-
„Richte dein Herz auf“ Gottes Tempel!Der Wachtturm 1999 | 1. März
-
-
„Richte dein Herz auf“ Gottes Tempel!
„Menschensohn, ... richte dein Herz auf alles, was ich dir zeige ... Teile alles, was du siehst, dem Hause Israel mit“ (HESEKIEL 40:4).
1. In welchem Zustand befand sich Gottes auserwähltes Volk im Jahr 593 v. u. Z.?
ES WAR im Jahr 593 v. u. Z., im 14. Jahr des Exils Israels. Den in Babylon lebenden Juden muß ihr geliebtes Heimatland bestimmt weit entfernt erschienen sein. Als die meisten von ihnen Jerusalem zuletzt gesehen hatten, stand es in Flammen, seine gewaltigen Mauern waren niedergerissen, seine stolzen Gebäude zerstört. Der Tempel Jehovas — einst die krönende Herrlichkeit der Stadt, das einzige Zentrum für die reine Anbetung auf der ganzen Erde — war in Schutt und Asche gelegt worden. Jetzt stand Israel der größte Teil des Exils noch bevor. Bis zur verheißenen Befreiung würde es weitere 56 Jahre dauern (Jeremia 29:10).
2. Warum müssen die Erinnerungen an den Tempel Gottes in Jerusalem Hesekiel betrübt haben?
2 Den treuen Propheten Hesekiel muß es betrübt haben, an den Hunderte von Kilometern entfernten Tempel Gottes zu denken, der in Trümmern lag und ein verödeter Aufenthaltsort wilder Tiere war (Jeremia 9:11). Sein eigener Vater, Busi, hatte dort als Priester gedient (Hesekiel 1:3). Hesekiel hätte dasselbe Vorrecht gehabt, doch er war schon 617 v. u. Z. — in jungen Jahren — mit den Edlen Jerusalems ins Exil weggeführt worden. Mittlerweile war Hesekiel etwa 50 Jahre alt, und wahrscheinlich wußte er nur zu gut, daß er zu seinen Lebzeiten weder Jerusalem wiedersehen noch irgendeinen Anteil am Wiederaufbau des Tempels haben würde. Stellen wir uns einmal vor, wieviel es für Hesekiel bedeutet haben muß, eine Vision von einem herrlichen Tempel zu erhalten!
3. (a) Worin bestand der Zweck der Vision, die Hesekiel von dem Tempel erhielt? (b) Was sind die vier Hauptbestandteile der Vision?
3 Diese ausführliche Vision, die neun Kapitel im Buch Hesekiel umfaßt, lieferte den Judäern im Exil eine glaubensstärkende Verheißung. Die reine Anbetung würde wiederhergestellt werden! In den Jahrhunderten danach — bis auf den heutigen Tag — ist diese Vision für Menschen, die Jehova lieben, eine Quelle der Ermunterung gewesen. Inwiefern? Untersuchen wir einmal, was Hesekiels prophetische Vision für die Israeliten im Exil bedeutete. Sie hat vier Hauptbestandteile: den Tempel, die Priesterschaft, den Vorsteher und das Land.
Der Tempel wird wieder aufgebaut
4. Wohin wird Hesekiel zu Beginn der Vision gebracht, was sieht er dort, und wer macht mit ihm einen Rundgang?
4 Zunächst wird Hesekiel zu „einem sehr hohen Berg“ gebracht. Auf dem Berg befindet sich gegen Süden ein riesiger Tempel, der einer ummauerten Stadt gleicht. Ein Engel, dessen Aussehen „wie das Aussehen von Kupfer“ ist, nimmt den Propheten mit auf einen gründlichen Rundgang über das Gelände (Hesekiel 40:2, 3). Im weiteren Verlauf der Vision sieht Hesekiel, wie der Engel die drei identischen Torpaare des Tempels mit ihren Wachstuben sorgfältig mißt, außerdem einen äußeren Vorhof, einen inneren Vorhof, Speiseräume, einen Altar sowie das Tempelheiligtum, das aus dem Heiligen und dem Allerheiligsten besteht.
5. (a) Welche Zusicherung gibt Jehova Hesekiel? (b) Was waren die „Leichname ihrer Könige“, die aus dem Tempel entfernt werden mußten, und warum war das von Bedeutung?
5 Dann erscheint Jehova selbst in der Vision. Er begibt sich in den Tempel und versichert Hesekiel, daß er dort weilen werde. Jehova fordert jedoch eine Reinigung seines Hauses und sagt: „Nun mögen sie ihre Hurerei und die Leichname ihrer Könige weit von mir entfernen, und ich werde gewiß in ihrer Mitte weilen auf unabsehbare Zeit“ (Hesekiel 43:2-4, 7, 9). Die „Leichname ihrer Könige“ bezogen sich offensichtlich auf Götzen. Die rebellischen Herrscher und Bewohner Jerusalems hatten Gottes Tempel mit Götzen verunreinigt und in Wirklichkeit diese zu Königen gemacht. (Vergleiche Amos 5:26.) Sie waren keineswegs lebendige Götter oder Könige, sondern sie waren etwas Lebloses und Schmutziges in Jehovas Augen. Sie mußten entfernt werden (3. Mose 26:30; Jeremia 16:18).
6. Was zeigte das Messen des Tempels an?
6 Was war der Sinn dieses Teils der Vision? Den ins Exil Weggeführten wurde dadurch die vollständige Wiederherstellung der reinen Anbetung in Gottes Tempel zugesichert. Des weiteren wurde durch das Messen des Tempels eine göttliche Garantie gegeben, daß die Vision mit absoluter Sicherheit Wirklichkeit werden würde. (Vergleiche Jeremia 31:39, 40; Sacharja 2:2-8.) Jede Spur von Götzendienst sollte beseitigt werden. Jehova würde sein Haus noch einmal segnen.
Die Priesterschaft und der Vorsteher
7. Welcher Aufschluß wird hinsichtlich der Leviten und der Priester vermittelt?
7 Auch die Priesterschaft sollte einem Reinigungs- oder Läuterungsprozeß unterzogen werden. Die Leviten mußten getadelt werden, weil sie dem Götzendienst erlegen waren; die priesterlichen Söhne Zadoks sollten dagegen dafür, daß sie rein geblieben waren, gelobt und belohnt werden.a Dennoch würden beide Gruppen Dienststellungen in Gottes wiederhergestelltem Haus haben — zweifellos abhängig davon, ob sie als einzelne treu waren. Außerdem bestimmte Jehova folgendes: „Und mein Volk sollten sie über den Unterschied zwischen Heiligem und Nichtheiligem unterweisen; und den Unterschied zwischen Unreinem und Reinem sollten sie es wissen lassen“ (Hesekiel 44:10-16, 23). Die Priesterschaft sollte also wieder eingesetzt und das treue Ausharren der Priester belohnt werden.
8. (a) Wer waren die Vorsteher im alten Israel? (b) In welch verschiedener Hinsicht war der Vorsteher in der Vision Hesekiels in der reinen Anbetung tätig?
8 Die Vision bezieht sich auch auf jemand, der als der Vorsteher bezeichnet wird. Von Moses’ Tagen an hatte die Nation Vorsteher gehabt. Das hebräische Wort für „Vorsteher“, naßí’, konnte sich auf das Haupt eines Vaterhauses, eines Stammes oder sogar einer Nation beziehen. In Hesekiels Vision werden die Herrscher Israels als Klasse getadelt, weil sie die Menschen unterdrückt haben, und sie werden ermahnt, fair und gerecht zu sein. Der Vorsteher gehört zwar nicht der Priesterklasse an, aber er ist in herausragender Weise in der reinen Anbetung tätig. Er geht im äußeren Vorhof mit den nichtpriesterlichen Stämmen ein und aus, sitzt in der Vorhalle des Osttors und beschafft einige der Schlachtopfer, die das Volk opfern soll (Hesekiel 44:2, 3; 45:8-12, 17). Die Vision sicherte dem Volk Hesekiels auf diese Weise zu, daß die wiederhergestellte Nation mit vorbildlichen Führern gesegnet sein würde, mit Männern, die die Priesterschaft bei der Anleitung des Volkes Gottes unterstützen und in geistiger Hinsicht ein vorzügliches Beispiel geben würden.
Das Land
9. (a) Wie sollte das Land aufgeteilt werden, aber wer würde kein Erbe erhalten? (b) Was war der heilige Beitrag, und was umfaßte er?
