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Ihres Glaubens wegen gehaßtDer Wachtturm 1998 | 1. Dezember
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Ihres Glaubens wegen gehaßt
„Ihr werdet um meines Namens willen Gegenstand des Hasses aller Leute sein“ (MATTHÄUS 10:22).
1, 2. Was mußten Zeugen Jehovas wegen der Ausübung ihres Glaubens erdulden? (Nenne Beispiele.)
EIN ehrlicher Geschäftsinhaber auf der Insel Kreta wird immer wieder verhaftet und mehrfach vor griechische Gerichte gestellt. Er verbringt mehr als 6 Jahre im Gefängnis, getrennt von seiner Frau und seinen 5 Kindern. In Japan wird ein 17jähriger Schüler von der Schule verwiesen, obwohl er gut erzogen und von den 42 Schülern seiner Klasse der beste ist. In Frankreich werden mehrere Personen fristlos entlassen, obwohl sie allgemein als fleißige und gewissenhafte Arbeitnehmer bekannt sind. Besteht irgendeine Verbindung zwischen diesen tatsächlichen Vorfällen?
2 Die Betreffenden sind alle Zeugen Jehovas. Worin bestand ihr „Verbrechen“? Im wesentlichen war es die Ausübung ihres Glaubens. Aus Gehorsam gegenüber den Lehren Jesu Christi hatte der Geschäftsinhaber mit anderen über seinen Glauben gesprochen (Matthäus 28:19, 20). Er wurde vor allem auf Grund eines veralteten griechischen Gesetzes verurteilt, wonach Proselytenmacherei eine strafbare Handlung darstellt. Der Schüler wurde vom Unterricht ausgeschlossen, weil sein biblisch geschultes Gewissen ihm nicht gestattete, an den obligatorischen Kendoübungen (Kendo: japanische Fechtkunst) teilzunehmen (Jesaja 2:4). Und denjenigen, die in Frankreich ihre Beschäftigung verloren, wurde mitgeteilt, der einzige Grund für ihre Entlassung bestehe darin, daß sie sich als Zeugen Jehovas bekennen.
3. Warum wird den meisten Zeugen Jehovas verhältnismäßig selten größeres Unrecht von anderen Menschen zugefügt?
3 Diese harten Erfahrungen sind bezeichnend für das, was Jehovas Zeugen in einigen Ländern unlängst über sich ergehen lassen mußten. Den meisten Zeugen Jehovas wird allerdings verhältnismäßig selten größeres Unrecht von anderen Menschen zugefügt. Jehovas Diener sind weltweit für ihren vorzüglichen Lebenswandel bekannt — ein Ruf, aus dem niemand einen berechtigten Grund ableiten kann, ihnen Schaden zuzufügen (1. Petrus 2:11, 12). Sie zetteln keine Verschwörungen an, noch verhalten sie sich anstößig (1. Petrus 4:15). Im Gegenteil, sie versuchen gemäß dem Rat der Bibel zu leben, zuerst Gott untertan zu sein, dann den weltlichen Regierungen. Sie zahlen die gesetzlich vorgeschriebenen Steuern und bemühen sich, ‘mit allen Menschen Frieden zu halten’ (Römer 12:18; 13:6, 7; 1. Petrus 2:13-17). Durch ihr biblisches Bildungswerk fördern sie den Familiensinn, die Sittlichkeit und Respekt vor dem Gesetz. Von vielen Regierungen sind sie als gesetzestreue Bürger gelobt worden (Römer 13:3). Doch wie der erste Absatz zeigt, sind sie trotzdem manchmal Ziel des Widerstands — in einigen Ländern hat man sogar staatliche Verbote gegen sie ausgesprochen. Sollte uns das überraschen?
Die „Kosten“ der Jüngerschaft
4. Womit muß nach Jesu Worten jemand rechnen, der sein Jünger wird?
4 Jesus Christus ließ keinen Zweifel daran, was es einschließen würde, sein Jünger zu sein. „Ein Sklave ist nicht größer als sein Herr“, sagte er zu seinen Nachfolgern. „Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen.“ Jesus wurde „ohne Ursache“ gehaßt (Johannes 15:18-20, 25; Psalm 69:4; Lukas 23:22). Seine Jünger hätten dasselbe zu erwarten: Widerstand ohne berechtigten Grund. Bei mehr als einer Gelegenheit sagte Jesus warnend zu ihnen: ‘Ihr werdet Gegenstand des Hasses sein’ (Matthäus 10:22; 24:9).
5, 6. (a) Aus welchem Grund forderte Jesus seine voraussichtlichen Nachfolger auf, ‘die Kosten zu berechnen’? (b) Warum sollten wir nicht beunruhigt sein, wenn wir auf Widerstand stoßen?
5 Jesus forderte seine voraussichtlichen Nachfolger auf, ‘die Kosten zu berechnen’, die die Jüngerschaft mit sich bringt (Lukas 14:28). Warum? Nicht, um zu entscheiden, ob sie seine Nachfolger werden sollten oder nicht, sondern, um entschlossen das auf sich zu nehmen, was damit verbunden ist. Wir müssen darauf vorbereitet sein, unter allen Prüfungen oder Härten auszuharren, die mit dem Vorrecht der Jüngerschaft einhergehen (Lukas 14:27). Niemand zwingt uns, Jehova als ein Nachfolger Christi zu dienen. Es ist eine freiwillige Entscheidung; es ist auch eine fundierte Entscheidung. Wir wissen im voraus, daß uns durch unsere Hingabe an Gott einerseits Segnungen zuteil werden, wir andererseits aber auch „Gegenstand des Hasses“ sein werden. Deshalb sind wir nicht beunruhigt, wenn wir auf Widerstand stoßen. Da wir ‘die Kosten berechnet’ haben, sind wir voll und ganz darauf eingestellt, sie zu tragen (1. Petrus 4:12-14).
