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  • Der Haus-zu-Haus-Dienst: Warum heute so wichtig?
    Der Wachtturm 2008 | 15. Juli
    • Der Haus-zu-Haus-Dienst: Warum heute so wichtig?

      „Jeden Tag fuhren sie im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort, zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen“ (APG. 5:42).

      1, 2. (a) Wofür sind Jehovas Zeugen bekannt? (b) Worum geht es in diesem Artikel?

      EIN vertrauter Anblick in fast jedem Land der Erde: Zwei gut gekleidete Personen gehen auf ein Haus zu, um mit den Bewohnern kurz über einen biblischen Gedanken in Verbindung mit Gottes Königreich zu sprechen. Zeigt jemand Interesse, bieten sie wahrscheinlich biblischen Lesestoff oder eine kostenlose Bibelbetrachtung an. Dann gehen sie zum nächsten Haus. Wenn wir uns an dieser Tätigkeit beteiligen, sind wir bestimmt schon oft als Zeugen Jehovas erkannt worden, ohne etwas gesagt zu haben. Der Haus-zu-Haus-Dienst ist tatsächlich unser Markenzeichen geworden.

      2 Jesu Auftrag, zu predigen und Jünger zu machen, wird von uns auf ganz verschiedene Weise ausgeführt (Mat. 28:19, 20). Wir geben Zeugnis auf Marktplätzen, an Straßenecken und in anderen öffentlichen Bereichen (Apg. 17:17). Manche Menschen erreichen wir telefonisch oder brieflich. Bei passender Gelegenheit im Alltag machen wir ebenfalls auf die biblische Wahrheit aufmerksam. Zudem haben wir eine offizielle Website mit Zugang zu biblischem Informationsmaterial in mehr als 300 Sprachen.a Durch all das wird viel Gutes bewirkt. Doch wo irgend möglich, verbreiten wir die gute Botschaft direkt von Haus zu Haus. Welche Grundlage gibt es dafür? Warum und seit wann konzentriert sich Gottes Volk auf diese Art des Verkündigens? Und wie wichtig ist der Haus-zu-Haus-Dienst heute?

      Das apostolische Muster

      3. Welche Anweisungen gab Jesus den Aposteln, und wie sollten sie demnach beim Verkündigen vorgehen?

      3 Die Verkündigung von Haus zu Haus ist biblisch fundiert. Als Jesus die Apostel aussandte, wies er sie an: „In welche Stadt oder welches Dorf ihr auch hineingeht, da forscht nach, wer es darin verdient.“ Was war damit gemeint, nach solchen Menschen zu forschen? Wie Jesus sagte, sollten sie die Leute zu Hause aufsuchen: „Wenn ihr in das Haus eintretet, so grüßt die Hausgenossen; und wenn das Haus es verdient, so komme der Frieden darauf, den ihr ihm wünscht.“ Sollten die Jünger tatsächlich unaufgefordert vorsprechen? Beachten wir Jesu weitere Worte: „Wo jemand euch nicht aufnimmt noch auf eure Worte hört, da schüttelt den Staub von euren Füßen, wenn ihr aus jenem Haus oder jener Stadt hinausgeht“ (Mat. 10:11-14). Wenn wir also lesen: „[Die Apostel] gingen durch das Gebiet von Dorf zu Dorf, und überall verkündigten sie die gute Botschaft“, können wir davon ausgehen, dass sie sich dabei an die deutliche Anweisung hielten, die Menschen zu Hause aufzusuchen (Luk. 9:6).

      4. Wo spricht die Bibel ausdrücklich vom Haus-zu-Haus-Dienst?

      4 In der Bibel wird ausdrücklich erwähnt, dass die Apostel von Haus zu Haus gingen, so zum Beispiel in Apostelgeschichte 5:42, wo es heißt: „Jeden Tag fuhren sie im Tempel und von Haus zu Haus ununterbrochen fort, zu lehren und die gute Botschaft über den Christus, Jesus, zu verkündigen.“ Etwa 20 Jahre später sagte der Apostel Paulus zu den Ältesten aus Ephesus: „. . . wobei ich mich nicht davon zurückhielt, euch alles, was nützlich war, kundzutun und euch öffentlich und von Haus zu Haus zu lehren.“ Hatte Paulus die Erwähnten tatsächlich aufgesucht, bevor sie gläubig wurden? Ganz bestimmt, denn wie er erklärte, hatte er sie unter anderem „in Bezug auf Reue gegenüber Gott und Glauben an unseren Herrn Jesus“ unterwiesen (Apg. 20:20, 21). A. T. Robertson kommentiert Apostelgeschichte 20:20 wie folgt: „Es ist beachtenswert, dass dieser größte Prediger von Haus zu Haus predigte“ (Word Pictures in the New Testament).

