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  • Hütet euch vor dem Unglauben
    Der Wachtturm 1998 | 15. Juli
    • Hütet euch vor dem Unglauben

      „Nehmt euch in acht, Brüder, daß sich nicht in einem von euch jemals ein böses Herz des Unglaubens entwickelt, indem er sich von dem lebendigen Gott zurückzieht“ (HEBRÄER 3:12).

      1. Auf welche erschreckende Tatsache werden wir durch die Worte, die Paulus an die Hebräerchristen richtete, aufmerksam gemacht?

      WELCH ein erschreckender Gedanke: Menschen, die sich eines persönlichen Verhältnisses zu Jehova erfreuen, können ein „böses Herz“ entwickeln und ‘sich von dem lebendigen Gott zurückziehen’! Und welch eine Warnung das doch ist! Schließlich waren diese Worte des Apostels Paulus nicht an Ungläubige gerichtet, sondern an Menschen, die sich Jehova auf der Grundlage des Glaubens an das Loskaufsopfer Jesu Christi hingegeben hatten.

      2. Mit welchen Fragen müssen wir uns befassen?

      2 Wie könnte jemand, der sich in solch einem gesegneten geistigen Zustand befindet, jemals „ein böses Herz des Unglaubens“ entwickeln? Ja, wie könnte sich jemand, der Gottes Liebe und unverdiente Güte geschmeckt hat, bewußt von ihm zurückziehen? Und könnte das auch uns passieren? Das sind ernüchternde Gedanken, die uns veranlassen, uns mit dem eigentlichen Grund für diese Warnung zu befassen (1. Korinther 10:11).

      Warum ein solch strenger Rat?

      3. Beschreibe die Verhältnisse, unter denen die Christen des ersten Jahrhunderts in Jerusalem und Umgebung lebten.

      3 Allem Anschein nach schrieb Paulus im Jahr 61 u. Z. seinen Brief an die Hebräerchristen in Judäa. Gemäß der Aussage eines Historikers handelte es sich um eine Zeit, in der „es weder Frieden noch Sicherheit für irgendeinen ernstgesinnten, ehrlichen Menschen gab, weder in der Stadt Jerusalem noch sonst irgendwo in der gesamten Provinz“. Es war eine Zeit der Gesetzlosigkeit und Gewalt, verursacht zum einen durch die bedrückende römische Militärpräsenz und zum anderen durch das herausfordernde Verhalten der antirömischen jüdischen Zeloten und die kriminellen Handlungen von Dieben, die sich die chaotischen Zeiten zunutze machten. Auf Grund dessen war es äußerst schwierig für Christen, die sehr darauf bedacht waren, sich nicht in irgend etwas hineinziehen zu lassen (1. Timotheus 2:1, 2). Tatsächlich wurden sie wegen ihrer neutralen Haltung von einigen als soziale Außenseiter betrachtet, ja sogar als staatsgefährdend. Christen wurden häufig schlecht behandelt, und sie erlitten persönliche Verluste (Hebräer 10:32-34).

      4. Inwiefern standen die Hebräerchristen in religiöser Hinsicht unter Druck?

      4 Die Hebräerchristen standen auch in religiöser Hinsicht unter starkem Druck. Der Eifer der treuen Jünger Jesu bewirkte eine schnelle Ausdehnung der Christenversammlung, was die Juden — besonders ihre geistlichen Führer — zu Eifersucht und Zorn reizte. Ihnen war jedes Mittel recht, die Nachfolger Jesu Christi zu belästigen und zu verfolgen (Apostelgeschichte 6:8-14; 21:27-30; 23:12, 13; 24:1-9).a Selbst wenn einigen Christen offene Verfolgung erspart blieb, wurden sie dennoch von den Juden verachtet und verspottet. Das Christentum wurde verächtlich als eine neu entstandene Religion betrachtet, der der Glanz des Judentums fehlte und die zum Beispiel weder einen Tempel hatte noch eine Priesterschaft, noch Feste, noch formelle Opfer. Sogar ihr Führer, Jesus, war als verurteilter Verbrecher zu Tode gebracht worden. Von seiten der Christen erforderte es Glauben, Mut und Ausharren, ihre Religion auszuüben.

