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Lass dir die Gefühle anderer zu Herzen gehenDer Wachtturm (Studienausgabe) 2019 | März
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STUDIENARTIKEL 12
Lass dir die Gefühle anderer zu Herzen gehen
„Habt Mitgefühl“ (1. PET. 3:8, NW, 2013)
LIED 90 Uns gegenseitig Mut machen
VORSCHAUa
1. Warum sind wir gern mit Menschen zusammen, denen unsere Gefühle und unser Wohl am Herzen liegen? Beziehe 1. Petrus 3:8 mit ein.
WIR sind gern mit Menschen zusammen, denen unsere Gefühle und unser Wohl am Herzen liegen. Sie versuchen, sich in unsere Lage zu versetzen, also sich in uns hineinzudenken oder zu -fühlen. Sie erkennen Bedürfnisse und bieten Hilfe an – manchmal schon bevor wir darum bitten. Wir schätzen Menschen, die „Mitgefühl“b zeigen. (Lies 1. Petrus 3:8.)
2. Warum schaffen wir es nicht immer, Mitgefühl zu zeigen?
2 Als Christen haben wir alle den Wunsch, Einfühlsamkeit oder Mitgefühl zu zeigen. Um ehrlich zu sein, schaffen wir das aber nicht immer. Warum? Ein Grund ist, dass wir unvollkommen sind (Röm. 3:23). Deshalb müssen wir die angeborene Neigung bekämpfen, hauptsächlich an uns selbst zu denken. Manchen steht auch ihre Erziehung oder die eigene Vergangenheit im Weg. Außerdem könnte uns die Einstellung der Menschen um uns herum beeinflussen. In den heutigen letzten Tagen lieben viele sich selbst und die Gefühle anderer sind ihnen egal (2. Tim. 3:1, 2). Was hilft uns, trotz alldem Mitgefühl zu zeigen?
3. (a) Was hilft uns, mitfühlender zu werden? (b) Worum geht es in diesem Artikel?
3 Das Beispiel von Jehova und seinem Sohn, Jesus Christus, hilft uns, mitfühlender zu werden. Jehova ist ein Gott der Liebe und das Paradebeispiel für Mitgefühl (1. Joh. 4:8). Jesus spiegelte die Persönlichkeit seines Vaters vollkommen wider (Joh. 14:9). Als er auf der Erde war, lebte er vor, wie man als Mensch mit anderen mitfühlend umgeht. In diesem Artikel sehen wir uns zunächst an, wie mitfühlend Jehova und Jesus waren. Dann gehen wir darauf ein, wie wir uns an ihnen ein Beispiel nehmen können.
JEHOVA FÜHLT MIT ANDEREN
4. Wie geht aus Jesaja 63:7-9 hervor, dass Jehova die Gefühle seiner Diener am Herzen liegen?
4 Wie die Bibel zeigt, liegen Jehova die Gefühle seiner Diener am Herzen. Was empfand er zum Beispiel, als die Israeliten viel Leid durchmachten? „Während all ihres Leids litt auch er“, heißt es in Gottes Wort. (Lies Jesaja 63:7-9.) Durch den Propheten Sacharja erklärte Jehova später, er würde einen Angriff auf sein Volk als Angriff auf sich selbst empfinden. Er sagte zu seinen Dienern: „Wer euch antastet, tastet meinen Augapfel an“ (Sach. 2:8). Was für ein eindrucksvolles Bild für Jehovas Mitgefühl!
Jehova hatte Mitgefühl mit den Israeliten und befreite sie aus der Sklaverei in Ägypten (Siehe Absatz 5)