      Ein neuzeitliches Heuschreckenheer

      5. Wie wird die Predigttätigkeit in der Prophezeiung Joels beschrieben?

      5 Die Zeugnistätigkeit im 1. Jahrhundert war nur ein Vorgeschmack auf die weit umfangreichere Tätigkeit in unseren Tagen. Der Prophet Joel vergleicht das Predigen der gesalbten Christen mit einer verheerenden Insektenplage, an der unter anderem Heuschrecken beteiligt sind (Joel 1:4). Die Heuschrecken drängen wie ein Heer vorwärts, überwinden Hindernisse, dringen in die Häuser ein und vertilgen dabei alles, was sie finden. (Lies Joel 2:2, 7-9.) Was für eine anschauliche Beschreibung dafür, wie ausdauernd und gründlich Gottes Volk heute das Zeugniswerk durchführt! Die gesalbten Christen und ihre Gefährten, die „anderen Schafe“, entsprechen diesem prophetischen Bild vor allem durch den Haus-zu-Haus-Dienst (Joh. 10:16). Wie kam es dazu, dass wir Zeugen Jehovas das Verkündigungswerk heute nach dem apostolischen Vorbild durchführen?

      6. Wie wurde 1922 zum Haus-zu-Haus-Dienst ermuntert, doch wie reagierten einige?

      6 Von 1919 an stellte man vermehrt die Verantwortung jedes Christen heraus, sich am Zeugnisgeben zu beteiligen. Im Watch Tower vom 15. August 1922 wurden die Gesalbten in dem Artikel „Dienst unbedingt erforderlich“ daran erinnert, wie wichtig es ist, „die gedruckte Botschaft eifrig zu den Menschen zu tragen, mit ihnen an den Türen zu sprechen und ihnen zu bezeugen, dass das Königreich der Himmel nahe ist“. Wie sie im Einzelnen vorgehen konnten, wurde im Bulletin (jetzt Unser Königreichsdienst) gezeigt. Doch die Beteiligung am Haus-zu-Haus-Dienst war zunächst noch ziemlich schwach. Einige zögerten und erhoben alle möglichen Einwände, aber das eigentliche Problem war, dass sie es für unter ihrer Würde hielten, von Haus zu Haus zu gehen. Als immer mehr Nachdruck auf das Verkündigen gelegt wurde, kehrten viele von ihnen der Organisation Jehovas den Rücken.

      7. Welches Bedürfnis wurde in den 1950er-Jahren erkannt?

      7 In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der Verkündiger immer mehr zu. Es wurde allerdings deutlich, dass die Einzelnen besser für den Haus-zu-Haus-Dienst geschult werden mussten. Nehmen wir einmal die Situation in den Vereinigten Staaten. Anfang der 1950er-Jahre beschränkte sich dort die Verkündigungstätigkeit von 28 Prozent der Zeugen darauf, Handzettel zu verteilen oder sich mit den Zeitschriften auf die Straße zu stellen. Mehr als 40 Prozent führten den Dienst nur unregelmäßig durch und gaben teilweise monatelang überhaupt kein Zeugnis. Wie konnte allen Gott hingegebenen Christen geholfen werden, den Haus-zu-Haus-Dienst durchzuführen?

      8, 9. Welches Schulungsprogramm wurde 1953 gestartet, und was hat es bewirkt?

      8 Auf einem internationalen Kongress, der 1953 in New York stattfand, wurde dem Haus-zu-Haus-Dienst besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Bruder Nathan H. Knorr erklärte, dass die Hauptaufgabe aller Diener oder Aufseher darin bestehen sollte, den einzelnen Zeugen zu helfen, ein regelmäßiger Haus-zu-Haus-Verkündiger zu sein. „Jeder“, sagte er, „sollte in der Lage sein, die gute Botschaft von Haus zu Haus zu predigen.“ Zu diesem Zweck startete man ein weltweites Schulungsprogramm. Alle, die noch nicht von Haus zu Haus gingen, wurden geschult, die Menschen an den Türen anzusprechen, anhand der Bibel zu argumentieren und Fragen zu beantworten.