      5. Warum mußten die Christen in Judäa in geistiger Hinsicht unbedingt wach bleiben?

      5 Die Hebräerchristen in Judäa lebten vor allem während einer entscheidenden Epoche der Geschichte der Nation Israel. Vieles, was ihr Herr, Jesus Christus, als Kennzeichen für das Ende des jüdischen Systems angeführt hatte, war bereits eingetreten. Das Ende konnte nicht mehr fern sein. Die Christen mußten, um zu überleben, in geistiger Hinsicht wach bleiben und bereit sein, ‘in die Berge zu fliehen’ (Matthäus 24:6, 15, 16). Würden sie den Glauben und die geistige Ausdauer haben, die für das sofortige Handeln nötig waren, zu dem Jesus aufgefordert hatte? Es schienen einige Zweifel zu bestehen.

      6. Was benötigten die Christen in Judäa dringend?

      6 Während des letzten Jahrzehnts vor der Vernichtung des gesamten jüdischen Systems der Dinge standen die Hebräerchristen innerhalb und außerhalb der Versammlung eindeutig unter starkem Druck. Sie benötigten Ermunterung. Aber sie benötigten auch Rat und Anleitung, damit sie erkennen konnten, daß der Weg, den sie sich gewählt hatten, der richtige war und daß sie nicht vergebens gelitten und ausgeharrt hatten. Erfreulicherweise ergriff Paulus die Gelegenheit und kam ihnen zu Hilfe.

      7. Warum sollten wir an dem interessiert sein, was Paulus an die Hebräerchristen schrieb?

      7 Das, was Paulus den Hebräerchristen schrieb, sollte für uns von größtem Interesse sein. Warum? Weil wir in einer Zeit leben, die der damaligen entspricht. Täglich verspüren wir den Druck von seiten einer Welt, die unter Satans Herrschaft steht (1. Johannes 5:19). Vor unseren Augen erfüllen sich die Prophezeiungen Jesu und der Apostel in bezug auf die letzten Tage und den ‘Abschluß des Systems der Dinge’ (Matthäus 24:3-14; 2. Timotheus 3:1-5; 2. Petrus 3:3, 4; Offenbarung 6:1-8). Wir müssen vor allem in geistiger Hinsicht wach bleiben, damit es uns „gelingt, all diesen Dingen, die geschehen sollen, zu entgehen“ (Lukas 21:36).

      Jemand, der größer ist als Moses

      8. Wozu forderte Paulus seine Glaubensbrüder gemäß Hebräer 3:1 auf?

      8 Paulus ging auf einen wichtigen Gedanken ein, als er schrieb: „Betrachtet den Apostel und Hohenpriester, den wir bekennen — Jesus“ (Hebräer 3:1). „Betrachten“ bedeutet „deutlich erkennen ..., völlig verstehen, eingehend betrachten“ (Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words). Paulus forderte seine Glaubensbrüder somit auf, sich eifrig zu bemühen, echte Wertschätzung zu entwickeln für die Rolle, die Jesus in Verbindung mit ihrem Glauben und ihrer Rettung spielte. Das würde sie in ihrem Entschluß bestärken, im Glauben festzustehen. Welche Rolle kam Jesus denn zu, und warum sollten wir ihn ‘betrachten’?

      9. Warum sprach Paulus von Jesus als „Apostel“ und „Hohempriester“?

      9 Paulus wandte die Begriffe „Apostel“ und „Hoherpriester“ auf Jesus an. Ein „Apostel“ ist jemand, der ausgesandt wurde, und hier bezieht sich das Wort auf das Mittel, das Gott benutzt, um sich den Menschen mitzuteilen. Ein „Hoherpriester“ ist jemand, durch den sich Menschen Gott nahen können. Diese zwei Vorkehrungen sind für die wahre Anbetung unerläßlich, und Jesus verkörpert beide. Er wurde vom Himmel gesandt, um den Menschen die Wahrheit über Gott zu lehren (Johannes 1:18; 3:16; 14:6). Jesus wurde auch zum gegenbildlichen Hohenpriester in Jehovas geistiger Tempeleinrichtung zur Vergebung der Sünde ernannt (Hebräer 4:14, 15; 1. Johannes 2:1, 2). Wenn wir die Segnungen wirklich schätzen, die wir durch Jesus erlangen können, werden wir den Mut und die Entschlossenheit haben, im Glauben weiterhin festzustehen.