9 Schließlich gehörte zu Hesekiels Vision noch ein Überblick über das Land Israel. Es sollte so aufgeteilt werden, daß jeder Stamm eine Zuteilung erhalten würde. Auch dem Vorsteher würde ein Erbe zuteil. Die Priester würden dagegen keines bekommen, denn Jehova sagte: „Ich bin ihr Erbe“ (Hesekiel 44:10, 28; 4. Mose 18:20). In der Vision wurde gezeigt, daß die Landzuteilung für den Vorsteher zu beiden Seiten eines besonderen Gebiets liegen würde, das als heiliger Beitrag bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um ein quadratisches Stück Land, das in drei Streifen aufgeteilt ist — der obere Teil für die reumütigen Leviten, die Mitte für die Priester und der untere Teil für die Stadt mit dem ertragfähigen Land. Der Tempel Jehovas sollte sich in dem Landstreifen der Priester befinden, im Zentrum des quadratischen Beitrags (Hesekiel 45:1-7).
10. Was bedeutete die Prophezeiung über die Aufteilung des Landes für treue Judäer, die sich im Exil befanden?
10 Wie muß doch all das die ins Exil Weggeführten von Herzen erfreut haben! Jeder Familie wurde ein Erbe in dem Land versprochen. (Vergleiche Micha 4:4.) Die reine Anbetung sollte dort einen erhabenen, zentralen Platz einnehmen. Und man beachte, daß in Hesekiels Vision der Vorsteher ebenso wie die Priester auf Land leben würden, welches das Volk beigesteuert hätte (Hesekiel 45:16). In dem wiederhergestellten Land sollte das Volk somit zum Werk derjenigen beisteuern, die Jehova ernannt hatte, die Führung zu übernehmen, und es sollte sie dadurch unterstützen, daß es entsprechend ihren Anweisungen handeln würde. Insgesamt gesehen war das Land ein Vorbild an Organisation, Zusammenarbeit und Sicherheit.
11, 12. (a) Wie versichert Jehova prophetisch seinem Volk, daß er ihr wiederhergestelltes Heimatland segnen würde? (b) Was wurde durch die Bäume veranschaulicht, die an den Ufern des Stromes standen?
11 Würde Jehova ihr Land segnen? In der Prophezeiung wird diese Frage mit einer zu Herzen gehenden Beschreibung beantwortet. Ein Bach fließt aus dem Tempel, er wird im weiteren Verlauf immer breiter und wird bis dort, wo er in das Tote Meer mündet, zu einem reißenden Wildbach. Dort läßt er leblose Wasser aufleben, und auf einem Küstenstreifen floriert der Fischhandel. An den Flußufern stehen viele Bäume, die ganzjährig Frucht tragen; sie dienen nicht nur zur Speise, sondern auch zur Heilung (Hesekiel 47:1-12).
12 Für die ins Exil Weggeführten wurden durch diese Verheißung frühere Wiederherstellungsprophezeiungen, die sie sehr schätzten, wiederholt und bestätigt. Mehr als einmal hatten Jehovas inspirierte Propheten ein wiederhergestelltes, wiederbevölkertes Israel als paradiesisch beschrieben. Verödete Gebiete, die erneut auflebten, waren ein wiederkehrendes prophetisches Thema gewesen (Jesaja 35:1, 6, 7; 51:3; Hesekiel 36:35; 37:1-14). Daher konnte das Volk erwarten, daß ihm Jehovas lebengebende Segnungen zufließen würden gleich einem Strom, der im wiederhergestellten Tempel entspringt. Demnach sollte eine geistig tote Nation aufleben. Das wiederhergestellte Volk würde mit herausragenden Geistesmenschen gesegnet sein — mit Männern, die so gerecht und fest wären wie die Bäume entlang der in der Vision gezeigten Ufer, mit Männern, die die Führung darin übernehmen würden, ein zerstörtes Land wieder aufzubauen. Auch Jesaja hatte geschrieben, daß „große Bäume der Gerechtigkeit ... die seit langem verwüsteten Stätten wieder aufbauen“ würden (Jesaja 61:3, 4).
Wann wird die Vision Wirklichkeit?
13. (a) In welchem Sinn segnete Jehova sein wiederhergestelltes Volk mit ‘großen Bäumen der Gerechtigkeit’? (b) Wie erfüllte sich die Prophezeiung über das Tote Meer?
13 Wurden die aus dem Exil Zurückkehrenden enttäuscht? Ganz bestimmt nicht! Ein wiederhergestellter Überrest kehrte 537 v. u. Z. in seine geliebte Heimat zurück. Im Laufe der Zeit wurden unter der Anleitung der ‘großen Bäume der Gerechtigkeit’ — zum Beispiel des Abschreibers Esra, der Propheten Haggai und Sacharja sowie des Hohenpriesters Josua — die lange verödeten Stätten wieder aufgebaut. Vorsteher wie Nehemia und Serubbabel herrschten fair und gerecht im Land. Jehovas Tempel wurde wieder aufgebaut, und seine Vorkehrungen für das Leben — die Segnungen eines Lebens gemäß seinem Bund — waren wieder reichlich verfügbar (5. Mose 30:19; Jesaja 48:17-20). Eine dieser Segnungen war Erkenntnis. Die Priesterschaft wurde wieder in ihr Amt eingesetzt, und die Priester unterwiesen das Volk im Gesetz (Maleachi 2:7). Demzufolge lebten die Menschen in geistiger Hinsicht auf und wurden erneut produktive Diener Jehovas, wie es dadurch veranschaulicht worden war, daß das Tote Meer geheilt wurde und daraufhin ein florierender Fischhandel entstand.
14. Warum muß es eine Erfüllung der Prophezeiung Hesekiels geben, die das übertrifft, was sich nach der Rückkehr der Juden aus dem Babylonischen Exil ereignete?
14 Waren diese Geschehnisse das einzige, wodurch die Vision Hesekiels Wirklichkeit wurde? Nein; es wurde auf etwas weit Größeres hingewiesen. Beachten wir folgendes: Der Tempel, den Hesekiel sah, hätte so, wie er beschrieben wird, gar nicht gebaut werden können. Es trifft zwar zu, daß die Juden jene Vision ernst nahmen und sogar einige Einzelheiten buchstäblich auffaßten.b Der visionäre Tempel als Ganzes war aber viel zu groß, um überhaupt auf den Berg Moria zu passen, wo der frühere Tempel gestanden hatte. Außerdem befand sich der von Hesekiel beschriebene Tempel nicht in der Stadt, sondern in einiger Entfernung davon auf einem gesonderten Stück Land, wohingegen der zweite Tempel dort errichtet wurde, wo sein Vorgänger gestanden hatte — in der Stadt Jerusalem (Esra 1:1, 2). Des weiteren ist niemals ein buchstäblicher Strom im Tempel in Jerusalem entsprungen. Somit erlebte das alte Israel nur eine Erfüllung der Prophezeiung Hesekiels im kleinen. Das bedeutet, daß diese Vision in größerer, geistiger Hinsicht Wirklichkeit werden muß.
15. (a) Wann wurde die Tätigkeit in Jehovas geistigem Tempel aufgenommen? (b) Was zeigt an, daß die Vision Hesekiels nicht Wirklichkeit wurde, als Christus auf der Erde lebte?
15 Wir müssen somit die hauptsächliche Verwirklichung der Vision Hesekiels in Verbindung mit Jehovas großem geistigen Tempel suchen, den der Apostel Paulus im Bibelbuch Hebräer ausführlich behandelte. In diesem Tempel wurde der Dienst aufgenommen, als Jesus Christus 29 u. Z. als dessen Hoherpriester gesalbt wurde. Wurde Hesekiels Vision aber in Jesu Tagen Wirklichkeit? Offensichtlich nicht. An Jesus als Hohempriester erfüllte sich durch seine Taufe, seinen Opfertod und seinen Eintritt in das Allerheiligste, den Himmel selbst, das, was durch den Sühnetag prophetisch dargestellt wurde (Hebräer 9:24). Interessanterweise ist in Hesekiels Vision aber kein einziges Mal vom Hohenpriester oder vom Sühnetag die Rede. Somit ist es nicht wahrscheinlich, daß diese Vision auf das erste Jahrhundert u. Z. hinwies. Auf welchen Zeitabschnitt bezieht sie sich dann?
16. An welche andere Prophezeiung erinnert uns der Schauplatz der Vision Hesekiels, und inwiefern können wir dadurch leichter die Zeit erkennen, in der die Vision Hesekiels hauptsächlich Wirklichkeit wird?
