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Ein weitverbreiteter GlaubeDer Wachtturm 2008 | 1. November
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Ein weitverbreiteter Glaube
„Ich hatte Albträume von der Hölle. In meinen Träumen wurde ich ins Feuer geworfen. Jedes Mal bin ich schreiend aufgewacht. Dass ich mich sehr bemühte, nicht zu sündigen, muss ich wohl nicht extra erwähnen“ (Arline).
NICHT wenige sind davon überzeugt, dass Sünder in der Hölle gequält werden. Nehmen wir nur einmal eine Umfrage aus dem Jahr 2005, die ein Theologe von der schottischen Universität Saint Andrews durchführte. Danach glaubt ein Drittel der schottischen Geistlichen, dass alle, die von Gott entfremdet sind, „ewige psychische Qualen in der Hölle erleiden“. Und ein Fünftel der Geistlichen glaubt an buchstäbliche Höllenqualen.
Der Glaube an die Hölle ist weit verbreitet. Nach einer Meinungsumfrage, die im Jahr 2007 in den USA gemacht wurde, glauben 70 Prozent der Befragten an die Hölle. Auch in Ländern, wo Religion keine so große Rolle spielt, ist die Vorstellung von einer Hölle noch lange nicht ausgestorben. In Kanada beispielsweise gaben 2004 in einer Umfrage 42 Prozent an, von der Existenz einer Hölle überzeugt zu sein. In Großbritannien waren es 32 Prozent.
Was Geistliche lehren
Viele Geistliche sind davon abgekommen, zu lehren, die Hölle sei ein Ort buchstäblicher Qual. Sie stützen vielmehr die Auffassung, die im Katechismus der Katholischen Kirche (1993) zum Ausdruck kommt. Dort heißt es: „Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott.“
Der Glaube an eine Hölle als Ort psychischer oder buchstäblicher Qualen hat sich also bis heute gehalten. Befürworter behaupten, er stütze sich auf die Bibel. Albert Mohler, Präsident des Theologischen Seminars der Südlichen Baptisten, sagte beispielsweise: „Es steht einfach so in der Heiligen Schrift.“
Warum es wichtig ist, was man glaubt
Wenn die Hölle wirklich ein Ort der Qual ist, hat man allen Grund, sich davor zu fürchten. Ist diese Lehre aber unbiblisch, würden Geistliche, die sie vertreten, nur Verwirrung stiften und unnötige Ängste schüren. Auch würden sie Gott in ein schlechtes Licht rücken.
Was lehrt die Bibel, Gottes Wort? In den nächsten Artikeln werden katholische und evangelische Bibeln zitiert, um drei Fragen zu beantworten: 1. Was geschieht wirklich nach dem Tod? 2. Was hat Jesus über die Hölle gelehrt? 3. Wie kann es sich auf einen auswirken, wenn man die Wahrheit über die Hölle erfährt?
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Was geschieht wirklich nach dem Tod?Der Wachtturm 2008 | 1. November
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Was geschieht wirklich nach dem Tod?
Klemens von Alexandria, ein Kirchenschriftsteller des 2. und 3. Jahrhunderts, war davon überzeugt, dass alle Seelen unsterblich sind — auch die der Bösen. Wie er schrieb, würden sie die ewige Strafe unauslöschlichen Feuers erleiden und nie sterben. Es sei unmöglich, sie von ihren Leiden zu erlösen.
WENN man wie Klemens die Ansicht vertritt, die Hölle sei ein Ort der Qualen, geht man davon aus, dass die menschliche Seele unsterblich ist. Lehrt das die Bibel? Es ist interessant, wie sie folgende Fragen beantwortet:
Hatte der erste Mensch, Adam, eine unsterbliche Seele? In der Elberfelder Bibel heißt es über die Erschaffung Adams: „Da bildete Gott, der HERR, den Menschen, aus Staub vom Erdboden und hauchte in seine Nase Atem des Lebens; so wurde der Mensch eine lebende Seele“ (1. Mose 2:7). Hier wird nicht gesagt, Adam hätte eine Seele bekommen.
Was war die Strafe für Adams Sünde? Gott sprach nicht davon, dass er ewig in der Hölle gequält werden würde. Er sagte zu ihm, wie es die Einheitsübersetzung ausdrückt: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zurückkehrst zum Ackerboden; von ihm bist du ja genommen. Denn Staub bist du, zum Staub musst du zurück“ (1. Mose 3:19; Kursivschrift von uns). Gott deutete mit keinem Wort an, dass irgendein Teil Adams nach seinem Tod weiterleben würde. Als Adam starb, starb auch die Seele Adam.
