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„Wohin du gehst, werde ich gehen“Ahmt ihren Glauben nach
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KAPITEL VIER
„Wohin du gehst, werde ich gehen“
1, 2. (a) Beschreibe die Reise von Ruth und Noomi und warum sie es beide schwer hatten. (b) Wie empfanden die beiden Frauen wohl ihre Reise?
RUTH und Noomi liefen Seite an Seite über die windigen Hochebenen Moabs. Die beiden waren jetzt allein — zwei Pünktchen in der Landschaft. Die Schatten wurden immer länger, und Ruth muss sich wegen ihrer Schwiegermutter gefragt haben, ob es nicht an der Zeit sei, eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Sie liebte Noomi von Herzen und würde alles tun, damit es ihr gut ging.
2 Ruth und Noomi hatten beide ein schweres Los. Noomis Mann war vor Jahren gestorben, und kürzlich hatte sie auch noch ihre zwei Söhne Kiljon und Machlon verloren. Ruth trauerte ebenfalls, denn Machlon war ihr Mann gewesen. Die beiden Frauen hatten das gleiche Ziel — Bethlehem in Israel. Nur: Für Noomi ging es nach Hause, für Ruth führte der Weg ins Ungewisse, weg von ihrer Familie und ihrer Heimat mit all den vertrauten Bräuchen und Göttern. (Lies Ruth 1:3-6.)
3. Welchen Fragen werden wir nachgehen, um Ruth als Glaubensvorbild kennenzulernen?
3 Was brachte eine junge Frau wie Ruth dazu, so einen mutigen Schritt zu wagen? Woher würde sie die Kraft nehmen, ein neues Leben anzufangen und für Noomi zu sorgen? Wenn wir diesen Fragen nun nachgehen, lernen wir die Moabiterin Ruth als Glaubensvorbild kennen. (Dazu auch der Kasten „Ein Meisterwerk in Miniatur“.) Aber wie kam es denn, dass die beiden Frauen den langen Weg nach Bethlehem auf sich nahmen?
Eine Familientragödie
4, 5. (a) Warum war Noomis Familie nach Moab gezogen? (b) Warum hatte es Noomi in Moab nicht leicht?
4 Ruths Heimat war Moab, ein kleines Land östlich des Toten Meeres mit schwach bewaldeten Hochebenen, die von tiefen Schluchten durchzogen waren. Die Felder Moabs warfen oft noch gute Ernten ab, wenn in Israel schon Hungersnot drohte. Vor diesem Hintergrund hatte Ruth ihren Mann Machlon kennengelernt (Ruth 1:1).
5 Ruths Schwiegervater Elimelech war wegen einer Hungersnot mit seiner Frau Noomi und seinen zwei Söhnen von Israel nach Moab gezogen. Der Umzug stellte den Glauben der Familie auf eine Probe, denn die Israeliten mussten ja regelmäßig zur Anbetung an einen von Jehova bestimmten heiligen Ort reisen (5. Mo. 16:16, 17). Noomi bewahrte sich in der Fremde einen starken Glauben. Dennoch überfiel sie tiefe Trauer, als ihr Mann starb (Ruth 1:2, 3).
6, 7. (a) Warum war Noomi vermutlich besorgt, als ihre Söhne Moabiterinnen heirateten? (b) Warum war Noomis Verhalten ihren Schwiegertöchtern gegenüber lobenswert?
6 Dazu kam, dass sich Noomis Söhne moabitische Frauen nahmen (Ruth 1:4). Hatte nicht Abraham, der Stammvater ihres Volkes, alles getan, um für seinen Sohn Isaak in den eigenen Reihen eine Frau zu finden, die Jehova anbetete? (1. Mo. 24:3, 4). Außerdem warnte das Gesetz Mose ausdrücklich vor einer Heirat mit Ausländern, damit Gottes Volk nicht zum Götzendienst verleitet würde (5. Mo. 7:3, 4).
7 Dennoch heirateten Machlon und Kiljon Moabiterinnen. Noomi machte sich deswegen eventuell Sorgen oder war enttäuscht, aber sie achtete darauf, dass ihre Freundlichkeit und Liebe gegenüber ihren Schwiegertöchtern Ruth und Orpa echt war. Vielleicht hoffte sie, dass Ruth und Orpa eines Tages ebenfalls Jehova anbeten würden. Auf alle Fälle mochten die beiden jungen Frauen Noomi. Ihr gutes Verhältnis zueinander half ihnen, als tragische Ereignisse eintraten. Denn noch ehe Ruth und Orpa Kinder hatten, wurden sie Witwen (Ruth 1:5).
8. Warum fühlte sich Ruth wohl zu Jehova hingezogen?
8 Fand Ruth in diesen schweren Stunden in ihrer Kindheitsreligion Halt? Wohl kaum! Die Moabiter verehrten viele Götter; ihr Hauptgott war Kamos (4. Mo. 21:29). Damals waren unter Götzenanbetern Brutalitäten und Gräuel wie Kinderopfer keine Seltenheit, und die moabitische Religion bildete wohl keine Ausnahme. Wie muss Ruth gestaunt haben, als ihr Machlon oder Noomi von Jehova, dem barmherzigen Gott der Israeliten, erzählten! Jehovas Herrschaft war keine Schreckensherrschaft, sie war von Liebe geprägt. (Lies 5. Mose 6:5.) Vielleicht hat sich Ruth nach dem schmerzlichen Verlust noch mehr zu Noomi hingezogen gefühlt und alles aufgesogen, was diese lebenserfahrene Frau über den allmächtigen Gott Jehova berichtete — über seine wunderbaren Werke und über seine Liebe und Barmherzigkeit gegenüber seinem Volk.