      9 Das Schulungsprogramm war außerordentlich erfolgreich. Innerhalb von 10 Jahren stieg die Gesamtzahl der Verkündiger um 100 Prozent, die der Rückbesuche um 126 Prozent und die der Bibelstudien um 150 Prozent. Heute machen weltweit fast 7 Millionen Königreichsverkündiger die gute Botschaft bekannt. Diese bemerkenswerte Zunahme ist ein Beweis dafür, wie sehr Jehova den Einsatz seines Volkes im Haus-zu-Haus-Dienst segnet (Jes. 60:22).

      Menschen zum Überleben kennzeichnen

      10, 11. (a) Was sah Hesekiel gemäß dem 9. Kapitel seines Buches in einer Vision? (b) Wie erfüllt sich diese Vision in unseren Tagen?

      10 Wie wichtig der Haus-zu-Haus-Dienst ist, geht aus einer Vision des Propheten Hesekiel hervor. Er sah sechs bewaffnete Männer und einen weiteren Mann, der mit Linnen bekleidet war und das Tintenfass eines Sekretärs an der Seite trug. Diesem Mann wurde gesagt: „Geh mitten durch die Stadt . . ., und du sollst ein Kennzeichen an die Stirn der Menschen anbringen, die seufzen und stöhnen über all die Abscheulichkeiten, die in seiner [Jerusalems] Mitte getan werden.“ Nachdem das Kennzeichnen abgeschlossen war, wurde den sechs bewaffneten Männern befohlen, alle hinzurichten, die kein Kennzeichen hatten. (Lies Hesekiel 9:1-6.)

      11 In der Erfüllung dieser Prophezeiung stellt der „mit Linnen bekleidete“ Mann offensichtlich die Überrestglieder der Gesalbten dar. Diese „kennzeichnen“ durch ihre Predigt- und Lehrtätigkeit diejenigen, die zu Christi „anderen Schafen“ gehören (Joh. 10:16). Worin besteht das Kennzeichen? Den „Schafen“ ist es sozusagen auf die Stirn geschrieben, dass sie Gott hingegebene, getaufte Jünger Jesu Christi sind. Sie haben für alle sichtbar die „neue Persönlichkeit“ angezogen, die sich an Christus orientiert (Eph. 4:20-24). Diese schafähnlichen Menschen bilden e i n e Herde mit den Gesalbten und unterstützen sie bei ihrer Leben rettenden Tätigkeit, weitere Menschen zu kennzeichnen (Offb. 22:17).

      12. Wie wichtig ist gemäß Hesekiels Kennzeichnungsvision unsere unermüdliche Suche nach schafähnlichen Menschen?

      12 Durch die Vision Hesekiels wird ein Grund herausgestellt, warum es für uns so wichtig ist, unermüdlich nach denjenigen zu suchen, die „seufzen und stöhnen“: Es geht um Menschenleben! Bald werden Jehovas himmlische Hinrichtungsstreitkräfte, dargestellt durch die sechs bewaffneten Männer, an allen das Gericht vollziehen, die kein symbolisches Kennzeichen erhalten haben. Wie der Apostel Paulus über dieses Gericht sagte, wird der Herr Jesus mit „seinen mächtigen Engeln“ kommen und an denen „Rache . . . [üben], die Gott nicht kennen, und an denen, die der guten Botschaft über unseren Herrn Jesus nicht gehorchen“ (2. Thes. 1:7, 8). Beachten wir, dass die Menschen aufgrund dessen gerichtet werden, wie sie auf die gute Botschaft reagieren. Demnach muss die Verkündigung der Botschaft Gottes bis zum Ende unvermindert weitergehen (Offb. 14:6, 7). Alle Diener Jehovas tragen somit eine ernste Verantwortung. (Lies Hesekiel 3:17-19.)

      13. (a) Wozu fühlte sich der Apostel Paulus verpflichtet, und warum? (b) Welche Verpflichtung verspürst du gegenüber den Menschen in deinem Gebiet?

