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FinnlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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Einer der Wehrdienstverweigerer, Jukka Ropponen, beschreibt Karvia wie folgt: „Als wir uns dem inmitten von Sümpfen gelegenen Ort näherten, sah ich vom Polizeiauto aus hinter einem hohen Stacheldrahtzaun die Holzbaracken, die man im Krieg gebaut hatte. Die Fenster hatten Gitter. Es war ein Gefangenenlager im Stil der Nationalsozialisten — ein nicht gerade erhebender Anblick, wenn man wußte, daß man die nächsten zwei Jahre dort zubringen sollte. Im Lager gab es jedoch freudige Brüder, jeweils acht bis zehn in einem Raum. Als Toilette diente ein Kübel in einem Schrank in der Zimmerecke.
Zu unserem Tagesablauf gehörte eine Stunde Ausgang unter Bewachung. Den Rest des Tages verbrachten wir hinter Gittern. Wir hatten mehr Zeit als genug, doch wir füllten sie mit einem guten geistigen Programm aus. Vers für Vers studierten wir sorgfältig die Bibel. Nach und nach entstand eine gute Bibliothek, die für unser Studium von Nutzen war. Wir hielten Vorträge über viele biblische Themen. Das Zusammensein mit Brüdern unter diesen Verhältnissen bewirkte, daß die Persönlichkeit aller geschliffen wurde.
Der Predigtdienst war kein allzu großes Problem. Wir konnten zwar nicht mit jemandem von außerhalb reden, doch wir schrieben Briefe an Personen, die in nichtzugeteilten Gebieten lebten und deren Anschrift wir im Telefonbuch gefunden hatten. Häufig führten wir den Ferienpionierdienst durch. In unserer Gruppe hatten sich einige noch nicht Jehova hingegeben. Als sie jedoch geistig Fortschritte machten, wollten auch sie sich taufen lassen. Doch wo sollten wir genug Wasser für ihre Taufe finden? Das war eine schwierige Sache.
Wir fragten den Gefängnisdirektor, ob wir die Taufe in dem nahe gelegenen Tümpel durchführen dürften, doch die Antwort war ein deutliches Nein! Die Entscheidung war wahrscheinlich gar nicht so nachteilig für uns, denn der Teich war zugefroren, und die Taufe wäre ohnehin unmöglich gewesen. Eines Tages fiel mein Blick auf einen Schrank in der Zimmerecke: Da stand es, das Taufbecken! Bereits nach wenigen Tagen hatten wir ein großes Plastiktuch in die Baracken eingeschmuggelt. Ohne daß die Wachen es bemerkten, schleppten wir unser neues, mit Plastik ausgekleidetes Taufbecken in den Waschraum und führten dort die Taufe durch. Während der Jahre im Gefängnis wurde eine Anzahl Neuer in diesem Becken getauft.“
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FinnlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1990
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Das gegenwärtige Zweigkomitee, von links: H. Kankaanpää, V. Leinonen, E. Kankaanpää, K. Kangas, J. Ropponen
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