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Hinduismus — Die Suche nach BefreiungDie Suche der Menschheit nach Gott
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Lehren und Wandel — Ahimsa und Warna
15. (a) Definiere die Ahimsa, und erkläre, wie die Dschaina sie anwenden. (b) Wie betrachtete Gandhi die Ahimsa? (c) Wie unterscheiden sich die Sikhs von den Hindus und den Dschaina?
15 Im Hinduismus gibt es wie in anderen Religionen gewisse Grundregeln, die das Denken und Handeln beeinflussen. Eine ganz wichtige ist die der Ahimsa, Nichtverletzung (Nichtschädigung) bzw. Gewaltlosigkeit, für die Mohandas Gandhi (1869—1948) — bekannt als der Mahatma — eingetreten ist. (Siehe Kasten, Seite 113.) Diese Grundregel besagt, daß der Hindu kein Geschöpf töten oder ihm Gewalt antun darf. Das ist einer der Gründe, warum die Hindus gewisse Tiere verehren, wie zum Beispiel die Kuh, die Schlange und den Affen. Die strengsten Verfechter der Ahimsa-Lehre und der Achtung vor dem Leben sind die Dschaina (der Dschainismus entstand im 6. Jahrhundert v. u. Z.), die barfuß gehen und sogar ein Mundtuch tragen, um nicht aus Versehen ein Insekt zu verschlucken. (Siehe Kasten, Seite 104 und Foto, Seite 108.)
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Hinduismus — Die Suche nach BefreiungDie Suche der Menschheit nach Gott
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[Kasten/Bilder auf Seite 104]
Dschainismus — Selbstverleugnung und Gewaltlosigkeit
Diese Religion mit dem altindischen Hakenkreuzsymbol wurde im 6. Jahrhundert v. u. Z. von dem reichen indischen Fürsten Nataputta Wardhamana, besser als Wardhamana Mahawira bekannt (ein Titel, der „großer Mann“ oder „großer Held“ bedeutet), gegründet. Er begann ein Leben der Selbstverleugnung und der Askese. Auf der Suche nach Erkenntnis durchwanderte er nackt „die Dörfer und Ebenen Zentralindiens, um Befreiung vom Kreislauf der Geburt, des Todes und der Wiedergeburt zu finden“ (John B. Noss, Man’s Religions). Er glaubte, daß die Erlösung der Seele nur durch extreme Selbstverleugnung und Selbstdisziplin und eine strenge Anwendung der Ahimsa (Nichtverletzen, Gewaltlosigkeit) auf alle Geschöpfe erreichbar sei. Er vertrat die Ahimsa so extrem, daß er einen weichen Besen mitführte, mit dem er sanft jedes Insekt wegwischen konnte, das ihm in den Weg kam. Sein Respekt vor dem Leben schloß auch den Schutz der Reinheit und Integrität seiner eigenen Seele ein.
Heute führen seine Anhänger in dem Bemühen, ihr Karma zu verbessern, ein ähnliches Leben der Selbstverleugnung und des Respektes vor allen anderen Geschöpfen. Wir sehen wiederum die große Wirkung, die der Glaube an die Unsterblichkeit der Menschenseele auf das menschliche Leben hat.
Heute gibt es knapp vier Millionen Anhänger dieses Glaubens, und die meisten leben in den Gebieten von Bombay und Gujarat (Indien).
[Bild]
Ein Dschaina verrichtet seine Andacht zu den Füßen der 17 m hohen Statue des Heiligen Gomateswara in Karnataka (Indien)
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