Wachtturm ONLINE-BIBLIOTHEK
Wachtturm
ONLINE-BIBLIOTHEK
Deutsch
  • BIBEL
  • PUBLIKATIONEN
  • ZUSAMMENKÜNFTE
  • „Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig“
    Der Wachtturm 1998 | 1. Oktober
    • „Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig“

      „Jehova, Jehova, ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit“ (2. MOSE 34:6).

      1. (a) Welchen Trost vermittelt die Bibel denen, die mit ansehen mußten, wie ein ihnen nahestehender Mensch von der reinen Anbetung abirrte? (b) Wie betrachtet Jehova Personen, die sich eine Verfehlung zuschulden kommen ließen?

      „MEINE Tochter sagte mir, sie wolle nicht mehr zur Christenversammlung gehören“, erzählte ein christlicher Vater. „Tage, Wochen, sogar Monate später spürte ich noch einen nagenden Schmerz in mir. Es war schlimmer als der Tod.“ Wie betrüblich ist es doch, mit ansehen zu müssen, wie ein uns nahestehender Mensch vom Weg der reinen Anbetung abirrt! Haben wir schon einmal eine solche Erfahrung gemacht? Wenn ja, dann wird uns das Bewußtsein trösten, daß Jehova Mitgefühl für uns hat (2. Mose 3:7; Jesaja 63:9). Wie betrachtet er jedoch Personen, die sich eine Verfehlung zuschulden kommen ließen? Die Bibel zeigt, daß Jehova sie barmherzigerweise einlädt, wieder in seine Gunst zu gelangen. Inständig bat er die rebellischen Juden in Maleachis Tagen: „Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren“ (Maleachi 3:7).

      2. Wie wird in der Bibel gezeigt, daß die Barmherzigkeit ein untrennbarer Bestandteil der Persönlichkeit Jehovas ist?

      2 Gottes Barmherzigkeit wurde Moses auf dem Berg Sinai vor Augen geführt. Dort offenbarte sich Jehova als „ein Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit“ (2. Mose 34:6). Diese Erklärung weist nachdrücklich darauf hin, wie untrennbar die Barmherzigkeit mit Jehovas Persönlichkeit verbunden ist. Er „will, daß alle zur Reue gelangen“, schrieb der christliche Apostel Petrus (2. Petrus 3:9). Natürlich ist Gottes Barmherzigkeit nicht grenzenlos. „Keinesfalls wird er Straffreiheit gewähren“, erfuhr Moses (2. Mose 34:7; 2. Petrus 2:9). Dennoch „[ist] Gott Liebe“, und die Barmherzigkeit ist ein prägnantes Merkmal dieser Eigenschaft (1. Johannes 4:8; Jakobus 3:17). Jehova wird „nicht für immer an seinem Zorn festhalten“, und er hat „Gefallen an liebender Güte“ (Micha 7:18, 19).

      3. Inwiefern unterschied sich Jesu Ansicht über Barmherzigkeit von der der Schriftgelehrten und der Pharisäer?

      3 Jesus war das vollkommene Abbild seines himmlischen Vaters (Johannes 5:19). Die Tatsache, daß Jesus Missetätern gegenüber barmherzig war, bedeutete nicht, daß er ihre Sünden entschuldigte. Es war statt dessen ein Ausdruck derselben innigen Gefühle, die er gegenüber den physisch Kranken offenbarte. (Vergleiche Markus 1:40, 41.) Jesus zählte Barmherzigkeit sogar zu den ‘gewichtigeren Dingen’ des Gesetzes Gottes (Matthäus 23:23). Nehmen wir im Gegensatz dazu die Schriftgelehrten und die Pharisäer, deren legalistische Auffassung von Gerechtigkeit normalerweise überhaupt keinen Raum für Barmherzigkeit ließ. Als sie beobachteten, daß Jesus Umgang mit Sündern hatte, klagten sie ihn an und sagten: „Dieser Mann heißt Sünder willkommen und ißt mit ihnen“ (Lukas 15:1, 2). Jesus antwortete seinen Anklägern mit drei Veranschaulichungen, in denen jeweils Gottes Barmherzigkeit hervorgehoben wurde.

      4. Welche zwei Veranschaulichungen gebrauchte Jesus, und was war der jeweilige Lehrpunkt?

      4 Zunächst erzählte Jesus von einem Mann, der neunundneunzig Schafe sich selbst überließ, um nach einem verlorengegangenen Schaf zu suchen. Der Kernpunkt? „Im Himmel [wird] mehr Freude über einen einzigen Sünder sein ..., der bereut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Reue nicht bedürfen.“ Als nächstes sprach Jesus von einer Frau, die eine verlorene Drachme suchte und sich freute, als sie sie fand. Die Anwendung? „Es [gibt] bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der bereut.“ Jesus erzählte seine dritte Veranschaulichung in Form eines Gleichnisses.a Dieses ist für viele die beste Kurzgeschichte, die je erzählt wurde. Eine Betrachtung des Gleichnisses wird uns helfen, Gottes Barmherzigkeit zu schätzen und nachzuahmen (Lukas 15:3-10).

      Ein rebellischer Sohn verläßt das Elternhaus

      5, 6. Inwiefern zeigte der jüngere Sohn in Jesu dritter Veranschaulichung einen schockierenden Mangel an Wertschätzung?

