-
„Folgt dem Weg der Gastfreundschaft“Der Wachtturm 1996 | 1. Oktober
-
-
„Folgt dem Weg der Gastfreundschaft“
„Teilt mit den Heiligen gemäß ihren Bedürfnissen. Folgt dem Weg der Gastfreundschaft“ (RÖMER 12:13).
1. Welches grundlegende Bedürfnis hat ein Mensch, und wie zeigt es sich?
ES KANN heutzutage ein beklemmendes Erlebnis sein, nachts in einer fremden Umgebung auf einer einsamen Straße zu gehen. Doch ebenso bedrückend kann es sein, sich inmitten einer großen Menschenmenge zu befinden, aber niemanden zu kennen oder von niemandem beachtet zu werden. Ja, das Bedürfnis, umsorgt und geliebt zu werden sowie erwünscht zu sein, ist ein fester Bestandteil der menschlichen Natur. Niemand möchte gern als Fremder oder Außenseiter behandelt werden.
2. Wie hat Jehova dem Bedürfnis nach Gemeinschaft abgeholfen?
2 Jehova Gott, dem Erschaffer und Schöpfer aller Dinge, ist das Bedürfnis des Menschen nach Gemeinschaft gut bekannt. Als Bildner seiner menschlichen Schöpfung wußte Gott von vornherein, daß es ‘für den Menschen nicht gut war, weiterhin allein zu sein’, und er unternahm etwas dagegen (1. Mose 2:18, 21, 22). Der Bibelbericht ist voller Beispiele dafür, daß Menschen von Jehova und seinen Dienern Freundlichkeit erwiesen wurde. Daraus können wir lernen, wie wir zur Freude anderer und zu unserer eigenen Befriedigung „dem Weg der Gastfreundschaft“ folgen können (Römer 12:13).
Zuneigung zu Fremden
3. Erkläre die Grundbedeutung des Wortes Gastfreundschaft.
3 Der in der Bibel verwendete Ausdruck „Gastfreundschaft“ ist eine Übersetzung des griechischen Wortes philoxenía, das sich aus zwei Wurzelwörtern zusammensetzt, die „Liebe“ und „Fremder“ bedeuten. Gastfreundschaft bedeutet daher eigentlich „Liebe zu Fremden“. Doch dabei handelt es sich nicht nur um eine Formsache oder um etwas, was die Höflichkeit gebietet. Auch Gefühle und Zuneigung spielen eine Rolle. Das Verb philéō wird in einem Wörterbuch wie folgt definiert: „Befreundet sein mit (gern haben [eine Person oder einen Gegenstand]), z. B. Zuneigung haben zu (womit eine persönliche Bindung gemeint ist, bei der es um Empfindungen oder Gefühle geht)“ (James Strong, Exhaustive Concordance of the Bible). Gastfreundschaft geht somit über die auf Grundsätzen beruhende Liebe hinaus; man übt sie nicht, weil man sich womöglich dazu verpflichtet fühlt. Sie ist normalerweise ein Ausdruck echter Liebe, Zuneigung und Freundschaft.
4. Wem sollte Gastfreundschaft gewährt werden?
4 Der Empfänger dieser Liebe und Zuneigung ist der „Fremde“ (griechisch: xénos). Wer könnte das sein? Strong definiert das Wort xénos in seinem Wörterbuch als „fremd (wörtlich fremdländisch oder übertragen ungewöhnlich); durch sinngemäße Auslegung ein Gast oder andernfalls ein Fremder“. Gastfreundschaft kann sich somit, wie biblische Beispiele zeigen, auf eine Freundlichkeit beziehen, die wir einer geliebten Person, aber auch einem völlig Fremden erweisen. Jesus erklärte: „Wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Steuereinnehmer dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Handeln nicht auch die Leute von den Nationen ebenso?“ (Matthäus 5:46, 47). Echte Gastfreundschaft überwindet die Entzweiungen und Diskriminierungen, die durch Vorurteile und Ängste geschürt werden.
Jehova, der vollkommene Gastgeber
5, 6. (a) Was hatte Jesus im Sinn, als er sagte: „Euer himmlischer Vater [ist] vollkommen“? (b) Wie zeigt sich die Großzügigkeit Jehovas?
5 Im Anschluß an den oben angeführten Hinweis auf die Mängel, die Menschen in ihrer Liebe zueinander erkennen lassen, machte Jesus folgende Bemerkung: „Ihr sollt demnach vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (Matthäus 5:48). Jehova ist natürlich in jeder Hinsicht vollkommen (5. Mose 32:4). Jesus betonte hier jedoch einen bestimmten Aspekt der Vollkommenheit Jehovas. Diesen Aspekt hatte er bereits mit den Worten erwähnt, daß Gott „seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen läßt“ (Matthäus 5:45). Wenn es um das Erweisen von Freundlichkeit geht, kennt Jehova keine Parteilichkeit.