Es war weise von Ruth, in ihrem Kummer die Nähe Noomis zu suchen
9—11. (a) Was beschlossen Noomi, Ruth und Orpa? (b) Was können wir aus dem, was die drei Frauen durchmachten, lernen?
9 Noomi ihrerseits war an Neuigkeiten aus ihrer Heimat interessiert. Eines Tages erfuhr sie — möglicherweise von einem Kaufmann auf der Durchreise —, dass die Hungersnot in Israel vorbei war. Jehova hatte seinem Volk seine Aufmerksamkeit zugewandt. Bethlehem wurde der Bedeutung seines Namens „Haus des Brotes“ wieder gerecht. Deshalb beschloss Noomi zurückzukehren (Ruth 1:6).
10 Was würden Ruth und Orpa tun? (Ruth 1:7). Das gemeinsame Leid hatte die drei Frauen zusammengeschweißt. Besonders Ruth fühlte sich von Noomis Güte und unerschütterlichem Glauben angezogen. So machten sich die drei Witwen nun zusammen auf die Reise nach Juda.
11 Das Bibelbuch Ruth erinnert uns daran, dass tragische Verluste gute Menschen genauso treffen wie schlechte (Pred. 9:2, 11). Es zeigt uns auch, wie wichtig es für Trauernde ist, in ihrem schier unerträglichen Schmerz bei anderen Trost und Zuspruch zu suchen — bei Menschen, die wie Noomi Jehova zu ihrer Zuflucht gemacht haben (Spr. 17:17).
Ruths loyale Liebe
12, 13. Warum wollte Noomi Ruth und Orpa zurückschicken, und wie reagierten die beiden?
12 Als die drei Witwen schon eine ziemliche Strecke hinter sich hatten, bedrückte Noomi noch etwas anderes. Was sollte bloß aus den zwei jungen Frauen werden — so fern von ihrer Heimat Moab? Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, ihnen noch mehr aufzubürden, wo sie doch zu ihr und ihren Söhnen so gut gewesen waren. Was könnte sie in Bethlehem schon für sie tun?
13 Schließlich fasste sich Noomi ein Herz und sagte: „Geht, kehrt zurück, jede in das Haus ihrer Mutter. Jehova übe liebende Güte euch gegenüber, so wie ihr sie den nun toten Männern und mir gegenüber geübt habt.“ Sie wünschte ihnen auch, dass Jehova ihnen einen neuen Mann und ein neues Leben schenken würde. „Dann küsste sie sie, und sie begannen ihre Stimme zu erheben und zu weinen.“ Man kann sich gut vorstellen, warum Ruth und Orpa so an dieser herzensguten, selbstlosen Frau hingen. Beide sagten immer wieder zu ihr: „Nein, sondern mit dir werden wir zu deinem Volk zurückkehren“ (Ruth 1:8-10).
14, 15. (a) Zu wem kehrte Orpa zurück? (b) Wie versuchte Noomi, Ruth dazu zu bewegen, sie zu verlassen?
14 Noomi ließ sich aber nicht so leicht umstimmen und sagte nachdrücklich zu Ruth und Orpa, sie habe ja weder einen Mann, der für sie sorge, noch würde sie jemals wieder heiratsfähige Söhne haben. Sie empfinde es als sehr bitter, ihnen so wenig bieten zu können. Orpa leuchtete das ein. Sie hatte in Moab ein Zuhause und ihre Mutter lebte noch. Es schien wirklich ratsamer, in Moab zu bleiben. Also küsste sie Noomi zum Abschied und kehrte schweren Herzens um (Ruth 1:11-14).
15 Und Ruth? Für sie war die Situation ja nicht anders. Doch die Bibel sagt: „Was Ruth betrifft, sie hielt fest zu ihr.“ Vielleicht ging Noomi allein weiter und merkte dann, dass Ruth ihr folgte. „Deine verwitwete Schwägerin ist zu ihrem Volk und ihren Göttern zurückgekehrt“, protestierte sie. „Kehr mit deiner verwitweten Schwägerin zurück“ (Ruth 1:15). Noomis Worte verraten ein wichtiges Detail. Orpa war nicht nur zu ihrem Volk zurückgekehrt, sondern auch zu „ihren Göttern“. Ihr machte es nichts aus, Kamos und andere falsche Götter anzubeten. Dachte Ruth auch so?
16—18. (a) Mit welchen Worten brachte Ruth ihre loyale Liebe zum Ausdruck? (b) Was können wir von Ruth über loyale Liebe lernen? (Dazu auch die Bilder von den beiden Frauen.)
16 Als Ruth auf der einsamen Straße Noomi in die Augen blickte, stand ihr Entschluss fest. Ihr Herz quoll über vor Liebe zu Noomi und deren Gott. Ruth sagte daher: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen, davon umzukehren, dich zu begleiten; denn wohin du gehst, werde ich gehen, und wo du die Nacht verbringst, werde ich die Nacht verbringen. Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott mein Gott. Wo du stirbst, werde ich sterben, und dort werde ich begraben werden. Möge Jehova mir so tun und dazu hinzufügen, wenn irgendetwas außer dem Tod eine Trennung zwischen mir und dir herbeiführen sollte“ (Ruth 1:16, 17).