16 Wenden wir uns wieder der Vision selbst zu, um eine Antwort zu erhalten. Hesekiel schrieb: „In den Visionen Gottes brachte er mich in das Land Israel und setzte mich schließlich auf einem sehr hohen Berg nieder, auf dem etwas wie der Bau einer Stadt war, gegen Süden“ (Hesekiel 40:2). Der Schauplatz dieser Vision, der ‘sehr hohe Berg’, ruft uns Micha 4:1 in den Sinn, wo es heißt: „Es soll geschehen im Schlußteil der Tage, daß der Berg des Hauses Jehovas fest gegründet werden wird über dem Gipfel der Berge, und er wird gewiß erhaben sein über die Hügel; und zu ihm sollen Völker strömen.“ Wann geht diese Prophezeiung in Erfüllung? Wie Micha 4:5 zeigt, würde dies geschehen, während die Nationen noch falsche Götter anbeten. Tatsächlich ist es in unserer Zeit geschehen, „im Schlußteil der Tage“, daß die reine Anbetung wieder ihren erhabenen, rechtmäßigen Platz im Leben der Diener Gottes erhalten hat.
17. Wie hilft uns die Prophezeiung in Maleachi 3:1-5 festzustellen, wann der Tempel der Vision Hesekiels gereinigt wurde?
17 Wodurch wurde diese Wiederherstellung möglich? Erinnern wir uns an das bedeutsamste Ereignis in der Vision Hesekiels: Jehova kommt in den Tempel und besteht darauf, daß sein Haus von Götzendienst gereinigt wird. Wann wurde Gottes geistiger Tempel gereinigt? Mit den in Maleachi 3:1-5 aufgezeichneten Worten sagte Jehova eine Zeit voraus, in der er in Begleitung des ‘Boten des Bundes’, Jesus Christus, „zu SEINEM Tempel kommen“ wird. Zu welchem Zweck? „Er wird wie das Feuer eines Läuterers sein und wie die Lauge von Wäschern.“ Dieses Läutern begann während der Zeit des Ersten Weltkriegs. Das Ergebnis? Jehova weilt seit 1919 in seinem Haus und segnet das geistige Land seines Volkes (Jesaja 66:8). Wir können daher von einer wesentlichen Erfüllung der Tempelprophezeiung Hesekiels im Verlauf der letzten Tage ausgehen.
18. Wann wird die Tempelvision endgültig Wirklichkeit werden?
18 Wie andere Wiederherstellungsprophezeiungen eine endgültige Erfüllung im Paradies haben, so verhält es sich auch mit Hesekiels Vision. Erst zu jener Zeit werden gerechtgesinnte Menschen den vollen Nutzen aus Gottes Tempeleinrichtung ziehen. Christus wird dann den Wert seines Loskaufsopfers anwenden in Gemeinschaft mit seiner himmlischen Priesterschaft, den 144 000. Alle gehorsamen menschlichen Untertanen der Herrschaft Christi werden zur Vollkommenheit gebracht werden (Offenbarung 20:5, 6). Doch die hauptsächliche Zeit der Verwirklichung der Vision Hesekiels kann nicht die Zeit betreffen, in der das Paradies besteht. Warum nicht?
Unsere Zeit steht im Brennpunkt der Vision
19, 20. Warum muß die Vision hauptsächlich heute Wirklichkeit werden und nicht erst im Paradies?
19 Hesekiel sah einen Tempel, der von Götzendienst und geistiger Hurerei gereinigt werden mußte (Hesekiel 43:7-9). Das könnte bestimmt nicht auf die Anbetung Jehovas im Paradies angewandt werden. Außerdem stellen die Priester in der Vision die gesalbte Priesterklasse dar, während sie sich noch auf der Erde befindet, nicht erst nach ihrer Auferstehung zu himmlischem Leben oder während des Millenniums. Wieso? Beachten wir, daß die Priester gemäß der Beschreibung im inneren Vorhof dienen. Wie bereits in früheren Wachtturm-Artikeln gezeigt wurde, stellt dieser Vorhof den einzigartigen geistigen Stand der Unterpriester Christi auf der Erde dar.c Beachten wir auch, daß in der Vision die Unvollkommenheit der Priester betont wird. Sie werden aufgefordert, Schlachtopfer für ihre eigenen Sünden darzubringen. Sie werden vor der Gefahr gewarnt, sich in geistiger und sittlicher Hinsicht zu verunreinigen. Somit stellen sie nicht die auferweckten Gesalbten dar, über die der Apostel Paulus schrieb: „Die Posaune wird erschallen, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich“ (1. Korinther 15:52; Hesekiel 44:21, 22, 25, 27). Die Priester in Hesekiels Vision mischen sich unter das Volk und dienen diesem unmittelbar. Im Paradies wird das anders sein, weil sich die Priesterklasse dann im Himmel befindet. Die Vision vermittelt daher ein treffendes Bild davon, wie die Gesalbten heute auf der Erde eng mit der „großen Volksmenge“ zusammenarbeiten (Offenbarung 7:9; Hesekiel 42:14).
20 Hesekiels Tempelvision deutet somit auf die positiven Auswirkungen einer geistigen Reinigung hin, die heute vor sich geht. Doch was bedeutet das für uns? Es handelt sich nicht lediglich um ein abstraktes theologisches Rätsel. Diese Vision hat sehr viel mit unserer alltäglichen Anbetung des allein wahren Gottes, Jehova, zu tun. Im nächsten Artikel werden wir sehen, wieso das so ist.
-
-
„Der Tempel“ und „der Vorsteher“ heuteDer Wachtturm 1999 | 1. März
-
-
„Der Tempel“ und „der Vorsteher“ heute
„Was den Vorsteher in ihrer Mitte betrifft, wenn sie hereinkommen, sollte er hereinkommen; und wenn sie hinausgehen, sollte er hinausgehen“ (HESEKIEL 46:10).
1, 2. Welche zentrale Wahrheit hilft uns, einen großen Teil der Bedeutung von Hesekiels Tempelvision zu entschlüsseln?
IM Altertum war manchen jüdischen Rabbinen das Buch Hesekiel etwas suspekt. Gemäß dem Talmud erwogen einige von ihnen sogar, es aus dem Kanon der heiligen Schriften herauszunehmen. Sie hatten insbesondere ihre Schwierigkeiten mit der Tempelvision, die ihrer Ansicht nach das menschliche Verständnis überstieg. Auch andere Bibelgelehrte kamen mit Hesekiels Vision von Jehovas Tempel nicht zurecht. Wie steht es mit uns?
2 Seit der Wiederherstellung der reinen Anbetung hat Jehova sein Volk oft mit aufstrahlendem Licht geistiger Einsicht gesegnet, einschließlich des Verständnisses, worum es sich bei Gottes geistigem Tempel handelt: um Jehovas tempelgleiche Einrichtung, die der reinen Anbetung dient.a Diese zentrale Wahrheit hilft uns, einen großen Teil der Bedeutung der Tempelvision Hesekiels zu entschlüsseln. Befassen wir uns nun noch eingehender mit den vier Bestandteilen der Vision — mit dem Tempel, der Priesterschaft, dem Vorsteher und dem Land. Was bedeuten diese heute?
Der Tempel und wir
3. Was lernen wir aus der hohen Decke und den Wandreliefs in den Eingängen zum Tempel?
3 Stellen wir uns vor, wir befänden uns auf einem Rundgang durch den visionären Tempel. Wir nähern uns sieben Stufen und steigen sie zu einem der riesigen Tore hinauf. Als wir im Eingang stehen, blicken wir ehrfürchtig nach oben. Die Decke ist über 30 Meter hoch! Wir werden dadurch daran erinnert, daß die Maßstäbe für den Zutritt zu Jehovas Einrichtung zur Anbetung erhaben sind. Lichtstrahlen, die durch die Fenster fallen, erleuchten Wandreliefs mit Palmen, die in der Bibel verwendet werden, um Rechtschaffenheit darzustellen (Psalm 92:12; Hesekiel 40:14, 16, 22). Diese heilige Stätte ist für diejenigen vorgesehen, die in sittlicher und geistiger Hinsicht rechtschaffen sind. In Übereinstimmung damit sollten wir rechtschaffen bleiben, damit unsere Anbetung für Jehova annehmbar ist (Psalm 11:7).
