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Sei weise — fürchte Gott!Der Wachtturm 2006 | 1. August
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Sei weise — fürchte Gott!
„Die Furcht Jehovas ist der Weisheit Anfang“ (SPRÜCHE 9:10).
1. Warum ist Gottesfurcht für viele ein schwer verständlicher Begriff?
ES GAB Zeiten, da war es ein Kompliment, als gottesfürchtig bezeichnet zu werden. Heute empfinden viele die Gottesfurcht als sonderbar und sie ist für sie ein schwer verständlicher Begriff. Sie fragen: „Warum sollte ich Gott fürchten, wenn er doch Liebe ist?“ Für sie ist Furcht eine abträgliche oder gar lähmende Emotion. Doch bei der wahren Gottesfurcht geht es nicht um eine bloße Empfindung. Sie ist, wie wir später feststellen werden, weit mehr.
2, 3. Was gehört alles zur echten Gottesfurcht?
2 Im biblischen Sprachgebrauch ist Gottesfurcht etwas Zuträgliches (Jesaja 11:3). Sie ist tiefe Ehrerbietigkeit und Hochachtung, die feste Entschlossenheit, Gott nicht zu missfallen (Psalm 115:11). Zur Gottesfurcht gehört es, die Sittenmaßstäbe Gottes anzuerkennen und sie strikt einzuhalten sowie nach dem leben zu wollen, was Gott als richtig oder falsch bezeichnet. Gemäß einem Nachschlagewerk zeigt sich diese zuträgliche Furcht in „einer Grundhaltung Gott gegenüber, gefolgt von vernünftigem Verhalten und der Vermeidung des Verwerflichen schlechthin“. Treffend heißt es in Gottes Wort: „Die Furcht Jehovas ist der Weisheit Anfang“ (Sprüche 9:10).
3 Die Gottesfurcht schließt nahezu die ganze Bandbreite des menschlichen Seins ein. Sie ist nicht nur mit Weisheit verknüpft, sondern auch mit Freude, Frieden, Wohlstand, Langlebigkeit, Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht (Psalm 2:11; Sprüche 1:7; 10:27; 14:26; 22:4; 23:17, 18; Apostelgeschichte 9:31). Gottesfurcht ist eng verbunden mit Glauben und Liebe. Sie berührt alle Seiten unseres Verhältnisses zu Gott und zu Menschen (5. Mose 10:12; Hiob 6:14; Hebräer 11:7). Zur Gottesfurcht zählt auch die tiefe Überzeugung, dass sich unser himmlischer Vater um uns persönlich kümmert und bereit ist, uns unsere Übertretungen zu verzeihen (Psalm 130:4). Nur reuelose, schlechte Menschen müssen sich vor Gott ängstigen (Hebräer 10:26-31).a
Jehova fürchten lernen
4. Was macht es uns leichter, Jehova fürchten zu lernen?
4 Ohne Gottesfurcht können wir weder weise Entscheidungen treffen noch von Gott gesegnet werden. Aber wie lernen wir Jehova so zu fürchten, wie er es möchte? (5. Mose 17:19). „Zu unserer Unterweisung“ enthält die Bibel viele Beispiele gottesfürchtiger Männer und Frauen (Römer 15:4). Um besser zu verstehen, was es bedeutet, Gott zu fürchten, wollen wir uns mit einem dieser Beispiele befassen: mit David, einem König im alten Israel.
5. Wieso konnte David schon als Hirtenjunge Gottesfurcht lernen?
5 Jehova verwarf Saul, den ersten König von Israel, weil er Menschen mehr fürchtete als Gott (1. Samuel 15:24-26). Dagegen war David ein wahrhaft gottesfürchtiger Mann. Davon zeugen sein Leben und sein vertrautes Verhältnis zu Jehova. Von klein auf weidete David die Schafe seines Vaters (1. Samuel 16:11). In den vielen Nächten unter freiem Himmel wurde die Furcht Jehovas für David zum Begriff. Er konnte zwar nur einen winzigen Ausschnitt vom unermesslichen Universum erkennen, aber er zog trotzdem den richtigen Schluss: Gott gebührt unsere Achtung und Verehrung. „Wenn ich deine Himmel sehe, die Werke deiner Finger, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast“, schrieb er später: „Was ist der sterbliche Mensch, dass du seiner gedenkst, und der Sohn des Erdenmenschen, dass du für ihn sorgst?“ (Psalm 8:3, 4).
