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    Die Prophezeiung Daniels — Achte darauf!
    • EIN JUNGER KÖNIG EROBERT DIE WELT

      VOR etwa 2 300 Jahren stand ein blonder Heerführer an der Küste des Mittelmeeres. Er war Anfang 20. Seine Augen waren auf eine Inselstadt gerichtet, die einen knappen Kilometer entfernt lag. Da man sich weigerte, ihn in die Stadt einziehen zu lassen, war der wütende Feldherr entschlossen, sie zu erobern. Wie sah sein Angriffsplan aus? Er wollte einen Damm zur Insel bauen und darauf seine Streitkräfte gegen die Stadt führen. Der Bau des Damms war bereits im Gange.

      Da erhielt der junge Heerführer von dem Großkönig des Persischen Reiches eine Botschaft. Der persische Herrscher war bestrebt, Frieden zu schließen, und machte ein außergewöhnliches Angebot: 10 000 Talente Gold (nach heutigem Wert mehr als zwei Milliarden Dollar) und die Hand einer Königstochter sowie die Herrschaft über den gesamten westlichen Teil des persischen Weltreiches. Das alles wurde dem Feldherrn für die Rückgabe der Angehörigen des Königs angeboten, die er in seine Gewalt gebracht hatte.

      Der Befehlshaber, der vor der Entscheidung stand, dieses Angebot anzunehmen oder abzulehnen, war Alexander III. von Makedonien. Sollte er das Angebot akzeptieren? „Das war die Schicksalsstunde für die antike Welt!“ schreibt der Historiker Ulrich Wilcken. „Die Nachwirkungen dieser Entscheidung reichen durchs Mittelalter hindurch bis in unsere Tage, im Morgenlande ebenso wie im Abendlande.“ Bevor wir auf Alexanders Antwort eingehen, wollen wir uns einmal ansehen, welche Ereignisse zu diesem entscheidenden Augenblick führten.

      WIE AUS IHM EIN EROBERER WURDE

      Alexander wurde 356 v. u. Z. in Pella (Makedonien) geboren. Sein Vater war König Philipp II. und seine Mutter Olympias. Sie hatte Alexander gelehrt, die makedonischen Könige stammten von Herkules, einem Sohn des griechischen Gottes Zeus, ab. Olympias bezeichnete Achilles, den Helden des von Homer verfaßten Gedichts Ilias, als Vorfahren Alexanders. Der junge Alexander, dem seine Eltern auf diese Weise das Streben nach Eroberungen und königlicher Ehre eingeflößt hatten, interessierte sich kaum für etwas anderes. Als man ihn einmal fragte, ob er Lust habe, sich an einem Wettlauf in Olympia zu beteiligen, entgegnete er, nur wenn seine Rivalen Könige wären. Sein Ehrgeiz war es, Größeres zu vollbringen als sein Vater und durch Leistungen zu Ehren zu gelangen.

      Mit 13 Jahren wurde er von dem griechischen Philosophen Aristoteles erzogen, der bei ihm Interesse an Philosophie, Medizin und Wissenschaft weckte. Inwieweit Alexanders Denken von den philosophischen Lehren des Aristoteles geprägt wurde, ist immer noch strittig. „Jedoch scheint sicher zu sein, daß es nicht das Geringste gab, worin die beiden hätten völlig übereinstimmen können“, schrieb Bertrand Russell, Philosoph des 20. Jahrhunderts. „Aristoteles’ politische Ansichten basierten auf dem griechischen Stadtstaat, welcher schon keine Lösung mehr sein konnte.“ Die Vorstellung, einen kleinen Stadtstaat zu regieren, sagte einem ehrgeizigen Fürsten, der ein zentralisiertes Großreich schaffen wollte, nicht zu. Auch gegenüber der Aristotelischen Weisung, Nichtgriechen wie Sklaven zu behandeln, muß Alexander skeptisch gewesen sein, denn ihm schwebte ein Reich vor, in dem zwischen Siegern und Besiegten die Partnerschaft gedieh.

      Unumstritten ist jedoch, daß Aristoteles bei Alexander das Interesse am Lesen und Lernen weckte. Zeit seines Lebens las Alexander gern; besonders angetan hatten es ihm die Schriften Homers. Man behauptet sogar, er habe die Ilias — alle 15 693 Gedichtzeilen — auswendig gelernt.

      Die Erziehung durch Aristoteles fand 340 v. u. Z. ein jähes Ende, als der 16jährige Prinz nach Pella zurückging, um in Abwesenheit seines Vaters Makedonien zu regieren. Und der Kronprinz verlor keine Zeit, sich durch militärische Unternehmungen auszuzeichnen. Zu Philipps Freude schlug er die Rebellion des thrakischen Stammes der Mäder nieder, stürmte ihre Hauptstadt und nannte sie nach sich selbst Alexandropolis.

