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Seite 2Erwachet! 1988 | 22. Juni
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Südafrika steht wegen seiner rassischen und politischen Unruhen weltweit im Brennpunkt der Aufmerksamkeit. Wenige sind sich allerdings der entscheidenden Rolle bewußt, die der südafrikanische Protestantismus gespielt hat. Erwachet! beleuchtet die interessanten religiösen Hintergründe.
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Südafrikas religiöses DilemmaErwachet! 1988 | 22. Juni
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Südafrikas religiöses Dilemma
Von unserem Korrespondenten in Südafrika
SÜDAFRIKA ist ein überaus religiöses Land. Die Kirchen werden gut besucht. Die Bibel ist in allen Hauptsprachen Südafrikas erhältlich und wird in vielen Haushalten gelesen. Und doch ist das Land zum Schauplatz von Gewalt und Rassenkämpfen geworden. Man fragt sich: Warum sind die Kirchen nicht in der Lage, christliche Liebe und Einheit zu fördern?
Das Dilemma wird noch deutlicher, wenn man einen Blick in die jüngere Geschichte des Landes wirft. Traurigerweise ist dann nämlich klar zu erkennen, daß die Religion eine große Mitverantwortung für die Konflikte dieses Landes trägt. Um die Gründe zu verstehen, wollen wir betrachten, wie sich die religiöse Lage Südafrikas entwickelte.
Im Jahre 1652 errichteten niederländische Protestanten zunächst eine feste Siedlung an der Südspitze Afrikas. Ihre Nachkommen sprechen heute Afrikaans, eine Sprache, die sich vom Niederländischen herleitet. Mit der Zeit splitterten sich die niederländischen Kirchen in eine Reihe von reformierten Kirchen auf, von denen die Niederländische Reformierte Kirche (Nederduitse Gereformeerde Kerk) die größte ist. Über ein Drittel der weißen Bevölkerung des Landes gehört dieser Kirche an.
Auch britische Siedler strömten nach Südafrika. Viele waren Anglikaner, die sich später in die sogenannte „High Church“ (Hochkirche) und die „Low Church“ (Niederkirche) aufspalteten. Andere waren Methodisten, Presbyterianer oder Kongregationalisten. Deutsche Siedler führten die evangelische Kirche ein. So wurde Südafrika zu einer Hochburg des Protestantismus, und Millionen von Schwarzen wurden bekehrt. Heute bezeichnen sich 77 Prozent der Südafrikaner als Christen — davon sind weniger als 10 Prozent Katholiken.
Der Protestantismus in Südafrika splittert sich allerdings weiterhin auf. Viele kehren den großen Kirchen den Rücken und schließen sich „Wiedergeburts“bewegungen an. Auch haben viele Schwarze eine afrikanische Art vorgebliches Christentum ins Leben gerufen. „Allein in Südafrika mag es immerhin 4 000 solcher unabhängigen Kirchen geben“, berichtet das Magazin Leadership.
Die traditionellen protestantischen Kirchen stehen vor einem weiteren Dilemma. Dadurch, daß sich ihre Schäfchen zurückziehen, schwindet auch die finanzielle Unterstützung. Was noch schlimmer ist: Diejenigen, die in der Kirche bleiben, sind tief entzweit, was das Verhalten ihrer Kirche in Rassenfragen betrifft. Die einen fordern, daß die Kirche radikale Maßnahmen unterstützt, damit der Apartheid ein Ende gesetzt wird; die anderen fordern, daß die Kirche die Apartheid gutheißt. Zwischen diesen Extremen stehen diejenigen, die sich nicht einig sind, inwieweit die Kirche die Aufhebung der Rassenschranken und die Rassengleichheit fördern sollte.
„Ich habe etwas dagegen, daß man mir vorschreibt, Leuten die Hand zu reichen, die ich nicht kenne, und Leuten brüderliche Liebe vorzuheucheln, die nicht von meiner Art sind“, sagte ein Anglikaner über Vorkehrungen für einen gemischtrassischen Gottesdienst. Zudem nehmen viele weiße Anglikaner ihrem schwarzen Erzbischof Desmond Tutu seine Einmischung in die Politik übel.
