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  • Demut – heute noch gefragt?
    Der Wachtturm 2007 | 1. November
    • Demut – heute noch gefragt?

      VIELE Menschen haben den Eindruck, dass Demut in der Welt von heute fehl am Platz ist. Wer den Ton angeben und es an die Spitze schaffen will, muss sich gut präsentieren, muss stolz sein und sich durchsetzen können. Im Allgemeinen werden nicht die Sanften und Demütigen beneidet, sondern die Reichen und Berühmten. Wer Erfolge erzielt, schreibt sie gern sich selbst zu. Leistungen gehen auf das eigene Konto — von Demut ist oft keine Spur.

      Ein kanadischer Kommunikationsforscher schrieb, in Kanada mache sich eine von Stolz und Egoismus geprägte Mentalität breit. Viele finden, dass wir heute in einer Gesellschaft leben, in der man es sich lieber gut gehen lässt, als Verantwortung zu übernehmen, und sie stellen fest, dass die Menschen zunehmend mit sich selbst beschäftigt sind. In einer solchen Welt erscheint Demut nicht gerade attraktiv.

      Natürlich wird kaum jemand etwas dagegen einzuwenden haben, wenn andere demütig sind, denn mit solchen Menschen kommt man schließlich besser aus. Was jedoch die eigene Person angeht, befürchten manche, Demut könne ihnen in unserer wettbewerbsorientierten Welt als Schwäche ausgelegt werden.

      In Gottes Wort, der Bibel, wurde vorausgesagt, dass die Menschen in unserer Zeit „anmaßend“ und „hochmütig“ sein würden (2. Timotheus 3:1, 2). Diese Prophezeiung erfüllt sich ganz offenkundig. Deshalb stellt sich die Frage: Bringt es einem persönlich etwas, demütig zu sein? Oder wird ein demütiger Mensch nicht eher als schwach angesehen, als jemand, der leicht auszunutzen ist?

      Die Bibel liefert uns allen Grund, Demut hoch zu bewerten und uns darum zu bemühen. Sie zeichnet ein ausgeglichenes, positives Bild von dieser Eigenschaft und macht deutlich, dass sie kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke ist. Im nächsten Artikel wird erklärt, warum.

      [Bild auf Seite 3]

      Wie sollten wir über unsere Leistungen denken?

  • ‘Kleidet euch mit Demut’
    Der Wachtturm 2007 | 1. November
    • ‘Kleidet euch mit Demut’

      ER KAM aus einer bedeutenden Stadt, besaß von Geburt an das römische Bürgerrecht und stammte wahrscheinlich aus einer angesehenen Familie. Saulus, so sein Name, hatte eine für das 1. Jahrhundert hervorragende Ausbildung genossen. Er beherrschte mindestens zwei Sprachen und gehörte den Pharisäern an, einer bedeutenden religiösen Gruppe des Judentums.

      Saulus hatte bestimmt gelernt, auf das einfache Volk herabzublicken und auf seine eigene Gerechtigkeit stolz zu sein (Lukas 18:11, 12; Apostelgeschichte 26:5). Die anderen Pharisäer waren überhebliche Menschen, die Ansehen und schmeichelhafte Titel liebten (Matthäus 23:6, 7; Lukas 11:43). Der Umgang mit ihnen muss auf Saulus abgefärbt haben. Wie wir wissen, wurde er ein erbitterter Christenverfolger. Jahre später sagte Saulus, der inzwischen als Apostel Paulus bekannt war, er sei in jüngeren Jahren „ein Lästerer und ein Verfolger und ein unverschämter Mensch“ gewesen (1. Timotheus 1:13).

      Saulus wurde also Christ — der Apostel Paulus — und änderte sich von Grund auf. Demütig erklärte er, er sei „geringer . . . als der geringste aller Heiligen“ (Epheser 3:8). Seinen Erfolg als Evangeliumsverkündiger schrieb er nicht sich selbst zu, sondern gab Gott die Ehre (1. Korinther 3:5-9; 2. Korinther 11:7). Kein anderer als Paulus ermahnte die Christen seinerzeit: „Kleidet euch . . . mit der innigen Zuneigung des Erbarmens, mit Güte, Demut, Milde und Langmut“ (Kolosser 3:12).