4. Wem wird der Zutritt zum Tempel verwehrt, und was lehrt uns dies?
4 Auf jeder Seite des Durchgangs gibt es drei Wachstuben. Werden die Wächter uns gestatten, in den Tempel hineinzugehen? Jehova sagt zu Hesekiel, daß kein Ausländer „unbeschnittenen Herzens“ eintreten darf (Hesekiel 40:10; 44:9). Was bedeutet das? Gott nimmt nur diejenigen als Anbeter an, die seine Gesetze lieben und dementsprechend leben (Jeremia 4:4; Römer 2:29). Er heißt solche Personen in seinem geistigen Zelt, in seiner Anbetungsstätte, willkommen (Psalm 15:1-5). Seit der Wiederherstellung der reinen Anbetung im Jahr 1919 hat Jehovas irdische Organisation seine Sittengesetze hochgehalten und fortschreitend genauer erklärt. Wer sich vorsätzlich weigert, sie zu beachten, ist in der Gemeinschaft seines Volkes nicht mehr willkommen. Heute dient die auf die Bibel gestützte Vorgehensweise, reuelose Missetäter aus der Gemeinschaft auszuschließen, dazu, unsere Anbetung rein und unbefleckt zu bewahren (1. Korinther 5:13).
5. (a) Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen der Vision Hesekiels und der Vision des Johannes, die in Offenbarung 7:9-15 aufgezeichnet ist? (b) Wer wird durch die 12 Stämme dargestellt, die in der Vision Hesekiels im äußeren Vorhof anbeten?
5 Der Durchgang führt in den äußeren Vorhof, wo das Volk Jehova anbetet und preist. Das erinnert uns an die Vision des Apostels Johannes von der „großen Volksmenge“, die Jehova „Tag und Nacht ... in seinem Tempel“ anbetet. In beiden Visionen kommen Palmen vor. In Hesekiels Vision schmücken sie die Wände des Eingangs. In der Vision, die Johannes erhielt, haben die Anbeter Palmzweige in ihren Händen als Symbol ihrer Freude, Jehova zu preisen und Jesus als ihren König willkommen zu heißen (Offenbarung 7:9-15). Im Kontext von Hesekiels Vision stellen die 12 Stämme Israels die „anderen Schafe“ dar (Johannes 10:16; vergleiche Lukas 22:28-30). Gehören wir selbst zu denjenigen, denen es Freude bereitet, Jehova durch das Verkündigen seines Königreiches zu preisen?
6. Welchem Zweck dienten die Speiseräume im äußeren Vorhof, und an welches Vorrecht mag dies diejenigen erinnern, die zu den anderen Schafen gehören?
6 Auf unserem Rundgang durch den äußeren Vorhof sehen wir die 30 Speiseräume, in denen das Volk an seinen freiwilligen Opfergaben teilhat (Hesekiel 40:17). Heute bringen die anderen Schafe zwar keine Tieropfer dar, aber sie kommen nicht mit leeren Händen zum geistigen Tempel. (Vergleiche 2. Mose 23:15.) Der Apostel Paulus schrieb: „Durch ihn [Jesus] laßt uns Gott allezeit ein Schlachtopfer der Lobpreisung darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die eine öffentliche Erklärung für seinen Namen abgeben. Überdies, vergeßt nicht, Gutes zu tun und die Dinge mit anderen zu teilen, denn solche Schlachtopfer sind Gott wohlgefällig“ (Hebräer 13:15, 16; Hosea 14:2). Es ist ein großes Vorrecht, Jehova solche Schlachtopfer darzubringen (Sprüche 3:9, 27).
7. Was wird uns dadurch zugesichert, daß der Tempel gemessen wurde?
7 Hesekiel schaut einem Engel beim Messen des visionären Tempels zu (Hesekiel 40:3). In ähnlicher Weise wurde der Apostel Johannes aufgefordert: „Steh auf, und miß das Tempelheiligtum Gottes und den Altar und die darin Anbetenden“ (Offenbarung 11:1). Was bedeutet dieses Messen? In beiden Fällen diente es offensichtlich als Garantie, als Zeichen dafür, daß nichts Jehova davon abhalten kann, seine Vorsätze hinsichtlich der reinen Anbetung zu verwirklichen. Und so können wir heute sicher sein, daß nichts — nicht einmal erbitterter Widerstand von mächtigen Regierungen — die Wiederherstellung der reinen Anbetung aufhalten kann.
8. Wer geht durch die Tore in den inneren Vorhof hinein, und woran erinnern uns diese Tore?
8 Beim Überqueren des äußeren Vorhofs sehen wir, daß von dort aus drei Tore in den inneren Vorhof führen; die inneren Tore stehen in einer Flucht mit den Außentoren und sind genausogroß (Hesekiel 40:6, 20, 23, 24, 27). Nur Priester dürfen den inneren Vorhof betreten. Die inneren Tore erinnern uns daran, daß die Gesalbten göttlichen Maßstäben und Gesetzen entsprechen müssen, daß aber für alle wahren Christen dieselben Gesetze und Maßstäbe gelten. Worin besteht jedoch die Arbeit der Priester, und welche Entsprechung gibt es heute dafür?
Eine treue Priesterschaft
9, 10. Auf welche Weise hat die „königliche Priesterschaft“, die durch die Priesterklasse in der Vision Hesekiels vorgeschattet wird, für geistige Unterweisung gesorgt?
9 In vorchristlicher Zeit verrichteten die Priester im Tempel Schwerarbeit. Das Schlachten der Opfertiere, diese auf dem Altar darzubringen sowie den Mitpriestern und dem Volk zu dienen war körperlich anstrengend. Doch sie hatten noch andere wichtige Aufgaben. Jehova gebot mit Bezug auf die Priester: „Mein Volk sollten sie über den Unterschied zwischen Heiligem und Nichtheiligem unterweisen; und den Unterschied zwischen Unreinem und Reinem sollten sie es wissen lassen“ (Hesekiel 44:23; Maleachi 2:7).
10 Schätzen wir die schwere Arbeit und den demütigen Dienst, den die Gesalbten als Gruppe, als „eine königliche Priesterschaft“, im Namen der reinen Anbetung verrichtet haben? (1. Petrus 2:9). Wie die levitische Priesterschaft in alter Zeit haben sie die Führung darin übernommen, geistige Unterweisung zu erteilen, sie haben Menschen zu einem Verständnis darüber verholfen, was in Gottes Augen rein und annehmbar ist und was nicht (Matthäus 24:45). Diese Unterweisung aus biblischen Schriften sowie durch christliche Zusammenkünfte und große Kongresse hat Millionen geholfen, mit Gott versöhnt zu werden (2. Korinther 5:20).
11. (a) Wie wurde in der Vision Hesekiels die Wichtigkeit der Reinheit seitens der Priester betont? (b) Wie sind die Gesalbten in den letzten Tagen in geistigem Sinne gereinigt worden?
11 Die Priester müssen allerdings nicht nur andere lehren, rein zu sein; sie müssen auch selbst rein sein. Hesekiel sah deshalb einen Läuterungsprozeß für die Priesterschaft Israels voraus (Hesekiel 44:10-16). In ähnlicher Weise saß Jehova, wie die Geschichte zeigt, im Jahr 1918 „als Läuterer“ in seinem geistigen Tempel und prüfte die Priesterklasse der Gesalbten (Maleachi 3:1-5). Denjenigen, die als geistig rein befunden wurden, da sie früheren Götzendienst bereut hatten, wurde gestattet, weiterhin ihr Dienstvorrecht in Jehovas geistigem Tempel wahrzunehmen. Einzelne Gesalbte können allerdings wie jeder andere auch unrein werden, sei es in geistiger oder sittlicher Hinsicht (Hesekiel 44:22, 25-27). Sie haben angestrengt darauf hinwirken müssen, sich „von der Welt ohne Flecken zu bewahren“ (Jakobus 1:27; vergleiche Markus 7:20-23).
12. Warum sollten wir das Werk der Gesalbten schätzen?
12 Jeder von uns könnte sich fragen: „Schätze ich das Beispiel, das die Gesalbten in den vielen Jahren treuen Dienstes gegeben haben? Ahme ich ihren Glauben nach?“ Die Glieder der großen Volksmenge tun gut daran, zu bedenken, daß sie die Gesalbten nicht für immer hier auf der Erde bei sich haben werden. Über die Priester in Hesekiels Vision sagte Jehova: „Kein Besitztum solltet ihr ihnen in Israel geben: Ich bin ihr Besitztum“ (Hesekiel 44:28). In ähnlicher Weise haben die Gesalbten keine ewige Stätte auf der Erde. Sie haben ein himmlisches Erbe; und alle, die zur großen Volksmenge gehören, betrachten es als ein Vorrecht, die Betreffenden zu unterstützen und zu ermuntern, solange sie sich noch hier auf der Erde befinden (Matthäus 25:34-40; 1. Petrus 1:3, 4).
