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  • Wirst du Gottes Barmherzigkeit nachahmen?
    Der Wachtturm 1991 | 15. April
    • Gerechtigkeit durch Barmherzigkeit gemildert

      12, 13. Warum sollten wir, wenn wir Gott nachahmen, nicht nur seine Gerechtigkeit widerspiegeln?

      12 Die bisherigen Ausführungen haben sich vor allem mit e i n e m Aspekt der in 2. Mose 34:6, 7 angeführten Eigenschaften Gottes befaßt. In diesen Versen wird aber weit mehr angesprochen als Gottes Gerechtigkeit. Wer ihn nachahmen möchte, legt daher nicht nur darauf Wert, daß der Gerechtigkeit Geltung verschafft wird. Wenn wir ein Modell des von Salomo errichteten Tempels bauen wollten, würden wir uns dann nur mit einer einzigen Säule befassen? (1. Könige 7:15-22). Nein, denn das ergäbe kein ausgewogenes Bild von dem Wesen und der Rolle des Tempels. Ebenso verhält es sich, wenn wir Gott nachahmen möchten. Wir sollten auch andere seiner Handlungen und Eigenschaften nachahmen — daß er ‘barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte und Wahrheit, Tausenden liebende Güte bewahrt, Vergehung verzeiht’.

      13 Barmherzigkeit und die Bereitschaft zum Vergeben sind grundlegende Eigenschaften Gottes, wie wir aus seiner Verfahrensweise mit den Israeliten erkennen. Der Gott der Gerechtigkeit gewährte ihnen bei wiederholten Fehlern keine Straffreiheit, doch erwies er ihnen in großem Maße Barmherzigkeit und war bereit, ihnen zu vergeben. „Er ließ Moses seine Wege wissen, seine Handlungen auch die Söhne Israels. Jehova ist barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und überströmend an liebender Güte. Er wird nicht für alle Zeit fortfahren zu rügen, noch wird er auf unabsehbare Zeit grollen“ (Psalm 103:7-9; 106:43-46). Ja, ein Rückblick auf sein Handeln während der Jahrhunderte beweist die Wahrhaftigkeit dieser Worte (Psalm 86:15; 145:8, 9; Micha 7:18, 19).

      14. Wie zeigte Jesus, daß er Gottes Barmherzigkeit nachahmte?

      14 Da Jesus Christus ‘der Widerschein der Herrlichkeit Gottes ist und der genaue Abdruck seines Wesens’, sollten wir erwarten, daß er dieselbe Barmherzigkeit und dieselbe Bereitschaft zum Vergeben bekundet (Hebräer 1:3). Dem ist so, wie sein Verhalten gegenüber anderen gezeigt hat (Matthäus 20:30-34). Auch mit seinen Worten, die in Lukas, Kapitel 15 zu lesen sind, legte er Nachdruck auf Barmherzigkeit. Die drei dort aufgezeichneten Gleichnisse beweisen, daß Jesus Jehova nachahmte, und wir können wichtige Lehren daraus ziehen.

      Die Sorge um das Verlorene

      15, 16. Was veranlaßte Jesus, die in Lukas 15 aufgezeichneten Gleichnisse zu erzählen?

      15 Diese Gleichnisse zeugen von Gottes Barmherzigkeit und seinem Interesse an Sündern und zeichnen so ein harmonisches Bild, das wir nachahmen sollten. Beachten wir, was den Rahmen für die Gleichnisse bildete: „Alle Steuereinnehmer und die Sünder kamen nun fortwährend in seine [Jesu] Nähe, um ihn zu hören. Deshalb murrten sowohl die Pharisäer als auch die Schriftgelehrten fortwährend und sprachen: ‚Dieser Mann heißt Sünder willkommen und ißt mit ihnen‘“ (Lukas 15:1, 2).

      16 Alle Personen, um die es damals ging, waren Juden. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten rühmten sich einer legalistischen Gerechtigkeit, nämlich des Umstandes, daß sie sich peinlich genau an das mosaische Gesetz hielten. Gott ging indes mit dieser selbsterklärten Gerechtigkeit nicht einig (Lukas 16:15). Bei den erwähnten Steuereinnehmern handelte es sich offenbar um Juden, die für Rom Steuern einzogen. Viele Steuereinnehmer forderten von ihren Landsleuten überhöhte Beträge. Deshalb waren sie eine verachtete Gruppe (Lukas 19:2, 8). Man reihte sie unter die „Sünder“ ein, zu denen auch unsittliche Personen wie Huren gehörten (Lukas 5:27-32; Matthäus 21:32). Aber Jesus fragte die sich beklagenden religiösen Führer:

