-
Ist unsere Zukunft vorherbestimmt?Der Wachtturm 1998 | 15. April
-
-
Ist unsere Zukunft vorherbestimmt?
MENSCHEN jeden Glaubens — seien es Christen, Muslime, Juden, Hindus oder Angehörige einer anderen Religion — werden von Unglück heimgesucht und leiden Kummer.
Am 6. Dezember 1997 beispielsweise ereignete sich in Irkutsk (Sibirien) ein schreckliches Unglück. Kurz nach dem Start fielen bei einem großen Transportflugzeug vom Typ An-124 zwei Triebwerke aus. Die vollgetankte Maschine stürzte in ein Wohngebiet. In dem Flammenmeer, das einige Wohnblocks erfaßte, kamen zahlreiche hilflose Bewohner, darunter unschuldige Kinder, ums Leben, und viele wurden verletzt.
In dem Gebiet in Sibirien, wo sich das Unglück ereignete, leben Menschen mit wahrscheinlich unterschiedlichen Glaubensansichten. Manche bekennen sich vielleicht zum Christentum, meinen aber womöglich dennoch, dieses tragische Geschehen sei dem Schicksal zuzuschreiben. Es kann sein, daß sie und andere denken: „Es war der Wille Gottes, und wären die Opfer nicht auf diese Weise gestorben, dann eben auf andere Weise. Es war ihr Schicksal.“
In dieser Denkweise — ob ausgesprochen oder nicht — spiegelt sich eine Vorstellung, die in etlichen Religionen weltweit zu finden ist: der Schicksalsglaube. Viele Menschen glauben, was uns von der Geburt bis zu unserem Todestag widerfahre, sei irgendwie im voraus schriftlich niedergelegt.
Da der Glaube an das Schicksal in den verschiedensten Formen existiert, ist es schwierig, eine alles umfassende Definition dafür zu finden. Der grundlegende Gedanke hinter dem Schicksalsglauben ist die Vorstellung, alles, was geschieht — jede Tat, jedes Ereignis, ob gut oder böse —, sei unvermeidbar, müsse unweigerlich geschehen, weil es von einer höheren Macht vorherbestimmt worden sei, auf die der Mensch keinen Einfluß habe. Diese Vorstellung findet sich in der Astrologie oder im Glauben an das Karma im Hinduismus und Buddhismus ebenso wie in der Lehre von der Prädestination in der Christenheit. Einst glaubten die Menschen im alten Babylonien, die Götter kontrollierten das Schicksal und die Zukunft an Hand eines Schriftstücks. Angeblich konnte jeder Gott, sofern er über die „Tafeln der Schicksalsbestimmungen“ verfügte, das Geschick von Menschen und Königreichen — ja sogar der Götter selbst — bestimmen.
Viele gläubige Menschen sind der Überzeugung, Gott bestimme vor der Geburt der Menschen durch göttlichen Erlaß alles, was ihnen widerfahren werde, unter anderem wie lange sie leben, ob sie Mann oder Frau, reich oder arm, glücklich oder unglücklich sein werden. All das sei entweder im Sinn Gottes oder schriftlich in einem Buch festgehalten, bevor es eintrete. Es ist daher nicht ungewöhnlich, daß ein Gläubiger bei einem Unglück ausruft: „Mektoub!“, was „Es ist geschrieben!“ bedeutet. Da Gott alles im voraus wisse, so wird argumentiert, müsse er auch bestimmen, wer ihm gehorchen werde und wer nicht. Viele glauben daher, Gott habe schon vor jemandes Geburt festgelegt, ob er für die ewige Seligkeit im Paradies bestimmt sei oder für die ewige Verdammnis.
