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Ich verspürte Jehovas liebende GüteDer Wachtturm 2004 | 1. Februar
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Eine große Tür tat sich auf
Ich arbeitete mit einer Versammlung in Sydney zusammen und führte mehrere Bibelstudien durch. Einmal traf ich im Dienst einen pensionierten Geistlichen der Kirche von England, der mir erzählte, er habe 50 Jahre die Lehren der Kirche vertreten. Daher war ich erstaunt, als er auf meine Frage, was denn die Kirche über das Ende der Welt lehre, bemerkte: „Da müsste ich mir die Zeit nehmen und einige Nachforschungen anstellen, denn in der Bibel kenne ich mich nicht so gut aus wie die Zeugen Jehovas.“
Bald danach erging ein Aufruf, dass sich Freiwillige melden könnten, in Pakistan zu dienen. Da ich übersehen hatte, dass unverheiratete Frauen nicht infrage kamen, sondern nur ledige Männer und Ehepaare, bewarb ich mich. Offensichtlich wurde meine Bewerbung an das Hauptbüro in Brooklyn weitergeleitet, denn nach kurzer Zeit erhielt ich einen Brief. Man fragte mich, ob ich bereit sei, nach Bombay (Indien) — das jetzige Mumbai — zu gehen, wo man jemand brauche. Das war 1962. Ich willigte ein. Nach einem 18-monatigen Aufenthalt in Bombay zog ich nach Allahabad.
Unverzüglich machte ich mich daran, Hindi zu lernen, was nicht allzu schwierig war, weil man in dieser indischen Sprache im Allgemeinen so schreibt, wie man spricht. Entmutigend war jedoch, dass mich meine Gesprächspartner häufig baten, Englisch zu sprechen, statt mich mit ihrer Sprache abzumühen. Ich stand in diesem neuen Land vor recht interessanten Aufgaben und erfreute mich der Gemeinschaft australischer Glaubensbrüder.
In jungen Jahren hatte ich oft ans Heiraten gedacht, doch nach meiner Taufe war ich, was das anging, im Dienst für Jehova viel zu beschäftigt. Jetzt stieg in mir allerdings erneut der Wunsch nach einem Ehepartner auf. Mein Auslandsgebiet wollte ich aber auf keinen Fall verlassen. Deshalb trug ich Jehova die Angelegenheit im Gebet vor und dachte dann nicht mehr darüber nach.
Ein unerwarteter Segen
Edwin Skinner beaufsichtigte damals die Tätigkeit des indischen Zweigbüros. Er hatte 1946 zusammen mit vielen anderen treuen Brüdern die 8. Klasse der Wachtturm-Bibelschule Gilead besucht. Unter ihnen waren auch Harold King und Stanley Jones, die beide nach China geschickt wurden.a Wegen ihrer Predigttätigkeit warf man sie 1958 in Schanghai ins Gefängnis. Sie saßen dort in Einzelhaft. Nach Harolds Freilassung 1963 trat Edwin brieflich mit ihm in Verbindung. Harold reiste zunächst in die Vereinigten Staaten und nach Großbritannien. Sobald er wieder in Hongkong war, beantwortete er Edwins Brief und erwähnte, er würde gern heiraten. Er habe diesen Wunsch schon im Gefängnis Jehova im Gebet vorgetragen. Von Edwin wollte er nun wissen, ob er nicht eine Glaubensschwester kenne, die zu ihm passen würde.
In Indien kommen die meisten Ehen durch Vermittlung zustande, und man bat Edwin oftmals, den Vermittler zu spielen. Doch er lehnte immer ab. Deshalb übergab er Harolds Brief Ruth McKay, deren Mann Homer reisender Aufseher war. Ruth schrieb mir schließlich und erwähnte, dass ein Missionar, der schon viele Jahre in der Wahrheit sei, eine Frau suche. Ohne den Namen des Bruders und weitere Einzelheiten zu erwähnen, fragte sie mich, ob ich daran interessiert sei, ihm zu schreiben.
Niemand außer Jehova wusste etwas von meinem Gebet bezüglich eines Partners, und zuerst wollte ich den Vorschlag ablehnen. Doch je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr drängte sich mir der Gedanke auf, dass Jehova unsere Gebete ja selten so beantwortet, wie wir uns das vorstellen. Daher teilte ich Ruth mit, solange ich mich zu nichts verpflichtete, könne sie den Bruder bitten, zu schreiben. Der zweite Brief von Harold King ging an mich.
Harolds Geschichte und Fotos von ihm waren nach seinem Gefängnisaufenthalt in vielen Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Er war damals bereits in der ganzen Welt bekannt, doch was mich beeindruckte, war seine Treue im Dienst für Gott. Fünf Monate korrespondierten wir miteinander, dann reiste ich nach Hongkong. Am 5. Oktober 1965 heirateten wir.
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Ich verspürte Jehovas liebende GüteDer Wachtturm 2004 | 1. Februar
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[Bild auf Seite 24]
Im Dienst in Indien
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