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Das Wort Gottes richtig handhabenDer Wachtturm 2003 | 15. November
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Das Wort Gottes richtig handhaben
„Tu dein Äußerstes, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als ein Arbeiter, der sich wegen nichts zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht handhabt“ (2. TIMOTHEUS 2:15).
1, 2. (a) Wann sind Werkzeuge nützlich? (b) Welche Arbeit verrichten Christen, und wie zeigen sie, dass sie zuerst das Königreich suchen?
ZUM Arbeiten braucht man Werkzeuge. Mit irgendeinem Werkzeug ist es aber auch nicht getan. Es muss das richtige sein, und man muss auch damit umgehen können. Will man zum Beispiel beim Bau eines Holzschuppens ein Brett an einem anderen befestigen, benötigt man nicht nur einen Hammer und Nägel. Man muss auch wissen, wie man die Nägel in das Holz schlägt, ohne sie zu verbiegen. Ansonsten wäre das Ganze ziemlich schwierig oder sogar frustrierend. Werkzeuge richtig zu gebrauchen hilft dagegen, gute Arbeit zu leisten.
2 Als Christen haben wir eine höchst wichtige Arbeit zu verrichten. Jesus Christus legte seinen Nachfolgern ans Herz, ‘zuerst das Königreich zu suchen’ (Matthäus 6:33). Wie können wir das tun? Unter anderem dadurch, dass wir uns fleißig daran beteiligen, das Königreich zu predigen und Jünger zu machen. Des Weiteren müssen unsere Äußerungen im Dienst fest auf Gottes Wort basieren, und wir müssen einen einwandfreien Lebenswandel führen (Matthäus 24:14; 28:19, 20; Apostelgeschichte 8:25; 1. Petrus 2:12). Damit wir bei unserer christlichen Tätigkeit erfolgreich und glücklich sind, brauchen wir geeignete Werkzeuge und wir müssen wissen, wie man sie richtig handhabt. Der Apostel Paulus gab in dieser Hinsicht ein ausgezeichnetes Beispiel. Er arbeitete angestrengt und forderte Glaubensbrüder auf, es ihm gleichzutun (1. Korinther 11:1; 15:10). Was können wir also von Paulus, unserem Mitarbeiter, lernen?
Paulus — ein eifriger Königreichsverkündiger
3. Warum kann man sagen, dass sich der Apostel Paulus eifrig für das Königreich einsetzte?
3 Was für ein Arbeiter war Paulus? Er war mit Sicherheit eifrig. Er verausgabte sich wirklich und verbreitete die gute Botschaft in weiten Teilen des Mittelmeerraums. Warum dieser unermüdlich tätige Apostel so begeistert das Königreich verkündigte, erklärte er folgendermaßen: „Wenn ich nun die gute Botschaft verkündige, ist das kein Grund für mich zum Rühmen, denn eine Notwendigkeit ist mir auferlegt. Tatsächlich, wehe mir, wenn ich die gute Botschaft nicht verkündigte!“ (1. Korinther 9:16). War Paulus lediglich daran interessiert, sein eigenes Leben zu retten? Weit gefehlt. Er war nicht selbstsüchtig, sondern wollte, dass auch andere die gute Botschaft kennen lernten. Er schrieb: „Alles ... tue ich um der guten Botschaft willen, damit ich mit anderen Teilhaber an ihr werde“ (1. Korinther 9:23).
4. Welches Werkzeug schätzen christliche Arbeiter am meisten?
4 Paulus war ein bescheidener Arbeiter. Er wusste, dass er sich nicht einfach auf die eigenen Fähigkeiten verlassen konnte. Wie ein Zimmermann für seine Arbeit einen Hammer braucht, so benötigte der Apostel Paulus ein Werkzeug, mit dem er seinen Zuhörern die göttliche Wahrheit ins Herz pflanzen konnte. Welches Werkzeug diente ihm in erster Linie dazu? Das Wort Gottes, die heiligen Schriften. Auch für uns ist Gottes Wort das wichtigste Werkzeug beim Jüngermachen.
5. Was, außer die Bibel zu zitieren, ist noch nötig, damit wir als Diener Gottes erfolgreich sind?
5 Gottes Wort richtig zu handhaben heißt nicht lediglich, daraus zu zitieren. Das wusste Paulus. Er war bemüht, seine Zuhörer „zu überzeugen“ (Apostelgeschichte 28:23). Wie ging er dabei vor? Er unterredete sich mit ihnen, indem er Gottes geschriebenes Wort wirkungsvoll gebrauchte. Viele konnte er überzeugen, die daraufhin die Königreichswahrheit annahmen. In einer Synagoge in Ephesus hielt er drei Monate lang Ansprachen und ‘redete mit Überzeugung vom Königreich Gottes’. Zwar ‘verhärteten sich einige und glaubten nicht’, andere aber hörten zu. Demzufolge „wuchs das Wort Jehovas fortwährend mit Macht und gewann die Oberhand“ (Apostelgeschichte 19:8, 9, 20).
6, 7. Wie verherrlichte Paulus seinen Dienst, und wie können wir es ebenfalls tun?
6 Als eifriger Königreichsverkündiger ‘verherrlichte’ Paulus ‘seinen Dienst’ (Römer 11:13). Wieso kann man das sagen? Er stellte sich nicht selbst in den Vordergrund, noch schämte er sich, als Mitarbeiter Gottes öffentlich aufzutreten. Sein Dienst war für ihn die höchste Ehre. Er setzte Gottes Wort geschickt und wirkungsvoll ein. Sein Erfolg spornte andere an und motivierte sie, ihren Dienst in noch vollerem Maße zu verrichten. Auch dadurch wurde sein Dienst verherrlicht.
7 Wie Paulus können wir ebenfalls unsere Tätigkeit als Diener Gottes verherrlichen, indem wir Gottes Wort häufig und wirkungsvoll gebrauchen. In allen Zweigen unseres Predigtdienstes sollte es unser Ziel sein, so vielen Menschen wie möglich etwas aus der Bibel zu vermitteln. Wie können wir das mit Überzeugung tun? Beachten wir drei wichtige Möglichkeiten: 1. auf Gottes Wort in einer Weise aufmerksam machen, dass die Achtung davor gefördert wird, 2. taktvoll erklären, was die Bibel sagt und was es bedeutet, und 3. anhand der Bibel überzeugend argumentieren.
8. Welche Werkzeuge stehen uns heute beim Predigen des Königreiches zur Verfügung, und wie nutzen wir persönlich sie?
8 Heutige Königreichsverkündiger verfügen über Werkzeuge, die Paulus nicht zur Verfügung standen. Dazu zählen Bücher, Zeitschriften, Broschüren, Handzettel, Traktate sowie Audio- und Videokassetten. Im vergangenen Jahrhundert wurden auch Zeugniskarten, Grammophone, Lautsprecherwagen und das Radio eingesetzt. Unser bestes und gleichzeitig unentbehrliches Werkzeug ist natürlich die Bibel, und wir sollten sie stets und auch richtig gebrauchen.