      5 „Ein gewisser Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: ‚Vater, gib mir den Anteil des Eigentums, der mir zukommt.‘ Darauf teilte er seine Mittel zum Lebensunterhalt unter sie. Später, nicht viele Tage danach, packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste fort in ein fernes Land und verschwendete dort sein Eigentum, indem er ein ausschweifendes Leben führte“ (Lukas 15:11-13).b

      6 Der jüngere Sohn zeigte hier einen schockierenden Mangel an Wertschätzung. Er verlangte sein Erbe, das er dann verschwendete, „indem er ein ausschweifendes Leben führte“. Der Ausdruck „ausschweifendes Leben“ ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das „wildes Leben“ bedeutet. Wie ein Gelehrter sagt, wird durch das Wort „die äußerste Preisgabe des Charakters aus[ge]drückt“. Aus gutem Grund bezeichnen einige den jungen Mann in Jesu Gleichnis als Verschwender; sie gebrauchen also ein Wort, das jemand beschreibt, der leichtsinnig und überspannt ist und ausschweifend lebt.

      7. Wer gleicht heute dem verlorenen Sohn, und warum suchen manche von ihnen in ‘einem fernen Land’ nach Unabhängigkeit?

      7 Gibt es heute Menschen, die dem verlorenen Sohn gleichen? Durchaus. Eine relativ kleine Zahl von Personen hat leider das sichere „Haus“ Jehovas, unseres himmlischen Vaters, verlassen (1. Timotheus 3:15). Einige von ihnen empfinden das Umfeld der Hausgemeinschaft Gottes als zu einschränkend und meinen, Jehovas wachsames Auge sei eher ein Hindernis als ein Schutz. (Vergleiche Psalm 32:8.) Nehmen wir eine christliche Frau, die als Kind zwar nach biblischen Grundsätzen erzogen wurde, sich aber später auf Alkohol- und Drogenmißbrauch einließ. Im Rückblick auf die dunkle Zeit in ihrem Leben sagte sie: „Ich wollte beweisen, daß es mir besserginge, wenn ich mein Leben selbst in die Hand nehmen würde. Ich wollte tun und lassen, was mir paßte, ohne daß mir jemand hineinredete.“ Wie der verlorene Sohn war diese junge Frau auf Unabhängigkeit bedacht. Tragischerweise mußte sie wegen ihrer unbiblischen Gewohnheiten aus der Christenversammlung ausgeschlossen werden (1. Korinther 5:11-13).

      8. (a) Welche Hilfe kann denjenigen geboten werden, die im Widerspruch zu Gottes Maßstäben leben möchten? (b) Warum sollte man in bezug auf die Wahl der Anbetung ernsthafte Überlegungen anstellen?

      8 Es ist wirklich herzzerreißend, wenn ein Mitchrist das Verlangen offenbart, im Widerspruch zu Gottes Maßstäben zu leben (Philipper 3:18). Wenn dies geschieht, bemühen sich Älteste und andere geistig Befähigte, den Missetäter wieder zurechtzubringen (Galater 6:1). Allerdings wird niemand gezwungen, das Joch der christlichen Jüngerschaft auf sich zu nehmen (Matthäus 11:28-30; 16:24). Wenn Jugendliche mündig werden, müssen auch sie in bezug auf die Anbetung eine persönliche Entscheidung treffen. Schließlich haben wir alle einen freien Willen und werden für uns selbst Gott Rechenschaft ablegen müssen (Römer 14:12). Natürlich werden wir auch ‘ernten, was wir säen’ — eine Lektion, die der verlorene Sohn in Jesu Gleichnis bald lernen sollte (Galater 6:7, 8).

      Verzweiflung in einem fernen Land

      9, 10. (a) Welche Veränderung der Umstände erlebte der verlorene Sohn, und wie reagierte er darauf? (b) Veranschauliche, wie einige, die heute die wahre Anbetung verlassen haben, in eine ähnliche mißliche Lage geraten sind wie der verlorene Sohn.

      9 „Als er alles verbraucht hatte, entstand eine schwere Hungersnot in jenem ganzen Land; und er fing an, Not zu leiden. Er ging sogar hin und schloß sich einem der Bürger jenes Landes an, und er sandte ihn auf seine Felder, damit er Schweine hüte. Und er begehrte jeweils, sich mit den Johannisbrotschoten zu sättigen, die die Schweine fraßen, und niemand gab ihm welche“ (Lukas 15:14-16).

      10 Obwohl der verlorene Sohn völlig verarmt war, zog er noch nicht in Betracht, nach Hause zurückzukehren. Statt dessen lernte er einen Bürger kennen, der ihm eine Arbeit als Schweinehirt gab. Da Schweine gemäß dem mosaischen Gesetz als unreine Tiere galten, war solch eine Beschäftigung für einen Juden eigentlich unannehmbar (3. Mose 11:7, 8). Sollte der verlorene Sohn irgendwelche Gewissensbisse empfunden haben, mußte er sie unterdrücken. Schließlich konnte er nicht erwarten, daß sein Arbeitgeber, ein einheimischer Bürger, Rücksicht auf die Empfindungen eines völlig heruntergekommenen Ausländers nahm. Die mißliche Lage des verlorenen Sohnes gleicht der Erfahrung, die heute viele von denen machen, die den geraden Weg der reinen Anbetung verlassen haben. Häufig lassen sich solche Personen auf Tätigkeiten ein, die sie früher als entwürdigend betrachtet hätten. Ein Beispiel: Im Alter von 17 Jahren rebellierte ein junger Mann gegen seine christliche Erziehung. „Unsittlichkeit und Drogenmißbrauch löschten die jahrelange biblische Belehrung aus“, räumte er ein. Bald befand sich der junge Mann wegen bewaffneten Raubüberfalls und Mord im Gefängnis. Er konnte später zwar geistig wiederhergestellt werden, doch welch einen Preis mußte er für den „zeitweiligen Genuß der Sünde“ zahlen! (Vergleiche Hebräer 11:24-26.)