5. Wie wurde Jehova aktiv, um seinen Dienern in der Not zu helfen?
5 Jehova empfindet nicht nur Mitgefühl, wenn seine Diener Schlimmes durchmachen. Er wird aktiv, um ihnen zu helfen. Als die Israeliten zum Beispiel Sklaven in Ägypten waren, wusste Jehova, wie sehr sie litten, und wollte ihr Leid lindern. Er sagte zu Moses: „Ich habe sehr wohl gesehen, wie schlecht es meinem Volk in Ägypten geht. Ich habe sie . . . schreien hören, und ich weiß genau, wie sehr sie leiden. Ich werde hinuntergehen, um sie aus der Hand der Ägypter zu befreien“ (2. Mo. 3:7, 8, NW, 2013). Aus Mitgefühl befreite Jehova sein Volk aus der Sklaverei. Viele Jahre später wurden die Israeliten im Land der Verheißung von ihren Feinden angegriffen. Wie reagierte Jehova? Er hatte „Mitleid, wenn sie stöhnten, weil man sie unterdrückte und misshandelte“. Wieder kam Jehova seinem Volk aus Mitgefühl zu Hilfe. Er sandte Richter, um die Israeliten vor ihren Feinden zu retten (Ri. 2:16, 18, NW, 2013).
6. Welches Beispiel zeigt, wie Jehova auf jemand einging, dessen Denkweise nicht richtig war?
6 Jehova nimmt die Gefühle seiner Diener ernst – selbst wenn ihre Denkweise nicht immer richtig ist. Das zeigt das Beispiel des Propheten Jona. Er bekam von Gott den Auftrag, den Niniviten eine Gerichtsbotschaft zu überbringen. Als sie bereuten, entschied Gott, sie zu verschonen. Jona gefiel das aber gar nicht. Er „entbrannte von Zorn“, weil die Vernichtung, die er prophezeit hatte, nicht kam. Doch Jehova war geduldig mit Jona und half ihm umzudenken (Jona 3:10 bis 4:11). Jona lernte seine Lektion, und Jehova ließ ihn sogar seine Erlebnisse zu unserem Nutzen aufschreiben (Röm. 15:4).c
7. Was zeigt Jehovas Umgang mit seinen Dienern?
7 Wie Jehova mit seinem Volk umgeht, zeigt deutlich: Er fühlt mit seinen Dienern mit. Er weiß, was jeder von uns durchmacht. Jehova kennt das Herz der Menschen durch und durch (2. Chr. 6:30). Er kennt unsere innersten Gedanken, unsere Gefühle und auch unsere Grenzen. Und er wird nicht zulassen, dass wir über unsere Kraft hinaus versucht werden (1. Kor. 10:13). Was für ein beruhigender Gedanke!
JESUS FÜHLT MIT ANDEREN
8-10. Was muss dazu beigetragen haben, dass Jesus mit anderen mitfühlen konnte?
8 Als Jesus auf der Erde lebte, lagen ihm die Menschen sehr am Herzen. Dazu müssen mindestens drei Umstände beigetragen haben. Erstens: Jesus spiegelte die Persönlichkeit seines Vaters vollkommen wider. Wie sein Vater liebte er die Menschen. Zwar freute er sich über alles, was Jehova mit seiner Hilfe gemacht hatte, aber die Menschen hatte er besonders lieb (Spr. 8:31). Und deswegen waren ihm ihre Gefühle wichtig.
9 Zweitens: Jesus konnte ins Herz sehen wie Jehova. Er konnte die Gefühle und Beweggründe der Menschen erkennen (Mat. 9:4; Joh. 13:10, 11). Wenn er ein gebrochenes Herz sah, fühlte er sich gedrängt, zu trösten und zu helfen (Jes. 61:1, 2; Luk. 4:17-21).
10 Drittens: Jesus hatte Herausforderungen zu bewältigen, vor denen auch andere Menschen standen. Zum Beispiel wuchs er offensichtlich in einer armen Familie auf. Bei der Zusammenarbeit mit seinem Adoptivvater Joseph lernte er harte körperliche Arbeit kennen (Mat. 13:55; Mar. 6:3). Joseph scheint einige Zeit vor Beginn des Dienstes Jesu gestorben zu sein. Also spürte Jesus wahrscheinlich, wie weh es tut, einen lieben Menschen zu verlieren. Und er wusste, wie es ist, wenn in der Familie nicht alle die gleichen religiösen Ansichten haben (Joh. 7:5). Aus diesen und anderen Gründen konnte Jesus die Probleme und Gefühle einfacher Menschen sicher verstehen.
