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FinnlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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Geschäftsmann erkennt den Sinn des Lebens
Emil Österman, ein bärtiger, tatkräftiger, 41 Jahre alter Geschäftsmann aus Turku, suchte nach dem Sinn des Lebens und plante deshalb eine Weltreise. Als er die Bücher las, die seine Mutter ihm gegeben hatte, sah er die Dinge mit anderen Augen. Gegen Ende des Jahres 1909 erreichte er das erste Etappenziel seiner Reise — Schweden. Dort erwarb er von August Lundborg weitere biblische Literatur. Doch er brach seine Weltreise erst ab, nachdem er nach London gesegelt war. Schließlich las er die Literatur, die er in Schweden erhalten hatte. Sofort wurde ihm klar, daß er das gefunden hatte, wonach er suchte. Sein Traum, die Welt zu bereisen, war plötzlich verflogen, und er fuhr nach Hause. Noch vor Jahreswechsel reiste er erneut nach Schweden und wurde dort getauft. Später veranlaßte er, daß August Lundborg nach Finnland kam und dort predigte.
Im Bericht des schwedischen Zweigbüros wird von Emil als einem lieben Bruder gesprochen. Es heißt dort: „Etwa zehn Kolporteure waren dieses Jahr tätig ... Sechs oder sieben Neue haben ebenfalls die Arbeit aufgenommen — einer davon ist ein lieber Bruder in Finnland, zweifellos ein auserwähltes Werkzeug in der Hand des Herrn, um seinem Volk in diesem Land zu dienen. ...
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FinnlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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Als Emil Österman im Sommer 1909 geschäftlich in Helsinki war, traf er dort Kaarlo Harteva und gab ihm ein Exemplar des Buches Der göttliche Plan der Zeitalter in Schwedisch. Eifrig las Kaarlo Harteva das Buch und kam zu dem Schluß, daß auch er „die gute Botschaft vom Königreich“ predigen müsse (Mat. 24:14). Im April 1910 reiste er zusammen mit Emil Österman zum Kongreß nach Örebro in Schweden und ließ sich dort taufen. Da es für den Kongreß nicht genügend Redner gab, stellten sich die beiden neuen Brüder sofort der Organisation Gottes zur Verfügung und hielten Ansprachen.
Mach mit, dann sind wir zu dritt!
Etwa um diese Zeit traf Bruder Harteva während einer Fahrt mit dem Zug seinen früheren Schulfreund Lauri Kristian Relander und machte ihn begeistert mit der neugefundenen Wahrheit bekannt. „Und wie viele von euch gibt es in Finnland?“ fragte ihn sein Freund. „Im Augenblick sind wir zu zweit, ein gewisser Österman und ich“, erwiderte Bruder Harteva, „aber wenn du mitmachst, sind wir zu dritt.“ Relander schloß sich ihnen nicht an. Er ging in die Politik und wurde später finnischer Staatspräsident — von 1925 bis 1931.
Ein riesiges Predigtgebiet lag vor den Brüdern Harteva und Österman: drei Millionen Menschen, die verstreut in einem dünnbesiedelten Land lebten. Die Brüder betrachteten es als vorrangig, die Literatur der Gesellschaft in ihre Sprache zu übersetzen. Als Bruder Harteva das Buch Der göttliche Plan der Zeitalter sowie verschiedene Traktate vom Schwedischen ins Finnische übertrug, leistete er gewissenhafte Arbeit. Bruder Österman finanzierte das Drucken der Publikationen im Herbst 1910. Wie sehr sich die beiden Brüder doch freuten, jetzt wirkungsvollere Hilfsmittel für das Königreichswerk zu besitzen! Im Vertrauen auf die Hilfe des Geistes Jehovas nahmen die Männer mit ihrer neuen finnischen Literatur den Dienst auf.
„Eine Fahrkarte zur Hölle“
In seinem Schuhgeschäft in Turku hatte Bruder Österman stets Literatur vorrätig. Zudem stellte er Bücher im Schaufenster aus. Von dem Bücherstand aus, den er auf einem Marktplatz unterhielt, rief er Werbesprüche aus, und es gelang ihm, augenblicklich die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu lenken.
Die Broschüre Was sagt die Heilige Schrift über die Hölle? bot Bruder Österman für zwei Finnmark an und rief zum Beispiel laut: „Eine Fahrkarte zur Hölle — für eine Mark hin und für eine Mark wieder zurück!“
Öffentliche Vorträge ziehen Volksmengen an
Als nächstes entschieden sich die beiden treuen Freunde, auf Vortragsreise zu gehen. So reisten sie nach Tampere, dem Industriezentrum Finnlands, und mieteten den schönsten Saal. Für den Vortrag mit dem Thema „Die große Belohnung“ bestellten sie Handzettel und ließen den Vortrag in der Tageszeitung ankündigen. Bruder Harteva hielt den Vortrag und Bruder Österman war sein Gehilfe. In einem seiner Briefe schrieb Bruder Österman über die Ergebnisse:
„Eine finnische Schwester weihte sich völlig und symbolisierte dies im Pyhäjärvisee. Jetzt verkündigt sie die gute Botschaft als Kolporteurin in Wyborg. Einen Bibelkurs konnten wir mit fünf oder sechs interessierten Personen in Tampere einrichten und überließen die Sache danach der Obhut Gottes. Jetzt sind wir in Turku und haben bereits unsere erste öffentliche Zusammenkunft in Finnisch in dem Auditorium des Feuerwehrgebäudes abhalten können, das 1 800 Sitzplätze hat. Wie an den anderen Orten, so standen draußen auch hier noch einmal genauso viele Leute.“
Ermutigt durch diese guten Ergebnisse, reisten die beiden Kolporteure in die Hauptstadt Helsinki und trafen Vorbereitungen für einen öffentlichen Vortrag, der am 22. November 1910 in dem Saal des Bürgerhauses (heute Arbeiterhaus) gehalten werden sollte.
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FinnlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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[Bild auf Seite 141]
Emil Österman war der erste Zeuge in Finnland
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