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  • Ahme Jehova nach, unseren unparteiischen Gott
    Der Wachtturm 2003 | 15. Juni
    • 11. Wie zeigte sich Unparteilichkeit in der Urchristenversammlung?

      11 In der Urchristenversammlung waren Juden und Nichtjuden gleichgestellt. Paulus erklärte: „Herrlichkeit und Ehre und Frieden jedem, der das Gute wirkt, zuerst dem Juden und auch dem Griechen. Denn bei Gott gibt es keine Parteilichkeit“ (Römer 2:10, 11).b Nicht die Volkszugehörigkeit bestimmte darüber, ob jemand von Jehovas unverdienter Güte profitierte, sondern seine Reaktion auf das, was er über Jehova lernte, und auf die Aussichten, die dank des Lösegelds Jesu möglich wurden (Johannes 3:16, 36). Paulus schrieb: „Nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch besteht die Beschneidung in dem, was äußerlich am Fleisch vollzogen worden ist; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und seine Beschneidung ist die des Herzens durch Geist und nicht durch ein geschriebenes Recht.“ Und in Anspielung auf die Bedeutung des Wortes „Jude“ (von Juda: „Lobgepriesen“) fügte er hinzu: „Das Lob eines solchen kommt nicht von Menschen, sondern von Gott“ (Römer 2:28, 29). Jehova ist unparteiisch, was Lob angeht. Sind wir es auch?

      12. Was wird in Offenbarung 7:9 in Aussicht gestellt, und wem?

      12 Später sah der Apostel Johannes in einer Vision die treuen gesalbten Christen, dargestellt als eine geistige Nation von 144 000 Personen, „versiegelt aus jedem Stamm der Söhne Israels“. Anschließend erblickte Johannes „eine große Volksmenge ... aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Zungen ... vor dem Thron und vor dem Lamm, in weiße lange Gewänder gehüllt, und Palmzweige waren in ihren Händen“ (Offenbarung 7:4, 9). Demzufolge ist keine Volks- oder Sprachgruppe von der neuzeitlichen Christenversammlung ausgeschlossen. Menschen jeglicher Herkunft steht die Möglichkeit offen, die bevorstehende „große Drangsal“ zu überleben und in der neuen Welt von „Wasserquellen des Lebens“ zu trinken (Offenbarung 7:14-17).

      Positive Auswirkungen

      13—15. (a) Wie können wir ethnische und kulturelle Barrieren überwinden? (b) Erkläre anhand von Beispielen, wie nützlich sich Freundlichkeit auswirken kann.

      13 Jehova kennt uns ganz genau, wie ein guter Vater eben seine Kinder kennt. Zeigen wir unsererseits Interesse an der Kultur und Herkunft unserer Mitmenschen und lernen sie dadurch verstehen, dann wird das, was sie von uns unterscheidet, immer unwichtiger. So werden Schranken zwischen Volksgruppen überwunden und die Bande der Freundschaft und Liebe gefestigt, was die Einheit stärkt (1. Korinther 9:19-23). Ein gutes Beispiel dafür ist die Tätigkeit von Missionaren, die in fremden Ländern tätig sind. Sie zeigen persönliches Interesse an den Menschen, die dort leben, mit dem Ergebnis, dass sich die Missionare schon bald hervorragend in die Ortsversammlungen einfügen (Philipper 2:4).

      14 Wie positiv sich Unparteilichkeit auswirkt, ist in vielen Ländern zu beobachten. Aklilu stammt aus Äthiopien und fühlte sich in der britischen Hauptstadt London sehr einsam. Verstärkt wurde seine Einsamkeit noch dadurch, dass er das Gefühl hatte, man begegne Ausländern dort allgemein wenig freundlich — ein Gefühl, das man in vielen Großstädten Europas heutzutage verspüren kann. Genau das Gegenteil aber erlebte Aklilu, als er eine christliche Zusammenkunft in einem Königreichssaal der Zeugen Jehovas besuchte. Die Anwesenden hießen ihn willkommen, und binnen kurzem fühlte er sich zu Hause! Schnell wuchs seine Wertschätzung für den Schöpfer. Aklilu suchte schon bald nach Gelegenheiten, in seinem Umfeld die gute Botschaft vom Königreich zu predigen. Eines Tages fragte ihn sein Predigtdienstpartner, welche Ziele er denn nun im Leben habe, worauf Aklilu ihm freiheraus erzählte, er hoffe, eines Tages zu einer Versammlung in seiner Muttersprache Amharisch zu gehören. Als die Ältesten der englischsprachigen Ortsversammlung das erfuhren, sorgten sie gern dafür, dass ein öffentlicher biblischer Vortrag in Aklilus Muttersprache gehalten wurde. Zahlreiche fremdsprachige und einheimische Personen folgten einer Einladung zu der ersten in Großbritannien abgehaltenen öffentlichen Zusammenkunft in Amharisch. Heute bilden Äthiopier und andere eine geeinte, blühende Versammlung. Vielen ist dort bewusst geworden, dass sie nichts hindert, für Jehova Stellung zu beziehen und dies durch die christliche Taufe zu symbolisieren (Apostelgeschichte 8:26-36).