„Dein Volk wird mein Volk sein und dein Gott mein Gott“
17 Rund 3 000 Jahre sind vergangen, seit Ruth diese bewegenden Worte gesagt hat, und sie werden immer wieder gern zitiert. Aus ihnen spricht eine wunderschöne Eigenschaft: loyale Liebe. So stark, so loyal war Ruths Liebe, dass sie Noomi überallhin folgen wollte. Nur der Tod könnte die beiden trennen. Noomis Volk würde auch Ruths Volk werden, denn sie war bereit, ihr ganzes Umfeld in Moab — samt den moabitischen Göttern — hinter sich zu lassen. Anders als Orpa war sich Ruth sicher, dass Noomis Gott, Jehova, auch ihr Gott sein sollte.a
18 Ruth und Noomi wanderten weiter, jetzt also nur noch zu zweit. Die Reise nach Bethlehem konnte eine ganze Woche gedauert haben. Auf dem langen Weg trösteten die beiden Frauen einander bestimmt in ihrem Kummer.
19. Wie könnte man in der Familie, unter Freunden und in der Versammlung Ruths loyale Liebe nachahmen?
19 Auch in den „kritischen Zeiten“ von heute, „mit denen man schwer fertig wird“, sind Kummer, Leid und Verluste an der Tagesordnung (2. Tim. 3:1). Was Ruth auszeichnete, ist deshalb wichtiger denn je: loyale Liebe. Diese Liebe, die unerschütterlich an etwas festhält und einfach nicht loslässt, ist in unserer immer finsterer werdenden Welt eine gewaltige Kraft zum Guten. Sie ist in Ehen und Familien, unter Freunden und in der Christenversammlung unentbehrlich. (Lies 1. Johannes 4:7, 8, 20.) Wenn wir diese Liebe weiterentwickeln, ahmen wir Ruths hervorragendes Beispiel nach.
Ruth und Noomi in Bethlehem
20—22. (a) Wie hatte sich das Leben in Moab auf Noomi ausgewirkt? (b) Was dachte Noomi fälschlicherweise? (Dazu auch Jakobus 1:13.)
20 Von loyaler Liebe zu reden ist eine Sache, sie durch Taten zu beweisen etwas ganz anderes. Ruth konnte in der vor ihr liegenden Zeit nicht nur Noomi loyale Liebe zeigen, sondern auch Jehova, den sie als ihren Gott annahm.
21 Die beiden Frauen kamen schließlich nach Bethlehem, das etwa zehn Kilometer südlich von Jerusalem lag. Noomi und ihre Familie müssen dort früher sehr bekannt gewesen sein, denn die Nachricht von der Rückkehr der Witwe war bald in aller Munde. Die Frauen von Bethlehem warfen ihr verstohlene Blicke zu und fragten: „Ist das Noomi?“ Das beschwerliche Leben in Moab und all der Kummer waren offensichtlich nicht spurlos an ihr vorübergegangen (Ruth 1:19).
22 Noomi erzählte ihren Verwandten und Bekannten, was für ein bitteres Leben sie hatte. Am liebsten hätte sie ihren Namen Noomi, was „Meine Lieblichkeit“ bedeutet, auf Mara abgeändert, das heißt „Bitter“. Arme Noomi! Ähnlich wie Hiob dachte sie, ihr ganzes Elend käme von ihrem Gott Jehova (Ruth 1:20, 21; Hiob 2:10; 13:24-26).
23. Was überlegte Ruth, und wie wurden die Armen im mosaischen Gesetz berücksichtigt? (Dazu auch die Fußnote.)
23 Die beiden Frauen lebten sich in Bethlehem ein, und Ruth überlegte, wie sie am besten für sich und Noomi sorgen könnte. Sie hörte, dass Jehova im Gesetz der Israeliten eine liebevolle Regelung für die Armen getroffen hatte. Sie durften bei der Ernte hinter den Arbeitern hergehen und Nachlese halten, das heißt alles Übriggebliebene aufsammeln und die Ecken und Ränder der Felder abernten (3. Mo. 19:9, 10; 5. Mo. 24:19-21).b
24, 25. Wie verhielt sich Ruth, als sie zufällig auf das Land von Boas kam, und wie muss man sich die Nachlese vorstellen?
24 Wahrscheinlich im April, zur Zeit der Gerstenernte, ging Ruth auf die Felder, um zu sehen, wo sie Nachlese halten konnte. Dabei kam sie auf das Land von Boas, einem wohlhabenden Grundbesitzer. Er war ein Verwandter von Noomis verstorbenem Mann Elimelech. Obwohl Ruth nach dem Gesetz das Recht hatte, Nachlese zu halten, nahm sie das nicht für selbstverständlich, sondern bat den jungen Mann, der die Schnitter beaufsichtigte, um Erlaubnis. Dann machte sie sich sofort an die Arbeit (Ruth 1:22 bis 2:3, 7).