Der Vorsteher — Um wen handelt es sich?
13, 14. (a) Warum muß der Vorsteher zu den anderen Schafen gehören? (b) Wen stellt der Vorsteher dar?
13 Nun erhebt sich eine interessante Frage: Wen stellt der Vorsteher dar? Da von ihm sowohl als Einzelperson als auch als Gruppe gesprochen wird, kann man davon ausgehen, daß er für eine Klasse von Menschen steht (Hesekiel 44:3; 45:8, 9). Aber für welche? Sicher nicht für die der Gesalbten. In der Vision arbeitet er eng mit der Priesterschaft zusammen, gehört jedoch nicht zu ihr. Im Gegensatz zur Priesterklasse erhält er ein Erbe im Land, und er hat somit eine Zukunft hier auf der Erde, nicht im Himmel (Hesekiel 48:21). Außerdem heißt es in Hesekiel 46:10: „Was den Vorsteher in ihrer Mitte betrifft, wenn sie [die nichtpriesterlichen Stämme] hereinkommen [in den äußeren Vorhof des Tempels], sollte er hereinkommen; und wenn sie hinausgehen, sollte er hinausgehen.“ Er geht nicht in den inneren Vorhof, sondern er betet im äußeren Vorhof an, er betritt und verläßt den Tempel mit dem Volk. Angesichts dieser Faktoren ist der Vorsteher deutlich unter die große Volksmenge der anderen Schafe einzureihen.
14 Der Vorsteher hat offensichtlich eine gewisse Verantwortung unter Gottes Volk. Er sitzt im äußeren Vorhof in der Vorhalle des Osttors (Hesekiel 44:2, 3). Das weist auf eine Aufsichtsstellung hin, ähnlich der der älteren Männer in Israel, die im Tor der Stadt saßen und Recht sprachen (Ruth 4:1-12; Sprüche 22:22). Wer unter den anderen Schafen hat heute Aufsichtsämter inne? Älteste mit irdischer Hoffnung, die durch heiligen Geist ernannt worden sind (Apostelgeschichte 20:28). Somit wird die Vorsteherklasse gegenwärtig auf die Aufgabe vorbereitet, in der neuen Welt in administrativer Funktion zu dienen.
15. (a) Inwiefern wirft die Vision Hesekiels Licht auf das Verhältnis zwischen Ältesten, die zur großen Volksmenge gehören, und der gesalbten Priesterklasse? (b) Worin haben gesalbte Älteste in Gottes irdischer Organisation die Führung übernommen?
15 Welches Verhältnis besteht heute zwischen der gesalbten Priesterklasse und den älteren Männern, die als Teil der großen Volksmenge gegenwärtig in Aufsichtsstellungen dienen? Hesekiels Vision weist darauf hin, daß den Ältesten, die zur großen Volksmenge gehören, eine unterstützende und untergeordnete Rolle zukommt, während die Gesalbten die geistige Führung übernehmen. Inwiefern? Erinnern wir uns daran, daß in der Vision den Priestern die Verantwortung übertragen wurde, das Volk in geistigen Angelegenheiten zu unterweisen. Sie wurden auch beauftragt, als Richter Rechtsfälle zu behandeln. Außerdem waren den Leviten „Aufsichtsposten“ in den Toren des Tempels anvertraut (Hesekiel 44:11, 23, 24). Der Vorsteher mußte sich somit eindeutig den geistigen Diensten und der Leitung der Priester unterwerfen. Daher ist es passend, daß in der Neuzeit die Gesalbten die Führung in der reinen Anbetung übernommen haben. Zum Beispiel sind die Mitglieder der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas aus den Reihen der Gesalbten ausgewählt worden. Diese treuen gesalbten Ältesten haben die sich entwickelnde Vorsteherklasse jahrzehntelang geschult und diejenigen, die voraussichtlich zu dieser Klasse gehören, auf den Tag vorbereitet, an dem ihnen in Gottes künftiger neuer Welt das volle Maß an Autorität übertragen wird.
16. Wie müssen alle Ältesten gemäß Jesaja 32:1, 2 handeln?
16 Was für Aufseher sind diese Männer der Vorsteherklasse, der in Zukunft größere Verantwortung übertragen werden soll? In der Prophezeiung in Jesaja 32:1, 2 heißt es: „Siehe! Für Gerechtigkeit wird ein König regieren; und was Fürsten betrifft, sie werden für das Recht als Fürsten herrschen. Und jeder soll sich wie ein Bergungsort vor dem Wind und ein Versteck vor dem Regensturm erweisen, wie Wasserbäche in einem wasserlosen Land, wie der Schatten eines wuchtigen zerklüfteten Felsens in einem erschöpften Land.“ Diese Prophezeiung erfüllt sich heute insofern, als alle christlichen Ältesten — Gesalbte und andere Schafe — darauf hinwirken, die Herde vor ‘Regenstürmen’ wie Verfolgung oder Entmutigung zu schützen.
17. Wie sollten christliche Hirten sich selbst betrachten, und wie sollte die Herde sie betrachten?
17 Die Wörter „Fürst“ und „Vorsteher“, die im Hebräischen ähnliche Bedeutungen haben, werden nicht als Titel gebraucht, um Menschen zu erhöhen. Sie beschreiben statt dessen die Verantwortung, die diese Männer zu tragen haben, wenn sie sich um Gottes Schafe kümmern. Jehova läßt die ernste Warnung ergehen: „Das ist genug von euch, o Vorsteher Israels! Entfernt die Gewalttat und die Verheerung, und übt Recht und Gerechtigkeit“ (Hesekiel 45:9). Es ist gewiß angebracht, daß sich heute alle Ältesten diesen Rat zu Herzen nehmen (1. Petrus 5:2, 3). Die Herde wiederum erkennt an, daß Jesus Hirten als „Gaben in Form von Menschen“ gegeben hat (Epheser 4:8). Die Voraussetzungen, die sie erfüllen müssen, sind im inspirierten Wort Gottes festgelegt (1. Timotheus 3:1-7; Titus 1:5-9). Christen folgen daher der Leitung der Ältesten (Hebräer 13:7).
18. Welches sind einige der Verantwortlichkeiten der künftigen Vorsteherklasse, und worin wird ihre Verantwortung künftig bestehen?
18 In biblischer Zeit hatten einige Vorsteher viel Autorität, andere weniger. Heute haben Älteste aus der großen Volksmenge sehr unterschiedliche Verantwortlichkeiten. Viele dienen in nur einer Versammlung; andere dienen vielen Versammlungen als reisende Aufseher; manche dienen ganzen Ländern als Mitglieder von Zweigkomitees; andere unterstützen unmittelbar verschiedene Komitees der leitenden Körperschaft. In der neuen Welt wird Jesus „Fürsten einsetzen ... auf der ganzen Erde“, die weltweit die Führung unter Jehovas Anbetern übernehmen werden (Psalm 45:16). Zweifellos wird Jesus einen großen Teil von ihnen aus den Reihen der treuen Ältesten der heutigen Zeit auswählen. Vielen der Männer, die sich heute schon bewähren, wird er in Zukunft sogar noch größere Vorrechte anvertrauen, wenn er offenbart, welche Rolle der Vorsteherklasse in der neuen Welt zukommt.
Das Land des Volkes Gottes heute
19. Was stellt das Land in der Vision Hesekiels dar?
19 In Hesekiels Vision wird auch das wiederhergestellte Land Israel beschrieben. Was stellt dieser Aspekt der Vision dar? Gemäß anderen Wiederherstellungsprophezeiungen sollte das Land, Israel, ein Paradies wie Eden werden (Hesekiel 36:34, 35). Heute erfreuen wir uns eines wiederhergestellten „Landes“, und es ist ebenfalls in gewissem Sinn wie Eden. In vergleichbarer Art sprechen wir oft von unserem geistigen Paradies. Im Wachtturm wurde unser „Land“ als „Tätigkeitsbereich“ des auserwählten Volkes Gottes definiert.b Wo auch immer sich ein Diener Jehovas befindet, er ist in diesem wiederhergestellten Land, wenn er sich bemüht, die wahre Anbetung hochzuhalten und in Christi Jesu Fußstapfen zu wandeln (1. Petrus 2:21).
20. Welchen Grundsatz können wir von dem „heiligen Beitrag“ in der Vision Hesekiels ableiten, und wie können wir diesen Grundsatz anwenden?