      15 Es gibt Unterschiede in Wesenszügen und Herkunft. Sie taugen nicht als Gradmesser für Überlegenheit oder Minderwertigkeit — es sind schlicht und einfach Unterschiede. Als auf der Insel Malta Personen, die sich unlängst Jehova hingegeben hatten, getauft wurden, verliehen die einheimischen Zeugen ihrer Freude überschwänglich Ausdruck, während den britischen Besuchern Freudentränen in den Augen standen. Obwohl auf unterschiedliche Weise, drückten beide Gruppen ihre Gefühle aus, und ihre tiefe Liebe zu Jehova festigte das Gefühl christlicher Zusammengehörigkeit (Psalm 133:1; Kolosser 3:14).

      Vorurteile überwinden

      16—18. Schildere anhand einer Erfahrung, wie in der Christenversammlung Vorurteile überwunden werden können.

      16 Je stärker unsere Liebe zu Jehova und zu unseren Brüdern wird, desto besser können wir Jehova darin nachahmen, wie er über unsere Mitmenschen denkt. Alle Vorurteile, die wir früher vielleicht gegenüber anderen Nationalitäten, Rassen oder Kulturen hegten, lassen sich überwinden. Ein Beispiel dafür ist Albert, der im Zweiten Weltkrieg bei den britischen Streitkräften diente und beim Fall Singapurs 1942 in japanische Kriegsgefangenschaft geriet. Später arbeitete er rund drei Jahre an der „Todesbahn“ mit, unweit der berühmt gewordenen Brücke am Kwai. Bei seiner Freilassung nach Kriegsende wog er nur noch 32 Kilogramm, sein Kiefer und sein Nasenbein waren gebrochen und er litt an Ruhr, Kopfgrind und Malaria. Tausenden seiner Mitgefangenen ging es noch schlechter und viele kamen um. Albert hatte so schreckliche Gräuel gesehen und erlebt, dass er bei seiner Heimkehr 1945 völlig verbittert war und nichts mehr mit Gott oder Religion zu tun haben wollte.

      17 Irgendwann wurde Alberts Frau, Irene, eine Zeugin Jehovas. Um ihr einen Gefallen zu tun, besuchte Albert ab und an Zusammenkünfte der Ortsversammlung von Jehovas Zeugen. Ein junger Christ namens Paul, ein Vollzeitverkündiger, bot Albert an, mit ihm die Bibel zu studieren. Schon bald erkannte Albert, dass Jehova Menschen nach ihrer Herzenseinstellung beurteilt. Er gab sich Jehova hin und ließ sich taufen.

      18 Später zog Paul nach London, lernte Japanisch und arbeitete mit einer japanischsprachigen Versammlung zusammen. Als einige japanische Zeugen Jehovas zu Besuch kamen und Paul sie mit zu seiner Heimatversammlung nehmen wollte, kam den Brüdern dort in den Sinn, welch starke Vorurteile Albert gegen Menschen aus diesem Teil der Welt gehegt hatte. Seit seiner Heimkehr nach Großbritannien hatte Albert jede Begegnung mit Japanern vermieden, und die Brüder fragten sich, wie er nun wohl reagieren würde. Aber ihre Sorge war überflüssig: Albert nahm die Besucher mit vorbehaltloser brüderlicher Zuneigung auf (1. Petrus 3:8, 9).