In einem Bericht des südafrikanischen Forschungsrates für Anthropologie hieß es daher warnend, daß die Religion „oft eine entzweiende und zerstörerische Rolle spielt“, wobei die „kaum faßbare Möglichkeit besteht, daß sich Anhänger ein und derselben religiösen Tradition in entgegengesetzten Lagern gegenüberstehen“. Der Protestantismus in Südafrika hat, wie wir sehen werden, tatsächlich eine entscheidende Rolle darin gespielt, rassische Feindseligkeiten zu entzünden.
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Protestantismus und ApartheidErwachet! 1988 | 22. Juni
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Protestantismus und Apartheid
IN EINEM Artikel der Publikation South African Digest wurde berichtet, daß nun „Gebäude, Gottesdienste und Mitgliedschaft“ der Niederländischen Reformierten Kirche „für alle offen sind, ungeachtet der Rasse oder Hautfarbe“.
Jahrzehntelang trat die Niederländische Reformierte Kirche für völlige Rassentrennung ein. Wie kam es nun zu dieser historischen Wende, auf die man sich im Oktober 1986 bei einer Synode einigte?
Viele wird es vielleicht überraschen, zu erfahren, daß im vergangenen Jahrhundert Weiße, schwarze Sklaven und Mischlinge europäisch-afrikanischer Abstammung alle einer einzigen Niederländischen Reformierten Kirche angehörten. Im Jahre 1857 jedoch beugte sich eine Kirchensynode den wachsenden rassischen Feindseligkeiten und erklärte, Gottesdienste für Mischlinge könnten in gesonderten Gebäuden abgehalten werden. Die Synode räumte ein, daß eine solche Entscheidung keine biblische Stütze habe, daß sie aber „wegen der Schwachheit einiger“ getroffen worden sei. Dies führte 1881 zur Errichtung einer gesonderten Kirche für Mischlinge unter dem Namen Nederduitse Gereformeerde Sendingkerk oder Niederländische Reformierte Missionskirche.
Die Geistlichen waren sich damals wohl kaum bewußt, was sie damit auslösten. Bald wurden auch Tochterkirchen für Schwarze und Inder eingerichtet. Viele Kirchen durften nur von Weißen besucht werden. Was einst als „Schwachheit“ angesehen wurde, wurde zu starrer Kirchenpolitik. Schwarze wurden mitunter nicht einmal zum Trauergottesdienst für ihren weißen Arbeitgeber zugelassen. Solche Demütigungen erregten unter schwarzen Kirchenmitgliedern Unmut.
„Apartheid ... als Kirchenpolitik bezeichnet“
Im Jahre 1937 ersuchte der Unionsrat der Niederländischen Reformierten Kirchen die Regierung, ein Gesetz zu erlassen, das die Eheschließung zwischen Weißen und Mischlingen verbietet. Die Regierung lehnte dies ab. Im Jahre 1939 reichte der Unionsrat dieses Gesuch erneut ein und bat gleichzeitig um gesonderte Wohngebiete, Schulen und Universitäten für Weiße. Mehrere Abordnungen von Geistlichen wandten sich in dieser Sache an die Regierung. Im Jahre 1942 schrieb der Unionsmissionsrat der Niederländischen Reformierten Kirchen an die Regierung: „Die Kirche wünscht, daß dieses Prinzip der Rassentrennung in Zukunft nachdrücklich durchgesetzt wird.“
Im Jahre 1948 wurde dann die weiße Nationalpartei an die Macht gewählt. Sie versprach, auf die gesetzliche Verankerung der Apartheidpolitik hinzuwirken. Bald folgten neue Apartheidgesetze. Nach der Wahl erklärte Die Kerkbode, das offizielle Kirchenblatt der Niederländischen Reformierten Kirche, stolz: „Als Kirche haben wir ... immer bewußt die Trennung dieser beiden Bevölkerungsgruppen angestrebt. In dieser Hinsicht kann die Apartheid zu Recht als Kirchenpolitik bezeichnet werden.“
Eine biblische Lehre?
Bis dahin hatte sich der Wunsch der Kirche nach Apartheid hauptsächlich auf Traditionen gegründet. Im Jahre 1948 gab die Transvaal-Synode sogar zu, daß sie nicht behauptet habe, an biblische Grundsätze gebunden zu sein. Nun nahm man jedoch einen neuen Anlauf — die Apartheid wurde als biblische Lehre dargestellt.