6. Welche Gefühle rief es in David hervor, die Größe Jehovas zu spüren?
6 David war zu Recht beeindruckt, wenn er den riesigen Sternenhimmel mit seiner eigenen Winzigkeit verglich. Diese Erkenntnis ließ ihn aber nicht erschrecken, sondern sie bewog ihn dazu, Jehova mit den Worten zu preisen: „Die Himmel verkünden die Herrlichkeit Gottes; und die Ausdehnung tut das Werk seiner Hände kund“ (Psalm 19:1). Davids Ehrerbietigkeit brachte ihn Jehova näher und nährte in ihm den Wunsch, seine vollkommenen Wege kennen zu lernen und ihnen zu folgen. Stellen wir uns vor, wie David empfunden haben muss, als er in einem Psalm zu Jehova sagte: „Du bist groß und tust Wunderdinge; du bist Gott, du allein. Unterweise mich, o Jehova, in deinem Weg. Ich werde wandeln in deiner Wahrheit. Einige mein Herz, deinen Namen zu fürchten“ (Psalm 86:10, 11).
7. Wieso half die Gottesfurcht David, Goliath zu besiegen?
7 Als die Philister in das Land Israel eingedrungen waren, verhöhnte ihr fast drei Meter großer Vorkämpfer Goliath die Israeliten, indem er zu ihnen gewissermaßen sagte: „Stellt einen Mann zum Zweikampf mit mir! Wenn er gewinnt, werden wir euch dienen“ (1. Samuel 17:4-10). Saul und seine Streitkräfte waren verängstigt — nur David nicht. Er wusste, dass Jehova zu fürchten ist, nicht irgendein Mensch, wie stark er auch immer ist. „Ich . . . komme zu dir mit dem Namen Jehovas der Heerscharen“, sagte David zu Goliath. „Und diese ganze Versammlung wird erkennen, dass Jehova weder mit Schwert noch mit Speer rettet, denn Jehova gehört die Schlacht.“ Schließlich brachte David den Riesen mit der Hilfe Jehovas zur Strecke, mit seiner Schleuder und einem einzigen Stein (1. Samuel 17:45-47).
8. Was lernen wir von gottesfürchtigen Menschen, über die in der Bibel berichtet wird?
8 Es könnte sein, dass auch wir vor Hindernissen oder Feinden stehen, die nicht weniger schreckenerregend wirken als die, denen David begegnete. Was können wir tun? Wir können ihnen ebenso begegnen wie David und andere Treue der alten Zeit: mit Gottesfurcht. Damit kann die Menschenfurcht überwunden werden. Gottes treuer Diener Nehemia riet den Israeliten, die damals von Gegnern bedrängt wurden, dringend: „Fürchtet euch nicht vor ihnen. Jehova, den Großen und Furchteinflößenden, behaltet in eurem Sinn“ (Nehemia 4:14). Mit Jehovas Unterstützung gelang es David, Nehemia und anderen treuen Dienern Gottes, die Aufgaben auszuführen, die Gott ihnen aufgetragen hatte. Mit Gottesfurcht können wir es auch.
Problemen mit Gottesfurcht begegnen
9. Unter welchen Umständen zeigte sich Davids Gottesfurcht?
9 Nachdem David Goliath niedergestreckt hatte, schenkte Jehova ihm weitere Siege. Aus Eifersucht versuchte Saul jedoch David zu töten — zuerst im Affekt, dann hinterrücks und schließlich unter Einsatz seiner Streitkräfte. Jehova hatte David zwar das Königtum zugesichert, doch David war jahrelang auf der Flucht und musste kämpfen und warten, bis für Jehova die Zeit gekommen war, ihn zum König zu machen. Bei alldem zeigte es sich, dass er den wahren Gott fürchtete (1. Samuel 18:9, 11, 17; 24:2).
10. Wie zeigte sich Davids Gottesfurcht, als er in Gefahr war?
10 Bei einer Gelegenheit suchte David Zuflucht bei Achisch, dem König der Philisterstadt Gath, in der Goliath gewohnt hatte (1. Samuel 21:10-15). Die Bediensteten des Königs denunzierten David als Landesfeind. Wie verhielt sich David in dieser gefährlichen Situation? Er schüttete Jehova sein Herz aus (Psalm 56:1-4, 11-13). David musste zwar Irrsinn vortäuschen, um freizukommen, aber er wusste, dass Jehova seine Anstrengungen gesegnet und eigentlich er ihn gerettet hatte. Davids festes Vertrauen auf Jehova verriet, dass er wirklich gottesfürchtig war (Psalm 34:4-6, 9-11).