Was wir im Dienst sagen, muss fest in Gottes Wort verwurzelt sein
9, 10. Was lernen wir aus dem, was Paulus in Bezug auf die Handhabung des Wortes Gottes Timotheus riet?
9 Wie wird Gottes Wort für uns zu einem wirkungsvollen Werkzeug? Wenn wir uns an das halten, was Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus schrieb: „Tu dein Äußerstes, dich selbst Gott als bewährt darzustellen, als ein Arbeiter, der sich wegen nichts zu schämen hat, der das Wort der Wahrheit recht handhabt“ (2. Timotheus 2:15). Was bedeutet es, ‘das Wort der Wahrheit recht zu handhaben’?
10 Das im Griechischen gebrauchte Wort für „recht handhabt“ bedeutet wörtlich „gerade schneidend“ oder „den Weg in das Gelände in gerader Richtung einschneiden“. In den Christlichen Griechischen Schriften wird dieser Ausdruck nur von Paulus in seinem Brief an Timotheus gebraucht. Mit demselben Wort könnte auch ausgedrückt werden, dass man beim Pflügen eine gerade Furche zieht. Einem erfahrenen Bauern wäre es bestimmt sehr peinlich, wenn er eine krumme Furche gezogen hätte. Damit Timotheus „ein Arbeiter [sein konnte], der sich wegen nichts zu schämen hat“, wurde er daran erinnert, dass er nicht von der wahren Lehre des Wortes Gottes abweichen durfte. Was er lehrte, sollte nicht von persönlichen Ansichten beeinflusst sein. Er musste sich beim Predigen und Lehren streng an die Bibel halten (2. Timotheus 4:2-4). So wurden aufrichtige Menschen angeleitet, sich den Standpunkt Jehovas zu Eigen zu machen und nicht irgendeine philosophische Ansicht (Kolosser 2:4, 8). Darum geht es auch heute.
Wir müssen einen einwandfreien Lebenswandel führen
11, 12. Warum kommt es auch auf unseren Lebenswandel an, wenn wir Gottes Wort richtig handhaben möchten?
11 Gottes Wort richtig zu handhaben, indem wir seine Wahrheiten verkündigen, reicht jedoch nicht. Wir müssen auch danach leben. „Wir sind Gottes Mitarbeiter“ und dürfen nicht heucheln (1. Korinther 3:9). In Gottes Wort heißt es: „Du aber, der du einen anderen lehrst, lehrst dich selbst nicht? Du, der du predigst: ‚Stiehl nicht‘, stiehlst du? Du, der du sagst: ‚Begeh nicht Ehebruch‘, begehst du Ehebruch? Du, der du Abscheu vor den Götzen zum Ausdruck bringst, beraubst du Tempel?“ (Römer 2:21, 22). Wenn wir als neuzeitliche Mitarbeiter Gottes sein Wort richtig handhaben möchten, müssen wir unter anderem folgenden Rat beachten: „Vertraue auf Jehova mit deinem ganzen Herzen, und stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand. Beachte ihn auf all deinen Wegen, und er selbst wird deine Pfade gerade machen“ (Sprüche 3:5, 6).
12 Welche Ergebnisse können wir erwarten, wenn wir Gottes Wort richtig handhaben? Sehen wir uns einmal an, welche Macht das geschriebene Wort Gottes im Leben ehrlicher Menschen haben kann.
Gottes Wort hat umwandelnde Kraft
13. Was kann Gottes Wort bei jemandem bewirken, der es auf sich bezieht?
13 Gottes Wort übt auf Menschen, die seine Botschaft als verbindlich annehmen, einen so tief greifenden Einfluss aus, dass sie es schaffen, sich grundlegend zu ändern. Diese guten Auswirkungen des Wortes Gottes hatte Paulus bei Thessalonichern beobachtet, die Christen geworden waren. Deshalb konnte er an sie schreiben: „Wir [danken] Gott auch unablässig, denn als ihr Gottes Wort, das ihr von uns hörtet, empfingt, habt ihr es nicht als Menschenwort angenommen, sondern als das, was es wahrhaftig ist, als das Wort Gottes, das auch in euch, den Gläubigen, wirksam ist“ (1. Thessalonicher 2:13). Für jene Christen war die begrenzte Logik des Menschen nichts im Vergleich zu der überragenden Weisheit Gottes. Und so denken alle wahren Nachfolger Christi (Jesaja 55:9). Die Thessalonicher ‘hatten das Wort unter viel Drangsal mit der Freude des heiligen Geistes angenommen’ und waren für andere Gläubige ein Vorbild (1. Thessalonicher 1:5-7).
14, 15. Wie machtvoll ist die Botschaft des Wortes Gottes, und warum?
14 Das Wort Gottes ist wie sein Urheber dynamisch. Es stammt von Jehova, „dem lebendigen Gott“, durch dessen Wort „die Himmel selbst gemacht worden“ sind, und sein Wort hat immer ‘Erfolg in dem, wozu es gesandt wird’ (Hebräer 3:12; Psalm 33:6; Jesaja 55:11). Ein Bibelkommentator schrieb: „Gott trennt sich nicht von seinem Wort und verleugnet es nicht, als wäre es ihm fremd. ... Darum gleicht es nicht einem toten Stoff, der dafür unempfindlich ist, was mit ihm geschieht; denn es ist verbunden mit dem lebendigen Gott.“
15 Wie machtvoll ist die Botschaft des Wortes Gottes? Sie hat eine gewaltige Wirkung. Paulus schrieb treffend: „Das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus und ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch selbst bis zur Scheidung von Seele und Geist und von Gelenken und ihrem Mark und ist imstande, Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen“ (Hebräer 4:12).
16. Wie gründlich kann Gottes Wort einen Menschen verändern?
16 Die Botschaft des geschriebenen Wortes Gottes ist „schärfer als jedes zweischneidige Schwert“. Ihre durchdringende Kraft ist daher so gewaltig, dass sie jedes menschliche Werkzeug in den Schatten stellt. Das Wort Gottes dringt in das Innerste des Menschen ein und kann ihn von innen heraus verändern. Angefangen mit seiner Denkweise und seinen Vorlieben kann es aus ihm einen annehmbaren, ehrfürchtigen Mitarbeiter Gottes machen. Welch ein machtvolles Werkzeug!