      Gilt dieser Rat auch noch im 21. Jahrhundert? Bringt es etwas, demütig zu sein? Kann Demut wirklich ein Zeichen von Stärke sein?

      Ist der allmächtige Schöpfer demütig?

      Beim Thema Demut ist immer der Standpunkt Gottes in Betracht zu ziehen, denn Gott ist unser Schöpfer und Souverän. Im Gegensatz zu ihm haben wir Grenzen, die wir respektieren müssen. Wir sind von Gott abhängig. Ein weiser Mann namens Elihu sagte in alter Zeit: „Was den Allmächtigen betrifft, wir haben ihn nicht ergründet; er ist erhaben an Macht“ (Hiob 37:23). Man braucht nur an das Universum zu denken, um zu erkennen, wie klein und unbedeutend der Mensch ist. „Hebt eure Augen in die Höhe und seht“, schrieb der Prophet Jesaja. „Wer hat diese Dinge erschaffen? Er ist es, der ihr Heer selbst der Zahl nach herausführt, der sie alle sogar mit Namen ruft. Wegen der Fülle dynamischer Kraft, da er an Macht auch kraftvoll ist, fehlt nicht eines davon“ (Jesaja 40:26).

      Jehova Gott ist allmächtig und gleichzeitig demütig. König David sagte in einem Gebet zu ihm: „Du wirst mir deinen Schild der Rettung geben, und deine Demut macht mich groß“ (2. Samuel 22:36). Gott ist insofern demütig, als er sich für kleine, unbedeutende Menschen, die ihm Freude machen wollen, interessiert und ihnen gegenüber barmherzig ist. Jehova neigt sich gewissermaßen vom Himmel herab, um denen Güte zu erweisen, die ihn fürchten (Psalm 113:5-7).

      Außerdem schätzt Jehova Demut bei seinen Dienern. Der Apostel Petrus schrieb: „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber erweist er unverdiente Güte“ (1. Petrus 5:5). Ein Bibelschreiber sagte einmal, wie Gott stolze Menschen betrachtet: „Jeder, der stolzen Herzens ist, ist für Jehova etwas Verabscheuungswürdiges“ (Sprüche 16:5). Doch wie kann Demut ein Zeichen von Stärke sein?

      Was Demut nicht ist

      Demütig zu sein ist nicht dasselbe wie gedemütigt zu werden. In manchen alten Kulturen war der Sklave der Inbegriff des demütigen Menschen — doch er war ein geknechtetes, armes, bemitleidenswertes Wesen. In der Bibel dagegen ist von einer Demut die Rede, die Ehre einbringt. Im Bibelbuch Sprüche beispielsweise heißt es: „Die Folge der Demut und der Furcht Jehovas ist Reichtum und Herrlichkeit und Leben“ (Sprüche 22:4). Und in Psalm 138:6 lesen wir: „Jehova ist hoch, und doch sieht er den Demütigen; aber den Überheblichen kennt er nur von fern.“

      Wenn jemand demütig ist, bedeutet das nicht, dass er keine Fähigkeiten hat oder nicht viel erreichen könnte. Jesus Christus bestritt zum Beispiel nie, Jehovas einziggezeugter Sohn zu sein, und er ließ auch nie den Eindruck entstehen, sein Dienst auf der Erde sei nicht wichtig (Markus 14:61, 62; Johannes 6:51). Dennoch gab er bei allem, was er tat, demütig seinem Vater die Ehre und gebrauchte seine Macht nicht dazu, andere zu beherrschen und zu unterdrücken, sondern ihnen zu dienen und zu helfen.

      Ein Zeichen von Stärke

      Jesus Christus war unter seinen Zeitgenossen zweifellos aufgrund seiner „Machttaten“ bekannt (Apostelgeschichte 2:22). Doch für manche war er ‘der niedrigste der Menschen’ (Daniel 4:17). Er führte nicht nur ein sehr einfaches Leben, sondern machte auch immer wieder auf den Wert der Demut aufmerksam (Lukas 9:48; Johannes 13:2-16). Obwohl er demütig war, war er dennoch nicht schwach. Er verteidigte furchtlos den Namen seines Vaters und führte mutig seinen Auftrag aus (Philipper 2:6-8). Die Bibel beschreibt Jesus als einen mutigen Löwen (Offenbarung 5:5). Sein Beispiel zeigt deutlich, dass Demut sehr wohl mit moralischer Kraft und Charakterstärke vereinbar ist.

