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Erwachet! 1994
g94 8. 6. S. 14-16

Krakatau — Besuch eines einstigen Katastrophengebiets

VON UNSEREM KORRESPONDENTEN IN INDONESIEN

CARITA BEACH scheint ein sehr friedliches Plätzchen zu sein. Nichts weist auf eine unheilvolle Vergangenheit hin. Allem Anschein nach ist es ein ruhiger Erholungsort. Er liegt auf Java, ungefähr 150 Kilometer westlich von Jakarta an der Sundastraße, die zwischen Java und Sumatra verläuft. Das Menschengewühl und die Verkehrsstaus in Jakarta scheinen weit weg zu sein, und die Atmosphäre strahlt Ruhe und Frieden aus. Eingeborene haben ihre Häuser vertrauensvoll direkt ans Wasser gebaut.

Doch der Name Carita Beach enthält einen versteckten Hinweis auf eine stürmische Geschichte. „Carita“ ist indonesisch und bedeutet „Geschichte“; tatsächlich haben sich an diesem Ort, wie an vielen anderen in jener Gegend auch, eine Menge tragische Geschichten zugetragen — alle handeln von einem einzigen Kataklysmus, der die Region verwüstete und in der ganzen Welt zu spüren war.

Blickt man von Carita Beach aus über das ruhige, blaue Wasser der Sundastraße, so kann man eine Gruppe kleiner Inseln sehen. Von einer — Anak Krakatau (Krakataus Kind) — steigt noch immer Rauch auf. Der ominös klingende Name erinnert an den wütenden „Vater“, den Berg Krakatau, der zum größten Teil nach der Eruption am 27. August 1883, der größten Explosion der modernen Geschichte, in der Sundastraße versank.

Von Carita Beach aus brachen wir — eine Gruppe von siebzehn — auf, um diese Inselgruppe zu besuchen. Für die 40 Kilometer weite Reise über die Sundastraße mieteten wir ein Boot. Während die Küste Javas im Dunst verschwand, wanderten meine Gedanken zurück in die Zeit, als sich der Krakatau wie wild gebärdet hatte.

Krakataus Geschichte

Heute bezieht sich der Name Krakatau auf eine Gruppe von vier Inseln: Rakata, Panjang, Sertung und in der Mitte die vor kurzem entstandene Insel Anak Krakatau. Lange war Rakata das Zentrum vulkanischer Tätigkeit. Es wuchs enorm, als vor Jahrhunderten in unmittelbarer Nähe zwei weitere Vulkankegel aus dem Meer aufstiegen, langsam mit Rakata verschmolzen und so den zornmütigen Berg Krakatau bildeten. Aufgrund der vulkanischen Tätigkeit scheint die Insel glücklicherweise unbewohnt geblieben zu sein.

Zwar gibt es einige Berichte über eine kleinere Eruption im Jahr 1680, durch die der ganze Pflanzenbestand vernichtet wurde, aber 1883 war Krakatau wieder mit üppiger tropischer Vegetation bedeckt. Am 20. Mai 1883 jedoch wurde die Insel „lebendig“; es rumpelte, Explosionen ereigneten sich, und der Berg spie Bimsstein, Asche und Dampfwolken aus. Das Rumoren setzte sich den ganzen Juni und Juli hindurch fort. Mitte August stießen alle drei Hauptkrater große Dampfwolken, Staub, Bimsstein und Asche aus. Schiffe, die die Straße durchfuhren, mußten sich ihren Weg durch Unmengen von Bimsstein bahnen, während es Asche auf das Deck regnete.

Als wir dieselbe Stelle passierten, war das einzige, was gelegentlich auf unser Deck fiel, ein fliegender Fisch, der den Sprung über unser Boot nicht ganz geschafft hatte. Man konnte sich nur schwer vorstellen, daß über diesem ruhigen Gewässer einmal so finstere Wolken der Vernichtung gehangen hatten. Aber der Kataklysmus hatte gerade erst begonnen.