6 Als Schöpfer gehört Jehova alles. Er sagt: „Mir gehört jedes wildlebende Tier des Waldes, die Tiere auf tausend Bergen. Mir ist jedes geflügelte Geschöpf der Berge gut bekannt, und das Tiergewimmel des freien Feldes ist bei mir“ (Psalm 50:10, 11). Trotzdem würde er niemals etwas selbstsüchtig horten. Er sorgt in seiner Großzügigkeit für all seine Geschöpfe. Der Psalmist sagte von Jehova: „Du öffnest deine Hand und sättigst das Begehren alles Lebenden“ (Psalm 145:16).
7. Was können wir daraus lernen, wie Jehova Fremde und Bedürftige behandelt?
7 Jehova gibt den Menschen das, was sie benötigen, selbst solchen, die ihn nicht kennen, die für ihn Fremde sind. Paulus und Barnabas erinnerten die Götzenanbeter in Lystra daran, daß sich Jehova ‘nicht ohne Zeugnis gelassen hat, indem er Gutes tat, da er ihnen Regen vom Himmel und fruchtbare Zeiten gab und ihr Herz mit Speise und Fröhlichkeit erfüllte’ (Apostelgeschichte 14:17). Vor allem gegenüber Bedürftigen ist Jehova freundlich und großzügig (5. Mose 10:17, 18). Was das Erweisen von Freundlichkeit und Großzügigkeit — Gastfreundschaft — anderen gegenüber betrifft, können wir von Jehova viel lernen.
8. Inwiefern zeigt sich die Großzügigkeit Jehovas darin, wie er für unsere geistigen Bedürfnisse sorgt?
8 Doch Jehova sorgt nicht nur im Überfluß für die materiellen Bedürfnisse seiner Geschöpfe, sondern in gleicher Weise auch für ihre geistigen Bedürfnisse. Jehova handelte bereits auf äußerst großmütige Weise zu unserem geistigen Wohl, bevor sich jemand von uns seines verzweifelten geistigen Zustands bewußt wurde. Wir lesen in Römer 5:8, 10: „Gott ... empfiehlt seine eigene Liebe zu uns dadurch, daß Christus für uns starb, während wir noch Sünder waren. ... als wir Feinde waren, [wurden wir] mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt.“ Auf Grund dieser Vorkehrung ist es uns sündigen Menschen möglich, in ein glückliches familiäres Verhältnis zu unserem himmlischen Vater zu gelangen (Römer 8:20, 21). Jehova stellte auch sicher, daß wir die richtige Führung und Anleitung haben, so daß wir trotz Sündhaftigkeit und Unvollkommenheit unser Leben zu einem Erfolg machen können (Psalm 119:105; 2. Timotheus 3:16).
9, 10. (a) Warum können wir sagen, daß Jehova der vollkommene Gastgeber ist? (b) Wie sollten wahre Anbeter Jehova in dieser Hinsicht nachahmen?
9 Deshalb können wir sagen, daß Jehova wirklich in vielfacher Hinsicht ein vollkommener Gastgeber ist. Weder den Bedürftigen übersieht er noch den Geringen, noch den Bescheidenen. Er zeigt wirklich, daß er an Fremden — ja sogar an seinen Feinden — interessiert und um sie besorgt ist, und er erwartet keinen materiellen Ausgleich. Ist er nicht in alldem das beste Beispiel für einen vollkommenen Gastgeber?
10 Jehova wünscht als Gott voll liebender Güte und Großzügigkeit, daß ihn seine Anbeter nachahmen. Die Bibel ist voll von herausragenden Beispielen für Freundlichkeit und Güte. In der Encyclopaedia Judaica heißt es, daß „im alten Israel die Gastfreundschaft keineswegs nur eine Frage des Anstands war, sondern ein verpflichtender Brauch ... Die biblische Sitte, daß man den müden Reisenden willkommen hieß und den Fremden in seiner Mitte aufnahm, war der Urgrund, aus dem sich die Gastfreundschaft und all die damit verbundenen Aspekte zu einer hochgeschätzten Tugend in der jüdischen Tradition entwickelten.“ Die Gastfreundschaft sollte allerdings nicht nur das Merkmal einer bestimmten nationalen oder ethnischen Gruppe sein, sondern ein Kennzeichen aller wahren Anbeter Jehovas.
Engel gastlich aufgenommen
11. Welches herausragende Beispiel zeigt, daß Gastfreundschaft unerwartete Segnungen mit sich bringen kann? (Siehe auch 1. Mose 19:1-3; Richter 13:11-16.)
11 Einer der bekanntesten Berichte über das Erweisen von Gastfreundschaft stammt aus der Zeit, als Abraham und Sara unter den großen Bäumen Mamres in der Nähe von Hebron zelteten (1. Mose 18:1-10; 23:19). Der Apostel Paulus hatte zweifellos diese Begebenheit im Sinn, als er die mahnenden Worte äußerte: „Die Gastfreundschaft vergeßt nicht, denn durch sie haben einige unbewußt Engel gastlich aufgenommen“ (Hebräer 13:2). Ein Studium dieses Berichts wird uns vor Augen führen, daß Gastfreundschaft keineswegs nur eine Sache des Brauchtums oder der Erziehung ist. Sie ist vielmehr eine gottgefällige Tugend, die wunderbare Segnungen mit sich bringt.
