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25. Bibelbuch — Klagelieder„Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
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6. Was ist an dem Stil und dem Aufbau des Buches der Klagelieder besonders interessant?
6 Der Aufbau der Klagelieder ist für den Erforscher der Bibel sehr interessant. Das Buch besteht aus fünf Kapiteln, d. h. aus fünf lyrischen Gedichten. Die ersten vier sind Akrostichen, bei denen jeder Vers der Reihe nach mit einem der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets beginnt. Das dritte Kapitel hat 66 Verse, so daß 3 aufeinanderfolgende Verse mit demselben Buchstaben anfangen, bevor der nächste Buchstabe folgt. Das fünfte Gedicht ist nicht akrostichisch, obwohl es 22 Verse hat.
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25. Bibelbuch — Klagelieder„Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich“
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INHALT DER KLAGELIEDER
8. Welche Verwüstung wird im ersten Gedicht beschrieben, aber wie äußert sich das personifizierte Jerusalem?
8 „O wie ist es gekommen, daß sie einsam sitzt, die Stadt, die an Volk so zahlreich war!“ Mit diesen Worten beginnt die Wehklage des ersten Gedichts. Die Tochter Zion war eine Fürstin, aber ihre Liebhaber haben sie verlassen, und ihr Volk ist ins Exil gegangen. Ihre Tore sind verödet. Jehova hat sie wegen der Menge ihrer Übertretungen bestraft. Sie hat ihre Pracht verloren. Ihre Widersacher haben über ihren Zusammenbruch gelacht. Sie ist auf wunderliche Weise hinabgegangen und hat keinen Tröster, und ihr übriggebliebenes Volk ist hungrig. Sie (das personifizierte Jerusalem) fragt: „Gibt es irgendeinen Schmerz gleich meinem Schmerz?“ Sie streckt ihre Hände aus und sagt: „Jehova ist gerecht, denn gegen seinen Mund habe ich rebelliert“ (1:1, 12, 18). Sie ruft Jehova an und bittet ihn, über ihre frohlockenden Feinde das gleiche Unglück zu bringen, das er über sie gebracht hat.
9. (a) Wer hat dieses Unglück über die Stadt Jerusalem gebracht? (b) Was sagt Jeremia über den Spott, der auf sie gehäuft wurde, und über die schrecklichen Zustände in der Stadt?
9 „O wie umwölkt Jehova in seinem Zorn die Tochter Zion!“ Das zweite Gedicht zeigt, daß Jehova die Schönheit Israels auf die Erde hinabgeworfen hat. Er hat Fest und Sabbat vergessen lassen, und seinen Altar und sein Heiligtum hat er verstoßen. Welche mitleiderregenden Anblicke sich doch in Jerusalem bieten! Jeremia ruft aus: „Meine Augen sind in lauter Tränen vergangen. Meine Eingeweide sind in Gärung. Zur Erde verschüttet ist meine Leber wegen des Zusammenbruchs der Tochter meines Volkes“ (2:11). Womit soll er die Tochter Jerusalem vergleichen? Wie soll er die Tochter Zion trösten? Ihre eigenen Propheten haben sich als wertlos und unbefriedigend erwiesen. Jetzt wird sie von Vorübergehenden verlacht: „Ist das die Stadt, von der man zu sagen pflegte: ‚Sie ist der Schönheit Vollkommenheit, ein Frohlocken für die ganze Erde.‘ “ (2:15)? Ihre Feinde haben ihren Mund aufgetan und gepfiffen; sie haben mit den Zähnen geknirscht und gesagt: ‘Dies ist der Tag, auf den wir gehofft haben, sie zu verschlingen.’ Ihre Kinder verschmachten vor Hunger, und Frauen essen ihre eigenen Nachkommen. Leichname liegen auf der Straße umher. „Am Tag des Zornes Jehovas gab es tatsächlich keinen Entronnenen oder Überlebenden“ (2:16, 22).