Dem einen oder anderen fällt dabei vielleicht die frappierende Ähnlichkeit mit der Lehre von der Prädestination auf, die in manchen Kirchen der Christenheit gelehrt wird. Eifrigster protestantischer Verfechter der Prädestination war der französische Reformator Johannes Calvin im 16. Jahrhundert. Er definierte die Prädestination als „Gottes ewige Anordnung, vermöge deren er bei sich beschloß, was nach seinem Willen aus jedem einzelnen Menschen werden sollte! Denn die Menschen werden nicht alle mit der gleichen Bestimmung erschaffen, sondern den einen wird das ewige Leben, den anderen die ewige Verdammnis vorher zugeordnet.“ Calvin behauptete auch: „Gott hat den Fall des ersten Menschen und in ihm das Verderben seiner Nachfahren nicht bloß v o r h e r g e s e h e n, sondern auch nach seinem Gutdünken a n g e o r d n e t.“
Allerdings glaubt nicht jeder, der einer Religion angehört, die die Prädestination oder den Fatalismus lehrt, auch selbst daran. Zu Recht weisen einige darauf hin, daß in den religiösen Schriften von der Willensfreiheit des Menschen die Rede ist. Die Frage, ob das menschliche Handeln der freien Entscheidung der Menschen entspringt oder von Gott vorherbestimmt wird, war sogar Gegenstand großer Kontroversen. Einige haben zum Beispiel argumentiert, der Mensch müsse die Freiheit haben, zu entscheiden und zu handeln, da Gott gerecht sei und den Menschen für seine Taten verantwortlich mache und zur Rechenschaft ziehe. Andere haben die Meinung vertreten, Gott erschaffe die Taten des Menschen, aber der Mensch „erwerbe“ sie irgendwie und sei dann dafür verantwortlich. Im allgemeinen jedoch glauben viele, jedes Ereignis im Leben, ob klein oder groß, sei von Gott verordnet worden.
Was glaubst du? Hat Gott deine Zukunft bereits vorherbestimmt? Haben Menschen wirklich Willensfreiheit, das heißt die Möglichkeit, ihre Zukunft betreffend eine echte Wahl zu treffen? Inwieweit ist unser Geschick von unserem eigenen Handeln abhängig? Darauf wird im folgenden Artikel eingegangen.
-
-
Was wird uns die Zukunft bringen?Der Wachtturm 1998 | 15. April
-
-
Was wird uns die Zukunft bringen?
WENN Gott, der Allmächtige, allwissend ist, also alles Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige kennt, ist dann nicht alles dazu bestimmt, genau so zu geschehen, wie Gott es vorausgesehen hat? Wenn Gott den Lebensweg und das endgültige Geschick eines jeden vorhergesehen und angeordnet hat, kann man dann wirklich sagen, es stehe jedem frei, seinen Lebensweg zu wählen und über seine Zukunft zu entscheiden?
Über diese Fragen ist jahrhundertelang gestritten worden. Nach wie vor entzweit die Kontroverse die großen Religionen. Läßt sich die Fähigkeit Gottes, die Zukunft vorherzuwissen, mit der Willensfreiheit des Menschen vereinbaren? Woher können wir Antworten auf diese Fragen erhalten?
Millionen Menschen weltweit sind sich darin einig, daß sich Gott der Menschheit durch sein geschriebenes Wort mitgeteilt hat, übermittelt durch seine Wortführer, die Propheten. Im Qurʼān wird beispielsweise auf von Gott stammende Offenbarungen hingewiesen: Tawrāt (die Thora, das Gesetz, das heißt die fünf Bücher Mose), Zabūr (die Psalmen) und Indjīl (das Evangelium, die Christlichen Griechischen Schriften oder das „Neue Testament“) sowie das, was den Propheten Israels offenbart wurde.
In den Christlichen Griechischen Schriften lesen wir: „Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge“ (2. Timotheus 3:16). Es liegt auf der Hand, daß jede Anleitung oder Erleuchtung, die wir erhalten, letztendlich von Gott selbst stammen sollte. Wäre es dann nicht klug, die Schriften der Propheten Gottes aus früherer Zeit zu untersuchen? Was wird darin über unsere Zukunft offenbart?
Im voraus niedergeschriebene Geschichte
Wer die Heilige Schrift gelesen hat, weiß, daß sie buchstäblich Hunderte von Prophezeiungen enthält. Historische Ereignisse wie der Fall des alten Babylon, der Wiederaufbau Jerusalems (sechstes bis fünftes Jahrhundert v. u. Z.) sowie der Aufstieg und Fall der Könige von Medo-Persien und Griechenland im Altertum wurden bis in die Einzelheiten vorhergesagt (Jesaja 13:17-19; 44:24 bis 45:1; Daniel 8:1-7, 20-22). Die Erfüllung solcher Prophezeiungen gehört zu den schlagkräftigsten Beweisen dafür, daß die Heilige Schrift wirklich Gottes Wort ist, denn allein Gott hat die Macht, vorauszusehen und zu bestimmen, was in Zukunft geschehen wird. In diesem Sinn enthält die Heilige Schrift wirklich im voraus niedergeschriebene Geschichte.