12. Wie erwies Abraham Fremden Liebe?
12 Wie aus 1. Mose 18:1, 2 hervorgeht, kannte Abraham die Besucher nicht, noch hatte er sie erwartet. Sie waren sozusagen nur drei Fremde auf der Durchreise. Gemäß einigen Kommentatoren war es unter den Orientalen Sitte, daß ein Reisender in einem fremden Land selbst dann Gastfreundschaft erwarten durfte, wenn er dort niemanden kannte. Doch Abraham wartete nicht, bis die Fremden von diesem Privileg Gebrauch machten, sondern ergriff die Initiative. Er ‘begann zu laufen’, um zu den Fremden zu gelangen, die in einiger Entfernung standen — und das tat der immerhin 99jährige Abraham in der „Hitze des Tages“! Zeigt das nicht, warum Paulus auf Abraham als nachahmenswertes Beispiel für uns hinwies? Gastfreundschaft bedeutet, zu Fremden Zuneigung zu haben oder ihnen Liebe zu erweisen und für ihre Bedürfnisse zu sorgen. Es ist ein positives Bemühen.
13. Warum beugte sich Abraham vor den Besuchern nieder?
13 Wie wir aus dem Bericht weiter erfahren, ‘beugte sich Abraham zur Erde nieder’, als er die Fremden traf. Eine Verbeugung vor völlig Fremden? Nun, eine Verbeugung, wie Abraham sie machte, war eine Form der Begrüßung für einen Gast, den man ehrte, oder für jemand in hoher Stellung; sie darf nicht mit einem Akt der Anbetung verwechselt werden, die Gott allein gebührt. (Vergleiche Apostelgeschichte 10:25, 26; Offenbarung 19:10.) Durch die Verbeugung, nicht nur das Neigen des Kopfes, sondern ein ‘Niederbeugen zur Erde’, maß Abraham den Fremden die Ehre bei, bedeutende Persönlichkeiten zu sein. Obwohl er als Patriarch das Haupt einer großen, begüterten Familie war, hielt er diese Fremden größerer Ehre für würdig als sich selbst. Wie sehr sich das doch von dem üblichen Mißtrauen gegenüber Fremden unterscheidet und der Vorsicht, mit der man ihnen begegnet! Abraham bewies eigentlich, was die Worte bedeuten: „In Ehrerbietung komme einer dem anderen zuvor“ (Römer 12:10).
14. Welche Anstrengungen und Opfer kostete es Abraham, Fremden Gastfreundschaft zu erweisen?
14 Der übrige Teil des Berichts zeigt, daß Abrahams Gefühle echt waren. Bereits das Mahl war außergewöhnlich. Selbst in einem großen Haushalt mit viel Vieh gehörte ein ‘zarter und guter junger Stier’ nicht zur alltäglichen Kost. Über die Bräuche in dieser Region schrieb John Kitto: „Man gab sich niemals dem Wohlleben hin mit Ausnahme einiger Feste oder bei der Ankunft eines Fremden; und nur bei solchen Gelegenheiten wurde überhaupt Fleisch gegessen, selbst wenn jemand zahlreiche Klein- und Großviehherden hatte“ (Daily Bible Illustrations). Das warme Klima gestattete es nicht, verderbliche Lebensmittel aufzubewahren, weshalb alles erst zubereitet werden mußte, wenn solch eine Mahlzeit serviert werden sollte. Es ist daher kein Wunder, daß in diesem kurzen Bericht dreimal die Wörter „eile“ beziehungsweise „eilends“ vorkommen und daß Abraham buchstäblich „lief“, um das Mahl zuzubereiten! (1. Mose 18:6-8).
15. Wie sollten materielle Vorkehrungen in Verbindung mit dem Erweisen von Gastfreundschaft richtigerweise betrachtet werden, wie das Beispiel Abrahams zeigt?
15 Der Zweck bestand jedoch nicht einfach darin, ein großes Festessen zu geben, um andere zu beeindrucken. Abraham und Sara machten sich zwar viel Mühe, das Mahl vorzubereiten und zu servieren, aber beachten wir, was Abraham vorher darüber gesagt hatte: „Man hole bitte ein wenig Wasser, und ihr sollt eure Füße waschen lassen. Dann laßt euch unter dem Baum nieder. Und laßt mich ein Stück Brot holen, und erquickt euer Herz. Danach könnt ihr weiterziehen, denn deswegen seid ihr dieses Weges bei eurem Knecht vorbeigekommen“ (1. Mose 18:4, 5). Das „Stück Brot“ erwies sich als Festmahl mit einem gemästeten Kalb zusammen mit runden Kuchen aus Feinmehl sowie Butter und Milch — ein Festmahl für einen König. Was lernen wir daraus? Wenn man Gastfreundschaft übt, kommt es nicht darauf an, wie üppig zum Beispiel die Speisen und die Getränke sind oder welche ausgefallene Unterhaltung geboten wird. Gastfreundschaft hängt nicht davon ab, ob man sich teure Dinge leisten kann. Sie beruht statt dessen auf einem echten Interesse am Wohl anderer und auf dem Wunsch, anderen in dem Umfang, wie man es sich leisten kann, Gutes zu tun. „Besser ist ein Gericht Gemüse, wo Liebe ist, als ein an der Krippe gemästeter Stier und Haß dabei“, lautet ein Bibelspruch, und das zeigt deutlich, was der Schlüssel für echte Gastfreundschaft ist (Sprüche 15:17).