      10. (a) Wie half Paulus den Hebräerchristen, die Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum zu erkennen? (b) Welche unbestreitbare Tatsache führte Paulus an, um seiner Aussage Nachdruck zu verleihen?

      10 Um den Wert des christlichen Glaubens zu betonen, zog Paulus einen Vergleich zwischen Jesus und Moses, den die Juden als den größten Propheten unter ihren Vorfahren betrachteten. Würden die Hebräerchristen voll und ganz begreifen, daß Jesus größer ist als Moses, hätten sie keinen Grund, an der Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum zu zweifeln. Wie Paulus ausführte, wurde Moses zwar für würdig erachtet, das „Haus“ Gottes — die Nation oder die Versammlung Israel — anvertraut zu bekommen, aber er war nur ein treuer Diener (4. Mose 12:7). Jesus war dagegen der Sohn, der Herr über das Haus (1. Korinther 11:3; Hebräer 3:2, 3, 5). Paulus unterstrich diesen Gedanken dadurch, daß er folgende unbestreitbare Tatsache anführte: „Natürlich wird jedes Haus von jemandem errichtet, doch der, der alle Dinge errichtet hat, ist Gott“ (Hebräer 3:4). Niemand würde bestreiten, daß Gott größer ist als irgend jemand sonst, denn er ist der Erbauer oder Schöpfer aller Dinge. Da Jesus Gottes Mitarbeiter war, muß er logischerweise größer sein als die gesamte übrige Schöpfung, Moses eingeschlossen (Sprüche 8:30; Kolosser 1:15-17).

      11, 12. Woran „bis zum Ende standhaft fest[zu]halten“, forderte Paulus die Hebräerchristen auf, und wie können wir seinen Rat befolgen?

      11 Die Hebräerchristen hatten tatsächlich eine äußerst begünstigte Stellung. Paulus erinnerte sie daran, daß sie „Mitgenossen der himmlischen Berufung“ waren, ein Vorrecht, das weit höher einzuschätzen war als alles, was das jüdische System zu bieten hatte (Hebräer 3:1). Die Worte des Paulus erfüllten die gesalbten Christen gewiß mit Dankbarkeit für das neue Erbe, das ihnen in Aussicht stand, und sie trauerten nicht dem nach, was sie in Verbindung mit ihrem jüdischen Erbe aufgegeben hatten (Philipper 3:8). Paulus forderte sie auf, an ihrem Vorrecht festzuhalten und es nicht als selbstverständlich zu betrachten, indem er sagte: „Christus ... war als ein Sohn über SEIN [Gottes] Haus treu. Wir sind SEIN Haus, wenn wir an unserem Freimut der Rede und unserem Rühmen der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten“ (Hebräer 3:6).

      12 Ja, wenn die Hebräerchristen den bevorstehenden Abschluß des jüdischen Systems der Dinge überleben wollten, mußten sie an der von Gott erhaltenen Hoffnung „bis zum Ende standhaft festhalten“. Dasselbe müssen wir heute tun, wenn wir das Ende des gegenwärtigen Systems überleben möchten (Matthäus 24:13). Wir dürfen nicht zulassen, daß die Sorgen des Lebens, die Gleichgültigkeit der Menschen oder unsere eigenen unvollkommenen Neigungen unseren Glauben an Gottes Verheißungen zum Wanken bringen (Lukas 21:16-19). Um zu sehen, wie wir befestigt werden können, wollen wir den weiteren Worten des Paulus Beachtung schenken.

