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Geschichte — Sollte man ihr trauen?Erwachet! 2001 | 8. März
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Geschichte — Sollte man ihr trauen?
„Kenntnisse über die Geschichte vermitteln . . . das Gefühl, Teil einer Gesellschaft zu sein, die lange vor unserer Geburt bestand und lange nach unserem Tod bestehen wird“ (A COMPANION TO THE STUDY OF HISTORY VON MICHAEL STANFORD).
FEHLEN Kenntnisse über die Geschichte, fehlt ein Stück Gedächtnis. Ohne dieses Wissen wären wir selbst, unsere Familie, unser Stamm oder sogar unsere Nation scheinbar ohne Wurzeln, ohne Vergangenheit. Die Gegenwart hätte keine Grundlage und, wenn überhaupt, nur wenig Bedeutung.
Die Geschichte kann ein reicher Fundus an Lehren für das Leben sein. Sie kann uns helfen, nicht immer wieder in dieselben Fallen zu tappen. Ein Philosoph behauptete einmal, wer sich nicht an die Vergangenheit erinnere, sei dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Mit der Geschichte vertraut zu sein kann unser Verständnis erweitern, was frühere Kulturen, erstaunliche Entdeckungen, faszinierende Menschen und verschiedene Sichtweisen angeht.
Aber da Geschichte von Menschen und Ereignissen in ferner Vergangenheit handelt, wie kann man da wissen, ob man ihr trauen kann? Schließlich liegt es auf der Hand, daß Geschichte auf Wahrheit beruhen muß, will man heilsame Lehren aus ihr ziehen. Stößt man dann auf Wahrheiten, sollte man sie annehmen, auch wenn sie einem nicht immer zusagen. Die Vergangenheit ähnelt einem Rosengarten — sie hat Prachtvolles, aber auch Dorniges vorzuweisen, sie kann begeistern, und sie kann Stiche versetzen.
In den folgenden Artikeln werden wir auf einige Aspekte der Geschichte eingehen, die uns helfen können, die Genauigkeit dessen, was wir lesen, zu beurteilen. Außerdem werden wir analysieren, wie authentische Geschichte einem urteilsfähigen Leser von Nutzen sein kann.
[Bild auf Seite 3]
Königin Nofretete
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Welche Lehren kann man aus der Geschichte ziehen?
[Bildnachweis auf Seite 3]
Nofretete: Ägyptisches Museum der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin
Border: Photograph taken by courtesy of the British Museum
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Was können wir aus der Vergangenheit lernen?Erwachet! 2001 | 8. März
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Was können wir aus der Vergangenheit lernen?
„Nichts ist für Historiker wichtiger, als den Zusammenhang von Ursache und Wirkung zu erfassen“ (GERALD SCHLABACH, ASSISTENZPROFESSOR FÜR GESCHICHTE).
HISTORIKER fragen oft, wie und warum es zu dieser oder jener Entwicklung kam. Beispielsweise erfahren wir aus der Geschichte, daß das Römische Reich unterging. Aber warum ging es unter? Wegen Korruption oder Vergnügungssucht? War das Reich zu schwer regierbar oder der Unterhalt des Heeres zu kostspielig geworden? Oder nahmen die Feinde Roms einfach überhand und wurden schlicht zu mächtig?
In jüngerer Vergangenheit brach in Osteuropa in einem Land nach dem anderen scheinbar über Nacht der Kommunismus zusammen, der einst als Bedrohung für den Westen galt. Aber warum? Und welche Lehren lassen sich daraus ziehen? Diese Art von Fragen versuchen Historiker zu beantworten. Aber bis zu welchem Grad wird ihre Einschätzung von persönlichen Ansichten beeinflußt?
Kann man der Geschichte trauen?
Historiker gleichen eher Detektiven als Wissenschaftlern. Sie ermitteln, stellen Fragen und fechten Aufzeichnungen aus der Vergangenheit an. Sie versuchen, die Wahrheit herauszufinden, aber oft ist das Ziel ihrer Untersuchungen verschwommen. Das liegt zum Teil daran, daß die Arbeit von Historikern hauptsächlich mit Menschen zu tun hat, und Historiker können keine Gedanken lesen — insbesondere nicht die Gedanken längst verstorbener Menschen. Außerdem haben sie vielleicht vorgefaßte Ansichten oder Vorurteile. Und so ist manchmal auch die beste Arbeit im Grunde Interpretation — eine Darstellung aus der Sicht des Historikers.
