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Warum Gott, nicht aber Menschen fürchten?Der Wachtturm 1989 | 1. Juni
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„VOR Menschen zu zittern ist das, was eine Schlinge legt, wer aber auf Jehova vertraut, wird beschützt werden“ (Sprüche 29:25). Mit diesen Worten macht uns ein alter Spruch auf die Art der Furcht aufmerksam, die wirklich ein geistiges Gift ist — die Menschenfurcht. Sie wird auch mit einer Schlinge verglichen. Warum? Weil ein kleines Tier, beispielsweise ein Kaninchen, hilflos ist, wenn es sich in einer Schlinge verfangen hat. Es möchte weglaufen, aber die Schlinge hält es unbarmherzig fest. Das Opfer ist gleichsam gelähmt.
Wenn uns die Menschenfurcht erfaßt, gleichen wir in vieler Hinsicht einem solchen Kaninchen. Uns mag bewußt sein, was wir tun sollten. Vielleicht wollen wir es sogar tun. Die Furcht hält uns jedoch in ihrem Bann. Wir sind wie gelähmt und unfähig zu handeln.
Die Schlinge der Menschenfurcht
Betrachten wir einmal einige Beispiele von Personen aus biblischer Zeit, die in die Schlinge der Menschenfurcht gerieten. In den Tagen Josuas wurden 12 Männer ausgesandt, um das Land Kanaan vor der geplanten Einnahme durch die Israeliten auszukundschaften. Die Kundschafter berichteten bei ihrer Rückkehr, daß das Land so fruchtbar und reich war, wie Gott gesagt hatte. Aber zehn der Kundschafter hatten sich durch die Stärke der Bewohner einschüchtern lassen. Unter dem Einfluß der Menschenfurcht gaben sie den Israeliten daher einen übertriebenen Bericht über deren Kraft, so daß die gesamte Nation von Furcht ergriffen wurde. Die Israeliten weigerten sich, dem Gebot Gottes zu gehorchen, die Grenzen des Landes Kanaan zu überschreiten und es in Besitz zu nehmen. Die Folge war, daß alle männlichen Erwachsenen jener Generation (mit wenigen Ausnahmen) im Verlauf der nächsten 40 Jahre in der Wildnis sterben mußten (4. Mose 13:21 bis 14:38).
Auch Jona geriet in die Schlinge der Menschenfurcht. Als er den Auftrag erhielt, der großen Stadt Ninive zu predigen, „machte [er] sich dann auf und enteilte nach Tarschisch, von dem Angesicht Jehovas hinweg“ (Jona 1:3). Warum? Die Niniviten standen in dem Ruf, ein grausames und gewalttätiges Volk zu sein, was Jona bestimmt bekannt war. Menschenfurcht veranlaßte ihn, statt nach Ninive in die entgegengesetzte Richtung zu gehen. Er nahm seine Zuteilung schließlich an, aber erst, nachdem er von Jehova auf außergewöhnliche Weise in Zucht genommen worden war (Jona 1:4, 17).
Sogar Könige können von Menschenfurcht erfaßt werden. Bei einer Gelegenheit mißachtete König Saul ein ausdrückliches Gebot Gottes. Welche Entschuldigung brachte er vor? „Ich habe den Befehl Jehovas und deine Worte übertreten, denn ich fürchtete das Volk und gehorchte so seiner Stimme“ (1. Samuel 15:24). Einige Jahrhunderte später, als Jerusalem von den Babyloniern angegriffen wurde, riet der treue Prophet Jeremia König Zedekia, sich zu ergeben, um Jerusalem vor großem Blutvergießen zu bewahren. Doch Zedekia weigerte sich. Weshalb? Er bekannte Jeremia: „Mir bangt vor den Juden, die zu den Chaldäern abgefallen sind, davor, daß sie mich in ihre Hand geben und sie mich gewiß schimpflich behandeln könnten“ (Jeremia 38:19).
Und selbst ein Apostel konnte in Furcht geraten. Jesus gab seinen Nachfolgern kurz vor seinem Tod zu verstehen, daß sie ihn alle verlassen würden. Petrus erklärte jedoch mutig: „Herr, ich bin bereit, mit dir sowohl ins Gefängnis als auch in den Tod zu gehen“ (Lukas 22:33; Matthäus 26:31, 33). Was für eine Selbstüberschätzung! Nur wenige Stunden später leugnete Petrus voller Furcht, mit Jesus zusammengewesen zu sein, ja ihn überhaupt zu kennen. Er wurde von Menschenfurcht überwältigt. Die Menschenfurcht ist wirklich ein geistiges Gift.
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Warum Gott, nicht aber Menschen fürchten?Der Wachtturm 1989 | 1. Juni
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Wen fürchtest du?
Wie hilft uns die Gottesfurcht, Menschenfurcht zu überwinden? Menschen mögen uns verspotten oder sogar verfolgen, weil wir das tun, was richtig ist, und wir werden auf diese Weise unter Druck gesetzt. Eine respektvolle Gottesfurcht wird uns dagegen dazu drängen, den rechten Lauf einzuschlagen, da wir Gott nicht mißfallen möchten. Die Liebe zu Gott wird uns auch antreiben, das zu tun, was sein Herz erfreut. Außerdem denken wir daran, daß Gott uns reich belohnt, wenn wir das tun, was richtig ist, was uns wiederum veranlaßt, ihn noch mehr zu lieben und seinen Willen tun zu wollen. Somit hilft uns eine ausgeglichene Ansicht über Gott, jegliche Menschenfurcht zu überwinden.