Das Ende näherte sich am 26. August, als es eine Explosion nach der anderen gab und sie zu einem endlosen Donnern verschmolzen. Schließlich erschütterten am 27. August vier große Detonationen den Vulkan — um 5.30 Uhr, 6.44 Uhr, 10.02 Uhr und um 10.52 Uhr. Die dritte und stärkste Explosion war weit heftiger als die Atombombenexplosion von Hiroschima oder irgendeine spätere Atomexplosion. Tatsächlich sagen einige, sie habe die Kraft von 100 000 Wasserstoffbomben gehabt. Sie war in Australien, Myanmar und auf Rodriguez, einer Insel, die 5 000 Kilometer entfernt im Indischen Ozean liegt, zu hören. Die Druckwelle in der Atmosphäre umkreiste die Erde siebeneinhalbmal, bevor sie verebbt war. Sogar im weit entfernten Ärmelkanal schaukelten die Schiffe als Folge der abklingenden seismischen Wellen.

Eine pilzförmige Aschenwolke stieg schätzungsweise 80 Kilometer hoch. Dunkelheit bedeckte die gesamte Region zweieinhalb Tage lang. Die New York Times zitierte am 30. August 1883 Lloyd’s of London und warnte alle Schiffe davor, durch die Sundastraße zu fahren. Sie sei für die Schiffahrt zu gefährlich, weil alle Leuchttürme „verschwunden“ seien. Der Staub aus dem Vulkan gelangte hoch in die Atmosphäre, und innerhalb von Wochen hatten Luftströmungen ihn über die ganze Erde verbreitet. Das führte unter anderem ein bis zwei Jahre lang zu leuchtenden Sonnenauf- und -untergängen, Halos und anderen atmosphärischen Phänomenen.

Die Zerstörung von Leben

Die Explosion verursachte riesige seismische Meereswogen, Tsunamis genannt, die im offenen Meer eine Höhe von 15 Metern erreichten. Als eine solche Welle in die enger werdende Bucht bei Merak auf Java rollte, soll sich die Wasserwand zu einer Höhe von 40 Metern aufgetürmt haben. Sie stürzte auf die Stadt herab und zerstörte sie vollständig. Mehrere andere Städte an den Küsten von Java und Sumatra erlitten ein ähnliches Schicksal. An jenem Tag ertranken fast 37 000 Menschen durch Tsunamis. Ein Kriegsschiff wurde 3 Kilometer landeinwärts gefunden.

Was genau war geschehen? Der furchteinflößende Krakatau hatte seine riesige unterirdische Magmakammer ausgeleert und ungefähr 20 Kubikkilometer Schutt ausgespien. Die leere Kammer stürzte ein, wobei zwei Drittel der Insel ins Meer stürzten. Das Land, das 300 Meter aus dem Wasser geragt hatte, sank auf 300 Meter unter dem Meeresspiegel. Übrig blieb nur die Hälfte von Rakata, dem höchsten Vulkankegel.

Panjang, Sertung und das, was von Rakata übrigblieb, war mit einer 30 Meter dicken Schicht heißer, steriler Asche bedeckt. Man glaubte, alles Leben sei vernichtet worden. Neun Monate später wurde bei einer Besichtigung nur eine kleine Spinne gefunden, die ein Netz spann. In den folgenden Jahren wurde Krakatau so etwas wie ein Forschungslabor, als Wissenschaftler die Rückkehr des Lebens auf die drei Inseln dokumentierten. Das nächstgelegene Land, von dem Leben kommen konnte, war 40 Kilometer entfernt.

Vor etwas mehr als 60 Jahren stieg mitten zwischen den drei Inseln ein neuer Vulkankegel aus dem Meer auf — „Krakataus Kind“ (Anak Krakatau). Der Vulkan brach immer wieder aus und wuchs im Laufe der Jahre. Heute ist er ungefähr 200 Meter hoch, 2 Kilometer breit und sehr aktiv. Dieses zu Wutausbrüchen neigende „Kind“ besuchten wir zuerst.

