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Königreichspredigtwerk durch die Herstellung biblischer Literatur gefördertJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Abschnitt 5
Königreichspredigtwerk durch die Herstellung biblischer Literatur gefördert
Auf der ganzen bewohnten Erde predigen — wie würde das erreicht werden? Wie dieser Abschnitt (Kapitel 25 bis 27) zeigt, hat man sich weltweit verschiedener Einrichtungen zur Herstellung von Bibeln und biblischer Literatur bedient, um Menschen aus allen Nationen zu erreichen.
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Öffentlich und von Haus zu Haus predigenJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Kapitel 25
Öffentlich und von Haus zu Haus predigen
ALS Jesus Christus seine Jünger aussandte, gab er ihnen die Anweisung: „Während ihr hingeht, predigt, indem ihr sagt: ‚Das Königreich der Himmel hat sich genaht‘ “ (Mat. 10:7). Und in seinem prophetischen Auftrag an wahre Christen, die in der Zeit des Abschlusses des Systems der Dinge leben würden, sagte er: „Diese gute Botschaft vom Königreich wird auf der ganzen bewohnten Erde gepredigt werden, allen Nationen zu einem Zeugnis“ (Mat. 24:14). Was bedeutete das?
Damit war nicht gemeint, daß sie Kirchen bauen, Glocken läuten und darauf warten sollten, daß eine Gemeinde zusammenkäme, der sie einmal in der Woche eine Predigt halten würden. Das griechische Verb, das hier mit „predigen“ (kērýssō) wiedergegeben wird, bedeutet eigentlich „als Herold verkünden“. Tatsächlich geht es nicht darum, vor einer geschlossenen Gruppe von Jüngern Predigten zu halten, sondern darum, eine öffentliche Erklärung abzugeben.
Jesus selbst zeigte, wie dies zu tun wäre. Er begab sich an Orte, wo er Menschen traf. Im ersten Jahrhundert versammelte man sich regelmäßig in Synagogen, wo aus den Schriften vorgelesen wurde. Jesus ergriff die Gelegenheit, den dort Versammelten zu predigen, und zwar nicht nur in e i n e r Stadt, sondern in vielen Städten und Dörfern in ganz Galiläa und Judäa (Mat. 4:23; Luk. 4:43, 44; Joh. 18:20). Wie die Evangelien erkennen lassen, predigte er noch häufiger an Stränden, an Berghängen, unterwegs, in Dörfern und in den Häusern derer, die ihn willkommen hießen. Wo immer er Leute traf, sprach er mit ihnen über Gottes Vorsatz in Verbindung mit den Menschen (Luk. 5:3; 6:17-49; 7:36-50; 9:11, 57-62; 10:38-42; Joh. 4:4-26, 39-42). Als er seine Jünger aussandte, wies er sie an, die Menschen in ihren Wohnungen zu besuchen, um nach denen zu forschen, die es verdienten, und ihnen von Gottes Königreich zu erzählen (Mat. 10:7, 11-13).
Jehovas Zeugen der Neuzeit haben sich bemüht, dem Vorbild Jesu und seiner Jünger im ersten Jahrhundert zu entsprechen.
Die Botschaft von Christi Gegenwart verkündigen
Charles Taze Russell und seine Gefährten waren tief bewegt, als sie das harmonische Gesamtbild der Wahrheit aus Gottes Wort begriffen und den Zweck und die Art und Weise der Wiederkunft Christi erkannten. Bruder Russell verspürte die dringende Notwendigkeit, dies bekanntzumachen. Er regelte alles so, daß er dorthin reisen konnte, wo sich Menschen aufhielten, denen er diese biblischen Wahrheiten übermitteln konnte. Er ging zu Zeltmissionen und nutzte die Gelegenheiten, zu den Versammelten zu sprechen, so wie es Jesus in den Synagogen getan hatte. Doch bald wurde ihm klar, daß auf andere Weise mehr erreicht werden könnte. Bei seinem Studium der Bibel fand er heraus, daß Jesus und seine Apostel überwiegend in persönlichen Gesprächen und bei ihren Besuchen von Haus zu Haus predigten. Außerdem wurde ihm bewußt, wie wertvoll es wäre, jemandem nach einem Gespräch etwas Gedrucktes in die Hände zu legen.
Bereits 1877 hatte Charles Taze Russell die Broschüre The Object and Manner of Our Lord’s Return (Der Zweck und die Art und Weise der Wiederkunft unseres Herrn) herausgegeben. Zwei Jahre später begann er, regelmäßig die Zeitschrift Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi herauszugeben. Ja, der Zweck bestand darin, zu predigen oder zu verkünden, und zwar wichtige Botschaften in Verbindung mit der Gegenwart Christi.
Schon 1881 wurden Schriften von Bibelforschern unweit von Kirchen kostenfrei verteilt — nicht direkt an der Kirchentür, doch in der Nähe, so daß religiöse Bürger die Druckschriften entgegennehmen konnten. Viele Bibelforscher gaben Literatur an Bekannte weiter oder versandten sie mit der Post. Im Jahre 1903 wurde im Wacht-Turm empfohlen, bei der Verbreitung der Traktate von Haus zu Haus bemüht zu sein, alle Menschen zu erreichen, statt sich nur auf Kirchgänger zu konzentrieren. Nicht alle beteiligten sich daran, doch eine ansehnliche Zahl war mit Eifer dabei. Es wurde beispielsweise berichtet, daß in den Vereinigten Staaten in einigen Großstädten und in ihren Vororten im Umkreis von mehr als 16 Kilometern praktisch jeder Haushalt aufgesucht wurde. Millionen und Abermillionen von Traktaten oder Broschüren wurden auf diese Weise verbreitet. Damals verkündigten die meisten Bibelforscher die gute Botschaft, indem sie auf vielerlei Weise Traktate und andere Schriften kostenfrei verteilten.
Andere Bibelforscher — eine begrenzte Anzahl — dienten als Kolporteurverkündiger und setzten den größten Teil ihrer Zeit in diesem Werk ein.
Eifrige Kolporteure übernehmen die Führung
Der erste Aufruf an ergebene Männer und Frauen, die einen wesentlichen Teil ihrer Zeit in diesem Dienst einsetzen könnten, erging im April 1881. Sie sollten Wohnungsinhabern und Geschäftsleuten ein Taschenbuch, das biblische Wahrheiten erklärte, und ein Abonnement des Wacht-Turms anbieten. Ihr Ziel bestand darin, wahrheitshungrige Menschen zu finden und ihnen Erkenntnis zu vermitteln. Eine Zeitlang bemühten sich die Verkündiger, mit wenigen Worten Interesse zu wecken und beim Wohnungsinhaber ein Päckchen mit Literatur zur Ansicht zurückzulassen. Nach einigen Tagen kamen sie wieder. Manche Wohnungsinhaber gaben die Literatur zurück, während andere sie erwarben. Häufig ergaben sich Gelegenheiten zu Gesprächen. Über das Ziel bemerkte der Wacht-Turm: „Was wirklich zählt, ist nicht der Verkauf der Päckchen noch das Aufnehmen von Abonnements, sondern die Verbreitung der Wahrheit, indem die Menschen angeregt werden zu lesen.“
Die Anzahl derer, die sich am Kolporteurwerk beteiligten, war verhältnismäßig klein. In den ersten 30 Jahren schwankte die Zahl zwischen einigen wenigen und etwa 600. Diese Kolporteure waren im wahrsten Sinne des Wortes Pioniere — sie erschlossen neue Gebiete. Anna Andersen harrte beispielsweise Jahrzehnte in diesem Dienst aus. Gewöhnlich war sie mit dem Fahrrad unterwegs und brachte die gute Botschaft in nahezu jede Stadt Norwegens. Andere Kolporteure verließen ihr Heimatland und brachten die Botschaft als erste in Länder wie Finnland, Barbados, El Salvador, Guatemala, Honduras und Birma (heute Myanmar). Einige waren nicht in der Lage, in andere Gebiete zu ziehen, und dienten in ihrem Heimatgebiet als Kolporteurverkündiger.
Das Werk, das die Kolporteure verrichteten, war herausragend. Im Jahre 1898 berichtete einer von ihnen, der an der Westküste der Vereinigten Staaten tätig war, er habe in den vergangenen 33 Monaten mit seinem Pferdewagen 12 800 Kilometer zurückgelegt, in 72 Städten Zeugnis gegeben, 18 000 Besuche gemacht, 4 500 Bücher zurückgelassen, 125 Abonnements aufgenommen und 40 000 Traktate verteilt. Außerdem hatten 40 Personen die Botschaft angenommen und sogar damit begonnen, anderen davon zu erzählen. Einem Ehepaar in Australien gelang es, 20 000 Bücher in die Hände von interessierten Personen zu legen, und das in nur zweieinhalb Jahren.
War es eher die Ausnahme oder die Regel, viel Literatur abzugeben? Nun, wie der Bericht für 1909 zeigte, erhielten 625 Kolporteure (die damalige Gesamtzahl) von der Gesellschaft 626 981 gebundene Bücher zum Verbreiten (durchschnittlich tausend pro Kolporteur); darüber hinaus gaben sie viele Schriften kostenfrei ab. Häufig waren sie nicht in der Lage, all die Bücher zu tragen, die sie hätten abgeben können; daher nahmen sie Bestellungen auf und lieferten die Bücher später aus.
Dennoch wandten einige ein: „Das ist kein Predigen!“ Es war jedoch, wie Bruder Russell erklärte, eine äußerst wirkungsvolle Art des Predigens. Statt nur e i n e Predigt zu hören, kamen die Menschen nun in den Genuß vieler gedruckter Predigten, die sie immer wieder lesen und mit ihrer Bibel vergleichen konnten. Diese Art des Evangelisierens war möglich, weil die Menschen aufgrund der Allgemeinbildung des Lesens mächtig waren. Das Buch Die Neue Schöpfung hob hervor: „Dagegen, daß diese Evangeliumsverkündiger nach modernen Methoden arbeiten, kann ebensowenig etwas eingewendet werden wie dagegen, daß sie nicht zu Fuß oder auf Kamelen, sondern per Bahn das Land durchqueren. Das Wesentliche an der Evangelisation ist die Verkündigung der Wahrheit ..., des Wortes Gottes.“
Das aufrichtige Interesse der Bibelforscher, ihren Mitmenschen zu helfen, zeigte sich in der Gründlichkeit, die schließlich für ihre Predigttätigkeit charakteristisch werden sollte. Der Wacht-Turm vom Juli 1917 beschrieb, wie man vorging: Zuerst machten die Kolporteure in einem Gebiet Hausbesuche und boten die Schriftstudien an. Danach besuchten die am pastoralen Werka beteiligten Arbeiter diejenigen, deren Namen von den Kolporteuren notiert oder nach öffentlichen Vorträgen abgegeben worden waren. Sie spornten die Menschen an, die Literatur zu lesen, und ermunterten Interessierte, speziell organisierte Vorträge zu besuchen. Außerdem bemühten sie sich, Beröer-Bibelstudien-Klassen einzurichten. Wenn möglich, gingen die Kolporteure erneut durch das Gebiet, und daraufhin folgten die mit dem pastoralen Werk Beauftragten, um mit denen, die Interesse gezeigt hatten, in Verbindung zu bleiben. Später besuchten andere Klassen-Arbeiter dieselben Haushalte mit der „Freiwilligen-Sache“, wie sie die Traktate und andere kostenfreie Schriften nannten. So war es möglich, daß jeder etwas in die Hände bekam, was bei ihm den Wunsch wecken konnte, mehr über Gottes Vorsatz zu erfahren.
Falls in einem Gebiet nur ein oder zwei Kolporteure tätig waren und keine Versammlung bestand, verrichteten die Kolporteure die Nacharbeit oft selbst. Als zum Beispiel Hermann Herkendell und sein Partner 1908 als Kolporteure nach Bielefeld kamen, wurden sie speziell angewiesen, die Interessierten miteinander bekannt zu machen und eine Versammlung zu gründen. Einige Jahre später erwähnte Der Wacht-Turm andere Kolporteure, die aufgrund intensiver Schulung der Interessierten in jeder kleineren oder größeren Stadt, in der sie tätig waren, Bibelklassen gründen konnten.
Eine wertvolle Hilfe in diesem Werk war das Buch Die Harfe Gottes, das 1921 erschien. Es war besonders für Neuinteressierte gedacht und erreichte schließlich eine Auflage von 5 819 037 und wurde in 22 Sprachen verbreitet. Um denen weiterzuhelfen, die das Buch erworben hatten, bot die Gesellschaft einen thematischen Bibel-Fernkurs an. Er bestand aus 12 Fragebogen und wurde über einen Zeitraum von 12 Wochen versandt. Das Buch diente als Grundlage für ein gruppenweises Bibelstudium, das in Wohnungen von Interessierten stattfand. Gewöhnlich waren mehrere Bibelforscher zugegen.
Die Zeugen waren sich jedoch völlig darüber im klaren, daß die Ernte zwar groß, sie selbst aber sehr wenige waren (Luk. 10:2).
Mit wenigen wurden viele erreicht
Der Wacht-Turm (engl.) wies darauf hin, daß wahre geistgesalbte Christen die ihnen von Gott übertragene Verantwortung haben, alle aufrichtigen Christen, ob sie nun Kirchgänger waren oder nicht, ausfindig zu machen und ihnen beizustehen (Jes. 61:1, 2). Wie könnte das bewerkstelligt werden?
Die beiden Bibelforscher J. C. Sunderlin und J. J. Bender, die 1881 nach England gesandt wurden, hätten allein relativ wenig ausrichten können; doch durch die Mithilfe Hunderter junger Männer, die für ihre Arbeit bezahlt wurden, war es ihnen möglich, in kurzer Zeit 300 000 Exemplare der Publikation Speise für denkende Christen unter die Menschen zu bringen. Vor Adolf Weber, der Mitte der 1890er Jahre mit der guten Botschaft in die Schweiz zurückkehrte, lag ein riesiges Predigtgebiet, das sich über mehrere Länder erstreckte. Wie konnte er dieses große Gebiet bearbeiten? Als Kolporteur machte er weite Reisen. Außerdem gab er Anzeigen in Zeitungen auf und veranlaßte Buchhändler, Wachtturm-Publikationen in ihr Sortiment aufzunehmen. Die kleine Gruppe Bibelforscher in Deutschland sorgte 1907 dafür, daß 4 850 000 vierseitige Traktate mit Tageszeitungen ausgeliefert wurden. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg bezahlte ein lettischer Bruder, der ein Mitarbeiter im Hauptbüro der Gesellschaft in New York war, Zeitungsanzeigen in seinem Geburtsland. Der erste Bibelforscher in Lettland war ein Mann, der günstig auf eine dieser Anzeigen reagiert hatte. Allerdings ersetzte diese Art der Bekanntmachung nicht das persönliche Zeugnisgeben und die Suche von Haus zu Haus nach würdigen Menschen. Vielmehr wurde die Verkündigung dadurch noch unterstützt.
Man veröffentlichte in Tageszeitungen jedoch nicht nur Anzeigen. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg, als Bruder Russell die Leitung innehatte, wurden auch regelmäßig seine Predigten abgedruckt. Binnen kurzem war ein enormer Aufschwung zu verzeichnen. In mehr als 2 000 Zeitungen mit einer Leserschaft von insgesamt 15 000 000 erschienen die Predigten gleichzeitig, und zwar in den Vereinigten Staaten, Kanada, Großbritannien, Australien und Südafrika. Könnte noch mehr getan werden? Bruder Russell war davon überzeugt.
Nach zweijähriger Vorbereitungsarbeit wurde im Januar 1914 das „Photo-Drama der Schöpfung“ zum erstenmal vorgeführt, und zwar in vier Folgen. Das achtstündige Programm bestand aus einer Kombination von Filmen, Lichtbildern und Schallplatten. Man konnte es wirklich als eine außergewöhnliche Produktion bezeichnen, die dazu bestimmt war, Wertschätzung für die Bibel und den darin enthaltenen Vorsatz Gottes zu fördern. Es wurde dafür gesorgt, daß täglich in 80 Städten Vorführungen stattfinden konnten. Das Ereignis wurde in der Presse angekündigt und durch Plakate in Schaufenstern und in Fenstern von Privatwohnungen. Zusätzlich wurden Unmengen von Flugblättern verteilt — all das, um die Aufmerksamkeit auf das „Photo-Drama“ zu lenken. Wo immer es gezeigt wurde, erschienen große Menschenmengen. Innerhalb eines Jahres hatten über 8 000 000 Personen in den Vereinigten Staaten und Kanada das „Photo- Drama“ gesehen. Außerdem wurde von hohen Anwesendenzahlen in Großbritannien, auf dem europäischen Festland sowie in Australien und Neuseeland berichtet. Später gab es eine kürzere Version des „Photo-Dramas“ (ohne Filme), die in Kleinstädten und Landgebieten gezeigt wurde. Das „Photo-Drama“ wurde noch mindestens zwei Jahrzehnte in mehreren Sprachen gezeigt. Das Interesse war beachtlich, und aufgrund der abgegebenen Adressen konnten viele Rückbesuche gemacht werden.
Dann, in den 20er Jahren, stand ein anderes Hilfsmittel zur Verfügung, durch das die Königreichsbotschaft weithin verbreitet wurde. Bruder Rutherford war fest davon überzeugt, daß die Hand des Herrn in dieser Entwicklung eine Rolle spielte. Worum handelte es sich? Um den Rundfunk. Weniger als zwei Jahre nachdem die erste kommerzielle Rundfunkanstalt der Welt mit regelmäßigen Sendungen begonnen hatte (1920), machte sich J. F. Rutherford, der Präsident der Watch Tower Society, den Äther zunutze und verbreitete über den Rundfunk biblische Wahrheiten. Durch dieses Medium konnten Millionen von Menschen gleichzeitig erreicht werden. Weitere zwei Jahre später (1924) nahm die Gesellschaft in New York ihren eigenen Rundfunksender WBBR in Betrieb. Um das Jahr 1933 war der Höhepunkt erreicht, als die Botschaft über 408 Stationen in sechs Erdteile ausgestrahlt wurde. Außer Live-Sendungen standen Aufzeichnungen über eine Vielzahl von Themen auf dem Programm. Damit die Bevölkerung Nutzen daraus ziehen konnte, wurde sie durch Flugblätter umfassend informiert. Die Sendungen trugen dazu bei, starke Vorurteile abzubauen und aufrichtigen Menschen die Augen zu öffnen. Viele Menschen scheuten sich, die Zusammenkünfte der Bibelforscher zu besuchen, und zwar aus Furcht vor den Nachbarn und der Geistlichkeit; doch dieser Umstand hielt sie nicht davon zurück, in der Geborgenheit ihres Heims den Rundfunksendungen zu lauschen. Die Übertragungen waren kein Ersatz für das Zeugnisgeben von Haus zu Haus, allerdings bewirkten sie, daß die biblische Wahrheit in schwer zugängliche Gebiete gelangte, und außerdem ergaben sich ausgezeichnete Möglichkeiten für Gespräche, wenn die Zeugen die einzelnen Haushalte aufsuchten.
Die Verantwortung eines jeden, Zeugnis zu geben
Auf die Verantwortung, sich persönlich am Zeugniswerk zu beteiligen, war im Wacht-Turm schon seit Jahrzehnten hingewiesen worden. Doch ab 1919 wurde dieses Thema in Druckschriften und auf Kongressen ständig behandelt. Dennoch hatten viele Verkündiger Schwierigkeiten, Fremden an den Türen gegenüberzutreten, und anfangs beteiligten sich nur wenige Bibelforscher regelmäßig am Zeugnisgeben von Haus zu Haus.
Zu Herzen gehende biblische Ermunterung enthielt die Wacht-Turm-Ausgabe vom Oktober/November 1919 mit dem Thema „Glückselig sind die Furchtlosen“. Darin wurde vor Menschenfurcht gewarnt, und es wurde die Aufmerksamkeit auf die 300 mutigen Krieger Gideons gelenkt, die hellwach und bereitwillig dienten ungeachtet dessen, was der Herr ihnen gebot, und trotz scheinbar unüberwindlicher Hindernisse. Auch Elisa wurde wegen seiner Furchtlosigkeit und seines Vertrauens zu Jehova lobend erwähnt (Ri. 7:1-25; 2. Kö. 6:11-19; Spr. 29:25). In dem Artikel „Sei guten Mutes“ wurde 1921 betont, daß es nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Vorrecht ist, an der Seite des Herrn gegen die satanischen Mächte der Finsternis zu kämpfen, indem man sich an dem in Matthäus 24:14 vorhergesagten Werk beteiligt. Wer sich wegen seiner Lebensumstände Beschränkungen auferlegen mußte, wurde aufgefordert, nicht entmutigt zu sein, sondern das zu tun, was ihm möglich war.