Im Jahre 1974 veröffentlichte die Generalsynode der Niederländischen Reformierten Kirche einen Bericht, betitelt Ras, Volk en Nasie en Volkereverhoudinge in die lig van die Skrif (Zwischenmenschliche Beziehungen und die südafrikanische Szene im Licht der Heiligen Schrift). „In ... [ihm] fand die Theologie der Apartheid ihre klassische Ausdrucksform“, sagt Dr. Johann Kinghorn, der Autor des Buches Die NG Kerk en Apartheid (Die NG-Kirche und die Apartheid). In dem Bericht wird ausführlich auf die Trennung der Menschheit in Babel eingegangen, und es heißt: „Ein politisches System, das sich auf die ... getrennte Entwicklung verschiedener Bevölkerungsgruppen stützt, kann mit der Bibel gerechtfertigt werden.“ Der Bericht nahm auch auf Jesu Forderung Bezug, daß seine Nachfolger „vollkommen eins gemacht werden“ (Johannes 17:23). Diese Einheit, so hieß es, „muß sich nicht in einer einzigen Institution offenbaren“.
Eine „Glaubwürdigkeitskrise“
Der südafrikanische Protestantismus ist zur Zielscheibe heftiger Kritik geworden. Im Jahre 1982 versammelte sich der Reformierte Weltbund in Ottawa (Kanada) und erklärte die Apartheidtheologie zur „Häresie“. Die Mitgliedschaft der Niederländischen Reformierten Kirche Südafrikas wurde suspendiert. Außerdem übte auch die südafrikanische Regierung Druck auf die Kirchen aus, indem sie einige Apartheidgesetze abschaffte, darunter das Gesetz, das die sogenannten Mischehen verbot.
Wie haben die Kirchen reagiert? Eine Anzahl Geistliche der Niederländischen Reformierten Kirche üben nun offen Kritik an der Apartheid. In dem Buch Apartheid Is a Heresy (Apartheid ist Häresie) sagt Professor David Bosch, ein Theologe der Niederländischen Reformierten Kirche: „Die afrikaansen reformierten Kirchen brauchen lediglich zu ihren Wurzeln zurückzukehren, und sie werden feststellen, daß das, woran sie festhalten, nichts weiter ist als Häresie.“
Aber welche Wirkung hat ein solcher Rückzieher auf die Kirchenmitglieder? Professor Bernard Combrink, Theologe der Niederländischen Reformierten Kirche, sagt: „Einige Mitglieder zögern nicht, über die Glaubwürdigkeitskrise in der Kirche zu sprechen. Ein gewisser Standpunkt oder eine Verfahrensweise wird viele Jahre lang als biblisch gefördert, und ‚plötzlich‘ werden andere Standpunkte als biblisch vertreten.“
Die „Glaubwürdigkeitskrise“ in der Niederländischen Reformierten Kirche erreichte im Oktober 1986 einen Höhepunkt, als die Generalsynode eine Resolution in bezug auf die Apartheid annahm, in der es auszugsweise heißt: „Es ist die Überzeugung gewachsen, daß die aufgezwungene Rassentrennung und die Völkertrennung nicht als eine Vorschrift der Bibel verstanden werden können. Der Versuch, eine solche Vorschrift mit der Bibel zu rechtfertigen, muß als irrig und verwerflich erkannt werden.“
Diese Ablehnung der Apartheidtheologie hat unter den Weißen zu gemischten Reaktionen geführt. Viele sind der Ansicht, die Synode sei nicht weit genug gegangen, da die Niederländische Reformierte Kirche nicht bereit sei, mit ihren schwarzen Tochterkirchen e i n Leib zu werden. Andere hingegen meinen, die Kirche sei zu weit gegangen, und geben ihr daher keine finanzielle Unterstützung mehr. Am Samstag, den 27. Juni 1987 trafen sich 2 000 Dissidenten der Niederländischen Reformierten Kirche in Pretoria. Mit Mehrheitsbeschluß gründeten sie eine neue Kirche ausschließlich für Weiße, die Afrikaanse Protestante Kerk.
Während der niederländische Protestantismus bei der Aufrichtung der Apartheid führend voranging, haben die englischsprachigen südafrikanischen Kirchen diese umstrittene Politik öffentlich verurteilt. Doch zwei weiße Geistliche, ein Methodist und ein Kongregationalist, räumen ein, daß das Leben in den englischsprachigen Kirchen immer noch „Rassentrennung und Diskriminierung widerspiegelt, die zuweilen so unbeirrbar und heftig vertreten werden wie in den afrikaansen reformierten Kirchen“ (Apartheid Is a Heresy).
