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GroßbritannienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2000
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Eigene Kongreßsäle
Außer den jährlichen Kongressen finden während des Jahres auch kleinere Kongresse statt. 1969 gab es in Großbritannien 55 876 Königreichsverkündiger, aber innerhalb von vier Jahren wuchs die Zahl derer, die die gute Botschaft anderen überbrachten, auf 65 348. Bis zu jener Zeit waren für Kreiskongresse stets Säle gemietet worden, aber es wurde zunehmend schwieriger, passende Räumlichkeiten zu einem vernünftigen Preis zu finden.
In den 70er Jahren wurde es immer deutlicher, daß wir eigene Kongreßsäle benötigten. Verantwortliche Brüder kamen zu Besprechungen zusammen, und danach begann die Suche nach geeigneten Objekten. Anfangs liefen die Planungen darauf hinaus, bestehende Gebäude zu renovieren. So verhandelte man zu Beginn des Jahres 1975 über den Kauf eines leerstehenden Filmtheaters in Manchester im Norden Englands. Die danach folgenden Renovierungsarbeiten nahmen Monate in Anspruch. Schließlich konnte der erste Kongreßsaal der Zeugen Jehovas in England am 31. August seiner Bestimmung übergeben werden. Das neue Kreiskongreßprogramm sollte im September beginnen; so war der Saal gerade noch rechtzeitig dafür fertig geworden.
Zwei Jahre zuvor hatten sich Kongreßaufseher im Südosten des Landes getroffen, um Überlegungen über den Erwerb eines Saals in der Region von London anzustellen. Denis Cave gehörte dem Komitee an, das den Auftrag erhielt, sich nach einem geeigneten Gebäude umzusehen. Er erinnert sich noch daran, wie sehr es ihn überraschte, als die versammelten Brüder einstimmig beschlossen, nicht nur nach einem Saal zu suchen, sondern nach zwei Sälen — einen nördlich der Themse und einen südlich davon —, und das trotz der hohen Grundstückspreise in dieser Region.
Ein ungenutztes Kino in Dorking, einer 30 Kilometer südlich von London gelegenen Stadt, schien dafür in Frage zu kommen. Aber einige Grundstücksspekulanten traten auf den Plan und boten eine Unsumme für den Komplex. Zuerst war Denis ziemlich entmutigt, doch dann erhielt er zu seiner Überraschung einen Anruf vom Stadtdirektor mit der Bitte, er möchte zusammen mit einem weiteren Zeugen an einer Besprechung teilnehmen. Die Behörden hoben nicht nur die Einschränkungen im Bebauungsplan auf, damit das Gebäude für Gottesdienste genutzt werden konnte, sondern sie erklärten sich auch bereit, das Kino zu kaufen und mit den Brüdern einen Pachtvertrag auf unbestimmte Zeit abzuschließen, der alle drei Jahre verlängert werden konnte.
Dieser Saal diente uns mehr als 10 Jahre, bis die Stadt dann entschied, das Gebäude anderweitig zu nutzen. Als Ersatz erwarben die Brüder ein 11 Hektar großes bebautes Grundstück ganz in der Nähe vom Flughafen London-Gatwick. Die Baulichkeiten ließen sich in einen ansprechenden Kongreßsaal umgestalten. Bei den Anwohnern kam es jedoch wegen der schmalen Zufahrtswege zum neuen Gebäude zu Unstimmigkeiten. Natürlich wollten die umliegenden Bewohner ihre Privatsphäre geschützt sehen und weiterhin ein ungestörtes Leben führen. Würden sich die Zeugen auf ihrem Weg zum Kongreßsaal an eine vorgeschriebene Fahrtroute und an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten? Über eine Besprechung des örtlichen Planungsausschusses war in der Zeitung folgendes zu lesen: „Der Ausschuß war der Meinung, daß es im Normalfall unmöglich sei, solche Bedingungen zu erwirken. Doch bei Jehovas Zeugen sei das was anderes.“ Der Ausschußvorsitzende fügte hinzu: „Viele andere Gruppen oder Organisationen würden gern von ihren Mitgliedern sagen, daß sie sich an die Anweisungen halten. Aber bei den Zeugen Jehovas kann man einfach davon ausgehen, daß sie das tun.“ Am 17. und 18. Mai 1986 fand der erste Kreiskongreß in diesem neuen Kongreßsaal in Hays Bridge (Surrey) statt — genau ein Jahr nach dem Kauf des Grundstücks.
Als 1975 am Kongreßsaal in Dorking gearbeitet wurde, renovierten die Zeugen gleichzeitig im Norden von London das ehemalige Ritz-Kino in New Southgate. Dieses Kino, das Mitte der 30er Jahre erbaut worden war, hatte im Frühling 1974 zugemacht. Für kurze Zeit war es als Synagoge benutzt worden. Als die Zeugen das Gebäude erwarben, war es nach den Worten des Architekten Roger Dixon in einem „überaus baufälligen Zustand“. „Im Grunde genommen war das Bauwerk intakt, aber nicht mehr ganz wasserdicht“, erinnert er sich. „Damit es nicht so auffiel, daß der Kinosaal so heruntergekommenen war, hatte man ihn schwarz angestrichen!“ Anfangs waren die Renovierungsarbeiten entmutigend. Dennoch brachten die 2 000 freiwilligen Helfer — teils Fachleute, teils angelernte Kräfte — die Arbeiten in nur viereinhalb Monaten zum Abschluß.
