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„Rechtliche Probleme in der Transfusionsmedizin“Der Wachtturm 1986 | 15. April
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„DIE jüngste und möglicherweise gefährlichste Krankheit des 20. Jahrhunderts: Aids.“ So beschrieb Dr. L. A. Laskey (leitender Wissenschaftler, Genentech Corp.) ein Problem, das auf einer Konferenz am 19. und 20. September 1985 in Washington (D. C., USA) zur Diskussion stand.
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„Rechtliche Probleme in der Transfusionsmedizin“Der Wachtturm 1986 | 15. April
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Dr. Schmidt räumte ein: „Ich glaube, es gibt eine Menge unbekannte Faktoren. Nach wie vor ist der Akt der Transfusion tagein, tagaus eine enorme Herausforderung. In diesem Land ist es eine-Million-mal im Monat ein Experiment der Immunologie und der Epidemiologie, häufig ohne rechtliche Präzedenzfälle.“
Später sprach Dr. Paul Ness (Johns Hopkins Hospital) über das Thema „Was bei einer Transfusion schiefgehen kann“. Er meinte, es sei „sehr schwierig, in nur einer halben Stunde über alles zu sprechen, was bei einer Bluttransfusion schiefgehen kann“. Eigentlich wollte er sogar ein Dia zeigen mit der Überschrift „Achtung! Folgendes kann bei einer Bluttransfusion schiefgehen“ und mit einer Liste von „etwa 50 verschiedenen Punkten“. Aber er sagte: „Ich wußte, daß diese Liste sowieso nicht vollständig wäre.“
Dr. Johanna Pindyck (Blutprogramm des Großraumes New York) sagte, das dringendste Problem bei den durch Transfusion übertragenen Krankheiten sei Hepatitis Non A-non B. Man nimmt an, daß diese Form der Hepatitis „durch mindestens zwei Viren hervorgerufen wird, deren Beschaffenheit hingegen noch nicht genau ermittelt worden ist. Die Forschungen sind schon viele Jahre — mindestens 10 bis 15 Jahre — im Gange, aber wir haben die Ursache noch nicht entdeckt.“ Hinsichtlich des besten Tests zur Untersuchung von Blut auf diese Hepatitis bemerkte sie: „Ich würde sagen, daß gegenwärtig wahrscheinlich 10 Prozent des Blutes getestet werden — oder vielleicht sogar etwas weniger als das.“
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„Rechtliche Probleme in der Transfusionsmedizin“Der Wachtturm 1986 | 15. April
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Dr. Laskey erklärte später, die gegenwärtigen Tests seien unglaublich teuer, gefährlich in der Durchführung und nicht völlig genau. Wie steht es mit der neu entwickelten Methode, die er für überlegen hält? Er sprach von Experimenten mit Patienten, die Aids oder den mit Aids verwandten Komplex haben. Bei einer Anzahl von ihnen konnte durch die Tests die Aids-Verbindung nicht aufgespürt werden. Wie er sagte, hätte man durch keinen der Tests Aids entdecken können.
Daher kann man verstehen, warum viele erwägen, ihr eigenes Blut aufzubewahren oder nur von einem Freund oder einem Verwandten Blut anzunehmen. Aber Dr. Joseph Bove (Yale-New Haven Hospital) sprach sich dagegen aus, weil das teuer sei und zu Engpässen führe. Er fügte hinzu: „Eine der Hauptursachen für transfusionsbedingte Todesfälle sind verwaltungstechnische Irrtümer — das falsche Blut geht zur falschen Person. Es ist mir peinlich, sagen zu müssen, daß es uns im Jahre 1985 trotz all der verfügbaren Technik mit Computern und sonstigem Gerät nicht immer gelungen ist, die richtige Bluteinheit dem richtigen Patienten zuzuführen. Die Wahrheit ist, daß das immer wieder passiert, und so bringen wir Menschen ums Leben.“
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