      ‘Werdet weit’

      19. Welcher Rat des Apostels Paulus kann uns helfen, wenn wir irgendwie zu Parteilichkeit neigen?

      19 Der weise König Salomo schrieb: „Parteilichkeit zu bekunden ist nicht gut“ (Sprüche 28:21). Uns denen nahe zu fühlen, die wir gut kennen, ist keine Kunst. Aber manchmal neigen wir dazu, denen, die wir nicht gut kennen, nur geringes Interesse entgegenzubringen. Derartige Parteilichkeit ziemt sich nicht für einen Diener Jehovas. Bestimmt sind wir alle gut beraten, den eindeutigen Rat des Paulus zu befolgen und ‘weit zu werden’ in unserer Liebe zu Mitchristen unterschiedlichster Herkunft (2. Korinther 6:13).

      20. In welchen Lebensbereichen sollten wir Jehova, unseren unparteiischen Gott, nachahmen?

      20 Ob wir nun die himmlische Berufung haben dürfen oder uns ewiges Leben auf der Erde in Aussicht steht, hilft uns Unparteilichkeit, eine geeinte Herde unter e i n e m Hirten zu bilden (Epheser 4:4, 5, 16). Unser Bemühen, Jehova, unseren unparteiischen Gott, nachzuahmen, kann uns im christlichen Dienst, in der Familie und in der Versammlung, ja in allen Lebensbereichen helfen. Inwiefern? Damit wird sich der folgende Artikel beschäftigen.

  • Suche in allen das Gute
    Der Wachtturm 2003 | 15. Juni
    • Suche in allen das Gute

      „Gedenke doch meiner, o mein Gott, zum Guten!“ (NEHEMIA 13:31).

      1. Auf welche Weise handelt Jehova gegenüber allen gütig?

      WELCH eine wohltuende Abwechslung, wenn nach tagelangem trübem Wetter endlich wieder die Sonne scheint! Das hebt die Stimmung, und man fühlt sich gleich viel besser. Wie erfrischend kann nach lange anhaltender Hitze und Trockenheit andererseits auch ein Regenschauer, gar ein Wolkenbruch sein. Unser liebevoller Schöpfer Jehova hat die Atmosphäre unserer Erde mit diesem wunderbaren Geschenk ausgestattet — dem Wetter. Jesus machte auf Gottes Freigebigkeit aufmerksam, als er lehrte: „Fahrt fort, eure Feinde zu lieben und für die zu beten, die euch verfolgen, damit ihr euch als Söhne eures Vaters erweist, der in den Himmeln ist, da er seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und es über Gerechte und Ungerechte regnen lässt“ (Matthäus 5:43-45). Jehova handelt wirklich gegenüber allen gütig. Seine Diener sollten sich bemühen, ihn nachzuahmen, indem sie das Gute in ihren Mitmenschen suchen.

      2. (a) Auf welcher Grundlage handelt Jehova gütig? (b) Beachtet Jehova, wie wir auf seine Güte reagieren?

      2 Auf welcher Grundlage handelt Jehova gütig? Seit der Sünde Adams hat Jehova es nicht versäumt, nach dem Guten in Menschen zu suchen (Psalm 130:3, 4). Er hat den Vorsatz gefasst, gehorsamen Menschen das Leben im Paradies zu ermöglichen (Epheser 1:9, 10). Dank seiner unverdienten Güte haben wir die Aussicht, durch den verheißenen Samen von Sünde und Unvollkommenheit befreit zu werden (1. Mose 3:15; Römer 5:12, 15). Das Loskaufsopfer anzunehmen, ebnet den Weg, einmal vollkommen zu werden. Heute beobachtet Jehova jeden von uns, um unter anderem zu sehen, wie wir auf seine Freigebigkeit reagieren (1. Johannes 3:16). Ihm entgeht nichts von dem, was wir tun, um unsere Wertschätzung für seine Güte zu zeigen. Der Apostel Paulus schrieb: „Gott ist nicht ungerecht, dass er eure Arbeit und die Liebe vergessen würde, die ihr seinem Namen gegenüber erzeigt habt“ (Hebräer 6:10).

      3. Welche Frage verdient unsere Beachtung?

      3 Wie können wir in Anbetracht dessen Jehova nachahmen und das Gute in unseren Mitmenschen suchen? Um das zu beantworten, wollen wir vier Lebensbereiche betrachten: 1. den christlichen Dienst, 2. die Familie, 3. die Versammlung und 4. unser allgemeines Verhältnis zu anderen.

