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GriechenlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
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Wegen der Zunahme der theokratischen Tätigkeit wurde es notwendig, neue Zweiggebäude zu errichten. Man wählte ein Grundstück an der Kartalistraße im Stadtzentrum von Athen aus. 1953 wurde mit der Arbeit begonnen, und bis zum Oktober 1954 war ein neues dreigeschossiges Gebäude fertiggestellt, in dem die Bethelfamilie, die Druckerei und die Büros untergebracht werden konnten. In jenem Jahr gab es eine neue Verkündigerhöchstzahl von 4 931.
Weitere Segnungen trotz Angriffen
Als 1955 in Athen der Film der Gesellschaft Die Neue-Welt-Gesellschaft in Tätigkeit gezeigt wurde, verhaftete man 80 Brüder und Schwestern. Film und Vorführgerät wurden beschlagnahmt. Neun Brüder beschuldigte man der Proselytenmacherei. Um herauszufinden, was für ein Film das eigentlich war, zeigten ihn die Behörden etwa 200 geladenen Gästen, darunter Priester, Professoren und hohe Polizeibeamte. Der Film hinterließ einen beachtlichen Eindruck, und in einer Reihe von Tageszeitungen wurde er kommentiert. Nach einem Gerichtsurteil zugunsten der Brüder gab man ihnen den Film und die Ausrüstung zurück.
Das Jahr 1959 erklärte die griechisch-orthodoxe Kirche zu einem Jahr „gegen die Ketzer“. Ziel war es laut einer Athener Zeitung, „die Zeugen Jehovas auszulöschen“. Gottes Diener wurden in jenem Jahr jedoch ganz und gar nicht ausgelöscht, sondern statt dessen sehr gesegnet.
Im Mai kam Bruder Knorr zu Besuch und sprach zu 1 915 in einem Theater und im Bethelheim Versammelten. Eine Woche später besuchte Bruder Henschel Saloniki und sprach vor 1 250 Personen, die sich im Olympion, dem größten Kinosaal der Stadt, versammelt hatten. Im ganzen Land hielt man kleinere Kongresse ab. In der Nähe des alten Philippi in Mazedonien wurden 27 Brüder und Schwestern in demselben Fluß getauft, an dem im ersten Jahrhundert Paulus und andere Christen einmal zum Gebet zusammenkamen (Apg. 16:12-15).
Für einen Tageskongreß am 30. Juli 1963 mietete die Gesellschaft das Panathinaikos-Stadion in Athen. Die Polizei hatte die Genehmigung erteilt, Tausende Besucher aus dem Ausland waren eingeladen worden, und man hatte entsprechend Hotelzimmer gebucht. Doch plötzlich wurde die Regierung gestürzt. Unter dem Druck der orthodoxen Kirche sagte die neue Regierung den Kongreß ab.
Die dadurch hervorgerufene Enttäuschung legte sich 1965 ein wenig, als die Gesellschaft einen fünftägigen griechischen Kongreß ankündigte, der in Wien stattfinden sollte. Die Freude der 1 250 Brüder und Schwestern, die dorthin reisten, war grenzenlos. Der für die Reise gecharterte Sonderzug mit 12 Waggons wurde zu einem „fahrenden Königreichssaal“.
Im Sommer 1966 wurde ein junger Zeuge Jehovas namens Christos Kazanis wegen seiner christlichen neutralen Haltung zum Tode verurteilt. Dieser Fall machte Schlagzeilen und bewirkte, daß in Griechenland und sogar im Ausland ein enormes Zeugnis gegeben werden konnte. Jeden Tag berichteten die führenden Athener Tageszeitungen ausführlich über das Urteil und die Glaubensansichten der Zeugen Jehovas. Schließlich setzte man die Strafe auf viereinhalb Jahre Gefängnis herab. Erzbischof Chrisostomos geriet wegen dieser Angelegenheit ins Kreuzfeuer der Kritik, weil er den Eindruck erweckte, er befürworte die Hinrichtung eines jungen Mannes, der den Gebrauch einer Waffe verweigerte.