      13 Der Apostel Paulus fühlte sich persönlich verpflichtet, anderen die gute Botschaft zu verkündigen. Er schrieb: „Sowohl Griechen als auch Barbaren, sowohl Weisen als Unverständigen bin ich ein Schuldner; daher bin ich, was an mir liegt, voller Eifer, die gute Botschaft auch euch dort in Rom zu verkündigen“ (Röm. 1:14, 15). Aus Dankbarkeit für die ihm erwiesene Barmherzigkeit wollte Paulus anderen unbedingt helfen, sich ebenfalls die unverdiente Güte Gottes zunutze zu machen (1. Tim. 1:12-16). Er fühlte sich gegenüber allen Menschen als Schuldner, der sich seiner Schuld nur entledigen konnte, indem er ihnen von der guten Botschaft erzählte. Empfinden auch wir eine solche Schuld gegenüber den Menschen in unserem Gebiet? (Lies Apostelgeschichte 20:26, 27.)

      14. Was ist der Hauptgrund, warum wir öffentlich und von Haus zu Haus predigen?

      14 So wichtig die Rettung von Menschenleben auch ist: Für das Predigen von Haus zu Haus gibt es einen noch gewichtigeren Grund. In einer Prophezeiung, die in Maleachi 1:11 festgehalten wurde, sagt Jehova: „Vom Aufgang der Sonne selbst bis zu ihrem Untergang wird mein Name groß sein unter den Nationen, und . . . meinem Namen [wird] eine Gabe dargebracht werden, ja eine reine Gabe; denn mein Name wird groß sein unter den Nationen.“ Diese Prophezeiung erfüllt sich dadurch, dass Jehovas Diener, die treu und bescheiden ihren Dienst durchführen, seinen Namen auf der ganzen Erde öffentlich preisen (Ps. 109:30; Mat. 24:14). Der Hauptgrund, öffentlich und von Haus zu Haus zu predigen, besteht also darin, Jehova „ein Schlachtopfer der Lobpreisung“ darzubringen (Heb. 13:15).

      Einschneidende Ereignisse liegen vor uns

      15. (a) Wie steigerten die Israeliten ihre Anstrengungen, als sie am siebten Tag um Jericho herummarschierten? (b) Was könnte man daraus für unsere Predigttätigkeit ableiten?

      15 Welche Entwicklungen sind für das Verkündigungswerk noch zu erwarten? Einen Hinweis liefert der Bericht über die Belagerung Jerichos im Bibelbuch Josua. Bekanntlich wurden die Israeliten kurz vor der Zerstörung Jerichos von Gott angewiesen, an sechs Tagen jeweils einmal um die Stadt zu marschieren. Am siebten Tag mussten sie ihre Anstrengungen jedoch wesentlich steigern. Wie Jehova zu Josua sagte, sollten die Israeliten „siebenmal um die Stadt herummarschieren, und die Priester sollten die Hörner blasen. Und es soll geschehen, wenn sie das Widderhorn erschallen lassen, . . . dass das ganze Volk ein großes Kriegsgeschrei erheben sollte; und die Mauer der Stadt wird einstürzen“ (Jos. 6:2-5). Es ist durchaus möglich, dass sich unsere Predigttätigkeit ähnlich steigern wird. Auf jeden Fall wird vor der Vernichtung des gegenwärtigen Systems das größte Zeugnis aller Zeiten für Gottes Namen und sein Königreich gegeben werden.

      16, 17. (a) Was wird vor dem Ende der „großen Drangsal“ erreicht worden sein? (b) Was werden wir im nächsten Artikel besprechen?

      16 Die Botschaft, die wir verkündigen, wird zur gegebenen Zeit wahrscheinlich an „ein großes Kriegsgeschrei“ erinnern. Im Bibelbuch Offenbarung heißt es über strenge Gerichtsbotschaften, sie seien wie „ein großer Hagel, jeder Stein ungefähr im Gewicht von einem Talent“.b Und in Offenbarung 16:21 wird diese Hagelplage als „außergewöhnlich groß“ bezeichnet. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle der Haus-zu-Haus-Dienst spielen wird, wenn das Verkünden der Gerichtsbotschaften seinen Höhepunkt erreicht. Eines ist jedoch gewiss: Ehe die „große Drangsal“ endet, wird der Name Jehovas so umfassend bekannt gemacht worden sein wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte (Offb. 7:14; Hes. 38:23).

      17 Verkündigen wir weiterhin eifrig die gute Botschaft vom Königreich, während wir diesen einschneidenden Ereignissen entgegensehen. Der Haus-zu-Haus-Dienst bringt allerdings einige Herausforderungen mit sich. Um welche es sich handelt und wie wir sie meistern können, wird im nächsten Artikel besprochen.