      „Verhärtet euer Herz nicht“

      13. Welche warnenden Worte äußerte Paulus, und wie wandte er Psalm 95 an?

      13 Nachdem Paulus auf die begünstigte Stellung der Hebräerchristen eingegangen war, äußerte er die warnenden Worte: „Darum, wie der heilige Geist sagt: ‚Heute, wenn ihr auf seine eigene Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht wie zu der Zeit, da zur Erbitterung Anlaß gegeben wurde, wie an dem Tag, an dem in der Wildnis die Probe gemacht wurde‘ “ (Hebräer 3:7, 8). Paulus zitierte aus dem 95. Psalm und konnte daher schreiben: „... wie der heilige Geist sagt“ (Psalm 95:7, 8; 2. Mose 17:1-7).b Die Bibel wurde von Gott durch seinen heiligen Geist inspiriert (2. Timotheus 3:16).

      14. Wie reagierten die Israeliten auf das, was Jehova für sie getan hatte, und warum?

      14 Nach ihrer Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten wurde den Israeliten die große Ehre zuteil, ein Bundesverhältnis mit Jehova einzugehen (2. Mose 19:4, 5; 24:7, 8). Doch statt Wertschätzung für das zu zeigen, was Gott für sie getan hatte, handelten sie bald rebellisch (4. Mose 13:25 bis 14:10). Wie konnte das geschehen? Paulus wies auf den Grund hin: die Verhärtung ihrer Herzen. Aber wie konnten Herzen, die einmal empfindlich reagierten und für Gottes Wort empfänglich waren, sich verhärten? Und was müssen wir tun, um das zu verhindern?

      15. (a) Inwiefern war und ist ‘Gottes eigene Stimme’ zu hören? (b) Welche Fragen müssen wir uns in bezug auf ‘Gottes Stimme’ stellen?

      15 Paulus leitete seine Warnung mit dem Bedingungssatz ein: „Wenn ihr auf seine eigene Stimme hört ...“ Gott sprach durch Moses und durch andere Propheten zu seinem Volk. Schließlich sprach Jehova zu ihm durch seinen Sohn, Jesus Christus (Hebräer 1:1, 2). Heute verfügen wir über das vollständige inspirierte Wort Gottes, die Heilige Schrift. Wir haben auch den „treuen und verständigen Sklaven“, den Jesus beauftragt hat, für geistige „Speise zur rechten Zeit“ zu sorgen (Matthäus 24:45-47). Auf diese Weise spricht Gott immer noch. Doch hören wir auf ihn? Wie reagieren wir beispielsweise auf Rat in bezug auf die Kleidung und die sonstige äußere Erscheinung oder die Wahl der Unterhaltung und der Musik? ‘Hören’ wir, das heißt, achten wir auf Rat, und befolgen wir ihn? Wenn wir die Gewohnheit haben, nach Ausflüchten zu suchen oder gegen Rat Einwände zu erheben, setzen wir uns der heimtückischen Gefahr aus, unser Herz zu verhärten.

      16. Auf welche Weise können wir unser Herz unter anderem verhärten?

      16 Wir können unser Herz auch dadurch verhärten, daß wir uns von etwas losbitten, was wir tun könnten und sollten (Jakobus 4:17). Trotz all dem, was Jehova für die Israeliten getan hatte, versagten sie darin, Glauben auszuüben; sie rebellierten gegen Moses, wollten lieber einem schlechten Bericht über Kanaan Glauben schenken und lehnten es ab, in das Land der Verheißung einzuziehen (4. Mose 14:1-4). Jehova bestimmte daher, daß sie 40 Jahre in der Wildnis zubringen mußten — so lange, bis die ungläubigen Angehörigen jener Generation gestorben waren. Empört sagte Gott sie betreffend: „ ‚Immer gehen sie in ihrem Herzen irre, und sie selbst haben meine Wege nicht erkannt.‘ Da schwor ich in meinem Zorn: ‚Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen‘ “ (Hebräer 3:9-11). Können wir daraus eine Lehre für uns ziehen?