      11. Wodurch wurde das Dilemma des verlorenen Sohnes noch vergrößert, und wie haben heute einige feststellen müssen, daß die Verlockungen der Welt nichts als ‘leerer Trug’ sind?

      11 Das Dilemma des verlorenen Sohnes wurde noch durch die Tatsache vergrößert, daß ‘niemand ihm etwas gab’. Wo waren seine neuen Freunde? Als Mittelloser war er jetzt gleichsam „ein Gegenstand des Hasses“ für sie (Sprüche 14:20). In ähnlicher Weise erkennen heute viele, die vom Glauben abgeirrt sind, daß die Verlockungen und Ansichten der heutigen Welt nichts als ‘leerer Trug’ sind (Kolosser 2:8). „Ohne Jehovas Führung litt ich viel Schmerz und Kummer“, sagte eine junge Frau, die für einige Zeit Gottes Organisation verlassen hatte. „Ich versuchte, mich in die Welt einzufügen, aber da ich nicht wirklich so war wie die anderen, zeigten sie mir die kalte Schulter. Ich empfand wie ein verlorengegangenes Kind, das die Anleitung seines Vaters brauchte. Mir wurde so richtig bewußt, daß ich Jehova benötigte. Ich möchte niemals wieder unabhängig von ihm leben.“ Der verlorene Sohn in Jesu Gleichnis kam zu einer ähnlichen Erkenntnis.

      Der verlorene Sohn kommt zur Besinnung

      12, 13. Welche Umstände haben einigen heute geholfen, zur Besinnung zu kommen? (Siehe Kasten.)

      12 „Als er zur Besinnung kam, sagte er: ‚Wie viele Lohnarbeiter meines Vaters haben Brot in Fülle, während ich hier vor Hunger zugrunde gehe! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater ziehen und zu ihm sagen: „Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Halte mich wie einen deiner Lohnarbeiter.“ ‘ Er machte sich also auf und ging zu seinem Vater“ (Lukas 15:17-20).

      13 Der verlorene Sohn ‘kam zur Besinnung’. Eine Zeitlang hatte er sich dem Vergnügen hingegeben; er lebte sozusagen in einer Traumwelt. Doch jetzt wurde ihm sein wahrer geistiger Zustand völlig bewußt. Ja, obwohl er gefallen war, gab es immer noch Hoffnung für diesen jungen Mann. Etwas Gutes war in ihm zu finden (Sprüche 24:16; vergleiche 2. Chronika 19:2, 3). Wie verhält es sich mit denjenigen, die heute Gottes Herde verlassen haben? Wäre die Schlußfolgerung vernünftig, daß es für sie alle keine Hoffnung mehr gibt, da ihr rebellischer Lauf in jedem Fall beweist, daß sie gegen Gottes heiligen Geist gesündigt haben? (Matthäus 12:31, 32). Nicht unbedingt. Manche von ihnen leiden sehr unter ihrem eigensinnigen Lauf, und viele von diesen besinnen sich irgendwann wieder. „Ich vergaß Jehova nie, nicht für einen Tag“, sagte eine Schwester im Rückblick auf die Zeit, die sie fern von Gottes Organisation verbrachte. „Ich betete immer, daß er mir eines Tages irgendwie gestatten möge, zur Wahrheit zurückzukehren“ (Psalm 119:176).

      14. Wozu entschloß sich der verlorene Sohn, und wie bewies er in Verbindung damit Demut?

      14 Aber was können diejenigen, die abgeirrt sind, an ihrer Situation ändern? In Jesu Gleichnis entschloß sich der verlorene Sohn, nach Hause zurückzukehren und seinen Vater um Vergebung zu bitten. „Halte mich wie einen deiner Lohnarbeiter“, wollte der verlorene Sohn zu ihm sagen. Ein Lohnarbeiter war ein Tagelöhner, der binnen eines Tages entlassen werden konnte. Er hatte eine noch niedrigere Stellung inne als ein Sklave, der gewissermaßen als Mitglied der Familie galt. Somit hatte der verlorene Sohn nicht im Sinn, darum zu bitten, seinen früheren Status als Sohn zurückzuerhalten. Er war durchaus bereit, sich mit der niedrigsten Stellung zufriedenzugeben, um seinem Vater Tag für Tag seine erneuerte Loyalität zu beweisen. Doch der verlorene Sohn sollte eine Überraschung erleben.

      Ein zu Herzen gehender Empfang

      15—17. (a) Wie reagierte der Vater, als er seinen Sohn sah? (b) Worauf wiesen das Gewand, der Ring und die Sandalen hin, die der Vater seinem Sohn bringen ließ? (c) Was wird dadurch gezeigt, daß der Vater ein Festmahl zubereiten ließ?