      [Fußnoten]

      a Die Internetadresse lautet www.watchtower.org.

      b Sollte das griechische Talent gemeint sein, wäre jeder Hagelstein etwa 20 Kilogramm schwer.

  • Die Herausforderungen des Haus-zu-Haus-Dienstes meistern
    Der Wachtturm 2008 | 15. Juli
    • Die Herausforderungen des Haus-zu-Haus-Dienstes meistern

      ‘Wir brachten den Freimut auf, mithilfe unseres Gottes mit viel Kampf die gute Botschaft Gottes zu reden’ (1. THES. 2:2).

      1. Vor welchen Herausforderungen stand Jeremia, und wie konnte er sie meistern?

      JEREMIA war zweifellos ein Mensch, der genauso empfand wie wir. Als Jehova ihn zum „Propheten für die Nationen“ machte, rief er aus: „Ach, o Souveräner Herr Jehova! Siehe, ich weiß wirklich nicht zu reden, denn ich bin nur ein Knabe.“ Er vertraute jedoch auf Jehova und nahm den Auftrag an (Jer. 1:4-10). Mehr als 40 Jahre lang musste Jeremia daraufhin mit Gleichgültigkeit, Ablehnung, Spott und sogar Misshandlungen fertig werden (Jer. 20:1, 2). Manchmal hätte er am liebsten aufgegeben. Obwohl er fast nur auf taube Ohren stieß, überbrachte er den Menschen unbeirrt seine unpopulären Botschaften. Mit Gottes Kraft gelang Jeremia, was er aus eigener Kraft niemals geschafft hätte. (Lies Jeremia 20:7-9.)

      2, 3. Welchen Herausforderungen stehen wir heute ähnlich wie Jeremia gegenüber?

      2 Heute können viele Diener Gottes Jeremia nachfühlen. Ihnen erschien es undenkbar, jemals selbst von Haus zu Haus zu predigen. Doch als ihnen bewusst wurde, dass Jehova von jedem erwartet, die gute Botschaft zu verkündigen, konnten sie Bedenken und Hemmungen überwinden und nahmen den Predigtdienst auf. Auch danach mussten viele mit Umständen fertig werden, die es ihnen zumindest vorübergehend erschwerten, weiterhin zu predigen. Es ist unbestreitbar nicht nur eine Herausforderung, mit dem Haus-zu-Haus-Dienst zu beginnen, sondern auch, ihn bis zum Ende treu fortzusetzen (Mat. 24:13).

      3 Was ist jedoch, wenn Zeugen Jehovas mit dir die Bibel studieren und du schon längere Zeit die Zusammenkünfte besuchst, aber zögerst, mit dem Haus-zu-Haus-Dienst zu beginnen? Oder was ist, wenn es dir als getauftem Zeugen schwerfällt, von Haus zu Haus zu gehen, obwohl du körperlich durchaus dazu in der Lage wärst? Sei versichert: Menschen aller Art gelingt es, die Herausforderungen dieser Art des Verkündigens zu meistern, und mit der Hilfe Jehovas kannst du es auch.

      Freimut aufbringen

      4. Was befähigte den Apostel Paulus, die gute Botschaft mit Freimut zu verkündigen?

      4 Wir sind uns zweifellos bewusst, dass hinter dem weltweiten Verkündigungswerk nicht menschliche Kraft oder Klugheit steht, sondern Gottes Geist (Sach. 4:6). Das gilt auch für den Dienst der einzelnen Christen (2. Kor. 4:7). Nehmen wir den Apostel Paulus. Er schrieb über eine Zeit, in der er und sein Reisegefährte von Gegnern misshandelt wurden: „Nachdem wir zuerst gelitten hatten und in Philippi . . . schmählich behandelt worden waren, [brachten wir] den Freimut auf. . ., mithilfe unseres Gottes mit viel Kampf die gute Botschaft Gottes zu euch zu reden“ (1. Thes. 2:2; Apg. 16:22-24). Mancher wird sich kaum vorstellen können, dass es sogar für einen eifrigen Verkündiger wie Paulus zeitweise ein Kampf war, zu predigen. Wie jeder von uns musste sich Paulus auf Jehova stützen, damit er die gute Botschaft mit Freimut bekannt machen konnte. (Lies Epheser 6:18-20.) Wie können wir den gleichen Freimut erlangen?