Durch eine offene Sprache führte Der Wacht-Turm allen, die sich zu den gesalbten Dienern Gottes zählten, vor Augen, daß sie gemäß der Bibel die Verantwortung haben, das Königreich zu verkündigen. Die Ausgabe vom 15. August 1922 (engl.) enthielt einen äußerst treffenden Artikel, betitelt „Dienst unbedingt erforderlich“, und zwar ein Dienst nach dem Muster Christi, der es mit sich bringt, daß man zu Menschen geht und ihnen von Gottes Königreich erzählt. Noch im selben Jahr wurde gezeigt, daß ein solcher Dienst für Gott nur dann zählt, wenn Liebe die Triebkraft ist (1. Joh. 5:3). In einem Artikel in der Ausgabe vom 15. Juli 1926 hieß es, daß Gott absolut nichts von einer formalistischen Anbetung hält; was er möchte, ist Gehorsam, und das schließt Wertschätzung für jedes Mittel ein, das er benutzt, um seinen Vorsatz auszuführen (1. Sam. 15:22). Bei der Betrachtung des Artikels „Der Auftrag des Christen auf Erden“ im darauffolgenden Jahr wurde die Aufmerksamkeit auf die Rolle Jesu als „der treue und wahrhaftige Zeuge“ gelenkt sowie auf die Tatsache, daß der Apostel Paulus „öffentlich und von Haus zu Haus“ predigte (Offb. 3:14; Apg. 20:20).
Ausführliche Darbietungen, die die Verkündiger auswendig lernen sollten, erschienen im Bulletin, ihrem monatlichen Dienstanweisungsblatt. Es wurde dazu ermuntert, jede Woche Predigtdienst zu verrichten. Doch die Anzahl derer, die sich am Zeugnisgeben von Haus zu Haus beteiligten, war anfangs sehr klein, und einige, die damit begonnen hatten, gaben wieder auf. 1922 berichteten beispielsweise in den Vereinigten Staaten jede Woche durchschnittlich 2 712 Personen über ihren Predigtdienst. 1924 sank die Zahl auf 2 034. Im Jahre 1926 stieg die Durchschnittszahl auf 2 261, und eine Höchstzahl von 5 937 Verkündigern beteiligte sich in einer Woche besonderer Tätigkeit.
Gegen Ende des Jahres 1926 ermunterte die Gesellschaft die Versammlungen dann, am Sonntag Zeit für gruppenweises Zeugnisgeben einzuplanen und dabei nicht nur Traktate, sondern auch Bücher zum Bibelstudium anzubieten. 1927 forderte Der Wacht-Turm loyale Christen in den Versammlungen auf, alle, die durch ihre Äußerungen oder Handlungen zu erkennen gaben, daß sie die Verantwortung, öffentlich und von Haus zu Haus Zeugnis zu geben, nicht übernehmen wollten, aus ihrer Stellung als Älteste zu entfernen. Zweige, die keine Frucht hervorbrachten, wurden sozusagen weggenommen, und die verbleibenden wurden beschnitten, damit sie zum Lobpreis Gottes mehr Frucht brächten. (Vergleiche Jesu Gleichnis aus Johannes 15:1-10.) Hat das tatsächlich dazu beigetragen, den Lobpreis Jehovas in der Öffentlichkeit zu mehren? 1928 stieg in den Vereinigten Staaten die Durchschnittszahl derer, die sich wöchentlich am Zeugnisgeben beteiligten, um 53 Prozent!
Von nun an beschränkten sich die Zeugen nicht mehr darauf, den Menschen lediglich ein Gratistraktat zu überreichen und dann weiterzugehen. Manche führten jetzt kurze Gespräche mit den Wohnungsinhabern, um Interesse an der biblischen Botschaft zu wecken, und boten dann Bücher an.
Die Zeugen in jener Anfangszeit waren zwar mutig, doch nicht alle zeichneten sich durch Takt aus. Nichtsdestoweniger unterschieden sie sich von anderen Religionsgemeinschaften. Sie sagten nicht nur, daß jeder über seinen Glauben Zeugnis ablegen sollte, sondern sie taten es auch. Und ihre Zahl nahm ständig zu.
Zeugniskarten und Grammophone
Gegen Ende des Jahres 1933 wurde eine neue Predigtmethode eingeführt. Jeder Zeuge stellte sich vor und überreichte dem Wohnungsinhaber eine Zeugniskarte mit einer kurzen Botschaft zum Lesen. Das war speziell für neue Verkündiger eine große Hilfe, die damals noch nicht so gut geschult wurden. Gewöhnlich sprachen sie nur ein paar Worte mit dem Wohnungsinhaber, nachdem er die Karte gelesen hatte; einige unterhielten sich etwas länger und gebrauchten die Bibel. Zeugniskarten wurden noch bis weit in die 40er Jahre benutzt. Dadurch wurde eine rasche Bearbeitung des Gebiets möglich; die Zeugen trafen mehr Menschen an, viel wertvolle biblische Literatur gelangte in die Hände der Wohnungsinhaber, ein einheitliches Zeugnis wurde gegeben, und selbst in Sprachen, die die Zeugen nicht beherrschten, wurde die Botschaft überbracht. Manchmal entstanden auch peinliche Situationen. Wenn zum Beispiel die Tür zuging und der Wohnungsinhaber die Karte behalten hatte, mußte der Zeuge erneut klopfen, um sie wiederzubekommen.
Biblische Vorträge auf Schallplatten spielten in den 30er und zu Beginn der 40er Jahre eine bedeutende Rolle. Einige Zeugen begannen 1934 damit, tragbare Grammophone mitzunehmen, wenn sie in den Dienst gingen. Da das Gerät ziemlich schwer war, ließen sie es zuweilen im Auto oder an einem günstigen Platz, bis sie Personen gefunden hatten, die einen biblischen Schallplattenvortrag hören wollten. Im Jahre 1937 begann man, das tragbare Grammophon an den Türen zu gebrauchen. Die Verfahrensweise war einfach: Nachdem der Zeuge erklärt hatte, daß er eine wichtige biblische Botschaft zu überbringen habe, setzte er die Nadel auf die Platte, und die Predigt lief ab. Kasper Keim, ein deutscher Pionier, der in den Niederlanden diente, war sehr dankbar für seinen „Aaron“, wie er das Grammophon nannte, denn er hatte Schwierigkeiten, auf niederländisch zu predigen. (Vergleiche 2. Mose 4:14-16.) Aus Neugierde hörten sich manchmal ganze Familien die Schallplatten an.
Um das Jahr 1940 waren 40 000 Grammophone im Gebrauch. Damals wurde ein neues vertikal spielbares Modell vorgestellt. Es war von den Zeugen entworfen und gebaut worden und wurde hauptsächlich auf dem amerikanischen Kontinent eingesetzt. Dieses Gerät rief noch größeres Erstaunen hervor, denn die Platte war nicht zu sehen, wenn sie abgespielt wurde. Mit 78 Umdrehungen pro Minute lief die Platte viereinhalb Minuten. Die Titel waren kurz und bündig: „Königreich“, „Gebet“, „Weg zum Leben“, „Dreieinigkeit“, „Fegefeuer“, „Warum widersteht die Geistlichkeit der Wahrheit?“ Über 90 Vorträge wurden aufgenommen; mehr als eine Million Platten waren im Umlauf. Die Darbietungen waren klar und verständlich — man konnte ihnen gut folgen. Viele Wohnungsinhaber hörten mit Wertschätzung zu; nur wenige lehnten schroff ab. Aber es wurde ein wirkungsvolles und einheitliches Zeugnis gegeben.
Die gute Botschaft in der Öffentlichkeit mutig verkündigt
Obwohl Zeugniskarten und Schallplatten größtenteils das „Reden“ übernahmen, war in jenen Jahren außergewöhnlicher Mut geboten, ein Zeuge zu sein. Das Werk als solches machte es erforderlich, daß jeder Zeuge an die Öffentlichkeit trat.
Im Anschluß an den Kongreß in Columbus (Ohio) im Jahre 1931 verbreiteten Jehovas Zeugen die Broschüre Das Königreich — die Hoffnung der Welt, in der auch eine Resolution mit dem Titel „Warnung von Jehova“ enthalten war, die „an die Herrscher und das Volk“ gerichtet wurde. Sie erkannten deutlich, daß auf ihnen als Zeugen für Jehova die ernste Verpflichtung ruhte, anderen die Warnung aus Jehovas Wort zu überbringen (Hes. 3:17-21). Sie verschickten die Broschüren nicht einfach mit der Post oder schoben sie unter den Türen durch, sondern übergaben sie persönlich. Die Verkündiger besuchten alle Geistlichen und im Rahmen des Möglichen auch Politiker, Militärs und leitende Angestellte großer Firmen. Darüber hinaus wandten sie sich in annähernd hundert Ländern, in denen Jehovas Zeugen damals das Zeugniswerk organisiert durchführten, an die Allgemeinheit.
Im Jahre 1933 waren Plattenspieler mit Lautsprecheranlage in Gebrauch, mit denen man auf öffentlichen Plätzen biblische Vorträge abspielte, die sich durch ihre deutliche Sprache auszeichneten. Bruder Smets und Bruder Poelmans montierten ihre Ausrüstung auf ein Dreirad und ließen die Botschaft in Lüttich (Belgien) auf Marktplätzen und in der Nähe von Kirchen erschallen, während sie daneben standen. Nicht selten waren sie täglich zehn Stunden unterwegs. Auf Jamaika strömten die Menschen schnell zusammen, wenn Musik ertönte, also legten die Brüder zuerst eine Musikplatte auf. Als die Menschen aus dem Hinterland auf die Hauptstraßen strömten, um zu sehen, was los war, stießen sie auf Jehovas Zeugen, die die Königreichsbotschaft verkündigten.
Einige Plattenspieler installierte man auf Booten und in Personenwagen, während die Lautsprecher auf dem Dach angebracht wurden, damit der Vortrag weithin zu hören war. Bert und Vi Horton bereisten Australien in einem Wagen mit einem großen Schalltrichter auf dem Dach, auf dem das Wort „Königreichsbotschaft“ zu lesen war. Ein Jahr lang ließen sie in fast jeder Straße Melbournes aufrüttelnde Bloßstellungen der falschen Religion und die herzerfrischende Botschaft von den Segnungen des Königreiches Gottes erschallen. In dieser Zeit diente Claude Goodman als Pionier in Indien. Mit Hilfe des Lautsprecherwagens und der Schallplattenaufnahmen in verschiedenen Sprachen war es ihm möglich, in Basaren, Parks und auf den Straßen große Menschenmengen zu erreichen — überall, wo Leute anzutreffen waren.
Als Brüder im Libanon ihren Lautsprecherwagen auf einem Hügel parkten, waren die Schallplattenvorträge bis in die Täler zu hören. Einige Dorfbewohner fürchteten sich, weil sie glaubten, Gott spreche zu ihnen aus dem Himmel, denn sie konnten nicht sehen, woher die Stimme kam.
Die Brüder erlebten auch einige aufregende Situationen. In Syrien ließ einmal ein Dorfpriester sein Mittagessen stehen, ergriff seinen großen Spazierstock und bahnte sich einen Weg durch die Menschenmenge, die sich um den Lautsprecherwagen scharte, um den Vortrag zu hören. Er fuchtelte zornig mit dem Stock und schrie: „Aufhören! Ich befehle Ihnen aufzuhören!“ Die Brüder bemerkten jedoch, daß viele Bewohner auf ihrer Seite waren und zuhören wollten. Einige Leute aus der Menge packten den Priester und trugen ihn nach Hause, wo sie ihn wieder an seinen Mittagstisch setzten. Trotz des Widerstandes von seiten der Geistlichkeit setzten sich die Brüder mutig dafür ein, daß die Bevölkerung Gelegenheit erhielt, die Botschaft zu hören.
In dieser Zeit machten die Zeugen bei der Ankündigung besonderer Vorträge auch ausgiebig Gebrauch von Plakaten zum Umhängen, mit denen sie durch die Geschäftsviertel gingen, wobei sie Einladungszettel verteilten. Mit dieser Tätigkeit begann man 1936 in Glasgow (Schottland). Noch in demselben Jahr wurde die Methode in London (England) und dann in den Vereinigten Staaten eingeführt. Zwei Jahre danach kam noch hinzu, daß man an Stäben befestigte Plakate durch die Straßen trug. Darauf stand zu lesen: „Religion ist eine Schlinge und ein Gimpelfang“b und „Dienet Gott und Christus, dem König“. Bei Kongressen bildeten die Plakatträger manchmal kilometerlange Umzüge. Schweigend gingen sie im Gänsemarsch durch verkehrsreiche Straßen, was in etwa dem Marsch um Jericho glich, als die Streitmacht Israels um die Stadt herummarschierte, bevor die Mauer fiel (Jos. 6:10, 15-21). Von London in England bis Manila auf den Philippinen wurde auf diese Weise mutig öffentlich Zeugnis gegeben.
Eine weitere Methode des Zeugnisgebens wurde 1940 eingeführt. Im Einklang mit dem Bibeltext, der besagt, daß ‘die wahre Weisheit auf der Straße laut ruft’, begannen Jehovas Zeugen im Februar jenes Jahres damit, die Zeitschriften Der Wachtturm und Trost (heute Erwachet!) auf der Straße anzubietenc (Spr. 1:20). Sie riefen Schlagworte aus, die die Aufmerksamkeit auf die Zeitschriften und ihre Botschaft lenkten. Überall in der Welt — in Groß- und Kleinstädten — wurden Jehovas Zeugen mit ihren Zeitschriften zum vertrauten Anblick. Dieses Werk erfordert Mut, und das war besonders am Anfang der Fall, denn es war eine Zeit heftiger Verfolgung, gepaart mit dem lodernden Nationalismus der Kriegszeit.
Als die Verkündiger aufgefordert wurden, an diesem öffentlichen Zeugnisgeben teilzunehmen, gingen sie glaubensvoll ans Werk. Die Anzahl derer, die sich daran beteiligten, nahm ständig zu. Sie betrachteten es als ein Vorrecht, auf diese Weise ihre Lauterkeit gegenüber Jehova unter Beweis zu stellen. Doch es gab für sie noch mehr zu lernen.
Jeder befähigt, seinen Glauben zu begründen
Ein außergewöhnliches Bildungsprogramm wurde im Jahre 1942 in Angriff genommen. Es begann in der Weltzentrale der Zeugen Jehovas, und vom darauffolgenden Jahr an wurde es weltweit in den Versammlungen der Zeugen eingeführt. Im Vertrauen darauf, daß Gottes Geist auf seinen Zeugen ruhte und Gott sein Wort in ihren Mund gelegt hatte, waren sie entschlossen, dieses Wort zu predigen — selbst wenn Verfolger ihnen die Wachtturm-Publikationen oder die Bibel wegnehmen würden (Jes. 59:21). Es gab bereits Länder, zum Beispiel Nigeria, wo die Zeugen nur die Bibel beim Predigen verwendeten, weil die Regierung alle Wachtturm-Publikationen verboten hatte; selbst Publikationen, die viele Brüder in ihrer Privatbibliothek aufbewahrt hatten, waren beschlagnahmt worden.
Am 16. Februar 1942 führte Bruder Knorr im Bethelheim in Brooklyn (New York) einen „Fortbildungskurs im theokratischen Dienstamt“ ein. Die Unterweisung erstreckte sich auf Gebiete wie Nachforschungsarbeit, klare und deutliche Ausdrucksweise, Ausarbeiten eines Redeplans, wirkungsvolles Halten von Ansprachen, überzeugende Darlegung von Gedanken und taktvolles Verhalten. Sowohl Brüder als auch Schwestern waren bei dem Kurs willkommen, doch nur Brüder wurden eingeladen, sich eintragen zu lassen und Ansprachen zu halten, für die sie dann Rat erhielten. Der Nutzen zeigte sich bald, und zwar nicht nur in den Ansprachen auf der Bühne, sondern auch im wirkungsvolleren Predigen von Haus zu Haus.
Im Jahr darauf wurde damit begonnen, diesen Kurs in den Ortsversammlungen der Zeugen Jehovas weltweit einzuführen, und zwar zunächst in Englisch und später auch in anderen Sprachen. Das erklärte Ziel der Schule bestand darin, jedem Zeugen Jehovas zu helfen, Menschen im Haus-zu-Haus-Dienst zu belehren, Rückbesuche zu machen und Bibelstudien durchzuführen. Jedem Zeugen sollte geholfen werden, ein befähigter Diener Gottes zu werden (2. Tim. 2:2). Ab 1959 erhielten auch Schwestern die Gelegenheit, sich in die Schule eintragen zu lassen. Sie wählten für ihre Aufgaben Situationen aus dem Predigtdienst, das heißt, sie wandten sich nicht an die gesamte Zuhörerschaft, sondern an den Partner, der die Rolle des Wohnungsinhabers übernahm. Das war aber noch nicht alles.
Seit 1926 waren reisende Beauftragte der Gesellschaft mit anderen Zeugen gemeinsam im Predigtdienst tätig gewesen, um ihnen zu helfen, ihre Fähigkeiten zu verbessern. 1953 auf dem internationalen Kongreß in New York erklärte jedoch Bruder Knorr — die Kreis- und Bezirksaufseher saßen vorn an der Bühne —, daß die Hauptaufgabe aller Diener oder Aufseher darin bestehen sollte, jedem Zeugen zu helfen, ein regelmäßiger Haus-zu-Haus-Verkündiger zu sein. „Jeder“, sagte er, „sollte in der Lage sein, die gute Botschaft von Haus zu Haus zu predigen.“ Um das zu erreichen, wurde ein weltweiter Feldzug in die Wege geleitet.
Warum wurde so großer Nachdruck darauf gelegt? Betrachten wir beispielsweise die Vereinigten Staaten: 28 Prozent der Zeugen verteilten damals lediglich Handzettel oder standen mit Zeitschriften auf der Straße. Und mehr als 40 Prozent der Zeugen beteiligten sich nur unregelmäßig am Predigtdienst, das heißt, sie ließen Monate verstreichen, ohne sich an irgendeiner Art des Zeugnisgebens zu beteiligen. Liebevolle Unterstützung war nötig, und zwar in Form persönlicher Schulung. Pläne wurden aufgestellt, nach denen allen Zeugen Jehovas, die noch nicht von Haus zu Haus Zeugnis gaben, geholfen werden sollte, sich an den Türen mit Menschen anhand der Bibel zu unterhalten und Fragen zu beantworten. Sie sollten Predigten ausarbeiten, die sie beschäftigten Wohnungsinhabern vielleicht in drei Minuten halten könnten oder anderen in etwa acht Minuten. Das Ziel bestand darin, jedem Zeugen beizustehen, ein reifer christlicher Evangeliumsverkündiger zu werden.
Nicht nur reisende Aufseher erteilten diese Unterweisung, sondern auch Diener oder Aufseher am Ort. Und in den folgenden Jahren übertrug man weiteren befähigten Zeugen die Aufgabe, andere zu schulen. Über Jahre hinweg war in den wöchentlichen Dienstzusammenkünften der Versammlung in sogenannten Demonstrationen gezeigt worden, wie das Werk durchgeführt werden sollte. Doch nun legte man auch vermehrten Nachdruck auf persönliche Schulung im Predigtdienst.
Die Ergebnisse waren überwältigend. Die Zahl der Zeugen, die von Haus zu Haus predigten, nahm zu, was auch auf die zutraf, die sich regelmäßig am Predigtdienst beteiligten. Innerhalb von 10 Jahren stieg die Gesamtzahl der Zeugen weltweit um 100 Prozent. Sie machten auch 126 Prozent mehr Rückbesuche bei interessierten Personen, indem sie ihre Fragen beantworteten. Darüber hinaus wurden 150 Prozent mehr regelmäßige Heimbibelstudien mit Personen durchgeführt, die nach der biblischen Wahrheit hungerten. Die Verkündiger erwiesen sich wirklich als befähigte Prediger.
Wenn man die unterschiedliche Bildung und die verschiedenen Kulturkreise der Zeugen in Betracht zieht sowie die Tatsache, daß sie weltweit in kleinen Gruppen verstreut auf der Erde leben, kann man verstehen, warum die Zeugen nicht Menschen die Ehre dafür geben, daß sie für die Verkündigung der guten Botschaft ausgerüstet und geschult worden sind, sondern Jehova Gott (Joh. 14:15-17).
Das Predigen von Haus zu Haus — ein Erkennungsmerkmal
Zu verschiedenen Zeiten haben andere Religionsgemeinschaften ihre Anhänger ermuntert, die Menschen in ihrer Gemeinde zu Hause zu besuchen, um mit ihnen über Religion zu sprechen. Manche haben es versucht. Einige sind vielleicht sogar ein paar Jahre als Missionare tätig, aber das ist dann auch alles. Nur bei Jehovas Zeugen beteiligen sich eigentlich alle, Jung und Alt, Männer wie Frauen, jahrein und jahraus am Predigtdienst von Haus zu Haus. Nur Jehovas Zeugen bemühen sich aufrichtig, im Gehorsam gegenüber dem prophetischen Gebot aus Matthäus 24:14 die ganze bewohnte Erde mit der Königreichsbotschaft zu erreichen.