      15 „Als er noch weit weg war, erblickte ihn sein Vater und wurde von Mitleid bewegt, und er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich. Da sagte der Sohn zu ihm: ‚Vater, ich habe gegen den Himmel und gegen dich gesündigt. Ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn genannt zu werden. Halte mich wie einen deiner Lohnarbeiter.‘ Der Vater aber sagte zu seinen Sklaven: ‚Schnell! Bringt ein langes Gewand heraus, das beste, und kleidet ihn damit, und tut einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße. Und bringt den gemästeten jungen Stier her, schlachtet ihn, und laßt uns essen und fröhlich sein, denn dieser mein Sohn war tot und kam wieder zum Leben; er war verloren und wurde gefunden.‘ Und sie fingen an, fröhlich zu sein“ (Lukas 15:20-24).

      16 Liebevolle Eltern würden sich in jedem Fall nach der geistigen Wiederherstellung eines Kindes sehnen. Daher können wir uns durchaus vorstellen, daß der Vater des verlorenen Sohnes jeden Tag den Weg entlangsah, der zu seinem Haus führte, in der sehnlichen Hoffnung, daß sein Sohn zurückkehrt. Doch nun erblickte er ihn tatsächlich, als dieser den Weg heraufkam! Das Aussehen des jungen Mannes war zweifellos verändert. Trotzdem erkannte ihn der Vater, als er „noch weit weg“ war. Der Vater sah mehr als nur die abgerissene Kleidung und den entmutigten Geist; er sah seinen Sohn, und er lief ihm entgegen!

      17 Als der Vater seinen Sohn erreichte, fiel er ihm um den Hals und küßte ihn zärtlich. Dann gebot er seinen Sklaven, seinem Sohn ein Gewand, einen Ring und Sandalen zu bringen. Bei dem Gewand handelte es sich nicht nur um ein einfaches Kleidungsstück, sondern um „das beste“ — vielleicht ein reich besticktes Gewand von der Art, wie es einem geehrten Gast angeboten wurde. Da es für Sklaven nicht üblich war, einen Ring und Sandalen zu tragen, machte der Vater deutlich, daß sein Sohn wieder als vollwertiges Familienmitglied willkommen geheißen wurde. Der Vater tat jedoch noch mehr. Er ließ Vorbereitungen für ein Festmahl treffen, um die Rückkehr seines Sohnes zu feiern. Dieser Mann vergab seinem Sohn ganz bestimmt nicht widerwillig oder einfach deshalb, weil er sich durch die Rückkehr seines Sohnes dazu verpflichtet fühlte; er wollte Vergebung gewähren. Es bereitete ihm Freude.

      18, 19. (a) Was lehrt uns das Gleichnis vom verlorenen Sohn über Jehova? (b) Inwiefern zeigt Jehovas Handlungsweise mit Juda und Jerusalem, daß er auf die Rückkehr eines Sünders ‘harrt’?

      18 Was haben wir bis jetzt aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn über den Gott gelernt, den wir anbeten dürfen? Zum einen, daß Jehova „barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit“ ist (2. Mose 34:6). Tatsächlich ist Barmherzigkeit eine hervorragende Eigenschaft Gottes. Es ist ganz normal für ihn, denjenigen Barmherzigkeit zu erweisen, die ihrer bedürfen. Zum anderen lehrt uns Jesu Gleichnis, daß Jehova „zum Vergeben bereit“ ist (Psalm 86:5). Er hält sozusagen Ausschau nach irgendeinem Sinneswandel auf seiten sündiger Menschen, der ihm die Grundlage bieten würde, barmherzig zu sein (2. Chronika 12:12; 16:9).

      19 Denken wir zum Beispiel an Gottes Handlungsweise mit Israel. Der Prophet Jesaja wurde von Jehova inspiriert, Juda und Jerusalem als ‘krank von Kopf bis Fuß’ zu beschreiben. Doch er sagte auch: „Jehova [wird] darauf harren, euch Gunst zu erweisen, und deshalb wird er sich erheben, um euch Barmherzigkeit zu erweisen“ (Jesaja 1:5, 6; 30:18; 55:7; Hesekiel 33:11). Wie der Vater in Jesu Gleichnis sieht Jehova sozusagen den Weg entlang. Er erwartet sehnlich die Rückkehr eines jeden, der sein Haus verlassen hat. Würden wir das nicht von einem liebevollen Vater erwarten? (Psalm 103:13).

      20, 21. (a) Wozu werden heute viele durch die Barmherzigkeit Gottes veranlaßt? (b) Was wird im nächsten Artikel besprochen?

      20 Jehovas Barmherzigkeit veranlaßt jedes Jahr viele, sich zu besinnen und zur wahren Anbetung zurückzukehren. Welch eine Freude dies für die ihnen nahestehenden Menschen mit sich bringt! Nehmen wir beispielsweise den christlichen Vater, der zu Beginn erwähnt wurde. Erfreulicherweise wurde seine Tochter geistig wiederhergestellt, und sie steht jetzt im Vollzeitdienst. „Ich bin so glücklich, wie man es im gegenwärtigen alten System der Dinge überhaupt sein kann“, sagte er. „Aus meinen Tränen des Kummers wurden Freudentränen.“ Jehova freut sich gewiß genauso (Sprüche 27:11).

      21 Aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn geht allerdings noch mehr hervor. Jesus setzte seine Erzählung fort, um die Barmherzigkeit Jehovas der starren, nörglerischen Haltung gegenüberzustellen, die unter den Schriftgelehrten und den Pharisäern üblich war. Wie er das tat und was das für uns bedeutet, wird im nächsten Artikel besprochen.