16. Wie bewies Abraham durch das, was er für die Besucher tat, seine Wertschätzung für geistige Dinge?
16 Wir müssen allerdings beachten, daß die Begebenheit, insgesamt gesehen, auch eine geistige Seite hatte. Abraham erkannte irgendwie, daß es sich bei den Besuchern um Boten Jehovas handelte. Das zeigen die Worte, mit denen er sie ansprach: „Jehova, wenn ich nun Gunst gefunden habe in deinen Augen, so geh bitte nicht an deinem Knecht vorüber“ (1. Mose 18:3; vergleiche 2. Mose 33:20).a Abraham wußte zwar nicht im voraus, ob sie eine Botschaft für ihn hatten oder ob sie lediglich auf der Durchreise waren. Dennoch war ihm bewußt, daß etwas vor sich ging, was mit der Verwirklichung des Vorsatzes Jehovas zu tun hatte. Diese Personen führten eine von Jehova veranlaßte Mission durch. Wenn er etwas tun konnte, um sie zu unterstützen, wollte er das gern tun. Ihm war klar, daß Jehovas Diener das Beste verdienen, und er wollte unter den gegebenen Umständen das Beste zur Verfügung stellen. Daraus würde sich ein geistiger Segen ergeben, sei es für ihn selbst oder für jemand anders. Wie es sich erwies, wurden Abraham und Sara für ihre echte Gastfreundschaft reich gesegnet (1. Mose 18:9-15; 21:1, 2).
Ein gastfreundliches Volk
17. Was forderte Jehova von den Israeliten, was die Behandlung von Fremden und Bedürftigen in ihrer Mitte betraf?
17 Das hervorragende Beispiel Abrahams sollte von der Nation, die aus ihm hervorging, nicht vergessen werden. Das Gesetz, das Jehova den Israeliten gab, schloß Bestimmungen ein, den Fremden in ihrer Mitte Gastfreundschaft zu erweisen. „Der ansässige Fremdling, der als Fremdling bei euch weilt, sollte euch wie einer eurer Einheimischen werden; und du sollst ihn lieben wie dich selbst, denn ansässige Fremdlinge wurdet ihr im Land Ägypten. Ich bin Jehova, euer Gott“ (3. Mose 19:34). Das Volk sollte sich besonders um diejenigen kümmern, die der materiellen Unterstützung bedurften, und sie nicht einfach abweisen. Wenn Jehova die Israeliten mit reichen Ernten segnete, wenn sie sich bei ihren Festen freuten, wenn sie in den Sabbatjahren von ihrer Arbeit ruhten sowie bei anderen Gelegenheiten sollten sie an diejenigen denken, die weniger begünstigt waren — an die Witwen, die vaterlosen Knaben und die ansässigen Fremdlinge (5. Mose 16:9-14; 24:19-21; 26:12, 13).
18. Wie wichtig ist die Gastfreundschaft, wenn man Jehovas Gunst und Segen wünscht?
18 Wie wichtig Freundlichkeit, Großzügigkeit und Gastfreundschaft anderen — vor allem Bedürftigen — gegenüber ist, läßt sich daraus ersehen, wie Jehova mit den Israeliten verfuhr, als sie es unterließen, diese Tugenden zu üben. Jehova machte deutlich, daß Freundlichkeit und Großzügigkeit gegenüber Fremden und Bedürftigen zu den Voraussetzungen gehörten, unter denen er seinem Volk seinen fortgesetzten Segen geben würde (Psalm 82:2, 3; Jesaja 1:17; Jeremia 7:5-7; Hesekiel 22:7; Sacharja 7:9-11). Solange die Nation diese und andere Erfordernisse bereitwillig erfüllte, hatte sie Gedeihen und genoß materiellen und geistigen Überfluß. Als sie dagegen in ihren selbstsüchtigen persönlichen Bestrebungen völlig aufging und es vernachlässigte, den Bedürftigen Freundlichkeit und Güte zu erweisen, wurde sie von Jehova verurteilt, und schließlich wurde an ihr das Strafgericht vollstreckt (5. Mose 27:19; 28:15, 45).
19. Was müssen wir noch betrachten?
19 Wie wichtig ist doch somit eine Selbstprüfung, um festzustellen, ob wir in dieser Hinsicht den Erwartungen Jehovas entsprechen! Angesichts des selbstsüchtigen und trennend wirkenden Geistes in der Welt ist das wirklich unumgänglich. Wie können wir in einer entzweiten Welt christliche Gastfreundschaft erweisen? Mit diesem Thema beschäftigt sich der nächste Artikel.
-
-
Christliche Gastfreundschaft in einer entzweiten WeltDer Wachtturm 1996 | 1. Oktober
-
-
Christliche Gastfreundschaft in einer entzweiten Welt
„Darum sind wir verpflichtet, solche Personen gastfreundlich aufzunehmen, damit wir zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden“ (3. JOHANNES 8).