      Beim Predigen und Jüngermachen

      4. Warum zeigt unsere Beteiligung am christlichen Dienst, dass wir das Gute in unseren Mitmenschen suchen?

      4 Auf die Fragen seiner Jünger, was das Gleichnis vom Weizen und vom Unkraut bedeute, erklärte Jesus unter anderem: „Das Feld ist die Welt.“ Wir als neuzeitliche Jünger Christi sind uns dieser Tatsache bewusst, wenn wir unseren Dienst durchführen (Matthäus 13:36-38; 28:19, 20). Zu unserem Predigtdienst gehört es, eine öffentliche Erklärung für unseren Glauben abzulegen. Allein schon dass Jehovas Zeugen allgemein bestens dafür bekannt sind, von Haus zu Haus und auf den Straßen zu predigen, beweist, wie eifrig wir nach allen suchen, die es verdienen, die Königreichsbotschaft zu hören. Schließlich wies Jesus seine Jünger ja an: „In welche Stadt oder welches Dorf ihr auch hineingeht, da forscht nach, wer es darin verdient“ (Matthäus 10:11; Apostelgeschichte 17:17; 20:20).

      5, 6. Warum suchen wir Menschen beharrlich zu Hause auf?

      5 Wenn wir unaufgefordert bei den Menschen vorsprechen, können wir beobachten, wie sie auf unsere Botschaft reagieren. Manchmal wäre jemand bereit, uns zuzuhören, aber plötzlich ruft eine andere Person aus der Wohnung nach draußen: „Wir sind nicht interessiert!“, und die Tür geht zu. Dann sind wir traurig, dass Widerstand oder mangelndes Interesse des einen über die Reaktion des anderen bestimmt. In einem solchen Fall wollen wir uns nicht darin beirren lassen, in allen das Gute zu suchen. Aber wie?

      6 Sind wir das nächste Mal in diesem Gebiet unterwegs und sprechen wieder an der gleichen Tür vor, kann sich durchaus eine Gelegenheit ergeben, direkt mit der Person zu sprechen, die uns zuvor abwies. Erinnern wir uns an die damalige Reaktion, können wir uns für diesmal vorbereiten. Vielleicht hat die abweisende Person in guter Absicht gehandelt, weil sie meinte, sie müsse den empfänglich Reagierenden davor schützen, die Königreichsbotschaft zu hören. Ihre Ansicht war vielleicht von falschen Informationen darüber beeinflusst, was wir eigentlich beabsichtigen. Doch das hält uns nicht davon ab, auch diesem Haushalt beharrlich die gute Botschaft vom Königreich zu predigen und wenn möglich Missverständnisse taktvoll richtig zu stellen. Uns liegt daran, allen zu einer genauen Erkenntnis Gottes zu verhelfen. Wer weiß, ob Jehova den Betreffenden nicht zu sich zieht! (Johannes 6:44; 1. Timotheus 2:4).

      7. Was kann uns helfen, im Predigtdienst positiv auf die Menschen zuzugehen?

      7 Jesus ging in seinen Anweisungen an seine Jünger auch auf Gegnerschaft in der eigenen Familie ein. Sagte er nicht: „Ich bin gekommen, um zu entzweien: einen Menschen mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine junge Ehefrau mit ihrer Schwiegermutter.“? Auch fügte er hinzu: „Eines Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein“ (Matthäus 10:35, 36). Aber Umstände können sich ändern und damit auch die Einstellung. Eine plötzliche Erkrankung, der Verlust eines Angehörigen, ein Unglück, eine emotionale Krise und zahllose weitere Faktoren können die Reaktion der Menschen auf unser Predigen beeinflussen. Kann man von uns sagen, wir suchten das Gute in den Menschen, denen wir predigen, wenn wir negativ eingestellt sind und denken, sie würden ja doch nie empfänglich reagieren? Wäre es nicht besser, einfach bei einer anderen Gelegenheit freudig wieder vorzusprechen? Womöglich reagieren sie diesmal ganz anders. Nicht nur, was wir sagen, sondern auch, wie wir es sagen, kann mitunter bewirken, dass die Reaktion anders ausfällt. Inbrünstig zu Jehova zu beten, bevor wir mit dem Predigtdienst beginnen, wird uns zweifellos helfen, positiv zu sein und die Königreichsbotschaft allen auf ansprechende Weise darzubieten (Kolosser 4:6; 1. Thessalonicher 5:17).