  • Jehovas Barmherzigkeit nachahmen
    Der Wachtturm 1998 | 1. Oktober
    • Jehovas Barmherzigkeit nachahmen

      „Fahrt fort, barmherzig zu werden, wie euer Vater barmherzig ist“ (LUKAS 6:36).

      1. Wie zeigten die Pharisäer, daß sie unbarmherzig waren?

      OBWOHL die Menschen in Gottes Bild erschaffen wurden, versagen sie oft darin, seine Barmherzigkeit nachzuahmen (1. Mose 1:27). Ein Beispiel dafür waren die Pharisäer. Als Gruppe konnten sie sich nicht darüber freuen, daß Jesus am Sabbat barmherzigerweise die verdorrte Hand eines Mannes heilte. Statt dessen hielten sie Rat gegen Jesus, „damit sie ihn vernichten könnten“ (Matthäus 12:9-14). Bei einer anderen Gelegenheit stellte Jesus einen Mann wieder her, der von Geburt an blind war. Wiederum sahen „einige von den Pharisäern“ keinen Grund, sich über Jesu Mitgefühl zu freuen. Statt dessen klagten sie ihn an und sagten: „Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht“ (Johannes 9:1-7, 16).

      2, 3. Was meinte Jesus mit der Aussage: „Nehmt euch vor dem Sauerteig der Pharisäer ... in acht.“?

      2 Die hartherzige Einstellung der Pharisäer war ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit und eine Sünde gegen Gott (Johannes 9:39-41). Aus gutem Grund sagte Jesus warnend zu seinen Jüngern, sie sollten ‘sich in acht nehmen vor dem Sauerteig’ dieser elitären Gruppe und anderer Religionsvertreter wie zum Beispiel der Sadduzäer (Matthäus 16:6). Mit Sauerteig wird in der Bibel Sünde oder Verderbnis veranschaulicht. Jesus sagte somit, daß die Lehre der ‘Schriftgelehrten und Pharisäer’ die reine Anbetung verderben könne. Wie? Dadurch, daß sie die Menschen lehrten, Gottes Gesetz einzig im Rahmen ihrer willkürlichen Vorschriften und Rituale zu sehen, während sie die „gewichtigeren Dinge“, einschließlich der Barmherzigkeit, außer acht ließen (Matthäus 23:23). Diese ritualistische Form der Religion machte die Anbetung Gottes zu einer unerträglichen Belastung.

      3 Im zweiten Teil seines Gleichnisses vom verlorenen Sohn stellte Jesus das verdorbene Denken der geistlichen Führer der Juden bloß. In dem Gleichnis vergab der Vater, der Jehova darstellt, bereitwillig seinem reumütigen Sohn. ‘Die Pharisäer und die Schriftgelehrten’, die durch den älteren Bruder des jungen Mannes versinnbildlicht wurden, waren dagegen ganz anders eingestellt (Lukas 15:2).

      Der Zorn eines Bruders

      4, 5. In welchem Sinn war der Bruder des verlorenen Sohnes „verloren“?

      4 „Nun war sein älterer Sohn auf dem Feld; und als er kam und sich dem Haus näherte, hörte er Konzertklänge und Tanz. Da rief er einen von den Knechten herbei und erkundigte sich, was diese Dinge bedeuteten. Er sprach zu ihm: ‚Dein Bruder ist gekommen, und weil dein Vater ihn gesund zurückerhalten hat, hat er den gemästeten jungen Stier geschlachtet.‘ Er aber wurde zornig und wollte nicht hineingehen“ (Lukas 15:25-28).

      5 Der verlorene Sohn war offensichtlich nicht der einzige in Jesu Gleichnis, der ein Problem hatte. „Beide hier dargestellten Söhne sind verloren“, heißt es in einem Nachschlagewerk, „der eine auf Grund der Ungerechtigkeit, die ihn verdirbt, der andere wegen der Selbstgerechtigkeit, die ihn blind macht.“ Beachten wir, daß der Bruder des verlorenen Sohnes es nicht nur ablehnte, sich zu freuen, sondern sogar ‘zornig wurde’. Das griechische Wurzelwort für „Zorn“ weist nicht unbedingt auf einen Zornausbruch hin, sondern auf eine anhaltende Gesinnung. Der Bruder des verlorenen Sohnes hegte offensichtlich einen tiefsitzenden Groll, weshalb er es für unangebracht hielt, die Rückkehr einer Person zu feiern, die das Elternhaus gar nicht erst hätte verlassen sollen.

      6. Wen stellt der Bruder des verlorenen Sohnes dar, und warum?

      6 Der Bruder des verlorenen Sohnes stellt treffend diejenigen dar, die sich darüber ärgerten, daß Jesus mit Sündern Mitgefühl hatte und ihnen Aufmerksamkeit schenkte. Diese selbstgerechten Personen berührte weder Jesu Barmherzigkeit, noch spiegelten sie die Freude wider, die im Himmel herrscht, wenn einem Sünder vergeben wird. Statt dessen reizte Jesu Barmherzigkeit sie zum Zorn, und sie begannen, in ihrem Herzen ‘Böses zu denken’ (Matthäus 9:2-4). Bei einer Gelegenheit gerieten einige Pharisäer so sehr in Zorn, daß sie einen Mann kommen ließen, den Jesus geheilt hatte, und ihn dann aus der Synagoge ‘hinauswarfen’ — ihn offenbar ausschlossen! (Johannes 9:22, 34). Wie der Bruder des verlorenen Sohnes, der „nicht hineingehen [wollte]“, ließen sich die geistlichen Führer der Juden die Gelegenheit entgehen, ‘sich mit den sich Freuenden zu freuen’ (Römer 12:15). Jesus stellte im Verlauf seines Gleichnisses ihre bösen Überlegungen noch weiter bloß.