1. Welche äußerst begehrten Gaben hat der Schöpfer den Menschen gegeben?
„DIE Menschen [haben] nichts Besseres ... unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und sich zu freuen, und daß dies sie begleiten sollte in ihrer harten Arbeit während der Tage ihres Lebens, die der wahre Gott ihnen unter der Sonne gegeben hat“ (Prediger 8:15). Gemäß diesen Worten des hebräischen Versammlers aus alter Zeit wünscht Jehova Gott nicht nur, daß seine menschliche Schöpfung freudig und glücklich ist, sondern er sorgt auch für die nötigen Voraussetzungen. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte scheinen die Menschen stets und überall denselben Wunsch gehabt zu haben: sich zu freuen und sich zu vergnügen.
2. (a) Wie haben die Menschen das mißbraucht, was Jehova für sie vorgesehen hat? (b) Wozu hat das geführt?
2 Wir leben heute in einer hedonistischen Gesellschaft, in der die Menschen völlig darin aufgehen, nach Freuden und Vergnügungen zu streben. Die meisten sind, wie in der Bibel vorausgesagt wurde, „eigenliebig“, oder sie ‘lieben die Vergnügungen mehr als Gott’ (2. Timotheus 3:1-4). Das ist natürlich eine völlige Verkehrung dessen, was Jehova Gott beabsichtigt hat. Wird das Streben nach Vergnügungen zum Selbstzweck oder die eigene Befriedigung zum alleinigen Ziel, gibt es keine echte Befriedigung mehr, und ‘alles wird Nichtigkeit und ein Haschen nach Wind’ (Prediger 1:14; 2:11). Deshalb ist die Welt voll von einsamen, enttäuschten Menschen, was wiederum viele soziale Probleme nach sich zieht (Sprüche 18:1). Die Menschen begegnen sich zunehmend mit Mißtrauen, und sie sind durch rassische, ethnische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Schranken entzweit.
3. Wie können wir wahre Freude und Befriedigung verspüren?
3 Wie anders könnte doch alles aussehen, wenn man andere genauso freundlich, gütig, großzügig und gastfreundlich behandelte, wie es Jehova tut! Er zeigte deutlich, daß das Geheimnis des wahren Glücks nicht in dem Bemühen liegt, die eigenen Wünsche zu befriedigen. Vielmehr ist etwas anderes von entscheidender Bedeutung: „Beglückender ist Geben als Empfangen“ (Apostelgeschichte 20:35). Damit wir wahre Freude und Befriedigung verspüren können, müssen wir Schranken und Spaltungen überwinden, die uns einengen. Und wir müssen uns denen öffnen, die mit uns Jehova dienen. Es ist für uns unerläßlich, den Rat zu beachten: „Darum sind wir verpflichtet, solche Personen gastfreundlich aufzunehmen, damit wir zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden“ (3. Johannes 8). Wenn wir Menschen, die dessen würdig sind, Gastfreundschaft erweisen, so wie es uns möglich ist, zahlt sich das in zweierlei Hinsicht aus: Es nützt sowohl dem Geber als auch dem Empfänger. Aber wer gehört zu denen, die würdig sind, von uns ‘gastfreundlich aufgenommen zu werden’?
‘Nach Waisen und Witwen sehen’
4. Welche Veränderungen der Familienverhältnisse wirken sich teilweise auch auf Gottes Volk aus?
4 Stabile Familien und glückliche Ehen sind heute eine Seltenheit. Die weltweit steigende Zahl der Scheidungen und der unverheirateten Mütter belegt die drastischen Veränderungen der traditionellen Familienverhältnisse. Aus diesem Grund kommen viele, die in den letzten Jahren Zeugen Jehovas geworden sind, aus zerbrochenen Familien. Sie wurden von ihrem Ehepartner geschieden oder leben getrennt beziehungsweise in Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. Außerdem hat, wie Jesus voraussagte, die Wahrheit, die er lehrte, in vielen Familien zur Entzweiung geführt (Matthäus 10:34-37; Lukas 12:51-53).
5. Welche Worte Jesu können für Personen aus entzweiten Hausgemeinschaften eine Quelle der Ermunterung sein?
5 Es freut uns von ganzem Herzen, wenn wir Neue sehen, die unerschütterlich für die Wahrheit Stellung beziehen, und wir trösten sie oft mit der ermunternden Verheißung Jesu: „Wahrlich, ich sage euch: Niemand hat Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Felder um meinetwillen und um der guten Botschaft willen verlassen, der nicht jetzt, in dieser Zeitperiode, hundertfach empfängt: Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Felder, unter Verfolgungen, und in dem kommenden System der Dinge ewiges Leben“ (Markus 10:29, 30).
6. Wie können wir für die „Waisen und Witwen“ in unserer Mitte „Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder“ werden?