Aus Mitgefühl heilt Jesus einen Gehörlosen abseits einer Menschenmenge (Siehe Absatz 11)
11. Wann wurde Jesu Mitgefühl besonders deutlich? (Siehe Titelbild.)
11 Jesu Mitgefühl wurde besonders deutlich, wenn er Wunder wirkte. Er tat das nicht aus reinem Pflichtgefühl, sondern hatte Mitleid mit den Menschen, die litten (Mat. 20:29-34; Mar. 1:40-42). Stellen wir uns vor, was er empfand, als er einen gehörlosen Mann von der Menschenmenge wegführte und heilte oder als er den einzigen Sohn einer Witwe auferweckte (Mar. 7:32-35; Luk. 7:12-15). Jesus hatte ein Herz für diese Menschen und wollte ihnen helfen.
12. Wie geht aus Johannes 11:32-35 Jesu Mitgefühl für Maria und Martha hervor?
12 Jesus zeigte auch Mitgefühl für Martha und Maria. Als er sah, wie sie um ihren verstorbenen Bruder trauerten, brach er in Tränen aus. (Lies Johannes 11:32-35.) Er weinte nicht einfach, weil er nun mit einem guten Freund nicht mehr zusammen sein konnte. Schließlich wusste er, dass er Lazarus auferwecken würde. Jesus weinte vielmehr, weil er den Kummer und Schmerz seiner lieben Freunde nachempfinden konnte.
13. Warum gibt es uns viel, uns mit Jesu Mitgefühl zu befassen?
13 Uns mit Jesu Mitgefühl zu befassen gibt uns sehr viel. Natürlich sind wir nicht vollkommen wie er, doch wir lieben ihn für seine mitfühlende Art (1. Pet. 1:8). Es tut gut, zu wissen, dass er jetzt als König von Gottes Königreich regiert. Er wird bald allem Leid ein Ende machen. Da er als Mensch auf der Erde lebte, kann er der Menschheit am besten helfen, sich von den Wunden zu erholen, die ihr durch Satans Herrschaft zugefügt wurden. In ihm haben wir wirklich einen Herrscher, der „mitfühlen kann mit unseren Schwachheiten“ (Heb. 2:17, 18; 4:15, 16).
NIMM DIR EIN BEISPIEL AN JEHOVA UND JESUS
14. Wozu fühlen wir uns gemäß Epheser 5:1, 2 motiviert?
14 Über das Beispiel von Jehova und Jesus nachzudenken motiviert uns, mehr Mitgefühl zu zeigen. (Lies Epheser 5:1, 2.) Wir können niemandem ins Herz sehen wie sie. Aber wir können versuchen, Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu entwickeln (2. Kor. 11:29). Im Gegensatz zu der egoistischen Welt um uns herum wollen wir nicht nur unsere eigenen Interessen im Auge haben, sondern auch die der anderen (Phil. 2:4).
(Siehe Absatz 15-19)d
15. Für wen ist Mitgefühl besonders notwendig?
15 Besonders für Älteste ist es notwendig, Mitgefühl zu zeigen. Sie wissen, dass sie Rechenschaft über die Schafe ablegen müssen, die ihnen anvertraut wurden (Heb. 13:17). Um ihren Brüdern und Schwestern zu helfen, müssen Älteste verständnisvoll und einfühlsam sein. Wie würde sich das zeigen?
16. Was tut ein mitfühlender Ältester, und warum ist das wichtig?
16 Ein mitfühlender Ältester nimmt sich Zeit für seine Glaubensbrüder. Er stellt Fragen und hört dann aufmerksam und geduldig zu. Das ist besonders wichtig, wenn sich eines dieser lieben Schafe etwas vom Herzen reden möchte, aber nicht die richtigen Worte findet (Spr. 20:5). Schenkt ein Ältester anderen gern Zeit, stärkt er das Vertrauen, die Freundschaft und die Liebe zwischen ihm und den Brüdern (Apg. 20:37).