11. Wie können wir wie David in schwierigen Situationen gottesfürchtig handeln?
11 Wir können wie David zeigen, dass wir Gott fürchten, wenn wir seiner Zusage vertrauen, uns bei der Bewältigung von Problemen zu helfen. „Wälze deinen Weg auf Jehova, und verlass dich auf ihn, und er selbst wird handeln“, sagte David (Psalm 37:5). Das bedeutet nicht, Probleme einfach an Jehova weiterzureichen und ohne eigenes Zutun zu erwarten, dass er für uns handelt. David bat Gott nicht um Hilfe und legte dann die Hände in den Schoß. Er ging ein Problem mit allen körperlichen und Verstandeskräften an, die er von Jehova erhalten hatte. Dennoch wusste David, dass das Gelingen nicht allein in Menschenhand liegen würde. So sollte es bei uns auch sein. Nachdem wir alles getan haben, was in unserer Macht steht, müssen wir das Übrige Jehova überlassen. Oftmals können wir nichts weiter tun, als auf Jehova zu vertrauen. Hier kommt die Gottesfurcht auf sehr persönliche Weise ins Spiel. Wir können aus den von Herzen kommenden Worten Davids Trost schöpfen: „Die vertraute Gemeinschaft mit Jehova gehört denen, die ihn fürchten“ (Psalm 25:14).
12. Warum müssen wir das Gebet ernst nehmen, und wie dürfen wir nie eingestellt sein?
12 Wir sollten daher das Gebet und unser Verhältnis zu Gott ernst nehmen. Wer sich Jehova naht, „muss glauben, dass er ist und dass er denen, die ihn ernstlich suchen, ein Belohner wird“ (Hebräer 11:6; Jakobus 1:5-8). Und wenn er uns hilft, sollten wir uns ‘als dankbar erweisen’, wie der Apostel Paulus rät (Kolosser 3:15, 17). Wir dürfen nie Personen gleichen, die ein erfahrener gesalbter Christ einmal wie folgt beschrieb: „Für sie ist Gott eine Art Himmelskellner. Wenn sie etwas brauchen, möchten sie ihn durch Fingerschnippen herbeirufen. Und wenn sie bekommen haben, was sie wollten, möchten sie, dass er sich zurückzieht.“ Eine solche Einstellung verrät ein Fehlen von Gottesfurcht.
Als es an Gottesfurcht fehlte
13. Wann missachtete David das Gesetz Gottes?
13 Die Hilfe Jehovas in Bedrängnissen zu spüren vertiefte Davids Gottesfurcht und stärkte sein Vertrauen zu ihm (Psalm 31:22-24). In drei besonderen Fällen fehlte es David allerdings an Gottesfurcht, was schwerwiegende Folgen hatte. Im ersten Fall ging es um die Art der Beförderung der Bundeslade nach Jerusalem. Sie wurde nicht von Leviten auf den Schultern getragen, wie es das Gesetz Gottes vorsah, sondern auf einem Wagen gefahren. Als der Wagenführer Usa nach der Bundeslade griff, um sie festzuhalten, starb er auf der Stelle wegen dieser „unehrerbietigen Tat“. Usa hatte zwar schwer gesündigt, aber der tragische Ausgang ging letztendlich darauf zurück, dass David es an der nötigen Achtung vor dem Gesetz Gottes fehlen ließ. Gott zu fürchten bedeutet, alles so zu tun, wie er es getan haben möchte (2. Samuel 6:2-9; 4. Mose 4:15; 7:9).
14. Welche Folgen hatte es, dass David in Israel eine Zählung durchführte?
14 Später veranlasste Satan David dazu, die wehrfähigen Männer Israels zu zählen (1. Chronika 21:1). Dadurch ließ David es an Gottesfurcht fehlen und 70 000 Israeliten mussten deswegen sterben. David bekannte Jehova zwar seine Sünde und bereute sie zutiefst, doch er und alle anderen hatten sehr zu leiden (2. Samuel 24:1-16).
15. Was führte zu Davids sittlicher Verfehlung?
15 In noch einem weiteren Fall ließ David es zeitweilig an Gottesfurcht fehlen. Er begann ein Verhältnis mit Bathseba, der Frau Urias. David wusste sehr wohl, dass er nicht die Frau eines anderen begehren, geschweige denn mit ihr Ehebruch begehen durfte (2. Mose 20:14, 17). Das Problem trat auf, als David Bathseba beim Baden erblickte. Die richtige Art der Gottesfurcht hätte David sofort bewogen, wegzusehen und nicht weiter darüber nachzudenken. Stattdessen sah David Bathseba fortwährend an, bis seine Leidenschaft stärker war als seine Gottesfurcht (Matthäus 5:28; 2. Samuel 11:1-4). David verlor aus den Augen, wie nahe ihm Jehova allezeit gewesen war (Psalm 139:1-7).
