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Wer waren die Massoreten?Der Wachtturm 1995 | 15. September
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Zur Zeit der Massoreten geriet die genaue Aussprache allmählich in Vergessenheit, da viele Juden nicht mehr fließend Hebräisch sprachen. In Babylon und in Israel führten Gruppen von Massoreten Symbole ein, mit denen die Konsonanten versehen wurden, um die Betonung und die richtige Aussprache der Vokale anzuzeigen. Schließlich waren drei verschiedene Systeme entwickelt worden, doch das der Massoreten in Tiberias am Galiläischen Meer, der Heimat der Familie Ben Ascher, setzte sich letztendlich durch.
In einigen Quellen werden fünf Generationen dieser einzigartigen Familie genannt, angefangen mit Ascher dem Älteren, der im achten Jahrhundert u. Z. lebte. Die anderen sind Nehemia Ben Ascher, Ascher Ben Nehemia, Mosche Ben Ascher und schließlich Aaron Ben Mosche Ben Ascher, der im zehnten Jahrhundert u. Z. lebte.a Diese Männer waren führend unter denen, die die Symbole vervollständigten, welche am besten das wiedergaben, was sie als richtige Aussprache des hebräischen Bibeltextes ansahen. Zur Entwicklung dieser Symbole mußten sie die Grundlagen der hebräischen Grammatik festlegen. Bis dahin gab es keine deutlich formulierten hebräischen Grammatikregeln. Man kann daher sagen, daß diese Massoreten zu den ersten Grammatikern der hebräischen Sprache gehörten.
Aaron, der letzte Massoret aus der Familie Ben Ascher, war der erste, der diesen Aufschluß schriftlich fixierte und herausgab. Er tat dies in dem Werk „Sefer Diqduqe ha-Teʽamim“, dem ersten Buch mit hebräischen Grammatikregeln. In den folgenden Jahrhunderten bildete dieses Buch die Grundlage für die Arbeit anderer Grammatiker der hebräischen Sprache.
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Wer waren die Massoreten?Der Wachtturm 1995 | 15. September
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[Kasten auf Seite 28]
Das System zur Kennzeichnung der Aussprache des Hebräischen
JAHRHUNDERTELANG suchten die Massoreten nach dem besten System, Vokale und Betonung durch Zeichen darzustellen. Es ist daher nicht verwunderlich, daß man in jeder Generation der Familie Ben Ascher eine weitere Entwicklung antrifft. Die heute existierenden Handschriften zeigen nur Stil und Methode der beiden letzten Massoreten der Familie Ben Ascher — Mosche und Aaron.e Eine vergleichende Studie dieser Handschriften ergibt, daß Aaron Regeln zu weniger bedeutenden Punkten bezüglich der Aussprache und der Notation entwickelte, die von denen seines Vaters, Mosche, abwichen.
Ben Naphtali war ein Zeitgenosse Aaron Ben Aschers. Der Kairoer Prophetenkodex von Mosche Ben Ascher enthält viele Lesarten, die Ben Naphtali zugeschrieben werden. Entweder hat Ben Naphtali bei Mosche Ben Ascher studiert, oder beide hielten sich an eine ältere Tradition. Viele Gelehrte sprechen zwar von den Unterschieden zwischen dem System von Ben Ascher und dem von Ben Naphtali, doch M. H. Goshen-Gottstein schreibt: „Man wäre nicht zu weit von der Wahrheit entfernt, würde man von zwei Untersystemen innerhalb der Familie Ben Ascher sprechen und den Gegensatz zwischen den Lesarten als Ben Ascher versus Ben Ascher bezeichnen.“ Es ist also falsch, von nur e i n e m System Ben Aschers zu reden. Daß sich das System von Aaron Ben Ascher schließlich durchsetzte, lag nicht etwa an seiner Überlegenheit. Man bevorzugte es lediglich deshalb, weil Moses Maimonides, der Talmudgelehrte des 12. Jahrhunderts, einen Text von Aaron Ben Ascher rühmte.
[Ausschnitt siehe gedruckte Ausgabe]
Ausschnitt aus 2. Mose 6:2 mit und ohne Vokalzeichen und diakritische Zeichen
[Fußnoten]
e Der Codex Cairensis (Kairoer Prophetenkodex) (895 u. Z.), der nur die früheren und späteren Propheten enthält, ist ein Beispiel für Mosches Methoden. Der Kodex von Aleppo (zirka 930 u. Z.) und der Codex Leningradensis (1008 u. Z.) werden als Beispiele für die Methoden Aaron Ben Aschers angesehen.
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