Politischer Umsturz
In der Nacht zum 21. April 1967 übernahm das Militär die Macht in Griechenland. Verfassungsartikel, die die Versammlungs- und Pressefreiheit garantierten, wurden außer Kraft gesetzt. Das Drucken des Wachtturms mußte eingestellt werden. Ein Gesetz verbot jegliche Zusammenkünfte von mehr als fünf Personen. Das Predigtwerk mußte sehr vorsichtig durchgeführt werden. Wie gewöhnlich nutzte die orthodoxe Geistlichkeit die vorherrschende Lage aus, um unseren Brüdern Schwierigkeiten zu bereiten.
Das Werk ging im Untergrund weiter. Die Brüder waren gezwungen, sich an abgelegenen Orten in den Wäldern zu versammeln. Als 1969 F. W. Franz, der später der vierte Präsident der Gesellschaft wurde, Griechenland besuchte, sprach er vor über tausend Brüdern in einem Wald bei Saloniki.
In einem Fall, der sich 1974 ereignete, wurde besonders deutlich, wie sehr man Jehovas Zeugen haßte. Dem Ehepaar Polykandritis, dessen Säugling kurz nach der Geburt gestorben war, verweigerte man die Genehmigung, das Kind zu beerdigen. Weshalb? In einer Zeitung war als Erklärung zu lesen: „Die Eltern waren Zeugen Jehovas, als sie 1954 heirateten. Doch unter der vorigen Regierung ... hatte der Innenminister ein Dekret erlassen, nach dem alle von Zeugen Jehovas geschlossenen Ehen ungültig seien — ein Schritt, der von der griechisch-orthodoxen Kirche unterstützt wurde.“ Aus diesem Grund bestand der örtliche Standesbeamte darauf, daß die Eltern erklärten, ihr Kind sei außerehelich geboren, sonst werde er die Bestattung nicht genehmigen. Der Vater weigerte sich. Er war weder bereit zu lügen, noch den Namen seiner Familie sowie sein eigenes Gewissen zu beflecken. Vier Tage lang lag die Leiche des Kindes in einem Kühlraum, während sich die Auseinandersetzung hinzog. Die Öffentlichkeit in ganz Griechenland verurteilte diese bigotte Verfolgung. To Vima, eine Athener Zeitung, verglich die Situation mit dem „Mittelalter und all seinem Elend“.
Trotz der Härten unter der Militärherrschaft machte das Werk des Predigens vom Königreich weiter gute Fortschritte. Von 10 940 im Jahre 1967 stieg die Zahl der Verkündiger auf 17 073 im Jahre 1974. Auch die Zahl der Bibelstudien und die Zahl der Anwesenden bei den Zusammenkünften stieg während jener schwierigen Zeit steil an.
Bauvorhaben für eine wachsende Organisation
Jehovas Zeugen haben in Griechenland viele Zusammenkunftsstätten, doch sie dürfen sie bis heute noch nicht als Königreichssäle bezeichnen. Also nennt man sie einfach „Vortragssäle“. Nur eine Zusammenkunftsstätte ist von der Regierung als solche anerkannt; sie befindet sich in Athen. Und selbst dort muß das Schild vor dem Saal auf Verlangen der Regierung die Aufschrift tragen: „Gebetshaus für Jehovas Zeugen in Athen“. Aber in ganz Athen gibt es nicht weniger als 117 Versammlungen mit etwa 9 500 Verkündigern!
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GriechenlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
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Fünfundzwanzig Jahre lang hatte das Zweigbüro seinen Sitz in der Kartalistraße in Athen. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Verkündiger von weniger als 5 000 auf über 18 000 — offensichtlich wurde mehr Platz benötigt. 1962 hatte man in Marousi, einem Vorort Athens, ein 1 Hektar großes Grundstück erworben. Hier konnte nun ein neuer Bethelkomplex mit 27 Zimmern, einer Druckerei, den Büros sowie anderen Einrichtungen gebaut werden. Am 16. Juli 1979 wurden die Gebäude eingeweiht, und Lyman Swingle war als Vertreter der leitenden Körperschaft anwesend.
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GriechenlandJahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
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Sonderkongreß 1985
Die Gesellschaft wählte 1985 Griechenland als Ort für einen der besonderen Kongresse. Drei Kongreßstätten wurden vorbereitet: das Apollostadion in Athen,
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