Wie haben die schwarzen Kirchenmitglieder reagiert? Während weiße Theologen hitzige Debatten über die Apartheid führten, haben führende schwarze Theologen eigene Ansichten entwickelt.
[Kasten auf Seite 6]
Katholiken ebenfalls entzweit
Im September 1986 wurde bei einer Zusammenkunft katholischer Geistlicher in Südafrika eine Resolution in bezug auf die Beendigung der Apartheid gefaßt. Die Cape Times berichtete: „Landesweit unterstützten katholische Priester offiziell die Konferenz der südafrikanischen katholischen Bischöfe, da diese für wirtschaftlichen Druck auf Südafrika eintrat.“
Als solche Ansichten zu einem früheren Zeitpunkt im selben Jahr bei Messen in Johannesburg zur Sprache kamen, verließen eine Reihe Katholiken die Kirche. Während ein Mann mit seiner Familie hinausging, brachte er lautstark seinen Unmut gegenüber dem Priester zum Ausdruck, wozu die meisten der Versammelten Beifall spendeten. Bedeutsamerweise hat eine Anzahl südafrikanischer Katholiken eine Organisation gegründet, die gegen die Einmischung der katholischen Geistlichkeit in die Politik ist.
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Der Aufstieg der schwarzen TheologieErwachet! 1988 | 22. Juni
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Der Aufstieg der schwarzen Theologie
„Für viele Schwarze ist das Christentum gleichbedeutend mit Apartheid“ (aus The Church Struggle in South Africa von dem kongregationalistischen Geistlichen J. de Gruchy)
VIELE Schwarze haben sich, von der südafrikanischen Art des Protestantismus enttäuscht, etwas Neuem zugewandt — der schwarzen Theologie, die versucht, die Bibel mit der Situation der Schwarzen in Verbindung zu bringen.
„Der Begriff ‚schwarz‘“, erklärt Louise Kretzschmar in ihrem Buch The Voice of Black Theology in South Africa, „kann in zweierlei Hinsicht verstanden werden. Erstens bezieht er sich auf alle, die zuvor ‚Nichtweiße‘ oder ‚Nichteuropäer‘ genannt wurden, d. h. Afrikaner, Farbige und Inder. ... Zweitens soll ‚Schwarzsein‘ als Synonym für ‚das unterdrückte Volk in Südafrika‘ verstanden werden.“
Die schwarze Theologie betont daher, daß Schwarze mit derselben Würde behandelt werden sollen wie Weiße, da auch die Schwarzen im Bilde Gottes erschaffen wurden. Zu den bevorzugten Themen gehören die Befreiung Israels aus Ägypten und die Leiden Jesu. „Gott ist auf der Seite der Unterdrückten“, lautet die Parole.
Ein geeinter Weg?
Verfechter der schwarzen Theologie sind in vielen Kirchen Südafrikas verstreut, und unter ihnen sind heiße Debatten im Gang. Einige zum Beispiel bewundern die kommunistische Ideologie und analysieren sie in ihren Schriften. Andere lehnen den Marxismus ab. Auch sind sich nicht alle einig, in welchem Maße die weiße Gemeinde an dieser neuen Art des „Christentums“ teilhaben sollte.
Wenn Kritiker der schwarzen Theologie argumentieren, sie fördere den schwarzen Nationalismus, ebenso wie die Apartheidtheologie den weißen Nationalismus fördere, antwortet Dr. Allan Boesak, ein führender Verfechter der schwarzen Theologie: „Der christliche Glaube übersteigt alle Ideologien und alle nationalistischen Ideale.“
Bonganjalo Goba, ein Geistlicher der Kongregationalisten, erwidert hingegen: „Ich bin nicht Allan Boesaks Meinung.“ Es sei nicht zu vermeiden, so Goba, daß die schwarze Theologie „die ideologischen Interessen der schwarzen Gemeinde widerspiegelt. Wenn nicht, dann ist sie keine schwarze Theologie mehr.“ Der lutherische Bischof Dr. Buthelezi sagt: „Es ist ein und dieselbe Botschaft der Bibel, die den Geist des Afrikaanders angeregt hat ..., die uns motiviert, das Lied der schwarzen Theologie zu singen.“
Als Waffe eingesetzt
„Die schwarze Theologie“, erklärt Itumeleng Mosala, ein methodistischer Geistlicher und Lehrbeauftragter für schwarze Theologie, „hat ihren Zweck als Waffe der Kritik an der weißen Theologie und an der weißen Gesellschaft gut erfüllt.“ Dadurch, daß schwarze Theologen solche Kritik laut werden lassen, hoffen sie, junge Schwarze in der Kirche halten zu können. Viele haben ihren Austritt erklärt aus Protest dagegen, wie in den Kirchen das „Christentum“ praktiziert wird.