      Wer um echte Demut bemüht ist und sich im Leben von ihr leiten lassen möchte, wird feststellen, dass das alles andere als einfach ist. Es bedeutet, sich konsequent dem Willen Gottes unterzuordnen und nicht den Weg des geringsten Widerstands zu gehen oder fleischlichen Neigungen nachzugeben. Zum Entwickeln von Demut ist innere Stärke nötig, denn wenn man sich selbstlos für Jehova und seine Mitmenschen einsetzen möchte, muss man persönliche Interessen zurückstellen.

      Der Nutzen der Demut

      Demut bedeutet Freisein von Stolz oder Arroganz, Niedriggesinntsein (Epheser 4:2). Menschen mit einer demütigen Gesinnung schätzen sich mit all ihren Stärken und Schwächen, Erfolgen und Misserfolgen realistisch ein. Paulus gab diesbezüglich den guten Rat: „Ich [sage] jedem, der sich unter euch befindet, nicht höher von sich zu denken, als zu denken nötig ist, sondern so zu denken, dass er gesunden Sinnes sei“ (Römer 12:3). Jeder, der diesen Rat befolgt, übt sich in Demut.

      Demut zeigt auch, wer die Interessen anderer über seine eigenen stellt. Paulus wurde von Gott inspiriert, Christen zu ermahnen, ‘nichts aus Streitsucht oder aus Ichsucht zu tun, sondern in Demut die anderen höher zu achten als sich selbst’ (Philipper 2:3). Das deckt sich mit Jesu Gebot an seine Nachfolger: „Der Größte . . . unter euch soll euer Diener sein. Wer immer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und wer immer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden“ (Matthäus 23:11, 12).

      Ja, Demut führt dazu, dass man in Gottes Augen erhöht wird. Der Jünger Jakobus unterstrich diesen Gedanken mit den Worten: „Erniedrigt euch in den Augen Jehovas, und er wird euch erhöhen“ (Jakobus 4:10). Wer möchte nicht gern von Gott erhöht werden?

      Mangelnde Demut hat schon viel Streit und Verwirrung gestiftet — sowohl zwischen Einzelnen als auch Gruppen. Wenn es uns an Demut jedoch nicht fehlt, können wir viel Gutes erwarten. Wir können das wohlige Gefühl verspüren, Jehova zu gefallen (Micha 6:8). Wir können inneren Frieden haben, weil demütige Menschen im Allgemeinen glücklicher und zufriedener sind als hochmütige (Psalm 101:5). Im Umgang mit der Familie, mit Freunden, Kollegen oder anderen läuft alles viel glatter und angenehmer ab. Demütige Menschen treten nicht unangenehm fordernd auf und vermeiden dadurch ein Verhalten, das leicht zu Wut, Entfremdung, Groll und Verbitterung führen kann (Jakobus 3:14-16).

      Demut ist wirklich eine gute Grundlage für ein harmonisches Miteinander. Sie ist eine Hilfe bei all den Herausforderungen unserer egoistischen, wettbewerbsorientierten Welt. Der Apostel Paulus konnte mit Gottes Hilfe Arroganz und Stolz überwinden. Auch wir sollten jedem Hang zur Überheblichkeit entgegenwirken und uns nie für etwas Besseres halten. „Stolz geht einem Sturz voraus und ein hochmütiger Geist dem Straucheln“ (Sprüche 16:18). Wenn wir uns an Paulus ein Beispiel nehmen und seinen Rat befolgen, werden wir erkennen, wie weise es ist, ‘sich mit Demut zu kleiden’ (Kolosser 3:12).

      [Bild auf Seite 4]

      Paulus gelang es, Arroganz und Stolz zu überwinden

      [Bild auf Seite 7]

      Wer demütig ist, kommt mit anderen besser aus

      [Bildnachweis auf Seite 5]

      Anglo-Australian Observatory/David Malin Images

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