo der Herr gegenwärtig ist, brauchen wir bei unseren Bemühungen, Jünger zu machen, ebenfalls Geduld. Personen, die in der heutigen Zeit Nachfolger Jesu werden, müssen geduldig unterwiesen werden (Johannes 14:9).

      14. Wie können wir unsere Zeit beim Jüngermachen weise einsetzen, wenngleich wir geduldig sind?

      14 Doch selbst wenn wir geduldig sind, trägt das Wort keineswegs bei der Mehrzahl der Menschen Frucht, mit denen wir ein Bibelstudium beginnen (Matthäus 13:18-23). Zeigt sich bei jemandem keine Frucht, nachdem wir uns in vernünftigem Maß bemüht haben, wäre es weise, unsere Zeit lieber dafür einzusetzen, nach Menschen zu suchen, welche die biblische Wahrheit eventuell mehr schätzen (Prediger 3:1, 6). Es kann natürlich vorkommen, dass selbst empfänglichen Personen längere Zeit geholfen werden muss, ihre Ansichten und ihre Einstellung zu ändern und andere Prioritäten zu setzen. Daher sind wir ebenso geduldig, wie es Jesus mit den Jüngern war, denen es schwerfiel, die richtige Einstellung zu entwickeln (Markus 9:33-37; 10:35-45).

      Die Lehrfähigkeit verbessern

      15, 16. Warum sind Einfachheit und gute Vorbereitung beim Jüngermachen so wichtig?

      15 Liebe zu Gott, Interesse an Menschen, ein aufopferungsvoller Geist und Geduld sind wichtige Faktoren beim Jüngermachen. Doch man muss sich auch bestimmte Lehrmethoden aneignen, damit man etwas klar und unkompliziert erklären kann. Viele Aussprüche Jesu Christi, des großen Lehrers, waren wegen ihrer Einfachheit besonders wirkungsvoll. Wahrscheinlich kennen wir Aussprüche von ihm wie: „Häuft euch . . . Schätze im Himmel auf.“ „Gebt das Heilige nicht Hunden.“ „Die Weisheit [erweist sich] durch ihre Werke als gerecht.“ „Zahlt . . . Cäsars Dinge Cäsar zurück, Gottes Dinge aber Gott“ (Matthäus 6:20; 7:6; 11:19; 22:21). Jesus machte natürlich nicht nur kurze Aussagen. Er lehrte mit aller Deutlichkeit und erklärte wenn angebracht Gedanken auch eingehend. Wie können wir Jesus in seiner Art zu lehren nachahmen?

      16 Wer einfach und deutlich lehren möchte, muss sich sorgfältig vorbereiten. Ein unvorbereiteter Verkündiger redet eher zu viel. Er sagt vielleicht alles, was er zu einem Thema weiß, wobei die Hauptgedanken in seinem Redeschwall untergehen. Ein gut vorbereiteter Verkündiger denkt dagegen über die Person nach, die er unterweist, macht sich über das Thema Gedanken und legt nur das deutlich dar, was nötig ist (Sprüche 15:28; 1. Korinther 2:1, 2). Er berücksichtigt, wie viel der Studierende bereits weiß, und überlegt, welche Punkte im Studium hervorzuheben sind. Dem Verkündiger ist vielleicht viel Interessantes zu dem Thema bekannt, doch er verzichtet der Klarheit wegen darauf, Unnötiges zu erwähnen.

      17. Wie können wir anderen helfen, auf biblischer Grundlage Schlüsse zu ziehen?

      17 Jesus legte den Menschen nicht nur Fakten dar, sondern half ihnen auch, Schlüsse zu ziehen. Einmal fragte er zum Beispiel: „Was denkst du, Simon: Von wem erhalten die Könige der Erde Abgaben oder Kopfsteuer? Von ihren Söhnen oder von den Fremden?“ (Matthäus 17:25). Vielleicht sprechen wir so gern über biblische Themen, dass wir uns bewusst zurückhalten müssen, damit der Studierende ebenfalls zu Wort kommt oder sich zu dem Sachverhalt äußern kann, der im Heimbibelstudium gerade behandelt wird. Wir dürfen natürlich auch niemand mit Fragen überschütten. Helfen wir dem Studierenden mit Takt, treffenden Veranschaulichungen und gut durchdachten Fragen, die biblischen Erklärungen in unseren Veröffentlichungen zu verstehen.