6 Doch wer sind diese „Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder“? Jemand, der in einem Königreichssaal viele Menschen sieht, oft hundert und mehr, die sich Bruder und Schwester nennen, hat nicht automatisch das Gefühl, daß dies seine Brüder, Schwestern, Mütter und Kinder sind. Denken wir an folgendes: Der Jünger Jakobus erinnert uns daran, daß wir ‘nach Waisen und Witwen in ihrer Drangsal sehen und uns selbst von der Welt ohne Flecken bewahren müssen’, damit unsere Anbetung Jehova gefällt (Jakobus 1:27). Wir dürfen demnach nicht zulassen, daß weltliche Züge wie Stolz auf unseren Wohlstand oder auf unsere höhere soziale Stellung die Tür unseres Mitgefühls gegenüber solchen „Waisen und Witwen“ verschließen; statt dessen müssen wir die Initiative ergreifen und ihnen durch das Erweisen von Gastfreundschaft unsere Verbundenheit zeigen.
7. (a) Welchem Zweck dient es eigentlich, „Waisen und Witwen“ Gastfreundschaft zu erweisen? (b) Wer kann ebenfalls zu denen gehören, die christliche Gastfreundschaft erweisen?
7 „Waisen und Witwen“ Gastfreundschaft zu gewähren muß nicht bedeuten, einen materiellen Mangel auszugleichen. Einelternfamilien oder religiös geteilte Hausgemeinschaften leiden nicht unbedingt finanzielle Not. Doch die förderliche Gemeinschaft, die familiäre Atmosphäre, die Gesellschaft von Personen verschiedenen Alters sowie Gespräche über erbauende Dinge — das sind wertvolle Aspekte des Lebens. Wie schön ist es doch, daß sogar „Waisen und Witwen“ hin und wieder Mitchristen Gastfreundschaft erweisen können, wenn man bedenkt, daß bei einem Beisammensein nichts Aufwendiges geboten werden muß, sondern daß der Geist der Liebe und Einheit zählt. (Vergleiche 1. Könige 17:8-16.)
Gibt es Ausländer in unserer Mitte?
8. Welche Veränderungen sind in vielen Versammlungen der Zeugen Jehovas zu beobachten?
8 Wir leben in einer Zeit außerordentlicher Bevölkerungsbewegungen. „Weltweit leben über 100 Millionen Menschen in Ländern, deren Bürger sie nicht sind, und 23 Millionen sind Vertriebene im eigenen Land“, hieß es in der World Press Review. Als unmittelbare Folge davon gibt es in vielen Gebieten — vor allem in größeren Städten — Versammlungen des Volkes Jehovas, die früher hauptsächlich aus Angehörigen nur einer Rasse oder Nationalität bestanden haben, sich jetzt aber aus Menschen zusammensetzen, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Vielleicht ist das auch bei uns der Fall. Wie sollten wir diese „Ausländer“ oder „Fremden“, wie sie die Welt nennt, betrachten — Menschen, die sich in der Sprache, im Brauchtum und in der Lebensweise von uns unterscheiden?
9. In welche gefährliche Schlinge könnten wir geraten, was unsere Ansicht über die „Ausländer“ oder „Fremden“ betrifft, die in die Christenversammlung kommen?
9 Wir dürfen uns ganz einfach nicht von irgendwelchen fremdenfeindlichen Tendenzen zu dem Gedanken verleiten lassen, uns würde das Vorrecht, die Wahrheit zu kennen, eher zustehen als solchen, die aus einem fremden oder sogenannt heidnischen Land kommen; wir sollten auch nicht meinen, durch diese Fremden würden sich für uns bei der Benutzung des Königreichssaals oder anderer Versammlungsstätten Nachteile ergeben. Der Apostel Paulus mußte einige Judenchristen des ersten Jahrhunderts, die solche Ansichten hegten, daran erinnern, daß eigentlich niemandem etwas zusteht; nur durch Gottes unverdiente Güte kann jemand überhaupt die Rettung erlangen (Römer 3:9-12, 23, 24). Wir sollten uns freuen, daß Gottes unverdiente Güte jetzt so viele Menschen erreicht, denen es zuvor auf die eine oder andere Weise verwehrt gewesen ist, die gute Botschaft zu hören (1. Timotheus 2:4). Wie können wir zeigen, daß wir wirklich echte Zuneigung zu ihnen haben?
10. Wie können wir zeigen, daß wir gegenüber den „Fremden“ in unserer Mitte wirklich gastfreundlich sind?
10 Wir können es zeigen, indem wir die Ermahnung des Paulus beherzigen: „Heißt einander willkommen, so wie der Christus auch uns im Hinblick auf die Herrlichkeit Gottes willkommen geheißen hat“ (Römer 15:7). Menschen, die aus einem anderen Land oder aus einem anderen Milieu stammen, sind oft benachteiligt. Wir sollten uns dessen bewußt sein, sollten sie freundlich behandeln und uns um sie bemühen, wenn es in unserer Macht steht. Wir sollten sie in unserer Mitte willkommen heißen, ihnen ‘wie einem der Einheimischen’ begegnen und ‘sie lieben wie uns selbst’ (3. Mose 19:34). Das ist gewiß nicht immer leicht, aber es wird uns gelingen, wenn wir den Rat befolgen: „Formt euch nicht mehr nach diesem System der Dinge, sondern werdet durch die Neugestaltung eures Sinnes umgewandelt, damit ihr durch Prüfung feststellen könnt, was der gute und annehmbare und vollkommene Wille Gottes ist“ (Römer 12:2).