Andere gehen noch weiter und setzen die schwarze Theologie als Waffe ein, um politische Veränderungen zu bewirken. Takatso Mofokeng, ein Geistlicher der schwarzen Niederländischen Reformierten Kirche in Afrika und Lehrbeauftragter für schwarze Theologie, gibt zu: „Die schwarze Theologie ist weiterhin ein nützliches Instrument in dem sich ständig weiterentwickelnden Kampf um die Befreiung.“
Ein Beispiel dafür ist das Kairos Document, das von 156 südafrikanischen Theologen unterzeichnet worden ist. Es fordert Kirchenmitglieder auf, „die Unterdrückung auszumerzen, die Tyrannen abzusetzen und eine gerechte Regierung zu errichten“. Die Theologen erklären: „Wir glauben, daß Gott in unserer Welt wirkt und daß er hoffnungslose und böse Verhältnisse zum Guten wendet, so daß sein ‚Reich komme‘ und sein ‚Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde‘. ... Die Konflikte und Kämpfe werden sich in den kommenden Monaten und Jahren verstärken müssen, weil es keinen anderen Weg gibt, die Ungerechtigkeit und die Unterdrückung zu beseitigen.“
Lehrt dies jedoch die Bibel? Wird Gottes Königreich durch einen politischen Umsturz kommen? Hat das Christentum an sich versagt, weil der Protestantismus in Südafrika Uneinigkeit hervorgerufen hat?
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Das wahre Christentum vereinigt alle RassenErwachet! 1988 | 22. Juni
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Das wahre Christentum vereinigt alle Rassen
IM Jahre 1982 saß Mnguni, ein schwarzer Südafrikaner, zum vierten Mal wegen der Beteiligung an terroristischen Aktivitäten im Gefängnis. Die Behörden gestatteten ihm, nach Hause zu schreiben, um sich einige Bücher schicken zu lassen. Als sie eintrafen, entdeckte er darunter ein Buch, das er nicht bestellt hatte. Es hieß Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt (herausgegeben von Jehovas Zeugen).
Was Mnguni las, hatte eine starke Wirkung auf ihn. „Ich glaubte vorher, ich würde durch meine terroristischen Aktivitäten für eine von Gott gewollte Sache kämpfen. ‚Gott ist auf der Seite der Unterdrückten‘ war eine unserer Parolen. Ich war lutherisch, und meine Kirche verurteilte mich nicht ein einziges Mal wegen meiner Taten und versuchte nicht, mich davon abzuhalten. Statt dessen kritisierte sie die Regierung wegen ihrer Maßnahmen gegen mich. Eine kirchliche Organisation half sogar mir und meinen ‚Kameraden‘, vor Gericht vertreten zu werden.
Durch das Wahrheits-Buch erkannte ich jedoch, daß meine Taten dem Wort Gottes zuwiderliefen. In dem Buch wird anhand der Bibel gezeigt, daß keine Regierung ohne die Zulassung Gottes besteht und daß alle wahren Christen der Obrigkeit untertan sein müssen“ (Matthäus 5:44; 1. Johannes 3:10-12; Römer 13:1-7). Mnguni stellte seine terroristischen Aktivitäten ein, und nach seiner Freilassung diente er als Prediger der Zeugen Jehovas.
Zehntausende von Südafrikanern — schwarze und weiße — haben ebenfalls das echte Christentum, das die Bibel lehrt, angenommen. Anders als der Protestantismus, der sich als entzweiende Kraft erwiesen hat, vereinigt das wahre Christentum Menschen aller Rassen. Wie?