16. Welche Folgen musste David wegen seiner Missetat tragen?
16 Aus Davids Verhältnis mit Bathseba ging ein Sohn hervor. Kurz darauf sandte Jehova seinen Propheten Nathan zu David, um die Sünde aufzudecken. Nachdem David wieder zur Vernunft gekommen war, erlangte er seine Gottesfurcht zurück und bereute. Er flehte Jehova an, ihn nicht wegzuwerfen oder ihm den heiligen Geist zu entziehen (Psalm 51:7, 11). Jehova vergab David und minderte das Strafmaß, doch bewahrte er ihn nicht vor allen tragischen Folgen seiner Handlungen. Davids Sohn starb, und von nun an kam Schmerz und Leid über seine Familie. Welch ein hoher Preis für ein zeitweiliges Fehlen der Gottesfurcht! (2. Samuel 12:10-14; 13:10-14; 15:14).
17. Veranschauliche den Schmerz, den sündige Handlungen verursachen.
17 Heute kann es ebenfalls schwere, langfristige Folgen haben, Gott auf sittlichem Gebiet nicht zu fürchten. Man stelle sich den Schmerz einer jungen Frau vor, die erfuhr, dass ihr Mann ihr untreu war, als er sich im Ausland aufhielt. Niedergebeugt von Schock und Trauer, verbarg sie ihr Gesicht in den Händen und brach in Tränen aus. Wie lange wird es wohl dauern, bis ihr Mann ihr Vertrauen und ihre Achtung wiedergewonnen haben wird? Tragische Folgen wie diese können durch echte Gottesfurcht vermieden werden (1. Korinther 6:18).
Gottesfurcht hält uns von Sünde ab
18. Was ist Satans Ziel, und wie sucht er es zu erreichen?
18 Satan treibt die sittliche Enttabuisierung in der Welt schnell voran und will vor allem wahre Christen verderben. Dazu nutzt er die kürzesten Verbindungswege zum Herzen und zum Verstand: die Sinne, vor allem das Sehen und Hören (Epheser 4:17-19). Wie verhältst du dich, wenn du unverhofft auf unmoralische Bilder, Worte oder Menschen stößt?
19. Wie konnte sich ein Christ wegen seiner Gottesfurcht besser gegen Versuchungen wehren?
19 Betrachten wir den Fall von Andréb. Er lebt in Europa und ist Ältester, Vater und Arzt. Wenn André im Krankenhaus Nachtdienst hatte, hefteten oft Kolleginnen mit Herzchen verzierte Zettelchen an sein Kopfkissen, auf denen eindeutige unmoralische Angebote standen. André wehrte sich beharrlich gegen ihre Annäherungsversuche. Er ging sogar so weit, dass er diese schlechte Umgebung verließ und sich anderswo eine Stelle suchte. Seine Gottesfurcht erwies sich als sehr vernünftig und wurde gesegnet, denn heute ist er in regelmäßigen Abständen im Zweigbüro der Zeugen Jehovas seines Landes tätig.
20, 21. (a) Wieso kann uns Gottesfurcht helfen, nicht zu sündigen? (b) Was wird im nächsten Artikel behandelt?
20 Bei verkehrten Gedanken zu verweilen kann dazu führen, dass es einem nichts mehr ausmacht, sein kostbares Verhältnis zu Jehova wegzuwerfen — für etwas, was einem nicht zusteht (Jakobus 1:14, 15). Wer dagegen Jehova fürchtet, hält Abstand — ja entfernt sich — von Personen, Orten, Beschäftigungen und Unterhaltung, die seine sittliche Wachsamkeit mindern könnten (Sprüche 22:3). Ganz gleich wie peinlich die Angelegenheit ist oder was es kostet, es ist nichts im Vergleich zum Verlust der Gunst Gottes (Matthäus 5:29, 30). Gott zu fürchten schließt bestimmt aus, sich absichtlich etwas Unmoralischem auszusetzen wie zum Beispiel irgendwelcher Pornographie. Es bedeutet vielmehr, darauf zu achten, dass die Augen „an dem vorübergehen, was zu sehen wertlos ist“. Wenn wir das tun, dann können wir darauf vertrauen, dass Jehova uns ‘am Leben erhält’ und für alles sorgt, was wir wirklich benötigen (Psalm 84:11; 119:37).
21 Wirklich gottesfürchtig zu handeln ist immer das Beste. Es kann auch zu wahrem Glück führen (Psalm 34:9). Das wird im nächsten Artikel deutlich werden.
[Fußnoten]
a Siehe den Artikel „Was sagt die Bibel? Wie kann man einen Gott der Liebe fürchten?“ im Erwachet! vom 8. Januar 1998, herausgegeben von Jehovas Zeugen.
b Der Name ist geändert.
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Fürchte Jehova — sei glücklich!Der Wachtturm 2006 | 1. August
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Fürchte Jehova — sei glücklich!
