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Probleme in der Familie durch biblischen Rat gelöstDer Wachtturm 1986 | 1. November
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4. (a) In welcher Hinsicht leiden Kinder, wenn sich ihre Eltern scheiden lassen? (b) Welche Hilfe kann ein Elternteil einem Kind bieten?
4 Für manches Kind scheint die Welt zusammenzubrechen, auch wenn durch die Scheidung eine schlechte Behandlung aufhören mag. In einer solchen Situation kommt es deshalb darauf an, daß der gläubige Elternteil außergewöhnliche Liebe und überaus großes Verständnis bekundet. „Immer stand ich zwischendrin. Ich hatte das Gefühl, geteilt zu sein“, erklärte ein Jugendlicher, dessen christlicher Vater eine biblisch begründete Scheidung erwirkte, als der Sohn 5 Jahre alt war. „Ich verbarg meine wahren Empfindungen. Das führte zu Depressionen.“ Ein Elternteil, der seinem Kind helfen möchte, mit solch heftigen Gemütsbewegungen fertig zu werden, benötigt „Mitgefühl“ und „zartes Erbarmen“ (1. Petrus 3:8). Möglicherweise äußert sich das Kind nicht, weil es denkt, es sei an der Scheidung mitschuldig. Daher muß man ihm geduldig erklären, daß man es liebt und daß die Scheidung nicht ihm zuzuschreiben ist.
5. Warum sollte ein Christ bemüht sein, Feindseligkeiten mit dem früheren Ehepartner zu beenden?
5 Zwischen Eltern kann es zu heftiger Verbitterung kommen, besonders wenn es um religiöse Streitpunkte geht. Der gläubige Elternteil sollte jedoch das Wohl des Kindes im Auge haben und „nicht Schädigendes mit Schädigendem noch Beschimpfung mit Beschimpfung“ vergelten (1. Petrus 3:9). Linda Francke schreibt in ihrem Buch Growing Up Divorced (Wenn die Eltern geschieden sind): „Eltern, die einander feindselig begegnen, tragen dazu bei, daß die Probleme für die Kinder noch weit schwieriger werden und sich sogar äußerst nachteilig auswirken. Da sich das Kind keinem Elternteil gegenüber entfremden will, verzichtet es womöglich auf positive Beziehungen zu beiden.“ Ja, „bittere Eifersucht und Streitsucht“ sind nicht nur verkehrt, sondern können auch zur Entfremdung des Kindes beitragen (Jakobus 3:14, 16). Gedankenloses Beschimpfen des ungläubigen Elternteils kann ein Kind tief verletzen (Sprüche 12:18). Ist andererseits der ungläubige frühere Ehepartner ständig darauf aus zu streiten, so gilt der Grundsatz: „Haltet, soweit es von euch [den Gläubigen] abhängt, mit allen Menschen Frieden“ (Römer 12:18-21).
Schütze das Herz deines Kindes
6. Welches Problem kann bei einigen nach der Regelung des Sorgerechts entstehen?
6 Selbst wenn über das Sorgerecht entschieden worden ist, mag man dennoch mit gewissen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. „Eines der größten Probleme besteht“, wie es in einem Bericht des Zweigbüros der Watch Tower Society in Australien heißt, „darin, daß der Elternteil, dem das Sorgerecht für das Kind zugesprochen worden ist, zur Nachlässigkeit neigt ... Selbst diejenigen, die in der Wahrheit sind, können den eigentlichen Grund, weshalb sie das Sorgerecht für die Kinder gewünscht haben, aus dem Auge verlieren. Der Hauptgrund sollte darin bestehen, die Kinder zu wahren Anbetern Jehovas zu erziehen.“ Das setzt jedoch ständiges Bemühen voraus (Epheser 6:4).
7. (a) Warum sollte man einem Kind beibringen, den ungläubigen Elternteil zu respektieren? (b) Was kann man mit dem Kind besprechen, wenn sich der Ungläubige unchristlich verhält?
7 Häufig spricht natürlich das Gericht dem Elternteil, der nicht das Sorgerecht hat, das sogenannte Verkehrsrecht oder Besuchsrecht zu, d. h. das Recht auf persönlichen Umgang mit dem Kind. Kann man dieses Recht respektieren und gleichzeitig das Herz des Kindes schützen? Ja, und das Kind sollte dem ungläubigen Elternteil gegenüber gebührenden Respekt zeigen. Statt durch die Verurteilung des Ungläubigen Haß zu schüren, falls er sich während des Zusammenseins mit dem Kind unchristlich verhält, kann der Gläubige dem Kind erklären, daß Gott in der Bibel Verhaltensmaßstäbe aufgestellt hat und daß „jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft ablegen“ wird, da er der höchste Richter ist (Römer 14:12). Weise aber deutlich darauf hin, daß man ein solches Verhalten nicht nachahmen darf. Zeige taktvoll, daß sich einige Personen, die nicht nach Gottes Maßstäben leben, schließlich ändern mögen, wenn ihnen das Kind und der frühere Ehepartner durch ein christliches Leben ein gutes Beispiel geben. Auf diese Weise kann das Kind wahrscheinlich dem ungläubigen Elternteil eine gewisse Achtung entgegenbringen. Die unterschiedlichen religiösen Standpunkte eines geschiedenen Paares sollten kein Hinderungsgrund sein, das Kind positiv zu beeinflussen. Der christliche Elternteil wird seine „Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden“ lassen (Philipper 4:5). Was aber, wenn der Ungläubige eine gottgemäße Erziehung zu untergraben sucht?