      17. Welches der Gleichnisse Jesu aus Lukas 15 war das erste?

      17 „Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat, wird nicht, wenn er eines von ihnen verliert, die neunundneunzig in der Wildnis hinter sich lassen und dem einen verlorenen nachgehen, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, legt er es auf seine Schultern und freut sich. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und seine Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.‘ Ich sage euch, daß so im Himmel mehr Freude über einen einzigen Sünder sein wird, der bereut, als über neunundneunzig Gerechte, die der Reue nicht bedürfen.“ Die religiösen Führer verstanden die Bildersprache, denn Schafe und Hirten waren damals ein gewohnter Anblick. Aus Sorge verließ der Hirte 99 Schafe, die auf der ihnen vertrauten Weide grasten, und suchte das eine verirrte Schaf, und zwar so lange, bis er es fand. Dann trug er das verschreckte Schaf behutsam zur Herde zurück (Lukas 15:4-7).

      18. Was war gemäß Jesu zweitem Gleichnis aus Lukas 15 ein Grund zur Freude?

      18 Jesus fügte noch ein zweites Gleichnis hinzu: „Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht eine Lampe an, wenn sie eine Drachme verliert, und fegt ihr Haus und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ‚Freut euch mit mir, denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte.‘ So, sage ich euch, gibt es bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der bereut“ (Lukas 15:8-10). Eine Drachme entsprach im Wert fast einem Tageslohn. Die Münze der Frau war vielleicht ein Erbstück oder gehörte möglicherweise zu einem Schmuck. Als die Münze verlorenging, suchte die Frau gründlich danach, und ihre Freundinnen freuten sich schließlich mit ihr über den Fund. Was sagt uns das über Gott?

      Freude im Himmel — Worüber?

      19, 20. Wovon handelten die ersten beiden Gleichnisse aus Lukas 15 in erster Linie, und was sollte damit im wesentlichen gezeigt werden?

      19 Die beiden Gleichnisse waren eine Erwiderung auf die Kritik an Jesus, der sich einige Monate zuvor als der „vortreffliche Hirte“ bezeichnet hatte, der seine Seele für seine Schafe geben würde (Johannes 10:11-15). Dennoch handelten die Gleichnisse nicht in erster Linie von Jesus. Was die Schriftgelehrten und die Pharisäer lernen mußten, hatte mit der Einstellung und der Handlungsweise Gottes zu tun. Deshalb sagte Jesus, im Himmel herrsche Freude, wenn ein Sünder bereue. Jene Religionsanhänger behaupteten zwar, Jehova zu dienen, doch ahmten sie ihn nicht nach. Jesu barmherzige Handlungsweise entsprach indes dem Willen seines Vaters (Lukas 18:10-14; Johannes 8:28, 29; 12:47-50; 14:7-11).

      20 Wenn schon eins von hundert ein Grund zur Freude war, wieviel mehr dann eine von zehn Münzen! Selbst heute noch können wir den Frauen nachfühlen, die sich über die gefundene Münze freuten. Hier können wir auch etwas über den Himmel lernen, insofern, als sich die „Engel Gottes“ mit Jehova freuen „über einen einzigen Sünder, der bereut“. Beachten wir das letzte Wort: „bereut“. Diese Gleichnisse handelten eigentlich von Sündern, die bereuten. Und wie wir erkennen können, wird in beiden betont, daß es angebracht ist, sich über ihre Reue zu freuen.

      21. Was sollten wir aus den in Lukas 15 aufgezeichneten Gleichnissen Jesu lernen?

      21 Jene irregeleiteten religiösen Führer, die sich in ihrer oberflächlichen Beachtung des mosaischen Gesetzes selbst gefielen, übersahen, daß Gott ‘barmherzig und gnädig ist und Vergehung, Übertretung und Sünde verzeiht’ (2. Mose 34:6, 7). Hätten sie diesen Aspekt der Handlungsweise und der Persönlichkeit Gottes nachgeahmt, dann hätten sie Jesu Barmherzigkeit gegenüber reumütigen Sündern begriffen. Wie steht es mit uns? Nehmen wir uns diese Lehre zu Herzen, und handeln wir entsprechend? Beachten wir Jesu drittes Gleichnis.