„Glücklich ist der Mann, der Jehova fürchtet“ (PSALM 112:1).
1, 2. Was kann es bewirken, Jehova zu fürchten?
GLÜCK fällt niemandem in den Schoß. Echtes Glück setzt richtige Entscheidungen voraus, rechtes Handeln und das Abstehen von Schlechtem. Jehova, unser Schöpfer, hat uns sein geschriebenes Wort gegeben, damit wir den besten Lebensweg einschlagen können. Wenn wir die Leitung Jehovas suchen und ihr folgen — ein Zeichen von Gottesfurcht —, können wir wirklich glücklich und zufrieden sein (Psalm 23:1; Sprüche 14:26).
2 In diesem Artikel befassen wir uns mit Beispielen aus biblischer Zeit und aus der Gegenwart. Sie zeigen, wieso echte Gottesfurcht Widerstandskraft gegen Versuchungen verleiht, aber auch Mut, das Rechte zu tun. Wir werden sehen, dass uns Gottesfurcht glücklich machen kann, weil sie uns — wie bei König David — zu einer Kurskorrektur veranlasst. Wir werden auch sehen, dass die Furcht Jehovas etwas wirklich Kostbares ist, das Eltern ihren Kindern mit auf den Weg geben können. Ja, Gottes Wort sichert uns zu: „Glücklich ist der Mann, der Jehova fürchtet“ (Psalm 112:1).
Wieder glücklich und zufrieden werden
3. Was verhalf David nach seinen Sünden wieder zu einem guten Verhältnis zu Jehova?
3 Wie im vorangehenden Artikel behandelt, sündigte David in drei besonderen Situationen, weil ihm die erforderliche Gottesfurcht fehlte. Doch seine Reaktion auf die korrigierenden Maßnahmen Jehovas verriet, dass er im Wesentlichen ein gottesfürchtiger Mensch war. Aus Ehrerbietigkeit und aus Achtung gegenüber Gott gestand er seine Schuld ein, änderte sich und gelangte wieder in ein gutes Verhältnis zu Jehova. Seine Verfehlungen führten für ihn und andere zwar zu Leid, aber wegen seiner echten Reue unterstützte und segnete ihn Jehova weiterhin. Davids Beispiel kann Christen heute bestimmt Mut einflößen, wenn sie eine schwere Sünde begehen sollten.
4. Wie kann Gottesfurcht dazu beitragen, wieder glücklich und zufrieden zu werden?
4 Nehmen wir den Fall von Sonja.a Obwohl sie eine Vollzeitpredigerin war, geriet sie in schlechte Gesellschaft, verstrickte sich in einen unchristlichen Lebenswandel und musste aus der Christenversammlung ausgeschlossen werden. Als Sonja wieder zur Vernunft kam, tat sie alles, was nötig war, um ihr Verhältnis zu Jehova wieder in Ordnung zu bringen. Nach einer Weile wurde sie wieder in die Versammlung aufgenommen. Die ganze Zeit über war bei Sonja nie der Wunsch erloschen, Jehova zu dienen. Schließlich nahm sie den allgemeinen Pionierdienst wieder auf. Später heiratete sie einen vorbildlichen Ältesten, und heute dienen beide freudig Jehova in der Versammlung. Sonja bedauert es, dass sie vorübergehend vom christlichen Weg abgekommen war, aber sie ist froh, dass Gottesfurcht ihr geholfen hat zurückzukehren.
Lieber leiden als sündigen
5, 6. Erkläre, bei welchen zwei Gelegenheiten David Saul am Leben ließ und warum.
5 Natürlich ist es viel besser, wenn jemand aus Furcht vor Gott erst gar nicht sündigt. Das bestätigte sich auch bei David. Als Saul einmal mit dreitausend Mann David verfolgte, begab er sich in eine Höhle — in dieselbe Höhle, in der sich David mit seinen Männern versteckt hielt. David wurde von seinen Männern gedrängt, Saul niederzuschlagen. Hatte Jehova ihm denn nicht seinen Todfeind ausgeliefert? Unbemerkt kroch David an Saul heran und schnitt den Zipfel seines Gewandes ab. Doch sogar wegen dieses recht harmlosen Vorgehens schlug ihm das Gewissen. David trieb seine aufgebrachten Männer mit den Worten auseinander: „Es ist im Hinblick auf Jehovas Standpunkt für mich undenkbar, dass ich meinem Herrn, dem Gesalbten Jehovas, diese Sache antun sollte“ (1. Samuel 24:1-7).b
6 Bei einer späteren Gelegenheit befand sich Saul in einem Nachtlager, und Jehova ließ ihn sowie alle seine Männer in einen tiefen Schlaf fallen. David und sein kühner Neffe Abischai schlichen sich in die Mitte des Lagers und standen unmittelbar neben dem schlafenden Saul. Abischai wollte ihn ein für alle Mal beseitigen. David hielt Abischai jedoch davon ab und gab zu bedenken: „Wer ist es, der seine Hand gegen den Gesalbten Jehovas ausgestreckt hat und schuldlos geblieben ist?“(1. Samuel 26:9, 12).