      18. Was bedeutet es, die „Kunst des Lehrens“ zu entwickeln?

      18 In der Bibel ist von der „Kunst des Lehrens“ die Rede (2. Timotheus 4:2; Titus 1:9). Das schließt viel mehr ein, als nur jemandem zu helfen, sich bestimmte Fakten zu merken. Es bedeutet, jemandem behilflich zu sein, den Unterschied zwischen Wahrheit und Irrtum zu erfassen, zwischen Gut und Böse, zwischen Weisheit und Torheit. Wenn wir bei dem Studierenden zudem die Liebe zu Jehova vertiefen, wird ihm wahrscheinlich bewusst, warum er Jehova gehorchen sollte.

      Sich eifrig am Jüngermachen beteiligen

      19. Wie tragen alle Zeugen Jehovas zum Jüngermachen bei?

      19 Die Christenversammlung ist eine Gemeinschaft, die Jünger macht. Wenn ein neuer Jünger hinzukommt, darf sich nicht nur der Zeuge Jehovas freuen, der ihn fand und ihm half, das kennenzulernen, was die Bibel lehrt. Wird ein vermisstes Kind gesucht, findet wahrscheinlich nur einer aus dem Suchtrupp das Kind. Doch wenn es seinen Eltern übergeben wird, freuen sich alle an der Suche Beteiligten (Lukas 15:6, 7). Auch das Jüngermachen ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Alle Zeugen Jehovas beteiligen sich an der Suche nach voraussichtlichen Jüngern Jesu. Und wenn ein Neuer die Zusammenkünfte im Königreichssaal besucht, tragen alle Anwesenden dazu bei, dass seine Wertschätzung für die wahre Anbetung steigt (1. Korinther 14:24, 25). Daher kann sich jeder Zeuge darüber freuen, dass Jahr für Jahr Hunderttausende neue Jünger hinzukommen.

      20. Was solltest du tun, wenn du gern andere über die biblische Wahrheit unterweisen würdest?

      20 Viele treue Zeugen Jehovas würden sehr gern jemand über Jehova und die wahre Anbetung unterweisen. Doch trotz größter Anstrengungen ist ihnen das vielleicht noch nicht gelungen. Falls das auch auf dich zutrifft, dann vertiefe weiterhin deine Liebe zu Jehova, sei an Menschen interessiert, aufopferungsvoll und geduldig und bemühe dich, deine Lehrfähigkeit zu verbessern. Erwähne vor allem in deinen Gebeten, wie gern du jemand über die Wahrheit unterweisen würdest (Prediger 11:1). Und vergiss nicht, dass alles, was du im Dienst für Jehova tust, zum Jüngermachen beiträgt, durch das Gott verherrlicht wird.

  • Beim Jüngermachen dem Beispiel Jesu folgen
    Der Wachtturm 2007 | 15. November
    • Beim Jüngermachen dem Beispiel Jesu folgen

      „Gebt . . . acht, wie ihr zuhört“ (LUKAS 8:18).

      1, 2. Warum sollten wir beachten, wie Jesus beim Predigen mit anderen umging?

      JESUS CHRISTUS, der große Lehrer, der sich dem Jüngermachen widmete, forderte seine Nachfolger einmal auf: „Gebt . . . acht, wie ihr zuhört“ (Lukas 8:16-18). Das gilt auch für uns als Königreichsverkündiger. Wenn wir auf Unterweisung hören, können wir das Gelernte auch anwenden und das Königreich wirkungsvoll verkündigen. Wir können Jesus heute natürlich nicht buchstäblich zuhören, aber wir können in der Bibel nachlesen, was er gesagt und getan hat. Was wird in der Bibel zum Beispiel darüber berichtet, wie er beim Predigen mit den Menschen umging?