Natürlich muß die Arbeit eines Historikers nicht ungenau sein, nur weil er eine eigene Meinung hat. In den Bibelbüchern Samuel, Könige und Chronika findet man Parallelberichte, die von fünf verschiedenen Personen geschrieben wurden. Dennoch enthalten sie nachweislich keine bedeutsamen Widersprüche oder Ungenauigkeiten. Das gleiche trifft auf die vier Evangelien zu. Viele Bibelschreiber haben sogar ihre eigenen Fehler und unüberlegten Verhaltensweisen festgehalten — etwas, was man in säkularen Werken selten findet (4. Mose 20:9-12; 5. Mose 32:48-52).
Neben eventuellen Vorurteilen gibt es einen weiteren wichtigen Faktor, den man beim Lesen von Geschichtsberichten beachten muß: das Motiv des Schreibers. „Jeder Geschichtsbericht, der von jemand verfaßt wird, der Macht innehat oder der nach Macht strebt, oder von dessen Freunden, muß mit dem größten Mißtrauen betrachtet werden“, meint Michael Stanford in dem Buch A Companion to the Study of History. Das Motiv ist auch dann zu hinterfragen, wenn Geschichtswerke unterschwellig oder sogar offen den Nationalismus oder den Patriotismus verteidigen. Leider findet man dergleichen mitunter in Schulbüchern. In einer staatlichen Verordnung eines bestimmten Landes wurde ziemlich unverblümt gesagt, der Zweck des Geschichtsunterrichts sei, „in den Herzen der Menschen nationalistische und patriotische Gefühle zu fördern . . ., denn das Wissen über die Geschichte eines Landes ist einer der stärksten Anreize zu patriotischem Handeln“.
Geschichtsklitterung
Manchmal ist Geschichte nicht nur gefärbt, sondern es wird auch regelrecht Geschichtsklitterung betrieben. In der ehemaligen Sowjetunion habe man beispielsweise „den Namen Trotzki aus den Büchern gestrichen, um die Existenz des Kommissars zu verschleiern“, heißt es in dem Buch Truth in History. Wer war Trotzki? Er war ein Führer der bolschewistischen Revolution in Rußland und der wichtigste Mann nach Lenin. Nach Lenins Tod geriet Trotzki mit Stalin aneinander, er wurde aus der kommunistischen Partei ausgeschlossen und später ermordet. Sein Name wurde sogar aus sowjetischen Enzyklopädien ausradiert. Ähnliche Verdrehungen geschichtlicher Tatsachen, bei denen man sogar bis zu dem Punkt geht, nonkonformistische Bücher zu verbrennen, sind bei vielen diktatorischen Regimen gang und gäbe.
Geschichtsklitterung ist allerdings keine neue Praxis; sie war auch schon im alten Ägypten und Assyrien Usus. Stolze und eitle Pharaonen, Könige und Kaiser sorgten dafür, daß ihr geschichtliches Vermächtnis schmeichelhaft für sie war. Deshalb wurden Errungenschaften gewöhnlich übertrieben, während jedes peinliche oder unehrenhafte Detail wie eine Niederlage bei einem Kampf heruntergespielt, ausradiert, ja mitunter nicht einmal aufgezeichnet wurde. In krassem Gegensatz dazu schließt der in der Bibel aufgezeichnete Bericht über die Geschichte Israels die Verdienste und die Fehlschläge der Könige und ihrer Untertanen gleichermaßen ein.
Wie überprüfen Historiker den Wahrheitsgehalt älterer Aufzeichnungen? Sie vergleichen sie zum Beispiel mit alten Steuerunterlagen oder alten Gesetzbüchern, mit Ankündigungen von Sklavenauktionen, mit geschäftlichen und privaten Briefen und Unterlagen, mit Inschriften auf Tonscherben, mit Logbüchern oder mit Gegenständen, die sie in Gräbern oder Särgen finden. Dieses Sammelsurium gewährt oft zusätzlichen Einblick in offizielle schriftliche Berichte oder läßt sie häufig in einem anderen Licht erscheinen. Bleiben Lücken oder Unklarheiten bestehen, werden gute Historiker das gewöhnlich mitteilen, wenngleich sie unter Umständen ihre eigenen Theorien für diese Lücken zum besten geben. Ein kluger Leser wird jedenfalls nicht nur e i n Nachschlagewerk konsultieren, wenn er eine ausgewogene Erklärung haben möchte.