Viele werden beispielsweise von der Furcht, was andere Leute denken könnten, zum Unrechttun angetrieben. Junge Leute in der Schule rauchen, sprechen eine unflätige Sprache, prahlen mit ihrer (tatsächlichen oder eingebildeten) sexuellen Erfahrung, betrinken sich oder experimentieren sogar mit Drogen. Warum? Nicht unbedingt, weil ihnen viel daran liegt, sondern weil sie sich davor fürchten, was andere Jugendliche sagen würden, wenn sie anders handelten. Für einen Jugendlichen können Hohn und Spott so schwer zu ertragen sein wie buchstäbliche Verfolgung.
Auch ein Erwachsener kann sich unter Druck gesetzt fühlen, etwas Unrechtes zu tun. Am Arbeitsplatz mag der Vorgesetzte einen Angestellten anweisen, Kunden eine überhöhte Rechnung auszustellen oder in einem Steuerformular unrichtige Angaben zu machen, um auf diese Weise das Finanzamt zu betrügen. Der Christ könnte meinen, daß er seine Arbeit verliert, wenn er nicht gehorcht, und aus Menschenfurcht etwas Verkehrtes tun.
In beiden Fällen würde eine gesunde Gottesfurcht und Achtung vor Gottes Geboten einen Christen davor bewahren, sich von Menschenfurcht lähmen zu lassen. Und die Liebe zu Gott würde ihn davon zurückhalten, sich an Dingen zu beteiligen, die Jehova verbietet (Sprüche 8:13). Außerdem sollte er aufgrund seines Glaubens an Gott sicher sein, daß dieser ihm ungeachtet des Ausgangs helfen wird, wenn er in Übereinstimmung mit seinem biblisch geschulten Gewissen handelt. Der Apostel Paulus brachte seinen Glauben mit den Worten zum Ausdruck: „Für alles bin ich stark durch den, der mir Kraft verleiht“ (Philipper 4:13).
In der Bibel finden wir zahlreiche Beispiele, daß Männer und Frauen selbst unter schwersten Prüfungen Jehova treu blieben. Sie „erhielten ihre Erprobung durch Verspottungen und Geißelungen, ... durch Fesseln und Gefängnisse. Sie wurden gesteinigt, sie wurden auf die Probe gestellt, sie wurden zersägt, sie starben durch Hinschlachtung mit dem Schwert“ (Hebräer 11:36, 37). Doch sie ließen nicht zu, daß Menschenfurcht ihren Sinn beherrschte. Sie handelten so, wie Jesus später seinen Jüngern gebot: „Werdet nicht furchtsam vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können; fürchtet aber vielmehr den [Gott], der sowohl Seele als Leib in der Gehenna vernichten kann“ (Matthäus 10:28).
Durch die Befolgung dieses Rates Jesu, nämlich Gott mehr zu fürchten als Menschen, konnten die ersten Christen auch alle Arten von Härten, Prüfungen und Verfolgung „um der guten Botschaft willen“ erdulden (Philemon 13). Der Apostel Paulus ist ein bemerkenswertes Beispiel dafür. In seinem zweiten Brief an die Korinther zeigt er, wie ihm die Gottesfurcht die Kraft gab, Gefängnishaft, Schläge, Steinigung, Schiffbruch, verschiedene Gefahren auf dem Weg, schlaflose Nächte, Hunger, Durst, Kälte und Nacktheit zu ertragen (2. Korinther 11:23-27).
Die Gottesfurcht stärkte die Christen des ersten Jahrhunderts auch, unter der schweren Verfolgung auszuharren, die man im Römischen Reich über sie brachte, selbst als einige von ihnen in der Arena wilden Tieren vorgeworfen wurden. Furchtlose Gläubige wurden im Mittelalter öffentlich verbrannt, weil sie in bezug auf ihren Glauben nicht zu Kompromissen bereit waren. Christen zogen es im letzten Weltkrieg vor, in den Konzentrationslagern zu leiden und zu sterben, als Dinge zu tun, die Gott mißfielen. Welch eine machtvolle Kraft die Gottesfurcht doch ist! Wenn sie Christen die Kraft gab, unter solch schwierigen Umständen die Menschenfurcht zu überwinden, kann sie sicher auch uns helfen, ganz gleich, in welcher Lage wir uns befinden mögen.
Satan, der Teufel, versucht heute alles in seiner Macht Stehende, um uns zu einer Handlungsweise zu veranlassen, die Gott mißfällt. Wahre Christen sollten daher dieselbe Entschlossenheit bekunden wie der Apostel Paulus, der schrieb: „Wir nun sind nicht von denen, die zur Vernichtung zurückweichen, sondern von denen, die Glauben haben zum Lebendigerhalten der Seele“ (Hebräer 10:39). Die Furcht Jehovas ist eine echte Kraftquelle. Mögen wir aufgrund seiner Hilfe „guten Mutes sein ... zu sagen: ‚Jehova ist mein Helfer; ich will mich nicht fürchten. Was kann mir ein Mensch antun?‘“ (Hebräer 13:6).
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