7. Was hielt David davon ab, zu sündigen?
7 Warum tötete David Saul nicht, obwohl er zweimal die Gelegenheit dazu hatte? David fürchtete Gott mehr, als er Saul fürchtete. Aus angebrachter Gottesfurcht wollte David nötigenfalls lieber leiden als sündigen (Hebräer 11:25). Er vertraute völlig darauf, dass Jehova für sein Volk und auch für ihn persönlich sorgte. David wusste: Gehorsam gegenüber Gott und Vertrauen auf ihn brächten Glück und viel Segen ein, wohingegen die Missachtung Gottes dessen Missfallen erregen würde (Psalm 65:4). Er wusste auch, dass Gott sein Wort halten und ihn zum König machen würde. Deswegen würde Gott Saul zu der von ihm bestimmten Zeit und auf seine Weise entfernen (1. Samuel 26:10).
Gottesfurcht führt zu Glück
8. Inwiefern ist das Verhalten Davids unter Anspannung beispielhaft?
8 Als Christen müssen wir mit Spott, Verfolgung und anderen Schwierigkeiten rechnen (Matthäus 24:9; 2. Petrus 3:3). Manchmal sind es auch Schwierigkeiten mit Glaubensbrüdern. Wir wissen jedoch, dass Jehova alles sieht, unsere Gebete erhört und die Angelegenheit zur rechten Zeit seinem Willen gemäß bereinigen wird (Römer 12:17-21; Hebräer 4:16). Statt unsere Kontrahenten zu fürchten, fürchten wir lieber Gott und erwarten von ihm Befreiung. Wie David rächen wir uns nicht selbst, und wir machen auch keine Abstriche an gerechten Grundsätzen, damit uns Leid erspart bleibt. Das führt letztendlich zu Glück. Aber wieso kann man das sagen?
9. Führe ein Beispiel dafür an, wieso Gottesfurcht dazu beiträgt, dass man trotz Verfolgung glücklich sein kann.
9 „Ich denke an eine Mutter und ihre jugendliche Tochter, die sich aus Gründen der christlichen Neutralität weigerten, Parteiausweise zu kaufen“, berichtet ein langjähriger Missionar in Afrika. „Eine Horde Männer fiel brutal über beide her und schickte sie anschließend nach Hause. Auf dem Nachhauseweg versuchte die Mutter ihre weinende Tochter zu trösten. Sie konnte nicht begreifen, weshalb so etwas möglich war. Beide waren damals alles andere als fröhlich, doch sie hatten ein gutes Gewissen. Später waren sie froh und dankbar, Gott gehorcht zu haben. Hätten sie Parteiausweise erworben, hätte die Menge gejubelt. Die Männer hätten ihnen Erfrischungsgetränke gegeben und auf dem ganzen Heimweg um sie herumgetanzt. Aber das Mädchen und seine Mutter wären wegen ihrer Zugeständnisse todunglücklich gewesen.“ Dank ihrer Gottesfurcht blieb ihnen das erspart.
10, 11. Welche guten Ergebnisse hatte es, dass eine Frau Gott fürchtete?
10 Gottesfurcht führt auch zu Glück, wenn die Achtung vor der Heiligkeit des Lebens auf die Probe gestellt wird. Als Mary ihr drittes Kind erwartete, riet der Arzt ihr zum Schwangerschaftsabbruch. „Ihr Zustand ist gefährlich“, sagte er. „Es könnte jederzeit eine Komplikation auftreten und Sie könnten innerhalb von 24 Stunden sterben und das Baby auch. Auf jeden Fall ist es fraglich, ob das Kind normal sein wird.“ Mary studierte damals schon mit Jehovas Zeugen, war aber noch nicht getauft. „Dennoch hatte ich mich entschieden, Jehova zu dienen“, sagt Mary, „und ich hatte fest vor, ihm unter allen Umständen zu gehorchen“ (2. Mose 21:22, 23).
11 Während der Schwangerschaft studierte Mary fleißig weiter die Bibel und kümmerte sich um ihre Familie. Schließlich kam das Baby zur Welt. „Die Geburt war zwar etwas schwerer als die ersten beiden Male, aber größere Komplikationen blieben aus“, berichtet Mary. Gottesfurcht half ihr, ein gutes Gewissen zu behalten, und bald darauf war sie getauft. Als ihr Sohn größer wurde, lernte auch er Jehova fürchten und er ist heute in einem Zweigbüro der Zeugen Jehovas tätig.