      Reue und tätige Barmherzigkeit

      22. Welches dritte Gleichnis erzählte Jesus gemäß Lukas 15?

      22 Man nennt es häufig das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Doch beim Lesen verstehen wir vielleicht, warum es für einige das Gleichnis von der Vaterliebe ist. Es handelt von dem jüngeren Sohn einer Familie, der sein Erbe von seinem Vater erhält. (Vergleiche 5. Mose 21:17.) Dieser Sohn geht in ein fernes Land, wo er ein ausschweifendes Leben führt und alles verschwendet, sich dann als Schweinehirt verdingen muß und solchen Hunger hat, daß er sogar Schweinefutter essen würde. Schließlich kommt er zur Besinnung und entschließt sich, nach Hause zurückzukehren, auch wenn er nur als ein Lohnarbeiter für seinen Vater tätig sein kann. Während er sich seinem Zuhause nähert, unternimmt der Vater den positiven Schritt, ihn willkommen zu heißen, ja er veranstaltet sogar ein Fest. Der ältere Bruder, der zu Hause geblieben war und gearbeitet hatte, ärgert sich über die Barmherzigkeit des Vaters. Der Vater erklärt jedoch, daß man sich freuen sollte, weil der Sohn, der tot war, jetzt lebt (Lukas 15:11-32).

      23. Was sollten wir aus dem Gleichnis vom verlorenen Sohn lernen?

      23 Einige Schriftgelehrte und Pharisäer mögen gemerkt haben, daß sie mit dem älteren Sohn verglichen wurden — im Gegensatz zu Sündern, die dem jüngeren Sohn glichen. Erfaßten sie jedoch den Kerngedanken des Gleichnisses? Erfassen wir ihn? Das Gleichnis betont eine herausragende Eigenschaft unseres barmherzigen himmlischen Vaters: seine Bereitschaft, einem Sünder aufgrund einer von Herzen kommenden Reue und Umkehr zu vergeben. Es hätte die Zuhörer dazu bewegen sollen, sich über die Erlösung reumütiger Sünder zu freuen. Das ist der Standpunkt und die Handlungsweise Gottes und auch derer, die ihn nachahmen (Jesaja 1:16, 17; 55:6, 7).

      24, 25. Welche Eigenschaften und Handlungen Gottes sollten wir nachzuahmen suchen?

      24 Gerechtigkeit kennzeichnet eindeutig alle Handlungen Gottes. Wer ihn nachahmen möchte, schätzt Gerechtigkeit und jagt ihr nach. Dennoch wird unser Gott nicht lediglich von absoluter oder starrer Gerechtigkeit motiviert. Seine Barmherzigkeit und seine Liebe sind groß. Das zeigt er durch die Bereitwilligkeit, jemandem aufgrund echter Reue zu vergeben. Passenderweise bringt daher Paulus unsere Bereitschaft zu vergeben mit dem Bestreben, Gott nachzuahmen, in Verbindung: „[Vergebt] einander bereitwillig ..., so wie auch Gott euch durch Christus bereitwillig vergeben hat. Darum werdet Nachahmer Gottes als geliebte Kinder, und wandelt weiterhin in der Liebe“ (Epheser 4:32 bis 5:2).

      25 Wahre Christen bemühen sich schon lange, sowohl Jehovas Gerechtigkeit nachzuahmen als auch seine Barmherzigkeit und seine Bereitwilligkeit zu vergeben. Je besser wir ihn kennenlernen, desto leichter sollte es für uns sein, ihn in dieser Hinsicht nachzuahmen. Wie können wir dies jedoch auf jemand anwenden, der gerechterweise schwer gezüchtigt worden ist, weil er einen sündigen Lauf verfolgt hat? Wir wollen sehen.

  • Heute Gottes Barmherzigkeit nachahmen
    Der Wachtturm 1991 | 15. April
    • Heute Gottes Barmherzigkeit nachahmen

      „Laß uns bitte in die Hand Jehovas fallen, denn viele sind seiner Erbarmungen“ (2. SAMUEL 24:14).

      1. Wie dachte David über Gottes Barmherzigkeit, und warum?

      KÖNIG DAVID wußte aus Erfahrung, daß Jehova barmherziger ist als Menschen. Überzeugt davon, daß Gottes Wege oder Pfade am besten sind, wollte David Gottes Wege kennenlernen und in Gottes Wahrheit wandeln (1. Chronika 21:13; Psalm 25:4, 5). Denkst du genauso wie David?