      Falsche Überlegungen

      7, 8. (a) Inwiefern hatte der Bruder des verlorenen Sohnes die Bedeutung der Sohnschaft nicht begriffen? (b) In welcher Hinsicht unterschied sich der ältere Sohn völlig von seinem Vater?

      7 „Da kam sein Vater heraus und begann ihm zuzureden. Als Antwort sagte er zu seinem Vater: ‚Sieh, ich habe so viele Jahre wie ein Sklave für dich gearbeitet, und kein einziges Mal habe ich dein Gebot übertreten, und doch hast du mir kein einziges Mal ein Böckchen gegeben, damit ich mit meinen Freunden hätte fröhlich sein können. Sobald aber dieser dein Sohn, der deine Mittel zum Lebensunterhalt mit Huren verpraßt hat, angekommen ist, hast du den gemästeten jungen Stier für ihn geschlachtet‘ “ (Lukas 15:28-30).

      8 Mit diesen Worten machte der Bruder des verlorenen Sohnes deutlich, daß er die wahre Bedeutung der Sohnschaft nicht begriffen hatte. Er diente seinem Vater ungefähr so, wie ein Angestellter seinem Arbeitgeber dient. Deshalb sagte er zu seinem Vater: „Ich habe ... wie ein Sklave für dich gearbeitet.“ Es stimmte zwar, daß der älteste Sohn niemals das Elternhaus verlassen oder das Gebot seines Vaters übertreten hatte. Aber beruhte sein Gehorsam auf Liebe? Fand er echte Freude daran, seinem Vater zu dienen, oder ließ er bei sich statt dessen eine blasierte Selbstgefälligkeit aufkommen, da er sich schon wegen seiner Arbeit „auf dem Feld“ für einen guten Sohn hielt? Wenn er wirklich ein ergebener Sohn war, warum spiegelte er nicht den Sinn seines Vaters wider? Warum war kein Raum für Mitgefühl in seinem Herzen, als ihm Gelegenheit gegeben wurde, seinem Bruder gegenüber barmherzig zu sein? (Vergleiche Psalm 50:20-22.)

      9. Erkläre, wieso die geistlichen Führer der Juden dem älteren Sohn glichen.

      9 Die geistlichen Führer der Juden glichen dem älteren Sohn. Sie glaubten, Gott gegenüber loyal zu sein, weil sie sich streng an eine Gesetzessammlung hielten. Zugegeben, Gehorsam ist unerläßlich (1. Samuel 15:22). Doch durch ihre Überbetonung von Werken wurde die Anbetung Gottes zu einem bloßen Ritual, zu einer rein äußerlichen Ergebenheit ohne wahres Geistiggesinntsein. Ihr Sinn war nur auf die Überlieferungen fixiert, und in ihrem Herzen hatten sie keine Liebe. Sie betrachteten die einfachen Menschen tatsächlich wie den Schmutz unter ihren Füßen, bezeichneten sie sogar verächtlich als „verfluchte Leute“ (Johannes 7:49). Wie hätten die Werke solcher Führer Gott beeindrucken können, wenn ihr Herz in Wirklichkeit weit entfernt von ihm war? (Matthäus 15:7, 8).

      10. (a) Warum waren die Worte: „Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer“ ein passender Rat? (b) Wie schwerwiegend ist ein Mangel an Barmherzigkeit?

      10 Jesus forderte die Pharisäer auf: „Geht ... hin und lernt, was dies bedeutet: ‚Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer‘ “ (Matthäus 9:13; Hosea 6:6). Ihre Prioritäten waren verdreht, denn ohne Barmherzigkeit waren alle ihre Opfer wertlos. Das ist tatsächlich eine ernste Angelegenheit, denn in der Bibel heißt es, daß jemand, der „unbarmherzig“ ist, zu denjenigen gezählt wird, die nach Gottes Ansicht „den Tod verdienen“ (Römer 1:31, 32). Jesu Aussage, daß die geistlichen Führer als Klasse für die ewige Vernichtung bestimmt waren, überrascht daher nicht. Offensichtlich trug ihre Unbarmherzigkeit wesentlich dazu bei, daß sie dieses Urteil verdienten (Matthäus 23:33). Aber vielleicht konnten Einzelpersonen aus jener Gruppe erreicht werden. Am Schluß seines Gleichnisses bemühte sich Jesus durch die Worte, die der Vater zu seinem älteren Sohn sprach, das Denken solcher Juden wieder zurechtzubringen. Wir wollen sehen, wie er das tat.

      Die Barmherzigkeit eines Vaters

      11, 12. Wie versuchte der Vater in Jesu Gleichnis mit seinem ältesten Sohn zu argumentieren, und was kann es bedeuten, daß der Vater den Ausdruck „dein Bruder“ gebrauchte?

      11 „Darauf sprach er zu ihm: ‚Kind, du bist immer bei mir gewesen, und alles, was mein ist, ist dein; aber wir mußten einfach fröhlich sein und uns freuen, denn dieser dein Bruder war tot und kam zum Leben, und er war verloren und wurde gefunden‘ “ (Lukas 15:31, 32).

