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Echter Glaube — Heute noch möglich?Der Wachtturm 2001 | 1. Oktober
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Echter Glaube — Heute noch möglich?
„Glaube ist eine lebendige, erwegene [unerschütterliche] Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal drüber stürbe“ (MARTIN LUTHER, 1522).
„Im Grunde leben wir bereits in einer verweltlichten Gesellschaft, in der christlicher Glaube und Wandel schon weitgehend im Aussterben begriffen sind“ (LUDOVIC KENNEDY, 1999).
ZUM Thema Glauben gibt es höchst gegensätzliche Ansichten. Früher war der Glaube an Gott die Regel. Heute, in einer von Skeptizismus und Leid geprägten Welt, schwindet echter Glaube an Gott und an die Bibel zusehends.
Echter Glaube
Für viele ist „Glaube“ einfach gleichbedeutend damit, einem religiösen Bekenntnis anzuhängen oder eine Form der Anbetung auszuüben. In der Bibel jedoch steht „Glaube“ im Grunde genommen für völliges Überzeugtsein: ein uneingeschränktes und unerschütterliches Vertrauen auf Gott und seine Verheißungen. An dieser Eigenschaft erkennt man einen Jünger Jesu Christi.
Jesus Christus sprach einmal über die Notwendigkeit, zu beten und ‘nicht nachzulassen’. In diesem Zusammenhang warf er die Frage auf, ob zu unserer Zeit überhaupt echter Glaube vorhanden sein werde. Er fragte: „Wird der Menschensohn, wenn er gekommen ist, wirklich solchen Glauben auf der Erde finden?“ Warum warf er eine derartige Frage auf? (Lukas 18:1, 8, Fußnote).
Verlust des Glaubens
Vieles kann Menschen dazu bringen, den einst vielleicht gehegten Glauben zu verlieren. Ein Faktor können seelische Erschütterungen sowie Belastungen des Alltags sein. Professor Michael Goulder war beispielsweise als Ortsgeistlicher in Manchester (England) tätig, als 1958 zahlreiche Spieler der Fußballmannschaft Manchester United bei einem Flugzeugabsturz in München ums Leben kamen. In einer Fernsehsendung der BBC erklärte die Sprecherin Joan Bakewell, Goulder habe sich „angesichts der überwältigenden Trauer der Menschen völlig hilflos gefühlt“. Das habe unter anderem dazu geführt, daß er „seinen Glauben an einen Gott, der die menschlichen Geschicke lenkt, verlor“. Goulder selbst äußerte sich überzeugt, die Bibel sei nicht „das unfehlbare Wort Gottes“, sondern vielmehr „fehlbares Menschenwort, vielleicht mit einem Maß göttlicher Inspiration hier und da“.
Mitunter verkümmert der Glaube einfach. So erging es dem Publizisten Ludovic Kennedy. Er erzählt, von Kindheit an seien ihm immer wieder Zweifel und Bedenken in bezug auf Gott gekommen, und sein Unglaube sei stärker geworden. Offenbar konnte ihm niemand befriedigende Antworten auf seine Fragen geben. Der Tod seines Vaters auf hoher See war ein schwerer Schlag für seinen ohnehin nur noch sehr schwachen Glauben. Gebete zu Gott, er möge die Soldaten „vor den Gefahren der See und der Gewalt des Feindes bewahren“, blieben unerhört, als während des Zweiten Weltkriegs das zu einem Truppentransporter umfunktionierte Passagierschiff, auf dem sich sein Vater befand, von deutschen Schlachtschiffen angegriffen und versenkt wurde (All in the Mind—A Farewell to God [Alles nur Einbildung — Ein Abschied von Gott]).
Solche Erfahrungen sind nicht ungewöhnlich. Der Apostel Paulus sagte: „Der Glaube ist nicht ein Besitz aller Menschen“ (2. Thessalonicher 3:2). Wie ist Ihre Ansicht? Ist echter Glaube an Gott und an sein Wort in einer zunehmend skeptischen Welt noch möglich? Betrachten wir, was der folgende Artikel zu diesem Thema zu sagen hat.
