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HaitiJahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
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Verhaftet!
Am 23. Januar 1962 wurden Max Danyleyko und Andrew D’Amico im Zweigbüro verhaftet, und der gesamte Vorrat der Erwachet!-Ausgabe vom 8. Januar 1962 (in Französisch) wurde beschlagnahmt. Andrew und Helen D’Amico, Missionare aus Kanada, wohnten im Bethel. Helen konnte der Verhaftung knapp entgehen, weil Andrew ihr gesagt hatte, sie solle sich im Badezimmer verstecken, in der Hoffnung, daß sie frei blieb, um den anderen berichten zu können, was passiert war.
Sie sagte: „Ich stand hinter der verschlossenen Tür und betete.“ Sie hörte, wie die Männer das Zimmer durchsuchten. Dann kamen sie an die Badezimmertür. Doch irgend jemand erwähnte etwas von einer anderen Tür, und so durchsuchten sie den Rest des Hauses. Als sie gingen, ließen sie jemand bis zum Einbruch der Dunkelheit draußen Wache stehen. Dieser ging, kurz bevor Donald Rachwal, ein anderer Missionar, der im Bethelheim wohnte, vom Dienst nach Hause kam. Nachdem Helen ihm erzählt hatte, was geschehen war, schickte er sie zu den Schwestern im anderen Missionarheim und setzte sich dann mit anderen befähigten Brüdern in Verbindung.
Inzwischen wurden die beiden festgenommenen Brüder mit 17 anderen Männern in eine kleine Zelle auf der Polizeiwache gesteckt. Sie versuchten, so gut es ging, auf dem Boden sitzend oder im Stehen zu schlafen, denn der Platz reichte nicht aus, um sich hinzulegen. Man verhörte sie den ganzen Mittwoch, sagte ihnen aber nicht, weswegen sie angeklagt wurden. Am nächsten Morgen brachte man sie vor einen hochgestellten Beamten, der auf einen Beitrag im Erwachet! vom 8. Januar über Haiti Bezug nahm und sie über die Gleichheit der Rassen belehrte. (Dieser Nachrichtenbeitrag war aus Zeitungsartikeln in Le Monde und Le Soir zitiert, in denen es um den Wodukult ging.) Er schickte sie hinaus, ohne ihnen Gelegenheit zu geben, sich zu verteidigen, und ließ sie frei.
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HaitiJahrbuch der Zeugen Jehovas 1994
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Abgeschoben!
Vier Wochen später, am 17. März, wurden Max, Donald, Andrew und Helen vom Polizeichef persönlich davon unterrichtet, daß alle Missionare das Land binnen 24 Stunden verlassen müßten. Der Grund wurde nicht genannt. Danach brachte man sie nach Hause, damit sie ihre Pässe holen konnten. Dort trafen sie Albert Jérome, der inzwischen Stadtaufseher war, und erzählten ihm kurz, was los war.
Wieder auf der Polizeiwache, wurden sie bewacht. Rodrigue Médor studierte jedoch mit dem wachhabenden Polizisten; Max schickte diesen mit einer Notiz zu den Brüdern, daß sie mit der kanadischen Botschaft Kontakt aufnehmen sollten. Mit der Hilfe des Polizisten konnte Rodrigue die inhaftierten Missionare nachts besuchen und von ihnen den Schlüssel für das Postfach der Gesellschaft holen. Dieser Beamte erledigte auch allerlei Gänge für die Brüder, indem er für sie Lebensmittel einkaufte, Verbindung zu den Brüdern aufnahm und nach ihrer Post schaute.
Am Sonntag, den 18. März wurden die drei Kanadier unter Bewachung zum Flughafen gebracht, von wo aus sie nach Kingston (Jamaika) abfliegen sollten. Da sie jedoch keine Tickets zum Weiterflug nach Kanada hatten, nahm sie die Fluggesellschaft nicht an Bord. Auf dem Flughafen befand sich eine Reihe Brüder; so konnte Max Danyleyko mit Albert Jérome und einigen anderen ein paar Worte wechseln. Am nächsten Tag wurden sie unter Bewachung direkt ins Flugzeug gebracht und nach Kingston geflogen, wo sie ein paar Wochen blieben, bevor sie nach Kanada weiterflogen. Nur Donald Rachwal, der aus den Vereinigten Staaten stammte, flog mit einer anderen Maschine.
Am 3. April wurde der im Kreisdienst stehende Stanley Boggus zusammen mit den übrigen Missionaren ausgewiesen. Er kam später nach Zaire. 1971 kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück, wo er den französischsprachigen Versammlungen in New York diente. Max Danyleyko kam nach ein paar Monaten Aufenthalt in Kanada zuerst nach Brazzaville (Kongo), dann in die Zentralafrikanische Republik, danach in den Tschad, anschließend nach Nigeria und schließlich in die Côte d’Ivoire, wo er heute noch ist. Fred Lukuc diente in Brazzaville (Kongo) und in der Côte d’Ivoire. Er und seine Frau wurden 1985 nach Kanada ins Bethel geholt, weil es ihnen gesundheitlich nicht gutging. Peter dient gegenwärtig einigen spanischsprachigen Versammlungen in den Vereinigten Staaten. Die übrigen Missionare dienen Jehova nach wie vor ebenfalls loyal oder sind in Treue gestorben.
Hämische Freude bei den religiösen Führern
Die religiösen Führer erzählten den Regierungsbeamten immer wieder, Jehovas Zeugen seien Kommunisten, die die Regierung nicht unterstützten. Die Geistlichen ließen die Zeugen außerdem wissen, sie würden nur auf eine Anordnung der Regierung warten, um sie loszuwerden.
Die Ausweisung der Missionare wurde von ihnen daher freudig begrüßt. Eine evangelikale Rundfunkstation an der Südküste gab die Nachricht mit hämischer Freude folgendermaßen wieder: „Christus und der Staat haben die falschen Propheten aus dem Land geworfen.“ Die Geistlichkeit hoffte, daß das Königreichswerk damit am Ende wäre. Bemerkenswert an der ganzen Sache war allerdings, daß Jehovas Zeugen nicht verboten wurden.
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