Nicht jedem Zeugen Jehovas fällt diese Tätigkeit leicht.d Viele sagten, als sie anfingen, die Bibel zu studieren: „Eins steht fest, von Haus zu Haus gehe ich nie!“ Dennoch beteiligen sich nahezu alle Zeugen Jehovas an dieser Tätigkeit, sofern sie gesundheitlich dazu in der Lage sind. Und viele tun es trotz Gebrechen — zum Beispiel im Rollstuhl und an Krücken. Andere geben telefonisch Zeugnis oder schreiben Briefe, sei es, weil sie ihre Wohnung ständig oder vorübergehend nicht verlassen können oder um mit Menschen in Verbindung zu treten, die sie sonst nicht erreichen können. Warum diese entschiedenen Anstrengungen?
Während sie Jehova kennenlernen, bewirkt ihre Liebe zu ihm eine völlig neue Einstellung zum Leben. Sie möchten über ihn sprechen. All das Wundervolle, das er für diejenigen bereithält, die ihn lieben, ist einfach zu schön, als daß sie es für sich behalten könnten. Und sie fühlen sich Gott gegenüber verantwortlich, Menschen vor der bevorstehenden großen Drangsal zu warnen (Mat. 24:21; vergleiche Hesekiel 3:17-19). Doch warum sollte dies durch die Tätigkeit von Haus zu Haus geschehen?
Jehovas Zeugen wissen, daß Jesus seine Jünger anwies, die Menschen in ihren Wohnungen zu besuchen, um ihnen zu predigen und sie zu belehren (Mat. 10:11-14). Auch wissen sie, daß die Apostel nach der Ausgießung des heiligen Geistes zu Pfingsten 33 u. Z. „im Tempel [in Jerusalem] und von Haus zu Haus“ ununterbrochen fortfuhren, die gute Botschaft zu verkündigen (Apg. 5:42). Jeder Zeuge kennt den Text aus Apostelgeschichte 20:20, wo es heißt, daß der Apostel Paulus „öffentlich und von Haus zu Haus“ lehrte. Und sie sehen in der Neuzeit überwältigende Beweise dafür, daß der Segen Jehovas auf diesem Werk ruht. Mit zunehmender Erfahrung im Haus-zu-Haus-Dienst wird diese Tätigkeit, vor der sie sich früher fürchteten, zu etwas, worauf sie sich freuen.
Die Verkündiger gehen gründlich vor. Sie machen sorgfältige Notizen, damit sie überall dort noch einmal vorsprechen, wo niemand zu Hause war. Aber nicht nur das, sie sprechen auch in jeder Wohnung wiederholt vor.
Da der Haus-zu-Haus-Dienst so erfolgreich ist, haben Gegner in vielen Ländern versucht, dieser Tätigkeit einen Riegel vorzuschieben. Jehovas Zeugen sind an Behörden herangetreten, damit ihnen das Recht zugestanden würde, von Haus zu Haus zu predigen. Wenn nötig, sind sie vor Gericht gegangen, um das Recht, die gute Botschaft auf diese Weise zu verbreiten, gesetzlich zu befestigen (Phil. 1:7). Und wo bedrückende Regierungen das Verbot ihrer Tätigkeit nicht aufhoben, sind Jehovas Zeugen bei der Verkündigung der Königreichsbotschaft einfach unauffälliger vorgegangen oder haben sich gegebenenfalls andere Methoden zunutze gemacht, um die Menschen zu erreichen.
Jehovas Zeugen haben zwar Rundfunk und Fernsehen bei der Verbreitung der Königreichsbotschaft genutzt, doch sie erkennen, daß Besuche von Haus zu Haus wegen des persönlichen Kontakts wesentlich erfolgreicher sind. Man kann besser auf die Fragen der einzelnen Wohnungsinhaber eingehen und würdige Personen ausfindig machen (Mat. 10:11). Das war einer der Gründe, weshalb die Watch Tower Society 1957 die Rundfunkstation WBBR in New York verkaufte.
Jehovas Zeugen betrachten aber ihre Arbeit nicht als abgeschlossen, wenn sie Menschen Zeugnis gegeben haben. Das ist erst der Anfang.
„Macht Jünger ... lehrt sie“
Jesus gebot seinen Nachfolgern nicht nur zu predigen. Wie er sollten auch sie lehren (Mat. 11:1). Vor seiner Himmelfahrt gab er seinen Jüngern den Auftrag: „Geht daher hin, und macht Jünger aus Menschen aller Nationen, ... lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe“ (Mat. 28:19, 20). Lehren (griech.: didáskō) unterscheidet sich vom Predigen insofern, als der Lehrer nicht nur verkündigt, sondern auch unterweist, erklärt und Beweise anführt.
Schon der Wacht-Turm vom April 1881 (engl.) enthielt kurze Anregungen, wie man lehren sollte. Einige der ersten Kolporteure machten es sich zur Aufgabe, bei Interessierten wieder vorzusprechen, um sie zu ermuntern, die Bücher der Gesellschaft zu lesen und sich mit anderen zu einem regelmäßigen Studium des Wortes Gottes zu versammeln. Hierbei verwendete man häufig das Buch Die Harfe Gottes (1921 veröffentlicht). Später wurde sogar noch mehr im Hinblick auf die persönliche Betreuung von Interessierten unternommen. Schallplattenvorträge und gedruckte Studienhilfsmittel spielten dabei eine wesentliche Rolle. Wie kam es dazu?
Als Ergänzung zu den Rundfunksendungen hatte die Gesellschaft 1933 Schallplattenaufnahmen eingesetzt, die auf transportablen Plattenspielern beispielsweise in Sälen, Parks und vor Fabriktoren abgespielt werden konnten. Schon bald vereinbarten Zeugen, die in ihrem Dienst von Haus zu Haus Interessierte fanden, bei diesen Rückbesuche, um eine der Schallplatten vorzuspielen. Als 1936 das Buch Reichtum herauskam, wurde nach dem Schallplattenvortrag Stoff aus dem Buch besprochen mit dem Ziel, Studien einzurichten, denen dann Interessierte aus der Umgebung beiwohnen konnten. Auf diese Tätigkeit legte man besonders deshalb Nachdruck, weil voraussichtlichen Angehörigen der „großen Volksmenge“ geholfen werden sollte, die Wahrheit kennenzulernen (Offb. 7:9).
Etwa zu dieser Zeit verstärkte die katholische Hierarchie ihren Druck auf Eigentümer und Leiter von Rundfunkanstalten sowie auf Regierungsstellen in dem entschlossenen Bemühen, die Wachtturm-Sendungen zu unterbinden. In einer Petition, die von 2 630 000 Bürgern in den Vereinigten Staaten unterzeichnet worden war, wurde eine Debatte zwischen einem hohen Vertreter der römisch-katholischen Kirche und J. F. Rutherford gefordert. Kein katholischer Geistlicher war bereit, die Herausforderung anzunehmen. Daher ließ Bruder Rutherford 1937 Schallplattenvorträge mit den Titeln „Offenbar gemacht“ und „Religion und Christentum“ aufnehmen, in denen es um grundlegende Lehren der Bibel und um die Widerlegung unbiblischer katholischer Lehren ging. Derselbe Stoff wurde in den Broschüren Schutz und Aufgedeckt veröffentlicht, und jedem, der die Petition unterzeichnet hatte, wurde ein Exemplar der Broschüre Aufgedeckt persönlich überbracht, damit er sich mit der biblischen Wahrheit, die die katholische Hierarchie zu unterdrücken suchte, vertraut machen konnte.
Um den Menschen zu helfen, die Streitpunkte klar zu erfassen und die biblische Grundlage dafür zu untersuchen, wurde die Broschüre Musterstudium Nr. 1 gedruckt, die in Zusammenkünften für Interessierte verwendet werden sollte. Diese Broschüre enthielt Fragen und Antworten sowie Schriftstellen, auf die man die Antworten stützen konnte. Zuerst ließ der Studienleiter einen oder mehrere der zuvor erwähnten Schallplattenvorträge ablaufen, so daß sich jeder mit dem Stoff vertraut machen konnte. Dann folgte eine Besprechung anhand der Broschüre, bei der die Bibeltexte eingehend betrachtet wurden. Auf die Broschüre Musterstudium Nr. 1 folgten Nr. 2 und Nr. 3 zusammen mit anderen Schallplattenvorträgen. Studien dieser Art wurden zunächst dort eingerichtet, wo Gruppen interessierter Personen zusammenkamen; doch schon bald richtete man sie auch bei Einzelpersonen und Familien ein.
Seither sind viele ausgezeichnete Bücher herausgegeben worden, die von Jehovas Zeugen speziell beim Durchführen von Heimbibelstudien benutzt werden. Zu denen, die am weitesten verbreitet wurden, gehören „Gott bleibt wahrhaftig“, Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt und Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben. Es gab auch 32seitige Broschüren wie „Diese gute Botschaft vom Königreich“, Gottes Weg ist Liebe, „Siehe! Ich mache alle Dinge neu“ und viele andere. Danach folgten Broschüren wie Für immer auf der Erde leben!, die sich durch eine sehr einfache, leichtverständliche Darlegung der biblischen Grundlehren auszeichnet.
Der Gebrauch dieser Hilfsmittel sowie die umfassende Unterweisung in der Versammlung und die persönliche Schulung hatten eine großartige Zunahme der Heimbibelstudien zur Folge. 1950 wurden durchschnittlich 234 952 Bibelstudien durchgeführt — die meisten davon wöchentlich. Studien mit Interessierten, die keine Fortschritte machten, wurden eingestellt. Viele allerdings machten so weit Fortschritte, daß sie selbst Lehrer wurden. Trotz des ständigen Wechsels stieg die Zahl der Bibelstudien laufend, manchmal sogar sprunghaft. 1992 führten Jehovas Zeugen weltweit 4 278 127 Heimbibelstudien durch.
Zur Durchführung dieses gewaltigen Predigt- und Lehrwerkes in allen Sprachen der Welt machen Jehovas Zeugen ausgiebigen Gebrauch von Druckschriften. Dazu ist eine Verlagsorganisation gigantischen Ausmaßes nötig.
[Fußnoten]
a Das pastorale Werk wurde in den Jahren 1915/16 in den etwa 500 Versammlungen organisiert, die Bruder Russell zu ihrem Pastor gewählt hatten. Als ihr Pastor hatte er in einem Brief an sie das Werk beschrieben, das zunächst auf Schwestern beschränkt war. Im darauffolgenden Jahr beteiligten sich auch Brüder an dieser Tätigkeit. Das pastorale Werk wurde von einer ausgewählten Gruppe noch bis 1921 durchgeführt.
b Dieser Ausspruch war darauf zurückzuführen, daß man unter der Bezeichnung Religion jede Form der Anbetung verstand, die sich auf menschliche Traditionen gründete statt auf Gottes Wort, die Bibel. Als jedoch im Jahre 1950 die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften herausgegeben wurde, wiesen Fußnoten zu Apostelgeschichte 26:5, Kolosser 2:18 und Jakobus 1:26, 27 darauf hin, daß der Ausdruck Religion ohne weiteres sowohl die wahre als auch die falsche Anbetung bezeichnen kann. Dies wurde im Wachtturm vom 1. Juli 1951, Seite 208 sowie in dem Buch Was hat die Religion der Menschheit gebracht? auf Seite 8—10 weiter erläutert.
c Ein Jahr zuvor führte man in Kalifornien (USA) probeweise den Zeitschriftendienst auf der Straße durch. Bereits 1926 waren die Bibelforscher allgemein damit beschäftigt, auf der Straße Broschüren mit wichtigem Inhalt zu verbreiten. Viel früher noch, nämlich 1881, hatten sie an Sonntagen in der Nähe von Kirchen Literatur verbreitet.
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Die Herstellung biblischer Literatur für das PredigtwerkJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Kapitel 26
Die Herstellung biblischer Literatur für das Predigtwerk
DAS geschriebene Wort hat in der wahren Anbetung eine wichtige Rolle gespielt. Jehova gab Israel die Zehn Gebote zunächst mündlich und danach in schriftlicher Form (2. Mo. 20:1-17; 31:18; Gal. 3:19). Gott gebot Moses und nach ihm einer langen Reihe von Propheten und Aposteln zu schreiben, damit sein Wort genau übermittelt würde (2. Mo. 34:27; Jer. 30:2; Hab. 2:2; Offb. 1:11).
In der Frühzeit wurde meistens auf Schriftrollen geschrieben. Im zweiten Jahrhundert u. Z. kam jedoch der Kodex oder das Buch auf. Es war billiger und einfacher zu handhaben. Und die Christen gehörten zu den ersten Benutzern, da sie erkannten, wie wertvoll es für die Verbreitung der guten Botschaft vom messianischen Königreich Gottes war. Professor E. J. Goodspeed schreibt in seinem Buch Christianity Goes to Press (1940, S. 78) über die ersten Christen als Buchherausgeber: „Sie hielten in dieser Beziehung nicht nur Schritt mit der Zeit, sondern sie waren ihr weit voraus, und die Bücherhersteller der folgenden Jahrhunderte sind ihrem Beispiel gefolgt.“
Daher verwundert es nicht, daß Jehovas Zeugen heute als Verkündiger von Gottes Königreich in mancher Hinsicht zu den Wegbereitern im Druckereiwesen gehörten.
Die ersten Bibelforscher mit Literatur versorgen
Einer der ersten Artikel, die C. T. Russell verfaßte, wurde 1876 im Bible Examiner veröffentlicht, den George Storrs aus Brooklyn (New York) herausgab. Nachdem sich Bruder Russell mit N. H. Barbour aus Rochester (New York) zusammengetan hatte, stellte Russell Geld zur Verfügung für die Herausgabe des Buches Three Worlds (Drei Welten) und des Blattes Herald of the Morning. Er wurde Mitherausgeber des Blattes und benutzte 1877 die Druckerei des Herald, um die Broschüre The Object and Manner of Our Lord’s Return (Der Zweck und die Art und Weise der Wiederkunft unseres Herrn) herauszubringen. Bruder Russell war in Glaubensfragen und in Geschäftsangelegenheiten bewandert, aber im Schriftsetzen und Umbrechen kannte sich Barbour besser aus.
Als N. H. Barbour jedoch den sündensühnenden Wert des Loskaufsopfers Jesu Christi leugnete, löste Bruder Russell seine Verbindungen zu ihm. Daher war er auf kommerzielle Druckereien angewiesen, als er 1879 mit der Herausgabe von Zions Wacht-Turm und Verkünder der Gegenwart Christi begann.
Im folgenden Jahr wurde das erste Traktat einer umfangreichen Serie, die den Zweck hatte, Menschen für biblische Wahrheiten zu interessieren, zur Herausgabe vorbereitet. Diese Arbeit nahm schon bald enorme Ausmaße an. Um sie zu bewältigen, wurde am 16. Februar 1881 Zion’s Watch Tower Tract Society gegründet mit W. H. Conley als Präsidenten und C. T. Russell als Schriftführer und Schatzmeister. Es wurden Vorkehrungen getroffen, daß kommerzielle Betriebe in verschiedenen Städten in Pennsylvanien, New York und Ohio sowie in Großbritannien druckten. 1884 wurde Zion’s Watch Tower Tract Societya mit C. T. Russell als Präsidenten gesetzlich eingetragen, und wie aus ihren Statuten hervorging, handelte es sich nicht nur um eine Verlagsgesellschaft. Ihr eigentliches Ziel war religiöser Natur; sie wurde zur „Verbreitung biblischer Wahrheiten in verschiedenen Sprachen“ gegründet.
Mit welchem Eifer dieses Ziel doch verfolgt wurde! 1881 wurden innerhalb von vier Monaten 1 200 000 Traktate mit insgesamt 200 000 000 Seiten herausgegeben. (Viele dieser „Traktate“ waren eigentlich kleine Bücher.) Danach stieg die Produktion von Bibeltraktaten, die kostenlos verbreitet wurden, schnell auf zigmillionen Jahr für Jahr. Die Traktate wurden in ungefähr 30 Sprachen gedruckt und nicht nur in Amerika verbreitet, sondern auch in Europa, Südafrika, Australien und anderswo.
Ein anderer Aspekt der Tätigkeit tat sich auf, als Bruder Russell 1886 das Buch Der göttliche Plan der Zeitalter vollendete, das erste einer sechsbändigen Serie, die er persönlich schrieb. Er bediente sich der Tower Publishing Companyb zum Herausgeben der ersten vier Bände dieser Serie (1886—1897) sowie von Traktaten und vom Wacht-Turm in den Jahren 1887 bis 1898. Im Laufe der Zeit wurden der Schriftsatz und der Umbruch von den Brüdern im Bibelhaus in Pittsburgh gemacht. Um die Ausgaben niedrig zu halten, kauften sie auch das Papier zum Drucken. Für das eigentliche Drucken und Binden vergab Bruder Russell oft Aufträge an mehrere Firmen. Er plante sorgfältig und orderte lange genug im voraus, um günstige Preise zu erzielen. Vom Erscheinen des ersten Buches, das C. T. Russell verfaßt hatte, bis 1916 wurden insgesamt 9 384 000 Exemplare der sechs Bände hergestellt und verbreitet.
Die Herausgabe biblischer Literatur endete nicht mit dem Tod Bruder Russells. Im darauffolgenden Jahr wurde der siebte Band der Schriftstudien gedruckt. Er wurde am 17. Juli 1917 für die Bethelfamilie freigegeben. Die Nachfrage war so groß, daß die Gesellschaft Ende des Jahres Bestellungen für 850 000 Exemplare in Englisch bei kommerziellen Druckereien und Buchbindereien aufgegeben hatte. In Europa wurden anderssprachige Ausgaben hergestellt. Außerdem wurden in jenem Jahr 38 Millionen Traktate gedruckt.
Doch 1918, während eines Zeitabschnitts heftiger Verfolgung, als die führenden Vertreter der Gesellschaft zu Unrecht im Gefängnis saßen, wurde das Hauptbüro (das seinen Sitz in Brooklyn [New York] hatte) aufgelöst. Die Druckplatten wurden zerstört. Die wenigen verbliebenen Mitarbeiter und das Büro zogen wieder nach Pittsburgh, und zwar ins dritte Geschoß eines Gebäudes in der Federal Street 119. War damit die Herstellung von biblischer Literatur beendet?
Sollten sie selbst drucken?
Nachdem der Präsident der Gesellschaft, J. F. Rutherford, und seine Gefährten aus dem Gefängnis entlassen worden waren, versammelten sich die Bibelforscher 1919 in Cedar Point (Ohio). Sie dachten über das nach, was Gott im vorhergehenden Jahr zugelassen hatte und was sein Wort darüber anzeigte, was sie in Zukunft tun sollten. Es wurde bekanntgegeben, daß eine neue Zeitschrift, Das Goldene Zeitalter, herausgegeben würde, und zwar als ein Mittel, das auf Gottes Königreich als einzige Hoffnung für die Menschheit hinweist.
Wie schon in der Vergangenheit beauftragte die Gesellschaft eine kommerzielle Firma mit dem Drucken. Doch die Zeiten hatten sich geändert. Es gab Arbeitskämpfe in der Druckindustrie und Schwierigkeiten auf dem Papiermarkt. Etwas Verläßlicheres war nötig. Die Brüder beteten darum und hielten Ausschau nach der Führung des Herrn.
Wo sollten die Büros der Gesellschaft überhaupt ihren Sitz haben? Sollte das Hauptbüro wieder nach Brooklyn verlegt werden? Der Vorstand der Gesellschaft erwog die Angelegenheit, und es wurde ein Komitee ernannt, das die Situation prüfen sollte.
Bruder Rutherford wies C. A. Wise, den Vizepräsidenten der Gesellschaft, an, nach Brooklyn zu gehen, um sich um die Wiedereröffnung des Bethels zu kümmern und Räumlichkeiten zu mieten, in denen die Gesellschaft mit dem Drucken beginnen konnte. Bruder Rutherford, der gern wissen wollte, welchen Weg Gott segnen würde, sagte: „Geh und stell fest, ob es der Wille des Herrn ist, daß wir nach Brooklyn zurückkehren.“
„Wie soll ich denn feststellen, ob der Herr will, daß wir zurückkehren?“ fragte Bruder Wise.
„Wir mußten 1918 von Brooklyn nach Pittsburgh zurück, weil wir keine Kohlen bekommen konnten“,c antwortete Bruder Rutherford. „Dann sollen jetzt die Kohlen den Ausschlag geben. Du gehst hin und bestellst Kohlen.“
„Was meinst du, wieviel Tonnen ich bestellen soll, damit wir Bescheid wissen?“
„Wir wollen sichergehen“, empfahl Bruder Rutherford. „Bestelle 500 Tonnen!“
Genau das tat Bruder Wise. Und mit welchem Ergebnis? Als er bei den Behörden seinen Antrag stellte, erhielt er eine Bescheinigung zum Bezug von 500 Tonnen Kohle — genug, um den Bedarf für einige Jahre zu decken. Doch wohin damit? Man machte einen großen Teil des Kellers im Bethel zum Kohlenkeller.