      8. Wozu kann es führen, wenn Christen das Gute in ungläubigen Angehörigen suchen?

      8 Es gibt Versammlungen, in denen viele miteinander verwandt sind. Häufig haben sich jüngere Angehörige irgendwann für die Wahrheit geöffnet, weil ältere Familienmitglieder beharrlich an einem guten Verhältnis in der Familie oder in der Ehe gearbeitet und so den Respekt und die Bewunderung der anderen erworben haben. So mancher christlichen Ehefrau hat der Rat des Apostels Petrus geholfen, ihren Mann „ohne ein Wort“ zu gewinnen (1. Petrus 3:1, 2).

      In der Familie

      9, 10. Wie suchten sowohl Jakob als auch Joseph das Gute in ihren Angehörigen?

      9 Die durch enge Bande zusammengehaltene Familie ist ein weiterer Bereich, wo wir das Gute in anderen suchen können. Untersuchen wir, was wir diesbezüglich aus Jakobs Verhalten gegenüber seinen Söhnen lernen können. In 1. Mose 37:3, 4 wird erwähnt, dass Jakob seinen Sohn Joseph besonders liebte. Darauf waren die Geschwister Josephs so eifersüchtig, dass sie sich sogar verschworen, ihn umzubringen. Beachtenswert ist nun, wie Jakob und Joseph später im Leben dazu eingestellt waren. Beide suchten das Gute in ihren Angehörigen.

      10 Als Joseph während einer Hungersnot als oberster Nahrungsmittelverwalter Ägyptens diente, nahm er seine Brüder freundlich auf. Zwar gab er sich ihnen nicht sofort zu erkennen, aber er ließ sicherstellen, dass sie gut versorgt waren und ihrem betagten Vater Nahrungsmittel mitbringen konnten. Joseph sorgte also für ihr Wohl, obwohl er früher unter ihrem Hass zu leiden gehabt hatte (1. Mose 41:53 bis 42:8; 45:23). Auch Jakob sprach auf seinem Sterbebett über alle seine Söhne Segenssprüche. Keinem von ihnen wurde ein Erbe im Land der Verheißung verwehrt, auch wenn wegen verkehrter Handlungen gewisse Vorrechte verloren gingen (1. Mose 49:3-28). Damit bewies Jakob wirklich auf wunderbare Weise die Beständigkeit seiner Liebe.

      11, 12. (a) Welches prophetische Beispiel unterstreicht, wie wichtig es ist, in der Familie das Gute zu suchen? (b) Was lernen wir aus dem Beispiel des Vaters in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn?

      11 Wie Jehova das Gute in seinen Dienern sucht, wird auch an der Langmut deutlich, die er der treulosen Nation Israel gegenüber bekundete. Die Beständigkeit seiner Liebe veranschaulichte Jehova am Beispiel der Familienverhältnisse des Propheten Hosea. Gomer, Hoseas Frau, beging wiederholt Ehebruch. Trotzdem wies Jehova Hosea an: „Geh nochmals hin, liebe eine Frau, die von einem Gefährten geliebt wird und Ehebruch begeht, wie im Fall der Liebe Jehovas zu den Söhnen Israels, während sie sich anderen Göttern zuwenden und Rosinenkuchen lieben“ (Hosea 3:1). Warum diese Anweisung? Jehova wusste, dass aus der Nation, die von seinen Wegen abgeirrt war, Einzelpersonen auf seine Langmut ansprechen würden. Hosea erklärte: „Danach werden die Söhne Israels umkehren und Jehova, ihren Gott, und David, ihren König, gewiss suchen; und sie werden tatsächlich bebend zu Jehova und zu seiner Güte kommen im Schlussteil der Tage“ (Hosea 3:5). Bestimmt ist das ein hervorragendes Beispiel, über das man nachdenken kann, wenn man vor familiären Problemen steht. Ein Vorbild an Langmut zu sein ist das Mindeste, was man bewirkt, wenn man weiter nach dem Guten in seinen Angehörigen sucht.