20 Wie verhält es sich mit dem Teil des Landes, der „heiliger Beitrag“ genannt wurde? Das war der Beitrag des Volkes zur Unterstützung der Priesterschaft und der Stadt. In ähnlicher Weise sollte „das ganze Volk des Landes“ einen Teil des Landes für den Vorsteher beisteuern. Welche Bedeutung hat dies heute? Damit ist natürlich nicht gemeint, daß Gottes Volk mit einer Gehalt beziehenden Geistlichenklasse belastet werden sollte (2. Thessalonicher 3:8). Die Unterstützung, die den Ältesten gewährt wird, ist vorrangig geistiger Natur. Sie schließt ein, bei der anstehenden Arbeit zu helfen und eine kooperative, unterwürfige Einstellung zu offenbaren. Dieser Beitrag wird allerdings wie in Hesekiels Tagen „Jehova“ gegeben, nicht irgendeinem Menschen (Hesekiel 45:1, 7, 16).
21. Was können wir aus der Aufteilung des Landes in der Vision Hesekiels lernen?
21 Nicht nur der Vorsteher und die Priesterschaft haben zugeteilte Gebiete in diesem wiederhergestellten Land. Die Aufteilung des Landes zeigt, daß jeder der 12 Stämme ein sicheres Erbe hat (Hesekiel 47:13, 22, 23). Somit haben alle aus der großen Volksmenge nicht nur eine Stätte im heutigen geistigen Paradies, sondern werden auch eine Landzuteilung erhalten, wenn sie eine Stätte im irdischen Bereich des Königreiches Gottes erben.
22. (a) Was stellt die Stadt in der Vision Hesekiels dar? (b) Was können wir daraus ableiten, daß die Stadt an allen Seiten Tore hat?
22 Abschließend erhebt sich die Frage, was die Stadt in der Vision darstellt. Es ist keine himmlische Stadt, denn sie liegt inmitten des nicht heiligen Landes (Hesekiel 48:15-17). Somit muß es sich um etwas Irdisches handeln. Nun, was ist eine Stadt? Verbindet man damit nicht die Vorstellung, daß Menschen als Gruppe zusammenkommen und etwas Gegliedertes und Organisiertes bilden? Gewiß. Die Stadt stellt deshalb offensichtlich die irdische Verwaltung dar, die allen von Nutzen ist, die die gerechte irdische Gesellschaft bilden werden. Sie wird auf der kommenden ‘neuen Erde’ in vollem Umfang tätig sein (2. Petrus 3:13). Die Tore der Stadt auf allen Seiten, jeweils ein Tor für jeden Stamm, veranschaulichen treffend Zugänglichkeit. Gottes Volk steht heute nicht unter einer geheimnisvoll tuenden Untergrundverwaltung. Verantwortliche Brüder sollen zugänglich sein; die Grundsätze, von denen sie sich leiten lassen, sind allen bekannt. Die Tatsache, daß Menschen aus allen Stämmen das Land bebauen, von dem die Stadt lebt, erinnert uns daran, daß die anderen Schafe auch in materieller Hinsicht die Verwaltungsvorkehrungen, die für das weltweite Volk Gottes getroffen worden sind, unterstützen (Hesekiel 48:19, 30-34).
23. Was werden wir im folgenden Artikel betrachten?
23 Wie verhält es sich jedoch mit dem Fluß, der im Tempelheiligtum entspringt? Was er heute und bis in die Zukunft hinein darstellt, wird Gegenstand des dritten und letzten Artikels in dieser Artikelserie sein.
-
-
Jehovas Segen auf unserem „Land“Der Wachtturm 1999 | 1. März
-
-
Jehovas Segen auf unserem „Land“
„Alles wird leben, wohin der Wildbach kommt“ (HESEKIEL 47:9).
1, 2. (a) Wie wichtig ist Wasser? (b) Was stellt das Wasser in dem Strom dar, den Hesekiel in der Vision sah?
WASSER ist eine bemerkenswerte Flüssigkeit. Sämtliches physische Leben ist davon abhängig. Niemand von uns kann ohne Wasser lange am Leben bleiben. Wir sind auch auf Wasser angewiesen, wenn es darum geht, etwas zu reinigen, weil es Schmutz lösen und wegwaschen kann. Deshalb waschen wir uns, unsere Kleidung und sogar unsere Nahrung damit. Das zu tun kann uns das Leben retten.
2 In der Bibel wird Wasser gebraucht, um Jehovas geistige Vorkehrungen zum Erlangen von Leben darzustellen (Jeremia 2:13; Johannes 4:7-15). Diese Vorkehrungen schließen die Reinigung seines Volkes durch Christi Loskaufsopfer und die Erkenntnis über Gott aus seinem Wort ein (Epheser 5:25-27). Der übernatürliche Fluß oder Strom, der in Hesekiels Tempelvision vom Tempel ausgeht, symbolisiert solche lebengebenden Segnungen. Aber wann fließt dieser Strom, und was bedeutet das für uns heute?
Ein Strom fließt in einem wiederhergestellten Land
3. Was erlebte Hesekiel, wie in Hesekiel 47:2-12 berichtet wird?
3 Als Gefangene in Babylon benötigten Hesekiels Landsleute dringend die Vorkehrungen Jehovas. Wie ermunternd war es daher für Hesekiel, zu sehen, daß ein Rinnsal aus dem Heiligtum hervorkommt und aus dem visionären Tempel fließt! Ein Engel mißt den Wasserlauf in Abständen von 1 000 Ellen. Dieser wird immer tiefer: erst knöcheltief, dann knietief, dann hüfttief, und schließlich ist er ein Wildbach, den man durchschwimmen muß. Der Fluß bringt Leben und Fruchtbarkeit (Hesekiel 47:2-11). Zu Hesekiel wird gesagt: „Längs des Wildbachs, seinem Ufer entlang auf dieser Seite und auf jener Seite, werden alle Arten von Bäumen zur Speise emporkommen“ (Hesekiel 47:12a). Wenn der Wildbach ins Tote Meer — ein lebloses Gewässer — fließt, sprießt Leben! Es wimmelt von Fischen. Der Fischhandel blüht.
4, 5. Inwiefern ähnelt die Prophezeiung Joels über einen Fluß der des Hesekiel, und warum ist das von Bedeutung?
4 Diese schöne Prophezeiung erinnerte die Juden im Exil wahrscheinlich an eine andere Prophezeiung, die über zwei Jahrhunderte früher aufgezeichnet worden war: „Ein Quell wird vom Haus Jehovas ausgehen, und er soll das Akazien-Wildbachtala bewässern“ (Joel 3:18). Joel prophezeite wie Hesekiel, daß ein Fluß vom Haus Gottes, dem Tempel, ausgehen und Leben in ein dürres Gebiet bringen werde.
5 Im Wachtturm wurde schon vor langem erklärt, daß sich Joels Prophezeiung in unserer Zeit erfüllt.b Gewiß trifft daher dasselbe auf die ähnliche Vision Hesekiels zu. In dem wiederhergestellten Land des heutigen Volkes Gottes sind — genau wie in der früheren Nation Israel — Jehovas Segnungen wirklich reichlich geflossen.
Ein kräftiger Strom von Segnungen
6. Woran sollte das Besprengen des visionären Altars mit Blut die Juden erinnert haben?
6 Woher stammen die Segnungen, die dem wiederhergestellten Volk Gottes zufließen? Nun, beachten wir, daß das Wasser aus Gottes Tempel fließt. In ähnlicher Weise kommen heute die Segnungen von Jehova durch seinen großen geistigen Tempel — die Einrichtung für die reine Anbetung. Hesekiels Vision fügt ein wichtiges Detail hinzu. Im inneren Vorhof fließt der Bach am Altar vorbei, direkt südlich davon (Hesekiel 47:1). Der Altar befindet sich genau im Mittelpunkt des visionären Tempels. Jehova beschreibt ihn dem Hesekiel genau und ordnet an, das Blut eines Schlachtopfers darauf zu sprengen (Hesekiel 43:13-18, 20). Für alle Israeliten hatte jener Altar große Bedeutung. Ihr Bund mit Jehova war lange Zeit zuvor rechtskräftig gemacht worden, als Moses Blut auf einen Altar am Fuß des Berges Sinai sprengte (2. Mose 24:4-8). Das Sprengen von Blut auf den visionären Altar sollte sie daran erinnert haben, daß ihnen, sobald sie in ihr wiederhergestelltes Land zurückgekehrt wären, Jehovas Segnungen zufließen würden, solange sie den Bund mit ihm hielten (5. Mose 28:1-14).