Hat irgendein Mensch eine unsterbliche Seele? Gott sagte zu dem Propheten Hesekiel: „Die Seele, die da sündigt, die soll sterben“ (Hesekiel 18:4, Menge). Und der Apostel Paulus schrieb: „Durch einen einzigen Menschen [Adam] kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten“ (Römer 5:12, Einheitsübersetzung). Da also alle Menschen sündigen, sterben alle Seelen.
Weiß oder fühlt eine tote Seele irgendetwas? In der Heiligen Schrift heißt es: „Die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts“ (Prediger 9:5, Lutherbibel). Außerdem sagt die Bibel über das, was mit den Menschen beim Tod geschieht: „Sie kehren zurück zu ihrer Erde; am selben Tage vergehen alle ihre Gedanken“ (Psalm 145:4, Allioli [146:4, NW]). Wie sollten die Toten irgendwelche Qualen spüren können, wenn sie nichts wissen und ihre Gedanken vergangen sind?
Jesus Christus verglich den Tod nicht mit einem Zustand, in dem man bei Bewusstsein ist, sondern mit dem Schlaf (Johannes 11:11-14).a Der eine oder andere wendet jetzt vielleicht ein: „Aber Jesus hat doch selbst gesagt, dass es in der Hölle heiß ist und dass dort die Sünder hinkommen.“ Was sagte Jesus wirklich über die Hölle?
[Fußnote]
a Näheres enthält der Artikel „Was wir von Jesus lernen: Ist mit dem Tod alles aus?“ auf Seite 16 und 17.
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Was hat Jesus über die Hölle gelehrt?Der Wachtturm 2008 | 1. November
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Was hat Jesus über die Hölle gelehrt?
Jesus sagte: „Wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt“ (Markus 9:47, 48, Einheitsübersetzung).
Bei einer anderen Gelegenheit beschrieb Jesus, wie er über die Bösen Gericht hält: „Geht mir aus den Augen, Gott hat euch verflucht! Fort mit euch in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist!“ Jesus sprach in diesem Zusammenhang auch von einer „ewigen Strafe“ (Matthäus 25:41, 46, Gute Nachricht Bibel).
BEIM Lesen dieser Texte könnte man denken, Jesus würde die Lehre vom Höllenfeuer stützen. Allerdings wollte er bestimmt nicht der biblischen Aussage widersprechen: „Die Lebenden wissen, dass sie sterben werden, die Toten aber wissen nichts“ (Prediger 9:5, Lutherbibel).
Was meinte er dann mit den Worten, die Bösen würden „in die Hölle“ geworfen werden? Ist das „ewige Feuer“, von dem er sprach, symbolisch oder buchstäblich zu verstehen? Was ist mit der „ewigen Strafe“ für die Bösen gemeint? Gehen wir einmal näher auf diese Fragen ein.
Was meinte Jesus mit den Worten, die Bösen würden „in die Hölle“ geworfen werden? Das Wort „Hölle“ in Markus 9:47 ist eine Übersetzung des griechischen Wortes géenna. Es leitet sich von den hebräischen Wörtern gē und hinnóm ab, die „Tal Hinnom“ bedeuten. Dieses Tal befand sich gleich außerhalb Jerusalems. Zur Zeit der israelitischen Könige praktizierte man dort etwas Abscheuliches: Man opferte Kinder. Gott kündigte allen, die einen solchen Akt der falschen Anbetung verübten, die Vernichtung an. Das Hinnomtal sollte dann „Mordtal“ genannt werden. Dort würden „die Leichen dieses Volkes“ ohne Begräbnis liegen bleiben (Jeremia 7:30-34, Gute Nachricht Bibel). Jehova hat damit vorhergesagt, dass das Hinnomtal einmal zu einem Massengrab werden würde — nicht zu einem Ort, an dem Menschen gequält werden.
Zur Zeit Jesu benutzten die Einwohner Jerusalems das Hinnomtal als Müllhalde. Außerdem warfen sie die Leichen einiger Schwerverbrecher dorthin. Man unterhielt dort ein ständig brennendes Feuer, um den Abfall und die Leichen zu beseitigen.
Als Jesus davon sprach, dass der Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt, bezog er sich anscheinend auf Jesaja 66:24. Dort heißt es über die Leichname der Menschen, die Gott abtrünnig geworden waren: „Ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen“ (Lutherbibel). Jesus und seine Zuhörer wussten, dass sich diese Worte Jesajas auf Personen bezogen, die kein Begräbnis verdienten.
