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Der Schintoismus — Japans Suche nach GottDie Suche der Menschheit nach Gott
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11. Welche Rolle spielen Feste im Glaubensleben und im Alltag eines Schintoisten?
11 Da dem Schintoismus eine klar formulierte Theologie fehlt, wird der Dorffrieden durch Riten und Feste gefördert. „Das allerwichtigste für den Schintoisten ist“, wie die Enzyklopädie Nihon Shukyo Jiten schreibt, „ob Feste gefeiert werden oder nicht.“ (Siehe Kasten, Seite 193.) Das gemeinsame Feiern von Festen zu Ehren der Ahnengottheiten trug zu einem Gemeinschaftsgeist unter den Reisbauern bei. Die größeren Feste hingen und hängen immer noch mit dem Reisbau zusammen. Im Frühling bitten die Dorfbewohner die „Göttin der Reisfelder“, sie möge in ihr Dorf herabsteigen, und sie beten um eine gute Ernte. Im Herbst danken sie ihren Göttern für die Ernte. Bei den Festen tragen sie ihre Götter in einem mikoshi oder tragbaren Schrein umher und pflegen mit ihnen Gemeinschaft, indem sie mit ihnen essen und Reiswein (Sake) trinken.
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[Kasten auf Seite 193]
Schintoismus — eine Religion der Feste
In Japan gibt es während des Jahres zahllose religiöse Feste oder Matsuri. Es folgen einige der Hauptfeste:
▪ Sho-gatsu oder das Neujahrsfest, 1.—3. Januar.
▪ Setsubun, Bohnenwerfen innerhalb und außerhalb des Hauses, wobei man ruft: „Teufel raus, Glück rein“; 3. Februar.
▪ Hina Matsuri oder Puppenfest für die Mädchen; fällt auf den 3. März. Ein Aufbau mit Puppen, die den alten kaiserlichen Hof darstellen, wird aufgestellt.
▪ Knabenfest, 5. Mai; Koi-nobori (Papierkarpfen, die Kraft versinnbilden) werden an Bambusstäben befestigt und flattern gelassen.
▪ Tsukimi, das Bewundern des Vollmondes in der Herbstmitte, wobei man kleine runde Reiskuchen und die ersten Früchte opfert.
▪ Kanname-sai oder das Darbringen des ersten neuen Reises durch den Kaiser, im Oktober.
▪ Niiname-sai wird vom kaiserlichen Hof im November gefeiert, wenn der neue Reis vom Kaiser, der als Hoherpriester des Staats-Schinto die Kulthandlungen ausführt, gekostet wird.
▪ Shichi-go-san, was „sieben-fünf-drei“ bedeutet. Das Fest wird von schintoistischen Familien am 15. November gefeiert. Sieben, fünf und drei werden als wichtige Übergangsjahre angesehen; Kinder in bunten Kimonos besuchen den Familienschrein.
▪ Es werden auch viele buddhistische Feste gefeiert, z. B. der Geburtstag des Buddha am 8. April und das Obonfest am 15. Juli, das damit endet, daß man laternengeschmückte Bötchen im Fluß oder am Strand davonschwimmen läßt, „um den Ahnengeistern den Weg zurück in die andere Welt zu zeigen“.
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[Bilder auf Seite 195]
Schintoisten, die einen mikoshi, einen tragbaren Schrein, mitführen und (oben) beim Aoi-Fest in Kioto Haselwurz-(aoi-)Blätter tragen
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