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Echter Glaube ist möglich!Der Wachtturm 2001 | 1. Oktober
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Echter Glaube ist möglich!
Als Sarah Jayne 19 Jahre alt war, erfuhr sie, daß sie an Eierstockkrebs erkrankt war. Nach einer Operation ging es ihr gut, und sie blickte zuversichtlich in die Zukunft — so zuversichtlich, daß sie sich mit 20 Jahren verlobte und Hochzeitspläne schmiedete. Noch im gleichen Jahr trat der Krebs erneut auf, und man sagte ihr, sie habe nur noch wenige Wochen zu leben. Sarah Jayne starb im Juni 2000, kurz bevor sie 21 geworden wäre.
WER Sarah Jayne im Krankenhaus besuchte, war besonders davon beeindruckt, wie gefaßt und zuversichtlich sie in die Zukunft blickte und wie fest sie an Gott und sein Wort, die Bibel, glaubte. Ungeachtet ihrer so tragischen Lebenssituation war sie dank der Auferstehungshoffnung überzeugt, daß sie all ihre Freunde wiedersehen werde (Johannes 5:28, 29). Sie sagte: „Ich werde euch alle in Gottes neuer Welt wiedersehen.“
Manche tun einen solchen Glauben als Selbsttäuschung ab. Ludovic Kennedy etwa behauptet: „Das Jenseits ist doch nichts anderes als der Glaube der Schwachen, zur letzten Posaune werde es auch für sie eitel Lust und Freude geben, ein Schlaraffenland gar, wo sie in Glückseligkeit die Zeit mit denen verbringen, die vor ihnen gegangen und die nach ihnen wohl noch kommen.“ Dem halten wir entgegen: Was ist vernünftiger — zu glauben, wir hätten „nur dieses eine Leben, das wir deshalb in vollen Zügen genießen“ sollten, wie Kennedy empfiehlt, oder an Gott und seine Verheißung einer Auferstehung zu glauben? Sarah Jayne entschied sich für letzteres. Wie entwickelte sie einen solchen Glauben?
„Gott suchen ... und wirklich finden“
Um jemandem glauben und vertrauen zu können, muß man ihn kennenlernen und wissen, wie er denkt und handelt. An dieser Entwicklung sind sowohl Herz als auch Sinn beteiligt. Echten Glauben an Gott zu entwickeln läuft eigentlich auf genau dasselbe hinaus. Man muß ihn kennenlernen, seine Eigenschaften und seine Persönlichkeit studieren, erforschen, wie vertrauenswürdig und zuverlässig er sich in allem erwiesen hat, was er sagte und tat (Psalm 9:10; 145:1-21).
Manche halten das für unmöglich. Sie behaupten, Gott sei — so es ihn denn überhaupt gebe — zu fern, zu geheimnisvoll. Diese Skeptiker würden einwerfen: „Wenn Gott wirklich so real ist, wie er Christen wie Sarah Jayne erscheint, warum offenbart er sich dann nicht auch uns übrigen?“ Aber ist Gott wirklich zu fern und unergründlich? In einer Rede vor den Philosophen und Intellektuellen der Stadt Athen sagte der Apostel Paulus, „der Gott, der die Welt und alles, was darin ist, gemacht hat“, habe auch für alles gesorgt, was nötig sei, damit man ihn „suchen ... und wirklich finden“ könne. Ja Paulus sagte sogar, daß Gott „tatsächlich einem jeden von uns nicht fern ist“ (Apostelgeschichte 17:24-27).
Wie kann man denn Gott „suchen ... und wirklich finden“? Viele haben dazu einfach das sie umgebende Universum genau betrachtet. Das allein hat ihnen genügend Beweise geliefert, die sie davon überzeugten, daß es einen Schöpfer geben muß (Psalm 19:1; Jesaja 40:26; Apostelgeschichte 14:16, 17).a Sie stimmen dem Apostel Paulus zu, der über Gott sagte: „Seine unsichtbaren Eigenschaften werden seit Erschaffung der Welt deutlich gesehen, da sie durch die gemachten Dinge wahrgenommen werden, ja seine ewigwährende Macht und Göttlichkeit“ (Römer 1:20; Psalm 104:24).