8. Wie bereiteten zwei Mütter ihre Kinder auf die Besuche bei ihrem gegnerisch eingestellten früheren Ehemann vor?
8 Das kann durch eine Vorbereitung auf den Besuch verhindert werden. Eine christliche Mutter, deren ehemaliger Mann abtrünnig wurde, berichtete: „Bevor meine Kinder einen Besuch machten, sprach ich jeweils eingehend mit ihnen darüber, wie Jehova ihr Verhalten beurteilen würde. Wir stellten uns gewisse Situationen vor. Ich sagte: ‚Wenn euer Vater das oder das sagt, was werdet ihr dann antworten?‘“ Eine andere Christin, die geschieden wurde, weil sie eine Zeugin Jehovas wurde, sagte: „Bevor ... [meine beiden Teenager] ihren Wochenendbesuch bei ihrem Vater machen, bitten wir Jehova im Gebet darum, mit ihnen zu sein und ihnen zu helfen, ihrem Vater Zeugnis zu geben, besonders durch ein vorzügliches Benehmen.“
9. Wie können Christen Moses’ Mutter nachahmen?
9 Wenn der ungläubige Elternteil das Besuchsrecht hat, umwirbt er das Kind möglicherweise, indem er großzügige Geschenke macht oder ihm kostspielige Vergnügungen und andere Freizeitfreuden bietet. Jochebed, Moses’ Mutter (und auch Amram, wenn er noch lebte), wußte, was auf ihn zukommen würde, wenn er der Tochter Pharaos übergeben würde. Zweifellos war sie darauf bedacht, seinen Sinn für Werte zu prägen, solange er bei ihr war (2. Mose 2:1-10). Denn trotz der verlockenden „Schätze Ägyptens“ entschied sich Moses später für ein Leben nach göttlichen Grundsätzen. Er „achtete“ seine geistigen Vorrechte als wirklichen Reichtum (Hebräer 11:23-26). Auch Christen sollten ihre Kinder auf derartige Versuchungen vorbereiten, indem sie biblischen Stoff mit ihnen besprechen, durch den geistige Schätze in den Blickpunkt gerückt werden.b Häufig durchschauen Kinder die Sache und erkennen die niedrigen Beweggründe des Elternteils, der ihre Zuneigung kaufen möchte (Sprüche 15:16, 17).
10. Welche Faktoren sollte ein Vater oder eine Mutter in außergewöhnlichen Situationen berücksichtigen?
10 In Extremfällen können die Besuche eine ernste Gefahr für das Kind darstellen. Der gläubige Elternteil würde unter diesen Umständen zu entscheiden haben, was zu tun ist, indem er unter Gebet erwägt, wie groß die Gefahr ist, welche gesetzlichen Schritte möglich sind und womit er möglicherweise zu rechnen hat, wenn er das Recht auf persönlichen Umgang nicht anerkennt.c Vermeide übereilte Handlungen, durch die deine Eignung als Vater oder Mutter in Frage gestellt werden könnte (Galater 6:5; Römer 13:1; Apostelgeschichte 5:29; 1. Petrus 2:19, 20).
Laß dich von „praktischer Weisheit“ leiten
11. Welcher Tatsache sollte sich ein christlicher Elternteil bewußt sein, wenn ihm nicht das Sorgerecht zugesprochen wird?
11 Was aber, wenn der christliche Elternteil derjenige ist, der nur das Besuchsrecht hat? Befindet sich das Kind nicht mehr im Haus des christlichen Elternteils, so kann dieser in geistiger Hinsicht nur in beschränktem Maße Einfluß auf das Kind nehmen (1. Korinther 7:14). Zum Beispiel hätte der treue Patriarch Abraham wahrscheinlich darauf bestanden, daß sein Sohn Ismael genauso wie Isaak eine Anbeterin Jehovas geheiratet hätte. Da aber Ismael bereits als Teenager mit seiner Mutter, Hagar, aus dem Haus entlassen wurde, konnte Abraham Hagar nicht daran hindern, für Ismael eine Ägypterin als Frau auszusuchen, die offensichtlich Jehova nicht anbetete (1. Mose 21:14, 21; 24:1-4).