10. Welche Eigenschaften Gottes erwähnt Jeremia als Grundlage für eine Hoffnung?
10 In den 66 Versen des dritten Gedichts wird Zions Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit hervorgehoben. Anhand mehrerer Sinnbilder zeigt der Prophet, daß Jehova Gefangenschaft und Verwüstung gebracht hat. In seiner traurigen Lage bittet der Schreiber Gott, seiner Trübsal zu gedenken, und bringt seinen Glauben an Jehovas liebende Güte und seine Erbarmungen zum Ausdruck. Drei aufeinanderfolgende Verse beginnen mit „Gut“ und zeigen, daß es angebracht ist, auf die von Jehova kommende Rettung zu warten (3:25-27). Jehova hat Kummer verursacht, er wird jedoch auch Barmherzigkeit erweisen. Aber noch hat er seinem Volk trotz des Bekenntnisses, sich rebellisch benommen zu haben, nicht vergeben; er hat seine Gebete behindert und es „zu bloßem Abschaum und Kehricht“ gemacht (3:45). Unter bitteren Tränen erinnert sich der Prophet, daß seine Feinde nach ihm jagten wie nach einem Vogel. Doch Jehova nahte sich ihm in der Grube und sagte: „Fürchte dich nicht.“ Er bittet Jehova, das Schmähen der Feinde zu vergelten: „Du wirst ihnen nachjagen im Zorn und sie vertilgen unter den Himmeln Jehovas hinweg“ (3:57, 66).
11. Auf welch verschiedene Weise ist Jehovas Zornglut auf Zion ausgegossen worden, und warum?
11 „O wie trübe wird das glänzende Gold, das gute Gold!“ (4:1). Im vierten Gedicht wird die dahingeschwundene Herrlichkeit des Tempels Jehovas beklagt, dessen Steine auf die Straßen verschüttet werden. Die kostbaren Söhne Zions haben wie irdene Krüge nur noch geringen Wert. Es gibt weder Wasser noch Brot, und die, die in Luxus aufgezogen wurden, „mußten Aschenhaufen umarmen“ (4:5). Die Strafe ist sogar größer als die Strafe für die Sünde Sodoms. Die Nasiräer, die einst „reiner als Schnee“ und „weißer als Milch“ waren, sind „dunkler als Schwärze“ geworden, und ihre Haut ist eingeschrumpft (4:7, 8). Es ist besser, vom Schwert erschlagen worden zu sein, als zu einer Zeit, in der Frauen ihre eigenen Kinder kochten, zu verhungern. Jehova hat seine Zornglut ausgegossen. Das Unglaubliche ist geschehen — der Widersacher ist in die Tore der Stadt Jerusalem gekommen. Warum? „Wegen der Sünden ihrer Propheten, der Vergehungen ihrer Priester“, die gerechtes Blut vergossen (4:13). Das Angesicht Jehovas ist ihnen nicht zugewandt. Doch die Vergehung der Tochter Zion ist zu ihrem Ende gekommen, und sie wird nicht wieder ins Exil weggeführt werden. Nun ist es an dir, Tochter Edom, den bitteren Becher Jehovas zu trinken!
12. Welche demütige Bitte wird im fünften Gedicht geäußert?
12 Das fünfte Gedicht beginnt mit der Bitte an Jehova, seines verwaisten Volkes zu gedenken. Die Bewohner Jerusalems werden als die Sprechenden dargestellt. Ihre Vorväter haben gesündigt, und die Vergehung ihrer Vorväter müssen sie nun tragen. Lediglich Knechte herrschen über sie, und sie leiden Hungerqualen. Das Frohlocken ihres Herzens hat aufgehört, und ihr Reigentanz hat sich in Trauer verwandelt. Ihr Herz ist krank. Demütig sagen sie zu Jehova: „Was dich betrifft, o Jehova, auf unabsehbare Zeit wirst du ... sitzen. Dein Thron währt Generation um Generation.“ Sie rufen aus: „Führe uns zurück, o Jehova, zu dir, und wir wollen zurückkehren. Bringe uns neue Tage wie vor alters. Doch du hast uns ganz bestimmt verworfen. Du hast uns überaus gezürnt“ (5:19-22).
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