      2. Wie vorzugehen, riet Jesus gemäß Matthäus 18:15-17 im Falle einer schwerwiegenden Sünde?

      2 Die Bibel bietet uns Einblick in Gottes Gedanken, auch in bezug auf die Frage, was wir tun sollten, falls jemand gegen uns sündigt. Jesus sagte zu seinen Aposteln, die später christliche Aufseher waren: „Wenn dein Bruder eine Sünde begeht, so gehe hin, lege seinen Fehler zwischen dir und ihm allein offen dar. Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ Bei dem hier erwähnten Fehler handelt es sich nicht lediglich um eine persönliche Beleidigung, sondern um eine schwerwiegende Sünde wie zum Beispiel Betrug oder Verleumdung. Kann die Sache durch diesen Schritt nicht beigelegt werden und sind Zeugen vorhanden, so sollte, wie Jesus sagte, derjenige, gegen den gesündigt worden ist, die Zeugen mitnehmen, um zu beweisen, daß eine Sünde vorliegt. Ist dieser Schritt die letzte Möglichkeit? Nein. „Wenn ... [der Sünder] nicht auf sie hört, sprich zu der Versammlung. Wenn er auch nicht auf die Versammlung hört, so sei er für dich ebenso wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer“ (Matthäus 18:15-17).

      3. Was meinte Jesus, als er sagte, ein reueloser Sünder sei „wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer“ zu betrachten?

      3 Als Juden verstanden die Apostel, was damit gemeint war, einen Sünder ‘wie einen Menschen von den Nationen und wie einen Steuereinnehmer’ zu behandeln. Die Juden vermieden den Umgang mit Leuten von den Nationen und verachteten diejenigen ihrer Landsleute, die als Steuereinnehmer im Dienst der Römer standen (Johannes 4:9; Apostelgeschichte 10:28).a Folglich wies Jesus die Jünger an, mit einem von der Versammlung verworfenen Sünder keinen Umgang mehr zu haben. Wie läßt sich das aber damit vereinbaren, daß Jesus manchmal mit Steuereinnehmern zusammen war?

      4. Wieso konnte Jesus angesichts seiner Worte aus Matthäus 18:17 mit einigen Steuereinnehmern und Sündern Umgang haben?

      4 In Lukas 15:1 heißt es: „Alle Steuereinnehmer und die Sünder kamen nun fortwährend in seine Nähe, um ihn zu hören.“ Nicht jeder Steuereinnehmer oder Sünder kam, sondern „alle“ im Sinne von „viele“. (Vergleiche Lukas 4:40.) Was für Menschen waren das? Menschen, denen an der Vergebung ihrer Sünden lag. Einige hatten sich schon früher durch die von Johannes dem Täufer verkündigte Botschaft der Reue angezogen gefühlt (Lukas 3:12; 7:29). Als andere zu Jesus kamen, mißachtete er somit nicht seinen eigenen Rat aus Matthäus 18:17, wenn er ihnen predigte. Beachten wir, daß ‘viele Steuereinnehmer und Sünder Jesus hörten und ihm nachzufolgen begannen’ (Markus 2:15). Es handelte sich nicht um Menschen, die weiterhin ein schlechtes Leben führen wollten und irgendwelche Hilfe ablehnten. Sie vernahmen vielmehr Jesu Botschaft, und ihr Herz wurde berührt. Auch wenn sie immer noch sündigten, obwohl sie sich wahrscheinlich bemühten, Änderungen vorzunehmen, ahmte der „vortreffliche Hirte“ seinen barmherzigen Vater nach, indem er ihnen predigte (Johannes 10:14).

      Vergebung — eine christliche Pflicht

      5. Wie ist Gott grundsätzlich zur Vergebung eingestellt?

      5 Mit folgenden herzerwärmenden Worten wird uns die Bereitwilligkeit unseres Vaters zugesichert, uns zu vergeben: „Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, uns die Sünden zu vergeben und uns von aller Ungerechtigkeit zu reinigen.“ „Ich schreibe euch diese Dinge, damit ihr keine Sünde begehen mögt. Und doch, wenn jemand eine Sünde begeht, so haben wir einen Helfer beim Vater, Jesus Christus, einen Gerechten“ (1. Johannes 1:9; 2:1). Kann jemandem, dem die Gemeinschaft entzogen worden ist, vergeben werden?