Trotz all der schwierigen Aufgaben, denen sich ein Historiker gegenübersieht, ist seine Arbeit sehr wertvoll. In einem Geschichtswerk heißt es: „Auch wenn es schwer ist, Weltgeschichte zu schreiben . . ., sie ist für uns wichtig, ja unentbehrlich.“ Die Geschichte ist nicht nur ein Fenster zur Vergangenheit, sondern kann auch unser Verständnis für die Lage, in der sich die Menschheit heute befindet, erweitern. Wir werden beispielsweise schnell feststellen, daß die Menschen im Altertum dieselben Charakterzüge aufwiesen wie wir heute. Diese wiederkehrenden Charakterzüge haben einen bedeutenden Einfluß auf die Geschichte gehabt; möglicherweise ist darauf die Redewendung zurückzuführen: „Die Geschichte wiederholt sich.“ Ist eine solche Verallgemeinerung jedoch vernünftig?
Wiederholt sich die Geschichte?
Läßt sich die Zukunft auf Grund der Vergangenheit korrekt vorhersagen? Bestimmte Arten von Ereignissen wiederholen sich in der Tat. Der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger sagte zum Beispiel: „Jede Zivilisation, die es bis jetzt gegeben hat, ist schließlich untergegangen.“ Weiter meinte er: „Die Geschichte ist ein einziger Bericht über gescheiterte Bestrebungen und unerfüllte Hoffnungen. . . . Als Historiker muß man daher in dem Bewußtsein leben, daß die Tragödie unvermeidlich ist.“
Die Imperien gingen nicht alle auf dieselbe Weise unter. Babylon fiel über Nacht, als es von den Medern und Persern 539 v. u. Z. eingenommen wurde. Griechenland zerbrach nach dem Tod von Alexander dem Großen in eine Anzahl Königreiche und mußte schließlich Rom weichen. Der Auslöser für den Untergang Roms ist jedoch nach wie vor umstritten. Der Historiker Gerald Schlabach stellte die Frage: „Wann ist Rom gefallen? Ist es jemals wirklich gefallen? Etwas hat sich in Westeuropa zwischen 400 u. Z. und 600 u. Z. verändert. Aber vieles ist geblieben.“a Einige Aspekte der Geschichte kehren daher wieder, andere nicht.
E i n e Lehre zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Geschichte: das Scheitern der menschlichen Herrschaft. Durch all die Jahrhunderte hindurch sind gute Regierungen immer wieder durch Eigennutz, Kurzsichtigkeit, Habgier, Korruption, Vetternwirtschaft und insbesondere durch die Gier nach Macht und Machterhalt zunichte gemacht worden. Daher strotzt die Geschichte nur so von Rüstungswettläufen, Vertragsbrüchen, Kriegen, sozialen Unruhen, Gewalt, ungerechter Vermögensverteilung und Wirtschaftszusammenbrüchen.
Interessant ist hierzu beispielsweise, was das Werk The Columbia History of the World über den Einfluß der westlichen Zivilisation auf die restliche Welt schreibt. Es heißt dort: „Nachdem Kolumbus und Cortez dafür gesorgt hatten, daß die Menschen in Westeuropa auf die Möglichkeiten aufmerksam wurden, war deren Hunger nach Bekehrten, Gewinnen und Ruhm gehörig geweckt, und die westliche Kultur wurde nahezu auf dem ganzen Erdball — vorwiegend gewaltsam — eingeführt. Mit einem unersättlichen Drang nach Ausdehnung verwandelten die Eroberer mit ihren überlegenen Waffen den Rest der Welt in ein unfreiwilliges Anhängsel der großen europäischen Mächte . . . Die Völker dieser Kontinente [Afrika, Asien und Amerika] waren, kurz gesagt, die Opfer rücksichtsloser, unerbittlicher Ausbeuter.“ Die biblischen Worte aus Prediger 8:9, daß „der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht hat“, sind wirklich wahr.