7. Welche Bedeutung hat der symbolische Altar für Christen heute?
7 In ähnlicher Weise ist Gottes Volk heute durch einen Bund gesegnet — durch einen besseren Bund, den neuen Bund (Jeremia 31:31-34). Auch dieser wurde vor langer Zeit durch Blut, das Blut Jesu Christi, rechtskräftig gemacht (Hebräer 9:15-20). Ganz gleich, ob wir heute zu den Gesalbten gehören, die Beteiligte an jenem Bund sind, oder zu den „anderen Schafen“ als dessen Nutznießer, der symbolische Altar hat für uns große Bedeutung. Er symbolisiert Gottes Willen in Verbindung mit Christi Opfer (Johannes 10:16; Hebräer 10:10). Ebenso, wie sich der symbolische Altar genau im Mittelpunkt des geistigen Tempels befindet, nimmt Christi Loskaufsopfer in der reinen Anbetung eine zentrale Stellung ein. Es bildet die Grundlage zur Vergebung unserer Sünden und somit für all unsere Zukunftshoffnungen (1. Johannes 2:2). Wir bemühen uns daher, im Einklang mit dem Gesetz, das mit dem neuen Bund verbunden ist, dem „Gesetz des Christus“, zu leben (Galater 6:2). Solange wir das tun, werden uns Jehovas Vorkehrungen zum Erlangen von Leben von Nutzen sein.
8. (a) Was fehlte im inneren Vorhof des visionären Tempels? (b) Was stand den Priestern im visionären Tempel zur Verfügung, um sich zu reinigen?
8 Ein solcher Nutzen ist der reine Stand vor Jehova. In dem visionären Tempel fehlt im inneren Vorhof ein sehr auffälliger Gegenstand, der sich im Vorhof der Stiftshütte und im Tempel Salomos befand — ein großes Becken, das später als Meer bezeichnet wurde, in dem sich die Priester wuschen (2. Mose 30:18-21; 2. Chronika 4:2-6). Was könnten denn die Priester in dem Tempel in der Vision Hesekiels zum Reinigen benutzen? Ganz einfach, den übernatürlichen Bach, der durch den inneren Vorhof fließt! Ja, Jehova würde sie mit den Mitteln segnen, die es ihnen ermöglichen, sich eines reinen oder heiligen Standes zu erfreuen.
9. Wie können diejenigen, die zu den Gesalbten gehören, und diejenigen, die der großen Volksmenge angehören, heute einen reinen Stand haben?
9 Ebenso werden die Gesalbten heute mit einem reinen Stand vor Jehova gesegnet. Jehova betrachtet sie als heilig und erklärt sie für gerecht (Römer 5:1, 2). Wie verhält es sich mit denjenigen, die zur „großen Volksmenge“ gehören, veranschaulicht durch die nichtpriesterlichen Stämme? Sie beten im äußeren Vorhof an, und dasselbe Wasser fließt durch diesen Teil des visionären Tempels. Wie passend war es daher, daß der Apostel Johannes die Glieder der großen Volksmenge, die im Vorhof des geistigen Tempels anbeten, in weißen, reinen Gewändern sah! (Offenbarung 7:9-14). Ungeachtet dessen, wie sie in der entarteten Welt unserer Tage behandelt werden, können sie sicher sein, daß Jehova sie als rein und unbefleckt betrachtet, solange sie Glauben an Christi Loskaufsopfer ausüben. Wie üben sie Glauben aus? Dadurch, daß sie in den Fußstapfen Jesu wandeln und volles Vertrauen in das Loskaufsopfer setzen (1. Petrus 2:21).
10, 11. Was ist ein wichtiges Merkmal des symbolischen Wassers, und in welchem Zusammenhang steht dies mit der gewaltigen Ausdehnung des Flusses?
10 Wie bereits erwähnt, ist mit dem symbolischen Wasser noch etwas Wichtiges verbunden — Erkenntnis. Im wiederhergestellten Israel segnete Jehova sein Volk mit biblischer Unterweisung durch die Priesterschaft (Hesekiel 44:23). Auf vergleichbare Weise hat Jehova sein Volk heute durch die „königliche Priesterschaft“ mit umfassender Unterweisung in seinem Wort der Wahrheit gesegnet und segnet es weiterhin (1. Petrus 2:9). In einem stetig anschwellenden Wildbach fließt in den gegenwärtigen letzten Tagen die Erkenntnis über Jehova Gott, seine Vorsätze bezüglich der Menschheit und besonders über Jesus Christus und das messianische Königreich. Wie großartig sind doch diese immer tiefer werdenden geistigen Wasser, die uns zufließen! (Daniel 12:4).
11 Genauso, wie der Fluß, den der Engel maß, immer tiefer wurde, so hat der Strom lebengebender Segnungen von Jehova stark zugenommen, um dem Zustrom von Menschen in unser gesegnetes geistiges Land gerecht zu werden. In einer anderen Wiederherstellungsprophezeiung wurde vorausgesagt: „Der Kleine selbst wird zu einem Tausend werden und der Geringe zu einer mächtigen Nation. Ich selbst, Jehova, werde es beschleunigen zu seiner eigenen Zeit“ (Jesaja 60:22). Diese Worte haben sich bewahrheitet — Millionen strömen herbei und schließen sich uns in der reinen Anbetung an. Jehova hat reichlich „Wasser“ für alle zur Verfügung gestellt, die sich ihm zuwenden (Offenbarung 22:17). Er sorgt dafür, daß seine irdische Organisation in der ganzen Welt in Hunderten von Sprachen Bibeln und biblische Veröffentlichungen verbreitet. Ebenso werden christliche Zusammenkünfte abgehalten und auch weltweit Kongresse veranstaltet, damit alle mit den kristallklaren Wassern der Wahrheit versorgt werden können. Wie wirken sich diese Vorkehrungen auf die Menschen aus?
Das Wasser spendet Leben!
12. (a) Warum können die Bäume in der Vision Hesekiels so viel Ertrag hervorbringen? (b) Was wird durch diese ertragreichen Bäume in den letzten Tagen dargestellt?
12 Der Fluß in Hesekiels Vision spendet Leben und Gesundheit. Als Hesekiel von den Bäumen erfährt, die längs des Flusses wachsen, wird ihm gesagt: „Ihr Laub wird nicht welken, noch wird ihr Fruchtertrag verzehrt werden. ... Und ihr Fruchtertrag wird zur Speise dienen und ihr Laub zur Heilung.“ Warum bringen diese Bäume einen so erstaunlichen Ertrag hervor? Der Grund ist offensichtlich, „denn das Wasser für sie — es kommt aus dem Heiligtum selbst hervor“ (Hesekiel 47:12b). Diese symbolischen Bäume stellen prophetisch alle Vorkehrungen Gottes dar, durch die die Menschheit, gestützt auf das Loskaufsopfer Jesu, wieder zur Vollkommenheit gebracht werden soll. Auf der Erde übernimmt in der gegenwärtigen Zeit der gesalbte Überrest die Führung darin, für geistige Speise und für geistige Heilung zu sorgen. Wenn alle 144 000 ihren himmlischen Lohn erhalten haben, wird sich der Nutzen, der auf ihre Priesterdienste als Mitherrscher mit Christus zurückgeht, in die Zukunft erstrecken und letztlich zum vollständigen Sieg über den adamischen Tod führen (Offenbarung 5:9, 10; 21:2-4).
13. Was für eine Heilung ist in unserer Zeit bewirkt worden?
13 Der visionäre Strom mündet in das leblose Tote Meer und heilt alles, womit er in Berührung kommt. Dieses Meer veranschaulicht eine in geistiger Hinsicht tote Umgebung. Doch es wimmelt von Leben „an jedem Ort, wohin der Wildbach von doppelter Größe kommt“ (Hesekiel 47:9). In ähnlicher Weise gelangen in den letzten Tagen Menschen in geistiger Hinsicht zum Leben, wohin auch immer das Wasser des Lebens durchdringt. Im Jahr 1919 wurde durch dieses Wasser zunächst der gesalbte Überrest neu belebt. Er lebte in geistiger Hinsicht unvermittelt aus einem todähnlichen Zustand der Untätigkeit wieder auf (Hesekiel 37:1-14; Offenbarung 11:3, 7-12). Die lebendigen Wasser haben seitdem weitere geistig tote Personen erreicht, woraufhin diese zum Leben gekommen sind und eine ständig wachsende große Volksmenge anderer Schafe bilden, die Jehova liebt und ihm dient. Bald wird jene Vorkehrung auf die unzähligen Auferstandenen ausgeweitet werden.