6 Warum würden sich einige, einschließlich bestimmter staatlicher Organe, wahren Christen entgegenstellen? Um auf diese Frage die Antwort zu finden, ist es nützlich, sich mit zwei religiösen Gruppen des ersten Jahrhunderts u. Z. zu beschäftigen. Beide wurden gehaßt — allerdings aus sehr verschiedenen Gründen.
Haßerfüllt und gehaßt
7, 8. Welche Lehren spiegelten Verachtung für die Nichtjuden wider, und zu was für einer Einstellung unter den Juden führten sie?
7 Im ersten Jahrhundert u. Z. stand Israel unter römischer Herrschaft, und der Judaismus, die jüdische Religion, befand sich im großen und ganzen fest im Griff bedrückender Führer wie der Pharisäer und der Schriftgelehrten (Matthäus 23:2-4). Diese Fanatiker verdrehten die Vorschriften des mosaischen Gesetzes in bezug auf das Getrenntsein von den Nationen und machten daraus das Gebot, Nichtjuden zu verachten. Auf diese Weise brachten sie eine Religion hervor, die Haßgefühle gegenüber den Nichtjuden erzeugte, was wiederum Haßgefühle auf seiten der Nichtjuden heraufbeschwor.
8 Es war für die jüdischen Führer nicht schwer, zur Verachtung gegenüber den Nichtjuden aufzurufen, weil die Juden sie zu jener Zeit ohnehin für gemeine Kreaturen hielten. Die geistlichen Führer lehrten beispielsweise, eine Jüdin dürfe niemals mit Heiden allein sein, weil sie „der Unzucht verdächtig sind“. Kein Jude durfte „mit ihnen allein sein, weil sie des Blutvergießens verdächtig sind“. Es war unzulässig, von einem Nichtjuden gemolkene Milch zu verwenden, es sei denn, ein Jude hatte den Vorgang beobachtet. Durch den Einfluß ihrer Führer entwickelten die Juden eine Reserviertheit und eine strenge Abgeschlossenheit anderen gegenüber. (Vergleiche Johannes 4:9.)
9. Wie wirkte sich das aus, was die jüdischen Führer in bezug auf Nichtjuden lehrten?
9 Solche Lehren über Nichtjuden trugen nicht gerade dazu bei, gute Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden zu fördern. Die Nichtjuden betrachteten die Juden als Hasser der gesamten Menschheit. Der römische Historiker Tacitus (geboren um 56 u. Z.) sagte von den Juden, sie würden gegenüber allen übrigen Menschen nur „feindseligen Haß“ hegen. Tacitus behauptete auch, sie würden Nichtjuden, die jüdische Proselyten wurden, lehren, ihr Vaterland zu verleugnen sowie ihre Angehörigen und Freunde für nichts zu achten. Im allgemeinen ließen die Römer die Juden gewähren, obschon diese zahlreich genug waren, um eine Gefahr darzustellen. Ein jüdischer Aufstand im Jahr 66 u. Z. veranlaßte die Römer jedoch, zu unbarmherzigen Vergeltungsmaßnahmen zu greifen und letztlich im Jahr 70 u. Z. Jerusalem zu zerstören.
10, 11. (a) Wie mußten gemäß dem mosaischen Gesetz Ausländer behandelt werden? (b) Welche Lehre können wir aus dem ziehen, was mit dem Judentum geschah?
10 Inwieweit entsprach jene Ansicht über Ausländer der Form der Anbetung, die im mosaischen Gesetz umrissen wurde? Das Gesetz förderte zwar das Getrenntsein von den Nationen, aber dies sollte zum Schutz der Israeliten dienen, insbesondere zum Schutz ihrer reinen Anbetung (Josua 23:6-8). Gleichzeitig verlangte das Gesetz, Ausländer gerecht und unparteiisch zu behandeln und sie gastfreundlich aufzunehmen, solange sie nicht offenkundig gegen die Gesetze Israels verstießen (3. Mose 24:22). Die geistlichen Führer der Juden in Jesu Tagen brachten dadurch, daß sie sich von dem vernünftigen Geist abwandten, den das Gesetz hinsichtlich der Ausländer deutlich erkennen ließ, eine Form der Anbetung hervor, die Haß erzeugte und gehaßt wurde. Schließlich verlor die jüdische Nation des ersten Jahrhunderts die Gunst Jehovas (Matthäus 23:38).
11 Können wir daraus eine Lehre ziehen? Durchaus. Mit einer selbstgerechten, überheblichen Einstellung auf diejenigen herabzublicken, die unsere Glaubensansichten nicht teilen, entspricht tatsächlich nicht der reinen Anbetung Jehovas, und er hat keinen Gefallen daran. Betrachten wir die treuen Christen des ersten Jahrhunderts. Sie haßten weder Nichtchristen, noch erhoben sie sich gegen Rom. Trotzdem waren sie „Gegenstand des Hasses“. Warum? Und von wem ging der Haß aus?
Die ersten Christen — Von wem gehaßt?
12. Wie geht aus der Bibel deutlich Jesu Wunsch hervor, daß seine Nachfolger eine ausgeglichene Ansicht über Nichtchristen haben sollten?