Vielleicht bewog diese klägliche Bilanz einen deutschen Philosophen zu der Bemerkung, das einzige, was man aus der Geschichte lerne, sei, daß der Mensch nichts aus der Geschichte lerne. In Jeremia 10:23 heißt es, daß „des Menschen Weg nicht in seiner Gewalt steht und daß es dem Menschen nicht gegeben ist, seinen Gang zu bestimmen und seine Schritte zu lenken“ (Jerusalemer Bibel). Diese Aussage über das Unvermögen des Menschen, „seine Schritte zu lenken“, sollte uns heute besonders interessieren. Wieso? Weil uns Probleme plagen, die, sowohl was die Menge als auch das Ausmaß angeht, so noch nie dagewesen sind. Wie werden wir sie bewältigen?
Noch nie dagewesene Probleme
Noch nie in der gesamten Menschheitsgeschichte war die Erde dermaßen bedroht von einer Kombination aus Entwaldung, Bodenerosion, Desertifikation, massiver Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten, Abbau der Ozonschicht in der Atmosphäre, Umweltverschmutzung, globaler Erwärmung, sterbenden Ozeanen und Bevölkerungsexplosion.
„Eine weitere Herausforderung, vor der die heutige Gesellschaft steht, ist das unglaubliche Tempo, in dem sich alles verändert“, heißt es in dem Buch A Green History of the World. Ed Ayres, Herausgeber der Zeitschrift World Watch, schreibt: „Wir werden mit etwas konfrontiert, was unserer kollektiven Erfahrung derart fremd ist, daß wir es nicht einmal richtig erkennen, obwohl die Anzeichen erdrückend sind. Uns erscheint dieses ‚Etwas‘ als ein plötzlich niedergehender Hagel enormer biologischer und physikalischer Veränderungen in der Welt, die uns am Leben erhält.“
Angesichts dieser und anderer damit zusammenhängender Probleme erklärt der Historiker Pardon E. Tillinghast: „Die Richtungen, in die sich die Gesellschaft bewegt, sind unendlich vielschichtig geworden, und für viele von uns sind die Dilemmas beängstigend. Welchen Rat können kompetente Historiker orientierungslosen Menschen heute anbieten? Wie es aussieht, haben sie nicht besonders viel zu bieten.“
Kompetente Historiker wissen vielleicht nicht, was zu tun oder was zu raten ist, aber das trifft ganz sicher nicht auf unseren Schöpfer zu. Im Gegenteil, er ließ in der Bibel voraussagen, in den letzten Tagen würden für die Welt „kritische Zeiten dasein . . ., mit denen man schwer fertig wird“ (2. Timotheus 3:1-5). Doch Gott ist noch weitergegangen und hat etwas getan, was Historiker nicht zu tun vermögen — er zeigte den Ausweg auf. Darauf werden wir im folgenden Artikel eingehen.
[Fußnote]
a Schlabachs Äußerungen stimmen mit der Vorhersage des Propheten Daniel überein, gemäß der das Römische Reich von einem eigenen Abkömmling abgelöst werden würde. Siehe die Kapitel 4 und 9 in dem Buch Die Prophezeiung Daniels — Achte darauf!, herausgegeben von der Wachtturm-Gesellschaft.
[Herausgestellter Text auf Seite 5]
„Jeder Geschichtsbericht, der von jemand verfaßt wird, der Macht innehat . . ., muß mit dem größten Mißtrauen betrachtet werden“ (MICHAEL STANFORD, HISTORIKER)
[Bild auf Seite 4]
Kaiser Nero
[Bildnachweis]
Roma, Musei Capitolini
[Bilder auf Seite 7]
All die Jahrhunderte hindurch hat „der Mensch über den Menschen zu seinem Schaden geherrscht“
[Bildnachweis]
„The Conquerors,“ by Pierre Fritel. Includes (left to right): Ramses II, Attila, Hannibal, Tamerlane, Julius Caesar (center), Napoléon I, Alexander the Great, Nebuchadnezzar, and Charlemagne. From the book The Library of Historic Characters and Famous Events, Vol. III, 1895; planes: USAF photo
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Die Bibel — Authentische Geschichte?Erwachet! 2001 | 8. März
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Die Bibel — Authentische Geschichte?