      2 Jesus war ein ausgezeichneter Prediger der guten Botschaft und ein herausragender Lehrer der biblischen Wahrheit (Lukas 8:1; Johannes 8:28). Das Jüngermachen erfordert, sowohl zu predigen als auch zu lehren. Einige Verkündiger sind zwar gute Prediger, aber es fällt ihnen schwer, wirkungsvoll zu lehren. Zu predigen bedeutet, eine Botschaft zu verkündigen; will man jedoch Jünger machen und andere über Jehova und seine Vorsätze unterweisen, muss man in der Regel ein persönliches Verhältnis zu ihnen aufbauen (Matthäus 28:19, 20). Dabei sollten wir uns Jesus Christus zum Vorbild nehmen (Johannes 13:13).

      3. Wie wirkt es sich auf das Jüngermachen aus, Jesu Beispiel nachzuahmen?

      3 Damit wir Jesu Lehrmethoden nachahmen können, müssen wir uns an den Rat des Apostels Paulus halten: „Fahrt fort, in Weisheit gegenüber den Außenstehenden zu wandeln, indem ihr die gelegene Zeit für euch auskauft. Eure Rede sei stets gefällig, mit Salz gewürzt, damit ihr wisst, wie ihr jedem zu antworten habt“ (Kolosser 4:5, 6). Jesu Beispiel zu folgen macht zwar etwas Mühe, doch unser Lehren wird wirkungsvoller sein, weil wir ‘wissen, wie wir jedem zu antworten haben’.

      Jesus ermunterte andere, sich zu äußern

      4. Warum kann man sagen, dass Jesus gern zuhörte?

      4 Schon als Kind hörte Jesus gern anderen zu und versuchte herauszufinden, wie sie dachten. Im Alter von 12 Jahren fanden ihn seine Eltern im Tempel, wie er mitten unter den Lehrern saß, „ihnen zuhörte und sie befragte“ (Lukas 2:46). Jesus war nicht dorthin gegangen, um die Lehrer mit seinem Wissen in Verlegenheit zu bringen. Er wollte ihnen zuhören, wenngleich er auch Fragen stellte. Wohl nicht zuletzt weil er gern zuhörte, nahm er bei Gott und den Menschen an Gunst zu (Lukas 2:52).

      5, 6. Wieso wissen wir, dass Jesus denen zuhörte, die er lehrte?

      5 Auch nach seiner Taufe und Salbung zum Messias blieb für Jesus das Zuhören wichtig. Er ging nicht so sehr im Lehren auf, dass er die Menschen vergaß, die gekommen waren, um ihm zu lauschen. Häufig hielt er inne, fragte, wie sie dachten, und hörte sich ihre Antworten an (Matthäus 16:13-15). Zu Martha sagte er beispielsweise nach dem Tod ihres Bruders Lazarus: „Jeder, der lebt und Glauben an mich ausübt, wird überhaupt nie sterben.“ Dann fragte er sie: „Glaubst du das?“ Und er hörte gewiss zu, als Martha antwortete: „Ja, Herr; ich habe geglaubt, dass du der Christus, der Sohn Gottes, bist“ (Johannes 11:26, 27). Wie befriedigend es für Jesus gewesen sein musste, Marthas Glaubensäußerung zu hören!

      6 Als ihn viele Jünger verließen, wollte Jesus wissen, was die Apostel davon hielten. Er fragte sie: „Ihr wollt doch nicht etwa auch weggehen?“ Simon Petrus antwortete: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist“ (Johannes 6:66-69). Wie sehr sich Jesus über diese Worte gefreut haben muss! Über eine vergleichbare Glaubensäußerung eines Studierenden wären wir bestimmt auch erfreut.