25 Ruth ging hinter den Schnittern her, die mit ihren Feuersteinsicheln die Gerste abmähten. Sie bückte sich nach heruntergefallenen oder stehen gebliebenen Halmen, verschnürte sie zu Garben und trug sie an einen Platz, wo sie die Körner später ausschlagen konnte. Das war eine mühsame Arbeit und umso härter, je höher die Sonne stieg. Doch Ruth machte unermüdlich weiter. Nur ab und zu mal hielt sie inne, um sich den Schweiß von der Stirn zu wischen oder „im Haus“ — wahrscheinlich ein schattiger Unterstand für die Arbeiter — kurz etwas zu essen.
Fleißig sorgte Ruth für sich und Noomi und war sich für keine Arbeit zu schade
26, 27. Was für ein Mann war Boas, und wie behandelte er Ruth?
26 Ruth dürfte weder gehofft noch erwartet haben, dass jemand Notiz von ihr nahm. Doch Boas bemerkte sie sehr wohl und fragte den Vorarbeiter, wer sie sei. Boas war ein echter Mann des Glaubens. Er grüßte seine Arbeiter — darunter möglicherweise auch Tagelöhner oder sogar Ausländer — immer mit den Worten: „Jehova sei mit euch.“ Und sie antworteten mit einem ähnlichen Gruß. Dieser geistig gesinnte ältere Mann kümmerte sich wie ein Vater um Ruth (Ruth 2:4-7).
27 Boas nannte Ruth „meine Tochter“ und sagte zu ihr, sie solle weiter auf seine Felder zum Ährenlesen kommen und sich an die jungen Frauen aus seinem Haus halten, damit sie nicht von irgendwelchen Arbeitern belästigt würde. Zur Essenszeit achtete er darauf, dass sie versorgt war. (Lies Ruth 2:8, 9, 14.) Vor allem aber lobte er sie und redete ihr gut zu.
28, 29. (a) Was für einen Ruf hatte Ruth? (b) Auf welche Weise kannst du wie Ruth bei Jehova Zuflucht suchen?
28 Als Ruth Boas fragte, womit sie als Ausländerin so viel Güte verdient hätte, erklärte er, ihm sei zu Ohren gekommen, wie viel sie für ihre Schwiegermutter getan habe. Wahrscheinlich hatte Noomi den Frauen in Bethlehem viel Gutes von Ruth erzählt, und das war zu Boas durchgedrungen. Er wusste auch, dass Ruth eine Anbeterin Jehovas geworden war, denn er sagte: „Möge Jehova deine Handlungsweise belohnen, und möge dir ein vollkommener Lohn von Jehova, dem Gott Israels, zuteilwerden, unter dessen Flügeln Zuflucht zu suchen du gekommen bist“ (Ruth 2:12).
29 Das muss Ruth Auftrieb gegeben haben. Ja, sie wollte bei Jehova Gott Zuflucht suchen wie ein Vogeljunges, das unter die schützenden Flügel seiner Eltern flüchtet. Sie bedankte sich bei Boas für seine beruhigenden Worte und arbeitete weiter bis zum Abend (Ruth 2:13, 17).
30, 31. Was können wir von Ruth über Fleiß, Dankbarkeit und loyale Liebe lernen?
30 Allen, die mit der heutigen Wirtschaftslage zu kämpfen haben, ist Ruth mit ihrem lebendigen Glauben ein ausgezeichnetes Beispiel. Sie meinte nicht, andere würden ihr etwas schulden, sondern freute sich über alles, was man für sie tat. Sie arbeitete lange und hart für ihre liebe Schwiegermutter und war sich für keine Arbeit zu schade. Auch nahm sie Ratschläge, wie sie auf Sicherheit und guten Umgang achten konnte, dankbar an. Doch vor allem verlor sie nie aus den Augen, wo echter Schutz und Zuflucht zu finden waren: bei ihrem Vater Jehova.
31 Wenn wir uns Ruth zum Vorbild nehmen — ihre loyale Liebe, ihre Demut, ihren Fleiß und ihre Dankbarkeit —, wird auch unser Glaube für andere Vorbildwirkung haben. Wie hat nun Jehova für Ruth und Noomi gesorgt? Das erfahren wir im nächsten Kapitel.
a Hier fällt auf, dass Ruth nicht nur die unpersönliche Bezeichnung „Gott“ gebrauchte, wie es wohl viele Nichtisraeliten getan hätten, sondern auch den Eigennamen Gottes, Jehova. In dem Werk The Interpreter’s Bible heißt es dazu: „Der Schreiber betont damit, dass sich diese Ausländerin zu dem wahren Gott bekennt.“
b Dieses Gesetz war etwas Besonderes, was Ruth von zu Hause bestimmt nicht kannte. Witwen hatten im Alten Orient keinen guten Stand. In einem Kommentar zur Bibel heißt es: „Nach dem Tod ihres Mannes war eine Witwe normalerweise auf die Unterstützung ihrer Söhne angewiesen; hatte sie keine, musste sie sich unter Umständen in die Sklaverei verkaufen, sich prostituieren oder war dem Tod ausgeliefert.“
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„Eine tüchtige Frau“Ahmt ihren Glauben nach
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KAPITEL FÜNF
„Eine tüchtige Frau“
1, 2. (a) Was für eine Arbeit verrichtete Ruth? (b) Was erfuhr Ruth über Gottes Gesetz, und was erlebte sie in seinem Volk?