17. Erkläre, warum Gottes Wort die Kraft hat, Menschen zu verändern.
17 Gottes Wort deckt auf, wie ein Mensch wirklich tief im Innern ist, ungeachtet dessen, was er von sich hält oder was er andere von sich erkennen lässt (1. Samuel 16:7). Selbst böse Menschen können ihr Inneres bisweilen unter einer Decke der Güte oder Frömmigkeit verbergen. In böser Absicht täuschen sie etwas vor. Stolze Menschen tragen Scheindemut zur Schau und sind auf den Beifall von Menschen erpicht. Dadurch, dass Gottes Wort aufdeckt, was wirklich im Herzen ist, hilft es demütigen Menschen, die alte Persönlichkeit abzulegen und „die neue Persönlichkeit an[zu]ziehen ..., die nach Gottes Willen in wahrer Gerechtigkeit und Loyalität geschaffen worden ist“ (Epheser 4:22-24). Die Lehren des Wortes Gottes können auch aus Schüchternen freimütige Zeugen für Jehova und eifrige Königreichsverkündiger machen (Jeremia 1:6-9).
18, 19. Zeige anhand dieser Absätze oder eines persönlichen Erlebnisses aus dem Predigtdienst, wie sich die Einstellung eines Menschen durch die biblische Wahrheit ändern kann.
18 Die umwandelnde Kraft des Wortes Gottes wirkt sich auf Menschen in der ganzen Welt vorteilhaft aus. Königreichsverkündiger aus Phnom Penh (Kambodscha) predigten zum Beispiel zweimal im Monat in der Provinz Kompong Cham. Als eine einheimische Pastorin davon hörte, dass andere Geistliche gegen Jehovas Zeugen redeten, verabredete sie ein Treffen mit den Zeugen bei deren nächstem Besuch in der Provinz. Sie stellte viele Fragen über Feiertage und hörte sich die Argumente aus der Bibel genau an. Schließlich rief sie aus: „Jetzt weiß ich, dass das, was meine Amtsbrüder über Sie erzählt haben, nicht stimmt. Man hat nämlich behauptet, Sie würden die Bibel nicht benutzen; aber heute Vormittag haben Sie ja nichts anderes als das getan!“
19 Diese Pastorin setzte ihre biblischen Unterhaltungen mit den Zeugen fort und ließ sich auch nicht davon abhalten, als man ihr drohte, sie des Amtes zu entheben. Von ihren biblischen Unterhaltungen erzählte sie einer Freundin, die daraufhin mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren begann. Die Freundin war von dem, was sie kennen lernte so begeistert, dass sie sich bei einem Gottesdienst in ihrer Kirche einmal gedrängt fühlte zu sagen: „Studieren Sie mit Jehovas Zeugen die Bibel!“ Kurz darauf fingen die frühere Pastorin und noch andere an, mit Zeugen Jehovas die Bibel zu studieren.
20. Wie zeigte sich bei einer Frau in Ghana, dass Gottes Wort machtvoll ist?
20 Wie machtvoll Gottes Wort ist, zeigte sich auch bei Paulina, einer Frau in Ghana. Eine Vollzeitverkündigerin studierte mit ihr die Bibel anhand des Buches Erkenntnis, die zu ewigem Leben führt.a Paulina war eine polygame Ehe eingegangen und erkannte, dass Änderungen nötig waren, doch ihr Mann und alle ihre Angehörigen leisteten ihr heftigen Widerstand. Ihr Großvater, ein Richter und Kirchenältester, versuchte, sie von ihrem Entschluss abzubringen, und griff zu einer Fehlinterpretation von Matthäus 19:4-6. Er hörte sich zwar recht achtunggebietend an, doch Paulina erkannte sofort, dass er die Heilige Schrift genauso verdrehte, wie Satan es tat, als er Jesus Christus versuchte (Matthäus 4:5-7). Sie dachte an Jesu deutliche Aussage über die Ehe, nämlich dass Gott einen Mann und eine Frau erschuf und nicht einen Mann und zwei Frauen und dass die zwei — nicht drei — ein Fleisch werden sollten. Sie hielt an ihrem Entschluss fest und wurde schließlich durch eine gewohnheitsrechtliche Scheidung aus der polygamen Ehe entlassen. Bald darauf wurde sie eine freudige Verkündigerin des Königreiches und ließ sich taufen.
Gottes Wort weiterhin richtig handhaben
21, 22. (a) Wozu sollten wir als Königreichsverkündiger entschlossen sein? (b) Was wird im nächsten Artikel behandelt?
21 Gottes Wort ist wirklich ein machtvolles Werkzeug, mit dem wir anderen helfen können, ihr Leben zu ändern, damit sie Jehova näher kommen (Jakobus 4:8). Bemühen wir uns als Königreichsverkündiger ernsthaft und entschlossen, Gottes Wort in dem uns von Gott aufgetragenen Werk geschickt zu handhaben — wie geübte Handwerker, die mit ihren Werkzeugen gute Ergebnisse erzielen.
22 Wie können wir die Bibel im Werk des Jüngermachens noch wirkungsvoller einsetzen? Unter anderem dadurch, dass wir die Fähigkeit verbessern, überzeugend zu lehren. Wenden wir uns daher dem nächsten Artikel zu; er enthält Anregungen, wie wir durch unser Lehren anderen helfen können, die Königreichsbotschaft anzunehmen.
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Anderen helfen, die Königreichsbotschaft anzunehmenDer Wachtturm 2003 | 15. November
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Anderen helfen, die Königreichsbotschaft anzunehmen
„Agrippa ... sagte zu Paulus: ‚In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden‘ “ (APOSTELGESCHICHTE 26:28).
1, 2. Warum wurde der Apostel Paulus von dem Statthalter Festus und König Herodes Agrippa II. verhört?
KÖNIG Herodes Agrippa II. und seine Schwester Bernice reisten im Jahr 58 u. Z. nach Cäsarea. Auf Einladung des römischen Statthalters Porcius Festus kamen sie „mit großem Gepränge“ und betraten „den Audienzsaal, zusammen mit Militärbefehlshabern und auch den vornehmsten Männern der Stadt“. Auf Befehl des Festus wurde der Apostel Paulus vorgeführt. Wie kam es, dass dieser Nachfolger Jesu Christi vor dem Richterstuhl des Statthalters erscheinen musste? (Apostelgeschichte 25:13-23).
2 Was Festus seinen Gästen erzählte, beantwortet diese Frage. Er sagte: „König Agrippa und alle ihr mit uns anwesenden Männer! Ihr seht diesen Mann, dessentwegen sich die ganze Menge der Juden zusammen sowohl in Jerusalem als auch hier an mich gewandt hat mit dem Geschrei, er dürfe nicht länger leben. Ich habe aber bemerkt, dass er nichts begangen hat, was den Tod verdient. Als somit dieser Mann sich selbst auf den Augustus berief, entschied ich, ihn hinzusenden. Ich habe aber ihn betreffend nichts Bestimmtes, um es meinem Herrn zu schreiben. Darum habe ich ihn euch und besonders dir, König Agrippa, vorgeführt, damit ich nach erfolgtem Gerichtsverhör etwas zu schreiben habe. Denn es scheint mir unvernünftig zu sein, einen Gefangenen hinzusenden, ohne auch die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen anzugeben“ (Apostelgeschichte 25:24-27).