SIE tadelten Herrscher. Sie maßregelten Priester. Sie wiesen das einfache Volk wegen seiner Schlechtigkeit zurecht. Sie machten sogar ihre eigenen Versäumnisse und Sünden publik. Sie wurden gejagt und verfolgt, und manche wurden sogar ermordet, weil sie die Wahrheit sagten und niederschrieben. Wer ist gemeint? Die in der Bibel erwähnten Propheten, von denen viele einen Beitrag zur Heiligen Schrift leisteten (Matthäus 23:35-37).
In seinem Buch The Historian and History schrieb Page Smith: „[Die Hebräer] gingen mit ihren Helden ebenso schonungslos um wie mit ihren Bösewichten, mit sich selbst ebenso wie mit ihren Feinden, denn sie schrieben unter dem wachenden Auge Gottes und hatten nichts zu gewinnen und viel zu verlieren, wenn sie heuchelten.“ Außerdem schrieb Smith: „Neben den langweiligen Chronologien der kriegerischen Könige Syriens oder Ägyptens nimmt sich der Bericht über die Drangsale und die Triumphe eines von Gott auserwählten Volks . . . sehr packend aus. Die hebräischen Geschichtsschreiber hatten eins der wichtigsten Elemente der Berichterstattung entdeckt — sie berichteten über reale Menschen mit all ihren Fehlern und Makeln.“
Die Bibelschreiber arbeiteten zudem peinlich genau. Nach einer Untersuchung der Bibel im Licht der Geschichte und der Archäologie schrieb Werner Keller in der Einleitung zu seinem Buch Und die Bibel hat doch recht: „Angesichts der überwältigenden Fülle der authentischen und gesicherten Forschungsresultate drängte sich mir . . . immer wieder der eine Satz auf: Und die Bibel hat doch recht!“
Eine bewegte Geschichte mit eindrucksvollen Lehren
Die Bibelschreiber waren zumeist einfache Männer — Bauern, Hirten, Fischer. Doch was sie in einem Zeitraum von rund 1 600 Jahren niederschrieben, hat mehr Menschen beeinflußt als jede andere Schrift, ob alt oder modern. Außerdem sind ihre Schriften von allen Seiten angegriffen worden, jedoch vergeblich (Jesaja 40:8; 1. Petrus 1:25). Heute kann man die Bibel als Ganzes oder Teile davon in zirka 2 200 Sprachen lesen — kein anderes Buch existiert in so vielen Sprachen! Warum zeichnet gerade das die Bibel aus? Die Antwort darauf geben unter anderem folgende Hinweise:
„Die ganze Schrift ist von Gott inspiriert und nützlich zum Lehren, zum Zurechtweisen, zum Richtigstellen der Dinge, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes völlig tauglich sei, vollständig ausgerüstet für jedes gute Werk“ (2. Timotheus 3:16, 17).
„Alles, was vorzeiten geschrieben wurde, ist zu unserer Unterweisung geschrieben worden, damit wir durch unser Ausharren und durch den Trost aus den Schriften Hoffnung haben können“ (Römer 15:4).
„Diese Dinge nun widerfuhren ihnen [den Israeliten] fortgesetzt als Vorbilder, und sie sind zur Warnung für uns [Christen] geschrieben worden, auf welche die Enden der Systeme der Dinge gekommen sind“ (1. Korinther 10:11).
Ja, die Bibel ist über alle anderen Bücher erhaben, weil sie ein von Gott inspirierter und von ihm bewahrter Bericht über Menschen ist, die wirklich gelebt haben (wobei einige Gott gefielen, andere nicht). Sie ist keineswegs nur eine Auflistung von Geboten und Verboten oder eine Sammlung netter Geschichtchen zur Unterhaltung für Kinder. Freilich hat sich Gott menschlicher Schreiber bedient, doch das hat die Bibel nur bereichert und ihr eine eigene Note verliehen, die in den Herzen ihrer Leser über viele Generationen hinweg eine Saite zum Klingen gebracht hat. Der Archäologe William Albright erklärte: „Die tiefen moralischen und religiösen Eingebungen der Bibel — eine einzigartige Offenbarung Gottes für den Menschen mittels menschlicher Erfahrungen — sind heute genauso relevant wie vor zwei- oder dreitausend Jahren.“
Als Beispiel dafür, daß die Bibel heute genauso relevant ist wie damals, wollen wir an den Anfang der Menschheitsgeschichte zurückgehen — was uns nur durch die Bibel möglich ist — und einige Schlüssellektionen aus dem ersten Buch Mose betrachten.