RUTH kniete neben einem Haufen Gerstenhalme, die sie den Tag über gesammelt hatte. Langsam senkte sich der Abend über die Felder von Bethlehem. Viele Arbeiter waren schon auf dem Weg zum Tor des Städtchens, das in der Nähe auf einer Anhöhe lag. Ruth hatte einen langen, schweren Arbeitstag hinter sich. Bestimmt taten ihr die Muskeln weh. Aber sie machte unermüdlich weiter und schlug mit einem Dreschflegel die Körner aus den Ähren. Alles in allem war es ein guter Tag gewesen und sie konnte mehr als zufrieden sein.
2 Ging es im Leben der jungen Witwe jetzt bergauf? Wie im vorigen Kapitel beschrieben, hatte sie ihrer ebenfalls verwitweten Schwiegermutter Noomi versprochen, bei ihr zu bleiben und deren Gott, Jehova, auch zu ihrem Gott zu machen. Zusammen waren diese zwei verwitweten Frauen von Moab nach Bethlehem gekommen, und Ruth, die Moabiterin, erfuhr bald, dass es im Gesetz Jehovas Bestimmungen gab, die armen Menschen in Israel — auch ihr als Ausländerin — eine Lebensgrundlage boten und durch die ihre Würde gewahrt blieb. Und nun lernte sie im Volk Jehovas, das nach diesem Gesetz lebte und davon geprägt war, Menschen kennen, deren geistige Gesinnung und Freundlichkeit wie Balsam für ihr bekümmertes Herz waren.
3, 4. (a) Wie hatte Boas Ruth aufgemuntert? (b) Wie kann uns Ruths Beispiel in der heutigen wirtschaftlich schwierigen Zeit eine Hilfe sein?
3 Einer von ihnen war Boas, ein wohlhabender älterer Mann, auf dessen Feldern sie Nachlese hielt. Er hatte an jenem Tag wie ein Vater für sie gesorgt. Ruth musste schmunzeln, als sie daran dachte, wie er sie dafür gelobt hatte, dass sie für Noomi sorgte und unter den Flügeln des wahren Gottes, Jehova, Zuflucht suchte. (Lies Ruth 2:11-14.)
4 „Aber wie soll es weitergehen?“, mag Ruth sich gefragt haben. Wie würde sie als verarmte Ausländerin ohne Mann und Kinder in den nächsten Jahren für Noomi und sich selbst sorgen können? Würde die Nachlese ausreichen? Und wer würde sich im Alter um sie kümmern? Solche Sorgen wären nur zu verständlich gewesen. In der heutigen schwierigen Zeit haben viele mit ähnlichen Ängsten zu kämpfen. Wenn wir nun erfahren, wie Ruths Glaube ihr über diese Schwierigkeiten hinweghalf, lernen wir viel Nachahmenswertes kennen.
Wann ist eine Familie eine richtige Familie?
5, 6. (a) Wie erfolgreich war Ruth an ihrem ersten Tag auf den Feldern von Boas? (b) Wie reagierte Noomi, als sie Ruth sah?
5 Als Ruth mit ihrer Arbeit fertig war, hatte sie ungefähr ein Epha (22 l) Gerste beisammen. Das Getreide dürfte annähernd 15 Kilo gewogen haben! Nun wickelte sie es wahrscheinlich in ein Tuch und trug es auf dem Kopf nach Bethlehem, bevor es dunkel wurde (Ruth 2:17).
6 Noomi freute sich, als ihre liebe Schwiegertochter nach Hause kam. Vielleicht verschlug es ihr den Atem, als sie die viele Gerste sah. Ruth hatte auch etwas von dem Essen dabei, das Boas für die Arbeiter hatte herrichten lassen, und so nahmen die beiden Frauen ein einfaches Mahl ein. Noomi fragte: „Wo hast du heute aufgelesen, und wo hast du gearbeitet? Gesegnet werde der, der dich beachtet hat“ (Ruth 2:19). Aufmerksam, wie sie war, sah sie die vielen Nahrungsmittel als Beweis dafür, dass jemand die junge Frau beachtet und gut behandelt hatte.
7, 8. (a) Wessen Hand erkannte Noomi hinter Boas’ Güte, und wieso? (b) Wie erwies Ruth ihrer Schwiegermutter weiter loyale Liebe?
7 Ruth erzählte nun, wie freundlich Boas zu ihr gewesen war. Gerührt sagte Noomi: „Gesegnet sei er von Jehova, der von seiner liebenden Güte gegenüber den Lebenden und den Toten nicht abgelassen hat“ (Ruth 2:20). Noomi erkannte hinter der Güte von Boas die Hand Jehovas, der seine Diener dazu bewegt, großzügig zu sein, und ihnen verspricht, sie für ihre Liebe und Güte zu belohnen.a (Lies Sprüche 19:17.)
8 Noomi riet Ruth, das Angebot von Boas anzunehmen, weiter auf seinen Feldern Ähren aufzulesen und sich an die jungen Frauen aus seinem Haus zu halten, damit sie nicht von den Arbeitern belästigt würde. Ruth hörte auf den Rat. Auch „wohnte [sie] weiterhin bei ihrer Schwiegermutter“ (Ruth 2:22, 23). Hier begegnet uns erneut die Eigenschaft, die Ruth besonders auszeichnete — loyale Liebe. Ihr Beispiel kann uns zum Nachdenken bringen: Wie viel ist mir meine Familie wert? Halte ich treu zu ihr und helfe ich, wo ich kann? Jehova entgeht eine solche loyale Liebe niemals.