      6. Wann kann ein Ausgeschlossener Vergebung erlangen und wiederaufgenommen werden?

      6 Ja. Wenn Älteste als Vertreter der Versammlung jemandem wegen einer nicht bereuten Sünde die Gemeinschaft entziehen, erklären sie ihm, daß er die Möglichkeit hat, zu bereuen und Gottes Vergebung zu erlangen. Er kann den Zusammenkünften im Königreichssaal beiwohnen, wo er biblische Unterweisung hört, die ihn zur Reue führen mag. (Vergleiche 1. Korinther 14:23-25.) Vielleicht bemüht er sich im Laufe der Zeit um die Wiederaufnahme in die reine Versammlung. Älteste, die daraufhin mit ihm zusammenkommen, werden festzustellen suchen, ob er bereut und seine sündige Handlungsweise aufgegeben hat (Matthäus 18:18). Ist das der Fall, so kann er im Einklang mit dem Musterbeispiel aus 2. Korinther 2:5-8 wiederaufgenommen werden. Falls er bereits jahrelang ausgeschlossen war, wird er sich sehr gewissenhaft bemühen müssen, Fortschritte zu machen. Er mag auch viel Hilfe benötigen, seine biblische Erkenntnis und seine Wertschätzung zu vertiefen, damit er ein geistig starker Christ wird.

      Zu Jehova umkehren

      7, 8. Welches Beispiel gab Gott in Verbindung mit seinem exilierten Volk?

      7 Können aber die Ältesten von sich aus an einen Ausgeschlossenen herantreten? Ja. Wie die Bibel zeigt, kommt Barmherzigkeit nicht nur dadurch zum Ausdruck, daß von Strafe abgesehen wird, sondern oft auch durch positives Handeln. Jehova gibt uns darin das Beispiel. Noch bevor er sein untreues Volk, die Israeliten, ins Exil schickte, stellte er ihnen prophetisch ihre Rückkehr in Aussicht: „Gedenke dieser Dinge, o Jakob, und du, o Israel, denn du bist mein Knecht. ... Ich will wie mit einer Wolke deine Übertretungen auslöschen und wie mit Gewölk deine Sünden. Kehr doch um zu mir, denn ich will dich zurückkaufen“ (Jesaja 44:21, 22).

      8 Jehova war positiv eingestellt und unternahm dann während ihres Exils weitere Schritte. Er sandte Propheten als seine Vertreter, um Israel einzuladen, ‘nach ihm zu suchen und ihn zu finden’ (Jeremia 29:1, 10-14). Gemäß Hesekiel 34:16 verglich er sich mit einem Hirten und das Volk Israel mit verlorenen Schafen: „Nach dem Verlorenen werde ich suchen, und das Versprengte werde ich zurückbringen.“ Auch in Jeremia 31:10 malt Jehova von sich das Bild eines Hirten der Israeliten. Doch stellte er sich nicht als einen Hirten dar, der an der Schafhürde steht und darauf wartet, daß ein verlorenes Schaf zurückkehrt, sondern als einen Hirten, der nach den verlorenen Schafen sucht. Beachten wir, daß Gott — obwohl das Volk der Israeliten im allgemeinen nicht bereute und sich im Exil befand — von sich aus Schritte unternahm, um ihre Rückkehr zu veranlassen. Und in Übereinstimmung mit Maleachi 3:6 änderte sich an Gottes Handlungsweise auch im Falle der christlichen Organisation nichts.

      9. Wie wurde Gottes Beispiel in der Christenversammlung nachgeahmt?

      9 Legt das nicht nahe, daß es einen Grund geben könnte, in bezug auf einige, denen die Gemeinschaft entzogen wurde und die jetzt vielleicht bereuen, etwas zu unternehmen? Behalten wir im Sinn, daß der Apostel Paulus die Anweisung erteilte, einen gewissen Übeltäter aus der Versammlung in Korinth hinauszutun. Später ermahnte er die Versammlung, ihre Liebe ihm gegenüber zu bestätigen, weil er bereut hatte, was dann zu seiner Wiederaufnahme in die Versammlung führte (1. Korinther 5:9-13; 2. Korinther 2:5-11).

      10. (a) Welches Motiv sollte allen Bemühungen, mit einigen Ausgeschlossenen Verbindung aufzunehmen, zugrunde liegen? (b) Warum sollten christliche Verwandte in dieser Hinsicht nicht die Initiative ergreifen?

      10 In der bereits zitierten Enzyklopädie heißt es außerdem: „Logisch begründet wurde die Exkommunikation mit dem Schutz der Maßstäbe der Gruppe: ‚Ein wenig Sauerteig durchsäuert die ganze Masse‘ (1. Kor. 5:6). Dieses Motiv wird in den meisten biblischen und nichtkanonischen Textpassagen deutlich, doch das Interesse am einzelnen, selbst nach dem Ausschluß, bildete die Grundlage für den Antrag des Paulus aus 2. Kor. 2:7-10“ (Kursivschrift von uns). Demnach sollten die heutigen Hirten der Herde logischerweise solches Interesse bekunden (Apostelgeschichte 20:28; 1. Petrus 5:2). Frühere Freunde und Verwandte eines Ausgeschlossenen mögen hoffen, daß er zurückkehrt, doch aus Achtung vor dem Gebot aus 1. Korinther 5:11 haben sie keinen Umgang mit ihm.b Sie überlassen es den ernannten Hirten, die Initiative zu ergreifen und zu sehen, ob der Betreffende daran interessiert ist zurückzukehren.