17. Was schätzen viele Brüder und Schwestern an Ältesten am meisten? Gib ein Beispiel.
17 Viele Brüder und Schwestern bringen zum Ausdruck, dass sie es an Ältesten am meisten schätzen, wenn sie einfühlsam sind. Adelaide erklärt, warum: „Man spricht lieber mit ihnen, weil man weiß, dass sie einen verstehen.“ Weiter meint sie: „Man spürt ihr Mitgefühl an der Art, wie sie auf einen eingehen.“ Ein Bruder erinnert sich dankbar: „Als ein Ältester über meine Lage nachdachte, stiegen ihm Tränen in die Augen. Dieses Bild werde ich nie vergessen“ (Röm. 12:15).
18. Wie können wir Mitgefühl für andere entwickeln?
18 Natürlich ist Mitgefühl nicht nur für Älteste wichtig. Wir alle können diese Fähigkeit entwickeln. Wie? Versuch zu verstehen, was deine Familie oder deine Glaubensbrüder durchmachen. Interessiere dich für die Jugendlichen in deiner Versammlung, die Kranken, die Älteren und die, die einen lieben Menschen verloren haben. Frag sie, wie es ihnen geht. Hör wirklich zu, wenn sie über ihre Gefühle sprechen. Lass sie spüren, dass du echtes Verständnis für ihre Lage hast. Biete an, ihnen zu helfen, wo du kannst. Wenn wir das tun, zeigen wir echte Liebe (1. Joh. 3:18).
19. Warum müssen wir flexibel sein, wenn wir anderen helfen wollen?
19 Wenn wir anderen helfen wollen, müssen wir flexibel sein. Schließlich reagiert in schwierigen Situationen nicht jeder gleich. Manche reden dann gern, andere eher nicht. Wir wollen zwar helfen, aber wir sollten keine unangenehmen Fragen stellen (1. Thes. 4:11). Selbst wenn sich andere öffnen, kann es sein, dass wir ihre Ansicht nicht immer teilen. Dann müssen wir daran denken: Das sind ihre Empfindungen. Seien wir schnell zum Hören, langsam zum Reden (Mat. 7:1; Jak. 1:19).
20. Worum geht es im nächsten Artikel?
20 Außer in der Versammlung möchten wir auch im Predigtdienst mitfühlend sein. Wie kann diese schöne Eigenschaft zum Ausdruck kommen, wenn wir Menschen helfen, Jünger zu werden? Darum geht es im nächsten Artikel.
LIED 130 Gerne verzeihen
a Jehova und Jesus sind die Gefühle anderer wichtig. Dieser Artikel zeigt, was wir aus ihrem Beispiel lernen können. Außerdem werden wir besprechen, warum wir Mitgefühl zum Ausdruck bringen sollten und wie wir das tun können.
b KURZ ERKLÄRT: Mitgefühl zu zeigen bedeutet, zu versuchen, die Gefühle anderer zu verstehen und so zu fühlen wie sie (Röm. 12:15).
c Jehova ging auch mitfühlend auf die starken Empfindungen anderer treuer Menschen ein. Das zeigen die Berichte über Hanna (1. Sam. 1:10-20), Elia (1. Kö. 19:1-18) und Ebed-Melech (Jer. 38:7-13; 39:15-18).
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Lass dir die Gefühle anderer zu Herzen gehenDer Wachtturm (Studienausgabe) 2019 | März
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d BILDBESCHREIBUNGEN: Bei den Zusammenkünften gibt es viele Möglichkeiten, eine herzliche Atmosphäre zu schaffen. Die Bilder zeigen 1. einen Ältesten, der nett mit einem jungen Verkündiger und seiner Mutter spricht, 2. einen Vater mit seiner Tochter, die einer älteren Schwester zum Auto helfen, 3. zwei Älteste, die einer Schwester aufmerksam zuhören, als sie um Rat bittet.