14. Was wird durch den Fischhandel auf einem Küstenstreifen am Toten Meer für die heutige Zeit gut veranschaulicht?
14 Geistige Vitalität führt zu Produktivität. Das wird durch den Fischhandel veranschaulicht, der an den Ufern des ehemals toten Meeres gedeiht. Jesus sagte zu seinen Nachfolgern: „Ich [will] euch zu Menschenfischern machen“ (Matthäus 4:19). In den letzten Tagen begann die Tätigkeit des Fischens mit der Einsammlung der Übriggebliebenen der Gesalbten, doch es blieb nicht dabei. Das lebenspendende Wasser aus Jehovas geistigem Tempel, das den Segen einer genauen Erkenntnis einschließt, wirkt sich auf Menschen aus allen Nationen aus. Wohin immer der Wildbach gelangt ist, ist geistiges Leben die Folge gewesen.
15. Was zeigt, daß nicht jeder Gottes Vorkehrungen zum Leben annehmen wird, und wie wird es mit solchen Menschen ausgehen?
15 Natürlich reagieren heute nicht alle günstig auf die Botschaft des Lebens. Das wird auch nicht bei allen der Fall sein, die während der Tausendjahrherrschaft Christi auferweckt werden (Jesaja 65:20; Offenbarung 21:8). Der Engel verkündete, daß Teile des Meeres nicht geheilt werden. Diese sumpfigen, leblosen Stellen werden ‘dem Salz übergeben’ (Hesekiel 47:11). Nicht alle, die heute mit Jehovas lebenspendendem Wasser in Berührung kommen, nehmen es an (Jesaja 6:10). In Harmagedon werden alle, die es sich erwählt haben, in einem geistig leblosen und kranken Zustand zu bleiben, ‘dem Salz übergeben’ werden, das heißt für immer vernichtet werden (Offenbarung 19:11-21). Diejenigen dagegen, die treu von diesen Wassern trinken, können darauf hoffen, am Leben zu bleiben und die endgültige Erfüllung dieser Prophezeiung zu erleben.
Der Strom fließt im Paradies
16. Wann und wie wird die Tempelvision Hesekiels endgültig Wirklichkeit werden?
16 Wie andere Wiederherstellungsprophezeiungen sich endgültig während des Millenniums erfüllen werden, so wird es auch bei Hesekiels Tempelvision sein. Dann wird sich die Priesterklasse nicht mehr hier auf der Erde befinden. „Sie werden Priester Gottes und des Christus sein und werden als Könige [im Himmel] die tausend Jahre mit ihm regieren“ (Offenbarung 20:6). Die Priester im Himmel werden gemeinsam mit Christus den vollen Nutzen des Loskaufsopfers Christi anwenden. Auf diese Weise werden die gerechten Menschen gerettet und zur Vollkommenheit gebracht werden (Johannes 3:17).
17, 18. (a) Wie wird in Offenbarung 22:1, 2 ein lebenspendender Strom beschrieben, und wann ist die Zeit der hauptsächlichen Anwendung jener Vision? (b) Warum wird der Strom von Wasser des Lebens im Paradies eine Zeit großer Ausdehnung erfahren?
17 Tatsächlich wird dann in dem Strom, den Hesekiel sah, das stärkste Wasser des Lebens fließen. Das ist die Zeit, in der die Prophezeiung aus Offenbarung 22:1, 2 hauptsächlich Anwendung findet: „Er zeigte mir einen Strom von Wasser des Lebens, klar wie Kristall, der vom Thron Gottes und des Lammes aus hinabfloß in der Mitte ihrer breiten Straße. Und diesseits des Stromes und jenseits standen Bäume des Lebens, die zwölf Fruchternten hervorbringen, indem sie jeden Monat ihre Früchte geben. Und die Blätter der Bäume dienten zur Heilung der Nationen.“
18 Während des Millenniums werden alle Krankheiten — körperliche Gebrechen sowie Geistes- und Gemütskrankheiten — geheilt werden. Das veranschaulicht treffend die „Heilung der Nationen“ durch die symbolischen Bäume. Dank der Vorkehrungen, die Christus und die 144 000 anwenden werden, wird „kein Bewohner ... sagen: ‚Ich bin krank‘ “ (Jesaja 33:24). Für den Strom wird die Zeit seiner größten Ausdehnung anbrechen. Er wird breiter und tiefer werden müssen, um für die Millionen, vielleicht Milliarden von auferweckten Menschen auszureichen, die von diesen reinen Wassern des Lebens trinken werden. Der visionäre Strom heilte das Tote Meer und brachte Leben überall dorthin, wohin sein Wasser floß. Im Paradies werden Männer und Frauen voll und ganz zum Leben kommen, befreit vom ererbten adamischen Tod, sofern sie an den Nutzen des Lösegeldes, der auf sie angewandt wird, Glauben ausüben. In Offenbarung 20:12 wird vorausgesagt, daß in jenen Tagen „Buchrollen“ geöffnet werden, die zusätzliches Licht des Verständnisses vermitteln, aus dem die vom Tod Auferweckten Nutzen ziehen werden. Doch selbst im Paradies werden es einige leider ablehnen, geheilt zu werden. Diese Rebellen sind es, die ‘dem Salz übergeben werden’, das heißt in die ewige Vernichtung gehen (Offenbarung 20:15).
19. (a) Wie wird die Zuteilung des Landes im Paradies vor sich gehen? (b) Welche Besonderheit des Paradieses wird durch die Stadt dargestellt? (c) Was hat es zu bedeuten, daß die Stadt in einiger Entfernung vom Tempel gelegen ist?
19 Zu jener Zeit wird auch die Verteilung des Landes gemäß Hesekiels Vision endgültig verwirklicht. Hesekiel sah, daß das Land ordnungsgemäß zugeteilt war; jeder treue Christ kann ebenfalls sicher sein, daß er im Paradies eine Stätte, ein Erbe, haben wird. Wahrscheinlich wird dem Wunsch, ein eigenes Haus zu haben, in dem man wohnen und um das man sich kümmern kann, auf geordnete Art und Weise entsprochen werden (Jesaja 65:21; 1. Korinther 14:33). Die Stadt, die Hesekiel sah, stellt passenderweise die administrative Einrichtung dar, die Jehova für die neue Erde vorsieht. Die gesalbte Priesterklasse wird sich nicht mehr leiblich unter den Menschen befinden. In der Vision wird das dadurch angedeutet, daß die Stadt auf nicht heiligem Land in einiger Entfernung vom Tempel dargestellt wird (Hesekiel 48:15). Die 144 000 herrschen zwar mit Christus im Himmel, aber der König wird nicht ohne Vertreter auf der Erde sein. Seine menschlichen Untertanen werden aus der liebevollen Führung und Leitung der Mitglieder der Vorsteherklasse großen Nutzen ziehen. Der wirkliche Regierungssitz wird jedoch nicht auf der Erde, sondern im Himmel sein. Jeder auf der Erde, die Vorsteherklasse eingeschlossen, wird sich dem messianischen Königreich unterordnen (Daniel 2:44; 7:14, 18, 22).
20, 21. (a) Warum ist der Name der Stadt passend? (b) Welche Fragen sollten wir uns angesichts des Verständnisses der Vision Hesekiels stellen?
20 Beachten wir die abschließenden Worte der Prophezeiung Hesekiels: „Der Name der Stadt wird von jenem Tag an sein: Jehova selbst ist dort“ (Hesekiel 48:35). Diese Stadt besteht nicht, um Menschen Macht oder Einfluß zu geben, noch ist sie vorhanden, um dem Willen irgendeines Menschen Geltung zu verschaffen. Es ist die Stadt Jehovas, die immer seinen Sinn und seine liebevolle, vernünftige Verfahrensweise widerspiegeln wird (Jakobus 3:17). Das gibt uns die zu Herzen gehende Zuversicht, daß Jehova die von ihm aufgebaute menschliche Gesellschaft der „neuen Erde“ bis in alle Zukunft segnen wird (2. Petrus 3:13).
21 Sind wir nicht von dem, was vor uns liegt, begeistert? Passenderweise sollte sich jeder von uns einmal fragen: „Wie reagiere ich auf die wunderbaren Segnungen, die in der Vision Hesekiels offenbart werden? Unterstütze ich treu die Arbeit liebevoller Aufseher, einschließlich der des gesalbten Überrests und der voraussichtlichen Mitglieder der Vorsteherklasse? Habe ich die reine Anbetung zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht? Ziehe ich vollen Nutzen aus dem Wasser des Lebens, das heute so reichlich fließt?“ Möge jeder von uns das tun und bis in alle Ewigkeit Freude an den Vorkehrungen Jehovas finden.
-