Der Ausgang dieses Tests wurde als unmißverständlicher Hinweis auf den Willen Gottes angesehen. Anfang Oktober 1919 nahmen die Brüder erneut ihre Tätigkeit in Brooklyn auf.
Sollten sie jetzt selbst drucken? Sie bemühten sich, eine Rotationsmaschine für den Zeitschriftendruck zu kaufen, aber ihnen wurde gesagt, daß es in den Vereinigten Staaten überhaupt nur ein paar gebe und daß es viele Monate dauern würde, bis sie eine bekämen. Dennoch waren sie zuversichtlich, daß der Herr eine Möglichkeit eröffnen würde, wenn es sein Wille war. Und das tat er!
Nur wenige Monate nachdem sie nach Brooklyn zurückgekehrt waren, gelang es ihnen, eine Rotationspresse zu kaufen. Sie mieteten drei Stockwerke in einem Gebäude, das acht Häuserblocks vom Bethel entfernt lag, in der Myrtle Avenue 35. Anfang 1920 hatte die Gesellschaft ihre eigene Druckerei — zwar klein, aber gut ausgestattet. Brüder mit ausreichender Erfahrung im Bedienen der Maschinen stellten sich zur Verfügung, um bei der Arbeit zu helfen.
In jenem Jahr begann man, den Wacht-Turm auf der Presse der Gesellschaft zu drucken, und zwar beginnend mit der Ausgabe vom 1. Februar. Ab April wurde auch Das Goldene Zeitalter in der eigenen Druckerei hergestellt. Ende des Jahres konnte im Wacht-Turm voll Freude berichtet werden: „Während des größeren Teils des Jahres wurde alle Arbeit am WACHT-TURM, am GOLDENEN ZEITALTER und an vielen Broschüren von geweihten Männern vollbracht; nur ein Beweggrund hat ihre Handlungen geleitet, und dieser Beweggrund ist Liebe zum Herrn und zu seiner Gerechtigkeit. ... Wenn andere Zeitungen oder Zeitschriften ihr Erscheinen wegen Papiermangels oder Arbeitskämpfen vorübergehend einstellen mußten, ging die Produktion unserer Publikationen problemlos weiter.“
Der Platz in der Druckerei war ziemlich begrenzt, aber es wurde erstaunlich viel geleistet. Von jeder Ausgabe des Wacht-Turms druckte man normalerweise 60 000 Exemplare. Aber auch Das Goldene Zeitalter wurde dort gedruckt, und im ersten Jahr war die Zeitschrift vom 29. September eine Sonderausgabe. Darin wurden diejenigen entlarvt, die an der Verfolgung der Bibelforscher in den Jahren 1917 bis 1920 beteiligt gewesen waren. Vier Millionen Exemplare wurden gedruckt. Einer der Drucker sagte später: „Alle, außer dem Koch, mußten bei der Herstellung dieser Ausgabe mithelfen.“
Als die Rotationspresse einige Monate in Gebrauch war, fragte Bruder Rutherford die Brüder, ob sie auch Broschüren auf dieser Maschine drucken könnten. Anfangs schien es nicht möglich zu sein. Die Hersteller der Druckpresse sagten, es ginge nicht. Aber die Brüder versuchten es und hatten Erfolg. Sie konstruierten einen Falzapparat und verringerten auf diese Weise die Anzahl der für diese Arbeit notwendigen Arbeiter von 12 auf 2. Wie war ihr Erfolg zu erklären? „Erfahrung und der Segen des Herrn“, so faßte es der Druckereiaufseher zusammen.
Die Gesellschaft nahm jedoch nicht nur in Brooklyn eine Druckerei in Betrieb. Ein Büro in Michigan beaufsichtigte Arbeiten in einigen Fremdsprachen. Um für das Nötige in Verbindung mit dieser Arbeit zu sorgen, installierte die Gesellschaft 1921 eine Linotype-Setzmaschine, Druckpressen und andere notwendige Ausrüstungsgegenstände in Detroit (Michigan). Dort wurde Literatur in Polnisch, Russisch, Ukrainisch und anderen Sprachen gedruckt.
Im gleichen Jahr gab die Gesellschaft das Buch Die Harfe Gottes heraus, das so geschrieben war, daß es sich für Neulinge auf dem Gebiet des Bibelstudiums gut eignete. Bis zum Jahre 1921 hatte die Gesellschaft noch nicht versucht, Bücher in eigener Regie zu drucken und zu binden. Sollten sich die Brüder bemühen, auch diese Arbeit selbst in die Hand zu nehmen? Wiederum suchten sie die Führung des Herrn.
Gott hingegebene Brüder drucken und binden Bücher
Der Wacht-Turm hatte 1920 berichtet, daß viele Kolporteure gezwungen waren, ihren Dienst aufzugeben, weil Drucker und Buchbinder nicht in der Lage waren, die Aufträge der Gesellschaft zu erfüllen. Die Brüder im Hauptbüro überlegten, daß sie ein größeres Zeugnis von Gottes Vorsatz in bezug auf die Menschheit geben könnten, wenn sie von kommerziellen Produzenten mit all ihren Arbeitskämpfen unabhängig wären. Wenn sie ihre Bücher selbst druckten und bänden, wäre es auch für Gegner schwieriger, das Werk zu behindern. Und sie hofften, im Laufe der Zeit die Kosten für die Bücher senken zu können und sie so der Öffentlichkeit leichter verfügbar zu machen.
Das aber erforderte mehr Platz und Maschinen, und die Brüder müßten neue Fertigkeiten erlernen. Würden sie das schaffen? Robert J. Martin, der Druckereiaufseher, erinnerte daran, daß Jehova in Moses’ Tagen ‘Bezalel und Oholiab mit Weisheit des Herzens erfüllt hatte zur Ausführung aller Arbeit’, die zur Errichtung der heiligen Stiftshütte notwendig gewesen war (2. Mo. 35:30-35). Mit diesem Bibelbericht im Sinn war Bruder Martin davon überzeugt, daß Jehova alles Notwendige tun würde, damit seine Diener Literatur herstellen könnten, um das Königreich zu verkündigen.
Nach sorgfältiger Erwägung unter Gebet kristallisierten sich präzise Pläne heraus. Zurückblickend auf das Geschehene, schrieb Bruder Martin später an Bruder Rutherford: „Der größte Tag war jedoch der, an dem Du fragtest, ob es eigentlich einen stichhaltigen Grund gäbe, daß wir nicht auch unsere Bücher selbst drucken und binden könnten. Das war ein atemraubender Gedanke; denn er bedeutete die Einrichtung einer vollständigen Setzerei, einer galvanischen Anlage, Druckerei und Buchbinderei, das Arbeiten mit einer ganzen Anzahl unbekannter Maschinen, mit Maschinen, von deren Existenz wir überhaupt noch nichts wußten, und die Notwendigkeit, ein Dutzend Handwerke zu erlernen. Aber es schien der beste Ausweg zu sein, den Kriegspreisen, die für die Bücher verlangt wurden, auszuweichen.
Du mietetest das sechs Stock hohe Gebäude in der Concord Street 18 (zwei Stockwerke wurden von anderen Mietern genutzt), und am 1. März 1922 zogen wir ein. Du kauftest einen vollständigen Maschinenpark zum Setzen, Galvanisieren, Drucken und Binden, das meiste neu, einiges gebraucht, und wir machten uns ans Werk.
Eine der großen Druckereien, die bisher viel Arbeit für uns getan hatte, hörte von unserem Unternehmen, und ihr Direktor kam, um uns zu besuchen. Er sah unsere neue Einrichtung und bemerkte sehr schlau: ‚Sie haben hier eine erstklassige Druckerei-Anlage, aber niemand, der etwas davon versteht und damit umzugehen weiß. In sechs Monaten wird das ganze Ding Schrott sein, und Sie werden sich überzeugt haben, daß die Leute, die für den Druck Ihrer Bücher in Frage kommen, die sind, die sie immer gedruckt haben und deren Sache es auch ist.‘
Das klang ja ganz logisch, aber er vergaß den Herrn. Und der Herr ist immer mit uns gewesen. Als wir mit der Buchbinderei beginnen wollten, schickte uns der Herr einen Bruder, der sein Leben lang Buchbinder gewesen war. Er war uns eine große Hilfe; denn er war zu jener Zeit das, was wir am nötigsten brauchten. Mit seinem Beistand und dem Geiste des Herrn, der mit den Brüdern war, die sich bemühten zu lernen, dauerte es nicht lange, und wir stellten Bücher her.“
Da in dem Gebäude in der Concord Street genug Platz war, wurde der Druckereibetrieb in Detroit mit dem in Brooklyn zusammengelegt. Während des zweiten Jahres in diesen Räumlichkeiten produzierten die Brüder außer Zeitschriften, Traktaten und Handzetteln 70 Prozent der benötigten Bücher und Broschüren. Die wachsende Arbeit machte es im darauffolgenden Jahr erforderlich, auch die beiden noch nicht genutzten Stockwerke des Gebäudes in Beschlag zu nehmen.
Könnte die Buchproduktion beschleunigt werden? Extra zu diesem Zweck hatten die Brüder eine Druckmaschine in Deutschland bauen und nach Amerika verfrachten lassen, die sie 1926 in Betrieb nahmen. Das war ihres Wissens die erste Rotationspresse, die in Amerika zum Drucken von Büchern benutzt wurde.
Die Bibelforscher druckten allerdings nicht nur in Amerika.
Die Anfänge des Druckens in anderen Ländern
Bruder Russell ließ in Großbritannien bereits 1881 bei kommerziellen Betrieben drucken. In Deutschland geschah das 1903, in Griechenland 1906, in Finnland 1910 und 1913 sogar in Japan. In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wurden große Mengen Bücher, Broschüren, Zeitschriften und Traktate in Großbritannien, Skandinavien, Deutschland und Polen gedruckt sowie kleinere Mengen in Brasilien und Indien.
Die Gesellschaft begann 1920, in Brooklyn die Zeitschriften selbst zu drucken, und im selben Jahr wurden Vorbereitungen getroffen, auch unsere Brüder in Europa einen Teil dieser Arbeit tun zu lassen. In der Schweiz hatte eine Gruppe von Brüdern in Bern eine Druckerei eingerichtet. Es war ihr eigener Betrieb. Doch sie alle waren Bibelforscher, und sie stellten für die Gesellschaft zu niedrigen Kosten Literatur in einigen europäischen Sprachen her. Im Laufe der Zeit erwarb die Gesellschaft das Eigentumsrecht für diese Druckerei und vergrößerte sie. Wegen der schweren wirtschaftlichen Notlage in den verarmten Ländern Europas stellte man dort riesige Mengen Literatur zur kostenlosen Verbreitung her. Ende der 20er Jahre wurden Publikationen in über einem Dutzend Sprachen von dieser Druckerei versandt.
Zur gleichen Zeit zeigte sich in Rumänien großes Interesse an der Königreichsbotschaft. Obwohl unser Werk dort heftig bekämpft wurde, errichtete die Gesellschaft in Cluj eine Druckerei, um die Kosten für die Literatur zu senken und sie den wahrheitshungrigen Menschen in Rumänien und den Nachbarländern leichter zugänglich zu machen. 1924 konnten in dieser Druckerei außer den Zeitschriften und Broschüren fast eine viertel Million gebundene Bücher in Rumänisch und Ungarisch hergestellt werden. Der Verantwortliche für das dortige Werk ging jedoch mit dem ihm Anvertrauten treulos um, und durch sein Verhalten verlor die Gesellschaft ihren Grundbesitz und die Ausrüstung. Trotzdem taten treue Brüder in Rumänien weiterhin alles, was in ihrer Macht stand, um anderen die Wahrheit aus der Bibel zu übermitteln.
In Deutschland strömten nach dem Ersten Weltkrieg die Leute scharenweise in die Zusammenkünfte der Bibelforscher. Aber die Menschen in Deutschland befanden sich wirtschaftlich in großen Schwierigkeiten. Um biblische Literatur für sie erschwinglich zu machen, begann die Gesellschaft, auch dort selbst zu drucken. 1922 wurde in Barmen erstmals auf Flachformpressen gedruckt; die eine stand auf dem Treppenabsatz im Bethel und die andere im Holzschuppen. Im Jahr darauf zogen die Brüder nach Magdeburg in besser geeignete Räumlichkeiten. Dort hatten sie schöne Gebäude, es kamen noch welche hinzu, und man installierte Druck- und Buchbindereimaschinen. Ende 1925 wurde berichtet, daß die Produktionskapazität dieser Anlage mindestens so groß würde wie die der Maschinen, die damals im Hauptbüro in Brooklyn in Betrieb waren.
Die Brüder fingen mit dem Drucken meistens klein an. Auch auf Korea traf das zu, wo die Gesellschaft 1922 eine kleine Druckerei eingerichtet hatte, um Literatur sowohl in Koreanisch als auch in Japanisch und Chinesisch zu produzieren. Einige Jahre später schaffte man die Ausrüstung nach Japan.
Im Jahre 1924 wurden in Kanada und Südafrika kleinere Druckerzeugnisse hergestellt. 1925 stellte man eine kleine Druckpresse in Australien auf und eine weitere in Brasilien. Schon bald verwendeten die Brüder in Brasilien ihre Ausrüstung, um die portugiesische Ausgabe des Wacht-Turms zu drucken. Das Zweigbüro der Gesellschaft in England erhielt seine erste Druckereiausrüstung im Jahre 1926. Der geistige Hunger demütiger Menschen in Spanien wurde dadurch gestillt, daß 1929 Der Wacht-Turm dort auf einer kleinen Presse gedruckt wurde. Zwei Jahre später begann im Keller des Zweigbüros in Finnland eine Druckmaschine zu laufen.
Inzwischen vergrößerte sich die Weltzentrale.
Die eigene Druckerei der Weltzentrale
Seit 1920 hatte die Gesellschaft Räumlichkeiten für die Druckerei in Brooklyn gemietet. Sogar das Gebäude, das sie ab 1922 benutzte, war in keinem guten Zustand. Wenn die Rotationsmaschine im Keller lief, zitterte das ganze Haus. Außerdem wurde mehr Platz gebraucht, um das immer größer werdende Werk zu verrichten. Die Brüder kamen zu dem Schluß, daß die vorhandenen Geldmittel besser verwendet werden würden, wenn sie ein eigenes Druckereigebäude hätten.
Ein Stück Land, nur ein paar Häuserblocks vom Bethel entfernt, schien ein äußerst wünschenswerter Platz zu sein, daher bemühten sie sich darum. Es stellte sich heraus, daß der pharmazeutische Betrieb Squibb sie überbot; doch als die Firma Squibb auf dem Grundstück bauen wollte, mußte sie 1 167 Pfeiler einrammen, um ein festes Fundament zu erhalten. (Jahre später kaufte die Watch Tower Society diese Gebäude mitsamt dem soliden Fundament von der Firma Squibb.) Wie dem auch sei, das Land, das die Gesellschaft 1926 kaufte, hatte einen Boden mit großer Belastbarkeit, auf dem man bauen konnte.
Im Februar 1927 zogen die Brüder in ihr nagelneues Gebäude in der Adams Street 117 in Brooklyn. Dort hatten sie fast doppelt soviel Platz wie vorher. Das Gebäude war gut geplant, der Arbeitsablauf verlief von den oberen Stockwerken abwärts durch die verschiedenen Abteilungen bis zur Versandabteilung im Erdgeschoß.
Damit war das Wachstum jedoch noch nicht abgeschlossen. Innerhalb von zehn Jahren mußte die Druckerei erweitert werden, und weitere Vergrößerungen sollten später erfolgen. Außer den Millionen von Zeitschriften und Broschüren, die jedes Jahr gedruckt wurden, produzierte man 10 000 gebundene Bücher pro Tag. 1942, als zu diesen Büchern auch vollständige Bibeln gehörten, leistete die Watch Tower Society wiederum Pionierarbeit auf einem für die Druckindustrie neuen Gebiet. Die Brüder experimentierten so lange, bis sie das dünne Bibeldruckpapier auf der Rotationspresse verarbeiten konnten — andere Drucker versuchten das erst Jahre später.
Während hohe Auflagen produziert wurden, übersah man doch nicht Gruppen mit besonderen Bedürfnissen. Schon 1910 halfen ein Bibelforscher in Boston (Massachusetts) und einer in Kanada mit, die Literatur der Gesellschaft in Blindenschrift zu übertragen. 1924 stellte die Gesellschaft in einem Büro in Logansport (Indiana) Publikationen für die Blinden her. Weil die Veröffentlichungen in Brailleschrift damals nur wenig Widerhall fanden, wurde die Arbeit daran 1936 eingestellt, und man legte Nachdruck darauf, Blinden durch Schallplatten sowie durch persönliche Aufmerksamkeit zu helfen. Später, im Jahre 1960, stellte man wieder Literatur in Blindenschrift her — diesmal in größerer Vielfalt, und sie fand immer mehr Anklang.
Heftiger Verfolgung entgegentreten
In einer Anzahl Länder wurde trotz extrem schwieriger Umstände gedruckt. Aber unsere Brüder harrten aus in dem Bewußtsein, daß die Verkündigung der guten Botschaft vom Königreich das Werk war, das Jehova Gott durch seinen Sohn zu tun geboten hatte (Jes. 61:1, 2; Mar. 13:10). In Griechenland zum Beispiel hatten die Brüder 1936 ihre Druckerei eingerichtet und gerade erst ein paar Monate in Betrieb, als ein Regierungswechsel eintrat und die Behörden die Anlage schlossen. Ähnlich war es 1940 in Indien. Claude Goodman war monatelang damit beschäftigt, eine Druckmaschine aufzustellen und zu lernen, wie man sie bedient, doch dann stürzte die vom Maharadscha geschickte Polizei herein, lud die Presse auf einen Lastwagen und fuhr damit weg; die sorgfältig sortierten Buchstaben kippte sie in große Blechdosen.
An vielen anderen Orten mußten die Brüder wegen der Gesetze über den Import von Literatur die Arbeit kommerziellen einheimischen Druckereien übergeben, obwohl die Gesellschaft in einem benachbarten Land eine Druckerei unterhielt, die so ausgerüstet war, daß sie die Arbeit hätte tun können. Das war Mitte der 30er Jahre in Dänemark, Lettland und Ungarn der Fall.
Im Jahre 1933 unternahm die deutsche Regierung, veranlaßt von der Geistlichkeit, Schritte, die Druckerei der Zeugen Jehovas in Deutschland zu schließen. Die Polizei besetzte die Druckerei der Wachtturm-Gesellschaft in Magdeburg und schloß sie im April jenes Jahres, aber sie konnte kein Belastungsmaterial finden; daher zog sie sich zurück. Trotzdem schritt sie im Juni erneut ein. Um die Königreichsbotschaft weiterhin zu verbreiten, errichtete die Gesellschaft eine Druckerei in Prag (Tschechoslowakei), und ein beträchtlicher Teil der Ausrüstung wurde von Magdeburg dorthin gebracht. Damit wurden in den nächsten Jahren Zeitschriften in zwei Sprachen und Broschüren in sechs Sprachen hergestellt.
Dann marschierten Hitlers Truppen 1939 nach Prag; deshalb bauten die Brüder schnell ihre Anlagen ab und brachten sie außer Landes. Einiges davon ging in die Niederlande. Dieser Umzug erfolgte genau zur rechten Zeit. Für die niederländischen Brüder war es immer schwieriger geworden, die Verbindung mit der Schweiz aufrechtzuerhalten. Also mieteten sie eine Halle und druckten mit den neu erstandenen Pressen selbst. Allerdings dauerte es nicht lange, bis die nationalsozialistischen Invasoren den Betrieb beschlagnahmten. Immerhin hatten die Brüder, solange es ging, die Ausrüstung in Gebrauch.
Als in Finnland während des Krieges die Herausgabe des Wachtturms wegen eines Willkürakts seitens der Behörden gezwungenermaßen eingestellt wurde, vervielfältigten die Brüder die Hauptartikel, und Kuriere lieferten sie aus. Nachdem Österreich 1938 unter nationalsozialistische Herrschaft gekommen war, wurde Der Wachtturm auf einem Vervielfältigungsapparat gedruckt, der ständig an einen anderen Platz gebracht werden mußte, damit er nicht der Gestapo in die Hände fiel. Ähnlich war es in Kanada; als die Zeugen im Krieg unter Verbot standen, mußten sie ihre Ausrüstung wiederholt an andere Orte bringen, um ihre Brüder weiterhin mit geistiger Speise versorgen zu können.
In Australien druckten die Brüder, während das Werk der Zeugen Jehovas verboten war, ihre Zeitschriften selbst, und sie druckten und banden sogar Bücher, was sie dort bis dahin noch nicht einmal unter günstigeren Umständen gemacht hatten. Sie mußten mit der Buchbinderei 16mal umziehen, um die Ausrüstung vor der Beschlagnahmung zu retten, aber es gelang den Brüdern, 20 000 gebundene Bücher rechtzeitig zur Freigabe auf einem Kongreß herzustellen, der 1941 trotz überwältigender Hindernisse durchgeführt wurde.