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Zeige Mitgefühl im PredigtdienstDer Wachtturm (Studienausgabe) 2019 | März
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STUDIENARTIKEL 13
Zeige Mitgefühl im Predigtdienst
„[Es] ergriff ihn Mitleid . . . Und er fing an, sie viele Dinge zu lehren“ (MAR. 6:34)
LIED 70 Findet heraus, wer es verdient
VORSCHAUa
1. Was ist einer der ansprechendsten Aspekte der Persönlichkeit Jesu? Welche Beispiele zeigen das?
EINER der ansprechendsten Aspekte der Persönlichkeit Jesu ist sein Verständnis für die Probleme von uns unvollkommenen Menschen. Jesus konnte sich mit denen freuen, die sich freuten, und mit denen weinen, die weinten (Röm. 12:15). Als zum Beispiel seine 70 Jünger einmal nach einer erfolgreichen Predigtaktion voll Freude zurückkamen, löste das auch bei ihm große Freude aus (Luk. 10:17-21). Als er dagegen sah, wie viel Kummer der Tod von Lazarus bei Freunden und Angehörigen auslöste, „seufzte er im Geist und wurde beunruhigt“ (Joh. 11:33).
2. Warum konnte Jesus mitfühlend mit den Menschen umgehen?
2 Warum konnte dieser vollkommene Mann so barmherzig und mitfühlend mit sündigen Menschen umgehen? Vor allem weil er die Menschen liebte. Wie im vorigen Artikel erwähnt, hatte er die Menschen besonders lieb (Spr. 8:31). Diese Liebe bewog ihn, ihre Denkweise genau kennenzulernen. Der Apostel Johannes schrieb: „Er wusste, was in ihnen vorging“ (Joh. 2:25, NW, 2013). Jesus hatte tiefe Gefühle für die Menschen. Und sie spürten seine Liebe und reagierten positiv auf die Botschaft vom Königreich. Je besser es uns gelingt, ähnlich für die Menschen zu empfinden, desto besser können wir ihnen im Dienst helfen (2. Tim. 4:5).
3, 4. (a) Wie sehen wir unseren Dienst, wenn wir Mitgefühl haben? (b) Worum geht es in diesem Artikel?
3 Wie der Apostel Paulus wissen auch wir, dass wir zum Predigen verpflichtet sind (1. Kor. 9:16). Doch wenn wir Mitgefühl haben, sehen wir den Dienst nicht einfach als Verpflichtung. Vielmehr wollen wir die Menschen spüren lassen, dass sie uns am Herzen liegen und wir ihnen helfen möchten. Wir wissen: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apg. 20:35). Wenn wir unseren Dienst so sehen, macht er mehr Freude.
4 In diesem Artikel geht es darum, wie wir im Dienst Mitgefühl zeigen können. Zunächst sehen wir uns an, was wir daraus lernen, wie Jesus für die Menschen empfand. Dann besprechen wir vier Möglichkeiten, wie wir seinem Beispiel folgen können (1. Pet. 2:21).
JESUS ZEIGTE MITGEFÜHL
Aus Mitgefühl predigte Jesus den Menschen eine Botschaft, die sie tröstete (Siehe Absatz 5, 6)
5, 6. (a) Wem gegenüber zeigte Jesus Mitgefühl? (b) Warum hatte Jesus, wie in Jesaja 61:1, 2 vorausgesagt, Mitleid mit den Menschen, denen er predigte?
5 Dazu ein Beispiel: Einmal predigten Jesus und seine Jünger eine ganze Zeit ohne Pause. Sie kamen nicht einmal dazu, „ein Mahl einzunehmen“. Also nahm Jesus seine Jünger mit „an einen einsamen Ort“, wo sie für sich waren und ein wenig ausruhen konnten. Doch eine große Menge Menschen lief ihnen voraus. Wie reagierte Jesus, als er ankam und die Menschen sah? Er empfand „Mitleidb mit ihnen, denn sie waren wie Schafe ohne einen Hirten. Und er fing an, sie viele Dinge zu lehren“ (Mar. 6:30-34).