Gott selbst erklärt: „Gedenkt der ersten Dinge von langer Zeit her, daß ich der Göttliche bin, und da ist kein anderer Gott noch irgendeiner wie ich; der von Anfang an den Ausgang kundtut und von alters her die Dinge, die nicht getan worden sind; der spricht: ‚Mein eigener Beschluß wird bestehen, und alles, was mir gefällt, werde ich tun‘ ... Ich habe es ja geredet; ich werde es auch herbeiführen. Ich habe es gebildet, ich werde es auch tun“ (Jesaja 46:9-11; 55:10, 11). Der Name, durch den sich Gott seinen Propheten im Altertum kenntlich machte, lautet Jehova, was wörtlich bedeutet: „Er veranlaßt zu werden“ (1. Mose 12:7, 8; 2. Mose 3:13-15; Psalm 83:18).a Gott offenbart sich als der Eine, der seine Verheißungen erfüllt, der seine Vorsätze immer verwirklicht.
Demnach setzt Gott seine Fähigkeit, Dinge vorherzuwissen, zur Verwirklichung seiner Vorsätze ein. Er hat diese Fähigkeit häufig dazu gebraucht, die Bösen vor einem bevorstehenden Gericht zu warnen sowie seinen Dienern die Hoffnung auf Rettung zu vermitteln. Macht Gott jedoch uneingeschränkt von dieser Fähigkeit Gebrauch? Ist in der Heiligen Schrift irgendein Anzeichen dafür zu finden, daß Gott beschließt, bestimmte Dinge nicht im voraus zu wissen?
Hat Gott alles vorhergewußt?
Alle Argumente für die Prädestination stützen sich auf die Annahme, Gott müsse, da er unbestreitbar die Fähigkeit besitze, künftige Ereignisse vorherzuwissen und vorherzubestimmen, folglich alles wissen, auch die künftigen Handlungen jedes einzelnen. Ist diese Annahme aber vernünftig? Was Gott in seiner Heiligen Schrift offenbart, legt einen anderen Schluß nahe.
Zum Beispiel sagt die Schrift, daß „Gott Abraham auf die Probe stellte“, indem er ihm gebot, seinen Sohn Isaak als Brandopfer zu opfern. Als Abraham im Begriff stand, Isaak zu opfern, hielt Gott ihn zurück und sagte: „Jetzt weiß ich wirklich, daß du gottesfürchtig bist, indem du mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten hast“ (1. Mose 22:1-12). Hätte Gott das gesagt, wenn er im voraus gewußt hätte, daß Abraham diesem Gebot gehorchen würde? Wäre die Probe ehrlich gewesen?
Überdies berichten die Propheten der alten Zeit davon, daß Gott wiederholt von sich sagte, er habe ‘Bedauern empfunden’ über etwas, was er getan oder zu tun beabsichtigt hatte. Zum Beispiel sagte Gott, er „bedauerte [von dem hebräischen Wort nachám], daß er Saul zum König über Israel gemacht hatte“ (1. Samuel 15:11, 35; vergleiche Jeremia 18:7-10; Jona 3:10). Weil Gott vollkommen ist, können diese Verse nicht bedeuten, daß Gott einen Fehler gemacht hatte, als er Saul auswählte, der erste König Israels zu werden. Vielmehr muß daraus geschlossen werden, daß Gott bedauerte, daß sich Saul am Ende als treulos und ungehorsam erwies. Hätte Gott die Handlungsweise Sauls vorhergewußt, wäre es unsinnig von ihm gewesen, in bezug auf sich selbst eine solche Aussage zu machen.
Der gleiche Ausdruck kommt in den ältesten Schriften vor, wo im Bericht über die Tage Noahs gesagt wird: „Jehova bedauerte, daß er Menschen auf der Erde gemacht hatte, und es schmerzte ihn in seinem Herzen. Da sprach Jehova: ‚Ich werde die Menschen, die ich erschaffen habe, von der Oberfläche des Erdbodens wegwischen, ... denn ich bedauere wirklich, daß ich sie gemacht habe‘ “ (1. Mose 6:6, 7). Auch hier wird der Schluß nahegelegt, daß die Handlungen der Menschen nicht von Gott vorherbestimmt sind. Gott empfand Bedauern, Kummer, ja Schmerz — nicht weil sein eigenes Handeln fehlerhaft war, sondern wegen der überhandnehmenden Bosheit der Menschen. Der Schöpfer bedauerte, daß es notwendig geworden war, mit Ausnahme von Noah und seiner Familie die ganze Menschheit zu vernichten. Gott versichert: „Ich habe kein Gefallen am Tod des Bösen“ (Hesekiel 33:11; vergleiche 5. Mose 32:4, 5).
