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Ein geeintes Europa — Warum wichtig?Erwachet! 2000 | 22. April
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CHAMPAGNERKORKEN knallen. Der Himmel ist hell erleuchtet vom Feuerwerk. Ist das neue Millennium der Anlaß? Nein. Hier wurde ein Ereignis gefeiert, das durchaus bedeutender war als das bloße Umstellen einer Ziffernfolge auf den Kalendern. Man schrieb den 1. Januar 1999, das Datum, an dem offiziell eine einheitliche Währung für die Länder der Europäischen Union (EU) eingeführt wurde — der Euro.
Für viele Europäer ist die Einführung einer gemeinsamen Währung ein historischer Meilenstein auf dem Weg zu der seit langem angestrebten Einheit Europas. Die niederländische Zeitung De Telegraaf pries die Einführung des Euro als „Krönung der europäischen Einigung“. Und tatsächlich scheint ein geeintes Europa — jahrzehntelang Wunschbild, Gegenstand diplomatischen Tauziehens und immer wieder hinausgezögert — mehr denn je in greifbare Nähe gerückt zu sein.
Nun werden außerhalb Europas nicht wenige verwundert nach dem Grund für so viel Aufhebens fragen. Die Einführung des Euro und das Streben nach Einheit in Europa scheinen sich im Alltag so gut wie gar nicht auf sie auszuwirken. Allerdings entstünde durch die Einigung Europas eines der weltweit größten Wirtschaftsbündnisse. Ein geeintes Europa ließe sich daher kaum ignorieren, ganz gleich, wo man lebt.
Beispielsweise erklärte vor kurzem Marc Grossman, stellvertretender US-Außenminister, vor einer nordamerikanischen Zuhörerschaft: „Unser Wohlstand ist mit Europa verknüpft.“ Weshalb? Als Grund nannte er unter anderem, jeder 12. amerikanische Fabrikarbeiter sei bei einer der 4 000 europäischen Firmen in den USA beschäftigt. Außerdem kann sich die neue europäische Währung, wie verlautet, auch auf die Preise von Importgütern — ja sogar auf Hypothekenzinsen — auswirken, und das in weit von Europa entfernten Ländern.
Entwicklungsländern kommt das möglicherweise zugute. Inwiefern? In einer Studie wurde festgestellt: „Der Umstand, daß die unterschiedlichen europäischen Währungen durch den Euro ersetzt werden, vereinfacht die Handelsbeziehungen der Entwicklungsländer zur EU.“ Darüber hinaus gibt es Prognosen, wonach in Europa operierende japanische und amerikanische Firmen profitieren werden. Mit dem Euro als Währung gibt es zwischen den Ländern Europas keine Wechselkursschwankungen mehr. Sich in Europa geschäftlich zu engagieren kann so wirtschaftlich durchaus lohnender werden.
Wer eine Europareise plant, wird den Nutzen der europäischen Integration ebenfalls zu spüren bekommen. Bald wird man Waren und Dienstleistungen in verschiedenen Ländern Europas mit einer einzigen Währung bezahlen können — dem Euro, der in etwa den gleichen Wert hat wie ein Dollar. Der verwirrte Tourist, der ohne Taschenrechner verloren war vor lauter Gulden, Francs, Lire und Mark, wird der Vergangenheit angehören.
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Ein geeintes Europa — Warum wichtig?Erwachet! 2000 | 22. April
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[Bild auf Seite 3]
Der Euro wird viele europäische Währungen ersetzen
[Bildnachweis auf Seite 3]
Euro und Euro-Symbole auf den Seiten 3, 5, 6 und 8: © Europäisches Währungsinstitut
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