3. Warum wurde Paulus von führenden Geistlichen angeklagt?
3 Wie aus den Worten des Festus hervorgeht, wurde Paulus fälschlicherweise des Aufruhrs beschuldigt — ein Vergehen, auf das die Todesstrafe stand (Apostelgeschichte 25:11). Paulus war unschuldig. Anklage erhoben hatten die eifersüchtigen religiösen Führer in Jerusalem. Sie widerstanden der Predigttätigkeit des Paulus und ärgerten sich sehr darüber, dass er anderen half, Nachfolger Jesu Christi zu werden. Unter schwerer Bewachung hatte man Paulus von Jerusalem zur Hafenstadt Cäsarea gebracht, wo er sich auf den Cäsar berief. Von dort sollte er nach Rom überführt werden.
4. Welche erstaunlichen Worte äußerte König Agrippa?
4 Versetzen wir uns einmal in folgende Situation: Paulus steht im Palast des Statthalters vor Persönlichkeiten, zu denen auch der Herrscher über einen nicht unbedeutenden Teil des römischen Imperiums gehört. König Agrippa wendet sich an Paulus und sagt: „Es ist dir erlaubt, ... zu reden.“ Während seiner Verteidigungsrede geschieht etwas Außergewöhnliches. König Agrippa ist zunehmend beeindruckt und sagt sogar: „In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden“ (Apostelgeschichte 26:1-28).
5. Warum hatten die Worte des Paulus bei Agrippa eine so große Wirkung?
5 Stellen wir uns das vor! Weil sich Paulus geschickt verteidigte, wurde ein Herrscher von dem durchdringenden, machtvollen Wort Gottes tief berührt (Hebräer 4:12). Was war an dieser Verteidigungsrede so wirkungsvoll? Und was können wir von Paulus für unser Werk des Jüngermachens lernen? Wenn wir seine Rede analysieren, treten zwei wichtige Elemente deutlich hervor: 1. Paulus redete mit Überzeugungskraft. 2. Er machte von seiner Erkenntnis des Wortes Gottes genauso geschickt Gebrauch, wie ein Kunsthandwerker ein Werkzeug geschickt einsetzt.
Mit Überzeugungkraft
6, 7. (a) Was sagen die in der Bibel gebrauchten Wörter für „Überzeugung“ oder „überzeugen“ aus? (b) Welche Rolle spielt die Überzeugung, wenn wir jemandem helfen wollen, eine biblische Lehre anzunehmen?
6 In der Apostelgeschichte werden griechische Wörter, die „Überzeugung“ oder „überzeugen“ bedeuten, wiederholt in Verbindung mit der Predigttätigkeit des Paulus gebraucht. Welche Rolle spielt Überzeugung in unserem Werk des Jüngermachens?
7 In der Ursprache der Christlichen Griechischen Schriften bedeutet „überzeugen“ so viel wie „unter dem Einfluss der Vernunft oder moralischer Erwägungen eine Sinnesänderung herbeiführen“ (W. E. Vine, An Expository Dictionary of New Testament Words). Das griechische Grundwort ist recht aufschlussreich, denn es vermittelt die Vorstellung von Vertrauen. Wenn wir jemand überzeugen wollen, damit er eine biblische Lehre annimmt, müssen wir also sein Vertrauen gewinnen, sodass er an die Wahrhaftigkeit dieser Lehre glaubt. Es reicht offensichtlich nicht, jemandem zu sagen, was die Bibel lehrt, damit er daran glaubt und entsprechend handelt. Ob unser Zuhörer nun ein Kind, ein Nachbar, ein Arbeitskollege, ein Mitschüler oder ein Verwandter ist, er muss davon überzeugt sein, dass wir ihm die Wahrheit sagen (2. Timotheus 3:14, 15).
8. Was ist erforderlich, um jemand von einer biblischen Wahrheit zu überzeugen?
8 Wie können wir jemand davon überzeugen, dass das, was wir aus Gottes Wort verkündigen, die Wahrheit ist? Paulus war darauf bedacht, bei seinen Zuhörern durch logische Überlegungen, vernünftige Argumente und eindringliche Bitten eine Sinnesänderung herbeizuführen.a Statt also lediglich zu erklären, etwas sei wahr, müssen wir auch unsere Darlegung durch einleuchtende Beweise untermauern. Wie geschieht das? Unsere Aussagen sollten fest auf Gottes Wort basieren und nicht auf einer persönlichen Meinung. Bekräftigen wir unsere aufrichtigen, biblischen Darlegungen auch noch durch zusätzliche Beweise (Sprüche 16:23). Wenn wir beispielsweise darüber sprechen, dass gehorsame Menschen ewig auf einer paradiesischen Erde leben werden, können wir als Stütze Bibeltexte wie Lukas 23:43 oder Jesaja 65:21-25 anführen. Wie können wir diesen biblischen Gedanken noch bekräftigen? Vielleicht durch etwas, was unser Zuhörer selbst schon erlebt hat oder kennt. Wir könnten an die kleinen Freuden des täglichen Lebens erinnern, die nichts kosten — ein herrlicher Sonnenuntergang, der süße Duft einer Blume, der köstliche Geschmack einer Frucht oder das Bild niedlicher Jungvögel, die gerade von ihrer Mutter gefüttert werden. Helfen wir unserem Zuhörer, in diesen Freuden einen Beweis dafür zu sehen, dass unser Schöpfer uns auf der Erde glücklich sehen möchte (Prediger 3:11, 12).
9. Wie können wir beim Predigen vernünftig vorgehen?
9 Wenn wir möchten, dass jemand eine biblische Lehre annimmt, dürfen wir in unserer Begeisterung nicht zu weit gehen, damit der Betreffende Herz und Sinn nicht verschließt. Das Predigtdienstschul-Buch mahnt mit folgenden Worten zur Vorsicht: „Eine plumpe Darlegung der Wahrheit, die in Ehren gehaltene Glaubenslehren als unwahr entlarvt, wird selten gut aufgenommen, selbst wenn zur Unterstützung eine lange Liste von Bibeltexten angeführt wird. Werden zum Beispiel populäre Feste einfach deshalb verurteilt, weil sie heidnischen Ursprungs sind, wird es wahrscheinlich nichts daran ändern, wie andere darüber denken. Eine vernünftige Vorgehensweise ist normalerweise erfolgreicher.“ Warum sollten wir uns bewusst bemühen, vernünftig vorzugehen? In dem Lehrbuch heißt es: „Vernünftiges Vorgehen [regt] zu Gesprächen an, gibt Menschen etwas, worüber sie noch länger nachdenken können, und ermöglicht weitere Gespräche. Eine vernünftige Vorgehensweise kann sehr überzeugend sein“ (Kolosser 4:6).