6 Wieso empfand Jesus Mitleid oder Mitgefühl für diese Menschen? Er hatte beobachtet, dass sie „wie Schafe ohne einen Hirten“ waren. Vielleicht sah Jesus, dass einige von ihnen arm waren und hart arbeiten mussten, um für ihre Familie zu sorgen. Andere mussten möglicherweise mit dem Verlust eines lieben Menschen fertigwerden. Falls das so war, konnte Jesus ihre Situation wahrscheinlich verstehen. Wie im vorigen Artikel besprochen, dürfte er solchen Problemen selbst gegenübergestanden haben. Jesus lagen andere am Herzen und er fühlte sich bewogen, ihnen eine Botschaft zu bringen, die sie tröstete. (Lies Jesaja 61:1, 2.)
7. Wie können wir uns an Jesus ein Beispiel nehmen?
7 Was können wir von Jesus lernen? Wir sind wie er von Menschen umgeben, die „wie Schafe ohne einen Hirten“ sind. Sie kämpfen mit vielen Problemen. Wir haben, was sie brauchen – die Botschaft vom Königreich (Offb. 14:6). Deshalb machen wir es wie Jesus und predigen die gute Botschaft, weil wir „Mitleid haben mit den Benachteiligten und den Armen“ (Ps. 72:13, NW, 2013). Wir fühlen mit den Menschen und möchten ihnen helfen.
WIE WIR MITGEFÜHL ZEIGEN KÖNNEN
Berücksichtigen wir individuelle Bedürfnisse (Siehe Absatz 8, 9)
8. Was ist eine Möglichkeit, im Dienst Mitgefühl zu zeigen? Welcher Vergleich lässt sich dazu anführen?
8 Was hilft uns, mit den Menschen im Dienst mitfühlend umzugehen? Versetzen wir uns in ihre Lage und behandeln wir sie so, wie wir es selbst gern hätten (Mat. 7:12).c Sehen wir uns vier Möglichkeiten an, wie wir das tun können. Erstens: Berücksichtigen wir die individuellen Bedürfnisse. Beim Predigen sind wir in einer ähnlichen Lage wie ein Arzt. Ein guter Arzt berücksichtigt die Bedürfnisse jedes Patienten. Er stellt Fragen und hört genau zu, wenn der Patient erzählt, wie es ihm geht. Statt das Erstbeste zu verschreiben, was ihm einfällt, geht der Arzt der Sache vielleicht erst einmal weiter auf den Grund und schlägt dann eine passende Behandlung vor. Im Dienst ist es ähnlich. Wir sollten nicht bei jedem, den wir treffen, nach derselben Methode vorgehen. Berücksichtigen wir stattdessen die jeweiligen Umstände und Meinungen der Menschen.
9. Was sollten wir nicht denken? Was wäre besser?
9 Wenn du jemanden im Dienst triffst, denk nicht, du wüsstest schon, wie seine Lebensumstände sind oder was er glaubt und warum (Spr. 18:13). Versuche das durch taktvolle Fragen herauszufinden (Spr. 20:5). Wenn es angebracht ist, frag nach seiner Arbeit, seiner Familie, seinen Erfahrungen und Ansichten. So lassen wir die Menschen gewissermaßen selbst erzählen, warum sie die gute Botschaft brauchen. Und dann können wir Mitgefühl zeigen und konkret auf ihre Bedürfnisse eingehen, wie Jesus es tat. (Vergleiche 1. Korinther 9:19-23.)
Stellen wir uns vor, wie das Leben der Menschen, denen wir predigen, wohl aussieht (Siehe Absatz 10, 11)
10, 11. Was ist unter Berücksichtigung von 2. Korinther 4:7, 8 eine weitere Möglichkeit, Mitgefühl zu zeigen? Erzähle ein Beispiel.
10 Zweitens: Versuchen wir uns vorzustellen, wie ihr Leben aussieht. Es gibt immer etwas, was wir nachempfinden können. Schließlich sind wir gegen die Probleme unvollkommener Menschen nicht immun (1. Kor. 10:13). Wie wir wissen, kann das Leben heute ziemlich schwierig sein. Wir halten nur mit Jehovas Hilfe durch. (Lies 2. Korinther 4:7, 8.) Aber wie geht es denen, die sich ohne eine enge Freundschaft zu Jehova durchschlagen müssen? Wie Jesus haben wir Mitleid mit ihnen und fühlen uns gedrängt, ihnen eine „gute Botschaft von etwas Besserem“ zu bringen (Jes. 52:7).