‘Stärke dich durch Jehova’
12. Wie wurde David wegen seiner Gottesfurcht gestärkt?
12 Davids Furcht vor Jehova hielt ihn nicht nur davon ab, verkehrt zu handeln. Sie bestärkte ihn auch darin, in schwierigen Situationen entschlossen und klug vorzugehen. Ein Jahr und vier Monate lang suchten David und seine Männer in Ziklag auf philistäischem Gebiet Schutz vor Saul (1. Samuel 27:5-7). Als sie einmal abwesend waren, brannte eine amalekitische Plündererstreifschar die Stadt nieder und nahm alle ihre Frauen, Kinder und Herden mit. Als David und seine Männer bei der Rückkehr sahen, was geschehen war, weinten sie. Die Trauer schlug bald in Verbitterung um, und Davids Männer gedachten ihn zu steinigen. David war zwar sehr betrübt, verzweifelte aber nicht (Sprüche 24:10). Aus Gottesfurcht wandte er sich an Jehova und ging daran, „sich durch Jehova, seinen Gott, zu stärken“. Mit der Hilfe Gottes besiegten David und seine Männer die Amalekiter und brachten alles zurück (1. Samuel 30:1-20).
13, 14. Wie hat die Gottesfurcht einer Christin geholfen, gute Entscheidungen zu treffen?
13 Gottes Diener geraten auch heute in Situationen, die Vertrauen auf Jehova und mutiges, entschlossenes Handeln erfordern. Nehmen wir das Beispiel von Kristina. Als Jugendliche studierte Kristina mit Jehovas Zeugen die Bibel. Aber sie wollte Konzertpianistin werden und brachte es in dieser Richtung ziemlich weit. Außerdem war ihr nicht wohl bei dem Gedanken anderen zu predigen, und sie fürchtete sich davor, die Verantwortung zu übernehmen, die mit der Taufe einhergeht. Als Kristina dann weiterstudierte, spürte sie allmählich die Macht des Wortes Gottes. Sie lernte Jehova fürchten, und ihr wurde bewusst, dass Jehova von seinen Dienern erwartet, ihn mit ihrem ganzen Herzen, mit ihrem ganzen Verstand, mit ihrer ganzen Seele und mit ihrer ganzen Kraft zu lieben (Markus 12:30). Das bewog sie dazu, sich Jehova hinzugeben und sich taufen zu lassen.
14 Kristina bat Jehova ihr zu helfen, in der Wahrheit Fortschritte zu machen. „Ich wusste, dass ich als Konzertpianistin ständig unterwegs wäre und im Lauf eines Jahres bestimmt in 400 Konzerten auftreten müsste“, erklärt Kristina. „Daher entschied ich mich Vollzeitpredigerin zu werden und mir den Lebensunterhalt durch Erteilen von Unterricht zu verdienen.“ Zu diesem Zeitpunkt stand Kristina bereits auf der Liste derer, die in der bekanntesten Konzerthalle des Landes ihr Debüt geben sollten. „Mein Debüt war gleichzeitig mein Abschiedskonzert“, sagt sie. Kristina heiratete danach einen Ältesten. Beide sind heute in einem Zweigbüro der Zeugen Jehovas tätig. Sie freut sich, dass Jehova ihr die Kraft gegeben hat, richtige Entscheidungen zu treffen, und dass sie heute ihre Zeit und Kraft im Dienst für ihn einsetzen kann.
Ein kostbares Erbe
15. Was wollte David seinen Kindern mit auf den Weg geben, und wie machte er das?
15 „Kommt, ihr Söhne, hört mir zu“, schrieb David; „die Furcht Jehovas ist, was ich euch lehren werde“ (Psalm 34:11). Als Vater beabsichtigte David, seinen Kindern etwas Kostbares mit auf den Weg zu geben: die echte, ausgeglichene, zuträgliche Furcht Jehovas. Er vermittelte in Wort und Tat von Jehova das Bild eines lieben, fürsorglichen, versöhnlichen Vaters seiner irdischen Kinder, nicht das eines fordernden, furchterregenden Gottes, der auf jeden Verstoß gegen seine Gesetze heftig reagiert. „Verfehlungen — wer kann sie bemerken?“, fragte David. Dann äußerte er sein Vertrauen, dass Jehova nicht ständig nach unseren Fehlern Ausschau hält, und sagte: „Halte mich frei von Unbemerktem!“ David war sich sogar sicher, dass seine Worte und Gedanken Jehova annehmbar waren, sofern er das tat, was er tun konnte (Psalm 19:12, 14, Byington).
