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Echter Glaube — Heute noch möglich?Der Wachtturm 2001 | 1. Oktober
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Verlust des Glaubens
Vieles kann Menschen dazu bringen, den einst vielleicht gehegten Glauben zu verlieren. Ein Faktor können seelische Erschütterungen sowie Belastungen des Alltags sein. Professor Michael Goulder war beispielsweise als Ortsgeistlicher in Manchester (England) tätig, als 1958 zahlreiche Spieler der Fußballmannschaft Manchester United bei einem Flugzeugabsturz in München ums Leben kamen. In einer Fernsehsendung der BBC erklärte die Sprecherin Joan Bakewell, Goulder habe sich „angesichts der überwältigenden Trauer der Menschen völlig hilflos gefühlt“. Das habe unter anderem dazu geführt, daß er „seinen Glauben an einen Gott, der die menschlichen Geschicke lenkt, verlor“. Goulder selbst äußerte sich überzeugt, die Bibel sei nicht „das unfehlbare Wort Gottes“, sondern vielmehr „fehlbares Menschenwort, vielleicht mit einem Maß göttlicher Inspiration hier und da“.
Mitunter verkümmert der Glaube einfach. So erging es dem Publizisten Ludovic Kennedy. Er erzählt, von Kindheit an seien ihm immer wieder Zweifel und Bedenken in bezug auf Gott gekommen, und sein Unglaube sei stärker geworden. Offenbar konnte ihm niemand befriedigende Antworten auf seine Fragen geben. Der Tod seines Vaters auf hoher See war ein schwerer Schlag für seinen ohnehin nur noch sehr schwachen Glauben. Gebete zu Gott, er möge die Soldaten „vor den Gefahren der See und der Gewalt des Feindes bewahren“, blieben unerhört, als während des Zweiten Weltkriegs das zu einem Truppentransporter umfunktionierte Passagierschiff, auf dem sich sein Vater befand, von deutschen Schlachtschiffen angegriffen und versenkt wurde (All in the Mind—A Farewell to God [Alles nur Einbildung — Ein Abschied von Gott]).
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Echter Glaube ist möglich!Der Wachtturm 2001 | 1. Oktober
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Manche tun einen solchen Glauben als Selbsttäuschung ab. Ludovic Kennedy etwa behauptet: „Das Jenseits ist doch nichts anderes als der Glaube der Schwachen, zur letzten Posaune werde es auch für sie eitel Lust und Freude geben, ein Schlaraffenland gar, wo sie in Glückseligkeit die Zeit mit denen verbringen, die vor ihnen gegangen und die nach ihnen wohl noch kommen.“ Dem halten wir entgegen: Was ist vernünftiger — zu glauben, wir hätten „nur dieses eine Leben, das wir deshalb in vollen Zügen genießen“ sollten, wie Kennedy empfiehlt, oder an Gott und seine Verheißung einer Auferstehung zu glauben?
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