12 Jesu Lehren lassen deutlich erkennen, daß seine Jünger eine ausgeglichene Ansicht gegenüber Nichtchristen haben sollten. Einerseits sagte er, seine Nachfolger seien von der Welt getrennt, das heißt, sie würden einen Lebenswandel und Ansichten meiden, die im Widerspruch zu Jehovas gerechten Wegen stehen. In Kriegen und in politischen Angelegenheiten würden sie neutral bleiben (Johannes 17:14, 16). Andererseits predigte Jesus keine Verachtung der Nichtchristen, sondern lehrte seine Nachfolger sogar, ‘ihre Feinde zu lieben’ (Matthäus 5:44). Der Apostel Paulus forderte Christen auf: „Wenn dein Feind hungrig ist, speise ihn; wenn er durstig ist, gib ihm etwas zu trinken“ (Römer 12:20). Christen sollten nach seinen Worten „gegenüber allen das Gute wirken“ (Galater 6:10).
13. Warum waren die geistlichen Führer der Juden so gegen Christi Jünger?
13 Doch Christi Jünger mußten bald feststellen, daß sie selbst „Gegenstand des Hasses“ waren, und zwar wurden sie von drei Seiten gehaßt. Da waren zum einen die geistlichen Führer der Juden. Und es ist kein Wunder, daß die Christen so schnell deren Aufmerksamkeit erregten. Die Christen vertraten hohe Grundsätze in bezug auf Sittlichkeit und Lauterkeit, und sie verbreiteten mit Feuereifer eine hoffnungsvolle Botschaft. Tausende verließen das Judentum und schlossen sich dem Christentum an (Apostelgeschichte 2:41; 4:4; 6:7). Für die geistlichen Führer der Juden waren Jesu jüdische Jünger nichts anderes als Abtrünnige. (Vergleiche Apostelgeschichte 13:45.) Den wütenden Führern war bewußt, daß das Christentum ihre Überlieferungen für null und nichtig erklärte. Und es verwarf sogar ihre Ansicht über die Nichtjuden! Von 36 u. Z. an konnten tatsächlich auch Nichtjuden Christen werden — denselben Glauben und dieselben Vorrechte haben wie Judenchristen (Apostelgeschichte 10:34, 35).
14, 15. (a) Weshalb zogen sich die Christen den Haß heidnischer Anbeter zu? Führe ein Beispiel an. (b) Wer bildete die dritte Gruppe, für die die ersten Christen zum „Gegenstand des Hasses“ wurden?
14 Zum anderen zogen sich die Christen den Haß heidnischer Anbeter zu. Im Altertum war in Ephesus zum Beispiel die Herstellung von Silberschreinen für die Göttin Artemis ein einträgliches Geschäft. Aber als Paulus dort predigte, reagierte eine beträchtliche Zahl von Ephesern positiv und gab die Anbetung der Artemis auf. Da die Silberschmiede ihr Gewerbe bedroht sahen, stachelten sie zu einem Aufstand an (Apostelgeschichte 19:24-41). Etwas Ähnliches geschah, als das Christentum nach Bithynien (heute Nordwesttürkei) vordrang. Nicht lange nachdem die Christlichen Griechischen Schriften vollendet worden waren, berichtete der Statthalter von Bithynien, Plinius der Jüngere, die heidnischen Tempel seien verlassen und die Verkäufe an Futter für Opfertiere seien beträchtlich zurückgegangen. Den Christen wurde die Schuld gegeben — und man verfolgte sie —, weil ihre Anbetung nichts mit Tieropfern und Götzen zu tun hatte (Hebräer 10:1-9; 1. Johannes 5:21). Die Ausbreitung des Christentums wirkte sich offensichtlich auf bestimmte persönliche Interessen in Verbindung mit der heidnischen Anbetung aus, und diejenigen, denen Geld und Gewerbemöglichkeiten verlorengingen, nahmen das übel.
15 Zum dritten wurden die Christen „Gegenstand des Hasses“ der nationalistischen Römer. Zunächst waren den Römern die Christen als kleine und womöglich fanatische religiöse Gruppe bekannt. Doch nach einiger Zeit war allein schon das Bekenntnis, ein Christ zu sein, ein Vergehen, auf das die Todesstrafe stand. Warum hielt man es für angemessen, ehrliche Bürger, die ein christliches Leben führten, zu verfolgen und zu Tode zu bringen?
Die ersten Christen — Warum in der römischen Welt gehaßt?
16. Inwiefern hielten sich die Christen von der Welt getrennt, und wieso waren sie deshalb in der römischen Welt unbeliebt?
16 Die Christen wurden in der römischen Welt vor allem wegen der Ausübung ihrer Religion gehaßt. Ein Beispiel: Sie hielten sich von der Welt getrennt (Johannes 15:19). Deshalb bekleideten sie kein politisches Amt und lehnten den Militärdienst ab. Wie der Historiker August Neander sagt, „bezeichnete man die Christen als der Welt abgestorbene, für das Leben unbrauchbare Menschen“. Kein Teil der Welt zu sein bedeutete auch, sich von den bösen Wegen der römischen Welt fernzuhalten. „Die kleinen christlichen Gemeinden waren der genußtollen Heidenschaft mit ihrer Frömmigkeit und ihrem Anstand ein Dorn im Auge“, erklärt der Historiker Will Durant (1. Petrus 4:3, 4). Dadurch, daß die Römer die Christen verfolgten und hinrichteten, versuchten sie womöglich, die lästige Stimme des eigenen Gewissens zum Schweigen zu bringen.
17. Was zeigt, daß das Predigtwerk der Christen des ersten Jahrhunderts wirkungsvoll war?
17 Die Christen des ersten Jahrhunderts predigten die gute Botschaft von Gottes Königreich mit kompromißlosem Eifer (Matthäus 24:14). Um das Jahr 60 u. Z. konnte Paulus sagen, daß die gute Botschaft „in der ganzen Schöpfung, die unter dem Himmel ist, gepredigt worden ist“ (Kolosser 1:23). Ende des ersten Jahrhunderts hatten Jesu Nachfolger überall im Römischen Reich Jünger gemacht — in Asien, Europa und Afrika. Sogar einige Mitglieder „vom Hause Cäsars“ wurden Christen (Philipper 4:22).a Das eifrige Predigen erweckte Unwillen. So heißt es bei Neander: „Man sah, wie das Christenthum unter allen Ständen unaufhaltsam um sich griff, der Staatsreligion ... den Sturz drohte.“
18. Welche Unvereinbarkeit mit der römischen Obrigkeit ergab sich für die Christen dadurch, daß sie ausschließlich Jehova ergeben waren?