Ein Besuch bei „Krakataus Kind“ und seinen Nachbarn

Wir gingen nahe an der Küste von Anak Krakatau vor Anker, kletterten mit einiger Mühe aus dem Boot und betraten den glitzernden schwarzen Sandstrand. Der östliche Zipfel der Insel war mit Keulenbäumen dicht bewaldet; einige Stämme hatten einen Durchmesser von 60 Zentimetern. Es gab eine erstaunliche Vielfalt von Blumen und anderen Pflanzen. Viele Arten von Vögeln flatterten zwischen den Bäumen umher, und in einem Feigenbaum hingen Fledermäuse mit dem Kopf nach unten. Eidechsen huschten durchs Gestrüpp. Im bewaldeten Teil der Insel wimmelte es von Schmetterlingen und anderen Insekten.

Das wiedererwachende Leben auf Anak Krakatau hat im Laufe der Jahre wegen der Eruptionen jedoch viele Rückschläge hinnehmen müssen; pflanzliches Leben bedeckt erst ungefähr 5 Prozent der Insel. Als wir durch die tiefe schwarze Asche zum Gipfel des Vulkans stapften, sahen wir, daß eine Vielzahl Pflanzen schon damit begonnen hat, sich auf diesen kahlen Hängen anzusiedeln, und langsam immer höher kriecht, bis der nächste Ausbruch zum Rückzug zwingt.

Dampf drang aus Ritzen an den Hängen des Vulkans. Als wir vom Rand des Kraters aus auf die Glut hinuntersahen, konnten wir mit eigenen Augen sehen, wie es in diesem feurigen „Kind“ brodelt. Es war nicht schwer, sich vorzustellen, daß tief unter der Sundastraße die riesigen tektonischen Platten aneinander reiben, wodurch diese Region zu der mit den aktivsten Vulkanen der Welt wird.

Auf den Nachbarinseln Sertung, Rakata und Panjang ist die Wiederbewaldung schon weiter fortgeschritten. Dort fanden seit der unvergeßlichen Explosion 1883 keine Eruptionen mehr statt. Nach etwas mehr als einem Jahrhundert sind die Wunden verheilt, die Inseln haben sich regeneriert und sind wieder friedlich und mit üppiger tropischer Vegetation bedeckt. Faktisch waren diese Inseln nur 20 bis 40 Jahre nach dem Ausbruch schon wieder mit Pflanzen bewachsen und von einer Vielfalt an Vögeln, Eidechsen, Schlangen, Fledermäusen und Insekten bewohnt. Inzwischen hat sich das wiedererwachte Leben schnell ausgebreitet.

Haben einige Lebensformen die furchtbare Hitze und den Aschenregen überlebt? Nach Meinung vieler Botaniker und Zoologen nicht; allerdings ziehen einige diese Schlußfolgerung in Zweifel. Allgemein wird angenommen, daß Vögel und Treibgut von über die Ufer getretenen Flüssen in Sumatra und Java Pflanzensamen und andere Lebensformen mitgebracht haben.

Als wir mit unserem Boot das ruhige blaue Wasser zwischen den Inseln verließen und nach Java zurückfuhren, mußte ich unwillkürlich über die bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit unseres Planeten nachdenken. Überläßt man die Erde sich selbst, kann sie sich wieder erholen. Für mich war dieser Gedanke sehr tröstlich, besonders angesichts der Tatsache, daß die Menschheit gerade jetzt auf unserem Planeten eine Katastrophe von weltweitem Ausmaß herbeiführt. Heute richtet der Mensch allmählich solchen Schaden an, daß sogar der gewaltige Ausbruch des Krakatau dadurch in den Schatten gestellt wird. Aber wenn der Mensch damit aufhört — und er wird damit aufhören —, wird die Erde sich erholen. Während wir durch die azurblauen Wellen der Sundastraße fuhren, sah ich zurück auf die grünen Inseln, die nach dem „Tod“ Krakataus wieder voller Leben sind. Ja, die Erde kann sich regenerieren. Wie wunderbar wird es sein, zu beobachten, wie das auf der ganzen Erde geschieht! (Jesaja 35:1-7; Offenbarung 11:18).

[Bild auf Seite 15]

Anak Krakatau in der Ferne

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