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Sie stand für Gottes Volk einDer Wachtturm 2011 | 1. Oktober
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Ob ihr der neue königliche Stand nun doch zu Kopf steigen würde?
Ganz und gar nicht! Sie hielt sich weiter bescheiden an das, was ihr Pflegevater Mordechai ihr gesagt hatte. Die Verbindung zum jüdischen Volk blieb ihr Geheimnis. Als Mordechai dann entdeckte, dass am Hof gegen Ahasverus eine Verschwörung im Gange war, übermittelte Esther ihrem Mann, was Mordechai ihr aufgetragen hatte, und das Mordkomplott wurde vereitelt (Esther 2:20-23). Nach wie vor war Esther nicht zu stolz, auf andere zu hören; sie vertraute somit ganz ihrem Gott. Sich von anderen etwas sagen zu lassen steht heute nicht gerade hoch im Kurs. Im Gegenteil: Offene Auflehnung und Gehorsamsverweigerung sind gang und gäbe. Für Menschen, denen ihr Glaube wirklich etwas bedeutet, ist Gehorsam jedoch ein genauso kostbares Gut wie für Esther.
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Sie stand für Gottes Volk einDer Wachtturm 2011 | 1. Oktober
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Mordechai ließ der Königin ausrichten, sie möge nun Stellung beziehen und sich bei ihrem Mann „für ihr eigenes Volk“ einsetzen (Esther 4:4-8).
Als Esther das hörte, muss es ihr das Herz zusammengeschnürt haben. Jetzt würde sich ihr Glaube bewähren müssen wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Sie hatte Angst, das gab sie Mordechai gegenüber unumwunden zu. Er wusste doch, was des Königs Gesetz sagte: Wer ungerufen beim König erschien, war so gut wie tot. Nur wem der König sein goldenes Zepter entgegenhielt, dem blieb das Todesurteil erspart. Und wieso hätte Esther davon ausgehen sollen, dass der König ausgerechnet bei ihr Gnade vor Recht walten ließe — vor allem wenn man an Waschtis Schicksal dachte. Sie ließ Mordechai mitteilen, der König habe sie geschlagene 30 Tage nicht mehr zu sich rufen lassen. Allein das musste sie schon in Zweifel stürzen. Vielleicht war sie bei dem launischen Monarchen ja bereits in Ungnade gefallen (Esther 4:9-11).d
Mordechai redete Esther jetzt gut zu und stärkte ihr mit seinem festen Glauben den Rücken. Würde sie nichts unternehmen, dann würde den Juden garantiert von anderer Seite Rettung verschafft werden. Allerdings dürfe sie kaum erwarten, dass man sie verschonen werde, wenn die Verfolgungswellen höher und höher schlugen. Mordechai verriet hier sein tiefes Vertrauen in Jehova, der sein Volk niemals untergehen lassen noch seine Verheißungen ins Leere laufen lassen würde (Josua 23:14). Dann stellte Mordechai Esther die Frage: „Wer weiß, ob es nicht für eine Zeit wie diese ist, dass du zur königlichen Würde gelangt bist?“ (Esther 4:12-14). Mordechai baute felsenfest auf seinen Gott Jehova. Und wie ist es um unser Gottvertrauen bestellt? (Sprüche 3:5, 6).
Ein Glaube, stärker als Todesangst
Jetzt lag die Entscheidung bei Esther. Sie trug Mordechai auf, ihre Landsleute zu einem dreitägigen Fasten mit der Königin zu versammeln. Ihre abschließenden Worte hallen in ihrem schlichten, mutigen Glaubensausdruck noch bis heute nach: „Wenn ich umkommen soll, so komme ich um“ (Esther 4:15-17). Bestimmt hat sie in den drei Tagen so intensiv gebetet wie noch nie zuvor. Doch dann war es so weit. Esther legte ihr bestes königliches Gewand an; sie wollte für ihren Mann so bezaubernd wie möglich aussehen . . . und ging los!
Wohin, das hat uns ja schon der Anfang verraten: zum Königshaus. Wir können nicht einmal annähernd ahnen, was in Esther vorgegangen sein muss: die Ängste, die Anspannung, ihr Flehen zu Gott. Jetzt betrat sie also den Innenhof. Und da sah sie ihn auch schon in einiger Entfernung auf seinem Thron sitzen: Ahasverus. Vielleicht versuchte sie, in seinem Gesicht zu lesen, diesem Gesicht mit dem eckig gestutzten Bart, umrahmt von dem sorgfältig gekräuselten Haar. Falls sie sich einen Moment gedulden musste, kam ihr dieser bestimmt wie eine Ewigkeit vor. Aber dann geschah es! Ihr Mann erblickte sie. Bestimmt war er verblüfft, sie zu sehen. Doch mit einem Mal wurden seine Züge ganz weich. Und er streckte ihr sein goldenes Zepter entgegen! (Esther 5:1, 2).
Esther wurde eine Audienz gewährt, der König war tatsächlich geneigt, sie anzuhören. Glaubensvoll war sie für ihren Gott und für ihr Volk eingestanden. Damit ist sie bis heute für jeden, der sich zu Gott bekennt, ein leuchtendes Vorbild.
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