18 Jesu Nachfolger waren ausschließlich Jehova ergeben (Matthäus 4:8-10). Vielleicht war es dieses Merkmal ihrer Anbetung, das mehr als jedes andere die Unvereinbarkeit mit Rom bewirkte. Die Römer waren tolerant gegenüber anderen Religionen, solange deren Anhänger auch am Kaiserkult teilnahmen. Die ersten Christen konnten sich unmöglich an solch einer Anbetung beteiligen. Sie betrachteten sich einer Autorität gegenüber verantwortlich, die über der des römischen Staates stand, nämlich gegenüber Jehova Gott (Apostelgeschichte 5:29). Daher wurde ein Christ, ungeachtet dessen, welch ein guter Bürger er in jeder anderen Hinsicht war, als Staatsfeind betrachtet.
19, 20. (a) Wer war weitgehend für die boshaften Verleumdungen verantwortlich, die über treue Christen verbreitet wurden? (b) Was für falsche Anschuldigungen wurden gegen Christen erhoben?
19 Es gab noch einen anderen Grund, warum treue Christen in der römischen Welt zum „Gegenstand des Hasses“ wurden: Man schenkte boshaften Verleumdungen, die über sie verbreitet wurden, bereitwillig Gehör, Beschuldigungen, für die weitgehend die geistlichen Führer der Juden verantwortlich waren (Apostelgeschichte 17:5-8). Um 60 oder 61 u. Z., als Paulus in Rom war und auf seinen Prozeß vor Kaiser Nero wartete, sagten prominente Juden über die Christen: „In der Tat, was diese Sekte betrifft, ist uns bekannt, daß ihr überall widersprochen wird“ (Apostelgeschichte 28:22). Nero werden die verleumderischen Erzählungen über sie kaum entgangen sein. 64 u. Z., als ihm die Schuld gegeben wurde für ein Feuer, das Rom verheerte, soll er die bereits übel beleumdeten Christen als Sündenböcke ausgewählt haben. Wie es scheint, löste dies einen Sturm brutaler Verfolgung aus, deren Ziel die Ausrottung der Christen war.
20 Die falschen Anschuldigungen gegen die Christen waren häufig eine Mischung aus offenkundigen Lügen und Verdrehungen ihrer Glaubensansichten. Weil die Christen monotheistisch waren und den Kaiser nicht verehrten, wurden sie als Atheisten bezeichnet. Da sich einige nichtchristliche Familienangehörige gegen ihre christlichen Angehörigen wandten, wurden Christen beschuldigt, Familien zu zerstören (Matthäus 10:21). Sie wurden als Kannibalen gebrandmarkt, wobei sich diese Anklage gemäß einigen Quellen auf eine Verdrehung der Worte Jesu stützte, die er beim Abendmahl des Herrn geäußert hatte (Matthäus 26:26-28).
21. Aus welchen zwei Gründen waren Christen „Gegenstand des Hasses“?
21 Die treuen Christen waren somit hauptsächlich aus zwei Gründen für die Römer ein „Gegenstand des Hasses“: 1. wegen ihrer auf die heiligen Schriften gestützten Glaubensansichten und der Ausübung ihres Glaubens und 2. wegen Falschanklagen gegen sie. Ungeachtet des Grundes hatten die Gegner aber nur ein Ziel: die Unterdrückung des Christentums. Natürlich waren die tatsächlichen Anstifter der Verfolgung von Christen übermenschliche Gegner, nämlich unsichtbare böse Geistermächte (Epheser 6:12).
22. (a) Welches Beispiel zeigt, daß sich Jehovas Zeugen bemühen, „gegenüber allen das Gute [zu] wirken“? (Siehe Kasten auf Seite 11.) (b) Was wird im nächsten Artikel besprochen?
22 Wie die ersten Christen sind auch Jehovas Zeugen in der Neuzeit in verschiedenen Ländern „Gegenstand des Hasses“. Doch sie hassen Außenstehende nicht; von ihnen geht auch niemals ein Aufstand gegen eine Regierung aus. Im Gegenteil, sie sind weltweit dafür bekannt, daß sie wahre Liebe üben, die alle sozialen, rassischen und ethnischen Schranken überwindet. Warum werden sie trotzdem verfolgt? Und wie reagieren sie auf Widerstand? Diese Fragen werden im nächsten Artikel besprochen.
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Unseren Glauben verteidigenDer Wachtturm 1998 | 1. Dezember
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Unseren Glauben verteidigen
„Heiligt den Christus als Herrn in eurem Herzen, stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist“ (1. PETRUS 3:15).
1, 2. Warum kann Widerstand Jehovas Zeugen nicht überraschen, doch was möchten sie eigentlich?
IN DEN meisten Ländern sind Jehovas Zeugen allgemein als ehrliche Menschen bekannt, die ein moralisch einwandfreies Leben führen. Viele betrachten sie als gute Nachbarn, mit denen man keinen Ärger hat. Doch merkwürdigerweise haben diese friedliebenden Christen unter ungerechtfertigter Verfolgung zu leiden — sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten. Dieser Widerstand überrascht sie allerdings nicht. Tatsächlich rechnen sie damit. Schließlich wissen sie, daß die treuen Christen im ersten Jahrhundert u. Z. „Gegenstand des Hasses“ waren. Warum sollten diejenigen, die sich heute bemühen, wahre Nachfolger Christi zu sein, erwarten, anders behandelt zu werden? (Matthäus 10:22). Außerdem heißt es in der Bibel: „Alle, die in Gemeinschaft mit Christus Jesus in Gottergebenheit leben wollen, [werden] auch verfolgt werden“ (2. Timotheus 3:12).