11 So ging es zum Beispiel einem Bruder mit Namen Sergei: Bevor er die Wahrheit kennenlernte, war er ziemlich unsicher und zurückgezogen. Er tat sich schwer, sich auszudrücken. Eines Tages willigte er in ein Bibelstudium ein. Er erzählt: „Durch das Bibelstudium lernte ich, dass man als Christ die Verpflichtung hat, über seinen Glauben zu sprechen. Doch das traute ich mir überhaupt nicht zu.“ Dann dachte Sergei an die Menschen, die noch nichts von der Wahrheit gehört hatten – wie ihr Leben wohl ohne Jehova aussah. Er sagt: „Gleichzeitig machten mich die Wahrheiten der Bibel jedoch sehr glücklich und zufrieden. Deswegen war es nur recht und billig, dass auch andere davon erfuhren.“ Mit Sergeis Mitgefühl wuchs auch sein Mut, zu predigen. Er erinnert sich: „Zu meiner großen Überraschung tat das meinem Selbstvertrauen sogar richtig gut. Außerdem wurde dadurch meine eigene Überzeugung gestärkt.“d
Es braucht oft Zeit, Fortschritte im Glauben zu machen (Siehe Absatz 12, 13)
12, 13. Warum müssen wir mit den Menschen geduldig sein? Welcher Vergleich verdeutlicht das?
12 Drittens: Seien wir geduldig mit den Menschen. Denken wir daran: Sie haben vielleicht über manche biblische Lehren, die wir gut kennen, noch nie nachgedacht. Und viele hängen sehr an dem, was sie glauben. Vielleicht sehen sie ihre Religion als etwas, was sie mit der Familie, der Kultur und dem sozialen Umfeld verbindet. Wie können wir ihnen helfen?
13 Dazu ein Vergleich: Angenommen eine alte, baufällige Brücke muss ersetzt werden. Oft wird eine neue Brücke gebaut, während die alte noch in Gebrauch ist. Die alte Brücke kann erst abgerissen werden, wenn die neue fertig ist. Ähnlich ist es mit religiösen Überzeugungen. Bevor die Menschen ihre geliebten „alten“ Glaubensansichten aufgeben können, müssen wir ihnen oft erst helfen, „neue“ Wahrheiten kennen- und lieben zu lernen – biblische Lehren, die ihnen anfangs unbekannt waren. Das kann Zeit kosten (Röm. 12:2).
14, 15. Wie können wir Menschen helfen, die nichts oder nur wenig über das ewige Leben in einem Paradies auf der Erde wissen?
14 Wenn wir mit den Menschen geduldig sind, erwarten wir nicht, dass sie biblische Wahrheiten auf Anhieb verstehen oder übernehmen. Aus Mitgefühl werden wir ihnen Zeit geben, mit der Bibel zu den richtigen Schlussfolgerungen zu kommen. Zum Beispiel gibt es viele, die nicht wissen, dass es einmal ein ewiges Leben in einem Paradies auf der Erde geben wird. Sie glauben, dass mit dem Tod alles aus ist oder dass gute Menschen in den Himmel kommen. Wie können wir ihnen helfen?
15 Ein Bruder erzählt, wie er gute Ergebnisse erzielt. Er liest zuerst 1. Mose 1:28 vor. Dann fragt er sein Gegenüber, wo und unter welchen Verhältnissen die Menschen nach diesem Bibeltext leben sollten. Die meisten antworten: „Auf der Erde, unter guten Bedingungen.“ Danach liest der Bruder Jesaja 55:11 vor und fragt, ob sich Gottes Vorhaben wohl geändert hat. Oft verneinen die Leute das. Zum Schluss liest er Psalm 37:10, 11 vor und stellt die Frage, wie die Zukunft der Menschheit aussehen wird. So konnte er schon etlichen verstehen helfen, dass Gott nach wie vor möchte, dass gute Menschen für immer in einem Paradies auf der Erde leben.