      5. Was hilft uns, den nötigen Freimut aufzubringen?

      5 Eine Hilfe ist das Gebet. Eine Pionierin sagte: „Ich bete darum, überzeugend reden zu können, darum, das Herz der Menschen zu erreichen, und um Freude im Predigtdienst. Es ist ja nicht unser Werk, sondern das Werk Jehovas; ohne seine Hilfe können wir doch gar nichts tun“ (1. Thes. 5:17). Damit wir mit Freimut verkündigen können, muss jeder von uns unentwegt um die Hilfe des heiligen Geistes Gottes beten (Luk. 11:9-13).

      6, 7. (a) Welche Vision erhielt Hesekiel, und was bedeutete sie? (b) Was lernen Gottes Diener heute aus der Vision Hesekiels?

      6 Wie es uns noch gelingen kann, mit Freimut zu reden, geht aus dem Bibelbuch Hesekiel hervor. In einer Vision gab Jehova Hesekiel eine auf beiden Seiten mit „Totenklageliedern und Jammer und Wehklage“ beschriebene Buchrolle, die er essen sollte: „Menschensohn, du solltest deinen eigenen Bauch essen lassen, damit du gar deine Eingeweide mit dieser Rolle füllst, die ich dir gebe.“ Was bedeutete diese Vision? Hesekiel musste die Botschaft, die er zu überbringen hatte, vollständig in sich aufnehmen. Sie sollte sozusagen ein Teil von ihm werden und seine innersten Gefühle beeinflussen. Der Prophet berichtete weiter: „Ich begann sie zu essen, und sie wurde in meinem Mund wie Honig so süß.“ Für Hesekiel war die öffentliche Verkündigung der Botschaft Gottes eine Freude — vergleichbar mit köstlichem Honig. Er fühlte sich sehr geehrt, Jehovas Auftrag auszuführen und ihn zu vertreten, obwohl das bedeutete, einem verstockten Volk eine eindringliche Botschaft zu überbringen. (Lies Hesekiel 2:8 bis 3:4, 7-9.)

      7 Diese Vision enthält für Gottes heutige Diener eine wertvolle Lektion. Auch wir haben eine eindringliche Botschaft zu überbringen, und zwar Menschen, die unser Bemühen nicht unbedingt schätzen. Damit wir die christliche Predigttätigkeit immer als ehrenvolle Aufgabe betrachten, die Gott uns übertragen hat, dürfen wir nicht nachlassen, uns intensiv mit seinem Wort zu befassen. Durch oberflächliches oder planloses Studium können wir es niemals wirklich verinnerlichen. Ist es uns möglich, die Bibel noch gründlicher oder regelmäßiger zu lesen und zu studieren oder noch öfter über das Gelesene nachzusinnen? (Ps. 1:2, 3).

      Biblische Gespräche beginnen

      8. Wie können manche im Haus-zu-Haus-Dienst erfolgreich biblische Gespräche beginnen?

      8 Die größte Schwierigkeit des Haus-zu-Haus-Dienstes besteht für viele Verkündiger darin, wie sie sich an der Tür einführen sollen. In einigen Gebieten ist es tatsächlich gar nicht so leicht, Gespräche zu beginnen. Wie manch anderer fühlen vielleicht auch wir uns sicherer, wenn wir mit kurzen, gut gewählten Worten beginnen können und unserem Gesprächspartner dann ein Traktat überreichen, wie es unten im Kasten umrissen wird. Falls ihn der Titel des Traktats oder das farbige Titelbild anspricht, können wir kurz auf den Grund unseres Besuchs eingehen und eine Frage stellen. Eine mögliche Variante wäre, unserem Gegenüber drei oder vier verschiedene Traktate zu zeigen und ihn zu bitten, sich auszuwählen, was ihn interessiert. Unser Ziel besteht natürlich nicht darin, lediglich Traktate abzugeben oder an den Türen immer so vorzugehen, sondern durch biblische Gespräche den Weg zu einem Bibelstudium zu ebnen.

      9. Warum ist gute Vorbereitung so wichtig?

      9 Ungeachtet dessen, wie wir vorgehen, wird gute Vorbereitung dazu beitragen, im Haus-zu-Haus-Dienst sicherer und begeisterter aufzutreten. Ein Pionier erzählte: „Je besser ich vorbereitet bin, desto größer ist meine Freude. Dann möchte ich das, was ich vorbereitet habe, auch wirklich anbringen.“ Ein anderer Pionier sagte: „Mit den Veröffentlichungen gut vertraut zu sein, hilft mir, sie überzeugt anzubieten.“ Wie können wir uns merken, was wir sagen wollen? Es ist zwar gut, dies in Gedanken durchzugehen, aber viele halten lautes Üben für sinnvoller. Es hilft ihnen, Jehova ihr Bestes zu geben (Kol. 3:23; 2. Tim. 2:15).