Kann in Anbetracht dessen gesagt werden, Gott habe den Sündenfall Adams und die verhängnisvollen Folgen, die das für die ganze Menschheitsfamilie haben würde, vorhergewußt und sogar vorherbestimmt? Was wir betrachtet haben, zeigt, daß dies nicht stimmen kann. Mehr noch, hätte Gott all das tatsächlich vorhergewußt, wäre er der Urheber der Sünde geworden, als er den Menschen erschuf, und damit vorsätzlich für alle Bosheit der Menschen und alles Leid verantwortlich geworden. Das läßt sich eindeutig nicht mit dem vereinbaren, was Gott über sich in der Heiligen Schrift offenbart. Er ist ein Gott der Liebe und des Rechts, der Bosheit haßt (Psalm 33:5; Sprüche 15:9; 1. Johannes 4:8).
Zweierlei Geschick für den Menschen
Die Heilige Schrift sagt nicht, die Zukunft des einzelnen sei irgendwie von Gott im voraus festgelegt oder vorherbestimmt worden. Statt dessen zeigt sie, daß Gott den Menschen nur zweierlei Geschick vorausgesagt hat. Gott gewährt jedem Menschen die Freiheit, zu entscheiden, welches Geschick er sich erwählen will. Vor langer Zeit erklärte der Prophet Moses den Israeliten: „Ich [habe] dir Leben und Tod vorgelegt ..., den Segen und den Fluch; und du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem du Jehova, deinen Gott, liebst, indem du auf seine Stimme hörst und indem du fest zu ihm hältst; denn er ist dein Leben und die Länge deiner Tage“ (5. Mose 30:19, 20). Und Gottes Prophet Jesus sagte warnend: „Geht ein durch das enge Tor; denn breit und geräumig ist der Weg, der in die Vernichtung führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen; doch eng ist das Tor und eingeengt der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden“ (Matthäus 7:13, 14). Es gibt zwei Wege, zweierlei Geschick. Unsere Zukunft hängt von unserem eigenen Handeln ab. Gott zu gehorchen bedeutet Leben, ihm ungehorsam zu sein bedeutet Tod (Römer 6:23).
Gott „läßt ... den Menschen sagen, daß sie alle überall bereuen sollten. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er die bewohnte Erde in Gerechtigkeit richten will“ (Apostelgeschichte 17:30, 31). Geradeso, wie es sich die meisten Menschen in den Tagen Noahs erwählten, Gott nicht zu gehorchen, und vernichtet wurden, so gehorchen auch heute die meisten nicht den Geboten Gottes. Aber Gott hat nicht im voraus bestimmt, wer vernichtet und wer gerettet wird. Gottes Wort sagt sogar, daß er „nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2. Petrus 3:9). Selbst sehr böse Menschen können bereuen, gehorsam werden und die nötigen Änderungen vornehmen, um Gottes Gunst zu erlangen (Jesaja 1:18-20; 55:6, 7; Hesekiel 33:14-16; Römer 2:4-8).
Gott verheißt denen, die ihm gehorchen, ewiges Leben in einem friedlichen Paradies auf einer gereinigten Erde, frei von aller Bosheit, Gewalttat und von Kriegen, in einer Welt, in der es Hunger, Leid, Krankheit und Tod nicht mehr geben wird (Psalm 37:9-11; 46:9; Jesaja 2:4; 11:6-9; 25:6-8; 35:5, 6; Offenbarung 21:4). Selbst die Toten werden auferweckt werden und die Gelegenheit erhalten, Gott zu dienen (Daniel 12:2; Johannes 5:28, 29).
„Achte auf den Untadeligen, und behalte den Rechtschaffenen im Auge“, sagt der Psalmist, „denn die Zukunft dieses Mannes wird friedevoll sein. Die Übertreter selbst aber werden bestimmt miteinander vertilgt werden; der Bösen Zukunft wird tatsächlich abgeschnitten“ (Psalm 37:37, 38). Wie wird die Zukunft jedes einzelnen von uns aussehen? Das hängt ganz von uns selbst ab. Die Herausgeber dieser Zeitschrift stellen gern weitere Informationen zur Verfügung, damit sich jedermann eine glückliche, friedevolle Zukunft sichern kann.
-