Mit den Heiligen teilen
11, 12. Wie wurde bestimmten Dienern Jehovas (a) im alten Israel und (b) im ersten Jahrhundert Achtung erwiesen?
11 Zu denjenigen, die es ganz bestimmt verdienen, daß wir sie achten und ihnen Gastfreundschaft erweisen, gehören reife Christen, die für unser geistiges Wohl hart arbeiten. Jehova traf für die Priester und die Leviten im alten Israel besondere Vorkehrungen (4. Mose 18:25-29). Auch die Christen des ersten Jahrhunderts wurden aufgefordert, für diejenigen zu sorgen, die ihnen in einer bestimmten Eigenschaft dienten. Der Bericht in 3. Johannes 5-8 wirft ein wenig Licht auf das enge Band der Liebe, das unter den ersten Christen bestand.
12 Der betagte Apostel Johannes schätzte die Freundlichkeit und Güte und die Gastfreundschaft sehr, die Gajus bestimmten reisenden Brüdern erwiesen hatte, die ausgesandt worden waren, um die Versammlung zu besuchen. Alle diese Brüder — auch Demetrius, der offenbar den Brief überbrachte — waren für Gajus Fremde oder waren ihm zuvor nicht bekannt gewesen. Doch sie wurden gastfreundlich aufgenommen, denn sie waren „zugunsten seines [Gottes] Namens ... ausgezogen“. Johannes sagte dazu folgendes: „Darum sind wir verpflichtet, solche Personen gastfreundlich aufzunehmen, damit wir zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden“ (3. Johannes 1, 7, 8).
13. Vor allem welche Personen aus unseren Reihen verdienen es heute, ‘gastfreundlich aufgenommen’ zu werden?
13 In Jehovas Organisation gibt es heute viele, die sich für die ganze Bruderschaft verausgaben. Zu ihnen gehören die reisenden Aufseher, die Woche für Woche ihre Zeit und Kraft einsetzen, um die Versammlungen zu erbauen; die Missionare, die ihre Angehörigen und Freunde verlassen haben, um im Ausland zu predigen; diejenigen, die sich freiwillig dafür zur Verfügung stellen, in Bethelheimen oder Zweigbüros zu dienen und das weltweite Predigtwerk zu unterstützen, sowie diejenigen, die im Pionierdienst stehen und den größten Teil ihrer Zeit und Kraft auf den Predigtdienst verwenden. Im Grunde genommen arbeiten sie alle hart, und das nicht für persönliche Ehre oder persönlichen Gewinn, sondern aus Liebe zur christlichen Bruderschaft und zu Jehova. Sie sind für uns wegen ihrer rückhaltlosen Ergebenheit nachahmenswerte Beispiele und verdienen es auch, ‘gastfreundlich aufgenommen zu werden’.
14. (a) Wieso werden wir dadurch bessere Christen, daß wir Treuen Gastfreundschaft erweisen? (b) Warum sagte Jesus, daß Maria „das gute Teil“ erwählt hatte?
14 Wenn wir ‘solche Personen gastfreundlich aufnehmen’, werden wir, wie der Apostel Johannes erklärte, „zu Mitarbeitern in der Wahrheit“. Wir werden dadurch gewissermaßen bessere Christen. Das ist deshalb der Fall, weil christliche Werke auch einschließen, Glaubensbrüdern Gutes zu tun (Sprüche 3:27, 28; 1. Johannes 3:18). Es ist auch in einer weiteren Hinsicht lohnenswert. Als Maria und Martha Jesus in ihr Haus aufnahmen, wollte Martha eine gute Gastgeberin sein und bereitete für Jesus „viele Dinge“ zu. Maria bewies auf andere Weise Gastfreundschaft. Sie ‘setzte sich zu den Füßen des Herrn nieder und lauschte unablässig seinem Wort’, und Jesus lobte sie dafür, daß sie „das gute Teil“ erwählt hatte (Lukas 10:38-42). Gespräche und Unterhaltungen mit Personen, die über langjährige Erfahrung verfügen, sind oft Höhepunkte eines gemeinsam verbrachten Abends (Römer 1:11, 12).
Bei besonderen Anlässen
15. Welche besonderen Anlässe können für Diener Jehovas Zeiten der Freude sein?
15 Wahre Christen pflegen zwar weder volkstümliche Bräuche, noch beobachten sie weltliche Feiertage oder Feste, aber sie kommen dennoch bei Gelegenheit zusammen, um miteinander Gemeinschaft zu pflegen. Jesus besuchte beispielsweise in Kana ein Hochzeitsfest und trug dort durch sein erstes Wunder zur Freude bei (Johannes 2:1-11). Auch heute erfreuen sich Diener Jehovas bei ähnlichen Gelegenheiten der Gemeinschaft, und eine passende feierliche oder festliche Note trägt viel zum Gelingen solcher Ereignisse bei. Doch was ist passend?