      12 Wie wir in der eigenen Familie nach dem Guten suchen können, wird noch deutlicher, wenn wir Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn etwas näher betrachten. Der jüngere Sohn kehrte heim, nachdem er sein lasterhaftes Leben aufgegeben hatte. Der Vater behandelte ihn barmherzig. Wie reagierte der Vater aber auf die Beschwerden des älteren Sohnes, der die Familie nie verlassen hatte? An den älteren Sohn gerichtet, erklärte der Vater: „Kind, du bist immer bei mir gewesen, und alles, was mein ist, ist dein.“ Er erteilte ihm also keine barsche Abfuhr, sondern bekräftigte einfach seine väterliche Liebe zu ihm. Weiter sagte er: „Wir mussten einfach fröhlich sein und uns freuen, denn dieser dein Bruder war tot und kam zum Leben, und er war verloren und wurde gefunden.“ Genauso können auch wir beharrlich das Gute in anderen suchen (Lukas 15:11-32).

      In der Christenversammlung

      13, 14. Nenne eine Möglichkeit, das königliche Gesetz der Liebe in der Christenversammlung zu praktizieren.

      13 Als Christen bemühen wir uns, das königliche Gesetz der Liebe zu praktizieren (Jakobus 2:1-9). Nun haben wir vielleicht kein Problem damit, jemand in unserer Versammlung zu akzeptieren, der reicher oder ärmer ist als wir. Haben wir aber vielleicht „Klassenunterschiede“ aufgrund von Rasse, Kultur oder religiöser Herkunft? Wie können wir in diesem Fall den Rat des Jakobus befolgen?

      14 Wir beweisen Großherzigkeit, wenn wir alle freundlich willkommen heißen, die christliche Zusammenkünfte besuchen. Die Nervosität oder Befangenheit derer, die zum ersten Mal einen Königreichssaal betreten, wird wahrscheinlich schnell verfliegen, wenn wir auf sie zugehen und uns mit ihnen unterhalten. Nicht wenige hat man nach ihrer allerersten christlichen Zusammenkunft sagen hören: „Jeder war so freundlich. Es kam mir so vor, als ob mich jeder schon kennt. Ich habe mich gleich zu Hause gefühlt.“

      15. Wie kann Jüngeren in der Versammlung geholfen werden, Interesse an Älteren zu zeigen?

      15 In manchen Versammlungen bilden mitunter Jugendliche nach den Zusammenkünften kleine Grüppchen innerhalb oder außerhalb des Königreichssaals und sondern sich von den älteren Anwesenden ab. Wie lässt sich einem solchen Trend mit positiven Maßnahmen begegnen? Vorrangig ist es natürlich Sache der Eltern, ihre Kinder zu Hause zu schulen und sie auf die Zusammenkünfte vorzubereiten (Sprüche 22:6). Kinder können beauftragt werden, die verschiedenen Veröffentlichungen bereitzulegen, damit jeder alles Nötige mit in die Zusammenkünfte nehmen kann. Eltern können auch am ehesten ihre Kinder dazu ermutigen, mit Älteren und Behinderten im Königreichssaal ein paar Worte zu wechseln. Mit solchen Personen ein nettes Gespräch zu führen, kann Kindern das Gefühl geben, gebraucht zu werden.

      16, 17. Wie können Erwachsene in der Versammlung das Gute in den Jüngeren suchen?

      16 Die älteren Brüder und Schwestern sollten sich für die Jüngeren in der Versammlung interessieren (Philipper 2:4). Sie könnten auf die Jüngeren zugehen und positive Gespräche mit ihnen führen. In jeder Zusammenkunft werden gewöhnlich einige besondere Gedanken behandelt. Warum nicht Kinder und Jugendliche fragen, ob ihnen die Zusammenkunft gefallen hat und ob sie sich an irgendwelche Gedanken erinnern, die sie besonders gut fanden oder umsetzen möchten. Junge Leute sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Versammlung und verdienen Lob und Anerkennung dafür, dass sie während der Zusammenkünfte aufmerksam zuhören, Kommentare geben oder Programmpunkte übernehmen. Wie Kinder und Jugendliche mit Älteren in der Versammlung umgehen und wie sie sich zu Hause einfacher Pflichten annehmen, lässt erkennen, dass sie sich wahrscheinlich gut für größere Aufgaben eignen, wenn sie älter werden (Lukas 16:10).