      11, 12. Mit welcher Art von Ausgeschlossenen sollten selbst Älteste keine Verbindung aufnehmen, doch wen mögen sie besuchen?

      11 Es wäre allerdings nicht einmal für Älteste angebracht, in bezug auf gewisse Ausgeschlossene die Initiative zu ergreifen, zum Beispiel wenn es sich um Abtrünnige handelt, die „verdrehte Dinge reden, um die Jünger hinter sich her wegzuziehen“. Dies sind ‘falsche Lehrer, die versuchen, verderbliche Sekten einzuführen und die Versammlung mit verfälschten Worten auszubeuten’ (Apostelgeschichte 20:30; 2. Petrus 2:1, 3). Die Bibel liefert auch keine Grundlage dafür, Ausgeschlossene ausfindig zu machen, die Streit suchen oder zum Unrechttun ermuntern (2. Thessalonicher 2:3; 1. Timotheus 4:1; 2. Johannes 9-11; Judas 4, 11).

      12 Viele Ausgeschlossene sind jedoch nicht von dieser Art. Jemand hat vielleicht die schwerwiegende Sünde gelassen, aufgrund deren ihm die Gemeinschaft entzogen wurde. Ein anderer hat in der Vergangenheit womöglich geraucht oder sich betrunken, versucht jetzt aber nicht, andere zum Sündigen zu veranlassen. Vergessen wir nicht: Bevor sich die Israeliten im Exil Gott zuwandten, sandte er Vertreter, die sie aufforderten umzukehren. Ob Paulus oder die Ältesten der Versammlung in Korinth von sich aus etwas unternahmen, um sich über den Ausgeschlossenen zu erkundigen, wird in der Bibel nicht gesagt. Als der Mann bereut und seine unsittliche Handlungsweise aufgegeben hatte, wies Paulus die Versammlung an, ihn wiederaufzunehmen.

      13, 14. (a) Was deutet darauf hin, daß einige Ausgeschlossene auf das ansprechen könnten, was aus Barmherzigkeit unternommen wird? (b) Wie kann die Ältestenschaft für eine Kontaktaufnahme sorgen?

      13 In letzter Zeit ist es mehrmals vorgekommen, daß ein Ältester zufällig einen Ausgeschlossenen antraf.c Wenn es angebracht war, erläuterte der Hirte kurz die für eine Wiederaufnahme notwendigen Schritte. Einige dieser Personen bereuten und wurden wiederaufgenommen. Solch erfreuliche Ergebnisse deuten darauf hin, daß es Personen geben mag, die ausgeschlossen worden sind oder die Gemeinschaft verlassen haben, jedoch günstig reagieren würden, wenn Hirten sie in barmherziger Weise ansprechen würden. Aber wie könnten die Ältesten dabei vorgehen? Einmal im Jahr — nicht öfter — sollte die Ältestenschaft besprechen, ob solche Personen im Versammlungsgebiet wohnen.d Dabei sollten die Ältesten diejenigen ins Auge fassen, die schon länger als ein Jahr ausgeschlossen sind. Wenn es unter den gegebenen Umständen angebracht ist, sollten sie zwei Älteste (möglichst Älteste, die mit der Situation vertraut sind) dazu bestimmen, eine solche Person zu besuchen. Man würde indes niemand besuchen, der eine kritische, gefährliche Einstellung verrät oder wissen läßt, daß er keine Hilfe wünscht (Römer 16:17, 18; 1. Timotheus 1:20; 2. Timotheus 2:16-18).

      14 Die beiden Hirten könnten telefonisch anfragen, ob ein kurzer Besuch erwünscht ist, oder zu einer passenden Zeit persönlich vorsprechen. Sie sollten sich bei ihrem Besuch weder streng noch kühl verhalten, sondern auf herzliche und barmherzige Weise ihr Interesse bekunden. Statt den Fall wieder aufzurollen, könnten sie Bibeltexte wie Jesaja 1:18 und 55:6, 7 sowie Jakobus 5:20 besprechen. Wenn der Betreffende daran interessiert ist, zu Gottes Herde zurückzukehren, könnten sie ihm freundlich erklären, welche Schritte er unternehmen sollte — zum Beispiel in der Bibel und in den Publikationen der Wachtturm-Gesellschaft lesen und die Zusammenkünfte im Königreichssaal besuchen.

