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Wie kann ich mit meiner Trauer leben?Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist
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„ICH war der Meinung, meine Gefühle unterdrücken zu müssen“, erklärt Mike, wenn er vom Tod seines Vaters spricht. Seine Trauer zu unterdrücken war in seinen Augen ein Zeichen von Männlichkeit. Später erkannte er jedoch, daß er im Irrtum war. Als daher sein Freund den Großvater verlor, wußte Mike, was er zu tun hatte. Er sagt: „Vor einigen Jahren hätte ich ihm auf die Schulter geklopft und ihn aufgefordert: ‚Sei ein Mann!‘ Aber nun faßte ich ihn am Arm und sagte: ‚Gib dich, wie dir zumute ist. Das wird dir helfen, damit fertig zu werden. Wenn du möchtest, daß ich gehe, dann gehe ich. Wenn du möchtest, daß ich bleibe, dann bleibe ich. Aber hab keine Hemmungen, deine Gefühle zu zeigen.‘ “
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Wie kann ich mit meiner Trauer leben?Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist
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Mikes und MaryAnnes Rat lautet daher: Durchlebe die Trauer! Und sie haben recht. Warum? Weil Trauern nötig ist, um von den Gefühlen frei zu werden. Es kann den Druck erleichtern, wenn man seinen Gefühlen Luft macht. Wenn die natürlichen Gefühlsäußerungen mit dem Wissen um die Trauer verbunden sind, helfen sie dem Betreffenden, seine Gefühle in der richtigen Perspektive zu sehen.
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Wie kann ich mit meiner Trauer leben?Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist
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Eine junge Frau erklärt, wie ihr eine vertraute Freundin geholfen hat, mit dem Tod ihrer Mutter fertig zu werden. Sie erinnert sich: „Meine Freundin war immer für mich da. Sie weinte mit mir. Sie sprach mit mir. Ich konnte meine Gefühle ganz offen zeigen, und das war für mich wichtig. Ich brauchte mich nicht zu genieren, wenn mir die Tränen kamen.“ (Siehe Römer 12:15.) Auch du brauchst dich nicht zu schämen, wenn du weinen mußt. Wie wir gesehen haben, enthält die Bibel viele Beispiele von gottesfürchtigen Männern und Frauen — zu denen auch Jesus Christus gehörte —, die ganz offen Tränen vergossen und sich deswegen nicht schämten (1. Mose 50:3; 2. Samuel 1:11, 12; Johannes 11:33, 35).
In jeder Kultur schätzen es Trauernde, getröstet zu werden
Vielleicht stellst du fest, daß deine Gefühle eine Zeitlang etwas unberechenbar sind. Die Tränen mögen dir ohne Vorwarnung kommen. Eine Witwe brach oft in Tränen aus, wenn sie in einem Supermarkt einkaufte (in den sie häufig mit ihrem Mann gegangen war) und aus lauter Gewohnheit nach etwas griff, was er besonders bevorzugt hatte. Sei geduldig mit dir selbst. Denke nicht, du müßtest die Tränen zurückhalten. Vergiß nicht, daß sie ein natürlicher und notwendiger Bestandteil des Trauerns sind.
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Wie kann ich mit meiner Trauer leben?Wenn ein geliebter Mensch gestorben ist
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„Aber es gibt so vieles, was ich gern gesagt oder getan hätte“, klagst du vielleicht. Doch wer kann schon von sich sagen, daß er als Vater, Mutter oder Kind vollkommen ist? Die Bibel gibt zu bedenken: „Wir alle straucheln oft. Wer nicht im Wort strauchelt, der ist ein vollkommener Mann“ (Jakobus 3:2; Römer 5:12). Akzeptiere daher die Tatsache, daß du nicht vollkommen bist. Dadurch, daß du ständig dem Gedanken nachhängst: „Hätte ich doch nur . . .“, ändert sich nichts, aber es dauert wahrscheinlich länger, bis du dich wieder erholt hast.
Wenn du der Meinung bist, daß die Schuld echt und nicht bloß eingebildet ist, dann denke an das, was am wichtigsten ist, wenn es darum geht, mit einem Schuldgefühl fertig zu werden — Gottes Vergebung. Die Bibel versichert uns: „Wären Vergehungen das, worauf du achtest, o Jah, o Jehova, wer könnte bestehen? Denn bei dir ist die wahre Vergebung“ (Psalm 130:3, 4). Du kannst das Rad der Zeit nicht zurückdrehen und noch einmal von vorn anfangen. Aber du kannst Gott darum bitten, dir Fehler, die du früher begangen hast, zu vergeben. Wenn Gott verspricht, Fehler auszulöschen, solltest du dann dir selbst nicht auch vergeben? (Sprüche 28:13; 1. Johannes 1:9).
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