      Eine Lehre für uns

      17. Warum fehlte es den Israeliten an Glauben, obwohl sie Jehovas mächtige Taten sahen und seine Äußerungen hörten?

      17 Die Generation der Israeliten, die aus Ägypten auszog, sah mit eigenen Augen die mächtigen Taten Jehovas und hörte mit eigenen Ohren seine Äußerungen. Trotzdem glaubten jene Israeliten nicht, daß Gott sie sicher in das Land der Verheißung führen könnte. Warum? „Sie selbst haben meine Wege nicht erkannt“, sagte Jehova. Sie wußten, was Jehova gesagt und getan hatte, aber sie hatten kein Vertrauen in seine Fähigkeit entwickelt, für sie zu sorgen. Sie waren so sehr auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche fixiert, daß sie sich kaum Gedanken über Gottes Wege und seinen Vorsatz machten. Ja, ihnen fehlte der Glaube an seine Verheißung.

      18. Welche Handlungsweise führt nach den Worten des Paulus zu ‘einem bösen Herzen des Unglaubens’?

      18 Die weiteren Worte an die Hebräer treffen ohne Abstriche auch auf uns zu: „Nehmt euch in acht, Brüder, daß sich nicht in einem von euch jemals ein böses Herz des Unglaubens entwickelt, indem er sich von dem lebendigen Gott zurückzieht“ (Hebräer 3:12). Paulus traf den Kern der Sache, indem er darauf hinwies, daß „ein böses Herz des Unglaubens“ das Ergebnis ist, wenn man „sich von dem lebendigen Gott zurückzieht“. In seinem Brief hatte er bereits erwähnt, daß man auf Grund von Unaufmerksamkeit „abgleiten“ kann (Hebräer 2:1). Der griechische Begriff, der mit „sich zurückziehen“ wiedergegeben wurde, bedeutet allerdings „in dem Abstehen (Abfallen)“ und ist mit dem Wort für „Abtrünnigkeit“ verwandt. Er bezeichnet ein vorsätzliches und bewußtes Auflehnen, Sichzurückziehen und Sichlossagen unter Bekundung von Verachtung.

      19. Wieso kann das Versäumnis, auf Rat zu hören, ernste Folgen haben? Veranschauliche es.

      19 Daraus können wir die Lehre ziehen, daß es nicht lange dauern würde, bis unser Herz hart oder verhärtet wäre, wenn wir der Gewohnheit verfallen würden, nicht ‘auf seine eigene Stimme zu hören’, indem wir Rat außer acht ließen, den Jehova durch sein Wort und die treue Sklavenklasse gibt. Zum Beispiel könnte ein unverheiratetes Paar etwas zu weit gegangen sein. Was wäre, wenn sie über die Angelegenheit einfach hinweggehen würden? Würden sie dadurch von einer Wiederholung abgehalten, oder würde es ihnen nicht eher leichter fallen, es wieder zu tun? Und wenn die Sklavenklasse uns den Rat gibt, in bezug auf Musik und Unterhaltung unbedingt wählerisch zu sein, sind wir dann dankbar für den Rat und nehmen nötigenfalls Änderungen vor? Paulus forderte auch dazu auf, ‘das Zusammenkommen nicht aufzugeben’ (Hebräer 10:24, 25). Trotz dieses Rates sind einige gegenüber christlichen Zusammenkünften gleichgültig eingestellt. Sie denken vielleicht, es sei gar nicht von Belang, wenn sie diese häufiger versäumen oder bestimmte Zusammenkünfte gar nicht besuchen.

      20. Warum ist es unerläßlich, daß wir für biblischen Rat empfänglich sind?

      20 Wenn wir für Jehovas „Stimme“ nicht empfänglich sind, die durch Bibeltexte und durch biblische Veröffentlichungen deutlich zum Ausdruck kommt, werden wir bald feststellen müssen, daß wir uns ‘von dem lebendigen Gott zurückziehen’. Sich passiv zu verhalten und Rat nicht zu beachten kann leicht dazu führen, daß man Rat aktiv herabsetzt, kritisiert und sich ihm widersetzt. Wird nichts dagegen unternommen, ist das Ergebnis „ein böses Herz des Unglaubens“, und es ist normalerweise sehr schwer, von solch einem Lauf wieder völlig abzulassen. (Vergleiche Epheser 4:19.) Jeremia schrieb treffend: „Das Herz ist verräterischer als sonst irgend etwas und ist heillos. Wer kann es kennen?“ (Jeremia 17:9). Darum forderte Paulus seine hebräischen Glaubensbrüder auf: „Ermahnt einander weiterhin jeden Tag, solange es ‚heute‘ heißen mag, damit keiner von euch durch die trügerische Macht der Sünde verhärtet werde“ (Hebräer 3:13).