Von Ruth und Noomi lernen wir, unsere Familie zu schätzen, auch wenn sie noch so klein ist
9. Was kann man von Ruth und Noomi über die Familie lernen?
9 Waren Ruth und Noomi eigentlich eine Familie? Manche meinen, man könne erst dann von einer „richtigen“ Familie sprechen, wenn Vater, Mutter, Kinder, Großeltern und andere Verwandte da sind. Ruth und Noomi haben jedoch vorgelebt, dass sich auch eine noch so kleine Familie durch Wärme, Herzlichkeit und Liebe auszeichnen kann. Schätzt du deine Familie, so wie sie ist? Jesus prägte seinen Nachfolgern außerdem ein, dass die Versammlung denen eine Familie sein kann, die keine haben (Mar. 10:29, 30).
Ruth und Noomi halfen einander und machten sich gegenseitig Mut
„Er ist einer unserer Rückkäufer“
10. Wie wollte Noomi Ruth helfen?
10 Von der Gerstenernte im April bis zur Weizenernte im Juni hielt Ruth auf den Feldern von Boas Nachlese. Während die Wochen verstrichen, dachte Noomi sicher öfter darüber nach, was sie für ihre liebe Schwiegertochter tun könnte. In Moab war sie davon überzeugt gewesen, dass sie Ruth niemals helfen könnte, wieder einen Mann zu finden (Ruth 1:11-13). Doch nun dachte sie anders. Sie sagte zu Ruth: „Meine Tochter, sollte ich dir nicht einen Ruheort suchen?“ (Ruth 3:1). Damals war es Brauch, dass Eltern einen Ehepartner für ihre Kinder suchten, und Ruth war für Noomi wie ihre eigene Tochter. Mit dem Ausdruck „Ruheort“ spielte sie auf die Sicherheit und Geborgenheit an, die ein Zuhause und ein Ehemann bieten können. Was konnte Noomi aber tun?
11, 12. (a) An welche liebevolle Regelung dachte Noomi, als sie Boas einen „Rückkäufer“ nannte? (b) Wie reagierte Ruth auf den Rat ihrer Schwiegermutter?
11 Als Ruth Boas das erste Mal erwähnte, sagte Noomi: „Der Mann ist mit uns verwandt. Er ist einer unserer Rückkäufer“ (Ruth 2:20). Damit bezog sie sich auf eine liebevolle gesetzliche Regelung für verarmte oder vaterlose Familien. Kinderlose Witwen traf es besonders hart, denn ohne Nachkommen würde die Familie aussterben und der Name des Mannes für immer in Vergessenheit geraten. Gottes Gesetz erlaubte dem Bruder des Verstorbenen, die Witwe zu heiraten. So könnte sie einen Erben zur Welt bringen, der den Namen des Verstorbenen tragen und den Besitz der Familie übernehmen würde (5. Mo. 25:5-7).b
12 Ruths Augen müssen immer größer geworden sein, als Noomi ihr nun einen Plan unterbreitete. Das Gesetz der Israeliten war für die junge Frau noch neu und viele Bräuche waren ihr noch recht fremd. Sie achtete Noomi aber so sehr, dass sie aufmerksam jedes Wort verfolgte. Vielleicht empfand Ruth den Rat ihrer Schwiegermutter als merkwürdig oder sogar peinlich. Doch sie willigte demütig ein und erklärte: „Alles, was du zu mir sagst, werde ich tun“ (Ruth 3:5).
13. Was können wir von Ruth lernen, wenn es heißt, Rat von Älteren anzunehmen? (Dazu auch Hiob 12:12.)
13 Jungen Leuten fällt es manchmal schwer, auf den Rat von jemandem zu hören, der älter ist und mehr Erfahrung hat. Sie kommen schnell mit dem Argument, die Älteren wüssten ja gar nicht, vor welchen Herausforderungen Jüngere stehen. Ruths demütiges Verhalten erinnert uns daran, dass es sich lohnt, auf die Weisheit Älterer zu hören, die uns lieben und denen unser Wohl am Herzen liegt. (Lies Psalm 71:17, 18.) Was hat Noomi ihrer Schwiegertochter denn geraten, und hat es sich für Ruth wirklich gelohnt, darauf zu hören?
Ruth auf der Tenne
14. Was war die Tenne, und was machte man dort?
14 Noch am gleichen Abend ging Ruth zur Tenne, einer festgestampften, ebenen Fläche zum Dreschen und Worfeln von Getreide, die mehrere Landwirte gemeinsam benutzten. Dieser Platz lag normalerweise an einem Hang oder auf einem Hügel, wo spätnachmittags und am frühen Abend ein kräftiger Wind wehte. Um das Getreide zu worfeln, das heißt von Stroh und Spelzen zu trennen, wurde es mit großen Gabeln oder Schaufeln in die Luft geworfen. Der Wind trug dann die Spreu weg, und die schwereren Körner fielen auf den Boden.
15, 16. (a) Schildere, was sich auf der Tenne zutrug, als Boas an diesem Abend seine Arbeit beendete. (b) Wie merkte Boas, dass Ruth zu seinen Füßen lag?