2 Jehovas Zeugen sind weder darauf aus, verfolgt zu werden, noch freuen sie sich über Unannehmlichkeiten — Geldstrafen, Haft oder barsche Behandlung —, die damit einhergehen können. Sie möchten „ein ruhiges und stilles Leben führen“, damit sie die gute Botschaft von Gottes Königreich ungehindert predigen können (1. Timotheus 2:1, 2). Sie schätzen die Freiheit, ihren Glauben auszuüben, die sie in den meisten Ländern haben, und sie sind im Rahmen des Möglichen gewissenhaft bemüht, ‘mit allen Menschen Frieden zu halten’, diejenigen eingeschlossen, die Regierungsgewalt ausüben (Römer 12:18; 13:1-7). Warum sind sie trotzdem „Gegenstand des Hasses“?
3. Worin besteht einer der Gründe für ungerechtfertigten Haß auf Jehovas Zeugen?
3 Im wesentlichen ist der ungerechtfertigte Haß auf Jehovas Zeugen denselben Gründen zuzuschreiben, aus denen die ersten Christen verfolgt wurden. Erstens handeln Jehovas Zeugen auf Grund ihrer Glaubensansichten auf eine Weise, durch die sie sich bei einigen unbeliebt machen. Zum Beispiel verkündigen sie eifrig die gute Botschaft von Gottes Königreich, aber viele Menschen mißverstehen ihren Eifer und betrachten ihr Predigen als „aggressive Proselytenmacherei“. (Vergleiche Apostelgeschichte 4:19, 20.) Sie verhalten sich auch neutral, was die Politik und die Kriege der einzelnen Nationen betrifft, und das hat manchmal zu dem Mißverständnis geführt, die Zeugen seien keine loyalen Bürger (Micha 4:3, 4).
4, 5. (a) Welche Falschanklagen wurden gegen Jehovas Zeugen erhoben? (b) Wer waren oft die Hauptanstifter der Verfolgung von Dienern Jehovas?
4 Zweitens hat man Falschanklagen gegen Jehovas Zeugen erhoben — unverschämte Lügen und verdrehte Darstellungen ihrer Glaubensansichten. Auf Grund dessen wurden sie in einigen Ländern ungerechtfertigterweise angegriffen. Weil sie aus dem Wunsch heraus, dem biblischen Gebot zu gehorchen, ‘sich des Blutes zu enthalten’, eine medizinische Behandlung ohne Bluttransfusion zu erhalten suchen, wurden sie außerdem ungerechtfertigterweise als „Kindermörder“ und als „Selbstmordsekte“ bezeichnet (Apostelgeschichte 15:29). Tatsache ist jedoch, daß Jehovas Zeugen dem Leben großen Wert beimessen und die bestmögliche medizinische Behandlung für sich und ihre Kinder wünschen. Die Anschuldigung, jedes Jahr würden zahllose Kinder von Zeugen Jehovas wegen der Ablehnung von Bluttransfusionen sterben, ist völlig haltlos. Weil die biblische Wahrheit nicht alle Familienangehörigen in gleicher Weise ansprechen mag, sind die Zeugen auch beschuldigt worden, Familien zu zerstören. Doch wer mit Jehovas Zeugen vertraut ist, weiß, daß sie hohe Achtung vor dem Familienleben haben und sich bemühen, die biblischen Gebote zu befolgen, daß Mann und Frau einander lieben und respektieren und Kinder ihren Eltern gehorchen sollen, ob diese nun Gläubige sind oder nicht (Epheser 5:21 bis 6:3).
5 In vielen Fällen hat sich herausgestellt, daß die Hauptanstifter der Verfolgung von Dienern Jehovas religiöse Gegner waren, die ihren Einfluß auf die politische Obrigkeit und die Medien dazu nutzen wollten, die Tätigkeit der Zeugen zu unterdrücken. Wie sollten wir als Zeugen Jehovas auf solche Gegnerschaft reagieren — sei es wegen unseres Glaubens und Handelns oder auf Grund von Falschanklagen?
„Laßt eure Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden“
6. Warum ist es wichtig, eine ausgeglichene Ansicht über Personen zu haben, die nicht zur Christenversammlung gehören?
6 Zunächst einmal müssen wir die richtige Ansicht — Jehovas Ansicht — über Menschen haben, die unsere Glaubensansichten nicht teilen. Andernfalls könnten wir unnötige Feindseligkeit oder Vorwürfe heraufbeschwören. „Laßt eure Vernünftigkeit allen Menschen bekanntwerden“, schrieb der Apostel Paulus (Philipper 4:5). Die Bibel ermuntert uns somit, eine ausgeglichene Ansicht über Personen zu haben, die nicht zur Christenversammlung gehören.