Zeitgemäße Lektionen aus alten Erzählungen
Das erste Buch Mose verrät unter anderem Details über den Beginn der Menschheitsfamilie. Kein Geschichtswerk ist so spezifisch, was dieses Thema angeht. „Aber was für einen Wert hat es für mich heute, unsere Urahnen zu kennen?“ fragt sich der eine oder andere vielleicht. Es ist von außerordentlich hohem Wert, denn da das erste Buch Mose enthüllt, daß alle Menschen — ungeachtet ihrer Hautfarbe, Nationalität oder Stammeszugehörigkeit — von denselben Eltern abstammen, wird jedem rassistischen Gedanken der Boden entzogen (Apostelgeschichte 17:26).
Das erste Buch Mose bietet auch Anleitung in Moralfragen. Es enthält den Bericht über Sodom, Gomorra und deren Nachbarstädte, die Gott wegen der üblen sexuellen Perversion ihrer Bewohner vernichtete (1. Mose 18:20 bis 19:29). In Vers 7 des Bibelbuches Judas heißt es: „Ebenso werden Sodom und Gomorra und die umliegenden Städte, nachdem sie . . . über die Maßen Hurerei begangen hatten und dem Fleisch zu unnatürlichem Gebrauch nachgegangen waren, uns . . . als ein warnendes Beispiel hingestellt.“ Die Einwohner Sodoms und Gomorras hatten zwar keine Moralgesetze von Gott erhalten, aber sie verfügten wie alle Menschen über ein von Gott stammendes Gewissen. Deshalb konnte Gott mit Recht diese Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen (Römer 1:26, 27; 2:14, 15). Ebenso wird Gott auch heute alle Menschen für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen, ob sie sein Wort, die Heilige Schrift, akzeptieren oder nicht (2. Thessalonicher 1:8, 9).
Eine Lehre aus der Geschichte, bei der es ums Überleben geht
Ein Relief auf dem Titusbogen in Rom zeigt römische Soldaten, wie sie nach der Zerstörung der Stadt Jerusalem im Jahr 70 u. Z. heilige Gefäße aus dem Tempel wegtragen. Über eine Million Juden kamen damals um. Gehorsame Christen blieben jedoch dank der Warnung Jesu am Leben. Er hatte gesagt: „Wenn ihr . . . die Stadt Jerusalem von Heeren umlagert seht, dann erkennt, daß ihre Verwüstung nahe gekommen ist. Dann sollen die, die in Judäa sind, in die Berge zu fliehen beginnen, und die in ihrer Mitte sind, sollen hinausgehen, und die, die sich an Orten auf dem Land befinden, sollen nicht in sie hineingehen; denn dies sind Tage, in denen nach dem Recht verfahren wird“ (Lukas 21:20-22).
Die Drangsal, die über Jerusalem kam, ist aber bei weitem nicht nur alte Geschichte, sondern dient in manchen Aspekten als Beispiel für eine größere Drangsal, die bald die ganze Welt heimsuchen wird. Doch auch dann wird es wieder Menschen geben, die überleben. Sie werden als „eine große Volksmenge . . . aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen“ beschrieben. Sie kommen „aus der großen Drangsal“, weil sie an das vergossene Blut Jesu glauben — ein Glaube, der auf dem biblischen Geschichtsbericht und auf biblischen Prophezeiungen fest gegründet ist (Offenbarung 7:9, 14).