      10. Wie können Zusammenkünfte für den Predigtdienst praxisnah und motivierend gestaltet werden?

      10 Zusammenkünfte für den Predigtdienst, die wirklich praxisorientiert sind, tragen zu einem erfolgreichen, freudigen Haus-zu-Haus-Dienst bei. Sofern sich der Tagestext direkt auf die Predigttätigkeit bezieht, kann er vorgelesen und kurz besprochen werden. Auf jeden Fall sollte sich der Leiter die Zeit nehmen, ein einfaches Zeugnis zu empfehlen oder zu demonstrieren, das für das Gebiet gut geeignet ist. Er kann auch andere praktische Gedanken erwähnen, die an jenem Tag im Dienst verwendet werden können. Das hilft den Anwesenden zusätzlich, wirkungsvoll Zeugnis zu geben. Durch gute, rechtzeitige Vorbereitung können Älteste und andere all dies berücksichtigen und die Zusammenkunft dennoch pünktlich abschließen (Röm. 12:8).

      Der Nutzen des Zuhörens

      11, 12. Wie können wir durch mitfühlendes Zuhören Menschen mit der guten Botschaft erreichen? Nenne Beispiele.

      11 Nicht nur gute Vorbereitung, sondern auch echte Anteilnahme hilft uns, im Dienst biblische Gespräche zu beginnen und das Herz der Menschen anzusprechen. Solches Interesse können wir unter anderem durch gutes Zuhören beweisen. Ein reisender Aufseher berichtete: „Wenn wir geduldig sind und den Menschen bereitwillig zuhören, wirkt das äußerst anziehend und zeugt von aufrichtiger Anteilnahme.“ Mitfühlendes Zuhören kann der Schlüssel zum Herzen sein, wie folgender Erfahrungsbericht zeigt.

      12 In einem offenen Brief, der in der Zeitung Le Progrès (Saint-Étienne, Frankreich) veröffentlicht wurde, beschrieb eine Leserin den Besuch von zwei Frauen, die kurz nach dem tragischen Tod ihrer drei Monate alten Tochter bei ihr vorsprachen. „Sofort erkannte ich, dass es sich um Zeugen Jehovas handelte“, schrieb sie. „Ich wollte sie gerade höflich abweisen, als mir eine Broschüre auffiel, die sie mir zeigen wollten. Es ging darin um die Frage, warum Gott Leid zulässt. Ich bat sie deshalb herein, in der Absicht, ihre Argumente zu widerlegen. . . . Die Zeuginnen blieben eine gute Stunde und hörten mir voll Mitgefühl zu. Das tat mir so gut, dass ich beim Abschied das Angebot eines weiteren Besuchs begrüßte“ (Röm. 12:15). Einige Zeit später nahm die Frau das Angebot eines Bibelstudiums an. Bemerkenswert ist, woran sie sich nach dem ersten Besuch erinnerte: nicht an das, was die Zeuginnen sagten, sondern wie sie zuhörten.

      13. Wie können wir unsere Darlegung der guten Botschaft den einzelnen Menschen anpassen?

      13 Wollen wir herausfinden, wie das Königreich dem Einzelnen helfen könnte, müssen wir oft nur mitfühlend zuhören. Dann können wir ihm die gute Botschaft viel wirkungsvoller vermitteln. Vielleicht ist uns schon aufgefallen, dass gute Verkündiger meistens auch gute Zuhörer sind (Spr. 20:5). Sie zeigen im Predigtdienst echte Anteilnahme. Sie notieren sich nicht nur den Namen und die Adresse, sondern auch die Bedürfnisse und Interessen der Menschen. Erwähnt jemand ein spezielles Problem, forschen sie nach und kommen möglichst bald mit dem wieder, was sie dazu gefunden haben. Wie der Apostel Paulus passen sie die Art und Weise, wie sie die Königreichsbotschaft darlegen, den einzelnen Menschen an. (Lies 1. Korinther 9:19-23.) Aufrichtige Anteilnahme macht die gute Botschaft für die Menschen anziehend und unterstreicht deutlich das „innige Erbarmen unseres Gottes“ (Luk. 1:78).