7. Was ist damit verbunden, sich „von der Welt ohne Flecken zu bewahren“?
7 In der Bibel werden wir beispielsweise nachdrücklich ermahnt, uns „von der Welt ohne Flecken zu bewahren“ (Jakobus 1:27; 4:4). Der Begriff „Welt“ bezieht sich hier wie an vielen anderen Stellen in der Bibel auf die Masse der Menschen, die keine wahren Christen sind. Wir leben inmitten dieser menschlichen Gesellschaft; wir kommen mit anderen am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Nachbarschaft in Berührung (Johannes 17:11, 15; 1. Korinther 5:9, 10). Doch wir bewahren uns ohne Flecken von der Welt, indem wir Ansichten sowie Ausdrucks- und Verhaltensweisen meiden, die im Widerspruch zu Gottes gerechten Wegen stehen. Wichtig ist auch, daß wir die Gefahr erkennen, die sich aus einer engen Gemeinschaft mit der heutigen Welt ergibt, insbesondere mit Personen, die eine völlige Mißachtung der Maßstäbe Jehovas offenbaren (Sprüche 13:20).
8. Warum gibt uns der Rat, uns von der Welt ohne Flecken zu bewahren, keinen Grund, auf andere herabzublicken?
8 Der Rat, uns von der Welt ohne Flecken zu bewahren, gibt uns allerdings keinen Grund, diejenigen grundsätzlich herabzusetzen, die keine Zeugen Jehovas sind (Sprüche 8:13). Erinnern wir uns an das Beispiel der geistlichen Führer der Juden, auf das im vorigen Artikel eingegangen wurde. Die Form der Religion, die sie entwickelten, fand bei Jehova keinen Anklang; sie trug auch nicht gerade zu guten Beziehungen zu Nichtjuden bei (Matthäus 21:43, 45). Aus ihrer selbstgerechten, überheblichen Stellung blickten diese Fanatiker auf die Nichtjuden herab. Wir wollen nicht so engstirnig sein, Außenstehende mit Verachtung zu strafen. Wie der Apostel Paulus wünschen wir, daß alle, die die Botschaft der Bibel hören, Gottes Gunst erlangen (Apostelgeschichte 26:29; 1. Timotheus 2:3, 4).
9. Wie sollte sich die ausgeglichene Ansicht der Bibel darauf auswirken, wie wir von Menschen sprechen, die unsere Glaubensansichten nicht teilen?
9 Die ausgeglichene Ansicht der Bibel sollte sich auf die Art und Weise auswirken, wie wir von Außenstehenden sprechen. Paulus wies Titus an, die Christen auf der Insel Kreta daran zu erinnern, „von niemandem nachteilig zu reden, nicht streitsüchtig zu sein, sondern vernünftig, indem sie allen Menschen gegenüber alle Milde an den Tag legen“ (Titus 3:2). Beachten wir, daß die Christen „von niemandem“ nachteilig reden sollten — nicht einmal von den Nichtchristen auf Kreta, von denen einige als Schlemmer, Lügner und Müßiggänger bekannt waren (Titus 1:12). Es wäre somit unbiblisch, mit Bezug auf Personen, die unsere Glaubensansichten nicht teilen, herabsetzende Begriffe zu gebrauchen. Eine überhebliche Einstellung würde niemand zur Anbetung Jehovas hinziehen. Betrachten und behandeln wir andere dagegen im Einklang mit den vernünftigen Grundsätzen des Wortes Jehovas, werden wir ‘die Lehre Gottes schmücken’ (Titus 2:10).
Wann man schweigen und wann man reden sollte
10, 11. Wie bewies Jesus, daß er wußte, (a) wann „eine Zeit zum Schweigen“ und (b) wann „eine Zeit zum Reden“ war?
10 Es gibt „eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden“, heißt es in Prediger 3:7. Das Problem ist allerdings, zu entscheiden, wann man Gegner ignorieren und wann man offen seine Meinung sagen sollte, um den Glauben zu verteidigen. Wir können viel aus dem Beispiel Jesu lernen, der stets auf vollkommene Weise umsichtig war (1. Petrus 2:21). Er wußte, wann „eine Zeit zum Schweigen“ war. Ein Beispiel: Als die Oberpriester und die älteren Männer vor Pilatus Falschanklagen gegen ihn erhoben, gab Jesus „keine Antwort“ (Matthäus 27:11-14). Er wollte nichts sagen, was sich auf die Ausführung des Willens Gottes ihn betreffend hätte störend auswirken können. Er erwählte es sich statt dessen, seine allgemein bekannten Taten für sich sprechen zu lassen. Er wußte, daß nicht einmal die Wahrheit eine Änderung in ihrem stolzen Sinn und ihrem stolzen Herzen bewirkt hätte. Daher ignorierte er ihre Anschuldigungen und weigerte sich, sein vorsätzliches Schweigen zu brechen (Jesaja 53:7).
11 Jesus wußte allerdings auch, wann „eine Zeit zum Reden“ war. Gelegentlich setzte er sich freimütig und offen mit seinen Kritikern auseinander und widerlegte ihre Falschanklagen. Als die Schriftgelehrten und die Pharisäer bei einer Gelegenheit versuchten, ihn bei einer Volksmenge in Verruf zu bringen, indem sie ihn beschuldigten, Dämonen durch Beelzebub auszutreiben, entschied sich Jesus, diese Falschanklage nicht einfach hinzunehmen. Mit Logik und einem überzeugenden Gleichnis deckte er die Lüge auf (Markus 3:20-30; siehe auch Matthäus 15:1-11; 22:17-21; Johannes 18:37). Als Jesus, nachdem er verraten und verhaftet worden war, vor den Sanhedrin geschleppt wurde, forderte der Hohepriester Kaiphas ihn listig auf: „Bei dem lebendigen Gott stelle ich dich unter Eid, uns zu sagen, ob du der Christus, der Sohn Gottes, bist!“ Auch dies war „eine Zeit zum Reden“, denn stumm zu bleiben hätte dahin gehend aufgefaßt werden können, daß er leugnete, der Christus zu sein. Deshalb antwortete Jesus: „Ich bin es“ (Matthäus 26:63, 64; Markus 14:61, 62).