Man benötigt die Bibel
Um echten Glauben an den Schöpfer zu entwickeln, benötigt man jedoch noch etwas, für das er gesorgt hat. Was? Die Bibel, das inspirierte Wort Gottes, in dem er seinen Willen und seinen Vorsatz offenbart (2. Timotheus 3:16, 17). „Doch halt!“ wirft mancher vielleicht ein. „Wie kann man überhaupt irgend etwas glauben, was die Bibel sagt, wenn man sich ansieht, was für Greuel Menschen verübt haben, die behaupteten, sich an die Bibel zu halten?“ Es stimmt — was sich die Christenheit im Lauf der Geschichte an Heuchelei, Gewalttat und Unsittlichkeit zuschulden kommen ließ, ist empörend. Andererseits ist es für jeden vernünftig denkenden Menschen leicht erkennbar, daß die Christenheit nur vorgibt, biblische Grundsätze zu befolgen (Matthäus 15:8).
Die Bibel selbst warnt davor, daß viele vorgeben würden, Gott anzubeten, in Wirklichkeit aber „sogar den Besitzer verleugnen, der sie erkauft hat“. Der Apostel Petrus sagte: „Ihretwegen wird vom Weg der Wahrheit lästerlich geredet werden“ (2. Petrus 2:1, 2). Jesus Christus erklärte, bei diesen Personen handle es sich um „Täter der Gesetzlosigkeit“, die man eindeutig an ihren bösen Taten erkennen könne (Matthäus 7:15-23). Gottes Wort wegen der Untaten der Christenheit zu verwerfen wäre damit vergleichbar, den Brief eines vertrauten Freundes einfach nur deshalb wegzuwerfen, weil er zufällig von einer verrufenen Person überbracht wird.
Ohne das Wort Gottes ist es unmöglich, echten Glauben zu entwickeln. Nur auf den Seiten der Bibel legt Jehova gewissermaßen seine Sicht der Dinge dar. Er gibt Antworten auf immer wieder gestellte Fragen, zum Beispiel warum er Leid und Schmerz zugelassen hat und was er gegen diese Zustände zu unternehmen gedenkt (Psalm 119:105; Römer 15:4). Sarah Jayne überzeugte sich davon, daß die Bibel das inspirierte Wort Gottes ist (1. Thessalonicher 2:13; 2. Petrus 1:19-21). Wie? Nicht lediglich, indem sie das übernahm, was ihre Eltern ihr erzählten, sondern, indem sie sich die Zeit nahm, alle Beweise dafür ehrlich zu untersuchen, daß die Bibel eine einzigartige Offenbarung von Gott ist (Römer 12:2). Ihr fiel beispielsweise auf, welch starken Einfluß die Bibel auf das Leben derer ausübt, die sich an ihre Grundsätze halten. Auch untersuchte sie an Hand von Veröffentlichungen wie dem Buch Die Bibel — Gottes oder Menschenwort?b sorgfältig die überwältigenden inhaltlichen Beweise für die göttliche Inspiration der Bibel.
‘Der Glaube folgt auf das Gehörte’
Es genügt allerdings nicht, einfach nur eine Bibel zu besitzen oder sogar zu glauben, daß sie von Gott inspiriert ist. Wie der Apostel Paulus schrieb, „folgt der Glaube auf das Gehörte“ (Römer 10:17). Auf die Bibel zu hören stärkt den Glauben — nicht lediglich, eine Bibel zu besitzen. Wir „hören“ das, was Gott zu sagen hat, indem wir sein Wort lesen und studieren. Auch ganz junge Menschen sind dazu imstande. Paulus sagte, Timotheus sei „von frühester Kindheit an“ durch seine Mutter und seine Großmutter in den „heiligen Schriften“ unterwiesen worden. Ist damit gemeint, er sei gewissermaßen einer Gehirnwäsche unterzogen worden? Keineswegs! Timotheus wurde in keiner Weise manipuliert oder getäuscht. Er wurde „überzeugt“, das zu glauben, was er hörte und las (2. Timotheus 1:5; 3:14, 15).
