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Baptisterien — stumme Zeugen einer einst üblichen PraxisErwachet! 2007 | September
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Einige Taufgebäude, wie das Baptisterium in Mariana auf Korsika, hatten sogar einen eleganten Baldachin über dem Taufbecken. Die Bezeichnung „Baptisterium“ bezog sich auch auf das Becken selbst, dessen Form quadratisch, rund, sechseckig, rechteckig, kreuzförmig oder achteckig sein konnte. Wie die Breite und die Tiefe der Becken anzeigen, waren die ersten Baptisterien offenbar für die Erwachsenentaufe ausgelegt. In der Regel waren sie groß genug für mindestens zwei Personen. In Lyon im östlichen Mittelfrankreich zum Beispiel war das Becken 3,25 Meter breit. Viele Becken wiesen Stufen auf — meist sieben an der Zahl —, die hinunter ins Wasser führten.
Für die Baumeister war die Wasserversorgung natürlich von elementarer Bedeutung. Viele Taufgebäude wurden in der Nähe einer Quelle oder in den Ruinen von Thermalbädern errichtet, wie zum Beispiel das im südfranzösischen Nizza. Oft wurde das Wasser durch Rohre in das Baptisterium hinein- und auch wieder hinausgeleitet. Oder man schaffte das Regenwasser einer nahe gelegenen Zisterne mit Eimern zum Becken heran.
Die Taufkapelle Saint-Jean im westfranzösischen Poitiers (erbaut um 350 u. Z.) ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein „christliches“ Baptisterium im vierten Jahrhundert ausgesehen hat. In einem rechteckigen Raum mit mehreren Anbauten ringsum befand sich ein großes achteckiges Becken mit drei Stufen: rund 1,40 Meter tief und an der breitesten Stelle 2,15 Meter breit. Verbunden war es mit einem Aquädukt, das Wasser aus einer nahen Quelle in die Stadt leitete.
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Baptisterien — stumme Zeugen einer einst üblichen PraxisErwachet! 2007 | September
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[Bild auf Seite 13]
Taufkapelle Saint-Jean in Poitiers (Frankreich)
[Bild auf Seite 13]
Rekonstruktion des Baptisteriums in Mariana auf Korsika (fünftes Jahrhundert)
[Bildnachweis]
© J.-B. Héron pour “Le Monde de la Bible”/Restitution: J. Guyon and J.-F. Reynaud, after G. Moracchini-Mazel
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