Ausdehnung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nachdem der Krieg vorüber war, trafen sich Jehovas Zeugen 1946 auf dem internationalen Kongreß in Cleveland (Ohio). Dort sprach Nathan H. Knorr, der damalige Präsident der Watch Tower Society, über Wiederaufbau und Ausdehnung. Seit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatte die Zahl der Zeugen um 157 Prozent zugenommen, und die Missionare erschlossen schnell neue Gebiete für das Werk. Bruder Knorr umriß Pläne zur Erweiterung der Einrichtungen in der Weltzentrale, die durch die weltweite Nachfrage nach biblischer Literatur notwendig geworden war. Nach der beabsichtigten Erweiterung würde in der Druckerei mehr als doppelt soviel Platz sein wie in dem 1927 erstellten Gebäude, und für die freiwilligen Mitarbeiter sollte ein beträchtlich vergrößertes Bethelheim zur Verfügung stehen. Diese zusätzlichen Gebäude wurden Anfang 1950 fertiggestellt und bezogen.
Seit 1950 mußten die Druckerei und die Büros der Weltzentrale in Brooklyn immer wieder erweitert werden. 1992 entsprach die Fläche ungefähr acht Häuserblocks und umfaßte 230 071 Quadratmeter Bodenfläche. Es sind nicht bloß Gebäude zur Herstellung von Büchern. Sie sind Jehova übergeben worden und werden zur Produktion von Literatur benutzt, die dazu bestimmt ist, Menschen über seine Anforderungen zur Erlangung des Lebens zu unterweisen.
In manchen Gebieten war es nach dem Zweiten Weltkrieg schwierig, die Drucktätigkeit der Gesellschaft wieder in Gang zu bringen. Magdeburg, wo die Gesellschaft einen Druckerei- und Bürokomplex besaß, gehörte zur kommunistisch beherrschten Zone. Die deutschen Zeugen waren wieder in die Gebäude eingezogen, konnten aber nur kurze Zeit darin arbeiten, denn sie wurden erneut beschlagnahmt. Um den Bedürfnissen im westlichen Teil Deutschlands zu entsprechen, mußte dort eine Druckerei errichtet werden. Als Folge der Bombardements war von den Städten nur noch Schutt übriggeblieben. Den Zeugen wurde jedoch eine kleine Druckerei in Karlsruhe, die den Nationalsozialisten gehört hatte, zur Benutzung überlassen. 1948 hatten sie in einem Gebäude in Wiesbaden, das ihnen zur Verfügung gestellt worden war, zwei Flachformpressen stehen, die Tag und Nacht liefen. Im Jahr darauf vergrößerten sie ihre Einrichtungen und vervierfachten die Zahl ihrer Druckmaschinen, um den Bedürfnissen der schnell wachsenden Zahl der Königreichsverkündiger in diesem Teil des weltweiten Predigtgebietes gerecht zu werden.
Als die Gesellschaft 1946 in Griechenland wieder ungehindert drucken konnte, war die Elektrizitätsversorgung alles andere als zuverlässig. Manchmal war stundenlang kein Strom da. 1977 hatten die Brüder in Nigeria das gleiche Problem. Bis der nigerianische Zweig seinen Generator bekam, nahmen die Brüder in der Druckerei zu jeder Tages- und Nachtzeit, sobald der Strom da war, die Arbeit wieder auf. Mit dieser Einstellung ließen sie keine Ausgabe des Wachtturms ausfallen.
Nachdem Bruder Knorr 1948 Südafrika besucht hatte, wurde in Elandsfontein Land gekauft; und Anfang 1952 bezog der Zweig die neue Druckerei — die erste, die in Südafrika von der Gesellschaft gebaut worden war. Auf einer neuen Flachformpresse begannen die Brüder, Zeitschriften in acht Sprachen zu drucken, die in Afrika gesprochen werden. 1954 wurde der schwedische Zweig so ausgerüstet, daß Zeitschriften auf einer Flachformpresse gedruckt werden konnten, und 1957 auch der dänische Zweig.
Als die Nachfrage nach Literatur stieg, wurden für einen Zweig nach dem anderen schnelle Hochdruckrotationsmaschinen bereitgestellt. Kanada erhielt seine erste 1958, 1959 bekam England seine erste. Im Jahre 1975 hatte die Watch Tower Society in ihren Druckereien weltweit 70 große Rotationspressen laufen.
Ein weltumspannendes Netz, um biblische Wahrheit zu veröffentlichen
Ende der 60er Jahre wurden vereinte Anstrengungen unternommen, die Drucktätigkeit der Watch Tower Society weiter zu dezentralisieren. Jehovas Zeugen nahmen schnell an Zahl zu. Es wurde mehr Platz benötigt, um biblische Literatur für den eigenen Gebrauch und für die Verbreitung in der Öffentlichkeit herzustellen. Aber die Ausdehnung in Brooklyn ging nur langsam voran, da nur wenige Grundstücke zur Verfügung standen und auch wegen des juristischen Bürokratismus. Man machte Pläne, anderswo mehr zu drucken.
Also wurde 1969 damit begonnen, eine neue Druckerei zu entwerfen, die bei Wallkill (New York), etwa 150 Kilometer nordwestlich von Brooklyn, gebaut werden sollte. Dadurch würden die Einrichtungen des Hauptbüros vergrößert und erweitert, und nach und nach kämen fast alle Exemplare des Wachtturms und des Erwachet! für die Vereinigten Staaten aus Wallkill. Drei Jahre später wurden Pläne für eine zweite, viel größere Druckerei in Wallkill gezeichnet. 1977 druckten die Hochdruckrotationspressen dort über 18 Millionen Zeitschriften im Monat. 1992 waren große M.A.N.-Roland- und Hantscho-Offsetdruckmaschinen in Betrieb (nur 4 Offsetpressen statt der vorherigen 15 Hochdruckpressen), die eine Produktionskapazität von weit über einer Million Zeitschriften am Tag hatten.
Als man begann, Pläne für eine Druckerei in Wallkill zu schmieden, wurde Der Wachtturm in 32 der damals 72 Sprachen und Erwachet! in 14 der 26 Sprachen in Brooklyn herausgegeben. Ungefähr 60 Prozent der Weltproduktion wurden in der Weltzentrale hergestellt. Es erschien nützlich, einen größeren Teil der Arbeit außerhalb der Vereinigten Staaten erledigen zu lassen, und zwar von unseren Brüdern statt von kommerziellen Firmen. Wenn in Zukunft das Werk der Zeugen Jehovas durch eine Weltkrise oder durch Einmischung von Regierungen irgendwo auf der Erde behindert würde, könnte also immer noch geistige Speise bereitgestellt werden.
Daher begann man 1971, fast zwei Jahre bevor die erste Druckerei der Gesellschaft in Wallkill in Betrieb genommen wurde, eine schöne neue Druckerei in Numasu (Japan) zu errichten. Die Zunahme an Königreichsverkündigern in Japan auf mehr als das Fünffache in den vorhergehenden zehn Jahren ließ erkennen, daß in Zukunft viel biblische Literatur benötigt würde. Zur selben Zeit wurde das Zweigbüro in Brasilien erweitert. In Südafrika, wo biblische Literatur in über zwei Dutzend afrikanischen Sprachen hergestellt wurde, geschah das gleiche. Im darauffolgenden Jahr, 1972, wurde der Verlag in Australien auf das Vierfache vergrößert, damit in diesem Teil der Welt jede Ausgabe der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! ohne lange Transportverzögerungen zur Verfügung stünde. In Frankreich und auf den Philippinen wurden weitere Druckereien errichtet.
Anfang 1972 unternahmen N. H. Knorr und der Druckereiaufseher M. H. Larson eine Auslandsreise, um zu untersuchen, was geleistet wurde, und die Angelegenheiten so zu organisieren, daß die Einrichtungen bestmöglich genützt würden, sowie um die Voraussetzungen für künftige Erweiterungen zu schaffen. Sie besuchten 16 Länder in Südamerika, Afrika und im Fernen Osten.
Kurz darauf stellte der japanische Zweig die in seinem Gebiet benötigten Zeitschriften in Japanisch selbst her, so daß er nicht mehr von einer kommerziellen Druckerei abhängig war. Im gleichen Jahr, 1972, begann der Zweig in Ghana, den Wachtturm in drei seiner Landessprachen zu drucken, statt auf Lieferungen aus den Vereinigten Staaten und Nigeria zu warten. Als nächstes begann der philippinische Zweig, den Wachtturm und das Erwachet! in acht Landessprachen zu setzen und zu drucken (außerdem druckte man dort die benötigten englischsprachigen Zeitschriften). Das war ein weiterer bedeutender Schritt zur Dezentralisation der Druckarbeiten der Watch Tower Society.
Gegen Ende 1975 hatte die Watch Tower Society in 23 Ländern rund um die Erde eigene Druckereien, die biblische Literatur lieferten — in drei Ländern Bücher und an allen 23 Standorten Broschüren oder Zeitschriften oder beides. In 25 weiteren Ländern stellte die Gesellschaft auf eigenen Maschinen kleinere Druckerzeugnisse her.
Die Gesellschaft baute auch ihre Leistungsfähigkeit auf dem Gebiet der Bücherproduktion aus. In der Schweiz und in Deutschland waren bereits Mitte der 20er Jahre Bücher gebunden worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, und zwar 1948, übernahmen die Brüder in Finnland das Binden von Büchern (zunächst weitgehend mit der Hand), hauptsächlich um den Bedarf des eigenen Landes zu decken. Zwei Jahre später betrieb der deutsche Zweig wieder eine Buchbinderei und übernahm mit der Zeit die Buchbinderarbeiten, die in der Schweiz geleistet wurden.
Als 1967 — es gab weltweit über eine Million Zeugen — Taschenbücher für den Predigtdienst eingeführt wurden, schnellte die Nachfrage nach dieser Art Literatur in die Höhe. Innerhalb von neun Jahren wurden die Buchfertigungsstraßen in Brooklyn mehr als versechsfacht. 1992 hatte die Watch Tower Society in acht Ländern insgesamt 28 Buchfertigungsstraßen in Betrieb.
Im gleichen Jahr, 1992, druckte die Watch Tower Society nicht nur in den Vereinigten Staaten biblische Literatur in 180 Sprachen, auch ihre vier größeren Druckereien in Lateinamerika lieferten einen Großteil der Literatur, die sowohl im jeweils eigenen Land als auch in anderen Ländern dieses Erdteils benötigt wurde. In Europa stellten elf weitere Druckereien Literatur her, und sie alle trugen dazu bei, den Bedarf an Literatur in anderen Ländern zu decken. Frankreich versorgte 14 Länder regelmäßig mit Literatur, und der deutsche Zweig, der in mehr als 40 Sprachen druckte, versandte große Mengen Literatur in 20 Länder, darüber hinaus kleinere Mengen in andere Länder. Sechs Druckereien der Watch Tower Society in Afrika stellten biblische Literatur in insgesamt 46 Sprachen her. Elf weitere Druckereien — einige groß, einige klein — versorgten den Nahen, Mittleren und Fernen Osten, Inseln im Pazifik, Kanada und andere Gebiete mit Literatur, die zur Verbreitung der dringenden Botschaft von Gottes Königreich dient. In 27 anderen Ländern stellte die Gesellschaft kleinere Druckerzeugnisse her, die die Versammlungen benötigen, damit alles reibungslos abläuft.
Neue Methoden, neue Ausrüstung
In den 60er und 70er Jahren wurde die Druckindustrie revolutioniert. Erstaunlich schnell wurde das Hochdruckverfahren zugunsten des Offsetdrucks aufgegeben.d Die Watch Tower Society schwenkte nicht sofort um. Die Platten für Offsetdruckmaschinen, die auf dem Markt waren, eigneten sich nicht für die hohen Auflagen, in denen die Gesellschaft ihre Literatur herausbrachte. Außerdem würde ein Wechsel dieser Art vollständig neue Setz- und Umbruchmethoden erfordern. Neue Druckmaschinen wären nötig. Neue Techniken müßten erlernt werden. Praktisch die gesamte Druckausrüstung in den Druckereien der Gesellschaft müßte ersetzt werden. Die Kosten wären schwindelerregend hoch.
Mit der Zeit wurde jedoch offensichtlich, daß das Zubehör für das Hochdruckverfahren nicht mehr lange erhältlich sein würde. Die Haltbarkeit der Offsetplatten verbesserte sich schnell. Der Wechsel mußte vollzogen werden.
Bereits 1972 hatten drei Mitglieder der Bethelfamilie in Südafrika eine kleine gebrauchte Bogenoffsetmaschine gekauft, weil sie sich stark für die Entwicklungen im Offsetdruck interessierten. Man sammelte einige Erfahrungen, indem man kleinere Druckerzeugnisse damit herstellte. 1974 wurde die Maschine dann benutzt, um das Taschenbuch Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt in Ronga zu drucken. Da man in der Lage war, es schnell zu drucken, konnten Tausende Wahrheitshungrige wertvolle biblische Unterweisung erhalten, bevor das Werk der Zeugen Jehovas in dem Gebiet, wo diese Menschen wohnten, wieder verboten wurde. Eine andere Bogenoffsetmaschine, die dem Zweigbüro in Südafrika, kurz nachdem die Brüder die erste gekauft hatten, geschenkt wurde, wurde nach Sambia versandt und dort in Gebrauch genommen.
Auch in der Druckerei der Gesellschaft in Deutschland begann man früh mit dem Offsetdruck. Im April 1975 fingen die Brüder an, für Jehovas Zeugen in der DDR, wo das Werk verboten war, auf einer Bogenoffsetmaschine Zeitschriften auf Bibeldruckpapier zu drucken. Im Jahr darauf wurden auf dieser Offsetpresse für die verfolgten Brüder Bücher gedruckt.
Ebenfalls im Jahre 1975 nahm die Watch Tower Society ihre erste Rollenoffsetmaschine zum Drucken von Zeitschriften in Argentinien in Betrieb. Sie lief allerdings nur etwas über ein Jahr; dann verbot die argentinische Regierung das Werk der Zeugen Jehovas und versiegelte ihre Druckerei. Doch in anderen Ländern setzte sich der Offsetdruck immer mehr durch. Anfang 1978 wurden im Hauptbüro der Watch Tower Society in Brooklyn (New York) auf einer Rollenoffsetmaschine Bücher im Dreifarbendruck hergestellt.e Im gleichen Jahr wurde eine zweite Maschine gekauft. Doch es war viel mehr Ausrüstung nötig, um die Umstellung vollständig durchzuführen.
Die leitende Körperschaft war davon überzeugt, daß Jehova alles Nötige zur Durchführung des Werkes, das er getan haben wollte, zur Verfügung stellen würde. Im April 1979 und im Januar 1980 wurden Briefe an die Versammlungen in den Vereinigten Staaten verschickt, in denen die Situation erklärt wurde. Es gingen Spenden ein — zunächst langsam, doch im Laufe der Zeit waren genug Mittel vorhanden, um das gesamte weltumspannende Netz von Druckereien der Watch Tower Society für den Offsetdruck auszurüsten.
Um die vorhandene Ausrüstung zu nutzen und den Übergang zu beschleunigen, erteilte die Watch Tower Society in der Zwischenzeit den Auftrag, das neueste Modell der M.A.N.-Druckmaschinen für den Offsetdruck umzubauen. Zwölf Länder erhielten solche Druckmaschinen, darunter waren sechs, die bis dahin ihre Zeitschriften noch nicht selbst gedruckt hatten.
Vierfarbendruck
Der finnische Zweig war der erste, der jede Ausgabe seiner Zeitschriften im Vierfarbenoffsetdruck herstellte; man begann auf einfache Art mit den Ausgaben vom Januar 1981, doch nach und nach wendete man verbesserte Techniken an. Als nächstes wurde in Japan ein gebundenes Buch im Vierfarbendruck hergestellt. Andere Watch-Tower-Druckereien folgten dem Beispiel, sobald die Ausrüstung zur Verfügung stand. Einige der Druckmaschinen sind von der Weltzentrale gekauft und versandt worden, andere sind von Jehovas Zeugen im jeweiligen Land bezahlt worden, in dem sich die Druckerei befand. In wieder anderen Fällen haben die Zeugen eines Landes ihren Brüdern in einem anderen Land die notwendige Ausrüstung geschenkt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Publikationen mit Bildern immer beliebter, und naturgetreue Farben trugen sehr zu einer ansprechenderen Aufmachung bei. Farben so zu verwenden läßt die gedruckte Seite reizvoller erscheinen und lädt daher zum Lesen ein. An vielen Orten wurde festgestellt, daß die Verbreitung der Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! beträchtlich zugenommen hat, nachdem ihr Erscheinungsbild so verbessert wurde.
Entwicklung geeigneter Computersysteme
Zur Unterstützung des Vierfarbendrucks mußte ein computergesteuertes Prepress-System zur Druckvorbereitung entwickelt werden, und die Entscheidung, damit zu beginnen, wurde 1977 getroffen. Zeugen, die auf diesem Gebiet Experten waren, boten sich an, in der Weltzentrale zu arbeiten, um der Gesellschaft schnell das Notwendige an die Hand zu geben. (Kurz darauf, im Jahre 1979, begann eine Gruppe in Japan, zu der schließlich ungefähr 50 Zeugen gehörten, Computerprogramme zu erarbeiten, die für die japanische Sprache notwendig waren.) Man verwendete die erhältliche kommerzielle Computerhardware, und die Zeugen bereiteten die Programme vor, die die Gesellschaft für Verwaltungsaufgaben und für ihre Veröffentlichungen in vielen Sprachen benötigte. Um den hohen Standard beizubehalten und die erforderliche Flexibilität zu erreichen, war es notwendig, spezielle Programme für den Fotosatz zu entwickeln. Für viele der 167 Sprachen, in denen die Watch Tower Society damals druckte, waren keine Programme auf dem Markt, mit denen man den Text erfassen und umbrechen konnte; daher mußten die Zeugen ihre eigenen Programme entwickeln.
Damals betrachteten die Handelsunternehmen Programme für Sprachen, die nur von kleineren Bevölkerungsgruppen oder Personen mit geringem Einkommen gesprochen wurden, als unrentabel, aber Jehovas Zeugen sind an Menschenleben interessiert. Innerhalb relativ kurzer Zeit waren die von ihnen entwickelten Programme zur Herstellung von Literatur in über 90 Sprachen in Gebrauch. Über die Arbeit der Brüder hieß es in dem angesehenen Seybold Report on Publishing Systems (Band 12, Nr. 1, 13. September 1982): „Uns bleibt nichts anderes übrig, als den Unternehmungsgeist, die Initiative und den Sachverstand der Wachtturm-Leute zu loben. Es gibt heute kaum jemand, der ehrgeizig oder mutig genug ist, eine solche Aufgabe anzupacken, und das von Grund auf.“
Das Drucken und das Instandhalten der Geräte würde wesentlich vereinfacht, wenn die Geräte weltweit austauschbar wären. Daher wurde 1979 die Entscheidung gefällt, daß die Watch Tower Society ihr eigenes Fotosatzsystem entwickeln sollte. Statt zu sehr von den Geräten auf dem Markt abhängig zu sein, sollte das Team, das daran arbeitete, die grundlegende Hardware herstellen.
Somit begann eine Gruppe Zeugen Jehovas auf der Wachtturm-Farm in Wallkill (New York), das vielsprachige elektronische Fotosatzsystem MEPS (Multilanguage Electronic Phototypesetting System) zu entwerfen und herzustellen. Bis zum Mai 1986 hatte das Team, das an diesem Projekt arbeitete, nicht nur MEPS-Computer, -Fotosetzmaschinen und -Grafikbildschirme entworfen und gebaut, sondern auch, was noch wichtiger ist, die erforderliche Software entwickelt, um Texte für Publikationen in 186 Sprachen zu verarbeiten.
Parallel zur Entwicklung der Software erfolgte die umfangreiche Arbeit, Schriftzeichen zu digitalisieren. Dazu war es notwendig, die bezeichnenden Eigentümlichkeiten jeder Sprache intensiv zu studieren. Jedes Schriftzeichen einer Sprache mußte graphisch gestaltet werden (zum Beispiel jeder Buchstabe als Groß- und Kleinbuchstabe sowie alle diakritischen Zeichen und Satzzeichen, und zwar in verschiedenen Größenbereichen) mit extra Zeichnungen für jeden Schriftschnitt (wie zum Beispiel mager, kursiv, halbfett und fett), möglicherweise in einer Anzahl unterschiedlicher Schriftarten. Für jedes Lateinalphabet waren 202 Zeichen nötig. Die 369 lateinischen Schriften machten daher insgesamt 74 538 Zeichen erforderlich. Die Vorbereitung für die chinesischen Schriftzeichen erforderte 8 364 Zeichnungen für jede Schrift, und später sollen noch mehr dazukommen.