Mit überzeugenden Worten das Herz ansprechen
10. Wie leitete Paulus seine Verteidigungsrede vor Agrippa ein?
10 Sehen wir uns nun etwas genauer an, was Paulus in seiner Verteidigungsrede gemäß Apostelgeschichte, Kapitel 26 sagte. Beachten wir, wie er seine Rede begann. In der Einleitung fand er einen berechtigten Grund, Agrippa zu loben, und das obwohl der König mit seiner Schwester Bernice ein skandalöses Verhältnis hatte. Paulus sagte: „Ich erachte mich glücklich, König Agrippa, dass ich mich heute vor dir wegen all der Dinge, deren ich von den Juden angeklagt bin, verteidigen darf, besonders da du über alle Bräuche wie auch Streitfragen unter den Juden bestens Bescheid weißt. Deshalb bitte ich dich, mich mit Geduld anzuhören“ (Apostelgeschichte 26:2, 3).
11. Wie bewies Paulus durch seine Worte Achtung vor Agrippa, und welcher Vorteil ergab sich daraus?
11 Ist uns aufgefallen, dass Paulus das hohe Amt Agrippas würdigte, indem er ihn als König anredete? Das verriet Achtung, und die klug gewählten Worte ehrten Agrippa (1. Petrus 2:17). Paulus gestand ihm zu, ein Kenner der komplizierten Bräuche und des Gesetzes seiner jüdischen Untertanen zu sein, und erklärte, wie glücklich er sei, sich vor einem so gut unterrichteten Herrscher verteidigen zu dürfen. Paulus verhielt sich nicht so, als wäre er als Christ dem Nichtchristen Agrippa überlegen (Philipper 2:3). Er bat den König vielmehr, ihn geduldig anzuhören. So schuf Paulus eine Atmosphäre, in der Agrippa und die anderen Zuhörer eher geneigt sein würden, das, was er sagen wollte, anzunehmen. Er legte eine gemeinsame Grundlage, auf der er seine Argumente aufbauen konnte.
12. Wie können wir beim Predigen des Königreiches das Herz unserer Zuhörer ansprechen?
12 Wie Paulus vor Agrippa sollten auch wir uns beim Darlegen der Königreichsbotschaft bemühen, von der Einleitung bis zum Schluss das Herz unserer Zuhörer anzusprechen. Das erfordert aufrichtige Achtung vor unserem Gesprächspartner sowie echtes Interesse an seinen individuellen Umständen und seiner Denkweise (1. Korinther 9:20-23).
Gottes Wort geschickt handhaben
13. Auf welche Weise können wir wie Paulus Zuhörer zum Handeln anregen?
13 Paulus wollte seine Zuhörer motivieren, der guten Botschaft entsprechend zu handeln (1. Thessalonicher 1:5-7). Deshalb sprach er ihr sinnbildliches Herz, den Sitz der Beweggründe, an. Kommen wir auf seine Verteidigungsrede vor Agrippa zurück, und sehen wir uns an, wie Paulus ‘Gottes Wort recht handhabte’, indem er Moses und die Propheten zitierte (2. Timotheus 2:15).
14. Wieso kann man sagen, dass Paulus vor Agrippa mit Überzeugungskraft sprach?
14 Paulus wusste, dass Agrippa nominell ein Jude war. Deshalb bezog er sich darauf, dass sich der König im Judaismus auskannte, und argumentierte, dass er, Paulus, beim Predigen ‘nichts sagte außer dem, wovon die Propheten sowie Moses erklärt hatten, dass es geschehen werde’, nämlich das, was den Tod und die Auferstehung des Messias betraf (Apostelgeschichte 26:22, 23). Schließlich wandte sich Paulus direkt an Agrippa mit der Frage: „Glaubst du den PROPHETEN, König Agrippa?“ Damit brachte er Agrippa in eine regelrechte Zwickmühle. Würde er sagen, er lehne die Propheten ab, wäre sein Ruf als gläubiger Jude dahin. Stimmte er aber der Argumentation des Paulus zu, würde er sich öffentlich auf die Seite des Apostels stellen und Gefahr laufen, als Christ bezeichnet zu werden. Paulus beantwortete die Frage klugerweise selbst mit den Worten: „Ich weiß, dass du glaubst.“ Zu welcher Antwort fühlte sich Agrippa gedrängt? Er erwiderte: „In kurzem würdest du mich überreden, ein Christ zu werden“ (Apostelgeschichte 26:27, 28). Er wurde zwar nie ein Christ, doch offensichtlich hatte Paulus mit seiner Botschaft das Herz Agrippas in gewisser Hinsicht berührt (Hebräer 4:12).
15. Wie kam es, dass Paulus in Thessalonich eine Versammlung gründen konnte?
15 Ist uns aufgefallen, dass Paulus beim Darlegen der guten Botschaft nicht nur predigte, sondern auch darauf bedacht war, zu überzeugen? Da er so vorging und ‘Gottes Wort recht handhabte’, hörten ihm einige nicht nur zu, sondern wurden auch gläubig. So verhielt es sich beispielsweise in Thessalonich, wo Paulus in der Synagoge Juden und gottesfürchtige Nichtjuden aufsuchte. In Apostelgeschichte 17:2-4 ist darüber zu lesen: „Paulus [ging] nach seiner Gewohnheit zu ihnen hinein und unterredete sich an drei Sabbaten mit ihnen anhand der Schriften, indem er durch Hinweise erklärte und bewies, dass es für den Christus notwendig war, zu leiden und von den Toten aufzuerstehen ... Als Ergebnis wurden einige von ihnen gläubig.“ Paulus redete überzeugend. Er argumentierte, erklärte und bewies anhand der Schriften, dass Jesus der lang verheißene Messias war. Was war das Ergebnis? Die Gläubigen konnten zu einer Versammlung organisiert werden.
16. Wie können wir noch mehr Freude beim Predigen des Königreiches haben?
16 Können wir noch geschickter darin werden, Gottes Wort anderen überzeugend zu erklären? Wenn uns das gelingt, werden wir die Botschaft von Gottes Königreich mit noch größerer Befriedigung und Freude predigen und lehren können. Diese Erfahrung haben jedenfalls Verkündiger der guten Botschaft gemacht, die, wie es empfohlen wird, im Predigtdienst vermehrt die Bibel gebrauchen.
17. Zeige anhand dessen, was du selbst erlebt hast oder was in diesem Absatz erwähnt wird, wie vorteilhaft es ist, die Bibel zu gebrauchen.
17 Ein reisender Aufseher der Zeugen Jehovas schrieb zum Beispiel: „Viele Brüder und Schwestern haben jetzt im Haus-zu-Haus-Dienst die Bibel in der Hand. Es ist ihnen nun öfter möglich, einen Bibeltext vorzulesen. Das hat dazu beigetragen, dass unser Dienst mit der Bibel in Verbindung gebracht wird und nicht bloß mit Zeitschriften und Büchern. Das gilt sowohl für die Menschen, denen wir predigen, als auch für die Verkündiger.“ Örtliche Gebräuche spielen selbstverständlich auch eine gewisse Rolle dabei, ob wir die Bibel sichtbar in der Hand tragen. Wir sollten jedenfalls dafür bekannt sein, dass wir Gottes Wort geschickt gebrauchen, weil wir andere von der Königreichsbotschaft überzeugen möchten.