Währenddessen waren Arbeiten an einem Kongreßsaal in Mittelengland im Gang. 1974 war es den Brüdern möglich, ein ehemaliges Kino in Dudley zu kaufen. Die Renovierung dieser Räumlichkeiten dauerte etwas länger, doch ab September 1976 stand auch dieser Saal für Kongresse zur Verfügung.
Bau neuer Kongreßsäle
Die Zahl der Königreichsverkündiger nahm weiter zu. Waren es 1974 noch 71 944, so gab es 1984 bereits 92 616. Viele von ihnen lebten in den Industriezentren im Norden Englands. Deshalb plante man den Bau eines Saals in South Yorkshire.
Im September 1985 begannen die Bauarbeiten an dem sogenannten East-Pennine-Kongreßsaal, einer Stahlrahmenkonstruktion mit 1 642 Sitzplätzen im Hauptsaal und einem Königreichssaal für die Ortsversammlung mit 350 Plätzen. Zu dem Design des Gebäudes gehört ein sehr ansprechend konstruiertes Dach mit einer Spannweite von 42 Metern. Die Zeitschrift The Structural Engineer „verpaßte“ diesem recht ungewöhnlichen Design den Spitznamen „Die achteckige Lösung“. Das Rotherham Borough Council würdigte den Entwurf des Kongreßsaals mit der höchsten Auszeichnung.
An den Bauarbeiten beteiligt war schon von Anfang an Noble Bower, ein Mitglied des Baukomitees, und er diente später als erster Kongreßsaalaufseher. Seine heitere, aber dennoch nüchterne Art trug sehr zur Ermunterung der über 12 500 Brüder und Schwestern bei, die während der 14monatigen Bauzeit mithalfen. Damit trotz gefrierendem Nebel und Schnee bei Temperaturen unter Null weitergearbeitet werden konnte, errichteten die Brüder ein Gerüst um den Bau, über das sie eine schützende Plastikplane spannten. Dann wurde mit Hilfe von großen Heizlüftern warme Luft hineingeblasen. Nichts konnte die Arbeiten an diesem wichtigen Projekt aufhalten. Ja, viele Brüder nahmen weite Anfahrtswege in Kauf, um die freiwilligen Helfer zu unterstützen.
Der 15. November 1986 war für Noble und seine Frau Louie ein Tag, den sie niemals vergessen werden, denn anläßlich des Besuchs von Theodore Jaracz, einem Glied der leitenden Körperschaft, wurde der Kongreßsaal seiner Bestimmung übergeben und in Jehovas Dienst gestellt.
Als es nun Kongreßsäle im Norden Englands, in Mittelengland und im Südosten des Landes gab, kam die Frage auf: Was kann getan werden, um für die Brüder im westlichen Teil Englands und in Wales zu sorgen? Im Oktober 1987 fand man ein geeignetes Grundstück in Almondsbury nördlich der Stadt Bristol. Doch es war nicht einfach, die erforderlichen Genehmigungen für die Bebauung zu erhalten. Man mußte immer wieder bei den Behörden vorstellig werden, bis dann schließlich im Februar 1993 die Baugenehmigung erteilt wurde.
Danach ging es mit dem Bau so richtig los. Die Begeisterung war groß, als am 5. August 1995 die Zeit für die Bestimmungsübergabe dieses Kongreßsaals gekommen war — dem sechsten in England! John Barr von der leitenden Körperschaft sprach über das Thema „Die Erde mit der Erkenntnis Jehovas füllen“. Alle Anwesenden schätzten seine liebevollen Worte: „Vergeßt niemals, daß euer Gebiet nur ein kleiner Teil des Fußschemels Jehovas ist. So, wie er an diesem Teil der Erde Interesse hat, erstreckt sich sein Interesse auch auf andere Teile der Erde. Behaltet also stets die weltweite Ausdehnung des Königreichswerks im Auge.“
In der darauffolgenden Woche hielt Bruder Barr eine Ansprache bei der Bestimmungsübergabe eines neuen Königreichssaalkomplexes in Edgware im Norden Londons. Die Brüder hatten hier ein schönes Bauwerk errichtet, bestehend aus drei Königreichssälen mit mobilen Trennwänden. Auf diese Weise ist es möglich, den ganzen Komplex in einen Kongreßsaal zu verwandeln, der von fremdsprachigen Versammlungen genutzt werden kann. Inzwischen hatte das Königreichspredigtwerk in Großbritannien dank der Reaktion im fremdsprachigen Gebiet bedeutsame Dimensionen angenommen.
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GroßbritannienJahrbuch der Zeugen Jehovas 2000
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[Karte/Bilder auf Seite 86, 87]
(Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)
ENGLAND
Überall im Land gibt es Kongreßsäle, die für alle gut erreichbar sind: (1) Manchester, (2) North London, (3) Dudley, (4) Surrey, (5) East Pennine, (6) Bristol, (7) Edgware
[Bilder]
East Pennine
Edgware
Surrey
Manchester
Bristol
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