Daher gebrauchte Jesus das Hinnomtal oder die Gehenna als treffenden Vergleich für einen Tod, aus dem es keine Auferstehung gibt. Er bekräftigte diesen Gedanken noch, als er von Gott sagte, dass er „Seele und Leib in der Gehenna zu verderben vermag“ (Matthäus 10:28, Schumacher). Die Gehenna symbolisiert somit ewigen Tod — nicht ewige Qual.
Ist das „ewige Feuer“, von dem Jesus sprach, symbolisch oder buchstäblich zu verstehen? Das „ewige Feuer“, das Jesus in Matthäus 25:41 erwähnte, ist für „den Teufel und seine Engel vorbereitet“. Wäre es logisch zu glauben, buchstäbliches Feuer könne einem Geistwesen etwas ausmachen? Ist es nicht naheliegend, dass Jesus hier ein symbolisches Feuer meinte? Jesus sprach in diesem Zusammenhang übrigens auch von „Schafen“ und „Böcken“, die genauso wenig buchstäblich zu verstehen sein können. Sie stellen zwei Gruppen von Menschen dar (Matthäus 25:32, 33). Das „ewige Feuer“ verbrennt die Bösen somit auf sinnbildliche Weise.
Was ist mit der „ewigen Strafe“ für die Bösen gemeint? Viele Bibeln sprechen in Matthäus 25:46 von einer „Strafe“. Die Grundbedeutung des entsprechenden griechischen Wortes kólasin ist „Bäume beschneiden“, das heißt Überflüssiges abschneiden. Die Menschen, die Jesus mit Schafen vergleicht, erhalten ewiges Leben, während reuelose Sünder, die er mit Böcken vergleicht, als „ewige Strafe“ für immer vom Leben abgeschnitten werden.
Zu welchem Schluss muss man kommen?
Jesus sagte mit keinem Wort, dass Menschen eine unsterbliche Seele haben. Er erwähnte aber oft die Auferstehung der Toten (Lukas 14:13, 14; Johannes 5:25-29; 11:25). Warum sollte Jesus von einer Auferstehung sprechen, wenn er der Überzeugung gewesen wäre, dass die Seelen gar nicht sterben?
Jesus lehrte nicht, dass Gott so grausam ist und die Bösen für immer quält. Er sagte vielmehr: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Johannes 3:16, Einheitsübersetzung). Jesus deutete hier an, dass alle, die nicht an ihn glauben, sterben werden. Würden sie für immer leben und gequält werden, hätte er sie dann nicht davor gewarnt?
Die Höllenlehre ist unbiblisch. Es handelt sich dabei um eine heidnische Vorstellung, die als christliche Lehre hingestellt wird. (Siehe den Kasten „Ein Überblick über die Geschichte der Hölle“ auf Seite 6.) Gott käme es nie in den Sinn, jemanden in der Hölle zu quälen. Wie kann es sich auf das Verhältnis zu Gott auswirken, wenn man die Wahrheit über die Hölle kennt?
[Kasten auf Seite 6]
EIN ÜBERBLICK ÜBER DIE GESCHICHTE DER HÖLLE
HEIDNISCHER URSPRUNG: Die alten Ägypter glaubten an eine Feuerhölle. In dem Buch Am-Tuat (1375 v. u. Z.) heißt es: „Du sollst mit dem Kopf zuerst in die Feuergruben geschleudert werden. Du sollst nicht daraus entkommen, du sollst nicht imstande sein zu fliehen vor den Flammen“. Der griechische Philosoph Plutarch (um 46 bis 120 u. Z.) sagte von den Bewohnern der Unterwelt: „Sie waren schrecklichen Qualen und entehrenden, schmerzhaften Strafen unterworfen, jammerten . . . und weinten laut auf“.
JÜDISCHE SEKTEN BEEINFLUSST: Wie der Geschichtsschreiber Josephus (37 bis um 100 u. Z.) berichtet, glaubten die Essener, dass „die Seelen unsterblich seien für immer und ewig“. Weiter sagte er: „Mit den Söhnen Griechenlands stimmen sie in der Lehre überein . . . Auf die Schlechten harrt nach ihrer Meinung eine finstere, eiskalte Höhle, der Ort ewiger Strafe.“
VOM „CHRISTENTUM“ ÜBERNOMMEN: In dem apokryphen Buch Die Apokalypse Petri aus dem 2. Jahrhundert u. Z. wird über die Bösen gesagt: „Für sie wird ein Feuer angezündet, das nicht verlöscht.“ Dort heißt es auch: „Der Engel des Zorns, Esrael, bringt Männer und Frauen herbei, die bis zur Hälfte ihres Körpers brennen. Der Engel wirft sie an einen finsteren Ort, in die Hölle. Ein Engel des Zorns peinigt sie.“ Um die gleiche Zeit zitierte der Kirchenschriftsteller Theophilus von Antiochia die griechische Prophetin Sibylle. Sie sagte über die Bösen: „Deshalb wird euch die Glut des verzehrenden Feuers erfassen, und in lodernder Lohe in Ewigkeit werdet ihr brennen täglich.“ Diese Worte reihte Theophilus unter die Dinge ein, „die wahr, nützlich, gerecht und für alle Menschen gut gemeint sind“.