12. (a) Worum kann sich ein Elternteil bemühen, wenn er nicht das Sorgerecht hat? (b) Veranschauliche, wie der christliche Elternteil ‘Weisheit im Hinblick auf Erfolg anwenden’ kann.
12 Selbst wenn der christliche Elternteil nicht das Sorgerecht hat und sich ihm nur begrenzte Möglichkeiten bieten, kann er vieles tun, um dem Kind eine tiefe Liebe zu Jehova einzuflößen. Zu diesem Zweck muß er ‘praktische Weisheit und Denkvermögen bewahren’ (Sprüche 3:21). Ja, große Anstrengungen allein genügen nicht. „Wenn ein eisernes Werkzeug stumpf geworden ist und jemand seine Schneide nicht gewetzt hat, dann wird er seine eigenen leistungsfähigen Kräfte anstrengen [und geringe Ergebnisse erzielen]. So ist die Anwendung von Weisheit im Hinblick auf Erfolg von Vorteil“ (Prediger 10:10). Zum Beispiel mag der Ungläubige zuweilen durch irgendwelche Ausflüchte den Kontakt zum Kind zu verhindern suchen. Statt sogleich eine Streitfrage daraus zu machen, erzielt der Gläubige wahrscheinlich bessere Ergebnisse, wenn er sich von Sprüche 25:15 leiten läßt: „Durch Geduld wird ein Befehlshaber beredet, und eine milde Zunge, sie kann einen Knochen zerbrechen.“ Geduld und Milde zu bekunden, wenn einem Rechte ungerechterweise streitig gemacht werden, ist zwar nicht leicht, doch man kann damit selbst jemand erweichen, der in seinem Widerstand sozusagen knochenhart ist. (Vergleiche 2. Timotheus 2:23-25.) Oft läßt sich Streit vermeiden, indem man pünktlich ist und die Anregungen, die der sorgeberechtigte Elternteil im Interesse des Kindes gibt, befolgt, sofern sie nicht der Bibel widersprechen. Befürchtest du, daß der Ungläubige in Gegenwart des Kindes abfällig über dich redet, so denke an 1. Petrus 2:15, wo es heißt: „[Bringt] durch Gutestun das Gerede der Unwissenheit der unvernünftigen Menschen zum Schweigen.“ Wenn du ein gutes Beispiel gibst, wird das Kind erkennen, wer im Recht ist (Sprüche 20:7).
13. Wie kann der gläubige Elternteil seinen persönlichen Umgang mit dem Kind wirklich nützlich gestalten?
13 Bemühe dich während deines Umgangs mit dem Kind, das Wort Gottes in sein Herz zu pflanzen, indem du so oft wie möglich biblischen Stoff mit ihm studierst und es zu den Versammlungszusammenkünften mitnimmst. Selbst wenn strenge gesetzliche Einschränkungen bestehen, kann der gläubige Elternteil auf informelle Weise über Gottes Schöpfungswerke sprechen oder dem Kind anderswie helfen, Liebe zu Gott zu entwickeln (Römer 1:19, 20; Matthäus 6:28-30). Jesus kannte die Grenzen seiner Zuhörer. Er „redete ... das Wort zu ihnen, so wie sie es zu hören vermochten“ (Markus 4:33, 34). Beschränke dich daher nicht auf die Erörterung ernster biblischer Themen, sondern beschäftige dich mit deinem Kind auch sonst noch auf erbauliche Weise, indem du zum Beispiel mit ihm gute Freunde besuchst, auch solche in seinem Alter (Sprüche 13:20). Erfreut euch gemeinsam wohltuender Entspannung. Laß den Umgang mit deinem Kind zu einem kostbaren Erlebnis werden. Aber vergiß nicht: Angemessene Zucht ist gleichfalls ein Zeichen von Liebe (Sprüche 13:24).
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Probleme in der Familie durch biblischen Rat gelöstDer Wachtturm 1986 | 1. November
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17. Welche Hilfe können Personen, deren Ehe in die Brüche gegangen ist, ihren Kindern bieten, und womit werden sie möglicherweise belohnt werden?
17 Nimm also auf die Empfindungen deines Kindes Rücksicht, wenn deine Ehe in die Brüche gegangen ist. Stärke sein Herz durch Gottes Wort. Hast du nur das Besuchsrecht, dann bekunde „praktische Weisheit“, indem du dieses Recht voll ausschöpfst. Vertraue auf die Macht des Wortes Gottes, das in ein empfängliches Herz gepflanzt worden ist (1. Thessalonicher 2:13). Erleben zu dürfen, daß dein Kind Jehova liebt, ist alle Mühe wert.
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