Nachdem die graphische Arbeit getan war, wurde Software erstellt, durch die es möglich wäre, die Zeichen sauber und mit scharfen Konturen zu drucken. Die Software mußte nicht nur das Lateinalphabet verarbeiten können, sondern auch die Schriften Bengalisch, Dewanagari, Griechisch, Kambodschanisch, Koreanisch, Kyrillisch sowie Arabisch und Hebräisch (die beide von rechts nach links gelesen werden) und Japanisch und Chinesisch (die kein Alphabet haben). 1992 stand die Software zur Verarbeitung von über 200 Sprachen zur Verfügung, und es wurden Programme für Sprachen entwickelt, die von weiteren Millionen Menschen gesprochen werden.
Die Umstellung in den Zweigen erforderte neue Verfahren und das Erlernen neuer Fertigkeiten. Man schickte Mitarbeiter zur Weltzentrale, damit sie lernten, wie große Rollenoffsetmaschinen aufgestellt, bedient und instand gehalten werden. Einigen wurde beigebracht, wie man mit einem Laserscanner die Farben trennt. Weitere Brüder lernten, mit Computern umzugehen und sie zu warten. Somit können Probleme, die irgendwo in der Welt auftreten, schnell behoben werden, damit das Werk weiterhin vorangehen kann.
Die leitende Körperschaft erkannte, daß eine starke vereinigende Wirkung erzielt würde, wenn Jehovas Zeugen weltweit den gleichen Stoff in ihren wöchentlichen Zusammenkünften studieren und die gleiche Literatur im Predigtdienst benutzen könnten. In der Vergangenheit war Literatur, die in Englisch herausgegeben worden war, in den meisten anderen Sprachen frühestens vier Monate später erhältlich; in vielen Sprachen dauerte es sogar ein oder mehrere Jahre. Jetzt aber war ein Wechsel möglich. Die vollständig kompatible Ausrüstung in den druckenden Zweigen war ein entscheidender Faktor für das simultane Erscheinen von Literatur in verschiedenen Sprachen. Bis 1984 gelang es, den Wachtturm in 20 Sprachen simultan zu veröffentlichen. Als 1989 die kraftvolle Botschaft, die in dem Buch Die Offenbarung — Ihr großartiger Höhepunkt ist nahe! enthalten ist, wenige Monate nach seinem Erscheinen in der Öffentlichkeit verbreitet wurde, war es in 25 Sprachen erhältlich. Bis 1992 war die Zahl der Sprachen, in denen Der Wachtturm simultan herausgegeben wurde, auf 66 Sprachen angestiegen, die von einem Großteil der Weltbevölkerung gesprochen werden.
Seit 1979, als das Projekt MEPS in Angriff genommen wurde, hat die Computerindustrie außerordentliche Fortschritte gemacht. Leistungsfähige, vielseitig verwendbare Personalcomputer stehen jetzt zu einem Bruchteil der Kosten früherer Geräte zur Verfügung. Die Watch Tower Society entschied sich, solche Personalcomputer zusammen mit der eigenen Software einzusetzen, um mit den Anforderungen Schritt zu halten, die das Publizieren stellt. Auf diese Weise wurde der Produktionsprozeß stark beschleunigt. Außerdem konnten die Computerprogramme dadurch von mehr Zweigen der Gesellschaft genutzt werden — innerhalb kurzer Zeit waren es 83. Bis 1992 hatte die Watch Tower Society weltweit über 3 800 Computerterminals, die mit den Programmen der Gesellschaft arbeiteten. Nicht alle Zweige, die so ausgerüstet sind, drucken, aber jeder Zweig, der einen kleinen Computer und die Software der Gesellschaft sowie einen kleinen Laserdrucker hat, ist in der Lage, alle Druckvorbereitungsarbeiten zu machen, die für Traktate, Zeitschriften, Bücher und irgendwelche anderen Druckerzeugnisse erforderlich sind.
Verstärkte Unterstützung für Übersetzer durch Computer
Könnten Computer auch verwendet werden, um die Übersetzer bei ihrer Arbeit zu unterstützen? Die meisten Übersetzer von Wachtturm-Publikationen arbeiten jetzt an Computerterminals, viele von ihnen in den Zweigbüros der Gesellschaft. Andere, die zu Hause übersetzen und die für ihre Arbeit jahrelang die Schreibmaschine benutzt oder die Manuskripte sogar mit der Hand geschrieben hatten, sind geschult worden, ihre Übersetzung in stationäre Computer (Workstations) oder handliche, tragbare Computer (Laptops) einzugeben, die die Gesellschaft gekauft hat. Die Übersetzung kann leicht direkt am Bildschirm verbessert werden. Wenn die Übersetzung nicht in dem Zweigbüro angefertigt wird, das den Text drucken soll, braucht man ihn nur auf eine dünne flexible Diskette zu übertragen und diese an den druckenden Zweig zur weiteren Bearbeitung zu senden.
Als sich 1989/90 in vielen Ländern schnelle Regierungswechsel vollzogen, wurde die internationale Verständigung einfacher. Rasch beriefen Jehovas Zeugen ein Seminar für ihre Übersetzer aus Osteuropa ein. Es war dazu gedacht, ihnen zu helfen, die Qualität ihrer Arbeit zu verbessern, sie in die Lage zu versetzen, die zur Verfügung stehende Computerausrüstung zu benutzen, und es zu ermöglichen, den Wachtturm in ihren Sprachen simultan herauszubringen. Übersetzern in Südostasien wurde die gleiche Hilfe geboten.
Konnte der Computer aber auch eingesetzt werden, um das Übersetzen zu beschleunigen und die Qualität zu verbessern? Ja. Ab 1989 verwendeten Jehovas Zeugen leistungsfähige Computersysteme, um die Übersetzung der Bibel zu unterstützen. Nach umfangreicher Vorarbeit standen elektronische Dateien zur Verfügung, die es dem Übersetzer gestatten, sich schnell irgendein bestimmtes Wort in der Originalsprache zusammen mit allen Wiedergaben in Englisch gemäß dem jeweiligen Kontext in der Neuen-Welt-Übersetzung auf dem Computerbildschirm anzeigen zu lassen. Er kann auch ein englisches Schlüsselwort wählen und alle Wörter in der Originalsprache abrufen, die mit diesem Wort (und möglicherweise mit anderen Wörtern ähnlicher Bedeutung) wiedergegeben wurden. Dabei zeigt sich oft, daß im Englischen eine Gruppe von Wörtern gebraucht wurde, um die Bedeutung zu übermitteln, die ein einziges Wort der Originalsprache beinhaltet. Dem Übersetzer wird schnell ein tiefer Einblick in das gewährt, was er gerade übersetzt. Es hilft ihm, den besonderen Sinn des Grundwortes in der Originalsprache zu erfassen sowie die genaue Bedeutung, die der Kontext erfordert, und es somit richtig in der eigenen Sprache auszudrücken.
Erfahrene Übersetzer, die diese Computerdateien verwenden, untersuchen alle Vorkommnisse eines bestimmten Wortes in der Bibel und ordnen jedem dieser Vorkommnisse die Entsprechung in der Zielsprache zu gemäß dem, was der Kontext erfordert. Dadurch wird ein hoher Grad an Übereinstimmung gewährleistet. Die Arbeit eines jeden Übersetzers wird von anderen, die in dem Team mitarbeiten, durchgesehen, damit die Übersetzung dank der Nachforschung und Erfahrung aller wirklich optimal wird. Wenn das erledigt ist, könnte man den Computer eine bestimmte Textstelle aus der Heiligen Schrift anzeigen lassen, wobei jedes Wort des englischen Textes zu sehen ist, eine Nummer, die auf das verweist, was in der Originalsprache steht, und die gewählte Entsprechung in der Zielsprache. Damit ist die Arbeit allerdings noch nicht getan. Der Übersetzer muß den Satz noch so gestalten, daß er sich in der Zielsprache gut liest. Wenn er das tut, ist es jedoch äußerst wichtig, daß er ein klares Verständnis der Bedeutung der Schriftstelle hat. Um ihm dabei zu helfen, wurde ihm am Computer ein sofortiger Zugriff auf veröffentlichte Wachtturm-Kommentare zu dem Bibelvers oder zu einem Ausdruck daraus gegeben.
Die Zeit für Nachforschungen konnte somit in Grenzen gehalten und ein hohes Maß an Übereinstimmung erreicht werden. Mit dem weiteren Ausbau dieser Möglichkeiten besteht die Hoffnung, daß mehr wertvolle Publikationen schnell zur Verfügung gestellt werden können, sogar in Sprachen, für die nur eine kleine Gruppe von Übersetzern da ist. Die Verwendung dieses Mittels bei der Herstellung von Literatur zur Förderung der Verkündigung der Königreichsbotschaft hat ein breites Gebiet für Veröffentlichungen erschlossen.
Somit verwenden Jehovas Zeugen in der Neuzeit ebenso wie die ersten Christen die modernsten Mittel, um Gottes Wort zu verbreiten. Weil sie mit der guten Botschaft so viele Menschen wie möglich erreichen wollen, haben sie sich nicht gescheut, neuen Herausforderungen auf dem Gebiet des Publizierens zu begegnen.
[Fußnoten]
a Im Jahre 1896 wurde der Name der Körperschaft offiziell geändert in Watch Tower Bible and Tract Society.
b Das war eine Firma, deren Besitzer Charles Taze Russell war. 1898 übertrug er das Betriebsvermögen der Tower Publishing Company der Watch Tower Bible and Tract Society durch Schenkung.
c Sie konnten nicht nur deshalb keine Kohlen bekommen, weil wegen des Krieges Kohlen knapp waren. Hugo Riemer, der damals ein Mitarbeiter im Hauptbüro war, schrieb später, daß der Hauptgrund der Haß war, den man auf die Bibelforscher hatte und der zu jener Zeit in New York sehr ausgeprägt war.
d Beim Hochdruckverfahren druckt die erhabene Oberfläche, auf der spiegelbildlich das erscheint, was gedruckt werden soll. Diese erhabene Oberfläche wird mit Druckfarbe eingefärbt und gegen Papier gepreßt. Beim Offsetdruck werden die druckenden Teile der Platte eingefärbt, die Farbe wird auf einen Gummituchzylinder und von dort auf das Papier übertragen.
e Von 1959 bis 1971 hatte die Gesellschaft eine Bogenoffsetmaschine in ihrer Brooklyner Druckerei benutzt, um Kalender im Vierfarbendruck zu produzieren, auf denen Themen dargestellt wurden, die mit dem Predigen der guten Botschaft in Verbindung standen.
[Herausgestellter Text auf Seite 578]
„Die Kohlen [sollen] den Ausschlag geben“
[Herausgestellter Text auf Seite 595]
Das gesamte weltumspannende Netz von Druckereien der Watch Tower Society wurde für den Offsetdruck ausgerüstet
[Herausgestellter Text auf Seite 596]
„Uns bleibt nichts anderes übrig, als ... [die] Wachtturm-Leute zu loben“
[Kasten/Bilder auf Seite 581]
Schriftsetzen
Zuerst wurde jeder Buchstabe mit der Hand gesetzt
Südafrika
Von 1920 bis in die 80er Jahre waren Linotype-Setzmaschinen in Gebrauch
Vereinigte Staaten
An manchen Orten wurde mit einer Monotype-Setzmaschine gesetzt
Japan
Jetzt werden Computer benutzt, um den Text zu gestalten
Deutschland
[Kasten/Bilder auf Seite 582]
Plattenherstellung
Von den 20er bis zu den 80er Jahren wurden Bleiplatten für den Buchdruck hergestellt
[Bilder]
1. Gesetzte Zeilen für die zu druckende Seite wurden in sogenannte Schließrahmen aus Metall geschlossen
2. Mit starkem Druck wurde ein Abdruck des Schriftbildes der Zeilen in eine Mater geprägt, die als Gußform diente
3. Die Mater (oder Gußform) wurde mit flüssigem Blei ausgegossen, um eine gerundete Druckplatte zu erhalten
4. Hochstehendes Metall, das nicht drucken sollte, wurde von der Oberfläche der Platte weggefräst
5. Die Platten wurden vernickelt, um sie haltbarer zu machen
Später wurden die Negative von Fotosatzseiten positioniert und Bilder einmontiert. Gruppen von Seiten wurden fotografisch auf flexible Offsetdruckplatten übertragen.
[Kasten/Bild auf Seite 585]
Beweis für Jehovas Geist
„Der Erfolg beim Drucken von Büchern und Bibeln auf Rotationsmaschinen, die von Personen mit wenig oder gar keiner Erfahrung bedient wurden [und das zu einer Zeit, als andere das noch nicht taten], ist ein Beweis für Jehovas Aufsicht und die Führung seines Geistes“, sagte Charles Fekel. Bruder Fekel wußte genau, wovon er sprach, denn er hatte über ein halbes Jahrhundert lang einen Anteil an der Entwicklung der Druckarbeiten im Hauptbüro der Gesellschaft. Die letzten Jahre seines Lebens diente er als ein Mitglied der leitenden Körperschaft.
[Bild]
Charles Fekel
[Kasten/Bild auf Seite 586]
Auf den allmächtigen Gott vertrauen
Ein Erlebnis, das Hugo Riemer, früher Einkäufer für die Watch Tower Society, erzählte, zeigt, wie die Gesellschaft ihre geschäftlichen Angelegenheiten erledigt.
Während des Zweiten Weltkrieges war Druckpapier in den Vereinigten Staaten rationiert. Um welches zu erhalten, mußte ein Gesuch bei einer Regierungskommission eingereicht werden. Einmal ließ sich eine bekannte Bibelgesellschaft durch Rechtsanwälte, Großunternehmer, Prediger und andere Personen vor der Kommission vertreten. Ihnen wurde wesentlich weniger bewilligt, als sie beantragt hatten. Nachdem sie ihre Bitten vorgetragen hatten, ließ die Kommission die Vertreter der Watchtower Bible and Tract Society kommen. Als Hugo Riemer und Max Larson vortraten, fragte der Vorsitzende: „Nur Sie zwei?“ Die Antwort war: „Ja. Wir hoffen, daß auch Gott, der Allmächtige, mit uns ist.“ Ihnen wurde alles, was sie brauchten, bewilligt.
[Bild]
Hugo Riemer
[Kasten/Bilder auf Seite 587]
Druckmaschinen
Die unterschiedlichsten Pressen sind von der Watch Tower Society zum Drucken verwendet worden
[Bilder]
Viele Jahre lang waren Flachformpressen verschiedenster Art in Gebrauch (Deutschland)
Akzidenzpressen wurden nicht nur benutzt, um Formulare und Handzettel zu drucken, sondern auch Zeitschriften (USA)
58 dieser M.A.N.-Hochdruckrotationsmaschinen aus Deutschland liefen in den verschiedenen Druckereien (Kanada)
Jetzt werden in den größeren Druckereien der Gesellschaft Hochgeschwindigkeits- Vierfarbenrollenoffsetpressen benutzt, die in verschiedenen Ländern gebaut wurden
Italien
Deutschland
[Kasten/Bilder auf Seite 588, 589]
Buchbinderei
Anfangs wurden Bücher in Watch-Tower-Druckereien zum Teil mit der Hand gebunden (Schweiz)
Die Massenproduktion in den Vereinigten Staaten erforderte viele getrennte Arbeitsgänge:
1. Bogen werden gesammelt
2. Sie werden geheftet
3. Vorsätze werden angeklebt
4. Beschnitt
5. Buchdecken werden geprägt
6. Decken werden mit den Büchern zusammengeklebt
7. Pressen der Bücher, bis der Leim abgebunden hat
Heute werden Bücher oft nicht mehr geheftet, sondern durch Klebebindung zusammengehalten, und schnelle Maschinen können pro Tag je 20 000 Bücher oder mehr produzieren
[Kasten/Bilder auf Seite 594]
Erkenntnis über Gottes Königreich gefördert
Die Watch Tower Society hat zu verschiedenen Zeiten Literatur in über 290 Sprachen hergestellt. 1992 gab sie Literatur in ungefähr 210 Sprachen heraus. Das alles wurde getan, um Menschen zu helfen, Gottes Königreich und das, was es für sie bedeutet, kennenzulernen. Zu ihren bisher am weitesten verbreiteten Bibelstudienhilfsmitteln gehören:
„Die Wahrheit, die zu ewigem Leben führt“ (1968): 107 553 888 Exemplare in 117 Sprachen
„Du kannst für immer im Paradies auf Erden leben“ (1982): 62 428 231 Exemplare in 115 Sprachen
„Für immer auf der Erde leben!“ (1982): 76 203 646 Exemplare in 200 Sprachen
Obige Zahlen sind aus dem Jahr 1992.
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Kassettenaufnahmen
Seit 1978 hat die Watch Tower Society außer Druckerzeugnissen in den Vereinigten Staaten und in Deutschland mit eigenen Geräten auch über 65 Millionen Kassetten produziert und in ihrem Evangelisierungswerk eingesetzt.
Die gesamte „Neue-Welt-Übersetzung“ gibt es in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch und Spanisch auf Kassette. 1992 war diese Bibelübersetzung außerdem in acht weiteren Sprachen teilweise auf Kassette erhältlich.
Als Hilfe zur Belehrung kleiner Kinder wurden Tonbandaufnahmen von den Publikationen „Mein Buch mit biblischen Geschichten“ und „Auf den Großen Lehrer hören“ gemacht, die besonders für sie gedacht sind.
Außerdem werden in einigen Ländern Tonband- aufnahmen für Rundfunksendungen hergestellt.
Es wurden Aufnahmen von einem Orchester gemacht, dessen Musiker alle Zeugen Jehovas sind. Die Bänder dienen bei Kongressen der Zeugen Jehovas als Begleitung zum Gesang. Außerdem sind schöne Orchester- arrangements dieser Musik erhältlich, die man sich zu Hause anhören kann.
Dramen (sowohl neuzeitliche als auch aus biblischer Zeit) werden aufgenommen und auf Kongressen aufgeführt, wobei Zeugen als Darsteller dem Publikum helfen, sich die Ereignisse vorzustellen. Einige der Aufnahmen können später im Familienkreis zur Erbauung und Belehrung abgehört werden.
Die Zeitschriften „Der Wachtturm“ und „Erwachet!“ stehen auf Kassette in Englisch und Finnisch zur Verfügung. Außerdem gibt es den „Wachtturm“ auf Kassette in Dänisch, Deutsch, Französisch, Norwegisch und Schwedisch. Ursprünglich waren die Bänder für Sehbehinderte gedacht, doch viele Tausend andere schätzen sie auch.
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J. E. Barr im Aufnahmestudio
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Videokassetten bei der Verkündigung des Königreiches eingesetzt
Im Jahre 1990 betrat die Watch Tower Society Neuland, als sie ihre erste Videokassette freigab, die für die Verbreitung in der Öffentlichkeit bestimmt war.
Man nahm in jenem Jahr an, daß rund um die Erde über 200 000 000 Haushalte Videorecorder verschiedener Bauart besaßen. Sogar in Ländern, in denen es keine Fernsehsender gab, besaßen die Leute Videorecorder. Der Einsatz von Videokassetten als Mittel zur Unterweisung war ein neuer Weg, ein breites Publikum zu erreichen.
Bereits 1985 war mit der Arbeit an einem Videofilm begonnen worden, der den Besuchern der Weltzentrale der Gesellschaft einiges von dem zeigen sollte, was dort geleistet wird. Im Laufe der Zeit zeigte es sich auch, daß sich neue Mitglieder der Bethelfamilie dank Videofilmen rascher zurechtfinden konnten. Könnte man dieses Mittel zur Unterweisung auch anders verwenden, nämlich um das weltweite Werk des Jüngermachens zu unterstützen? Einige Brüder glaubten das.
Das Ergebnis war, daß im Oktober 1990 die Videokassette „Jehovas Zeugen — Die Organisation, die hinter dem Namen steht“ freigegeben wurde. Die Reaktion war hervorragend. Es ging eine Flut von Wünschen nach mehr solchen Filmen ein. Um diesem Bedürfnis zu entsprechen, wurde eine neue Abteilung mit Namen Video Services eingerichtet.
Zeugen, die auf diesem Gebiet Experten sind, haben gern ihre Hilfe angeboten. Man erstand die Ausrüstung. Studios wurden eingerichtet. Ein Kamerateam fing an, in verschiedene Länder zu reisen, um Menschen und Objekte zu filmen, die sich für einen Videofilm eigneten, der den Glauben stärken sollte. Das internationale, nur aus Zeugen Jehovas zusammengesetzte Orchester, das wiederholt bei besonderen Projekten mitgewirkt hatte, lieferte Musik, die die Videofilme abrundete.