Geschichte, die sich nie mehr wiederholen wird
Wir leben heute in der Zeit der Vorherrschaft der anglo-amerikanischen Weltmacht, die in der biblischen Prophetie als letzte Weltmacht aufgeführt wird. Gemäß dem für die Geschichte typischen Muster soll sie ebenso wie die vorhergehenden Weltmächte ein Ende finden. Aber wie? Laut der Bibel wird das Ende dieser Weltmacht tatsächlich einmalig in der Geschichte sein. Mit Bezug auf das Jahr 1914 wurde in Daniel 2:44 über die herrschenden politischen Mächte oder „Königreiche“ vorausgesagt: „In den Tagen dieser Könige wird der Gott des Himmels ein Königreich aufrichten, das nie zugrunde gerichtet werden wird. Und das Königreich selbst wird an kein anderes Volk übergehen. Es wird alle diese Königreiche zermalmen und ihnen ein Ende bereiten, und selbst wird es für unabsehbare Zeiten bestehen.“
Ja, Gottes Königreich — seine himmlische Regierung unter der Führung Christi Jesu — wird die gesamte bedrückende Menschenherrschaft in Harmagedon, dem Höhepunkt der zuvor erwähnten „großen Drangsal“, mit Stumpf und Stiel ausrotten. Danach wird dieses Königreich „an kein anderes Volk übergehen“, das heißt, es wird nie gestürzt oder abgewählt werden. Seine Herrschaft wird sich „bis zu den Enden der Erde“ erstrecken (Psalm 72:8).
Dann wird das Rad der grausamen Geschichte, was die Herrschaft der falschen Religion, bedrückender politischer Systeme und des habgierigen Kommerzes angeht, endlich zum Stehen kommen. In Psalm 72:7 wird verheißen: „Der Gerechte [wird] sprossen und Fülle von Frieden, bis der Mond nicht mehr ist.“ Statt Selbstsucht und Stolz wird Gottes herausragende Eigenschaft der Liebe den Planeten durchdringen (1. Johannes 4:8). Jesus sagte: ‘Liebt einander!’ Der Historiker Will Durant meinte hierzu: „Die abschließende Lehre, die ich aus der Geschichte ziehe, entspricht dem, was Jesus lehrte. . . . Die Liebe ist das Praktischste in der Welt.“
Gottes Liebe zu den Menschen war ausschlaggebend dafür, daß die Bibel unter seiner Inspiration niedergeschrieben wurde. Die Bibel allein schenkt uns wirklich Einblick in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Beschäftigen Sie sich doch bitte mit ihrer lebenswichtigen Botschaft, indem Sie sich ein wenig Zeit dafür nehmen, die Bibel genau kennenzulernen. Zu diesem Zweck und aus Gehorsam gegenüber dem Gebot Jesu erzählen Jehovas Zeugen ihren Mitmenschen von „der guten Botschaft vom Königreich“. Diese gute Botschaft wird bald nicht mehr nur Prophetie sein. Sie wird gelebte Geschichte sein (Matthäus 24:14).
[Herausgestellter Text auf Seite 9]
„Und die Bibel hat doch recht!“ (WERNER KELLER)
[Herausgestellter Text auf Seite 11]
„Die tiefen moralischen und religiösen Eingebungen der Bibel . . . sind heute genauso relevant wie vor zwei- oder dreitausend Jahren“ (WILLIAM ALBRIGHT, ARCHÄOLOGE)
[Bilder auf Seite 9]
Mesa-Stein: Enthält die Darstellung des Konflikts zwischen Moab und Israel aus der Sicht König Mesas (2. Könige 3:4-27), die Namen verschiedener biblischer Orte sowie den Namen Gottes in alten hebräischen Buchstaben
[Bildnachweis]
(Musée du Louvre, Paris).
Silberdenar (Nachbildung): Trägt das Bild und die Inschrift des Tiberius Cäsar (Markus 12:15-17).
Nabonid-Chronik: Keilschrifttafel, die die plötzliche Einnahme Babylons durch Cyrus bestätigt (Daniel, Kapitel 5)
[Bildnachweis]
(Photograph taken by courtesy of the British Museum).
Steinplatte: Trägt den Namen Pontius Pilatus
[Bildnachweis]
(Photograph © Israel Museum, Jerusalem; courtesy of Israel Antiquities Authority).
Im Hintergrund die Schriftrollen vom Toten Meer: Ein Studium des Jesajatextes ergab, daß dieses Buch in einem Zeitraum von 1 000 Jahren, in denen es handschriftlich kopiert wurde, praktisch unverändert blieb
[Bildnachweis]
(Shrine of the Book, Israel Museum, Jerusalem).
[Bilder auf Seite 10]
Ein Relief auf dem Titusbogen bezeugt die Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 u. Z.
[Bildnachweis]
Soprintendenza Archeologica di Roma
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