16. Welche Richtlinien haben wir, was schickliches Verhalten auch bei besonderen Anlässen betrifft?
16 Durch unser Bibelstudium lernen wir, wie ein für Christen schickliches Verhalten aussieht, und daran halten wir uns zu allen Zeiten (Römer 13:12-14; Galater 5:19-21; Epheser 5:3-5). Geselligkeiten, ob bei Hochzeiten oder aus anderem Anlaß, sind für uns kein Freibrief, von unseren christlichen Maßstäben abzuweichen oder etwas zu tun, wovor wir uns normalerweise hüten würden; wir sind auch nicht verpflichtet, allen Bräuchen zu entsprechen, die in dem Land, wo wir leben, üblich sind. Viele dieser Bräuche beruhen auf verkehrten religiösen Praktiken oder sind abergläubischer Natur; andere sind von einem Verhalten geprägt, das Christen eindeutig ablehnen (1. Petrus 4:3, 4).
17. (a) Woran ist zu erkennen, daß das Hochzeitsfest in Kana gut organisiert war und angemessen beaufsichtigt wurde? (b) Was beweist, daß Jesus den Anlaß guthieß?
17 Wer Johannes 2:1-11 liest, kann unschwer erkennen, daß es sich bei der Hochzeit um einen ganz besonderen Anlaß gehandelt haben muß und daß ziemlich viele Gäste zugegen waren. Jesus und seine Jünger waren „eingeladen“; sie tauchten dort nicht einfach unerwartet auf, obwohl zumindest einige von ihnen wahrscheinlich mit dem Gastgeber verwandt waren. Wie zu lesen ist, gab es dort auch „Diener“ und einen „Festleiter“, der Anweisungen gab, was serviert oder was getan werden sollte. All das zeugt davon, daß die Feier gut organisiert war und angemessen beaufsichtigt wurde. Der Bericht endet mit der Aussage, daß Jesus durch das, was er auf dem Fest tat, „seine Herrlichkeit offenbar [machte]“. Hätte er wohl diese Gelegenheit dafür genutzt, wenn es sich um ein wüstes Gelage gehandelt hätte? Sicher nicht.
18. Woran sollten wir bei jeder Geselligkeit unbedingt denken?
18 Was ist nun über besondere Anlässe zu sagen, bei denen wir die Gastgeber sind? Wir sollten daran denken, daß wir anderen Gastfreundschaft gewähren, weil wir alle „zu Mitarbeitern in der Wahrheit werden“ möchten. Daher genügt es nicht, einen Anlaß einfach als Zusammensein von „Zeugen Jehovas“ zu bezeichnen. Es ist durchaus angebracht, die Frage zu stellen: Ist es wirklich ein Zeugnis dafür, wer wir sind und was wir glauben? Wir dürfen solche Anlässe keinesfalls als Gelegenheiten betrachten, wo ausprobiert werden kann, wie weit wir uns in bezug auf ‘die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und die auffällige Zurschaustellung der Mittel, die jemand zum Leben hat’, den Wegen der Welt annähern können (1. Johannes 2:15, 16). Diese Anlässe müssen statt dessen erkennen lassen, daß wir unserer Rolle als Zeugen Jehovas gerecht werden, und wir sollten uns sicher sein, daß unser Tun Jehova verherrlicht und ehrt (Matthäus 5:16; 1. Korinther 10:31-33).
‘Seid gastfreundlich ohne Murren’
19. Warum müssen wir ‘gastfreundlich gegeneinander sein ohne Murren’?
19 Da sich die Weltverhältnisse weiterhin verschlimmern und sich die Menschen immer mehr entzweien, müssen wir alles daransetzen, das feste Band zu stärken, das zwischen wahren Christen besteht (Kolosser 3:14). Dafür benötigen wir, wie Petrus betonte, „inbrünstige Liebe zueinander“. In seinen weiteren Worten fordert er uns zu praktischem Handeln auf: „Seid gastfreundlich gegeneinander ohne Murren“ (1. Petrus 4:7-9). Sind wir bereit, die Initiative zu ergreifen und unseren Brüdern Gastfreundschaft zu erweisen, uns anzustrengen, freundlich und hilfsbereit zu sein? Oder neigen wir eher zum Murren, wenn sich eine solche Gelegenheit bietet? Wenn wir das tun, machen wir die Freude zunichte, die wir haben könnten, und uns entgeht auch der Lohn in Form von Freude darüber, etwas Gutes zu tun (Sprüche 3:27; Apostelgeschichte 20:35).
20. Welche Segnungen erwarten uns, wenn wir uns in der gegenwärtigen entzweiten Welt in Gastfreundschaft üben?
20 Es wird uns unermeßliche Segnungen eintragen, wenn wir mit unseren Glaubensbrüdern eng zusammenwirken sowie freundlich, gütig und gastfreundlich sind (Matthäus 10:40-42). Jehova verheißt, über Menschen dieser Art ‘sein Zelt auszubreiten’. „Sie werden nicht mehr hungern und auch nicht mehr dürsten.“ Im Zelt Jehovas zu sein bedeutet, sich seines Schutzes und seiner Gastfreundschaft zu erfreuen (Offenbarung 7:15, 16; Jesaja 25:6). Ja, wir haben die Aussicht, uns bald für immer der Gastfreundschaft Jehovas zu erfreuen (Psalm 27:4; 61:3, 4).
-