12. Unter welchen Umständen sahen sich Paulus und Barnabas in Ikonion veranlaßt, freimütig zu reden?
12 Betrachten wir auch ein Beispiel in Verbindung mit Paulus und Barnabas. In Apostelgeschichte 14:1, 2 heißt es: „In Ikonion nun gingen sie zusammen in die Synagoge der Juden und redeten auf eine Weise, daß eine große Menge Juden und auch Griechen gläubig wurden. Die Juden aber, die nicht glaubten, erregten die Seelen der Leute der Nationen und beeinflußten sie zum Bösen gegen die Brüder.“ In der Übersetzung von Allioli (neu erarbeitet von Beck und Miller) wird gesagt: „Die ablehnend gebliebenen Juden aber verhetzten und erbitterten die Gemüter derer aus den Völkern gegen die Brüder.“ Nicht damit zufrieden, die Botschaft als solche zurückzuweisen, setzten die jüdischen Gegner eine Verleumdungskampagne in Gang und versuchten, die heidnische Bevölkerung gegen die Christen aufzubringen.a Wie abgrundtief ihr Haß auf das Christentum gewesen sein muß! (Vergleiche Apostelgeschichte 10:28.) Dies war nach Einschätzung von Paulus und Barnabas „eine Zeit zum Reden“, damit die neuen Jünger durch die öffentlichen Vorwürfe nicht mutlos gemacht wurden. „Daher brachten sie [Paulus und Barnabas] eine geraume Zeit damit zu, freimütig aufgrund der Ermächtigung Jehovas zu reden“, und Jehova wiederum zeigte seine Anerkennung dadurch, daß er sie befähigte, übernatürliche Zeichen zu vollbringen. Das führte dazu, daß ‘einige für die Juden waren, andere aber für die Apostel’ (Apostelgeschichte 14:3, 4).
13. Wann wäre, falls wir geschmäht werden, normalerweise „eine Zeit zum Schweigen“?
13 Wie sollten wir also reagieren, wenn wir geschmäht werden? Das hängt von den jeweiligen Umständen ab. Unter gewissen Umständen müssen wir nach dem Grundsatz handeln, daß es „eine Zeit zum Schweigen“ gibt. Das trifft besonders dann zu, wenn zu allem entschlossene Gegner versuchen, uns in sinnlose Auseinandersetzungen hineinzuziehen. Wir dürfen nicht vergessen, daß einige Menschen die Wahrheit gar nicht wissen wollen (2. Thessalonicher 2:9-12). Es ist vergeblich, mit Personen zu argumentieren, deren stolzes Herz im Unglauben verwurzelt ist. Würden wir darin aufgehen, uns mit jedem Falschankläger auseinanderzusetzen, der uns angreift, könnten wir außerdem von einer weit wichtigeren und lohnenderen Tätigkeit abgelenkt werden — davon, aufrichtigen Menschen zu helfen, die die biblische Wahrheit wirklich kennenlernen möchten. „Meidet sie“, lautet der inspirierte Rat, wenn wir es mit Gegnern zu tun haben sollten, die darauf aus sind, Lügen über uns zu verbreiten (Römer 16:17, 18; Matthäus 7:6).
14. Auf welche Weise können wir unseren Glauben vor anderen verteidigen?
14 Das bedeutet natürlich nicht, daß wir unseren Glauben nicht verteidigen würden. Schließlich gibt es auch „eine Zeit zum Reden“. Zu Recht sind wir um aufrichtige Menschen besorgt, die mit diffamierender Kritik an Jehovas Zeugen konfrontiert werden. Wir sind gern bereit, jede Gelegenheit zu nutzen, vor anderen eine deutliche Erklärung über unsere von Herzen kommende Überzeugung abzulegen. Petrus schrieb: „Heiligt den Christus als Herrn in eurem Herzen, stets bereit zu einer Verteidigung vor jedermann, der von euch einen Grund für die Hoffnung verlangt, die in euch ist, doch tut es mit Milde und tiefem Respekt“ (1. Petrus 3:15). Wenn aufrichtig interessierte Personen nach Beweisen für die von uns geschätzten Glaubensansichten fragen oder sich wegen falscher Anschuldigungen erkundigen, die Gegner erhoben haben, ist es unsere Pflicht, unseren Glauben zu verteidigen und vernünftige biblische Antworten zu geben. Außerdem kann unser vorzüglicher Lebenswandel Bände sprechen. Wenn unvoreingenommene Beobachter feststellen, daß wir wirklich versuchen, im Einklang mit Gottes gerechten Maßstäben zu leben, können sie ohne weiteres erkennen, daß die gegen uns erhobenen Beschuldigungen falsch sind (1. Petrus 2:12-15).
Wie verhält es sich mit verleumderischen Medienberichten?
15. Welches Beispiel haben wir dafür, daß in den Medien verdrehte Informationen über Jehovas Zeugen verbreitet wurden?
15 Manchmal sind durch die Medien verdrehte Informationen über Jehovas Zeugen verbreitet worden. Zum Beispiel veröffentlichte am 1. August 1997 eine russische Zeitung einen verleumderischen Artikel, in dem unter anderem behauptet wurde, die Zeugen verlangten von ihren Mitgliedern grundsätzlich, der Ehefrau oder dem Ehemann und den Eltern den Rücken zu kehren, wenn diese ihren Glauben nicht verstehen und nicht teilen. Jemand, der wirklich mit Jehovas Zeugen vertraut ist, weiß, daß eine solche Behauptung aus der Luft gegriffen ist. Die Bibel zeigt, daß Christen ungläubige Familienangehörige mit Liebe und Respekt behandeln müssen, und die Zeugen bemühen sich, diese Anweisung zu befolgen (1. Korinther 7:12-16; 1. Petrus 3:1-4). Trotzdem wurde der Artikel gedruckt, und viele Leser wurden dadurch falsch unterrichtet. Wie können wir unseren Glauben verteidigen, wenn unwahre Anschuldigungen gegen uns erhoben werden?