15 Ruth schaute den Arbeitern unauffällig zu, als sie ihr Tagewerk zu Ende brachten. Boas beaufsichtigte das Worfeln seines Korns, das sich zu einer beachtlichen Menge auftürmte. Dann stillte er seinen großen Hunger und legte sich neben dem Getreidehaufen schlafen. Das war damals wohl so üblich — vielleicht um die wertvolle Ernte vor Dieben und Plünderern zu schützen. Jetzt war die Stunde für Noomis Plan gekommen.
16 Als Boas tief und fest schlief, schlich Ruth mit klopfendem Herzen näher. Genau wie Noomi es ihr gesagt hatte, deckte sie seine Füße auf und legte sich daneben. Dann wartete sie ab. Es muss ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen sein, bis Boas gegen Mitternacht aufwachte. Vor Kälte zitternd beugte er sich vor, wahrscheinlich um seine Füße wieder zuzudecken. Dabei merkte er, dass da noch jemand war. In dem Bericht heißt es: „Siehe, eine Frau lag zu seinen Füßen!“ (Ruth 3:8).
17. Welche beiden einfachen Tatsachen lassen diejenigen unberücksichtigt, die Ruths Verhalten kritisieren?
17 „Wer bist du?“, fragte er. Ruth antwortete, vielleicht mit zittriger Stimme: „Ich bin Ruth, deine Sklavin, und du sollst deinen Rocksaum über deine Sklavin ausbreiten, denn du bist ein Rückkäufer“ (Ruth 3:9). Heute werden in Ruths Worte und ihr Verhalten manchmal erotische Untertöne hineingedeutet. Dabei bleiben jedoch zwei einfache Tatsachen unberücksichtigt: Auch wenn es für unsere Ohren heute fremd klingt, tat Ruth für damalige Verhältnisse nichts Unübliches. Es wäre somit verkehrt, ihr Verhalten durch die Brille einer Kultur zu sehen, in der die Moral tief gesunken ist. Außerdem sah Boas in Ruths Verhalten nichts Anstößiges; er fand es sogar sehr lobenswert.
Ruth hatte keine unmoralischen Absichten, als sie zu Boas ging, sondern handelte selbstlos
18. Wie beruhigte Boas Ruth, und auf welche beiden Fälle von liebender Güte bezog er sich?
18 Boas’ Stimme klang bestimmt sanft und beruhigend, als er zu Ruth sagte: „Gesegnet seist du von Jehova, meine Tochter. Du hast deine liebende Güte im letzten Fall noch besser zum Ausdruck gebracht als im ersten Fall, indem du nicht den jungen Männern, ob niedrig oder reich, nachgegangen bist“ (Ruth 3:10). Die Wendung „im ersten Fall“ bezog sich darauf, dass Ruth ihre Schwiegermutter aus loyaler Liebe nach Israel zurückbegleitet hatte und für sie sorgte. Mit den Worten „im letzten Fall“ spielte er auf die momentane Situation an. Boas war klar, dass sich eine junge Frau wie Ruth einen wesentlich jüngeren Mann hätte suchen können, ob arm oder reich. Doch sie wollte Noomi und deren verstorbenem Mann etwas Gutes tun; sein Name sollte in der Heimat erhalten bleiben. Man kann gut verstehen, warum Boas von ihrer Selbstlosigkeit so angetan war.
19, 20. (a) Warum heiratete Boas Ruth nicht sofort? (b) Wie bewies er Einfühlungsvermögen?
19 Boas fuhr fort: „Und nun, meine Tochter, fürchte dich nicht. Alles, was du sagst, werde ich für dich tun, denn jeder im Tor meines Volkes weiß, dass du eine tüchtige Frau bist“ (Ruth 3:11). Ihm gefiel der Gedanke, Ruth zu heiraten, und vielleicht war er gar nicht so überrascht, dass sie ihn bat, als Rückkäufer aufzutreten. Doch Boas war ein gerechter Mann und suchte jetzt nicht einfach seinen eigenen Vorteil. Er erklärte Ruth, dass es noch einen näheren Verwandten von Noomis verstorbenem Mann gab, der als Rückkäufer infrage kam. Diesen wollte er zuerst ansprechen und ihm die Gelegenheit geben, Ruth zu heiraten.
Ruth hatte einen guten Ruf, weil sie gütig war und andere respektierte
20 Boas bat Ruth, sich wieder hinzulegen und bis zum Morgengrauen zu ruhen. Dann könne sie sich unbemerkt davonschleichen. Er wollte nicht, dass man sie beide fälschlicherweise der Unmoral verdächtigte. Ruth legte sich wieder zu seinen Füßen — vermutlich erleichtert, dass er so freundlich reagiert hatte. Ehe es hell wurde, stand sie auf. Boas schüttete ihr eine großzügige Menge Gerste in ihren Mantel, und sie machte sich auf den Heimweg nach Bethlehem. (Lies Ruth 3:13-15.)
