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Sind Tagträume verkehrt?Erwachet! 1993 | 8. Juli
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Deine Phantasie sinnvoll gebrauchen
Es überrascht daher nicht, daß nirgends in der Bibel der sinnvolle Gebrauch der Phantasie verurteilt wird. Im Gegenteil, die Fähigkeit, sich etwas vorzustellen, beweist, daß wir — mit den Worten des Psalmisten gesprochen — „wunderbar gemacht“ sind (Psalm 139:14). Diese Fähigkeit kann eine wertvolle Hilfe sein, wenn wir sie auf produktive Weise einsetzen. Christen wird gesagt, ihren „Blick nicht auf die Dinge gerichtet [zu] halten, die man sieht, sondern auf die Dinge, die man nicht sieht“ (2. Korinther 4:18). Man könnte zum Beispiel versuchen, sich Gottes gerechte neue Welt auszumalen. Die Beschreibungen der Bibel über das zukünftige erdenweite Paradies regen unsere Phantasie an (Jesaja 35:5-7; 65:21-25; Offenbarung 21:3, 4).
Deine Phantasie kann dir auch nützlich sein, wenn du eine schwierige Aufgabe vor dir hast. Jungen Zeugen Jehovas wird oft eine Ansprache in der Theokratischen Predigtdienstschule aufgetragen. Versuche, diese nicht nur laut zu üben, sondern sie auch im Geist darzubieten. Überlege, wie die Zuhörer wohl auf den Stoff und auf die Art, wie du ihn darlegst, reagieren werden. So kannst du nötige Änderungen vornehmen und gewinnst an Sicherheit.
Ferner könntest du dir auch vorstellen, wie du in einer heiklen Situation vorgehst. Vielleicht hat ein Mitchrist etwas gegen dich, und du würdest gern mit ihm darüber reden (Matthäus 5:23, 24). Statt den Betreffenden völlig unvorbereitet anzusprechen, kannst du dir das Gespräch im Geist vorstellen und verschiedene Methoden durchspielen, wie man die Sache angehen könnte. Das wäre mit dem biblischen Grundsatz im Einklang: „Das Herz des Gerechten sinnt nach, um zu antworten“ (Sprüche 15:28).
Hat dich jemand beleidigt oder verärgert? Beachte den Rat aus Psalm 4:4: „Seid erregt, doch sündigt nicht. Sprecht euch aus in eurem Herzen auf eurem Bett, und bleibt still.“ Das bedeutet, sich weder die verletzende Szene immer wieder in den Sinn zurückzurufen noch sich in den buntesten Farben auszumalen, wie man es dem anderen heimzahlen könnte. Schließlich sagte Jesus warnend, daß „jeder, der seinem Bruder fortgesetzt zürnt“, oder „wer immer ... ein unaussprechliches Wort der Verachtung an seinen Bruder richtet“, „dem Gerichtshof Rechenschaft wird geben müssen“ (Matthäus 5:22). Wenn du im Geist die verschiedenen Möglichkeiten — unter anderem, dem Betreffenden einfach zu vergeben — durchspielst, hilft dir das, die Sache auf ruhige und vernünftige Weise zu bereinigen.
Auch bei der Lösung von Problemen mögen Tagträume eine berechtigte Rolle spielen. Dr. Klinger sagt: „Durch Tagträume ergeben sich kreative Lösungen für Probleme. Manchmal liefert die Phantasie Tagträumern eine Lösung, auf die sie nicht gekommen wären, wenn sie bewußt über das Problem nachgedacht hätten.“
Es ist sogar bewiesen worden, daß Tagträume einem helfen, körperliche Aufgaben zu bewältigen. Ein Skilehrer zum Beispiel fordert seine Schüler auf, sich einen Abfahrtslauf vorzustellen und zu überlegen, wie sie jede Kurve und Senke nehmen würden. Forscher sind der Ansicht, daß auf diese Weise tatsächlich der Teil des Gehirns aktiviert und vorbereitet wird, der die Muskeln kontrolliert. Natürlich gibt es keinen Ersatz für richtiges Üben; deine Phantasie kann dir jedoch helfen, beispielsweise ein Musikinstrument perfekter zu spielen oder besser Schreibmaschine zu schreiben. „Kurz gesagt sind Tagträume keine Zeitverschwendung, sondern eine nötige Entspannung, die uns hilft, besser zurechtzukommen“, sagt Dr. James Comer.
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Sind Tagträume verkehrt?Erwachet! 1993 | 8. Juli
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[Bilder auf Seite 24]
Sich im Geist eine Darbietung vorzustellen kann zu ihrer Verbesserung beitragen
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