ZUR RECHTFERTIGUNG VON GEWALT IM MITTELALTER: Die englische Königin Maria I. (1553 bis 1558) ließ fast 300 Protestanten auf dem Scheiterhaufen verbrennen, was ihr den Namen „Bloody Mary“ einbrachte. Sie soll gesagt haben: „Da die Seelen von Häretikern im Jenseits ewig in der Hölle brennen werden, ist es nur richtig, dass ich den göttlichen Racheakt nachahme und sie schon auf der Erde verbrenne.“
EINE NEUERE ERKLÄRUNG: Einige Kirchen haben ihre Ansicht über die Hölle revidiert. Die Lehrkommission der Kirche von England erklärte 1995: „Mit der Hölle ist nicht ewige Qual gemeint, sondern die endgültige und unwiderrufliche Erwählung dessen, was so umfassend und absolut im Widerspruch zu Gott steht, dass völlige Nichtexistenz die einzige Folge ist.“
[Kasten/Bild auf Seite 7]
WAS IST DER „SEE VON BRENNENDEM SCHWEFEL“?
In Offenbarung 20:10 heißt es, der Teufel werde „in den See von brennendem Schwefel geworfen“ und „Tag und Nacht . . . gequält, in alle Ewigkeit“ (Einheitsübersetzung). Wäre das eine buchstäbliche Qual, müsste Gott den Teufel am Leben erhalten. In der Bibel heißt es aber, dass Jesus ihn „vernichten“ wird (Hebräer 2:14, Gute Nachricht Bibel). Der Feuersee symbolisiert „den zweiten Tod“ (Offenbarung 21:8). Dabei handelt es sich nicht um den durch Adam verursachten Tod, von dem man auferweckt werden kann (1. Korinther 15:21, 22). Die Bibel sagt nicht, dass man aus dem „See von brennendem Schwefel“ je wieder herauskommt. Aus dem „zweiten Tod“ gibt es demnach keine Auferstehung.
In welchem Sinn werden dann diejenigen, die sich im Feuersee befinden, ewig gequält? Mit „quälen“ ist manchmal auch gemeint, jemanden zu verbannen. Als Jesus einmal Dämonen begegnete, riefen sie: „Bist du hergekommen, um uns schon vor der Zeit zu quälen [„in den Abgrund verbannen“]?“ (Matthäus 8:29, Lukas 8:30, 31, Gute Nachricht Bibel). Wer sich in diesem See befindet, erleidet somit die Strafe ewiger Verbannung — den „zweiten Tod“.
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Wie es sich auswirken kann, die Wahrheit über die Hölle zu erfahrenDer Wachtturm 2008 | 1. November
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Wie es sich auswirken kann, die Wahrheit über die Hölle zu erfahren
DIE Höllenlehre liefert ein völlig falsches Bild von Jehova Gott und seinen Eigenschaften. In der Bibel heißt es zwar, dass Gott die Bösen vernichten wird (2. Thessalonicher 1:6-9). Aber gerechter Zorn ist kein hervorstechendes Merkmal seiner Persönlichkeit.
Gott ist nicht böse oder rachsüchtig. Er stellte sogar einmal die Frage: „Meint ihr, ich hätte Freude daran, wenn ein Mensch wegen seiner Vergehen sterben muss?“ (Hesekiel 18:23, Gute Nachricht Bibel). Wenn Gott also keine Freude am Tod der Bösen hat, wie könnte er dann zusehen wollen, wie sie ewig gequält werden?
Das herausragendste Merkmal der Persönlichkeit Gottes ist seine Liebe (1. Johannes 4:8). „Der HERR ist gut zu allen, er erbarmt sich über alle seine Geschöpfe“ (Psalm 145:9, Gute Nachricht Bibel). Auch freut er sich, wenn Menschen ihn von Herzen lieben lernen (Matthäus 22:35-38).