Den Predigtdienst so sehen, wie Gott ihn sieht
18, 19. (a) Wie betrachtet Gott unseren Dienst, und warum sollten wir genauso denken? (b) Was hilft uns, Rückbesuche richtig durchzuführen? (Siehe den Kasten „Wie Rückbesuche richtig durchgeführt werden“ auf Seite 16.)
18 Wenn wir den Predigtdienst so sehen, wie Gott ihn sieht, und geduldig sind, ist uns das ebenfalls eine Hilfe, das Herz unserer Zuhörer anzusprechen. Gott möchte, dass alle Arten von Menschen „zu einer genauen Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2:3, 4). Möchten wir das nicht auch? Jehova ist außerdem geduldig, und seine Geduld ermöglicht es noch vielen, zur Reue zu gelangen (2. Petrus 3:9). Wenn wir also jemand antreffen, der ein hörendes Ohr für die Königreichsbotschaft hat, sollten wir immer wieder vorsprechen, um zu bewirken, dass sein Interesse wächst. Zeit und Geduld sind nötig, damit der Same der Wahrheit sprosst (1. Korinther 3:6). Der Kasten „Wie Rückbesuche richtig durchgeführt werden“ enthält Anregungen, wie Interesse gefördert werden kann. Denken wir daran, dass sich im Leben von Menschen vieles ändert; ständig stehen sie vor neuen Problemen und Situationen. Womöglich sind viele Versuche nötig, bis wir sie zu Hause antreffen, doch die Mühe lohnt sich. Wir möchten ihnen Gelegenheit geben, Gottes Rettungsbotschaft zu hören. Bitten wir daher Jehova Gott um Weisheit, damit wir anderen mit noch größerer Überzeugungskraft helfen können, die Königreichsbotschaft anzunehmen.
19 Was können wir als christliche Arbeiter noch tun, wenn wir jemand gefunden haben, der die Königreichsbotschaft näher kennen lernen möchte? Im folgenden Artikel werden Anregungen dazu gegeben.
[Fußnote]
a Weiterer Aufschluss zum Thema Überzeugung ist in den Lerneinheiten 48 und 49 des Buches Nutze die Belehrung der Theokratischen Predigtdienstschule zu finden, herausgegeben von Jehovas Zeugen.
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Predigen, um Jünger zu machenDer Wachtturm 2003 | 15. November
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Predigen, um Jünger zu machen
„Als Priscilla und Aquila ... [Apollos] hörten, nahmen sie ihn zu sich und erklärten ihm den Weg Gottes noch genauer“ (APOSTELGESCHICHTE 18:26).
1. Was brauchte Apollos, obwohl er „glühend im Geist“ war?
PRISCILLA und Aquila, ein christliches Ehepaar, die im ersten Jahrhundert lebten, befanden sich in der Synagoge von Ephesus, als der redegewandte Apollos dort eine Ansprache hielt. Mit seinen überzeugenden Worten fesselte er die Zuhörer. Er war „glühend im Geist“ und lehrte „die Dinge über Jesus auf richtige Weise“. Allerdings war nicht zu übersehen, dass ihm „nur die Taufe des Johannes bekannt“ war. Was Apollos damals über Christus predigte, war zwar richtig, es ging aber nicht weit genug. Apollos musste noch mehr darüber erfahren, welche Rolle Jesus in der Verwirklichung des Vorsatzes Gottes spielte (Apostelgeschichte 18:24-26).
2. Vor welcher schwierigen Aufgabe schreckten Priscilla und Aquila nicht zurück?
2 Priscilla und Aquila boten Apollos sogleich an, ihm zu helfen, „alles“ zu halten, was Christus geboten hatte (Matthäus 28:19, 20). Wie es heißt, „nahmen sie ihn zu sich und erklärten ihm den Weg Gottes noch genauer“. So manches, was über Apollos bekannt war, hätte jedoch andere davon abhalten können, ihn zu belehren. Was wusste man über ihn? Und was können wir daraus lernen, dass sich Priscilla und Aquila bemühten, mit Apollos die Schriften zu besprechen? Inwiefern kann eine Betrachtung dieser geschichtlichen Aufzeichnungen bewirken, dass wir uns mehr darauf konzentrieren, Heimbibelstudien zu beginnen?
Der Mensch steht im Mittelpunkt
3. Warum war die Herkunft des Apollos für Priscilla und Aquila kein Hinderungsgrund, ihn zu belehren?
3 Apollos war jüdischer Abstammung und war vermutlich in Alexandria aufgewachsen. Alexandria, die damalige Hauptstadt von Ägypten, hatte als Zentrum der Gelehrsamkeit eine berühmte Bibliothek. In der Stadt lebten viele Juden, darunter auch Gelehrte. Dort entstand übrigens die Septuaginta — eine Übersetzung der Hebräischen Schriften ins Griechische. Wen wundert es da, dass Apollos „in den Schriften gut bewandert“ war! Aquila und Priscilla waren dagegen nur einfache Zeltmacher. Fühlten sie sich aber gegenüber dem beredten Apollos gehemmt? Nein. Aus Liebe sahen sie den Menschen in ihm. Sie erkannten, was ihm fehlte und wie sie ihm helfen konnten.
4. Wo und wie erhielt Apollos die nötige Hilfe?
4 So bewandert Apollos war, er musste sich noch weiterbilden. Das, was er noch wissen musste, konnte ihm allerdings keine Hochschule vermitteln. Nur Glieder der Christenversammlung waren dazu in der Lage. Apollos sollte bald mehr Einzelheiten erfahren und verstehen, welchen Weg zur Rettung Gott vorgesehen hatte. Priscilla und Aquila „nahmen ... ihn zu sich und erklärten ihm den Weg Gottes noch genauer“.
5. Was ist über Priscilla und Aquila als Geistesmenschen zu sagen?
5 Priscilla und Aquila waren geistig stark und hatten einen wohl begründeten Glauben. Höchstwahrscheinlich waren sie „stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von ... [ihnen] einen Grund für ... [ihre] Hoffnung“ verlangte, ob arm oder reich, ob gebildet oder ungebildet (1. Petrus 3:15). Aquila und seine Frau verstanden es, das Wort der Wahrheit recht zu handhaben (2. Timotheus 2:15). Offenbar befassten sie sich sorgfältig mit den Schriften. Was Apollos von ihnen lernte, berührte ihn tief, da sich alles auf das Wort Gottes stützte, das ‘lebendig ist, Macht ausübt’ und das Herz anspricht (Hebräer 4:12).