Die Königreichsbotschaft
„Mein Königreich“, erklärte Jesus Christus, „ist kein Teil dieser Welt“ (Johannes 18:36). Das wahre Christentum dreht sich um das Königreich, das Christus lehrte. Es hat nichts mit irgendwelchen politischen Mächten der Welt zu tun, denn es ist eine übermenschliche Regierung, die vom Himmel aus regiert. Gemäß der Bibel wird es bald „alle diese Königreiche [das heißt die irdischen politischen Herrschaftsformen] zermalmen und ihnen ein Ende bereiten“ (Daniel 2:44; Lukas 21:7-33).
Nein, dieses Königreich ist nicht, wie ein Verfechter der schwarzen Theologie unlängst behauptete, ein unrealistisches Luftschloß. Die Realität des Königreiches ist daran zu erkennen, daß weltweit über 3 400 000 Zeugen Jehovas — über 40 000 allein in Südafrika — erklären, dessen loyale Untertanen zu sein. Sie beweisen, daß sie loyale Königreichsuntertanen sind, indem sie Jesu Gebot ausführen: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis; und dann wird das Ende kommen“ (Matthäus 24:14).
Die biblisch begründete Königreichsbotschaft, die von Jehovas Zeugen verkündigt wird, findet bei Tausenden von Südafrikanern Anklang. Dadurch ist es ihnen möglich, die rassischen und politischen Unruhen hinter sich zu lassen und etwas in Südafrika Einzigartiges zu erleben — Harmonie unter den verschiedenen Rassen. Gert, der früher der Niederländischen Reformierten Kirche angehörte, kann dies bestätigen. Er erklärt: „Unter Jehovas Zeugen gibt es keine Diskriminierung wegen der Rasse oder der Sprache. Daher sind sie weltweit vereint. Es ist wunderbar, zu wissen, ‚daß Gott nicht parteiisch ist, sondern daß für ihn in jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar ist‘“ (Apostelgeschichte 10:34, 35).
Unlängst kam die südafrikanische Regierung überein, ein Apartheidgesetz abzuschwächen und einige Wohngebiete für Menschen aller Rassen zuzulassen. Bis es aber soweit ist, verlangen die bestehenden Verordnungen, daß Angehörige verschiedener Rassen getrennt wohnen, und Jehovas Zeugen fügen sich solchen Bestimmungen. Doch das Gesetz hindert sie nicht daran, zusammen zu arbeiten und einander Gutes zu tun. So setzen Zeugen verschiedener Rassen großzügig ihre Zeit und ihre Mittel ein, um Anbetungsstätten, Königreichssäle genannt, zu bauen.
In den vergangenen sechs Jahren haben auch Tausende von schwarzen und weißen Zeugen freiwillig beim Bau großer neuer Gebäude am Stadtrand von Krugersdorp mitgeholfen. Nachdem der Leiter einer Firma, die spezielle Maschinen installiert hatte, das Mittagessen mit dieser gemischtrassischen Baumannschaft eingenommen hatte, sagte er: „Man müßte die Vereinten Nationen hierherholen, damit sie sehen, wie man so etwas zustande bringt.“ Hunderte von Zeugen arbeiten nun in diesen Gebäuden, um biblische Literatur zu übersetzen und zu drucken.
Jehovas Zeugen in Südafrika arbeiten auch auf großen Kongressen zusammen. Zu sehen, wie Tausende von Zulu, Xosa und Sutho sowie Afrikaans und Englisch sprechenden Südafrikanern in eine geeinte Organisation strömen, ist einzigartig; es ist ein deutlicher Beweis dafür, daß das Christentum heute in Südafrika lebendig ist (Johannes 13:35; 17:23). Dies ist auch ein Zeichen dafür, daß wir in der Zeit leben, die in der Bibel als der „Schlußteil der Tage“ bezeichnet wird (Jesaja 2:2-4).
Ja, wir sind eine Generation, die dazu bestimmt ist, bald das Ende aller Kämpfe und Konflikte zu erleben. Und was kommt dann? Ein irdisches Paradies, in das Gerechte aus allen Nationen hinüberleben werden, um Bürger einer einzigen Regierung zu sein — des Königreiches Gottes (Psalm 37:10, 11; Offenbarung 7:9, 14).
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In Südafrika versammeln sich Zeugen Jehovas aller Rassen oft auf großen Kongressen
[Bilder auf Seite 10]
Die Harmonie unter den verschiedenen Rassen in Südafrika weckt bei vielen Interesse an der Königreichsbotschaft
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