      15. Was sollten Älteste im Sinn behalten, wenn sie mit einem Ausgeschlossenen Verbindung aufnehmen?

      15 Die beiden Ältesten werden Weisheit und Unterscheidungsvermögen benötigen, um herauszufinden, ob Anzeichen der Reue vorliegen und ein weiterer Besuch ratsam ist. Sie sollten natürlich im Sinn behalten, daß einige Ausgeschlossene nicht „zur Reue zu beleben“ sind (Hebräer 6:4-6; 2. Petrus 2:20-22). Nach dem Besuch werden sie dem Versammlungsdienstkomitee mündlich darüber berichten. Dieses wiederum wird die Ältestenschaft bei der nächsten Ältestenbesprechung unterrichten. Daß die Ältesten barmherzig sind und die Initiative ergreifen, spiegelt Gottes Standpunkt wider: „‚Kehrt um zu mir, so will ich zu euch umkehren‘, hat Jehova der Heerscharen gesprochen“ (Maleachi 3:7).

      Anderen auf barmherzige Weise helfen

      16, 17. Wie sollten wir zu christlichen Verwandten eines Ausgeschlossenen eingestellt sein?

      16 Was ist von denen unter uns zu sagen, die keine Aufseher sind und nichts Derartiges in bezug auf Ausgeschlossene unternehmen sollten? Was können sie im Einklang mit dieser Vorkehrung tun und so Jehova nachahmen?

      17 Solange jemand ausgeschlossen oder kein Teil der Versammlung ist, weil er die Gemeinschaft verlassen hat, sollten wir die Anweisung befolgen, „keinen Umgang mehr mit jemandem zu haben, der Bruder genannt wird, wenn er ein Hurer oder ein Habgieriger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Erpresser ist, selbst nicht mit einem solchen zu essen“ (1. Korinther 5:11). Aber diese biblische Anweisung sollte nicht unsere Einstellung zu christlichen Familienangehörigen beeinflussen, die mit dem Ausgeschlossenen unter einem Dach wohnen. Die Juden reagierten in alter Zeit so heftig auf Steuereinnehmer, daß sich ihr Haß sogar auf deren Familie erstreckte. Jesus hieß das nicht gut. Er wies darauf hin, daß ein Sünder, der Hilfe ablehnt, „ebenso wie ein Mensch von den Nationen und wie ein Steuereinnehmer“ betrachtet werden sollte; aus seinen Worten geht nicht hervor, daß christliche Familienangehörige so behandelt werden sollten (Matthäus 18:17).

      18, 19. Nenne einige Möglichkeiten, wie wir gegenüber treuen Familienangehörigen eines Ausgeschlossenen unsere christliche Gesinnung zum Ausdruck bringen können.

      18 Die Familienangehörigen eines Ausgeschlossenen, die treue Christen sind, sollten wir besonders unterstützen. Sie mögen allein schon deshalb zu leiden haben und vor manchen Hindernissen stehen, weil sie mit einem Ausgeschlossenen die Wohnung teilen, der sie womöglich von der Ausübung ihres Glaubens abzuhalten sucht. Vielleicht möchte er nicht, daß sie zu Hause von Christen besucht werden; oder wenn das geschieht, mag er nicht so taktvoll sein, sich von solchen Besuchern fernzuhalten. Möglicherweise behindert er auch die Bemühungen der Familie, alle christlichen Zusammenkünfte und Kongresse zu besuchen. (Vergleiche Matthäus 23:13.) Christen, die so benachteiligt sind, verdienen wirklich unsere Barmherzigkeit (2. Korinther 1:3, 4).

      19 Eine Möglichkeit, liebevoll Barmherzigkeit zu erweisen, besteht darin, daß wir den Treuen in einer solchen Hausgemeinschaft ‘tröstend zureden’ und ermutigende Gespräche mit ihnen führen (1. Thessalonicher 5:14). Vor und nach den Zusammenkünften, im Predigtdienst oder bei einem Zusammensein zu anderen Zeiten ergeben sich ebenfalls gute Gelegenheiten, Unterstützung zu gewähren. Wir müssen uns nicht über den Gemeinschaftsentzug unterhalten, sondern können über viele erbauende Dinge sprechen (Sprüche 25:11; Kolosser 1:2-4). Die Ältesten werden weiterhin Hirtenbesuche bei den christlichen Familienmitgliedern machen, und auch wir mögen sie besuchen können, ohne mit dem Ausgeschlossenen etwas zu tun zu haben. Wenn der Ausgeschlossene zufällig an die Tür kommt oder sich am Telefon meldet, können wir einfach nach dem christlichen Verwandten fragen, den wir sprechen möchten. Vielleicht ist es den christlichen Familienmitgliedern manchmal möglich, eine Einladung zu uns nach Hause anzunehmen. Auf jeden Fall sollten sie — ob jung oder alt — als unsere Mitdiener und als geliebte Angehörige der Versammlung Gottes nicht gemieden werden (Psalm 10:14).