      WEITERE EROBERUNGEN

      Nachdem Philipp im Jahre 336 v. u. Z. ermordet worden war, erbte der 20jährige Alexander den Thron von Makedonien. Im Frühjahr 334 v. u. Z. überquerte Alexander den Hellespont (heute Dardanellen) und begann in Asien mit einem kleinen, aber schlagkräftigen Heer von 30 000 Fußsoldaten und 5 000 Reitern einen Eroberungsfeldzug. Begleitet wurde sein Heer von Ingenieuren, Landvermessern, Architekten, Wissenschaftlern und Geschichtsschreibern.

      An den Ufern des Granikos im Nordwesten Kleinasiens (der heutigen Türkei) gewann Alexander seine erste Schlacht gegen die Perser. Im Winter unterwarf er den Westen Kleinasiens. Im Herbst des nächsten Jahres fand bei Issos, das im Südosten Kleinasiens lag, die zweite entscheidende Schlacht gegen die Perser statt. Dort trat Darius III., der Großkönig von Persien, mit einem Heer von etwa einer halben Million Mann gegen Alexander an. Selbstsicher hatte Darius auch seine Mutter, seine Frau und weitere Familienangehörige mitgebracht, damit sie Zeuge eines aufsehenerregenden Sieges werden könnten. Die Perser hatten jedoch nicht mit dem plötzlichen und vehementen Angriff der Makedonier gerechnet. So bereiteten Alexanders Streitkräfte dem persischen Heer eine vernichtende Niederlage. Darius floh und ließ seine Angehörigen in der Hand Alexanders zurück.

      Statt die fliehenden Perser zu verfolgen, marschierte Alexander südwärts an der Mittelmeerküste entlang und eroberte die Stützpunkte der mächtigen persischen Flotte. Die Inselstadt Tyrus setzte der Invasion allerdings Widerstand entgegen. Entschlossen, die Stadt zu erobern, belagerte Alexander sie sieben Monate. Während der Belagerung traf das bereits erwähnte Friedensangebot des Darius ein, das derart attraktive Zugeständnisse enthielt, daß Parmenion, Alexanders vertrauter Ratgeber, gesagt haben soll: „Wäre ich Alexander, dann würde ich annehmen.“ Worauf der junge Heerführer erwiderte: „Ich würde es auch tun, wenn ich Parmenion wäre.“ Alexander lehnte es ab zu verhandeln, setzte die Belagerung fort und zerstörte im Juli 332 v. u. Z. diese stolze Herrin der Meere.

      Jerusalem wurde von Alexander verschont, da es sich ihm ergab. Er stieß weiter nach Süden vor, wo er Gasa eroberte. Ägypten, der persischen Herrschaft überdrüssig, begrüßte ihn als Befreier. In Memphis opferte er dem Apisstier, was ihm das Wohlwollen der ägyptischen Priester eintrug. Auch gründete er die Stadt Alexandria, die Athen später den Rang als Zentrum der Gelehrsamkeit streitig machte und bis auf den heutigen Tag seinen Namen trägt.

      Dann zog Alexander nach Nordosten, durchquerte Palästina und marschierte zum Tigris. Im Jahre 331 v. u. Z. kam es zur dritten großen Schlacht gegen die Perser bei Gaugamela, unweit der Ruinen von Ninive. Hier überwältigte Alexander mit seinen 47 000 Mann das reorganisierte persische Heer, das aus mindestens 250 000 Mann bestand. Darius floh und wurde später von seinen eigenen Leuten ermordet.

      Vom Sieg beflügelt, wandte sich Alexander südwärts und nahm Babylon, die persische Winterresidenz, ein. Er besetzte auch die Hauptstädte Susa und Persepolis, bemächtigte sich des gewaltigen persischen Staatsschatzes und brannte den großen Palast des Xerxes nieder. Schließlich gelang ihm die Eroberung von Ekbatana, einer weiteren Hauptstadt. Der unaufhaltsam vorwärtsdrängende Eroberer unterwarf anschließend das übrige persische Herrschaftsgebiet und kam auf seinem Weg nach Osten bis an den Indus im heutigen Pakistan.

      Mit der Überquerung des Indus stieß Alexander in der persischen Provinz Taxila auf einen ernstzunehmenden Rivalen, den indischen Monarchen Porus. Gegen ihn zog er im Juni 326 v. u. Z. in seine vierte und letzte bedeutende Schlacht. Das 35 000 Mann starke Heer des Porus führte 200 Elefanten mit, die die Pferde der Makedonier schreckten. Es kam zu einer erbitterten und blutigen Schlacht, aber Alexanders Streitkräfte behielten die Oberhand. Porus ergab sich und verbündete sich mit Alexander.

      Mehr als acht Jahre waren vergangen, seitdem das makedonische Heer nach Asien übergesetzt hatte; die Soldaten waren erschöpft und hatten Heimweh. Von der erbitterten Schlacht gegen Porus zermürbt, wollten sie nach Hause zurückkehren. Alexander zögerte zwar anfangs, doch gab er ihrem Wunsch nach. Griechenland war tatsächlich Weltmacht geworden. In den besiegten Ländern bildeten sich griechische Kolonien, und die griechische Sprache und Kultur verbreitete sich im gesamten Herrschaftsgebiet.

