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Geschichte zweier FlüsseErwachet! 2000 | 8. Juli
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Geschichte zweier Flüsse
VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN INDIEN
Zwei Hauptströme bilden die Lebensadern des indischen Subkontinents und damit die Lebensgrundlage für Hunderte Millionen von Menschen. Beide Flüsse entspringen nahe beieinander in Gletscherregionen des höchsten Gebirgssystems der Welt und fließen majestätisch rund zweieinhalbtausend Kilometer weit vorwiegend durch zwei Länder. Dann münden sie in zwei verschiedene Meere. Jeder Fluß war die Wiege einer alten Kultur und Zeuge der Geburt einer Weltreligion. Beide werden wegen ihrer segensreichen Auswirkungen von vielen sehr geschätzt, und einer wird auch heute noch verehrt. Wie ihre Namen lauten? Indus und Ganges (letzterer ist in Indien als die Ganga bekannt).
FRÜHE Kulturen entstanden im Bereich von Flüssen, denn Wasser bedeutet seit jeher Leben und Fruchtbarkeit. Da Flüsse mitunter als Götter oder Göttinnen personifiziert wurden, sind die alten geschichtlichen Aufzeichnungen häufig mit Legenden durchsetzt. Das trifft auf jeden Fall auf den Indus und den Ganges zu, der in Indien auch Ganga Ma (Mutter Ganges) genannt wird.
Nicht nur für Hindus, sondern auch für Buddhisten gilt der 6 714 Meter hohe Mount Kailash und der nahe gelegene Manasarovar-See als Sitz der Götter. Lange glaubte man, dieser See sei der Ursprung vier großer Ströme, die aus dem Maul von Tieren fließen würden. Der Löwenfluß war der Indus und der Pfauenfluß der Ganges.
In Tibet hieß man ausländische Entdeckungsreisende nicht willkommen. 1811 bereiste allerdings ein englischer Tierarzt, der für die Ostindische Kompanie arbeitete, auf verschiedenerlei Weise getarnt, das Land. Nach seinen Angaben entsprangen dem Manasarovar-See keine Flüsse, wenngleich einige Gebirgsbäche den See speisten. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts machte man die Quellflüsse des Indus und des Ganges aus. Die Quelle des Indus liegt im Transhimalaja in Tibet, und der Ganges entspringt in einer Eishöhle an den Hängen des Himalajas im Norden Indiens.
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Geschichte zweier FlüsseErwachet! 2000 | 8. Juli
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Wie ist es heute um die Flüsse bestellt?
Flußwasser ist heute von noch entscheidenderer Bedeutung als vor 4 000 Jahren, als die Menschen, um sich zu ernähren, an die Ufer des Indus und des Ganges zogen. Damit die große Bevölkerung Indiens, Pakistans und Bangladeschs mit Wasser versorgt werden kann, müssen die Flüsse sorgfältig kontrolliert werden. (Siehe die Karte auf Seite 16 und 17.) Internationale Abkommen sind notwendig gewesen, weil die Ströme nicht nur durch e i n Land fließen.
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Geschichte zweier FlüsseErwachet! 2000 | 8. Juli
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Der Staudamm am Ganges bei Farakka gewährleistet eine ausreichende und gleichbleibende Versorgung des Flusses mit Wasser für den zunehmenden Schiffsverkehr im Bereich des Hafens von Kalkutta.
Die Verschmutzung des Ganges wie auch vieler anderer Flüsse ist ein echtes Problem. Daher rief die indische Regierung im Jahr 1984 den ehrgeizigen Ganges-Aktions-Plan ins Leben. Man konzentrierte sich darauf, Abwasser in Dünger oder Biogas umzuwandeln, Abflußrohre abseits des Flusses zu verlegen und Aufbereitungsanlagen für Chemieabfälle zu bauen.
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