16, 17 und Kasten auf Seite 16. (a) Was wurde vor einiger Zeit im Wachtturm über die Reaktion auf Falschinformationen der Medien gesagt? (b) Unter welchen Umständen könnten Jehovas Zeugen auf negative Berichte in den Medien reagieren?
16 Auch hier gibt es „eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden“. Im Wachtturm wurde vor einiger Zeit folgendes gesagt: „Ob wir falsche Informationen der Medien einfach ignorieren oder versuchen sollten, die Wahrheit durch geeignete Mittel zu verteidigen, hängt von den Umständen ab, davon, wer uns verleumdet oder welche Absicht damit verfolgt wird.“ In manchen Fällen kann es das beste sein, negative Berichte zu ignorieren und so den Lügen nicht noch mehr Publizität zu verschaffen.
17 In anderen Fällen kann es „eine Zeit zum Reden“ sein. Ein verantwortungsbewußter Journalist oder Reporter ist womöglich über Jehovas Zeugen falsch unterrichtet und begrüßt entsprechende wahrheitsgemäße Informationen. (Siehe Kasten „Eine Falschdarstellung korrigiert“.) Wenn negative Medienberichte Vorurteile wecken, die unser Predigtwerk behindern, werden Vertreter des Zweigbüros der Watch Tower Society gegebenenfalls die Initiative ergreifen und die Wahrheit mit geeigneten Mitteln verteidigen.b Befähigte Älteste können damit betraut werden, die Tatsachen darzulegen; das könnte beispielsweise durch ein Interview im Fernsehen geschehen, vor allem wenn ein Fernbleiben den Eindruck vermitteln würde, Jehovas Zeugen hätten keine Antworten. In solchen Situationen halten sich einzelne Zeugen klugerweise an die Anweisungen der Watch Tower Society und ihrer Vertreter (Hebräer 13:17).
Gesetzliche Verteidigung der guten Botschaft
18. (a) Warum benötigen wir für das Predigen nicht die Erlaubnis menschlicher Regierungen? (b) Wie gehen wir vor, wenn uns die Erlaubnis zu predigen verwehrt wird?
18 Unsere Befugnis, die gute Botschaft von Gottes Königreich zu predigen, kommt vom Himmel. Jesus, der seine Nachfolger beauftragt hat, dieses Werk durchzuführen, ist „alle Gewalt im Himmel und auf der Erde“ gegeben worden (Matthäus 28:18-20; Philipper 2:9-11). Daher benötigen wir von menschlichen Regierungen keine Erlaubnis zum Predigen. Dennoch erkennen wir an, daß Religionsfreiheit der Verbreitung der Königreichsbotschaft dienlich ist. In Ländern, wo wir unsere Anbetung uneingeschränkt verrichten können, werden wir uns des Rechtssystems bedienen, um dies zu wahren. Wo uns diese Freiheit verwehrt wird, werden wir uns unter Berücksichtigung der Gesetze bemühen, sie zu erhalten. Unser Ziel ist nicht eine Sozialreform, sondern ‘die Verteidigung und gesetzliche Befestigung der guten Botschaft’ (Philipper 1:7).c
19. (a) Wozu kann es führen, wenn wir ‘Gottes Dinge Gott zurückzahlen’? (b) Wozu sind wir entschlossen?
19 Jehovas Zeugen erkennen Jehova als den universellen Souverän an. Sein Gesetz steht über jedem anderen Gesetz. Wir gehorchen gewissenhaft menschlichen Regierungen, und auf diese Weise ‘zahlen wir Cäsars Dinge Cäsar zurück’. Aber wir werden uns durch nichts an der Erfüllung einer weit wichtigeren Pflicht hindern lassen, nämlich ‘Gottes Dinge Gott zurückzuzahlen’ (Matthäus 22:21). Wir sind uns völlig bewußt, daß wir uns dadurch zum „Gegenstand des Hasses“ der Nationen machen, aber wir nehmen das als Teil der Kosten der Jüngerschaft hin. Die Geschichte der Rechtskämpfe der Zeugen Jehovas im 20. Jahrhundert ist ein Beweis für unsere Entschlossenheit, unseren Glauben zu verteidigen. Mit Jehovas Hilfe und Unterstützung werden wir ‘ununterbrochen fortfahren, zu lehren und die gute Botschaft zu verkündigen’ (Apostelgeschichte 5:42).
[Fußnoten]
a In Matthew Henry’s Commentary on the Whole Bible wird erklärt, daß die jüdischen Gegner „es sich zur Aufgabe machten, bewußt zu solchen [Heiden] zu gehen, mit denen sie irgendwie bekannt waren, und ihnen alles zu sagen, was ihr Geist oder ihre Bosheit erfinden konnte, um in ihnen eine durch und durch schlechte Meinung über das Christentum hervorzurufen“.
b Nachdem in der russischen Zeitung (von der in Absatz 15 die Rede war) der verleumderische Artikel veröffentlicht worden war, wandten sich Jehovas Zeugen an die Präsidialgerichtskammer der Russischen Föderation für Streitfälle im Bereich Medien mit der Bitte, die in dem Artikel vorgebrachten Falschanklagen zu untersuchen. Unlängst veröffentlichte das Gericht seine Entscheidung, in der die Zeitung für den Abdruck des verleumderischen Artikels getadelt wurde. (Siehe Erwachet! vom 22. November 1998, Seite 26, 27.)
c Siehe den Artikel „Die gute Botschaft rechtlich schützen“ (Seite 19—22).
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