      21. Wozu werden wir alle aufgefordert, und was für Aussichten haben wir?

      21 Wie glücklich wir doch sind, daß Jehova heute immer noch durch sein Wort und seine Organisation zu uns spricht! Wir sind dankbar, daß der „treue und verständige Sklave“ uns weiterhin hilft, „an der Zuversicht, die wir zu Anfang hatten, bis zum Ende standhaft fest[zu]halten“ (Hebräer 3:14). Jetzt ist die Zeit, für Gottes Liebe und Leitung empfänglich zu sein. Wenn wir es sind, können wir einen Anteil an einer anderen wunderbaren Verheißung Jehovas haben — die Verheißung, in seine Ruhe ‘einzugehen’ (Hebräer 4:3, 10). Mit diesem Thema befaßte sich Paulus in seinen Ausführungen an die Hebräerchristen als nächstes, und damit werden auch wir uns im folgenden Artikel beschäftigen.

  • Sind wir in Gottes Ruhe eingegangen?
    Der Wachtturm 1998 | 15. Juli
    • Sind wir in Gottes Ruhe eingegangen?

      „Wer in Gottes Ruhe eingegangen ist, hat auch selbst von seinen eigenen Werken geruht“ (HEBRÄER 4:10).

      1. Warum ist Ruhe etwas so Wünschenswertes?

      RUHE. Welch ein schönes, gern gehörtes Wort! Die meisten von uns, die in der schnellebigen, hektischen Welt von heute leben, werden zustimmen, daß ein wenig Ruhe etwas höchst Willkommenes ist. Ob jung oder alt, verheiratet oder ledig, möglicherweise fühlen wir uns allein schon durch das Alltagsleben stark belastet und sind erschöpft. Für Personen mit körperlichen Schwächen oder Gebrechen ist jeder Tag eine Herausforderung. In der Bibel heißt es, daß „die gesamte Schöpfung zusammen fortgesetzt seufzt und zusammen in Schmerzen liegt bis jetzt“ (Römer 8:22). Jemand, der ruht, ist nicht unbedingt faul. Ruhe ist ein natürliches Bedürfnis, dem entsprochen werden muß.

      2. Seit wann ruht Jehova?

      2 Auch Jehova Gott ruht. Im Bibelbuch 1. Mose lesen wir: „So kamen die Himmel und die Erde und ihr ganzes Heer zu ihrer Vollendung. Und bis zum siebten Tag kam Gott zur Vollendung seines Werkes, das er gemacht hatte, und er begann am siebten Tag von all seinem Werk zu ruhen, das er gemacht hatte.“ Jehova verband eine besondere Bedeutung mit dem „siebten Tag“, denn der inspirierte Bericht lautet weiter: „Gott ging daran, den siebten Tag zu segnen und ihn zu heiligen“ (1. Mose 2:1-3).

      Gott ruhte von seinem Werk

      3. Aus welchen Gründen ruht Gott sicher nicht?

      3 Warum ruhte Gott am „siebten Tag“? Natürlich ruhte er nicht, weil er müde war. Jehova verfügt über eine „Fülle dynamischer Kraft“ und „wird nicht müde noch matt“ (Jesaja 40:26, 28). Gott ruhte auch nicht, weil er eine Ruhepause oder etwas Abwechslung brauchte, denn Jesus ließ uns wissen: „Mein Vater hat bis jetzt fortwährend gewirkt, und ich wirke fortwährend“ (Johannes 5:17). Auf jeden Fall „ist [Gott] ein GEIST“ und nicht an Biorhythmen und körperliche Bedürfnisse gebunden wie Geschöpfe aus Fleisch und Blut (Johannes 4:24).