16, 17. Wie können Eltern ihre Kinder lehren, Jehova zu fürchten?
16 An David können sich Eltern heute ein Beispiel nehmen. „Unsere Eltern haben uns so erzogen, dass es für uns eine Freude war, in der Wahrheit zu sein“, sagt Ralph, der zusammen mit seinem Bruder in einem Zweigbüro der Zeugen Jehovas tätig ist. „Als wir noch Kinder waren, unterhielten sie sich mit uns über Versammlungsaktivitäten, und wir begeisterten uns für die Wahrheit genauso wie sie. Sie erzogen uns so, dass wir überzeugt waren, im Dienst Jehovas viel Gutes tun zu können. Als Familie lebten wir sogar mehrere Jahre in einem Land, wo mehr Königreichsverkündiger nötig waren, und halfen mit, neue Versammlungen zu gründen.
17 Wir blieben nicht etwa auf dem rechten Weg, weil wir uns an eine strenge Regelsammlung halten mussten, sondern, weil Jehova für unsere Eltern jemand war, den es gab und der sehr, sehr freundlich und gütig war. Sie waren bemüht, Jehova immer besser kennen zu lernen und ihm zu gefallen; und wir nahmen uns ihre echte Gottesfurcht und ihre Liebe zu ihm zum Vorbild. Wenn wir etwas verkehrt gemacht hatten, gaben uns unsere Eltern nicht das Gefühl, Jehova liebe uns nicht mehr; sie erlegten uns auch nicht aus Verärgerung irgendwelche willkürlichen Einschränkungen auf. Meistens setzten sie sich mit uns hin und redeten nur mit uns, um unser Herz zu erreichen. Mutter hatte manchmal dabei Tränen in den Augen. Und sie hatten Erfolg. Unsere Eltern lehrten uns durch Wort und Tat, dass die Furcht Jehovas etwas Wunderbares ist und dass es keine Last ist, ein Zeuge Jehovas zu sein, sondern eine Freude und ein Vergnügen“ (1. Johannes 5:3).
18. Was gewinnen wir, wenn wir den wahren Gott fürchten?
18 Einige der „letzten Worte Davids“ waren: „Wenn einer, der über Menschen herrscht, gerecht ist, indem er in der Furcht Gottes herrscht, dann ist es wie das Morgenlicht, wenn die Sonne aufleuchtet“ (2. Samuel 23:1, 3, 4). Salomo, Davids Sohn und Thronfolger, hatte das offensichtlich verstanden, denn er bat Jehova um „ein gehorsames Herz“ und um die Fähigkeit „zwischen Gut und Böse zu unterscheiden“ (1. Könige 3:9). Salomo erkannte, dass es vernünftig ist und glücklich macht, Jehova zu fürchten. Später fasste er das Buch Prediger mit den Worten zusammen: „Der Abschluss der Sache, nachdem man alles gehört hat, ist: Fürchte den wahren Gott, und halte seine Gebote. Denn das ist des Menschen ganze Pflicht. Denn der wahre Gott selbst wird jederlei Werk ins Gericht über alles Verborgene bringen im Hinblick darauf, ob es gut ist oder böse“ (Prediger 12:13, 14). Wenn wir diesen Rat beachten, werden wir feststellen, dass „die Folge der Demut und der Furcht Jehovas“ nicht nur Weisheit und Glück ist, sondern auch „Reichtum und Herrlichkeit und Leben“ (Sprüche 22:4).
19. Was ermöglicht es uns, „die Furcht Jehovas“ zu verstehen?
19 Aus biblischen Beispielen und aus heutigen Erfahrungen erkennen wir, dass die richtige Art der Furcht vor Gott im Leben wahrer Diener Jehovas etwas Zuträgliches ist. Diese Furcht kann uns nicht nur davor bewahren, etwas zu tun, was unserem himmlischen Vater missfällt. Sie kann uns auch den Mut verleihen, Gegnern entgegenzutreten, und die Kraft geben, irgendwelche Prüfungen und Entbehrungen zu ertragen. Daher wollen wir alle, ob alt oder jung, fleißig das Wort Gottes studieren, über Hinzugelerntes nachsinnen und uns regelmäßig Jehova durch Gebete nahen, die von Herzen kommen. Dann finden wir nicht nur „die wahre Erkenntnis Gottes“, sondern wir verstehen auch „die Furcht Jehovas“ (Sprüche 2:1-5).
[Fußnoten]
a Die Namen wurden geändert.
b Das war vielleicht eine der Erfahrungen, die David dazu bewogen, die Psalmen 57 und 142 zu verfassen.
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