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Religionskriege in FrankreichErwachet! 1997 | 22. April
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Die Waldenser bekamen die Verfolgung von offizieller Seite mit voller Wucht zu spüren. Sie waren eine Minderheit bibelgläubiger Menschen, die in ärmlichen Dörfern im Südosten des Landes lebten. Etliche wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Hunderte wurden niedergemetzelt, und ungefähr 20 ihrer Dörfer wurden zerstört. (Siehe Kasten auf Seite 6.)
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Religionskriege in FrankreichErwachet! 1997 | 22. April
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Die Waldenser blieben standhaft — Mit welchem Ergebnis?
PIERRE VALDES oder Petrus Waldes war ein reicher Kaufmann, der im 12. Jahrhundert in Frankreich lebte. In einer Zeit, in der die katholische Kirche die Menschen bewußt in Unwissenheit über die Bibel hielt, finanzierte Waldes die Übersetzung der Evangelien und anderer Teile der Bibel in die Volkssprache Südostfrankreichs. Schließlich gab er sein Geschäft auf und widmete sich dem Predigen des Evangeliums. Ihm schlossen sich kurz darauf andere an, und 1184 wurden er und seine Anhänger von Papst Lucius III. exkommuniziert.
Mit der Zeit wurden diese bibelgläubigen Predigergruppen als Waldenser bekannt. Sie traten für eine Rückkehr zu den Glaubenslehren und Bräuchen des frühen Christentums ein. Sie verwarfen katholische Bräuche und Lehren, wie die Ablässe, das Fegefeuer, die Gebete für die Toten, die Marienverehrung, die an „Heilige“ gerichteten Gebete, die Kindertaufe, die Verehrung des Kruzifixes und die Transsubstantiation. Infolgedessen hatten die Waldenser unter der katholischen Kirche oftmals schwer zu leiden. Der Historiker Will Durant beschrieb, was vor sich ging, als König Franz I. eine Kampagne gegen Nichtkatholiken begann:
„Jahre später erreichte Kardinal de Tournon unter dem Vorwand, die Waldenser konspirierten gegen die Regierung, vom kränkelnden, willensschwachen König die Unterzeichnung eines Dekrets, das alle der Ketzerei schuldig befundenen Waldenser dem Tod auslieferte (1. Januar 1545). ... In der Woche vom 12. bis 18. April legten sie mehrere Dörfer in Asche; in einem wurden achthundert Personen jeden Alters umgebracht, und nach zwei Monaten zählte man dreitausend Tote, zweiundzwanzig zerstörte Dörfer; siebenhundert Männer kamen als Galeerensklaven mit dem Leben davon. Fünfundzwanzig Frauen, die sich in eine Höhle geflüchtet hatten, erstickte man durch ein großes Feuer vor dem Höhleneingang.“
Durants Kommentar zu diesen historischen Ereignissen lautete: „Diese Verfolgungen bilden den größten Mißerfolg der Regierung Franz’ I.“ Doch wie wirkte sich die Standhaftigkeit der Waldenser unter der vom König genehmigten Verfolgung auf Außenstehende aus? Durant schrieb: „Die aufrechte Haltung der Märtyrer verlieh ihrer Sache eine Würde und einen Heiligenschein, der die Zuschauer, die ohne diese spektakulären Hinrichtungen nie an einen Glaubenswechsel gedacht hätten, beeindruckt und beunruhigt haben muß.“
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