Religion — Ein Gesprächsthema für mich?
„Wechseln wir bitte das Thema. Über zwei Dinge diskutiere ich prinzipiell nicht: Religion und Politik.“
„Religion ist etwas für Frauen und Kinder.“
„Ich möchte jetzt nicht über Religion sprechen. Ich komme gerade von der Kirche.“
KLINGEN diese Äußerungen vertraut? Manch einer unterhält sich nicht gern über Religion, weil er Glaubensdinge als Sache zwischen sich und Gott ansieht. Schon Jesus sagte: „Wenn du betest, geh in deinen Privatraum, und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten“ (Matthäus 6:6).
Andererseits waren Jesus und seine Jünger nicht der Ansicht, alles, was mit Religion zu tun habe, sei Privatsache. Sie sprachen freimütig und offen über eine Vielzahl religiöser Themen mit dem Ergebnis, daß ihre Lehren in die ganze Welt getragen wurden (Apostelgeschichte 1:8; Kolosser 1:23). Natürlich war nicht jeder gesprächsbereit, und von denen, die sich mit ihnen unterhielten, blieben nicht wenige skeptisch.
Auch heute ist die Einstellung zu religiösen Diskussionen von Mensch zu Mensch und von Kultur zu Kultur verschieden. In vielen westlichen Ländern etwa sind die Interessengebiete eher nichtreligiöser Art: Bildung, Arbeit, Sport, Computer, Fernsehen und so weiter. In anderen Kulturkreisen ist man dagegen eher bereit, über seine Glaubensansichten zu sprechen. Doch gleichgültig, welchen Hintergrund man hat, können im Leben Dinge passieren, die selbst religiös desinteressierte Menschen zum Umdenken veranlassen.
Intoleranz schreckt ab
Wenn jemand religiöse Gespräche rundheraus ablehnt, liegt es vielleicht daran, daß er schon einmal beobachtet oder selbst erlebt hat, wie eine solche Unterhaltung in eine hitzige Debatte ausgeartet ist. „Religiöse Unterschiede rufen mehr Streitigkeiten hervor als politische Unterschiede“, sagte ein namhafter Rhetoriker. Und Richard M. Johnson, einer der frühen amerikanischen Vizepräsidenten, bemerkte: „Religiöser Eifer erregt die stärksten Vorurteile im menschlichen Geist und weckt, wenn fehlgeleitet, die schlimmsten Leidenschaften der menschlichen Natur unter dem Vorwand, Gott einen Dienst zu tun.“
Ist es nicht eigenartig, daß etwas, was die Menschen auf ein höheres Niveau heben und besser machen kann — sprich die Lehren der Bibel —, mißbraucht wird, um Intoleranz, Fanatismus und Haß zu nähren? Was jedoch viele an der Religion abstößt, ist die Verfälschung der biblischen Lehren, nicht die biblischen Lehren an sich. Man braucht doch nur an das Christentum zu denken.
Der Begründer des Christentums, Jesus Christus, förderte durch Wort und Tat die Liebe zu Gott und zum Nächsten, nicht Intoleranz und Fanatismus. Die Methode, die Christus und seine Nachfolger in ihrem Predigtwerk anwandten, war vernünftige und überzeugende Argumentation (Matthäus 22:41-46; Apostelgeschichte 17:2; 19:8). Und sie beteten für ihre Feinde und Verfolger (Matthäus 5:44; Apostelgeschichte 7:59, 60).
Die wahre Religion wirkt auf Herz und Verstand erhellend und verbindet Menschen. Wie wir noch sehen werden, können sich für aufrichtige Wahrheitssucher religiöse Diskussionen, die in einer würdigen Art und Weise geführt werden, als sehr fruchtbar erweisen.
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Kommentare prominenter Persönlichkeiten
„Wenn Jesus der Weg zu Gott ist, ist es für Nachfolger Jesu zwingend, mit anderen darüber zu sprechen“ (Ben Johnson, Professor für Evangelisation am Theologischen Seminar von Columbia).
„Jesus lehrte seine Jünger, dem Volk das Evangelium zu überbringen. Sein Missionsauftrag verlangt von uns, in alle Welt zu ziehen. Der Herr gebot seinen Nachfolgern, in alle Straßen und Sträßchen zu gehen“ (Kenneth S. Hemphill, Leiter des Zentrums für Kirchenwachstum der Südlichen Baptisten).
„Wir [können] nur als Zeugen authentische Christen sein ... jeder Christ [ist] aufgerufen, Missionar und Zeuge zu sein“ (Papst Johannes Paul II.).
„Zu viele Prediger ... sind mehr am Aufbau großer Gemeinden, an Kirchenbauprojekten und an ihrer nächsten Pfarrstelle interessiert als am Predigen der eindeutigen und unbequemen Botschaft des Evangeliums“ (Cal Thomas, Publizist und Kolumnist).
„Wir müssen an die Türen klopfen ... Wie die Zeugen [Jehovas] und manche anderen müssen wir hinausgehen und das Evangelium Jesu Christi verkünden“ (Thomas V. Daily, katholischer Bischof).