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Werbung — die ÜberredungskünstlerinErwachet! 1988 | 8. Februar
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Die Tabakwerbung
In den 80er Jahren ist die Zigarettenwerbung bei den Frauen in Großbritannien so erfolgreich, daß trotz des anerkannten Gesundheitsrisikos die Zahl der Raucherinnen in den vergangenen 15 Jahren nur um ein Fünftel zurückgegangen ist im Vergleich zu einem Rückgang von einem Drittel bei den Männern.a Die Folge? „Es sterben nun fast so viele Frauen an Lungenkrebs wie an Brustkrebs, und immer mehr Frauen leiden an ‚männlichen‘ Erkrankungen des Herzens und der Atemwege“, berichtete die Londoner Sunday Times.
Das Amt für Gesundheitserziehung in Großbritannien ist sehr besorgt, doch was kann es schon mit einem Werbebudget von umgerechnet 3 Millionen Dollar ausrichten im Vergleich zu den 150 Millionen Dollar der Tabakindustrie?
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Werbung — die ÜberredungskünstlerinErwachet! 1988 | 8. Februar
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Doch in Großbritannien, wo es die Zigarettenhersteller mit einem „wettbewerbsstarken Markt“ zu tun haben, werden die aggressiven Verkaufsmethoden in gedruckter Form fortgesetzt, besonders in Frauenzeitschriften. Warum gerade dort? Aus einem einfachen Grunde: „Frauen sind eine extrem gewinnbringende Verdienstquelle“ (Sunday Times). Wenn ein Werbefachmann den Auftrag erhält, eine Ware zu verkaufen, spielt Moral nicht unbedingt eine Rolle.
Werbung beim Sport
Es ist logisch, daß Herstellerfirmen Sportarten fördern, die mit ihren Produkten in Verbindung stehen — was zum Beispiel auf Autoreifen und Benzin bei Autorennen zutrifft. Doch wie kommt es, daß Tabakfirmen beim Sport werben, und das in einer Größenordnung von 12,3 Millionen Dollar im Jahre 1985 in Großbritannien? „Sport soll Menschen gesund machen, und Rauchen macht sie krank“, sagte ein Mitglied des Parlaments. „Daher ist die Tabak-Sponsorschaft unvereinbar mit dem Gedanken, durch Sport ein gesundes Leben zu fördern.“ Aber solche Werbung ist eine gewinnbringende Investierung. Betrachten wir, warum.
Zunächst entsteht eine unmittelbare gedankliche Verbindung zwischen dem sportlichen Ereignis und der angepriesenen Marke. Das ist allerdings nur der Anfang. Mit Hilfe großer Plakate, die geschickt an dem Ort des gefilmten Geschehens angebracht werden, erscheint die Zigarettenwerbung auf Millionen von Bildschirmen, ohne daß die Tabakfirmen einen Pfennig dafür bezahlen müssen. Auf diese Weise umgehen sie auch das seit 20 Jahren bestehende Verbot, das die Fernsehtabakwerbung in Großbritannien untersagt.
Im Jahre 1982 sahen schätzungsweise 350 Millionen Zuschauer in 90 Ländern zu, wie Martina Navratilova die Tennismeisterschaft in Wimbledon in einem Dreß gewann, der die gleichen Farben trug wie eine bekannte Zigarettenpackung. „Das hat nichts mit Zigarettenwerbung zu tun. Außerdem, wen stört es schon?“ war die Antwort eines Förderers angesichts der Proteste des BBC-Fernsehens. Es wurden strengere Einschränkungen auferlegt, um gegen diese Art Werbung bei Sportveranstaltungen anzugehen. Allerdings ist es nicht leicht, solche raffinierte Werbung zu verhindern.
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Werbung — die ÜberredungskünstlerinErwachet! 1988 | 8. Februar
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a In Großbritannien gibt es 17 Millionen Zigarettenraucher — 32 Prozent der weiblichen Bevölkerung und 36 Prozent der männlichen.
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