      4. Inwiefern war der ‘siebte Tag’ verschieden von den vorausgegangenen sechs „Tagen“?

      4 Wie können wir Aufschluß darüber erhalten, warum Gott am „siebten Tag“ ruhte? Wir entnehmen ihn dem Hinweis, daß Gott zwar sehr zufrieden mit dem war, was er während des langen Zeitraums der sechs vorangegangenen Schöpfungs„tage“ vollbracht hatte, daß er aber den „siebten Tag“ speziell segnete und ihn für „heilig“ erklärte. „Heilig“ wird gemäß einem Wörterbuch (Concise Oxford Dictionary) definiert als „ausschließlich gewidmet oder bestimmt (einem Gott oder einem gewissen religiösen Zweck)“. Daß Jehova den „siebten Tag“ segnete und ihn für heilig erklärte, zeigt folglich an, daß es nicht um irgendwelche Bedürfnisse seinerseits ging, sondern daß zwischen diesem Tag und seiner „Ruhe“ sowie seinem heiligen Willen und seinem Vorsatz irgendeine Verbindung bestehen muß. Was ist das für eine Verbindung?

      5. Was setzte Gott während der sechs Schöpfungs„tage“ in Gang?

      5 Während der sechs vorangegangenen Schöpfungs„tage“ hatte Gott all die Kreisläufe in Gang gesetzt und die Gesetze festgelegt, die unter anderem die Abläufe auf der Erde lenken. Wissenschaftlern wird heute bewußt, wie wunderbar alles gestaltet ist. Gegen Ende des „sechsten Tages“ erschuf Gott das erste Menschenpaar und setzte es in „einen Garten in Eden, gegen Osten“. Zu guter Letzt gab Gott seinen Vorsatz hinsichtlich der Menschheitsfamilie und der Erde mit folgenden prophetischen Worten bekannt: „Seid fruchtbar, und werdet viele, und füllt die Erde, und unterwerft sie euch, und haltet euch die Fische des Meeres und die fliegenden Geschöpfe der Himmel untertan und jedes lebende Geschöpf, das sich auf der Erde regt“ (1. Mose 1:28, 31; 2:8).

      6. (a) Wie dachte Gott am Ende des ‘sechsten Tages’ über alles, was er erschaffen hatte? (b) In welchem Sinn ist der ‘siebte Tag’ heilig?

      6 Mit Bezug auf das Ende des ‘sechsten Tages’ der Schöpfung heißt es in dem Bericht: „Gott [sah] alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1:31). Gott war zufrieden mit allem, was er erschaffen hatte. Deshalb ruhte er oder ließ ab von weiterer schöpferischer Tätigkeit auf der Erde. So vollkommen und schön der paradiesische Garten damals auch war, er umfaßte nur ein kleines Gebiet, und es gab erst zwei Menschengeschöpfe auf der Erde. Es würde einige Zeit dauern, bis die Erde und die Menschheitsfamilie den Zustand erreicht hätten, den Gott vorgesehen hatte. Zu diesem Zweck bestimmte er einen „siebten Tag“, an dem sich alles, was er an den vorausgegangenen sechs „Tagen“ erschaffen hatte, im Einklang mit seinem heiligen Willen entfalten sollte. (Vergleiche Epheser 1:11.) Wenn der ‘siebte Tag’ endet, wird die ganze Erde ein Paradies sein, das ewig von einer Familie vollkommener Menschen bewohnt werden wird (Jesaja 45:18). Der ‘siebte Tag’ ist der Verwirklichung und der Erfüllung des Willens Gottes in Verbindung mit der Erde und der Menschheit gewidmet oder dafür abgesondert. In diesem Sinn ist er „heilig“.

      7. (a) In welcher Hinsicht ruhte Gott am „siebten Tag“? (b) Was wird gegen Ende des „siebten Tages“ der Fall sein?

      7 So ruhte Gott am „siebten Tag“ von seiner schöpferischen Tätigkeit. Er trat sozusagen zurück und gestattete dem, was er in Gang gesetzt hatte, seinen Lauf zu nehmen. Er hat volles Vertrauen, daß gegen Ende des „siebten Tages“ alles genau so ausgegangen sein wird, wie er es beabsichtigt hat. Selbst wenn es Hindernisse gegeben hat, werden sie überwunden sein. Alle gehorsamen Menschen werden daraus Nutzen ziehen, wenn Gottes Wille ganz und gar verwirklicht sein wird. Nichts wird dies verhindern, weil Gottes Segen auf dem „siebten Tag“ ruht und er ihn „heiligte“. Welch eine wunderbare Aussicht für gehorsame Menschen!