      12 Beachten wir, daß der Vater den Ausdruck „dein Bruder“ gebrauchte. Warum? Nun, erinnern wir uns, daß der ältere Sohn im Gespräch mit seinem Vater den verlorenen Sohn „dein Sohn“ — nicht „mein Bruder“ — genannt hatte. Er erkannte die familiären Bande zwischen sich und seinem Bruder offenbar nicht mehr an. Deshalb sagte der Vater jetzt gewissermaßen zu seinem älteren Sohn: „Dieser ist nicht nur mein Sohn. Er ist auch dein Bruder, dein eigen Fleisch und Blut. Du hast allen Grund, dich über seine Rückkehr zu freuen!“ Den jüdischen Führern hätte klar sein sollen, was Jesus ihnen signalisieren wollte. Die Sünder, die sie verachteten, waren in Wirklichkeit ihre „Brüder“. Ja, „da ist kein Mensch gerecht auf der Erde, der ständig Gutes tut und nicht sündigt“ (Prediger 7:20). Die prominenten Juden hätten daher eigentlich allen Grund gehabt, sich zu freuen, wenn Sünder bereuten.

      13. Welche ernüchternde Frage stellt sich uns angesichts des abrupten Endes von Jesu Gleichnis?

      13 Nach den eindringlichen Worten des Vaters endet das Gleichnis abrupt. Es scheint, als wollte Jesus seine Hörer einladen, ihr eigenes Ende der Geschichte zu schreiben. Ganz gleich, wie die Reaktion des älteren Sohnes aussah, wurde jeder Hörer mit der Frage konfrontiert: „Habe ich an der Freude teil, die im Himmel herrscht, wenn ein Sünder bereut?“ Auch heute können Christen zeigen, wie ihre Antwort auf diese Frage lautet. Inwiefern?

      Heute Gottes Barmherzigkeit nachahmen

      14. (a) Wie können wir den Rat des Paulus aus Epheser 5:1 befolgen, wenn es um Barmherzigkeit geht? (b) Vor welchem falschen Verständnis der Barmherzigkeit Gottes müssen wir uns hüten?

      14 Paulus richtete an die Epheser die mahnenden Worte: „Werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder“ (Epheser 5:1). Demnach sollten wir als Christen lernen, Gottes Barmherzigkeit zu schätzen, wir sollten diese Eigenschaft tief in unser Herz einpflanzen und dann im Umgang mit anderen Barmherzigkeit üben. Eine Warnung ist allerdings angebracht: Gottes Barmherzigkeit sollte nicht als ein Herunterspielen von Sünde mißdeutet werden. Einige könnten zum Beispiel unbekümmert folgern: „Immer wenn ich eine Sünde begehe, kann ich Gott um Vergebung bitten, und er wird barmherzig sein.“ Durch solch eine Einstellung würde man eigentlich, wie der Bibelschreiber Judas formulierte, „die unverdiente Güte unseres Gottes zu einer Entschuldigung für Zügellosigkeit verkehren“ (Judas 4). Jehova ist zwar barmherzig, „doch keinesfalls wird er Straffreiheit gewähren“, wenn er es mit reuelosen Missetätern zu tun hat (2. Mose 34:7; vergleiche Josua 24:19; 1. Johannes 5:16).

      15. (a) Warum müssen insbesondere Älteste eine ausgeglichene Ansicht über Barmherzigkeit bewahren? (b) Worum sollten sich Älteste bemühen, ohne vorsätzliche Missetaten zu dulden, und warum?

      15 Wir müssen uns allerdings genauso sorgfältig vor dem anderen Extrem hüten — einer Neigung, streng und nörglerisch gegenüber denjenigen zu sein, die echte Reue bekunden und gottgemäße Traurigkeit wegen ihrer Sünden zeigen (2. Korinther 7:11). Da Älteste damit betraut sind, für Jehovas Schafe zu sorgen, müssen sie unbedingt eine ausgeglichene Ansicht in dieser Hinsicht bewahren, besonders bei der Behandlung von Rechtsangelegenheiten. Die Christenversammlung muß rein bleiben, und es ist biblisch korrekt, durch einen Gemeinschaftsentzug ‘den bösen Menschen zu entfernen’ (1. Korinther 5:11-13). Andererseits ist es schön, Barmherzigkeit erweisen zu können, wenn eine echte Grundlage dafür besteht. Älteste dulden somit keine vorsätzlichen Missetaten, aber sie bemühen sich, innerhalb der Grenzen der Gerechtigkeit möglichst liebevoll und barmherzig vorzugehen. Sie sind sich stets des biblischen Grundsatzes bewußt: „Für den, der nicht Barmherzigkeit übt, wird das Gericht ohne Barmherzigkeit sein. Barmherzigkeit frohlockt triumphierend über das Gericht“ (Jakobus 2:13; Sprüche 19:17; Matthäus 5:7).

      16. (a) Zeige an Hand der Bibel, daß es der aufrichtige Wunsch Jehovas ist, daß Personen, die sich eine Verfehlung zuschulden kommen ließen, zu ihm zurückkehren. (b) Wie können wir zeigen, daß auch wir die Rückkehr eines reumütigen Sünders begrüßen?