6. Wieso kann man sagen, dass Apollos die Hilfe dankbar annahm?
6 Apollos war von dem Beispiel seiner Lehrer sehr angetan und wurde im Jüngermachen noch geschickter. Er setzte seine Kenntnisse beim Verkündigen der guten Botschaft voll und ganz ein, vor allem unter der jüdischen Bevölkerung. Apollos war genau der richtige Mann, um Juden in Bezug auf Christus zu überzeugen. „Mächtig seiend in den Schriften“, konnte er beweisen, dass alle Propheten in alter Zeit das Kommen des Christus sehnlich erwarteten (Apostelgeschichte 18:24, Kingdom Interlinear Translation). Wie ferner berichtet wird, begab sich Apollos später nach Achaia und „leistete ... denen, die durch Gottes unverdiente Güte gläubig geworden waren, große Hilfe; denn eindringlich und gründlich bewies er öffentlich, dass die Juden im Unrecht waren, indem er anhand der Schriften zeigte, dass Jesus der Christus sei“ (Apostelgeschichte 18:27, 28).
Von anderen Lehrern lernen
7. Wie waren Aquila und Priscilla gute Lehrer geworden?
7 Wieso konnten Aquila und Priscilla andere so gut über das Wort Gottes belehren? Außer dem fleißigen persönlichen Studium und dem Besuch von Zusammenkünften muss sich der enge Umgang mit dem Apostel Paulus sehr vorteilhaft auf sie ausgewirkt haben. Paulus wohnte 18 Monate lang bei Priscilla und Aquila in Korinth. Sie stellten gemeinsam Zelte her oder besserten sie aus (Apostelgeschichte 18:2, 3). Man kann sich gut vorstellen, wie inhaltsreich ihre biblischen Gespräche waren. Und wie gut sich das auf ihre geistige Gesinnung ausgewirkt haben muss! „Wer mit Weisen wandelt, wird weise werden“, heißt es in Sprüche 13:20. Der gute Umgang hatte einen hervorragenden Einfluss auf ihre geistigen Gewohnheiten (1. Korinther 15:33).
8. Was lernten Priscilla und Aquila aus der Art, wie Paulus seinen Predigtdienst durchführte?
8 An dem Königreichsverkündiger Paulus konnten Priscilla und Aquila erkennen, wodurch sich ein guter Lehrer auszeichnet. Wie es in der Apostelgeschichte heißt, ‘hielt Paulus jeden Sabbat in der Synagoge [in Korinth] eine Ansprache und überzeugte Juden und Griechen’. Als sich ihm später Silas und Timotheus anschlossen, „begann sich Paulus eingehend mit dem Wort zu beschäftigen, indem er den Juden Zeugnis gab, um zu beweisen, dass Jesus der Christus ist“. Die Mitglieder der Synagoge zeigten sich wenig interessiert; daraufhin verlegte Paulus, wie Priscilla und Aquila feststellten, seine Predigttätigkeit an einen günstigeren Ort — in ein Haus, das an die Synagoge angrenzte. Dort konnte Paulus Krispus, dem Synagogenvorsteher, helfen, ein Jünger zu werden. Höchstwahrscheinlich war Priscilla und Aquila nicht entgangen, wie vorteilhaft es sich auf die Fruchtbarkeit des Gebietes auswirkte, dass Krispus ein Jünger geworden war. In dem Bericht heißt es: „Krispus ... kam zum Glauben an den Herrn, ebenso alle seine Hausgenossen. Und viele von den Korinthern, die hörten, wurden gläubig und wurden getauft“ (Apostelgeschichte 18:4-8).
9. Wie reagierten Priscilla und Aquila auf das Beispiel des Paulus?
9 Priscilla und Aquila gehörten zu den Königreichsverkündigern, die sich die Predigttätigkeit des Paulus zum Vorbild nahmen. Der Apostel ermahnte andere Christen: „Werdet meine Nachahmer, so wie ich Christi Nachahmer bin“ (1. Korinther 11:1). Dem Beispiel des Paulus folgend, erklärten Priscilla und Aquila ihrem Glaubensbruder Apollos die christlichen Lehren noch genauer. Dieser wiederum half ebenfalls anderen. Ohne Zweifel hatten Priscilla und Aquila einen Anteil am Jüngermachen in Rom, Korinth und Ephesus (Apostelgeschichte 18:1, 2, 18, 19; Römer 16:3-5).
10. Was haben wir persönlich aus Apostelgeschichte, Kapitel 18 gelernt, das uns beim Jüngermachen helfen wird?
10 Was lernen wir aus der Betrachtung von Apostelgeschichte, Kapitel 18? Nun, wir können uns auch von guten Lehrern des Wortes Gottes etwas abschauen und uns so im Jüngermachen verbessern, ebenso wie Aquila und Priscilla, die von Paulus gelernt hatten. Wir können die Nähe derer suchen, die „eingehend mit dem Wort beschäftigt“ sind und anderen ‘gründlich Zeugnis geben’ (Apostelgeschichte 18:5, Kingdom Interlinear Translation). Achten wir doch einmal darauf, mit welchen überzeugenden Lehrmethoden es ihnen gelingt, das Herz der Menschen anzusprechen! Solche Lehrmethoden helfen uns, Jünger zu machen. Wenn wir mit jemand die Bibel studieren, könnten wir ihn anregen, Familienangehörige oder Nachbarn zum Studium einzuladen. Warum ihn nicht fragen, ob er jemand kennt, der sich über ein Bibelstudium freuen würde? (Apostelgeschichte 18:6-8).
Gelegenheiten zum Jüngermachen herbeiführen
11. Wo überall sind neue Jünger zu finden?
11 Paulus und seine Mitchristen bemühten sich, Jünger zu machen, und predigten von Haus zu Haus, auf Marktplätzen und auf Reisen, ja eigentlich überall. Sind wir als eifrige Königreichsverkündiger, die Jünger machen möchten, imstande, unsere Predigttätigkeit zu erweitern? Nutzen wir jede Gelegenheit, nach würdigen Menschen zu suchen und ihnen zu predigen? Auf welche Weise haben Verkündiger der guten Botschaft neue Jünger gefunden? Werfen wir zunächst einen Blick auf Beispiele für das telefonische Zeugnisgeben.
12—14. Erläutere anhand eines eigenen Erlebnisses oder einer Erfahrung aus den Absätzen, wie nützlich das telefonische Zeugnisgeben ist.
