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Religiöse Traditionen — Wird Gott dadurch in Wahrheit angebetet?Der Wachtturm 1988 | 1. Dezember
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„SALGA, salga, salga“ (Komm heraus, komm heraus, komm heraus). Der klagende Ruf schallt über den dunklen Friedhof auf der Insel Janitzio im Pátzcuarosee (Mexiko). Dort beschwört ein frommer Indianer vom Stamm der Tarasken einen toten Verwandten mit Hilfe eines schriftlich festgehaltenen Gebets. „Möge der heilige Rosenkranz die Ketten zerbrechen, die dich binden“, fleht er.
Es ist der Tag der Toten. Seit den frühen Morgenstunden haben Frauen und Kinder die Familiengräber mit Blütenblättern und dekorierten Holzgestellen geschmückt und Gaben in Form von Früchten und Gebäck vor die Gräber gestellt. Nun trotzen sie der Kühle der Nacht und sprechen Gebete oder halten schweigend Wache im schwachen Licht Tausender flackernder Kerzen, die für die Toten angezündet wurden.
Was einem außenstehenden Beobachter seltsam oder sogar absonderlich erscheinen mag, ist für diese Menschen eine altehrwürdige religiöse Tradition: die katholische Feier des Allerseelentages. In vielen lateinamerikanischen Ländern veranlaßt diese Tradition Tausende von Gläubigen, mit aufgeschriebenen Gebeten und Gaben für ihre toten Angehörigen auf die Friedhöfe zu strömen.
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Religiöse Traditionen — Wird Gott dadurch in Wahrheit angebetet?Der Wachtturm 1988 | 1. Dezember
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So hat beispielsweise der Allerseelentag eine genaue Entsprechung im buddhistischen „Ullambana“-Fest, einem Tag, der dazu dient, „den verstorbenen Ahnen seine kindliche Ergebenheit zu zeigen und die Geister von der Knechtschaft der Welt zu erlösen“ (The New Encyclopædia Britannica, Ausgabe 1976, Micropædia, 1. Band, Seite 260).
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