Pläne, mehr Sprachgruppen zu erreichen, wurden in die Tat umgesetzt. Mitte 1992 wurde der Videofilm „Jehovas Zeugen — Die Organisation, die hinter dem Namen steht“ in über einem Dutzend Sprachen verschickt. Er wurde in 25 Sprachen aufgenommen — darunter auch osteuropäische Sprachen. Außerdem liefen Vorbereitungen, ihn für Chinesen sowohl in Mandarin als auch in Kantonesisch aufzunehmen. Die Gesellschaft hat auch die Rechte erworben, den Videofilm „Purple Triangles“ (Lila Winkel) zu reproduzieren und zu verbreiten, der von der Lauterkeit einer Familie von Zeugen Jehovas in Deutschland während der nationalsozialistischen Herrschaft handelt. Innerhalb von zwei Jahren sind weit mehr als eine Million Videokassetten hergestellt worden, die Jehovas Zeugen in ihrem Predigtdienst gebrauchen.
Besondere Aufmerksamkeit wurde den Taubstummen geschenkt. Es wurde eine Ausgabe des Films „Jehovas Zeugen — Die Organisation, die hinter dem Namen steht“ in amerikanischer Zeichensprache hergestellt. Und man stellte Untersuchungen an in der Absicht, Videofilme zu produzieren, die für Taubstumme in anderen Ländern geeignet sind.
Währenddessen wurde an einer Serie gearbeitet, die dazu beitragen wird, den Glauben an das Buch zu stärken, das die eigentliche Grundlage des christlichen Glaubens ist: die Bibel. Im September 1992 wurde der erste Teil dieses Programms, „Die Bibel — Genaue Geschichte, zuverlässige Prophetie“, in Englisch fertiggestellt, und anderssprachige Versionen waren in Vorbereitung.
Videokassetten werden auf keinen Fall Druckerzeugnisse oder das persönliche Zeugnisgeben ersetzen. Die Publikationen der Gesellschaft erfüllen weiterhin eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der guten Botschaft. Der Haus-zu-Haus-Dienst der Zeugen Jehovas bleibt ein Bestandteil ihres Dienstes, der in der Bibel fest verankert ist. Allerdings sind jetzt Videokassetten ergänzend hinzugekommen — ein wertvolles Instrument, um Glauben an Jehovas kostbare Verheißungen zu fördern und Wertschätzung für das zu wecken, was er heute auf der Erde vollbringen läßt.
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1. Nachdem der Inhalt in groben Zügen festgelegt ist, wird das Drehbuch ausgearbeitet, und gleichzeitig werden die Videoaufnahmen gemacht
2. Bilder werden ausgewählt, und die Szenenfolge wird beim Schneiden bestimmt
3. Speziell komponierte Orchestermusik wird aufgenommen, um den Film abzurunden
4. Digital aufgezeichnete Musik und Geräusche werden mit dem Kommentar und den Bildern gemischt
5. Ton- und Bildbestandteile erhalten den letzten Schliff
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Diese ersten Publikationen wurden von kommerziellen Betrieben gedruckt
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C. A. Wise machte einen Test, um zu sehen, ob die Bibelforscher ihr Hauptbüro wieder in Brooklyn eröffnen sollten
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Die erste Rotationsmaschine der Gesellschaft wurde eingesetzt, um 4 000 000 Exemplare der aufrüttelnden Ausgabe Nr. 27 des „Goldenen Zeitalters“ zu drucken
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R. J. Martin (rechts), der erste Aufseher der gesellschaftseigenen Druckerei in Brooklyn, bespricht sich mit Bruder Rutherford
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Eine der ersten Druckereien der Gesellschaft in Europa (Bern, Schweiz)
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In den 20er Jahren errichtete die Gesellschaft in Magdeburg eine Druckerei
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Elandsfontein (Südafrika), 1972
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Numasu (Japan), 1972
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Strathfield (Australien), 1972
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São Paulo (Brasilien), 1973
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Lagos (Nigeria), 1974
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Wiesbaden (Deutschland), 1975
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Toronto (Kanada), 1975
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Die Zeugen haben Tausende Schriftzeichen digitalisiert, um den Bedarf an biblischer Literatur in vielen Sprachen zu decken (Brooklyn)
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Art-Designer können an Farbmonitoren Bilder elektronisch positionieren, beschneiden und retuschieren
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Jehovas Zeugen setzen Computer ein, um das Übersetzen der Bibel zu beschleunigen und zu verbessern (Korea)
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Gottes heiliges Wort drucken und verbreitenJehovas Zeugen — Verkündiger des Königreiches Gottes
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Kapitel 27
Gottes heiliges Wort drucken und verbreiten
AM Hauptgebäude des Druckereikomplexes der Weltzentrale von Jehovas Zeugen steht seit Jahrzehnten die anspornende Aufschrift: „Lies Gottes Wort, die Bibel, täglich!“
Jehovas Zeugen selbst studieren Gottes Wort fleißig. Um den genauen Sinn des Urtextes der inspirierten Schriften herauszufinden, haben sie im Laufe der Jahre Dutzende von verschiedenen Bibelübersetzungen verwendet. Sie werden ermuntert, für das tägliche Bibellesen ein eigenes Programm zu haben. Abgesehen davon, daß sie Gottes Wort thematisch studieren, lesen und besprechen sie die Bibel in den Zusammenkünften ihrer Versammlungen fortlaufend. Dabei geht es ihnen nicht darum, Texte herauszufinden, die ihre Ansichten stützen. Für sie ist die Bibel Gottes inspiriertes Wort. Sie wissen genau, daß es nützlich ist zum Zurechtweisen und zur Erziehung, und sie bemühen sich ernstlich, ihr Denken und Handeln danach auszurichten (2. Tim. 3:16, 17; vergleiche 1. Thessalonicher 2:13).
Da Jehovas Zeugen davon überzeugt sind, daß die Bibel Gottes heiliges Wort ist, und da sie die darin enthaltene herrliche gute Botschaft kennen, sind sie eifrig bemüht, Bibeln herauszugeben und zu verbreiten.
Eine Gesellschaft, die Bibeln herausgibt
Im Jahre 1896 wurde die Bezeichnung Bibel offiziell in den Namen der gesetzlich eingetragenen Körperschaft aufgenommen, die den Bibelforschern zu jener Zeit in ihrem Verkündigungswerk diente. Damals wurde der gesetzlich eingetragene Name Zion’s Watch Tower Tract Society auf Watch Tower Bible and Tract Society abgeändert.a Die Gesellschaft begann zwar nicht sogleich selbst mit dem Drucken und Binden von Bibeln, aber sie wirkte als Herausgeber, indem sie wertvolles Material zur Verfügung stellte und dann kommerzielle Druckereien mit dem Drucken und Binden der Bibeln beauftragte.
Schon vor 1896 trug die Gesellschaft viel zur Verbreitung der Bibel bei. Nicht um finanziellen Gewinn zu erzielen, sondern um ihren Lesern einen Dienst zu erweisen, lenkte sie die Aufmerksamkeit auf verschiedene Bibelübersetzungen, die erhältlich waren, kaufte sie in großen Mengen ein, um sie preiswert zu bekommen, und gab sie dann zu einem Betrag ab, der oft nur 35 Prozent des Listenpreises ausmachte. Dazu gehörten zahlreiche Ausgaben der King-James-Bibel, die leicht und handlich waren; ferner die größeren „Teachers’ Bibles“ (eine King-James-Bibel mit einer Konkordanz, mit Karten und Randbemerkungen); die Emphatic Diaglott mit einer griechisch-englischen Zwischenzeilenübersetzung; Leesers Übersetzung, in der der englische Text neben dem hebräischen erschien; Murdocks Übersetzung aus dem Altsyrischen; die Newberry Bible mit Randbemerkungen, denen zu entnehmen war, wo in der Ursprache der göttliche Name vorkommt, oder die auf andere wertvolle Einzelheiten im hebräischen und griechischen Text hinwiesen; Tischendorfs New Testament mit Fußnoten, die auf abweichende Lesarten in den drei vollständigsten alten griechischen Bibelhandschriften (Sinaiticus, Vaticanus und Alexandrinus) aufmerksam machten; die Variorum Bible, in deren Fußnoten nicht nur abweichende Lesarten alter Manuskripte wiedergegeben wurden, sondern auch Textteile nach der unterschiedlichen Übersetzung namhafter Gelehrter, und die wörtliche Übersetzung von Young. Außerdem waren bei der Gesellschaft Hilfsmittel erhältlich wie Cruden’s Concordance und die Analytical Concordance von Young mit Kommentaren zu hebräischen und griechischen Wörtern. In den folgenden Jahren bezogen Jehovas Zeugen in der ganzen Welt oft Tausende von Bibeln in den erhältlichen Sprachen von anderen Bibelgesellschaften und verbreiteten sie.
Soweit bekannt, wurde auf Veranlassung der Gesellschaft schon 1890 eine Sonderausgabe gedruckt, in der ihr Name stand; es war die zweite Ausgabe eines Neuen Testaments (The New Testament Newly Translated and Critically Emphasised), das der britische Bibelübersetzer Joseph B. Rotherham angefertigt hatte. Warum diese Übersetzung? Weil es eine wörtliche Übersetzung war und der Übersetzer sich dabei Forschungsergebnisse zunutze gemacht hatte, die die Erstellung eines genaueren griechischen Textes ermöglichten, und weil er durch verschiedene Mittel dem Leser erkennen half, welche Wörter oder Ausdrücke im griechischen Text besonders betont wurden.
Im Jahre 1902 wurde auf Veranlassung der Watch Tower Society eine Sonderausgabe der Holman-Parallelbibel (engl.) gedruckt. Sie hatte einen breiten Rand mit Verweisen auf Stellen in Wachtturm-Publikationen, in denen verschiedene Bibelverse erklärt wurden; außerdem enthielt sie ein umfangreiches Sachverzeichnis mit Bibeltextangaben und nützlichen Verweisen auf Publikationen der Gesellschaft. Sie gab den Wortlaut zweier Übersetzungen wieder: den der King-James-Bibel und darunter den der Revised Version, sofern ein Unterschied bestand. Auch hatte sie eine umfassende Konkordanz, die den Benutzer auf unterschiedliche Bedeutungen der Wörter in der Ursprache aufmerksam machte.
Im gleichen Jahr gelangte die Watch Tower Society in den Besitz der Druckplatten für die Emphatic Diaglott, die den griechischen Text der Christlichen Griechischen Schriften von J. J. Griesbach (Ausgabe 1796 bis 1806) mit einer englischen Zwischenzeilenübersetzung enthielt. Daneben erschien der Text von Benjamin Wilson, einem gebürtigen Engländer, der sich in Geneva (Illinois, USA) niedergelassen hatte. Diese Platten und das alleinige Verlagsrecht waren gekauft und dann der Gesellschaft geschenkt worden. Nachdem die bereits vorhandenen Exemplare verschickt worden waren, ließ die Gesellschaft weitere drucken, die dann 1903 erhältlich waren.
Vier Jahre später (1907) wurde die Bibelforscherausgabe der King-James-Bibel veröffentlicht. Im Anhang war das „Beröer-Handbuch für Bibellehrer“ beigefügt. Es enthielt kurze Kommentare zu Versen aus der ganzen Bibel mit Hinweisen auf Wachtturm-Publikationen, in denen ausführlichere Erklärungen zu finden waren. Etwa ein Jahr später erschien eine Ausgabe mit einem erweiterten Anhang.
Diese Bibeln wurden bei den Druckern und Buchbindern in Mengen von 5 000 bis 10 000 Exemplaren bestellt, um die Kosten niedrig zu halten. Die Gesellschaft war daran interessiert, für möglichst viele Menschen verschiedene Bibelübersetzungen und entsprechende Studienhilfsmittel verfügbar zu haben.
Dann, im Jahre 1926, unternahm die Watch Tower Society in Verbindung mit der Veröffentlichung von Bibeln einen wichtigen Schritt vorwärts.
Die Bibel auf unseren eigenen Pressen gedruckt
Erst 36 Jahre nachdem die Watch Tower Bible and Tract Society mit der Veröffentlichung von Bibeln begonnen hatte, ging sie daran, Bibeln in ihrer eigenen Druckerei zu drucken und zu binden. Es handelte sich dabei um die Emphatic Diaglott, deren Druckplatten bereits 24 Jahre im Besitz der Gesellschaft waren. Sie wurde im Dezember 1926 auf einer Flachformpresse in der Druckerei der Gesellschaft in der Concord Street in Brooklyn gedruckt. Bis heute sind von dieser Bibel 427 924 Exemplare hergestellt worden.
Sechzehn Jahre später, mitten im Zweiten Weltkrieg, unternahm es die Gesellschaft, die ganze Bibel zu drucken. Zu diesem Zweck wurden 1942 von der Firma A. J. Holman in Philadelphia (Pennsylvanien) die Druckplatten für die King-James-Bibel mit Randbemerkungen gekauft. Diese vollständige englische Bibelübersetzung stützte sich nicht auf die lateinische Vulgata, sondern stammte von Gelehrten, die frühere Übersetzungen mit dem hebräischen, aramäischen und griechischen Grundtext vergleichen konnten. Eine von über 150 Dienern Jehovas zusammengestellte Konkordanz wurde beigefügt. Sie sollte Jehovas Zeugen helfen, im Predigtdienst schnell die passenden Schrifttexte zu finden und die Bibel als „Schwert des Geistes“ wirkungsvoll zu gebrauchen, um religiöse Irrtümer bloßzustellen und zu beseitigen (Eph. 6:17). Damit die Bibel für die Allgemeinheit erschwinglich sein würde, druckte man sie auf einer Rotationsmaschine — etwas, was andere Bibeldrucker bis dahin noch nie gewagt hatten. Bis 1992 wurden insgesamt 1 858 368 dieser Bibeln hergestellt.
Den Zeugen Jehovas ging es aber nicht nur darum, die Menschen mit Bibeln, das heißt mit dem Buch an sich, zu versorgen. Sie wollten ihnen vielmehr helfen, den Namen und den Vorsatz Jehovas, des göttlichen Urhebers der Bibel, kennenzulernen. Es gab eine Übersetzung in Englisch — die American Standard Version von 1901 —, in der der göttliche Name an den über 6 870 Stellen erschien, wo er in den Quellen vorkam, die die Übersetzer bei ihrer Arbeit benutzt hatten. 1944 erwarb sich die Watch Tower Society nach monatelangen Verhandlungen das Recht, einen Satz Druckplatten für diese Bibel herzustellen, der von den Originalen der New Yorker Druckerei Thomas Nelson und Söhne kopiert wurde. In den darauffolgenden 48 Jahren wurden 1 039 482 Exemplare gedruckt.
Steven Byington aus Ballard Vale (Massachusetts, USA) hatte ebenfalls eine Bibelübersetzung in neuzeitlichem Englisch angefertigt, die den göttlichen Namen an den entsprechenden Stellen wiedergab. 1951 gelangte die Watch Tower Society in den Besitz seines unveröffentlichten Manuskripts, und 1961 erwarb sie das Verlagsrecht. Diese vollständige Übersetzung wurde 1972 gedruckt. Bis 1992 sind 262 573 Exemplare hergestellt worden.
Inzwischen war jedoch eine andere Entwicklung im Gange.
Die Herstellung der Neuen-Welt-Übersetzung
Anfang Oktober 1946 machte Nathan H. Knorr, der damalige Präsident der Watch Tower Society, erstmals den Vorschlag, daß die Gesellschaft eine neue Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften herstelle. Am 2. Dezember 1947 begann man mit den eigentlichen Übersetzungsarbeiten. Der vollständige Text wurde vom gesamten Übersetzungskomitee, zu dem ausschließlich geistgesalbte Christen gehörten, sorgfältig überprüft. Am 3. September 1949 berief Bruder Knorr dann eine Sitzung der Vorstandsmitglieder der New Yorker und der pennsylvanischen Körperschaft ein. Er teilte ihnen mit, daß das Neue-Welt-Bibelübersetzungskomitee die Arbeit an einer neuzeitlichen Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften beendet und das Manuskript der Gesellschaft zur Veröffentlichung übergeben habe.b Es handelte sich dabei um eine neue Übersetzung aus der griechischen Ursprache.
War eine andere Übersetzung wirklich notwendig? Zu jener Zeit war die gesamte Bibel bereits in 190 Sprachen übersetzt, und zumindest Teile davon waren in 928 weiteren Sprachen und Dialekten erhältlich. Jehovas Zeugen haben zu verschiedenen Zeiten von den meisten dieser Übersetzungen Gebrauch gemacht. Es ist jedoch eine Tatsache, daß diese Übersetzungen überwiegend von Geistlichen und Missionaren der Religionsgemeinschaften der Christenheit angefertigt wurden und mehr oder weniger von den heidnischen Philosophien und den unbiblischen Überlieferungen, die diese Religionsgemeinschaften aus der Vergangenheit übernommen haben, beeinflußt sind, aber auch von den Vorurteilen der Bibelkritik. Außerdem standen immer mehr ältere und zuverlässigere Bibelhandschriften zur Verfügung. Archäologische Entdeckungen trugen zu einem besseren Verständnis der griechischen Sprache des ersten Jahrhunderts bei. Auch haben sich die Sprachen, in die die Bibel übersetzt worden ist, im Laufe der Jahre gewandelt.
Jehovas Zeugen wollten eine Übersetzung haben, bei der die neusten wissenschaftlichen Kenntnisse ausgewertet wurden, eine Übersetzung, die unbeeinflußt war von den Glaubensbekenntnissen und Traditionen der Christenheit, eine wörtliche Übersetzung, die den Text der ursprünglichen Schriften getreu wiedergab und daher die Voraussetzung für ständiges Wachstum in der Erkenntnis der göttlichen Wahrheit bildete, eine Übersetzung, die für den heutigen Leser klar und verständlich sein würde. Die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften, die 1950 in Englisch freigegeben wurde, entsprach diesem Bedürfnis — zumindest, was diesen Teil der Bibel betraf. Als Jehovas Zeugen sie zu gebrauchen begannen, waren viele davon begeistert, weil sie feststellten, daß sie wegen ihrer modernen Sprache nicht nur leichter zu lesen war, sondern daß sie dadurch auch den Sinn des inspirierten Wortes Gottes besser verstanden.
Ein besonderes Merkmal dieser Übersetzung ist die Wiedereinführung des göttlichen Namens, des Eigennamens Gottes, Jehova, an 237 Stellen in den Christlichen Griechischen Schriften. Die Neue-Welt-Übersetzung war allerdings nicht die erste Übersetzung, in der der Name wiedereingeführt wurde.c Doch wahrscheinlich war sie die erste, bei der dies im Haupttext von Matthäus bis Offenbarung durchweg geschah. In einer ausführlichen Erklärung im Vorwort wurde der einleuchtende Grund dafür dargelegt.
Danach wurden die Hebräischen Schriften ins Englische übersetzt und von 1953 an nacheinander in fünf Einzelbänden freigegeben. Wie bei den Christlichen Griechischen Schriften bemühte man sich auch hier, den Wortlaut des Urtextes so wörtlich wie möglich wiederzugeben. Man achtete besonders darauf, den Text einheitlich zu übertragen, die Handlungen oder Zustände, die durch die Verben zum Ausdruck gebracht werden, genau zu übermitteln und eine einfache, für den heutigen Leser leicht verständliche Sprache zu verwenden. Wo immer im hebräischen Text das Tetragrammaton vorkam, wurde es passenderweise mit Gottes Eigennamen wiedergegeben und nicht durch einen anderen Ausdruck ersetzt, wie das bei vielen anderen Übersetzungen üblich geworden ist. Die Artikel im Anhang und die Fußnoten in diesen Bänden ermöglichten es eifrigen Erforschern der Bibel nachzuprüfen, warum eine bestimmte Wiedergabe gebraucht wurde.
Am 13. März 1960 beendete das Neue-Welt-Bibelübersetzungskomitee die Schlußlesung des Bibelteils, der der fünfte Band werden sollte. Das war 12 Jahre, 3 Monate und 11 Tage nachdem mit der Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften begonnen worden war. Nur wenige Monate später lag dieser letzte Band der Hebräischen Schriften gedruckt vor und wurde zur Verbreitung freigegeben.
Statt sich nach Beendigung dieses Projekts aufzulösen, arbeitete das Übersetzungskomitee weiter. Man nahm eine umfassende Revision der ganzen Übersetzung vor. 1961 gab die Watch Tower Society dann eine einbändige revidierte Ausgabe der vollständigen Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in Englisch heraus. Sie war für nur einen Dollar erhältlich, und so konnte sich jedermann — ungeachtet seiner wirtschaftlichen Lage — ein Exemplar des Wortes Gottes beschaffen.
Zwei Jahre später wurde eine besondere Studienausgabe herausgegeben. In dieser Ausgabe waren die ursprünglichen Einzelbände (unrevidiert) samt ihren Tausenden von wertvollen Fußnoten sowie ihren Abhandlungen im Vorwort und im Anhang in e i n e m Band zusammengefaßt. Sie enthielt auch die wertvollen Querverweise, durch die der Leser auf ähnliche Wörter, ähnliche Gedanken oder Ereignisse sowie auf biographische und geographische Einzelheiten aufmerksam gemacht oder auf die Erfüllung von Prophezeiungen und auf Belegstellen oder Zitate aus anderen Teilen der Bibel hingewiesen wurde.