      DER MENSCH HINTER DEM SCHILD

      Was das makedonische Heer in all den siegreichen Jahren zusammenhielt, war die Persönlichkeit Alexanders. Nach einer Schlacht besuchte Alexander gewöhnlich die Verwundeten, sah sich ihre Wunden an, lobte die Soldaten für ihre Tapferkeit und ehrte sie durch Geschenke entsprechend ihren Taten. Gefallene ließ er mit den üblichen Ehren bestatten. Die Eltern und Kinder von Gefallenen befreite er von allen Steuern und persönlichen Frondiensten. Nach einer Schlacht veranstaltete Alexander für seine Leute Spiele und Wettkämpfe. Einmal gab er sogar Männern, die kurz zuvor geheiratet hatten, Urlaub, so daß sie den Winter mit ihrer Frau in Makedonien verbringen konnten. Solche Handlungen trugen ihm die Liebe und Bewunderung seiner Männer ein.

      Über Alexanders Ehe mit der baktrischen Prinzessin Roxane schrieb der griechische Biograph Plutarch: „So ergab sich auch seine Verbindung mit Roxane zwar aus der Liebe, von der er erfaßt wurde, als er sie schön und jugendfrisch bei einem Festmahl im Reigen tanzen sah, sie fügte sich aber auch wohl in sein politisches Programm. Denn die Barbaren begannen infolge der geschlossenen ehelichen Verbindung Vertrauen zu haben und vergötterten Alexander, weil er auf diesem Gebiete so außerordentlich beherrscht war und auch die einzige Frau, die ihn bezwungen hatte, nicht ohne Einhaltung der gesetzlichen Form zu berühren wagte.“

      Auch vor der Ehe anderer zeigte Alexander Respekt. Die Gemahlin des Königs Darius gehörte zwar zu seinen Gefangenen, doch sorgte er dafür, daß sie ehrenhaft behandelt wurde. Als ihm zu Ohren kam, zwei makedonische Soldaten hätten die Frauen einiger Söldner geschändet, erteilte er den Befehl, die beiden hinzurichten, falls sie für schuldig befunden würden.

      Alexander war wie seine Mutter Olympias sehr religiös. Er opferte vor und nach einer Schlacht und befragte seine Wahrsager über die Bedeutung bestimmter Vorzeichen. Auch das Orakel des Ammon in Libyen suchte er auf. Und in Babylon opferte er gemäß den Anweisungen der Chaldäer besonders dem babylonischen Gott Bel (Marduk).

      Zwar aß Alexander nicht übermäßig viel, doch sprach er mit der Zeit dem Wein allzusehr zu. Bei jedem Becher führte er lange Unterhaltungen und prahlte mit seinen Erfolgen. Eine der schändlichsten Taten beging Alexander, als er, vom Wein erhitzt, im Zorn seinen Freund Kleitos umbrachte. Aber er bereute diese Tat so sehr, daß er drei Tage im Bett lag und keine Speise anrührte. Schließlich konnten ihn seine Vertrauten dazu bewegen, wieder zu essen.

      Im Laufe der Zeit zeigte Alexander in seiner Ehrsucht noch andere äußerst abstoßende Züge. Er schenkte Verleumdungen vorbehaltlos Glauben und verhängte härteste Strafen. Als man zum Beispiel Philotas beschuldigte, in einen Anschlag auf ihn verwickelt gewesen zu sein, ließ er ihn und seinen Vater Parmenion, den Ratgeber, dem er einst vertraut hatte, hinrichten.

      ALEXANDERS NIEDERLAGE

      Bald nach seiner Rückkehr nach Babylon erkrankte Alexander an Malaria, wovon er sich nicht mehr erholte. Am 13. Juni 323 v. u. Z. mußte er sich im Alter von nur 32 Jahren und 8 Monaten dem gefährlichsten Feind geschlagen geben — dem Tod.

      Es erging ihm genau so, wie gewisse indische Weise zu ihm gesagt hatten: „O König Alexander, jeder Mensch hat nur so viel von der Erde inne, wie der Raum groß ist, auf dem wir schreiten. Du aber bist ein Mensch, ähnlich wie die anderen, nur, daß du vielerlei unternimmst und maßlos handelst, wo du aus deiner Heimat über so viele Länder hinwegziehst und dadurch dir und anderen so viel Unruhe machst. Und so wirst du, wenn du in Bälde gestorben bist, so viel von der Erde besitzen, wie als Grab für deinen Körper ausreicht.“

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    Die Prophezeiung Daniels — Achte darauf!
    • [Karte]

      (Genaue Textanordnung in der gedruckten Ausgabe)

      VON ALEXANDER EROBERTE GEBIETE

      MAKEDONIEN

      ÄGYPTEN

      Babylon

      Indus

      [Bild]

      Alexander

      [Bild]

      Aristoteles mit seinem Schüler Alexander

      [Ganzseitiges Bild]

      [Bild]

      Münze, angeblich mit dem Bildnis Alexanders des Großen

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