Eine kleine Geste, etwa ein ermutigender Brief, kann viel Gutes bewirken (Siehe Absatz 16, 17)
16, 17. Welche praktischen Möglichkeiten haben wir, Mitgefühl zu zeigen, wozu uns Sprüche 3:27 anregt?
16 Viertens: Suchen wir nach praktischen Möglichkeiten, Interesse und Rücksicht zu zeigen. Sind wir zum Beispiel zu einer ungünstigen Zeit gekommen, können wir uns entschuldigen und anbieten, wiederzukommen, wenn es besser passt. Was, wenn jemand eine helfende Hand benötigt? Oder wenn er das Haus nicht verlassen kann und jemanden braucht, der eine Besorgung für ihn macht? In solchen Fällen können wir vielleicht helfen. (Lies Sprüche 3:27.)
17 Eine Schwester konnte durch eine scheinbar kleine Geste Gutes bewirken. Sie hatte Mitgefühl mit einer Familie, die ein Kind verloren hatte, und schrieb einen Brief mit einigen tröstenden Bibelstellen. Wie war die Reaktion? „Ich hatte gestern einen schrecklichen Tag“, schrieb die Mutter. „Sie können sich wahrscheinlich nicht vorstellen, wie gut uns Ihr Brief getan hat. Ich kann Ihnen gar nicht genug dafür danken. Mir fehlen die Worte, um auszudrücken, wie viel er uns bedeutet hat. Ich hab Ihren Brief gestern bestimmt 20 Mal gelesen. Er war unglaublich nett und liebevoll und hat uns sehr aufgebaut. Von ganzem Herzen: Danke schön!“ Ja, wir können viel Gutes bewirken, wenn wir uns in die Lage der Menschen versetzen und ihnen helfen.
DIE EIGENE ROLLE RICHTIG SEHEN
18. Wie sollten wir vor dem Hintergrund von 1. Korinther 3:6, 7 unsere Rolle im Dienst sehen?
18 Natürlich möchten wir unsere Rolle im Dienst richtig sehen. Wir können zwar mithelfen, dass die Menschen etwas über Gott erfahren, aber wir spielen nicht die wichtigste Rolle. (Lies 1. Korinther 3:6, 7.) Jehova zieht die Menschen (Joh. 6:44). Letztlich reagiert jeder auf die gute Botschaft entsprechend dem, was in seinem Herzen ist (Mat. 13:4-8). Von Jesus nahmen die meisten Menschen die Botschaft ja auch nicht an – dabei war er der größte Lehrer aller Zeiten! Verlieren wir also nicht den Mut, wenn viele nicht auf die Botschaft reagieren.
19. Wie wirkt es sich aus, wenn wir im Dienst Mitgefühl zeigen?
19 Es wirkt sich positiv aus, wenn wir im Dienst Mitgefühl zeigen. Wir haben mehr Freude beim Predigen. Wir erfahren, wie viel glücklicher es macht, zu geben. Und wir erleichtern es Menschen, „die zum ewigen Leben richtig eingestellt“ sind, sich für die gute Botschaft zu entscheiden (Apg. 13:48). Deswegen wollen wir, „solange wir günstige Zeit dafür haben, gegenüber allen das Gute wirken“ (Gal. 6:10). Dann erleben wir die Freude, die es mit sich bringt, unseren himmlischen Vater zu verherrlichen (Mat. 5:16).
LIED 64 Freudig in der Ernte mitarbeiten
a Wenn wir Mitgefühl zeigen, können wir im Dienst mehr Freude haben – und oft auch bessere Ergebnisse erzielen. In diesem Artikel geht es darum, was wir von Jesus lernen können, und um vier Möglichkeiten, wie wir im Predigtdienst konkret Mitgefühl zeigen können.
b KURZ ERKLÄRT: Das Wort Mitleid beschreibt eine starke innere Anteilnahme für jemanden, der leidet oder lieblos behandelt wurde. Solche Gefühle können eine Person dazu bewegen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um anderen zu helfen.
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