Seit der Veröffentlichung der einbändigen Ausgabe von 1961 sind vier weitere revidierte Ausgaben erschienen. Die letzte kam 1984 in großer Schrift heraus und enthielt einen umfangreichen Anhang, 125 000 Querverweise, 11 400 aufschlußreiche Fußnoten und eine Konkordanz. Die besonderen Merkmale dieser Ausgabe helfen Erforschern der Bibel verstehen, warum gewisse Texte so und nicht anders wiedergegeben werden müssen, damit die Wiedergabe genau ist, und wann ein Text unterschiedlich und dennoch korrekt wiedergegeben werden kann. Die Querverweise helfen ihnen auch, die innere Harmonie zwischen den verschiedenen Bibelbüchern zu erkennen.
In dem Bemühen, Freunde des Wortes Gottes mit der Koine (der griechischen Gemeinsprache), in der der Text der Christlichen Griechischen Schriften abgefaßt worden ist, vertraut zu machen, schuf das Neue-Welt-Bibelübersetzungskomitee die Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures (Königreichs-Interlinearübersetzung der Griechischen Schriften). Diese Übersetzung wurde 1969 von der Watch Tower Society veröffentlicht, und 1985 wurde sie revidiert. Als Textgrundlage diente der von B. F. Westcott und F. J. A. Hort zusammengestellte griechische Text (The New Testament in the Original Greek). In der rechten Spalte daneben erscheint der Text der revidierten englischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung (1984). Zwischen den Zeilen des griechischen Textes erscheint jedoch eine andere Übersetzung, eine sehr buchstäbliche, das heißt eine Wort-für-Wort-Wiedergabe dessen, was das Griechische gemäß der Grundbedeutung und der grammatischen Form jedes Wortes aussagt. Das ermöglicht es sogar Erforschern der Bibel, die nicht Griechisch lesen können, herauszufinden, was im griechischen Urtext tatsächlich steht.
Sollte die ganze Arbeit in Verbindung mit der Neuen-Welt-Übersetzung nur Personen zugute kommen, die Englisch können? An manchen Orten hatten die Wachtturm-Missionare Schwierigkeiten, genügend Bibeln in den Landessprachen zu bekommen, um diejenigen zu versorgen, die gern ein eigenes Exemplar des Wortes Gottes gehabt hätten. In einigen Ländern war es nichts Ungewöhnliches, daß die Wachtturm-Missionare die Hauptverbreiter der Bibeln waren, die von anderen Bibelgesellschaften gedruckt wurden. Das wurde aber von religiösen Vertretern dieser Bibelgesellschaften nicht immer gern gesehen. Außerdem waren einige dieser Bibeln nicht gerade die besten Übersetzungen.
Übersetzung in andere Sprachen
In dem Jahr, in dem die Neue-Welt-Übersetzung als Gesamtband in Englisch erschien, das heißt 1961, wurde eine Gruppe erfahrener Übersetzer zusammengerufen, die den englischen Text in sechs weitere von vielen gesprochene Sprachen übersetzen sollten: Deutsch, Französisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch und Spanisch. Die Übersetzung aus dem Englischen unter Berücksichtigung des hebräischen und des griechischen Textes war wegen des wörtlichen Charakters der englischen Übersetzung nicht allzu schwierig. Die Übersetzer arbeiteten als ein internationales Komitee mit dem Neue-Welt-Bibelübersetzungskomitee in der Zentrale der Gesellschaft in Brooklyn (New York) zusammen. 1963 waren die Christlichen Griechischen Schriften in diesen sechs Sprachen gedruckt und konnten freigegeben werden.
Im Jahre 1992 war die vollständige Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in 12 Sprachen erhältlich — Dänisch, Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Niederländisch, Portugiesisch, Schwedisch, Slowakisch, Spanisch und Tschechisch. Die Christlichen Griechischen Schriften gab es noch in zwei weiteren Sprachen. Das bedeutete, daß diese Übersetzung für ungefähr 1 400 000 000 oder für über ein Viertel der Weltbevölkerung in ihrer Sprache zugänglich war, und noch weit mehr profitierten davon durch übersetzte Zitate, die in 97 anderen Sprachen im Wachtturm erschienen. Doch alle, die den Wachtturm in einer dieser 97 Sprachen lasen, waren begierig, die gesamte Neue-Welt-Übersetzung in ihrer Sprache zu bekommen. 1992 waren bereits Vorbereitungen im Gange, sie in 16 jener Sprachen herzustellen und die Hebräischen Schriften in den 2 Sprachen zu vollenden, in denen es bis dahin nur die Christlichen Griechischen Schriften gab.
Da diese Bibeln in den eigenen Druckereien der Gesellschaft von freiwilligen Mitarbeitern hergestellt wurden, war es möglich, sie gegen einen geringen Beitrag abzugeben. Als 1972 ein österreichischer Zeuge Jehovas einem Buchbinder die deutsche Neue-Welt-Übersetzung zeigte und ihn fragte, was sie seiner Meinung nach wohl koste, war dieser erstaunt, als er erfuhr, daß der empfohlene Beitrag nur ein Zehntel des Preises betrug, den er genannt hatte.
Einige Beispiele veranschaulichen, was diese Übersetzung bewirkte. In Frankreich war es von seiten der katholischen Kirche Laien jahrhundertelang verboten, eine Bibel zu besitzen. Katholische Übersetzungen, die es gab, waren verhältnismäßig teuer, so daß nur wenige Familien eine besaßen. Die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften in Französisch wurde 1963 freigegeben, und 1974 erschien dann die vollständige Bibel. Bis zum Jahre 1992 wurden insgesamt 2 437 711 Exemplare der Neuen-Welt-Übersetzung zur Verbreitung in Frankreich versandt, und in dieser Zeitspanne stieg die Zahl der Zeugen Jehovas in Frankreich um 488 Prozent, auf insgesamt 119 674.
Ähnlich war die Situation in Italien. Das Volk durfte lange Zeit keine Bibel haben. Vom Erscheinen der italienischen Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung an bis 1992 wurden 3 597 220 Exemplare verbreitet, vorwiegend die Gesamtausgabe. Die Menschen wollten selbst herausfinden, was in Gottes Wort steht. Interessanterweise stieg die Zahl der Zeugen Jehovas in Italien in jener Zeit rapide an — von 7 801 auf 194 013.
Als die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften in Portugiesisch herauskam, gab es in Brasilien nur 30 118 Zeugen und in Portugal 1 798. In den darauffolgenden Jahren, bis 1992, wurden insgesamt 213 438 Exemplare der Christlichen Griechischen Schriften und 4 153 738 Exemplare der vollständigen Bibel in Portugiesisch an Einzelpersonen und an Versammlungen in diesen Ländern gesandt. Mit welchem Ergebnis? In Brasilien erhöhte sich die Zahl der tätigen Lobpreiser Jehovas auf mehr als das Elffache und in Portugal auf das Zweiundzwanzigfache. Zehntausende, die noch nie eine Bibel besessen hatten, waren dankbar, eine zu bekommen, und andere schätzten es, eine Bibel zu haben, deren Text sie leicht verstehen konnten. Als die Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift — mit Studienverweisen in Brasilien herauskam, wurde sie in den Nachrichtenmedien als die vollständigste Bibelübersetzung (das heißt mit den meisten Querverweisen und Fußnoten), die es im ganzen Land gebe, bezeichnet. Es wurde ferner erwähnt, daß die Erstauflage zehnmal so hoch sei wie die der meisten einheimischen Ausgaben.
Die spanische Ausgabe der Neuen-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften wurde ebenfalls 1963 freigegeben, und 1967 folgte dann die vollständige Bibel. Von den Christlichen Griechischen Schriften wurden 527 451 Exemplare hergestellt und von der vollständigen Bibel in Spanisch bis zum Jahre 1992 insgesamt 17 445 782 Exemplare. Das führte in spanischsprachigen Ländern zu einer hervorragenden Zunahme an Lobpreisern Jehovas. In vorwiegend spanischsprachigen Ländern, in denen Jehovas Zeugen tätig sind, stieg ihre Zahl in den Jahren 1963 bis 1992 von 82 106 auf 942 551 an. Außerdem gab es 1992 in den Vereinigten Staaten weitere 130 224 Spanisch sprechende Zeugen Jehovas.
Nicht nur im Einflußbereich der Christenheit wurde die Neue-Welt-Übersetzung mit Begeisterung aufgenommen. Im ersten Jahr der Veröffentlichung der japanischen Ausgabe wurden im Zweigbüro in Japan eine halbe Million Exemplare bestellt.
Bis 1992 sind von der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in den 12 Sprachen, in denen sie bis dahin erhältlich war, 70 105 258 Exemplare gedruckt worden. Außerdem sind 8 819 080 Exemplare von Teilen der Übersetzung gedruckt worden.
Die Bibel in verschiedener Ausführung
Die elektronische Textverarbeitung, mit der die Watch Tower Society 1977 begann, war bei der Herstellung von Bibeln und anderen Publikationen eine große Hilfe. Sie ermöglichte es den Übersetzern, bei ihrer Arbeit größere Übereinstimmung zu erzielen; auch erleichterte sie das Drucken der Bibel in verschiedener Ausführung.
Nachdem der ganze Text der Bibel in den Computer eingegeben worden war, konnte er problemlos mit Hilfe eines elektronischen Fotosatzgeräts in verschiedenen Größen und Formen ausgedruckt werden. 1981 erschien als erstes eine englische Ausgabe in regulärer Größe mit einer Konkordanz und einem Anhang mit nützlichen Angaben. Es war die erste Ausgabe, die die Watch Tower Society auf einer Rollenoffsetmaschine druckte. Nachdem in den im Computer gespeicherten Text wertvolle Revisionen aufgenommen worden waren, wurde 1984 in Englisch eine Ausgabe in großer Schrift veröffentlicht; sie enthielt viele nützliche, zu Forschungszwecken geeignete Merkmale. Von dieser revidierten Ausgabe wurde in jenem Jahr auch eine reguläre englische Ausgabe erstellt, die Querverweise und eine Konkordanz enthielt, aber keine Fußnoten, und ihr Anhang war eher auf den Predigtdienst ausgerichtet als auf ein tiefschürfendes Studium. Im Interesse derer, die eine sehr kleine Ausgabe wünschten, wurde 1987 eine Taschenausgabe in Englisch veröffentlicht. Diese Ausgabe wurde sehr schnell auch in anderen Sprachen herausgebracht.
Außerdem war man auch darauf bedacht, denen zu helfen, die besondere Bedürfnisse hatten. Darum veröffentlichte man 1985 für Personen, die zwar sehen konnten, aber eine sehr große Schrift benötigten, die vollständige Neue-Welt-Übersetzung in Englisch in vier großen Bänden. Diese Ausgabe wurde bald danach auch in Deutsch, Französisch, Japanisch und Spanisch gedruckt. Schon 1983 war die Neue-Welt-Übersetzung der Christlichen Griechischen Schriften in vier Bänden in englischer Brailleschrift (Blindenschrift) erhältlich. Innerhalb von weiteren fünf Jahren kam die vollständige Neue-Welt-Übersetzung in 18 Bänden in der englischen Brailleschrift heraus.
Wäre es für einige Personen vielleicht eine Hilfe, wenn sie sich Bibelkassetten anhören könnten? Ganz bestimmt. Also begann die Watch Tower Society auch Bibelkassetten herzustellen. Die erste war Die gute Botschaft nach Johannes; sie wurde 1978 in Englisch freigegeben. Mit der Zeit war die ganze Neue-Welt-Übersetzung in Englisch auf 75 Kassetten erhältlich. Aus kleinen Anfängen entwickelte sich bald ein Riesenprojekt. Sehr schnell gab es die Kassetten auch in anderen Sprachen. 1992 war die Neue-Welt-Übersetzung ganz oder teilweise in 14 Sprachen auf Kassette erhältlich. Anfangs ließen einige Zweige die Arbeit von weltlichen Firmen machen. Bis 1992 stellte die Watch Tower Society auf ihren eigenen Maschinen über 31 000 000 solche Kassetten her.
Der Nutzen der Bibelkassetten und ihre Verwendung übertraf bei weitem die ursprünglichen Erwartungen. In der ganzen Welt benutzte man Kassettenrecorder. Vielen, die nicht lesen konnten, wurde auf diese Weise geholfen, aus Gottes heiligem Wort Nutzen zu ziehen. Hausfrauen konnten sich die Kassetten anhören, während sie ihre Hausarbeit verrichteten. Männer hörten sie sich im Auto auf dem Weg zur Arbeit an. Wer von den Zeugen sich Gottes Wort regelmäßig anhörte und darauf achtete, wie die biblischen Namen ausgesprochen und wie gewisse Schrifttexte vorgelesen wurden, hat seine Lehrfähigkeit verbessert.
Bis zum Jahre 1992 wurden in Nord- und Südamerika, Europa und Asien verschiedene Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung auf den Pressen der Gesellschaft hergestellt. Insgesamt wurden 78 924 338 Exemplare gedruckt und zur Verbreitung bereitgestellt. Allein in Brooklyn dienten drei riesige Hochgeschwindigkeits-Rollenoffsetmaschinen hauptsächlich der Bibelherstellung. Die Menge der Druckbogen, die auf diesen Maschinen pro Stunde hergestellt werden, entspricht 7 900 Bibeln, und trotzdem ist es manchmal notwendig gewesen, eine zusätzliche Schicht einzulegen.
Jehovas Zeugen bieten den Menschen jedoch nicht nur eine Bibel fürs Bücherregal an. Sie bieten auch allen, die an der Bibel interessiert sind — ob sie nun eine von Jehovas Zeugen erhalten haben oder nicht —, ein kostenloses Heimbibelstudium an. Diese Studien werden nicht endlos fortgesetzt. Manche Personen nehmen sich das Gelernte zu Herzen, werden getaufte Zeugen und beteiligen sich dann ebenfalls am Belehren anderer. Wenn nach einigen Monaten keine entsprechenden Fortschritte im Anwenden des Gelernten gemacht werden, wird das Studium oft eingestellt, damit andere Personen betreut werden können, die wirklich interessiert sind. 1992 führten Jehovas Zeugen bei 4 278 127 Einzelpersonen oder Familien solche kostenlosen Bibelstudien durch, meistens einmal in der Woche.
Jehovas Zeugen drucken und verbreiten somit die Bibel auf eine Weise wie keine andere Organisation und betätigen sich als Lehrer des heiligen Wortes Gottes.
[Fußnoten]
a Wie aus dem Wacht-Turm vom 15. Juli 1892 (engl.), Seite 210 hervorgeht, war der Name Watch Tower Bible and Tract Society schon einige Jahre vor seiner gesetzlichen Eintragung benutzt worden. Auf einem Traktat der Serie Die alte Theologie, das 1890 in Englisch veröffentlicht wurde, war als Herausgeber die Tower Bible and Tract Society angegeben.
b Diese Übersetzung wurde der Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania zur Veröffentlichung übergeben mit der Bitte, die Namen der Übersetzer nie zu veröffentlichen. Sie wünschten, daß alle Ehre Jehova Gott, dem Urheber seines inspirierten Wortes, zukomme.
c Schon in einigen früheren Übersetzungen in die hebräische, deutsche und englische Sprache sowie in mehreren von Missionaren angefertigten Übersetzungen war der göttliche Name in den Christlichen Griechischen Schriften wiedereingeführt worden.
[Kasten auf Seite 609]
Eine neue Übersetzung
Als der erste Band der „Neuen-Welt-Übersetzung der Hebräischen Schriften“ in Englisch veröffentlicht wurde, schrieb Alexander Thomson, ein britischer Bibelkritiker: „Originalwiedergaben der Hebräischen Schriften in der englischen Sprache sind äußerst selten. Daher begrüßen wir mit großer Freude die Veröffentlichung des ersten Teils der Neuen-Welt-Übersetzung [der Hebräischen Schriften], 1. Mose bis Ruth. ... Bei dieser Übersetzung hat man sich offenbar besonders bemüht, daß sie durchweg gut zu lesen ist. Niemand könnte sagen, ihr fehle Frische und Originalität. In ihrer Wortwahl greift sie keineswegs auf diejenige früherer Übersetzungen zurück“ („The Differentiator“, Juni 1954, S. 131).
[Kasten/Bild auf Seite 610]
„Ein Text als schnelle Übersetzungshilfe“
In einer Rezension über die „Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures“ schrieb Thomas N. Winter von der Universität von Nebraska: „Es ist keine gewöhnliche Interlinearübersetzung: Die Reinheit des Textes wurde bewahrt, und das Englische, das jeweils eine Zeile darunter erscheint, ist einfach die Grundbedeutung des griechischen Wortes. Folglich ist der interlineare Text dieses Buches keineswegs eine Übersetzung. Ein Text als schnelle Übersetzungshilfe wäre eine korrektere Bezeichnung. Eine Übersetzung in flüssigem Englisch erscheint in einer schmalen Spalte am rechten Rand der Seiten. ...
Als Grundlage diente der Text von Brooke F. Westcott und Fenton J. A. Hort (Nachdruck der Ausgabe 1881), aber die Übersetzung des ungenannten Komitees ist völlig auf den neusten Stand gebracht und ist durchweg genau“ („The Classical Journal“, Ausgabe April/Mai 1974, S. 375, 376).
[Bild]
Ausgaben von 1969 und 1985
[Kasten/Bild auf Seite 611]
Das Urteil eines Hebraisten
Professor Dr. Benjamin Kedar, ein Hebraist aus Israel, sagte 1989 über die „Neue-Welt-Übersetzung“: „Bei philologischen Untersuchungen im Bereich Hebräische Bibel und Übersetzungen nehme ich des öfteren Einsicht in die englische, unter dem Namen ‚New World Translation‘ bekannte, Übersetzung. Dabei werde ich jedes Mal in meinem Eindruck bestärkt, daß dieses Werk ein ehrliches Bemühen um ein möglichst genaues Textverstehen erkennen läßt. Es zeugt von solider Kenntnis der Ursprache, gibt deren kommunikative Funktion in gut verständlicher Zielsprache wieder, ohne sich unnötigerweise von der spezifischen Sprachstruktur des Hebräischen zu entfernen. ... Jeder sprachlichen Aussage haftet ein gewisses Maß an Ambiguität an, woraus sich ein Spielraum für Interpretation bzw. Übersetzung ergibt; daher mag die sprachliche Lösung im Einzelfall diskutabel bleiben. Nie jedoch habe ich in der ‚New World Translation‘ eine tendenziöse Absicht, in den Text etwas hineinzulesen, d. h. ... etwas nicht ... Enthaltenes auszusagen, festgestellt.“
[Übersichten auf Seite 613]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
Wachstum der Zeugen Jehovas seit der Veröffentlichung der „Neuen-Welt-Übersetzung“
Frankreich
150 000
100 000
50 000
1963 1970 1980 1992
Italien
150 000
100 000
50 000
1963 1970 1980 1992
Portugal und Brasilien
300 000
200 000
100 000
1963 1970 1980 1992
Spanischsprachige Länder
900 000
600 000
300 000
1963 1970 1980 1992
[Bilder auf Seite 604]
Einige Übersetzungen, die die ersten Bibelforscher benutzten
Youngs wörtliche Übersetzung’
Leesers Übersetzung (Englisch und daneben Hebräisch)
Tischendorfs „New Testament“ (mit Hinweisen auf verschiedene Lesarten in griechischen Mss.)
Murdocks Übersetzung (aus dem Altsyrischen)
„The Emphatic Diaglott“ (Griechisch und Englisch)
Variorum Bible (mit unterschiedlichen englischen Wiedergaben)
„The Newberry Bible“ (mit wertvollen Randbemerkungen)
[Bild auf Seite 605]
Einleitung zu Rotherhams „New Testament“, um 1890 für die Watch Tower Society gedruckt
[Bild auf Seite 606]
Holman-Parallelbibel (engl.), 1902 auf Veranlassung der Watch Tower Society veröffentlicht
[Bild auf Seite 606]
Watchtower-Ausgabe der „King-James“-Bibel mit einer besonders zusammengestellten Konkordanz (1942)
[Bild auf Seite 607]
„American Standard Version“, eine Übersetzung, in der der göttliche Name, Jehova, über 6 870mal vorkommt; Watchtower-Ausgabe (1944)
[Bild auf Seite 607]
Übersetzung von Byington (1972)
[Bilder auf Seite 608]
„Neue-Welt-Übersetzung“, zunächst von 1950 bis 1960 in englischer Sprache in sechs Einzelbänden erschienen und später in einem Gesamtband als besondere Studienausgabe
1961 als einbändiges Werk veröffentlicht
Ausgabe in großer Schrift mit Studienverweisen, 1984 veröffentlicht
[Bild auf Seite 612]
Nach und nach war die „Neue-Welt-Übersetzung“ in mehreren Sprachen erhältlich
[Bilder auf Seite 614]
„Neue-Welt-Übersetzung“ als Großdruckausgabe
... in Braille (Blindenschrift)
... auf Tonkassetten
... auf Disketten
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