12 In Brasilien gab eine unserer Glaubensschwestern, die wir Maria nennen wollen, beim Predigen von Haus zu Haus einer jungen Frau ein Traktat. Die Frau kam gerade aus einem Mietshaus heraus. Maria benutzte den Titel des Traktats als Einleitung und fragte: „Möchten Sie die Bibel besser kennen lernen?“ Die Frau erwiderte: „Sehr gern. Das Problem ist nur: Ich bin Lehrerin und der Unterricht kostet mich meine ganze Zeit.“ Maria erklärte ihr, dass sie auch telefonisch mit ihr über biblische Themen sprechen könnte. Die Frau gab Maria ihre Telefonnummer, und noch am selben Abend begann Maria das Studium telefonisch anhand der Broschüre Was erwartet Gott von uns? a.
13 Eine Vollzeitpredigerin in Äthiopien erschrak beim telefonischen Zeugnisgeben, als sie während des Gesprächs mit einem Herrn im Hintergrund eine aufgeregte Stimme hörte. Der Mann bat sie, später wieder anzurufen. Bei dem späteren Anruf entschuldigte sich der Mann und sagte, bei dem vorherigen Anruf hätten seine Frau und er sich gerade heftig gestritten. Die Schwester knüpfte an seine Bemerkung an und wies auf die gute Anleitung hin, die die Bibel zur Lösung von Familienproblemen bietet. Sie erwähnte, dass vielen Familien das von Jehovas Zeugen herausgegebene Buch Das Geheimnis des Familienglücks eine Hilfe war. Ein paar Tage nachdem der Mann das Buch erhalten hatte, führte die Schwester wieder ein Telefongespräch mit ihm. Freudig berichtete er: „Das Buch hat meine Ehe gerettet!“ Er hatte sogar die ganze Familie zusammengerufen, um allen die guten Punkte mitzuteilen, die er in dem Buch gelesen hatte. Es wurde ein Heimbibelstudium begonnen und bald danach besuchte der Mann regelmäßig Zusammenkünfte.
14 Eine Königreichsverkündigerin in Dänemark, die durch telefonisches Zeugnisgeben ein Bibelstudium mit einer Frau beginnen konnte, sagte: „Der Dienstaufseher riet mir, mich am telefonischen Zeugnisgeben zu beteiligen. Anfangs sagte ich zögerlich: ‚Das ist nichts für mich.‘ Doch dann nahm ich irgendwann allen Mut zusammen und wählte die erste Nummer. Eine Frau namens Sonja meldete sich, und nach einer kurzen Unterhaltung ging sie auf das Angebot ein, biblische Literatur zu erhalten. Eines Abends sprachen wir über das Thema Schöpfung, und sie interessierte sich für das Buch Das Leben — Wie ist es entstanden? Durch Evolution oder durch Schöpfung?b. Ich sagte, dass es schön wäre, wenn wir uns persönlich kennen lernen und miteinander über das Thema sprechen könnten. Sie war damit einverstanden. Als ich ankam, war Sonja darauf eingestellt, das vereinbarte Thema zu betrachten, und seitdem studieren wir jede Woche.“ Unsere Schwester schließt mit den Worten ab: „Jahrelang habe ich um ein Bibelstudium gebetet, aber ich habe nicht damit gerechnet, es durch telefonisches Zeugnisgeben zu finden.“
15, 16. Welche eigenen Erfahrungen können wir berichten, die zeigen, dass es nützlich ist, auf verschiedene Möglichkeiten zu achten, ein Bibelstudium zu beginnen?
15 Manche haben Erfolg, weil sie der Empfehlung folgen, den Menschen überall dort zu predigen, wo sie anzutreffen sind. In den Vereinigten Staaten hielt eine Zeugin mit ihrem Auto auf einem Parkplatz neben einem Lieferwagen an. Als die Frau in dem Lieferwagen zu ihr herübersah, begann die Schwester mit ihr ein Gespräch und erläuterte unser biblisches Bildungswerk. Die Frau hörte zu. Dann stieg sie aus, ging zu dem Auto der Schwester und sagte: „Ich bin so froh, dass Sie hier geparkt und mit mir gesprochen haben. Ich habe schon lange keine biblische Literatur mehr von Ihnen gelesen. Außerdem würde ich gern wieder die Bibel studieren. Würden Sie das mit mir tun?“ So schuf unsere Schwester eine günstige Situation, um über die gute Botschaft zu sprechen.
16 Eine Schwester in den Vereinigten Staaten erlebte Folgendes, als sie ein Seniorenwohnheim besuchte. Sie wandte sich an einen leitenden Mitarbeiter in dem Heim und sagte ihm, sie würde gern ihre Hilfe anbieten und sich ehrenamtlich um die geistigen Bedürfnisse der Bewohner kümmern. Und sie fügte hinzu, dass sie gern mit allen, die es möchten, wöchentlich ein kostenloses Bibelstudium durchführen würde. Der Mitarbeiter erlaubte ihr, die Zimmer mehrerer Personen aufzusuchen. Schon bald studierte sie an drei Tagen in der Woche mit insgesamt 26 Bewohnern die Bibel, und einer davon ist in der Lage, regelmäßig die Zusammenkünfte zu besuchen.
17. Mit welcher Methode lassen sich oftmals Bibelstudien beginnen?
17 Manche Königreichsverkündiger erzielen gute Ergebnisse, wenn sie das Bibelstudium direkt anbieten. An einem Vormittag nahm sich eine Versammlung speziell vor, allen, die man zu Hause antreffen würde, ein Bibelstudium anzubieten. 86 der 105 Verkündiger beteiligten sich am Predigtdienst, und nach zwei Stunden stellten sie fest, dass mindestens 15 Bibelstudien begonnen werden konnten.
Weiterhin nach Menschen suchen, die es verdienen
18, 19. An welche wichtige Anweisung Jesu sollten wir immer denken, und was sollten wir uns deswegen fest vornehmen?
18 Als Königreichsverkündiger möchten wir vielleicht gern die Empfehlungen in diesem Artikel ausprobieren. Natürlich wäre es vernünftig, die örtlichen Verhältnisse zu berücksichtigen, bevor man bestimmte Predigtmethoden anwendet. Vor allem wollen wir immer an Jesu Anweisung denken, diejenigen zu suchen, die es verdienen, und ihnen zu helfen, Jünger zu werden (Matthäus 10:11; 28:19).
19 Dazu wollen wir ‘das Wort der Wahrheit recht handhaben’. Das können wir durch überzeugende, fest in der Bibel verankerte Argumente. Dadurch gelingt es uns bei empfänglichen Menschen, das Herz anzusprechen und sie dazu zu bewegen, etwas zu unternehmen. Wenn wir vertrauensvoll zu Jehova beten, können wir bei einigen mithelfen, dass sie Jünger Jesu Christi werden. Und wie lohnend dieses Werk doch ist! Tun wir daher ‘unser Äußerstes, uns Gott als bewährt darzustellen’, indem wir Jehova immer ehren und als eifrige Königreichsverkündiger beim Predigen das Ziel verfolgen, Jünger zu machen (2. Timotheus 2:15).
[Fußnoten]
a Herausgegeben von Jehovas Zeugen.
b Herausgegeben von Jehovas Zeugen.
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