Was ist die richtige Motivation: Angst vor der Hölle oder Liebe zu Gott?
Die Lehre, Seelen würden in der Hölle leiden, fördert eine krankhafte Angst vor Gott. Dagegen entwickelt jemand, der die Wahrheit über Gott erfährt und ihn lieben lernt, eine gesunde Furcht vor ihm. „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit; alle, die danach leben, sind klug“, heißt es in Psalm 111:10 (Einheitsübersetzung). Wer gottesfürchtig ist, hat keine panische Angst vor Gott, sondern Ehrfurcht und tiefen Respekt vor ihm, also eine gesunde Furcht davor, ihm zu missfallen.
Nachdem Kathleen (32) die Wahrheit über die Hölle erfahren hatte, änderte sich bei ihr alles. Früher war ihr Leben von Partys, Gewalt, Drogen und Unmoral geprägt und sie hasste sich selbst. Sie erzählt: „Ich habe meine einjährige Tochter angeschaut und mir gesagt: ‚Was tue ich ihr da nur an! Dafür komme ich bestimmt in die Hölle.‘ “ Kathleen versuchte, von den Drogen loszukommen, schaffte es aber nicht. „Ich wollte zwar ein guter Mensch werden, doch mein Leben und die Welt um mich herum waren so erbärmlich. Ich hatte einfach nicht genug Motivation, ein guter Mensch zu sein.“
Dann kam Kathleen mit Zeugen Jehovas in Kontakt. „Ich habe erfahren, dass es keine Feuerhölle gibt. Die biblischen Beweise waren total einleuchtend“, sagt sie. „Ich war so erleichtert, weil ich jetzt keine Angst mehr haben musste.“ Sie erfuhr auch, dass Gott ein Paradies versprochen hat, in dem es das Böse nicht mehr geben wird und die Menschen ewig leben werden (Psalm 37:10, 11, 29; Lukas 23:43). „Jetzt habe ich eine echte Hoffnung: ewiges Leben im Paradies.“
Hatte Kathleen jetzt, wo ihr die Angst vor einer Feuerhölle nicht mehr im Nacken saß, überhaupt noch eine Chance, mit den Drogen zu brechen? Sie erzählt: „Immer wenn ich ein starkes Verlangen nach Drogen hatte, habe ich zu Jehova um Hilfe gebetet. Ich habe darüber nachgedacht, wie er über diese schädliche Gewohnheit denkt, und wollte ihn einfach nicht traurig machen. Er hat meine Gebete erhört“ (2. Korinther 7:1). Kathleens Furcht davor, Gott zu enttäuschen, half ihr, von den Drogen loszukommen.
Liebe zu Gott und eine gesunde Furcht vor ihm — nicht die Angst vor Höllenqualen — sind eine starke Motivation, Gott zu gehorchen. Die Belohnung dafür ist ewiges Leben in Glück und Frieden. In den Psalmen heißt es: „Glücklich ein jeder, der den HERRN fürchtet, der wandelt auf seinen Wegen!“ (Psalm 128:1, Elberfelder Bibel).
[Kasten/Bilder auf Seite 9]
WER KOMMT AUS DER HÖLLE HERAUS?
Einige Bibeln stiften Verwirrung, weil sie die zwei griechischen Wörter géenna und háidēs mit nur einem Wort wiedergeben: „Hölle“. géenna steht allerdings für einen endgültigen Tod ohne Auferstehung, wohingegen alle, die sich im háidēs (Hades) befinden, wieder zum Leben kommen.
Daher konnte der Apostel Petrus nach Jesu Tod und Auferstehung sagen, dass Gott ihn „nicht in der Hölle“ gelassen hat (Apostelgeschichte 2:27, 31, 32; Psalm 16:10, Lutherbibel [1858]). Das hier mit „Hölle“ übersetzte Wort ist háidēs. Jesus befand sich nicht an einem feurigen Ort. Mit Hades oder „Hölle“ ist das Grab gemeint. Ähnlich wie Jesus werden auch noch andere aus dem Hades befreit werden.
Über die Auferstehung heißt es: „Der Tod und die Hölle gaben die Todten, die darinnen waren“ (Offenbarung 20:13, 14, Lutherbibel [1858]). Wenn die „Hölle“ geleert wird, werden alle, die Gott auferwecken möchte, wieder zum Leben kommen (Johannes 5:28, 29; Apostelgeschichte 24:15). Ist das nicht eine wunderbare Aussicht? Jehova, der Gott ewiger Liebe, wird dafür sorgen, dass wir unsere Lieben wiedersehen können.
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