      Jesus hörte respektvoll zu

      7. Wie kam es, dass viele Samariter an Jesus glaubten?

      7 Jesu Erfolg beim Jüngermachen war auch darauf zurückzuführen, dass er an den Menschen interessiert war und ihnen respektvoll zuhörte. Am Jakobsbrunnen in der Nähe von Sychar gab Jesus einmal einer Samariterin Zeugnis. Bei dieser Gelegenheit redete aber nicht nur er. Jesus hörte sich auch an, was die Frau zu sagen hatte. Dabei fiel ihm ihr religiöses Interesse auf, und er sagte zu ihr, Gott suche nach Menschen, die ihn mit Geist und Wahrheit anbeten. Jesus begegnete dieser Frau mit Achtung und aufrichtigem Interesse, woraufhin sie anderen von ihm erzählte, und „viele der Samariter aus jener Stadt glaubten . . . an ihn wegen des Wortes der Frau“ (Johannes 4:5-29, 39-42).

      8. Wie können wir die Tatsache, dass Menschen gern ihre Meinung äußern, nutzen, um Gespräche zu beginnen?

      8 Menschen äußern in der Regel gern ihre Ansichten. Im alten Athen gab man mit Vorliebe seine Meinung kund und war darauf erpicht, Neues zu hören. Das erleichterte es dem Apostel Paulus, dort auf dem Areopag eine wirkungsvolle Rede zu halten (Apostelgeschichte 17:18-34). Wir könnten heute im Predigtdienst eine Unterhaltung vielleicht so beginnen: „Darf ich Sie einmal fragen, wie Sie über . . . [nenne eine Angelegenheit] denken?“ Hören wir uns an, was unser Gesprächspartner dazu sagt, und gehen wir darauf ein oder stellen wir ihm dazu eine Frage. Zeigen wir ihm anschließend taktvoll, was die Bibel zu dem Thema sagt.

      Jesus wusste, was er sagen musste

      9. Was tat Jesus, bevor er Kleopas und seinem Reisegefährten „die Schriften völlig erschloss“?

      9 Jesus fand immer die richtigen Worte. Er war nicht nur ein guter Zuhörer, sondern kannte oftmals auch die Gedanken anderer und wusste genau, was zu sagen war (Matthäus 9:4; 12:22-30; Lukas 9:46, 47). Folgendes diene als Veranschaulichung: Kurz nach Jesu Auferstehung gingen zwei seiner Jünger von Jerusalem nach Emmaus. „Als sie sich nun unterhielten und besprachen“, heißt es im Lukasevangelium, „trat Jesus selbst herzu und begann mit ihnen zu gehen; aber ihre Augen wurden davon abgehalten, ihn zu erkennen. Er sprach zu ihnen: ‚Was sind das für Reden, die ihr auf der Wanderung miteinander wechselt?‘ Und traurigen Angesichts blieben sie stehen. Als Antwort sagte der eine namens Kleopas zu ihm: ‚Wohnst du als Fremdling für dich allein in Jerusalem und weißt deshalb nicht, welche Dinge in diesen Tagen dort geschehen sind?‘ Und er sprach zu ihnen: ‚Was für Dinge?‘ “ Der große Lehrer hörte zu, als sie berichteten, Jesus, der Nazarener, habe gelehrt, Wunder gewirkt und sei hingerichtet worden. Und jetzt würden einige behaupten, er sei von den Toten auferweckt worden. Jesus ließ Kleopas und seinen Reisegefährten einfach reden. Dann erklärte er ihnen alles, was sie wissen mussten, indem er ihnen „die Schriften völlig erschloss“ (Lukas 24:13-27, 32).

      10. Wie können wir herausfinden, wie jemand zu Religion eingestellt ist?

      10 Oft sind uns die religiösen Ansichten der Menschen, die wir antreffen, nicht bekannt. Deshalb könnten wir beispielsweise sagen, uns würde interessieren, wie Menschen über das Gebet denken. Dann könnten wir fragen: „Glauben Sie, dass irgendjemand zuhört, wenn man betet?“ Die Antwort sagt wahrscheinlich viel über den Standpunkt und die Religionszugehörigkeit unseres Gesprächspartners aus. Ist er religiös, können wir weiterfragen: „Glauben Sie, dass sich Gott alle Gebete anhört, oder könnte es Gebete geben, die ihm nicht gefallen?“ Derartige Fragen mögen zu einer zwanglosen Unterhaltung führen. Wo angebracht, können wir taktvoll einen biblischen Gedanken erwähnen, ohne die Glaubensansichten des Betreffenden anzugreifen. Falls er uns gern zuhört, ist er vielleicht damit einverstanden, dass wir wiederkommen. Was aber, wenn er eine Frage stellt, die wir nicht beantworten können? Dann können wir versprechen, nachzuforschen, und wir können uns darauf vorbereiten, ihm beim nächsten Gespräch einen Grund für unsere Hoffnung zu zeigen, und zwar „mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petrus 3:15).