      20, 21. Wie sollten wir empfinden und handeln, wenn jemand wiederaufgenommen wird?

      20 Ein weiteres Gebiet, Barmherzigkeit zu bekunden, tut sich auf, wenn ein Ausgeschlossener wiederaufgenommen wird. Jesu Gleichnisse heben die Freude hervor, die im Himmel herrscht, wenn ‘ein Sünder bereut’ (Lukas 15:7, 10). Paulus schrieb den Korinthern bezüglich des Mannes, dem die Gemeinschaft entzogen worden war: „[Ihr solltet] verzeihen und ihn trösten ..., damit ein solcher nicht etwa von seiner übergroßen Traurigkeit verschlungen werde. Darum ermahne ich euch, eure Liebe zu ihm zu bestätigen“ (2. Korinther 2:7, 8). In den Tagen und Wochen nach einer Wiederaufnahme sollten wir diesen Rat auf vernünftige und liebevolle Weise befolgen.

      21 Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn macht uns auf etwas aufmerksam, was wir vermeiden sollten. Der ältere Bruder freute sich nicht über die Rückkehr des reuigen Sünders, sondern war ärgerlich. Mögen wir uns nicht so verhalten und keinen Groll wegen einer früheren Verfehlung hegen noch jemandem mißgönnen, daß er wiederaufgenommen worden ist. Unser Ziel ist, dem Vater zu gleichen, dessen Verhalten die Reaktion Jehovas veranschaulicht. Der Vater freute sich, daß sein Sohn, der verloren und so gut wie tot war, gefunden wurde oder zum Leben kam (Lukas 15:25-32). Dementsprechend sollten wir ungezwungen mit dem wiederaufgenommenen Bruder sprechen und ihn auch anderweitig ermuntern. Ja, wir sollten beweisen, daß wir ebenso Barmherzigkeit walten lassen wie unser himmlischer Vater, der zum Vergeben bereit und barmherzig ist (Matthäus 5:7).

      22. Was bedeutet es, Jehova Gott nachzuahmen?

      22 Es steht also außer Frage: Wenn wir unseren Gott nachahmen möchten, müssen wir barmherzig sein, und das im Einklang mit seinen Geboten und seiner Gerechtigkeit. Der Psalmist beschreibt ihn folgendermaßen: „Jehova ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an liebender Güte. Jehova ist gut gegen alle, und seine Erbarmungen sind über alle seine Werke“ (Psalm 145:8, 9). Welch ein liebevolles und für Christen nachahmenswertes Beispiel!

      [Fußnoten]

      a „Steuereinnehmer wurden von der jüdischen Bevölkerung Palästinas aus mehreren Gründen besonders verachtet: 1. Sie zogen Geld für die fremde Macht ein, die das Land Israel besetzt hatte, und vergrößerten so indirekt noch diese Schmach; 2. sie galten als skrupellose Menschen, die sich auf Kosten anderer Landsleute bereicherten, und 3. hatten sie aufgrund ihrer Arbeit regelmäßig Kontakt mit Heiden, wodurch sie rituell unrein wurden. Steuereinnehmer werden sowohl im N[euen] T[estament] als auch in der rabbinischen Literatur verurteilt ... Gemäß letzterer sollte der Haß selbst die Familie des Steuereinnehmers treffen“ (The International Standard Bible Encyclopedia).

      b Wenn ein Ausgeschlossener in einer christlichen Familie lebt, hätte er immer noch am normalen, alltäglichen häuslichen Geschehen und an familiären Aktivitäten teil. Das könnte auch bedeuten, daß er anwesend ist, wenn die Familie als Ganzes biblischen Stoff betrachtet. (Siehe Wachtturm vom 15. November 1988, Seite 19, 20.)

      c Siehe das Jahrbuch der Zeugen Jehovas 1991, Seite 53, 54.

      d Wenn irgendein Zeuge im Haus-zu-Haus-Dienst oder auf andere Weise erfährt, daß ein Ausgeschlossener im Gebiet wohnt, sollte er die Ältesten davon unterrichten.

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