21. Was trug dazu bei, dass Ruth als „tüchtige Frau“ galt, und wie können wir uns an ihr ein Beispiel nehmen?
21 Was hatte Boas noch gesagt? Sie gelte überall als „tüchtige Frau“ . . . Darüber nachzudenken muss Ruth gutgetan haben. Diesen Ruf hatte sie sich zweifellos dadurch erworben, dass sie Jehova unbedingt kennenlernen und ihm dienen wollte. Außerdem verriet ihr Verhalten gegenüber Noomi und deren Volk Güte und Einfühlungsvermögen. Sie hatte sich bereitwillig Sitten und Bräuchen angepasst, die ihr fremd gewesen sein mussten. Wenn wir Ruths Glauben nachahmen möchten, werden wir anderen Menschen, ihrer Kultur und ihrer Lebensweise mit Hochachtung begegnen. So können auch wir uns einen guten Ruf aufbauen.
Ein Ruheort für Ruth
22, 23. (a) Welche Bedeutung könnte das Geschenk gehabt haben, das Ruth von Boas bekam? (Siehe Fußnote.) (b) Welchen guten Rat gab Noomi Ruth?
22 Als Ruth nach Hause kam, fragte Noomi: „Wer bist du, meine Tochter?“ Vielleicht erkannte sie Ruth in der Dunkelheit nicht richtig. Aber sie wollte auch wissen, ob Ruth immer noch dieselbe ungebundene Witwe war oder ob nun Heiratsaussichten bestanden. Ruth erzählte ihrer Schwiegermutter gleich, was alles zwischen ihr und Boas geschehen war. Auch überreichte sie Noomi die große Menge Gerste, die er ihr für sie mitgegeben hatte (Ruth 3:16, 17).c
23 Noomi gab Ruth den guten Rat, den Tag über zu Hause zu bleiben und abzuwarten, statt auf den Feldern Ähren zu sammeln. Sie versicherte ihr: „Der Mann wird keine Ruhe haben, bis er die Sache heute zu Ende gebracht hat“ (Ruth 3:18).
24, 25. (a) Woran sieht man, dass Boas ein selbstloser, ehrenhafter Mann war? (b) Wie wurde Ruth gesegnet?
24 Noomi schätzte Boas richtig ein. Er ging zum Stadttor, wo die Stadtältesten zusammenkamen, und passte den näheren Verwandten von Noomis verstorbenem Mann ab. Vor Zeugen gab er ihm die Gelegenheit, sein Recht als Rückkäufer wahrzunehmen und Ruth zu heiraten. Der Mann lehnte jedoch mit der Begründung ab, er würde dadurch sein eigenes Erbe schädigen. Boas erklärte daraufhin vor den Zeugen am Stadttor, er werde den Besitz von Noomis verstorbenem Mann Elimelech aufkaufen und Ruth, die Witwe von dessen Sohn Machlon, zur Frau nehmen. Wie er sagte, wollte er das tun, um „den Namen des Verstorbenen auf seinem Erbe erstehen zu lassen“ (Ruth 4:1-10). Boas war wirklich ein selbstloser, ehrenhafter Mann.
25 Nachdem Ruth ihn geheiratet hatte, „gewährte ihr Jehova Empfängnis, und sie gebar einen Sohn“. Die Frauen von Bethlehem freuten sich mit Noomi und sagten, dass Ruth besser für sie sei als sieben Söhne. Am Ende des Berichts erfahren wir, dass Ruths Sohn ein Vorfahr des berühmten Königs David wurde (Ruth 4:11-22). David wiederum war ein Vorfahr Jesu Christi (Mat. 1:1).d
Jehova segnete Ruth — sie durfte eine Vorfahrin des Messias sein
26. Wofür ist die Lebensgeschichte von Ruth und Noomi ein Beispiel?
26 Ruth wurde wirklich sehr gesegnet, ebenso Noomi, die Ruths Kind aufziehen half, als wäre es ihr eigenes. Die Lebensgeschichte dieser zwei Frauen ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass Jehova niemanden übersieht, der treu und fleißig für den Unterhalt der Familie sorgt und ihm zusammen mit seinem Volk loyal dient. Er versäumt es nie, treue Menschen wie Boas, Noomi und Ruth zu belohnen.
a Wie Noomi bemerkte, beschränkt sich Jehovas Güte nicht auf die Lebenden; sie erstreckt sich sogar auf die Toten. Noomi hatte ihren Mann und ihre zwei Söhne verloren und Ruth ihren Mann. Bestimmt hatten die drei Männer den beiden Frauen viel bedeutet. Alles, was Noomi und Ruth an Güte erwiesen wurde, war im Grunde genommen Güte den Männern gegenüber, die sich gewünscht hätten, dass für ihre lieben Frauen gut gesorgt wird.
b Das Recht, eine solche Witwe zu heiraten, sowie das entsprechende Erbrecht standen offensichtlich zunächst den Brüdern des Verstorbenen zu, dann den nächsten männlichen Verwandten (4. Mo. 27:5-11).
c Boas gab Ruth sechs Maß Gerste mit. Wie viel das war, weiß man nicht, aber vielleicht hat es etwas mit der Sabbatruhe zu tun, die auf sechs Arbeitstage folgte. Womöglich wollte Boas andeuten, dass nun für Ruth eine Zeit der „Ruhe“ kommen sollte — das Ende ihrer beschwerlichen Witwenschaft, die Geborgenheit eines eigenen Heims und ein Mann, der für sie sorgen würde. Andererseits könnten die sechs Maß (möglicherweise sechs Schaufeln) einfach so viel gewesen sein, wie Ruth tragen konnte.
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