      Jesus unterwies Menschen, die es verdienten

      11. Wie können wir diejenigen finden, die würdig sind, unterwiesen zu werden?

      11 Der vollkommene Mensch Jesus konnte beurteilen, wer würdig war, unterwiesen zu werden. Für uns ist es dagegen viel schwieriger, herauszufinden, wer „zum ewigen Leben richtig eingestellt“ ist (Apostelgeschichte 13:48). Genauso erging es den Aposteln, zu denen Jesus sagte: „In welche Stadt oder welches Dorf ihr auch hineingeht, da forscht nach, wer es darin verdient“ (Matthäus 10:11). Wie sie müssen auch wir nach denen suchen, die bereit sind zuzuhören und gern die biblische Wahrheit kennenlernen möchten. Wir finden solche Personen, wenn wir jedem aufmerksam zuhören und darauf achten, wie er eingestellt ist.

      12. Wie können wir einem Interessierten weiterhelfen?

      12 Hat jemand etwas Interesse an der Königreichsbotschaft gezeigt, empfiehlt es sich, nach dem Gespräch darüber nachzudenken, welche biblischen Wahrheiten für ihn am nützlichsten wären. Wenn wir uns anschließend entsprechende Notizen machen, können wir ihm besser weiterhelfen. Bei Rückbesuchen sollten wir ihm aufmerksam zuhören, um mehr über seine Glaubensansichten, seine Einstellung oder seine Lebensumstände zu erfahren.

      13. Wie können wir herausfinden, wie jemand über die Bibel denkt?

      13 Wie können wir erfahren, wie jemand über Gottes Wort denkt? Mancherorts gelingt es durch eine Frage: „Viele finden, dass die Bibel schwer zu verstehen ist. Geht es Ihnen auch so?“ Aus der Antwort lässt sich häufig ersehen, ob der Betreffende die Bibel achtet. Man könnte aber auch eine Bibelstelle vorlesen und fragen: „Wie finden Sie diese Aussage?“ Wie Jesus können wir durch passende Fragen im Predigtdienst viel bewirken. Trotzdem ist ein Wort zur Vorsicht angebracht.

      Jesus setzte wirkungsvoll Fragen ein

      14. Wie können wir den Standpunkt anderer erfahren, ohne ihnen das Gefühl zu vermitteln, ausgefragt zu werden?

      14 Unser Interesse am Standpunkt des anderen darf nicht dazu führen, dass wir ihn in Verlegenheit bringen. Machen wir es wie Jesus. Er stellte zum Nachdenken anregende Fragen, fragte aber niemand taktlos aus. Durch freundliches Zuhören erquickte er aufrichtige Personen und nahm ihnen die Befangenheit (Matthäus 11:28). Alle Arten von Menschen kamen gern mit ihren Sorgen zu ihm (Markus 1:40; 5:35, 36; 10:13, 17, 46, 47). Wenn andere uns unbefangen sagen sollen, wie sie über die Bibel und ihre Lehren denken, dürfen wir ihnen nicht das Gefühl geben, ausgefragt zu werden.

      15, 16. Wie können wir Gespräche über religiöse Themen beginnen?

      15 Außer mit wirkungsvollen Fragen kann man ein Gespräch auch mit einer interessanten Bemerkung beginnen und sich dann anhören, was der andere dazu sagt. Jesus sagte zum Beispiel zu Nikodemus: „Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, kann er das Königreich Gottes nicht sehen“ (Johannes 3:3). Diese Worte fesselten Nikodemus so sehr, dass er einfach darauf eingehen musste und weiter zuhörte (Johannes 3:4-20). Genauso könnten auch wir mit anderen ins Gespräch kommen.