      Positiv eingestellt bleiben

      14. Wie können wir im Predigtdienst die Eigenschaften Jehovas widerspiegeln?

      14 Der freie Wille des Menschen beweist, dass Jehova jeden Einzelnen schätzt. Obwohl er der allmächtige Gott ist, zwingt er niemand, ihm zu dienen. Vielmehr appelliert er liebevoll an die Menschen und segnet alle, die auf sein großzügiges Entgegenkommen dankbar eingehen (Röm. 2:4). Als seine Diener möchten wir die gute Botschaft immer auf eine Weise darlegen, die unseren barmherzigen Gott ehrt (2. Kor. 5:20, 21; 6:3-6). Deshalb müssen wir gegenüber allen in unserem Gebiet positiv eingestellt bleiben. Was kann uns helfen, diese Herausforderung zu meistern?

      15. (a) Wie sollten Jesu Jünger nach seinen Worten auf Ablehnung reagieren? (b) Wie können wir uns darauf konzentrieren, aufrichtige Menschen zu finden?

      15 Gemäß Jesu Worten sollten seine Nachfolger nicht übermäßig beunruhigt sein, wenn man ihre Botschaft zurückweisen würde; sie sollten sich stattdessen darauf konzentrieren, diejenigen zu finden, die es verdienten, sie zu hören. (Lies Matthäus 10:11-15.) Wenn wir uns bescheidene, erreichbare Ziele setzen, fällt uns das sicher auch leichter. Ein Bruder vergleicht sich mit einem Goldsucher. Sein Motto lautet: „Irgendwann im Lauf des Tages stoße ich bestimmt auf Gold.“ Ein anderer Bruder hat sich vorgenommen: „Jede Woche möchte ich einen netten Menschen finden, den ich nach ein paar Tagen wieder besuchen kann, um sein Interesse zu fördern.“ Manche Verkündiger bemühen sich — wenn möglich — an jeder Tür zumindest einen Bibeltext vorzulesen. Welches realistische Ziel können wir uns setzen?

      16. Warum verkündigen wir beharrlich weiter?

      16 Der Erfolg des Haus-zu-Haus-Dienstes hängt nicht nur von den Reaktionen im Gebiet ab. Das Predigen spielt natürlich eine wichtige Rolle, um aufrichtige Menschen zu retten, aber es dient noch weiteren wichtigen Zielen. Durch das Verkündigen können wir zum einen unsere Liebe zu Jehova beweisen und uns vor Blutschuld bewahren (1. Joh. 5:3; Apg. 20:26, 27). Zum anderen werden die Bösen gewarnt, dass für Gott „die Stunde seines Gerichts“ gekommen ist (Offb. 14:6, 7). Doch vor allem wird durch die gute Botschaft der Name Jehovas auf der ganzen Erde gepriesen (Ps. 113:3). Deshalb müssen wir weiterhin die Königreichsbotschaft predigen, ob die Menschen hören wollen oder nicht. Jehova betrachtet alle unsere Anstrengungen, sie zu verkündigen, als wertvoll (Röm. 10:13-15).

      17. Was werden die Menschen bald einsehen müssen?

      17 Heute wollen viele von unserer Tätigkeit nichts wissen. Doch bald werden sie erkennen müssen, was wirklich dahintersteht (Mat. 24:37-39). Es wird ihnen ähnlich ergehen wie den rebellischen Israeliten zur Zeit Hesekiels. Wie Jehova ihm versicherte, sollten sie „zweifellos doch wissen, dass sich ein Prophet in ihrer Mitte befunden hat“, sobald sich die von ihm verkündeten Urteilssprüche bewahrheiteten (Hes. 2:5). Ebenso wird es sein, wenn Gott sein Strafgericht am gegenwärtigen System der Dinge vollstreckt: Dann werden die Menschen anerkennen müssen, dass die Botschaft, die Jehovas Zeugen öffentlich und von Haus zu Haus verkündigten, von dem allein wahren Gott, Jehova, stammte und dass die Zeugen tatsächlich in seinem Namen gesprochen haben. Wir können wirklich stolz darauf sein, in diesen entscheidenden Zeiten Gottes Namen zu tragen und seine Botschaft zu verkündigen! Meistern wir mit seiner Kraft weiterhin die Herausforderungen des Haus-zu-Haus-Dienstes!

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