      16 Das Gleichnis vom verlorenen Sohn läßt deutlich Jehovas Wunsch erkennen, daß Personen, die sich eine Verfehlung zuschulden kommen ließen, zu ihm zurückkehren. Tatsächlich erhält er die Einladung an sie aufrecht, bis für sie wirklich keine Hoffnung mehr besteht (Hesekiel 33:11; Maleachi 3:7; Römer 2:4, 5; 2. Petrus 3:9). Wie der Vater des verlorenen Sohnes behandelt Jehova diejenigen, die zurückkehren, mit Würde und nimmt sie wieder als vollwertige Mitglieder der Familie auf. Ahmen wir Jehova in dieser Hinsicht nach? Wie reagieren wir, wenn ein Mitchrist, der eine Zeitlang ausgeschlossen war, wiederaufgenommen wird? Wir wissen ja bereits, daß ‘im Himmel Freude ist’ (Lukas 15:7). Doch herrscht auch Freude auf der Erde, in unserer Versammlung, ja selbst in unserem Herzen? Oder gibt es wie bei dem älteren Sohn in dem Gleichnis einen gewissen Groll, als würde jemand, der Gottes Herde gar nicht erst hätte verlassen sollen, es nicht verdienen, willkommen geheißen zu werden?

      17. (a) Welche Situation entstand im ersten Jahrhundert in Korinth, und wie sollte die Angelegenheit gemäß dem Rat des Paulus in der Versammlung behandelt werden? (b) Warum war die Ermahnung des Paulus sinnvoll, und wie können wir sie heute anwenden? (Siehe auch Kasten rechts.)

      17 Um uns in Verbindung damit zu helfen, eine Selbstprüfung vorzunehmen, wollen wir einmal betrachten, was um das Jahr 55 u. Z. in Korinth geschah. Dort hatte ein Mann, der aus der Versammlung ausgeschlossen worden war, schließlich sein Leben in Ordnung gebracht. Was sollten die Brüder tun? Sollten sie seine Reue mit Skepsis betrachten und ihn weiterhin meiden? Im Gegenteil, Paulus forderte die Korinther auf: „[Ihr solltet ihm] jetzt verzeihen und ihn trösten ..., damit ein solcher nicht etwa von seiner übergroßen Traurigkeit verschlungen werde. Darum ermahne ich euch, eure Liebe zu ihm zu bestätigen“ (2. Korinther 2:7, 8). Häufig werden reumütige Missetäter allzuleicht von Gefühlen der Schande und der Verzweiflung übermannt. Daher muß diesen Personen bestätigt werden, daß sie von ihren Glaubensbrüdern und von Jehova geliebt werden (Jeremia 31:3; Römer 1:12). Das ist wichtig. Warum?

      18, 19. (a) Inwiefern waren die Korinther zuvor zu nachsichtig gewesen? (b) Wieso hätten die Korinther zufolge einer unbarmherzigen Einstellung „vom Satan überlistet“ werden können?

      18 In Verbindung mit seiner Aufforderung an die Korinther, Vergebung zu üben, führte Paulus unter anderem als Grund an: „... damit wir nicht vom Satan überlistet werden, denn seine Anschläge sind uns nicht unbekannt“ (2. Korinther 2:11). Was meinte Paulus damit? Nun, bei einer früheren Gelegenheit mußte er die Versammlung in Korinth tadeln, weil sie zu nachsichtig gewesen war. Sie hatte diesem Mann gestattet, straflos weiter zu sündigen. Dadurch hatte die Versammlung — insbesondere die Ältesten — Satan in die Hände gespielt, denn ihm wäre nichts lieber gewesen, als die Versammlung in Verruf zu bringen (1. Korinther 5:1-5).

      19 Wenn die Korinther jetzt in das andere Extrem verfielen und es ablehnten, dem Reumütigen zu vergeben, würde Satan sie auf andere Weise überlisten. Wie? Indem er es sich zunutze machen könnte, daß sie so hart und unbarmherzig waren. Würde der reumütige Sünder „von seiner übergroßen Traurigkeit verschlungen“ — oder wie es in der Guten Nachricht für Sie heißt: „so traurig ..., daß er ganz aufgibt“ —, welch eine schwere Verantwortung trügen die Ältesten dann vor Jehova! (Vergleiche Hesekiel 34:6; Jakobus 3:1.) Aus gutem Grund sagte Jesus, nachdem er seine Nachfolger davor gewarnt hatte, „einen von diesen Kleinen“ zum Straucheln zu bringen: „Gebt acht auf euch selbst. Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so erteile ihm einen Verweis, und wenn er bereut, so vergib ihm“ (Lukas 17:1-4).a

      20. Inwiefern herrscht sowohl im Himmel als auch auf der Erde Freude, wenn ein Sünder bereut?

      20 Die Tausende, die jedes Jahr zur reinen Anbetung zurückkehren, sind dankbar für die Barmherzigkeit, die Jehova ihnen erweist. „Ich kann mich nicht erinnern, daß mich irgendwann in meinem Leben etwas so glücklich gemacht hat“, sagte eine christliche Schwester über ihre Wiederaufnahme. Natürlich herrscht unter den Engeln ebensolche Freude. Mögen auch wir uns der ‘Freude im Himmel’ anschließen, die herrscht, wenn ein Sünder bereut (Lukas 15:7). Wenn wir das tun, ahmen wir Jehovas Barmherzigkeit nach.

Deutsche Publikationen (1950-2025)
Abmelden
Anmelden
  • Deutsch
  • Teilen
  • Einstellungen
  • Copyright © 2025 Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania
  • Nutzungsbedingungen
  • Datenschutzerklärung
  • Datenschutzeinstellungen
  • JW.ORG
  • Anmelden
Teilen