      16 In Afrika, in Osteuropa und in Lateinamerika redet man heute viel über das Aufkommen neuer Religionen. In solchen Gebieten kann man ein Gespräch oft wie folgt beginnen: „Viele fragen sich, warum es heute eigentlich so viele Religionen gibt. Ich glaube allerdings daran, dass in absehbarer Zeit Menschen aller Nationen im wahren Glauben vereint sein werden. Würden Sie sich auch darüber freuen?“ Wenn wir etwas für die Menschen Ungewöhnliches erwähnen, das wir erwarten, äußern sie sich vielleicht dazu. Man wird uns auf eine Frage eher etwas erwidern, wenn zwei Antworten möglich sind (Matthäus 17:25). Hat sich unser Gegenüber zu unserer Frage geäußert, können wir sie selbst noch mit einer oder mehreren Bibelstellen beantworten (Jesaja 11:9; Zephanja 3:9). Gut zuzuhören und zu beachten, wie der Betreffende reagiert, hilft uns zu entscheiden, was wir beim nächsten Besuch besprechen.

      Jesus hörte Kindern zu

      17. Was zeigt, dass Jesus an Kindern interessiert war?

      17 Jesus war nicht nur an Erwachsenen interessiert, sondern auch an Kindern. Er wusste, was Kinder gerne spielten und worüber sie redeten. Manchmal forderte er Kinder auf, zu ihm zu kommen (Lukas 7:31, 32; 18:15-17). Unter den Volksmengen, die Jesus zuhörten, befanden sich viele Kinder. Als Knaben laut den Messias priesen, entging Jesus das nicht, und er wies darauf hin, dass es in den Schriften vorhergesagt worden war (Matthäus 14:21; 15:38; 21:15, 16). Heute werden viele Kinder Jünger Jesu. Wie können wir sie dabei unterstützen?

      18, 19. Wie kann man einem Kind helfen, ein Jünger Jesu zu werden?

      18 Wer seinem Kind helfen möchte, ein Jünger Jesu zu werden, muss ihm zuhören. Er muss verstehen, was in dem Kind vor sich geht. Womöglich hat es Vorstellungen, die nicht mit dem Denken Jehovas übereinstimmen. Ganz gleich, was ein Kind sagt, sollte man positiv reagieren. Dann kann man dem Kind anhand von Schrifttexten den Standpunkt Jehovas in der betreffenden Angelegenheit zeigen.

      19 Fragen sind angebracht. Aber Kinder lassen sich genauso ungern ausfragen wie Erwachsene. Statt von einem Kind zu erwarten, schwierige Fragen zu beantworten, kann man kurz etwas von sich erzählen. Je nachdem worum es sich dreht, könnte man sagen, wie man selbst einmal gedacht hat, könnte den Grund dafür nennen und dann fragen: „Geht es dir auch so?“ Die Antwort des Kindes kann zu einer nützlichen und ermunternden biblischen Unterhaltung führen.

      Beim Jüngermachen weiterhin dem Beispiel Jesu folgen

      20, 21. Warum sollten wir gerade beim Jüngermachen gute Zuhörer sein?

      20 Gut zuzuhören ist immer wichtig, ganz gleich, ob wir einem Kind oder einem Erwachsenen helfen möchten. Ja, darin drückt sich Liebe aus. Zuhören zeugt von Demut, Rücksichtnahme und gebührendem Respekt. Natürlich muss man beim Zuhören auch wirklich aufmerksam sein.

      21 Hören wir im Predigtdienst stets aufmerksam zu. Dann erkennen wir wahrscheinlich, was eine Person an der biblischen Wahrheit besonders anspricht. Nutzen wir die verschiedenen Lehrmethoden Jesu, um ihr zu helfen. Nehmen wir uns beim Jüngermachen an Jesus Christus ein Beispiel, dann werden wir mit Freude und Befriedigung belohnt.

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