Sarah Jayne überzeugte sich auf die gleiche Weise. Wie die Beröer des ersten Jahrhunderts nahm sie ‘das Wort mit der größten Bereitwilligkeit’ auf, das ihre Eltern und andere sie lehrten. Als kleines Kind vertraute sie wahrscheinlich instinktiv dem, was ihre Eltern ihr sagten. Als sie jedoch älter wurde, nahm sie nicht einfach alles blindlings oder ungeprüft an, was man sie lehrte. Sie forschte ‘sorgfältig täglich in den Schriften, ob sich diese Dinge so verhielten’ (Apostelgeschichte 17:11).
Man kann echten Glauben entwickeln
Ebenso kann jeder von uns echten Glauben entwickeln — die Art Glauben, die der Apostel Paulus in seinem Brief an die Hebräerchristen beschrieb. Er sagte, ein solcher Glaube sei „die gesicherte Erwartung erhoffter Dinge, der offenkundige Erweis von Wirklichkeiten, obwohl man sie nicht sieht“ (Hebräer 11:1). Ein solcher Glaube vermittelt uns die absolute Gewißheit, daß sich all unsere Hoffnungen und Erwartungen, einschließlich Gottes Verheißung einer Auferstehung, erfüllen werden. Wir sind dann davon überzeugt, daß sich diese Hoffnungen nicht auf Wunschdenken stützen, sondern auf unverbrüchliche Zusicherungen. Wir werden wissen, daß Jehova es noch nie versäumt hat, ein Versprechen zu halten (Josua 21:45; 23:14; Jesaja 55:10, 11; Hebräer 6:18). Die von Gott verheißene neue Welt wird für uns folglich so real sein, als wäre sie bereits da (2. Petrus 3:13). Und mit dem Auge des Glaubens sehen wir dann deutlich, daß es sich bei Jehova Gott, Jesus Christus und Gottes Königreich nicht um Selbsttäuschungen handelt, sondern um Wirklichkeiten.
Um echten Glauben zu entwickeln, sind wir nicht auf uns selbst gestellt. Jehova hat nicht nur sein Wort für alle verfügbar gemacht, sondern auch eine weltweite Christenversammlung ins Leben gerufen, die dem Zweck dient, aufrichtigen Menschen zum Glauben an Gott zu verhelfen (Johannes 17:20; Römer 10:14, 15). Wir sollten jede Hilfe annehmen, die uns Jehova durch diese Organisation bietet (Apostelgeschichte 8:30, 31). Und da der Glaube eine Frucht des heiligen Geistes Gottes ist, sollten wir unablässig darum beten, daß uns Gottes Geist hilft, echten Glauben zu entwickeln (Galater 5:22).
Lassen wir uns nicht von Skeptikern irritieren, die über jeden spotten, der sich zum Glauben an Gott und an sein Wort bekennt (1. Korinther 1:18-21; 2. Petrus 3:3, 4). Echter Glaube vermittelt sogar eine enorme Kraft, sich gegen solche Angriffe zu wappnen (Epheser 6:16). Sarah Jayne erging es so, und sie ermunterte alle, die sie im Krankenhaus besuchten, ihren eigenen Glauben zu stärken. „Macht euch die Wahrheit zu eigen“, sagte sie immer. „Studiert Gottes Wort. Haltet euch eng an Gottes Organisation. Betet unablässig. Bleibt im Dienst für Jehova aktiv“ (Jakobus 2:17, 26).
Eine Krankenschwester, die Sarah Jaynes Glauben an Gott und an die Auferstehung beobachtete, bemerkte: „Sie glauben das tatsächlich alles!“ Auf die Frage, was sie trotz ihrer schweren Lage so zuversichtlich mache, erwiderte Sarah Jayne: „Es ist mein Glaube an Jehova. Er ist mir ein echter Freund, und ich liebe ihn von ganzem Herzen.“
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