      17 Jugendliche, die bereit sind, sich um bestimmte Pflichten zu kümmern, reifen oft so weit heran, dass sie geistig befähigt sind, verantwortungsvollere Aufgaben zu übernehmen. Beschäftigt zu sein, kann außerdem davor schützen, Dummheiten zu machen (2. Timotheus 2:22). An solchen Aufgaben können Brüder „auf ihre Eignung geprüft werden“, als Dienstamtgehilfen tätig zu sein (1. Timotheus 3:10). Daran, dass sie sich bereitwillig an den Zusammenkünften beteiligen und eifrig im Predigtdienst tätig sind, sowie an ihrem fürsorglichen Interesse an allen in der Versammlung können die Ältesten das Potenzial dieser Brüder erkennen, wenn sie sie für weitere Aufgaben in Betracht ziehen.

      In allen das Gute suchen

      18. Welche Falle gilt es beim Richten zu meiden, und warum?

      18 In Sprüche 24:23 wird erklärt: „Parteilichkeit im Gericht zu bekunden ist nicht gut.“ Die himmlische Weisheit verlangt, dass sich Älteste vor Parteilichkeit hüten, wenn sie in der Versammlung als Richter handeln. Jakobus erklärte: „Die Weisheit von oben aber ist vor allem keusch, dann friedsam, vernünftig, zum Gehorchen bereit, voller Barmherzigkeit und guter Früchte, nicht parteiische Unterschiede machend, nicht heuchlerisch“ (Jakobus 3:17). Älteste suchen das Gute in anderen, müssen sich aber offensichtlich auch vergewissern, dass ihr Urteilsvermögen nicht durch persönliche Beziehungen oder Gefühle getrübt wird. Der Psalmist Asaph schrieb: „Gott bezieht Stellung in der Gemeinde des Göttlichen; inmitten der Götter [„der Gottähnlichen“, Fußnote; gemeint sind menschliche Richter] richtet er: ‚Wie lange werdet ihr fortfahren, mit Ungerechtigkeit zu richten und gegenüber den Bösen Parteilichkeit zu bekunden?‘ “ (Psalm 82:1, 2). Demnach hüten sich Älteste davor, auch nur den Eindruck von Begünstigung zu erwecken, wenn es um Angelegenheiten geht, die einen Freund oder Angehörigen betreffen. So bewahren sie die Einheit der Versammlung und sorgen dafür, dass Jehovas Geist frei fließen kann (1. Thessalonicher 5:23).

      19. Auf welche Weise können wir das Gute in unseren Mitmenschen suchen?

      19 Dadurch dass wir das Gute in unseren Brüdern und Schwestern suchen, spiegeln wir die Einstellung wider, die Paulus gegenüber der Versammlung in Thessalonich zeigte. Er schrieb: „Überdies haben wir in Bezug auf euch die Zuversicht im Herrn, dass ihr die Dinge, die wir anordnen, tut und weiterhin tun werdet“ (2. Thessalonicher 3:4). Suchen wir in anderen das Gute, sind wir eher geneigt, ihre Fehler zuzudecken. Wir suchen dann nach Punkten, für die wir unsere Brüder loben können, und hüten uns auf jeden Fall vor einer kritischen Geisteshaltung. Paulus schrieb: „Außerdem sucht man in diesem Fall bei Verwaltern, dass einer als treu befunden werde“ (1. Korinther 4:2). Ihrer Treue wegen sind uns all unsere christlichen Brüder und Schwestern lieb und teuer — nicht nur die, die mit der Verwaltung der Versammlung betraut sind. So fühlen wir uns ihnen näher und stärken die Bande christlicher Freundschaft. Wir betrachten sie so, wie Paulus die Brüder zu seiner Zeit betrachtete; sie sind „Mitarbeiter für das Königreich Gottes“ und eine ‘stärkende Hilfe’ für uns (Kolosser 4:11). Dadurch machen wir uns Jehovas Einstellung zu Eigen.

      20. Womit werden die gesegnet werden, die in allen das Gute suchen?

      20 Bestimmt hoffen wir das Gleiche, um das Nehemia mit den Worten betete: „Gedenke doch meiner, o mein Gott, zum Guten!“ (Nehemia 13:31). Wie froh sind wir, dass Jehova nach dem Guten in Menschen sucht! (1. Könige 14:13). Seien wir entschlossen, mit anderen genauso umzugehen. Dann haben wir die Aussicht, erlöst zu werden und in der nahe bevorstehenden neuen Welt ewig zu leben (Psalm 130:3-8).

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