      Israel versäumte es, in Gottes Ruhe einzugehen

      8. Wann und wie kam es dazu, daß die Israeliten den Sabbat beobachteten?

      8 Die Nation Israel zog Nutzen aus dem, was Jehova in Verbindung mit Arbeit und Ruhe vorsah. Schon bevor Gott den Israeliten am Berg Sinai das Gesetz gab, sagte er ihnen durch Moses: „Beachtet die Tatsache, daß Jehova euch den Sabbat gegeben hat. Darum gibt er euch am sechsten Tag das Brot für zwei Tage. Ein jeder bleibe an seiner eigenen Stelle. Niemand gehe am siebten Tag aus seinem Ort hinaus.“ Daraufhin „machte sich [das Volk] daran, den Sabbat am siebten Tag zu beobachten“ (2. Mose 16:22-30).

      9. Warum war das Sabbatgebot zweifellos eine willkommene Änderung für die Israeliten?

      9 Diese Vorkehrung war etwas Neues für die Israeliten, die gerade aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden waren. Die Ägypter und andere Völker maßen zwar die Zeit in Zeiträumen von fünf bis zehn Tagen, aber es ist unwahrscheinlich, daß den versklavten Israeliten ein Ruhetag gegönnt wurde. (Vergleiche 2. Mose 5:1-9.) Daher kann vernünftigerweise davon ausgegangen werden, daß das Volk Israel diese Änderung begrüßte. Die Israeliten sollten das Sabbatgebot nicht als Bürde oder Einschränkung betrachten, sondern es sollte für sie eine Freude sein, dieses Gebot zu beachten. Wie Gott später zu den Israeliten sagte, sollte der Sabbat sogar als Erinnerung an die Sklaverei in Ägypten dienen sowie daran, daß er sie daraus befreit hatte (5. Mose 5:15).

      10, 11. (a) Was hätten die Israeliten genießen können, wenn sie gehorcht hätten? (b) Warum gingen die Israeliten nicht in Gottes Ruhe ein?

      10 Hätten sich die Israeliten, die mit Moses aus Ägypten gekommen waren, als gehorsam erwiesen, wäre ihnen das Vorrecht zuteil geworden, in das von Gott verheißene „Land, das von Milch und Honig fließt“, einzugehen (2. Mose 3:8). Dort hätten sie wahre Ruhe genossen, nicht nur am Sabbat, sondern ihr Leben lang (5. Mose 12:9, 10). Das war jedoch nicht der Fall. Sie betreffend schrieb der Apostel Paulus: „Wer waren die, die hörten und dennoch zur Erbitterung aufreizten? Taten dies denn nicht alle, die unter Moses aus Ägypten auszogen? Wer wurde außerdem Gott vierzig Jahre lang zum Abscheu? Waren es nicht die, die sündigten, deren Leichen in der Wildnis fielen? Wem anders aber schwor er, daß sie nicht in seine Ruhe eingehen sollten, als denen, die ungehorsam handelten? So sehen wir, daß sie wegen ihres Unglaubens nicht eingehen konnten“ (Hebräer 3:16-19).

      11 Welch eine eindringliche Lektion für uns! Weil dem Volk der Glaube an Jehova fehlte, erlangte die Generation nicht die Ruhe, die er ihr verheißen hatte. Statt dessen kam sie in der Wildnis um. Die Israeliten erkannten nicht, daß sie als Nachkommen Abrahams eng mit Gottes Willen in Verbindung standen, allen Nationen der Erde Segnungen zuteil werden zu lassen (1. Mose 17:7, 8; 22:18). Statt im Einklang mit dem göttlichen Willen zu wirken, ließen sie sich völlig durch ihre weltlichen, selbstsüchtigen Wünsche ablenken. Mögen wir niemals solch einem Lauf verfallen! (1. Korinther 10:6, 10).

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